ttr.705 viertes Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen) Donnerstag, Zl. Dezember (936
Aufschwung in Gießen im Jahre 1936
Gute Entwicklung der Finanzen und der Wirtschaft. - Hege« Schaffen auf allen Gebieten. - Wieder 116er, dazu noch Artilleristen.
Wieder geht ein Jahr der angestrengten Arbeit, aber auch voll schöner Erfolge zu Ende. Es brachte — und konnte das natürlich auch nicht — keineswegs die Erfüllung aller Wünsche und Hoffnungen, jedoch ließ es uns die Freude erleben, wiederum ein erhebliches Stück vorwärts und aufwärts zu marschieren und dabei nicht nur materielle Erfolge zu erringen, sondern auch den ideellen Gehalt unseres Lebens zu bereichern. Das war, im großen gesehen, im Reiche so, und es trat erfreulicherweise auch in unserer Stadt Gießen in gleicher Art in Erscheinung. Wir sind uns darüber klar gnd einig, daß dieser Gemeinschaftsgewinn aus dem ablaufenden Jahre 1936 nicht etwa unserer Arbeit allein im Raume der engeren Heimat zuzuschreiben ist, sondern daß er einen Teil der erfreulichen Wiedergesundung und Wiedererstarkung Deutschlands darstellt, die allein der Führer mit seinem Aufbauwerk herbeigeführt hat. In seinem Geiste und nach seinem Willen war auch unser Wirken im kleinen Kreise der engeren Stadt- und Landschaftsheimat ausgerichtet, und daß wir dabei wiederum gut beraten, gut geführt waren und dadurch einen positiven Jahresabschluß erzielen konnten, verpflichtet uns alle nicht nur zu erneuter
Anhalts
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den an- Arbeits-
für die
sind arbeitsfähige Männer und Frauen, die aus verschiedenerlei Gründen bisher noch keinen Arbeitsplatz finden konnten, von rund 250 zu Beginn dieses Jahres auf 120 beim jetzigen Jahresschluß zurückgegangen. Interessant ist bei dieser Gelegenheit ein Vergleich der Zahlen der Wohlfahrtserwerbslosen in den fünf größten hessischen Städten nach dem gegenwärtigen Stand: es werden zur Zeit an Wohlfahrtserwerbslosen betreut: in Offenbach a. M. 3095, Darmstadt 1275, Mainz 1059, Worms 485, Gießen 120. Ferner war das städtische Wohlfahrtsamt in der Lage, aus seinen etatsmäßigen Mitteln fortlaufend Aufwendungen zur Förderung des Kampfes gegen die Arbeitslosigkeit machen zu können.
lehren des gegenwärtig laufenden Rechnungsjahres 1936 (nämlich vom 1. April bis 30. September 1936) zeigt folgendes Bild:
Einkommen- und Körperschaftssteuer
Umsatzsteuer
Grunderwerbsteuer (Reichsüberweisung)
Grund- und Gebäudesteuer Gewerbsteuern Filialsteuer
Sondergebäudesteuer Bürgersteuer Grunderwerbsteuer (Gemeindezuschlag)
Wertzuwachssteuer Gemeindebiersteuer Gemeindegetränkesteuer Vergnügungssteuer Hundesteuer
Insbesondere ist an dieser Aufstellung das sehr gute Anwachsen der städtischen Steuereinnahmen aus der Einkommen- und Körperschaftssteuer sowie aus der Umsatzsteuer hervorzuheben, die in dem halben Jahre 1936 einen Ertrag gebracht haben, der jetzt schon eine ganz ansehnliche Ueber- höhung des Ertrages des Vorjahres erwarten läßt. Diese Steigerung offenbart auf der einen Seite die erhebliche Zunahme der Wiedereingliederung von Arbeitskräften in die Betriebe, zum anderen ein erfreuliches Anwachsen der Kaufkraft der Bevölkerung; beide Steuersummen stellen insofern also auch einen bemerkenswerten Beitrag dauernd erfolgreichen Kampf gegen losigkeit dar.
Rach dieser Richtung hin ist ferner punkt bemerkenswert, den man bei der
Tätigkeit des städtischen Wohlfahrtsamtes erkennen kann. Bei dieser städtischen Dienststelle ist die Zahl der betreuten Wohlfahrtserwerbslosen, das
RM
RM.
494 225
354 861
64 264
64 133
25 626
13 092
378 301
186 770
311 737
138 698
21 324
23 854
443 774
199 470
309 860
155 853
15 709
6 357
1140
1999
127 697
71134
23 252
10 870
26 658
15 794
20169
8 395
Der Turm- und Erweiterungsbau der Katholischen Kirche wurde in diesem Jahre vollendet.
Dankbarkeit an den Führer, sondern ebenso zu weiterer rückhaltloser Einsatzbereitschaft für sein Werk, das auf unser aller Wohlergehen gerichtet ist.
