mit guten körperlichen Anlagen an ihre Gestaltung geben, hat übrigens einen, unserer Meinung nach recht glückhaften Hang zur Groteske, die sie nur weiter ausbilden sollte. Sonst spürt man ihr leider nicht den entscheidenden Trieb, das Tanzen - M ü s - s e n an, sie verläßt sich auf übernommene, auch auf zeitlich schon überholte Formen. Ihr stand siegreich die deutsche Tänzerin P a l u c c a gegenüber mit ihren ausgereiften Leistungen in der immer wieder bewundernswerten Einheit der leichten und des wuchtigen, der Technik und der Gefühlskraft, des Strengen und des Spielerischen.
Einen Griechen lernte das deutsche Tanzpublikum (das immer sehr zahlreich zu den Veranstaltungen kommt), am dritten Tage kennen: Angelo G r i m a n i. Wenn dieser werdende Künstler'sich nicht in der äußeren Ballet-Artistik verliert, wenn er eine störende Süßlichkeit abtut, wenn er den persönlichen Raum gewinnt, seine technischen und künstlerischen Anlagen zu vertiefen und zu stärken, dann wird er einmal wirkliche Beachtung beanspruchen dürfen. Daß freilich an den Deutschen Harald Kreutzberg wohl so leicht kein Tänzer — in ihrer Art auch keine Tänzerin und keine Tanzgruppe unserer Zeit — heranreichen kann, das zeigte einmal wieder recht überzeugend sein Auftreten an diesem dritten Abend: Kreutzberg bot, gelöst und zugleich künstlerisch diszipliniert wie immer eine gute Auswahl seiner besten Tänze: sie wurden denn auch mit einem Beifall gelohnt, den man, ohne in Uebertreibungen zu verfallen, orkanartig nennen kann.
Der vierte Abend brachte zunächst einen Sonderversuch: Die australische Tänzerin Irene Vera Young hat eine besondere Stärke im Ausdrucksspiel ihrer Arme und Hände — und so sind denn auch ihre Tänze vorherrschend Handtänze: mit dieser Fertigkeit löst sie ernste, fast ergreifende Aufgaben und nimmt auch drollige Motive auf.
Nach all diesen Einzeltänzen, vom zweiten bis zum vierten Abend, noch im zweiten Teil des vierten Abends Gruppentänze, und zwar die eindrucksvollen und künstlerisch richtungsweisenden Tänze der Dorothee-Günther-Schule (in München und Berlin). Den alten naturgemäßen Wunsch, daß Musiker und Tänzer ein und dieselbe Person wären, nimmt die Günther-Schule mit erfrischenden Erfolgen auf: Die Pauken-Tänzerinnen, die tanzenden Pfeiferinnen, die Schellen-Tänzerin- nen, sie strömen die beglückende Jugendkraft aus, die der Grundbau unserer neuen Künste ausmacht.
♦
Zweimal trat in diesen Tagen die „Tanzgruppe des Kärntner Konservatorium 5" auf: es soll ihr nicht abgestritten werden, daß sie an ihren Tänzen gearbeitet hat — aber es sind doch eigentlich nur Schablonen, die man da zu sehen bekommt; besonders wurde das gelegentlich ihres zweiten Auftretens deutlich. Persönliches, jedenfalls Besonderes, wollte wohl Lili Green bieten, aber es Hieb bei ärmlichen Ansätzen, es stellte sich bei ihr ein Mangel an Einfällen, ein Mangel an überzeugender Ausdruckskraft, ein Formenmangel heraus. Lili Green läßt sich als Niederländerin anzeigen, aber wir glauben nicht, von ihr auf die Tanzkunst der Niederlande schließen zu dürfen. Recht bezeichnend für Belgien aber scheint Lea Daan mit ihren Gefährtinnen Trui Hoste und Karin Groß zu sein: sie sind schwer und herb, fast scheu, bringen aber zu geladenen Gestaltungen vor und bringen auch einmal, eine dralle Karikatur zustande. Auch die Schweize - r i n Herta Bamert nimmt uns für sich ein: durch ihr solides Werk, durch ihre musikalische Gelassenheit. Kaum etwas aufzuweisen hat Gertha Heppners Tanzgruppe aus Wien; nur wenn sie zu Volkstanzmäßigem greift, ist sie ganz erfreulich.
