Ausgabe 
1.1.1934
 
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Dienstag, Z.Ianuar 1934

Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesien)

Kr. 1 Zweites Blatt

nab, legt die Vermutung nahe, daß er Wirkungen des neuen Zollsystems erkc

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wirkt und immer von neuem das Leben eines Vol­kes, ja einer Welt, befruchtet und umgestaltet.

Gin Ghrenabzeichen für verdiente Feuerwehrleute.

Das preußische Innenministerium hat eine Verdienst. Medaille für solche Feuerwehrleute herausgegeben, die entweder 25 Jahre im Dienst sind oder sich sonst ganz besonders ausgezeichnet haben.

Zwischen dem Potsdamer und Anhalter Bahnhof in Berlin, in der Nähe der Hochbahnstation Gleis- ! dreieck, befinden sich die weit ausgedehnten riesigen

her dort im Umlauf waren.

Den Wirrwarr auf handelspolitischem Gebiet be­seitigte das Zollgesetz von 1818 mit einem Schlag. Den Kleinmütigen jener Zeit erschien es freilich als ein unerhörtes Beginnen, daß Preußen durch dieses Zollgesetz seine rein landwirtschaftlichen, seit dem Befreiungskrieg in schwerster wirtschaft­licher Not befindlichen Ostprovinzen mit den industriell schon fortgeschritteneren Rheinlanden zu einem einheitlichen Wirtschaftsgebiet verband. Der Segen des kühnen Schrittes stellte sich jedoch überraschend schnell ein. Der Erfolg machte aber die preußische Handelspolitik im übrigen Deutschland keineswegs so populär, wie die preußische Regie­rung wohl selbst gehofft hatte. Nicht nur die Hofe und Regierungen, die sich durch die neue preußische Politik in ihrerSouveränität" bedroht fühlten, sondern auch die Massen des Volkes, ja selbst viele der besten Patrioten griffen das preußische System zuerst aufs heftigste an. Bei dem Unverstand, der fast das ganze Deutschland in den Klein- und Mit­telstaaten' damals beherrschte, muß es noch heute Bewunderung erregen, mit welcher hervorragenden diplomatischen Kunst die preußischen Staatsmänner jener Zeit unbeugsame Entschlossenheit in der Ver­folgung ihres Ziels mit freundlichstem Entgegen­kommen gegen alle Sonderwünsche verhandliings- bereiter Partner verbunden haben. Wenn das große Ziel darunter nicht zu leiden drohte, so schonten sie jede Empfindlichkeit des kleinsten Staates und bau­ten jedem goldene Brücken, auch wenn er sich vor­her noch so ungebärdig betragen hatte. Wo freilich im Interesse des Erfolgs ein Widerstand gebrochen werden mußte, gab es für sie kein Nachgeben und

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keine Rücksicht.

Es ist umstritten, ob die preußischen Staatsmän­ner bereits bei der Vorbereitung ihres neuen Zoll- qesetzes die staatspolitischen Möglich­keiten erkannten, die es der preußischen Politik

dichten, unübersehbaren Wagenkette zu verschwinden und neue Sendungen in den umliegenden Straßen-

3m Lazarett der pakeie.

85000 Sendungen verlaffen Berlin. Sei den Packärzten der Reichspost.

Kampf der wahren und Kampf der falschen Romantik, das ist die Losung! Am Abend des Ramasan leuchten jetzt an den Minaretts der zahl­losen Moscheen am europäischen und am asiatischen Ufer die elektrischen Glühlampen auf. Freilich, das war schon vor der nationalen Revolution Kemal Paschas Was aber nicht war, das find die Sprüche, die an den Moscheen jetzt sichtbar werden, die Hin­weise auf das Wirtschaftsprogramm der Hingen türkischen Republik