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Ein bedeutsamer Gradmesser für die Gesundheit und Stärke eines Gemeinwesens und seiner Glieder ist der Stand der Steuereinnahmen. Rach dieser Richtung hin haben wir in Gießen allen Grund, die Entwicklung mit Zufriedenheit zu betrachten, denn sie zeigt uns klar und eindringlich, daß die allgemeine Wiederbelebung des Wirtschaftslebens und damit die Steigerung der wirtschaftlichen Stärke der einzelnen Volksgenossen in unserer Stadt zur erfreulichen Auswirkung kommt. Eine Gegenüberstellung der Steuereinnahmen der Stadt Gießen für das ganze Rechnungsjahr 1935 (vom 1. April 1935 bis 31. März 1936) mit dem Steueraufkommen der Stadt in den zwei ersten Viertel-
Einen erfreulichen Aufschwung in unserer Gießener öffentlichen Wirtschaft kann man auch aus einigen zahlenmäßigen Angaben des Elektrizitätswerkes und der Straßenbahn feststellen. Dabei steht bei dem letztgenannten städtischen Betrieb die rege Benutzung durch unsere Soldaten im Vordergrund, denn man kann täglich beobachten, daß unsere Infanteristen und Artilleristen gute Kunden der Straßenbahn sind.
Städtische Elektrizitätswerke:
Kalenderjahr Stromabgabe
1935 11 622 000 kWh
1936 12 611000 „
Städtische Straßenbahn:. Kalenderjahr Beförderte Personen Wagenkilometer 1935 1 900 000 651 000
1936 2 001 000 641 000
Wenn nun in allernächster Zeit der st ä d t i s ch e Omnibusbetrieb als Pendellinie von der Straßenbahn-Haltestelle an der „Stadt Lich" nach dem Ostmarkenviertel und der Waldkaserne hinzu-
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Wiedererstehung des Infanterie-Regiments 116; ein hoher Offizier des alten J.-R. 116, General a. D. M o h r, begrüßt das neue Regiment auf dem Kasernenhof.
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Das Pharmakologische Institut erhielt einen neuen Hörsaal. (Aufnahmen: Pfaff, Gießen |2j; Neuner, Gießener Anzeiger [5].)
kommt, dürfte im kommenden Jahr die Straßenbahn eine weiter ansehnliche Frequenzsteigerung erfahren. *
Von großer Bedeutung für das gesamte Wirtschaftsleben ist weiterhin die Tätigkeit der Bau- wirtschaft. Auf diesem Gebiete hat das Jahr 1936 gleichfalls einen guten Erfolg gebracht. Von der privaten Bautätigkeit wurden im Wohnungsbau in dem scheidenden Jahre 60 Einfamilienhäuser mit insgesamt 94 Wohnungen, ferner 52 Mietshäuser mit zusammen 242 Wohnungen geschaffen. Aus dem' städtischen Wohnungsbau gingen 7 Wohngebäude mit 31 Wohnungen hervor. Insgesamt können wir also am Jahresende einen Zuwachs von 119 W o h n - gebäuden mit 367 Wohnungen verzeichnen. Dabei sei hervorgehoben, daß es sich bei den vorerwähnten Angaben nur um wirklich fertiggestellte Häuser handelt, die noch im Bau befindlichen Wohnhausbauten, darunter auch die 32 städtischen Wohnhäuser an dem Leimenkauterweg nicht mitgerechnet sind.
AnöffentlichenGe- b ä u d e n für Verwal- tungs-, Wirtschafts- und sanitäre Zwecke wurden in diesem Jahre geschaffen: das neue Verwaltungsgebäude desSchlacht- hofes, die große Viehoersteigerungshalle beim Güterbahnhof und die schon seit langen Jahren immer wieder als dringendeNot- wendigkeit geforderte Errichtung eines Bedürfnis- Hauses mit einigen Nebenräumen am Oswalds-
garten. Von diesen Bauten hat namentlich die große Viehversteigerungshalle am Güterbahnhof eine weit über unsere Stadtgrenzen hinausreichende wirtschaftliche Bedeutung, denn hier werden ja nunmehr nicht nur die Gießener Viehmärkte unter wesentlich günstigeren Bedingungen als bisher abgehalten, hier sollen vielmehr auch die Zuchtviehoersteigerungen der Landesbauernschaft Hessen- Nassau und andere einschlägige Märkte ihren Platz haben. Zum Teil war diese Aufgabenerweiterung schon zu verzeichnen dadurch, daß vor einigen Wochen Rindvieh- und Ziegenoersteigerungen von Zuchtverbänden dort stattfanden.
Auf dem Gebiete des städtischen Tiefbaues wurde im Jahre 1936 folgendes geleistet: Straßen-Neubauten 35 075 qm, fertiggestellte Straßendecken 32634 qm, Planierung des großen Platzes vor der Dolkshalle mit 27 000 qm. Kanal-Neubauten: für Ableitung von lvchmutzwasser 3608 laufende Meter, für Ableitung von Regenwasser 3283 laufende Meter.