Die Tanzwettspiele geben überhaupt Gelegenheit zu der Erkenntnis, daß der Tanzkünstler gut tut, in die Volkstänze feiner Heimat einzudringen; schöpft er aus ihnen feine Motive, saugt er aus ihnen feine Kraft, kann er niemals ganz irregehen. Wie reich und eindringlich war z. B. Mascha Arsenjew mit ihren bosnisch-serbischen Tänzen! Aber vor allem sei dies für die Laientänzer gesagt. Wenn Lotte Wernicke (Berlin) mit ihrem Chorwerk „Geburt der Arbeit" (schon mehrmals und jetzt wieder) Erfolg hat, so liegt das daran, daß es eben nicht ein frei gestalteter „Jdeen- tanz" ist, sondern daß Lotte Wernicke mit ihren Burschen und Mädchen an deren Arbeits-, Daseinsund Feiertags-Vorgänge, da, wo sie schwer sind, und da, wo sie schön sind, unmittelbar anknüpft und Volkstänze schafft, freilich nicht aufbauend auf Ueberlieferungen, sondern aus eigener Kraft — Ein, zunächst verneinendes, Beispiel sind die kanadi
schen Tänzer Boris V 0 l k 0 f f s. Diese Laientänzer wagen sich an Jdeentänze und sind damit sehr unzureichend. Ein Bauerntanz (Boris Volkoff selbst tan3t ihn) wird dann natürlich schon besser, und ihr eigentlicher Erfolg ist die Darstellung einer indianischen Legende: hiermit kommen sie nahe heran an die zauberhafte Versonnenheit, an die schlichte Größe (und auch an den Humor) der alten Volksmysterien, in welchem Lande man sie auch uchen mag. Nun muß man freilich bedenken, daß liefe (zum Teil schon allzu) modernen Kanadier ich erst hineinfinden mußten in die Empsindungs- und Darstellungsart der Indianer.
Anders ist das bei den Indern. Die indische Darstellungs- und Tanzkultur, in den Händen Berufener, hat noch heute unmittelbaren Anschluß an die kultische Schaukunst der Ahnen. Im Rahmen der Tanzwettspiele trat Menaka mit ihrer Hindugruppe, begleitet von ihrem Hindu-Orchester, auf: sie tanzten an einem Abend Solotänze und kleine Gruppen aus den Mythen und aus dem indischen Volksleben und führten am folgenden Abend ein alt-indisches Mysterienspiel auf — vom Gotte Shiwa, der sich dem höchsten Reiz der Sinne aussetzt, weil er meint, über ihn erhaben zu sein, ihm bann aber doch erliegt und in einen Taumel gerät, aus dem ihn erst die natürliche Erschlaffung und das Besinnen auf weise Haltung wieder erlöst. Das Publikum bewunderte den Uebergang von der Pantomime zum Tanz aus dem Wege der Bewegungssprache und gab sich hin dem Zauber der harmonischen Darstellung, der geschmackvollen Pracht der Kostüme, der unausweichlichen Macht der seltsamen Musik.