Die Weihnachtsfeiern der hiesigen Christen er­strecken sich weit in das neue Jahr hinein. Denn nach den Katholilen und Protestanten kommen noch die Armenier, die Griechen und d,e Russen. Sie alle hatten sih fast an den deutschen Weih­nachtsbaum gewöhnt, und trotz völlig fremder Um­gebung konnte mm sich sonst hier zur Zeit des weihnachtlichen" Ramasan fast heimisch fühlen. Nur der Schnee fehlte. Aber mit dem sink> wirja auch zu Hause in den letzten Jahren nicht allzu sehr verwöhnt w-rden. Und nun ,st dieser Schnee gekommen, aber Die Weihnachtsbaume fehlen Em Gesetz zum Schitz des türkischen Waldes hat das Schlagen unmöglich gemacht. Man muß sich anders behelfen. .

Das Wohl be< Staates herrscht vor und wird begeistert anerkennt, auch wenn Althergebrachtes dabei verschwinden muß. Man raucht noch die Nar- aileh die berühmte Wasserpfeife, und ihr glucksen- des Geräusch mscht sich nach wie vor m den Kaffee- ftuben mit dem Geklapper der Würfel die den na­tionalen Brettstielen ihren Lauf vorschreiben. Jetzt mehr denn je, denn die Kälte treibt die Menschen in die warme, Räume, wo die frierenden Fuge auf kostbaren Teppichen ruhen, und wo man den

orientalischen Gesängen lauschen kann, welche die Lautsprecher vermitteln oder einheimische Künstler vortragen. Aber auch hier der Einbruch einer neuen Zeit. Nicht das Radio, nicht das Grammophon! Nein, es ist der unverkennbare Geist der Zuversicht und der Freude, der schon aus vielen Gesängen klingt, und nach und nach die unendliche Wehmut vertreibt, den Schmerz, die Klage über das, was niemals erreicht werden kann, mit einem Wort alles was früher der türkischen Musik das Ge­präge gab. Kein Wunder das, bei einem Volk, das nur dem Krieg, dem Kampf und der Anerkennung eines unerbittlichen Schicksals lebte. Dieses Volk )at jetzt erkannt, daß man sehr wohl seines eigenes Glückes Schmied sein kann. Es hat unter dem Wort seines Führers energisch zugepackt, hat Erfolge über Erfolge geerntet und wird seines Lebens froh. Das türkische Lied, das türkische Buch, sie atmen mit einem Mal Hoffnung und Zuversicht. Der unerwar­tete Schnee des Ramasan gibt Gelegenheit, das alles so recht zu begreifen. Und es wird begriffen!

Sollte sich die Natur ein wundersames Spiel er­lauben? Sollte an den Mittelmeerküsten in Zu­kunft der Winter ein hartes Wort zu reden haben? Sache der Gelehrten, das festzustellen! Den Türken von heute wird es nicht schrecken. Anatolien ist nie­mals in dieser Hinsicht verwöhnt worden. Dort ist Schnee zur Zeit des Ramasan nichts Ungeroöhn-- liches. Und Anatolien, in dessen Hauptstadt Ankara der Führer sein Stabsquartier aufgeschlagen bat, Anatolien, das soll ja die Zukunft sein. Dort gibt es gelbes undschwarzes" Gold, das Naphtha. Dort baut man Fabriken, dort gibt es Arbeit ftir Jaffr- hunberte. Dort herrscht derAnatolismus Mustafa Kemal Paschas. Mag immer Schnee fallen zur Zeit des Ramasan! Es wird auch Istanbul nicht in Ver­legenheit bringen. Ein harter Winter treibt zur Arbeit an. Arbeit ist die Grundlage des türkischen Aufbauprogramms.