Im Hinblick auf die starke Nachfrage nach mittleren und kleineren Wohnungen wird der Zuwachs von Wohnraum aus dem Jahre 1936 allenthalben mit Genugtuung begrüßt werden. Es fei in diesem Zusammenhangs aber auch hervorgehoben, daß der Wohnungsbau in unserem Stadtgebiet mit dem vorliegenden Jahresergebnis durchaus nicht erschöpft ist. Es Jinb vielmehr in fast allen Stadtteilen weitere Wohnungsbauten im Gange, mit deren Nutzbarmachung im kommenden Frühjahr
gerechnet werden kann. Aber auch diese Bauten werden ihre weiteren Nachfolger finden, zumal der Wohnungsbedarf in unserer Stadt noch eine ziemliche Spanne gegenüber dem Wohnungsoorrat aufweist.
An anderen öffentlichen Bauten hat unserer Stadt das Jahr 1936 den Erweiterungsund Turmbau der katholischen Kirche an der Liebigstraße gebracht, dessen Fertigstellung neben der Befriedigung der kirchlichen Interessen unserer katholischen Volksgenossen auch eine erfreuliche Verschönerung des Straßenbildes zur Folge hatte. Im Bereiche der Universität ist vor allem die Erweiterung des Pharmakologischen Instituts durch den Hörsaalanbau her- oorzuheben, durch den auch die Bedeutung dieses wissenschaftlichen Instituts eine erfreuliche Steigerung erfahren hat.
Verheißungsvoll — vom bauwirtschaftlichen und vom gesamtwirtschaftlichen Standpunkt aus mit Befriedigung zu verzeichnen — ist in den letzten Wochen dieses Jahres der Bau eines neuen Garnisonlazarettes in dem südlichen Stadtviertel in Angriff genommen worden. Es handelt sich dabei um ein sehr umfangreiches Grundstück, bei dem die jetzt sichtbaren Ausmaße des Fundaments bereits eine Möglichkeit der Gesamtvorschätzung des Umfang dieses Gebäudes ermöglichen; auch hierbei hat man es mit einem Wirtschaftsfaktor zu tun, der für das gesamte Gießener Wirtschaftsleben der Zukunft eine sehr hervorragende Rolle spielen wird.
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Im Baugelände der „Gießener Ostmark" erstanden viele neue Wohngebäude.
Auf einem großen Gelände zwischen Heilstätte Seltersberg und der Bergschenke entsteht das neue Garnisonlazarett.
Die neue Zuchtviehoersteigerungshalle in Gießen, ein Zentrum ländlichen Wirtschaftslebens.
Für den Gießener Schlachthof wurde ein neues Verwaltungsgebäude geschaffen.
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Mit ganz besonderer Freude verzeichnen mir als Gewinn aus dem Jahre 1936 die Wieder- erstehung des Jnfanterie-Regimenrs 116. Mit dieser Truppenformation hat unsere Stadt ihr altes, nach dem Kriege schmerzlich vermißtes Regiment wiedererhalten. Die Gießener Bevölkerung ist dem Führer und Obersten Befehlshaber der Wehrmacht für die Wiedererrichtung des Regi- mente in unserer Stadt besonders dankbar, denn hier- bei handelt es sich ja nicht nur um rein wirtschaftliche | Erwägungen, die nun einmal mit jeder Garnison verbunden sind, sondern es kommt hier auch die Erfüllung einer langjährigen Sehnsucht der alten Soldaten, insbesondere der alten 116er in Betracht, die geeignet ist, langerprobte und in Krieg und Not bewährte Verbundenheit zwischen Bevölkerung und Soldaten aufs neue zu festigen und zu vertiefen. Daß wir neben unseren 116ern auch noch Artille- r i ft en in Stärke einer Abteilung zu unserer Garnison zählen dürfen, ist eine weitere Freude und Genugtuung unserer Stadt. Erfreulicherweise kann man denn auch überall die Wahrnehmung machen, daß zwischen unserer Gießener Wehrmacht und der gesamten Bevölkerung ein sehr herzliches Verhältnis besteht, zur Genugtuung beider Teile und zum Nutzen der Gesamtheit unserer Stadt. Die Wiedererstehung des alten Gießener Regiments und die Garnisonierung von Artillerie hat auch weithin in der Provinz Oberhessen herzlichen Widerhall gefunden. Es ist bekannt, daß vor dem Kriege viele Söhne unserer Provinz ihrer Militärpflicht beim Gießener Infanterie-Regiment genügten, andere junge Männer aus Oberhessen dienten dem Vaterland in hessischen Artillerie-Regimentern, wofür die große Zahl der alten 116er und hessischen Artilleristen in Gießen und in Oberhessen überzeugender Beweis ist. Nunmehr haben die Söhne unserer engeren Heimat wieder die Möglichkeit, bei den 116ern und bei einer Artillerie-Formation im Hessenlande, insbesondere in Oberhessen, ihrer Wehrpflicht Genüge leisten zu können.
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Dieser Rückblick in ganz großer Linie auf die Hauptpunkte der Ereignisse und Entwicklungen im Jahr 1936 gibt uns allen Anlaß zur Genugtuung und Dankbarkeit. Insbesondere gilt dieser Dank unserem Führer Adolf Hitler und seiner Regierung, deren Wirken auch in unserer Gießener Stadtgemeinschaft als großer Segen empfunden und mit aller opferbereiten Liebe vergolten wird. B.