Jugoslawien besitzt in Ma C 0 r a k - S lall e n s k a eine hervorragend leichte und sichere Spitzentänzerin, aber sie ist auch eine ebenso bedeutende freie Tanzgestalterin in moderner gym
nastischer Schulung — das eine kommt dem anderen zugute, und in allem bringt sich eine schöne Empfindungstiefe zum Ausdruck. So reif scheint uns die Polin Olga Slawfka noch nicht zu jein, aber sie unternimmt den bemerkenswerten Versuch, die leidenschaftlichen Rhythmen der Mazurka in die Formen des Spitzentanzes zu 'binden. Polen hat Glück bei diesen Internationalen Tanzwettspielen. Nicht genug, daß Felix Parnell seine prachtvoll schmissigen Pantomimen-Tänze aus dem polnischen Volksleben, aus polnischen Schwänken und polnischem Brauchtum mit einem großen Erfolge vorführt, nein: wir werden auch noch mit Ziuta Bucuynska bekannt, der das Publikum (mit Recht) einen Beifall spendet, wie ihn (vor einigen Tagen) nur Harald Kreutzberg empfing: hier haben wir eine ganz große Könnerin vor uns. In ihrem starken Weibtum lebt noch eine echt kindliche Keuschheit — das gibt ihrem Krakowiak und ihrem Kujawiak einen unwiderstehlichen Reiz und macht daraus einmalige Kunstwerke... das läßt ihren Tanz „Kind ohne Heim" so rührend einsam erscheinen, das mag aber auch ihrem Tanz aus harter Wirklichkeit, der „Arbeiterin", die Aufschwungsmacht verleihen.
Zur Rundung des Bildes, das wir hier unfern Lesern entworfen haben, gehört noch der Hinweis auf den schneidigen ungarischen Männer-Tanzchor (Studenten der Hochschule für Leibesübungen, Budapest) und dann besonders auf die rumänischen Volkstänzer, die in offenen Reihen ober im Kreise ihre derben verschiedenartigen Schritte zeigten, bald Männer und Frauen, bald Männer allein, bald Frauen allein, auch zu vier Paaren: begleitet von der Geige ober vom Gesangschor, der, wenn die Tänzer ruhten, mit schönen Liedern aufwartete und am Beginn das Horst-Wessel-Lied auf deutsch fang.
Aus der Provinzialhauptstadt.
Familiennamen erzählen!
ZdR. Sollte es sich nicht lohnen, einmal den vorhandenen Spuren unserer Familiennamen nachzugehen? Freilich in vielen Fällen wird es nicht möglich fein, bis zum Urträger des Namens vorzustoßen, weil die Quellen versiegen. Nicht immer aber ist es schwierig. Oft sagt uns ein Name schon manches; dem einen, daß ein Ur-Vater ein „Schmidt" gewesen, der irgendwo in einem kleinen Dörfchen das glühende Eisen formte. Aehnliches sagen die Namen: Weber, Schneider, Schlosser, Gerber, Schuster und andere Berufsnamen. Bei diesen Namen liegt die Abstammung deutlich vor uns und die heutigen Träaer dieser Namen können feststellen, wie weit sie sich von den Berufs- und Lebensformen ihrer Ahnen entfernt haben.
Doch auch die Berufsnamen sind keineswegs alle sofort erkennbar. Diele Berufe sind so gut wie aus- geftorben; deren Namen aber blieben. Wo gibt es heute noch „Nadler", „Rockenmacher", „Hafner", „Schäffler" usw. Andererseits haben sich viele Namen im Lause der Zeit sprachlich außerordentlich verändert, so daß man als Laie den sprachlichen Ursprung aar nicht erkennt. Oder liegt es vor jedermanns Auge klar, daß in „Schubert" der Schuhmacher, der Schuhwerker steckt? Wohl kaum! Der Name Hübner z. B. stammt vom Lande und ist gleichbedeutend mit dem norddeutschen Hufner ober Hüfner.
In Hübner ober Hüfner steckt bie Hube ober Hufe, bas ist ein Stück Ackerland in der Größe von 30 Morgen; so daß also ein Hübner, Huebner, Hufner ober Hüfner ein Besitzer einer solchen Hufe ist. Wandert so ein Hübner von Süddeutschland nach Norddeutschland, so wird — im allgemeinen wenigstens — der Kern seines Namens unerkannt bleiben. Wer sich jedoch darauf versteht, erfährt also aus dem einen Namen nicht nur die berufliche, sondern auch die geographische Abkunft; insofern ist es immer wichtig, auch auf die Schreibweise des Namens zu achten. Müller und Möller, Schmid und Schmidt sind zwar die gleichen Berufsnamen, aber in verschiedenen Gegenden zu Hause.