Die Möven, die von den Stürmen im Schwarzen Meer ins Goldene Horn geflüchtet sind und nun die Brückenpfeiler und Straßenbahnmasten zieren, wundern sich vielleicht, daß nun auch hier für sie kein Paradies mehr ist, denn es gibt kein Paradies, in dem man frieren muß. Der Bewohner Istanbuls aber denkt an die Zukunft. Er hat keine Zeit mehr, sich zu wundern und zu philosophieren, und er tröstet sich mit mehr als mit der Hoffnung, daß der Schnee nun bald schmelzen und daß in wenigen Wochen bei wundervollem Sternenschein am Ufer des Bosporus das Schluchzen der Nachtigall er­tönen wird...

t>jch«n Entwicklung der jüngsten V-rgangenh-ft.! ~ H 7""^

Von Folgerichtigkeit und' Z-°»l°ch°,t^/°un°n w.r! ^dene Autos, mit Paketen

leider erst letzt in unserer Volltlk wieoer reoen, Heerzüge und Straßenbahnwagen hier an.

nachdem enb- Ununterbrochen überqueren kleine und große Fuhr-

Volkes m unbynterellentenbauren eno , Hof sausen gelbe Postautos an der Paket-

N..üb°rn-und«n ist. Di« ch-cht- des Deutjch-n q . um bann ebenso schnell aus der

Zollvereins lehrt es uns beutlich, baß nur eine Politik auf lange Sicht, im Besonberen eine Hanbelspolitik, bie mit langen Fristen rechnet, dem ganzen Volke Nutzen bringen kann, eine Han­belspolitik, bei ber bas eigennützige Interesse ein­zelner Wirtschaftsgruppen bem Gesamtwohl des Staates untergeordnet wirb. Das neue Reich steht jetzt zufällig wieber vor einem neuen A b- s ch ni 11 seiner Hanbelspolitik und es ist ein großes Glück, daß uns bei dem Beginn dieses Abschnittes das Geschick eine im Volk fest verankerte Regierung geschenkt hat, die in der Lage ist, eine dem Ganzen dienende Wirtschaftspolitik gegen alle Sonderinteressen durchzusetzen.

Diese Stadt fiel aufs neue einem stürmenden Gegner zum Opfer: bem Winter. Lange wahrte 6er9 Stampf. Wütend blies der Feind seinen Eises- hauch aus bem frierenben Europa über Thrakien und Bosporus. Aber immer wieber stemmte sich der heiße Brobem Afrikas bagegen unb erstickte die Heeressäulen Winter-Obins m einer Flut von Wasser Doch nach unb nach errang ber Gegner bie Oberhanb. Schon brang ber Schnee über Abna- nopel hinaus, bem kein noch so helbenhafter Schukr' Pascha genutzt hätte, bie Tschatalbscha-Lime, gegen die Bulgaren, Serben unb Griechen vergebens an- neftürmt waren, mürbe genommen. Schnee lag ve reits im Belgraber Wakbe unb im Tal ber Süßen Wasser von Europa, Schnee bebeckte ganz Anato­lien von ben Schluchten bes bythmischen Olymp bis'xu ben süblichen Hängen bes Taurus, boch norfAielt Istanbul stanb. Bis in ber ersten Nacht

^nmafan ber Fastenzeit, auch Konstantinopel Masten str-L Schnee fiel auf die Kuppeln der fiaq a Sophia und der Sultan-Achmed-Moschee MSZM-- MM-WZ gut. Aber die Schuhputzer an den Stratzenecren

Am 1. Januar 1934 waren hundert Jahre ver­gangen, seitdem zum erstenmal in der deutschen Geschichte der größte Teil des deutschen Landes, das Bismarck bann fast 40 Jahre später xum Deutschen Reich zusammenfaßte, wirtschaftlich geeinigt würbe. Die grunblegenbe Bebeutung dieses großen, in frieblicher Arbeit gewonnenen Sieges ber preußischen Politik für bie Einigung des beutschen Volkes ist unbestritten. Die heutige beutsche Generation aber ist mehr als jebe vor ihr verpflichtet, den Staatsmännern, bie damals in zähem Kampf ben ersten großen Erfolg auf bem Weg ber deutschen Wiedergeburt errungen haben, ein dankbares Gedenken zu widmen, weil es ihr vergönnt ist, das vor hundert Jahren begonnene Werk ber deutschen Einigung unter Hindenburgs unb Hitlers Führung zu vollenben.

Es waren natürlich zunächst bie inneren Ver­hältnisse, bie ber preußischen Regierung nach ber langen napoleonischen Kriegszeit eine Aenberung des zum Teil sehr ehrwürdigen Zollwesens drin­gend nahelegten. Bestanden boch in bem burch ben Wiener Kongreß erheblich vergrößerten preußischen Staatsgebiet bis zum 1. Januar 1819, an bem ber neue, einheitliche Zolltarif mit ber Erhebung ber Zölle an ber Landesgrenze in Kraft getreten war, nicht weniger als 67 verschiebene Zoll­tarife mit runb 3000 Warenklassen. Daneben aber galten in ben neuerworbenen sächsischen Ge­bieten noch bie sogenannte kursächsische General- accise unb in Neuvorpommern bas schwebische Zoll­wesen, währenb im Rheinlanb nach der Aufhebung des französischen Douanensystems völlige Anarchie herrschte. Die wirtschaftliche Zerrissenheit des Lan­des wird noch deutlicher, wenn man hört, daß neben der preußischen Talerwährung in Pommern und Posen noch 48, in den Gebieten westlich der Elbe gar 7 1 fremde Ge 1 dsorten amtlich anerkannt werden mußten, weil sie seit alters*

Der Erfolg beweist, daß ihm das in hervorragen­dem Maße gelungen ist. Als das Gesetz bem Staats­rat zur Beschlußfassung vorgelegt wurde, führte eines seiner Mitglieber aus, daßdem Notstanb des Gewerbekreises in Schlesien und Sachsen nur durch die Freiheit zu begegnen sei", und 53 von den 56 anwesenden Mitgliedern stimmten danach für das Gesetz. Die Baumwoll- und Kattunfabrikanten aus Schlesien und Berlin, denen durch das neue Zoll­wesen geholfen werden sollte, und tatsächlich auch geholfen worben ist, ließen dagegen ihre Notschreie weithin durch das Land erschallen und behaupteten, baß sie burch das Gesetz ruiniert werben würben. Wie unberechtigt ihre Klagen waren, bewies sehr schnell die tatsächliche Entwicklung. Ein paar Jahre I später erklärte Huskisson, den die Engländer einer der erleuchtetsten Geister der Welt nennen unb ber sein Land in mühseligen Kämpfen nach und nach bem Gedanken des Freihandels gewann, im engli-

Moment blitzschnell mit Rotstift aus die einzelnen Glieder dieser endlosen Paketreihe zu schreiben. .

lieber 85 0 0 0 Sendungen verlassen j e - d e n T a g die Reichshauptstadt: fast ebensoviel kom­men täglich an. Um die Weihnacht- und Osterzeit ist die Zahl der Pakete allerdings noch wesentlich höher, trotzdem der Berliner Paketverkehr in den letzten Jahren infolge ber wirtschaftlichen Lage be­trächtlich zurückgegangen ist! Unaufhörlich schlängeln sich immer wieder neue beladene Bänder durch die weiten Hallen. Farbige Lampen leuchten von Zeit zu Zeit kurz auf, und eine Lärmsymphonie aus Klingeln- und Hupensignalen betäubt die Ohren.

Dort hat man einen Tisch aufgebaut, welcher mit einer Staubsaugevorrichtung versehen ist. Aller Schmutz unb Staub, ber an ber Verpackung haftet, wirb auf biefe Weise entfernt.