Die Befragung der sprachwissenschaftlichen Forschung empfiehlt sich eigentlich in jedem Falle. Denn häufig verbirgt sich selbst hinter scheinbar geheimnislosen Namen etwas ganz anderes, als man denkt. Der Name Zink z. B. könnte uns verleiten, dabei an das Metall zu denken; in Wirklichkeit aber ist Zink ein Spitznamen und ist von Zinken = Nase abgeleitet. Hier ist also ein Name lieber« tieferer eines körperlichen Merkmales, wie in den
Namen: Klein, Lange, Dick, Kleindick, Groß usw.
Nicht selten werden durch Familiennamen wesentliche Charakte 'genschaften übermittelt. Wir haben die Namen (bparmann und Spieler. Ersterer hat sicher seinen Besitz durch Fleiß, soliden Lebenswandel und kluge Wirtschaftlichkeit aufgebaut und erhalten. Der Name ist vermutlich schon recht alt, denn „sparen" kommt bereits im Althochdeutschen vor. Diese Beispiele zeigen welch ein sonderbarer Namenreigen sich in dem großen Buche der deutschen Familiennamen findet. Am ehesten fällt es dem auf, der ein Adreßbuch nach bestimmten Gesichtspunkten durchsieht. Man findet dort z. B. alle Wochentage, die gesamte Vogelwelt: Amsel, Drossel, Fink und Star ferner allerlei vom Gelde, den Seiner, Geldmeyer, Geldzahler, Pfennig, Pfinnigs- schmidt, Hundermark. Selbst an Gefühls- und Stimmungsnamen, wie: Freude, Fröhlich, Heiter, Sorge, Kleinsorge, Ohnesorge, ja sogar Frühsorge, fehlt es nicht.
Nicht vergessen werden darf, daß die Familienforschung selbst mit der Namenforschung Hand in Hand gehen soll. Oft ermitteln mir aus alten Büchern und Urkunden eine ganz andere Schreibweise des Namens, wodurch plötzlich ein neues Licht in die Angelegenheit kommt. Die Forschung ist nun nicht allein Familiensache. Sie ist auch Angelegenheit des Volkes; denn Endziel dieser Bemühungen soll die Feststellung der großen deutschen Namenfamilien jein. Freilich sind wir heute noch weit von diesem Ziel entfernt, aber nicht mehr so weit, daß wir seine Erreichung nicht erhoffen könnten. Und sollte das nicht jeden reizen, der Deutung seines Namens nachzugehen? W. Ka.
Vornotizen.
Tageskalender für Freitag.
Gloria-Palast, Seltersweg: „Skandal um die Fledermaus".
Erneuerung
der Kapelle des Alten Friedhofs.
Von dem Pfarramt der Luthergemeinde wird uns geschrieben:
Zu unserer Nachricht vom 29. Juli teilen wir berichtigend mit, daß es der Luthergemeinde gelungen ist, für die Zeit, in der die Kapelle nicht benutzt werden kann, Gastrecht in der Johanneskirche oder in der Stadtkirche zu erhalten. Die Gottesdienste finden also nicht, wie ursprünglich geplant mar, in der Aula des Gymnasiums statt. Die Got
tesdienste der Luthergemeinde werden einschließlich Christenlehre und Kindergottesdienst während der nächsten Sonntage ausdrücklich im Kirchenzettel angegeben.
Gemeinschastswerk zugunsten der bildenden Künstler unseres Gaues.
NSG. Die NSDAP. Kreisleitung Büdingen hat in Verbindung mit der Reichskammer der Bildenden Künste ein Gemeinschaftswerk in die Wege geleitet, das ungefähr 30 bildenden Künstlern des Gaues' Hessen-Nassau ab Mitte August 1936 für zwei bis drei Wochen freie Unterkunft und Verpflegung in verschiedenen Orten des Kreises Büdingen gewährt. Zur Teilnahme sind Maler und Graphiker aus dem Gau HessenMassau zugelassen. Die Anträge müssen umgehend an die Reichskammer der Bildenden Künste, Üandesleitung Hessen-Nassau, Frankfurt am Main, Moselstrahe 62, gerichtet werden.