Plötzlich wirb bie gleichmäßige verantwortungs­bewußte Arbeit ber Beamten durch einen Zwischen­fall unterbrochen. Die Umhüllung eines mangelhaft verpackten Kartons ist entzwei gegangen. Eine dick­liche schwarze Flüssigkeit quillt aus einer offenen Flasche und ergießt sich über die in der Nähe liegen­den Sendungen. Schnell sind ein paar Beamte zur Stelle und heben vorsichtig alle in Gefahr befind­lichen Päckchen heraus, legen sie behutsam in einen besonderen sauberen Wagen unb transportieren bie verwundeten Patienten ber Reichspost in ein eigen­tümliches Paketlazarett. Unzählige mit farbi­gen, chemischen Flüssigkeiten gefüllte Flaschen unb seltsame Apparate stehen an ben hell getünchten Wänben diesesOperationssaales", lieber 300 Pakete werben täglich hier eingeliefert undverarztet". Wenn man es nicht mit eigenen Augen erleben würde, niemals würbe man es für möglich halten, wie unvorsichtig unb leichtsinnig bie Menschen mit bem oft kostbaren Gut umgehen, bas sie der Post anvertrauen. Wertvolle Gegenstände werben in halb zerrissene, schmutzige, dünne Papier­bogen eingewickelt. In durchlöcherten, fadenscheini­gen Beuteln sollen die Sendungen ihre oft viele hundert Kilometer lange Reise antreten.

Aus einem hölzernen Tisch liegen alle die eben

zügen aufzunehmen.

Aus diesem Paketamt in der Luckenwalder Straße werden alle Päckchen und Pakete, die vom Pots­damer ober Anhalter Bahnhof abgehen sollen, sorg­fältig verloben. Neu anfommenbe Sendungen wer­den an andere bestimmte Berliner Postämter weiter­geleitet.

Eine neue technisch vollkommene, besonders kon­struierte Förderanlage ermöglicht schnellste Ab­fertigung aller hier eintreffenden Pakete. Jedes ein­zelne Päckchen wandert sofort aus dem gelben Post- auto direkt auf eines der laufenden Bänder, welches die vielen Sendungen auf mechanischem Wege in die nie ruhende Arbeitshalle dieses großen Paketamtes bringt. Die runde Hutschachtel fährt neben ber stabilen Holzkiste, ber schon etwas morsche Korb gleitet als Nebenmann einer liebevoll verpackten Konfektschachtel an ben Händen ber aufmerksamen Beamten vorbei. Jebes einzelne bieser Pakete wirb von einem ber hier Beschäftigten von bem srieblich bohinsließenden Band genommen, unb mit einer geheimnisvollen Zahl versehen. Sämtliche Orte Deutschlands und alle wichtigen Stationen bes Aus- lanbes haben wie der liebenswürbige Vorsteher bieses Postamtes berichtet nämlich ganz bestimmte Zahlen, unb jede bieser Nummern müssen bie Be­amten auswendig wissen, um sie dann im gegebenen

HundettZahre deutsche WirtschastSemheit

Zur Erinnerung an die Gründung des Deutschen Zollvereins.

Von Or. $. Pfeffer

Aamafan im Schnee.

Strenger Winter am Goldenen Horn.

Von unserem A S.-Sonderberichterstatier.

Istanbul, Ende Dezember.

Istanbul ist gefallen! - Noch einmal wurde Konstantinopel erobert. Nach hartnäckigem Kamps, wie jo oft im Laufe der Gefchichte, fett ber saaen- hafte Byzas aus Megara mit feinen Mannen, bem delphischen Spruche folgend, die Landzunge be­setzte auf der später die Römer bauten, wo dann der erobernde Türke den Sultanspalast schuf. Und auch dieser Palast ist übrigens längst Museum ge­worden, währenb bort, wo sich zwischen zwei Kon­tinenten zwei Meere vermählen Gegenwart und Zukunft versinnbildlicht sinb im Denkmal des Füh­rers Mustafa Kemal Pascha.

Die Errichtung des Deutschen Zollvereins war eine große politische Tat, weil aus ihm in eiserner Konsequenz schließlich das Bis- m a r ck s ch e Reich hervorgegangen ist Aber es wäre falsch, seiner rein wirtschaftliche Bedeu­tung für bie Entwicklung von Hanbel unb Verkehr in Deutschlanb barüber zu übersehen. Ohne bie Möglichkeiten, "bie der Deutsche Zollverein gegeben hat' wäre weder bie überaus schnelle Entwicklung bes' beutschen Eisenbahnwesens noch bie von Hanbel, Gewerbe unb Lanbwirtschaft überhaupt denkbar ge­wesen. Im Zollgesetz von 1818 suche Maaßen zum erstenmal in ber Wirtschaftsgeschichte eines großen Staates die Jbeen ber Wirtschaftsschule von Abam Smith, ber er von früh anhing, mit ben Erforbernissen der politischen Praxis zu oerbtnben blicken sehnsüchtiger denn je nach Kunbschaft aus, um wieder einmal ihre Glieder regen ZU können, unb wer sich jetzt hier bie Stiefel putzen aßt, der kann gewiß sein, daß sich selbst bas abgeschabteste Leber unter ben Hänben ber Fröstelnben in glan= xenben Lack verwanbelt. Unb in ben Abenbstunben, wenn ber Ramasan unterbrochen wirb, dann füllen sich die Kaffeestuben. Der kalte Wind vertreibt bie Leute von ben Straßen, auf benen sie zu dieser Zeit so gerne lustwandeln. Das gewohnte Bild ist üeränbert. Ramasan im Schnee!

Das ist eine eigenartige Laune der Natur. Soll sich benn alles oeränbert haben? Der Ramasan ist ohnebies nicht mehr bas, was er war. Weiß Gott, er hat sich geroanbelt! So, wie jebes Ding m ber mobernen Türkei, bie vor allen Dingen nur eines kennt: Das Wohl ber Nation, bem sich alles, aber auch alles unterzuorbnen hat.

Täglich gelangen in Berlin über 300 man­gelhaft verpackte Postsendungen zur Ausbesse­rung in das größte beutsche Umschlagspostamt in der Luckenwalder Straße.

für die Umgestaltung der deutschen Verhältnisse bot. Manche Äußerungen des Staatskanzlers Fürsten Hardenberg, der den Anstoß zu der Reform ' ~ ' ig nahe, daß er die weiteren

_______o... ... ... Zollsystems erkannt unb ge­wollt hat. Sicher ist, baß vom Jahr 1820 ab bie politische Bebeutung bes Werkes allen preußischen Regierungsstellen klar war, währenb bie oberen beutschen Regierungen von dieser Seite des großen Werkes nichts merkten. Vor allem der im Jahre 1825 vom König zum Finanzminister berufene Friedrich von Motz sorgte durch die klaren schen Parlament:Ich hoffe, daß der Tag kommen Richtlinien die er der preußischen Handelspolitik wirb, wo ber Tarif bieses Landes ebenso frei sein qab dafür', daß seitdem keine preußische Regierung ! wird wie der preußisch-". Wir Deutschen nennen mehr dos politische Ziel neben der ungeheueren i England das klassische Land des Frechandels, in der wirtschaftlichen Bedeutung aus den Augen oerlor. Tat aber sind diese große Gedanken die die Welt- Ihm war es allerdings nicht mehr beschieden, den wirtschaft für ein halbes Jahrhundert beherrs-yt und großen Erfolg seiner Politik im Jahre 1834 zu er- i zu ihrer ungeahnten Entwicklung beigetragen haben, leben, denn er starb allzu ftüh für den preußischen j zuerst in Preußen mit den politischen Erfordernissen Staat und das deutsche Bolk, erst 54 Jahre alt, schon der Nation verbunden worden von Mannern, deren am 30 Juni 1830 Sein Mitarbeiter unb Nachfol- Namen in Deutschlanb heute wenig mehr Menschen ger im Finanzministerium, M a a ß e n, ber ber Ver- als bie Fachgelehrten kennen. In uns aber bie wir aller bes Zollgesetzes von 1818 war, hat bas Werk, jetzt wieber eine große Epoche ber beutschen Ge- zusammen mit Eichhorn, ber bie beutschen An-! schichte burchleben, vermag bie Gründung bes beut» Gelegenheiten im Auswärtigen Amt leitete, mit bem schen Zollvereins bie Erkenntnis zu befestigen baß jungen Lubwig K ü h n e unb manchen anberen, i eine in ber Zeit liegende, von klar blickenden Man- beffen Namen'eigentlich noch genannt zu roerben | nern erfaßte Äbee, zielbewußt unb entschlossen nerbient, getreulich fortgesetzt. Sie haben ben jahre-1 burchgeführt, noch in ferner Zukunft segensreich langen Kampf gegen beutsche Klein st a a - ter ei, partikularistische Eigenbrötelei unb oster- reichische Ränke bis zum Erfolg geführt. Kem ge-; ringeres Verbienst kommt aber auch bem König Friebrich Wühlern HL zu, besten gerabe unb ehrliche Haltung schließlich bas Mißtrauen ber anberen Für­sten überroanb, ber aber auch seinen Beamten trotz aller Anfeinbungen, bie gegen sie an ihn herange- tragen würbe, unverbrüchliche Treue hielt unb ba- burch allein bas jahrelange Fortschreiten auf bem eingeschlagenen Weg ermöglichte

Bei ber Betrachtung jener Zeit brängt sich un­willkürlich ein Vergleich auf mit bem Gang ber politischen, vor allen Dingen auch ber hanbelspoli-

Was alles in einer Minute passiert.

Machen wir uns einmal Gebauten barüber, was alles in einer Minute passiert. Das menschliche Herz schlägt ungefähr 72 Mal in ber Minute. Wie wir aus einer interessanten englischen Aufstellung er­fahren, kommen im Jnselreich in jeber Minute 90 Kinber zur Welt, unb 76 Menschen sterben in ber gleichen Zeit. In jeber Minute wirb eine Person im Straßenverkehr verletzt. In ber gesamten zivili­sierten Welt heiraten in jeber Minute 20 Paare. In jeber Minute werben in Englanb 834 Tassen Kaffee getrunken.

Zeitschriften.

In ber ZeitschriftStänbifches Leben". Blätter für organische Gesellschaft- unb Wirtschaft» lehre (3. Jahrgang, 12. Heft. Erneuerungs-Verlag, Berlin-Wümersborf, Berliner Straße 6/7) erscheint u. a. ein Aufsatz von Professor Dr. Wilhelm A n - b r e a e überNationalwirtschaft unb Wirtschaft­theorie. Der Aufsatz gibt bie Antrittsvorlesung bes kürzlich nach Gießen berufenen Grazer Gelehrten wieber. Währenb in ben Anfängen ber Wirt­schaftswissenschaft biefe sich immer nach ben vor­gegebenen Zielen ihres Staates richtete, hat sie sich in ber Zeit bes Liberalismus von biefen Zielen los­gelöst unb eine auf sich selbst gestellte Wissenschaft vorstellen wollen. Daher kommt es, baß bie Wirt­schaftswissenschaft zur Erneuerung ber Nation nicht beigetragen hat. Denn auch bie geschichtliche Schule hatte sich überroiegenb, trotz völkischer. Ansätze, bem Liberalismus verschrieben. Die neue Nation braucht eine Wissenschaft, bie um bie völkischen Ziele weiß unb ihnen gerecht werben kann. Diese Wissenschaft ist mittlerweile erwachsen. Auch bie Wissenschaft hat ihre Erneuerung, bie ihrerseits, nachbem bie poli­tische Erneuerung geschehen ist, bas, was sie an reichem Forschen gesammelt hat, nun bem neuen Staate zur Verfügung stellen wirb.

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In Darmstabt ist Geh. Oberbaurat Dr.-Jng. ehrenhalber Karl Hofmann, Professor ber Bau­kunst an ber Technischen Hochschule unb Ministerial­rat i. R., im Alter von 77 Jahren g e st o r b e n. Pro­fessor Hofmann ist vor allem durch die Wiederher» stellung des Wormser Domes in weiteren Kreisen rühmlichst bekannt geworden. Er gehörte der Tech­nischen Hochschule in Darmftabt seit 1897 als Pro­fessor für Baukunst an unb mar Mitglied ber Aka­demie ber Künste in Berlin und der Akademie bes Bauwesens in Berlin.