Fest der deutschen Schule am 20. September.
Der Reichsstatthalter in Hessen — Landesregie, rung, Abteilung II — hat an die Direktionen der höheren Schulen, der gewerblichen Unterrichtsan. statten und an die Kreis- und Stadtschulämter die nachstehende Verfügung gerichtet:
Der „Tag des deutschen Volkstums" wird auch in diesem Jahre als „Fest der deutschen Schule" im ganzen Reiche veranstaltet. Schule und Jugend, von jeher die Hauptträger der völkischen Schutzarbeit, werden auch diesmal heraustreten in die Öffentlichkeit und die gesamte reichsdeutsche Be- Dotierung aufrufen, teilzunehmen an dem Bekenntnis zur geistigen Gemeinschaft des Gesamtvolkes.
Die Schnelligkeit, mit der sich dieses Fest durch, gesetzt hat, und die großen Erfolge, die es im Vorjahr erzielte, sind Beweis dafür, wie dank des Durchbruchs der nationalsozialistischen Weltanschauung der Gedanke der votksgenösjischen Verbundenheit über die Grenzen, die staatliche Willkür setzte, im Volke Wurzel geschlagen hat. Ziel ist, noch mehr als bisher das Fest zum Gemeingut aller werden zu lassen; die Schule aber soll nach wie vor die Trägerin bleiben.
Ich erwarte, daß die Schulen dem Fest jede För« derung angedeihen lassen und bei den Vorbereitungen, wie bei der Durchführung ihre Mitwirkung zur Verfügung stellen. Darüber hinaus bitte ich, auch der Schülerschaft den Besuch der Veranstaltung wärmstens zu empfehlen. Der Herr Reichs- und preußische Minister für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung hat angeordnet, daß alle ihm unterstellten Schulen zum „Fest der deutschen Schule" zu flaggen haben. Diese Anordnung gilt nach dem Wortlaut des Erlasses auch für künftige Jahre. Ich bringe sie hiermit in Erinnerung.
Die deutsche Arbeitsfront n.G.-Gcmeinfchaft „firaft durch Freude
Sommerfest im Hardtwäldchen in Gießen.
Anläßlich des Weltkongresses für Freizeit und Erholung in Hamburg findet in Deutschland eine Reichsfestwoche vom 1. bis 9. August statt. In allen Städten und Orten werden im Rahmen dieser Festwoche große Sonderveranstaltungen der NS.-Ge- meinschaft „Kraft durch Freude" durchgeführt, so in G i e ß e n am 1. und 2. August ein großes Sommerfest im Hardtwäldchen. Schon heute ist man auf dem Festplatz unter dem 50er Denkmal eifrig an der Arbeit. Die drei Bierzelte sind schon fast jerüg, 2000 Quadratmeter sind überdacht für den Fall, daß der Wettergott trotz aller günstigen Wettervoraussagen einen Regenschauer senden sollte. Unablässig werden Tische und Stühle angefahren, denn es soll für 4000 Personen Sitzgelegenheit geschaffen werden. Zwei Tanzflächen von ca. 200 Quadratmeter werden geschaffen, damit die Jugend voll und ganz auf ihre Rechnung kommt. Zwischen beiden Tanzflächen wird das Podium für die Standartenkapelle NW 4 Friedberg errichtet. 40 Musiker werden zum fröhlichen Tanz aufspielen. Schießbuden, Karussells und Schaubuden werden besonders zur Unterhaltung beitragen. Der bekannte Unkel Kuneroad kommt mit seiner Spielschar und wird auf der provisorisch errichteten Freilichtbühne durch sein Spiel seinem Namen alle Ehre machen. Aus
Gute Möbel bei Koos
Giessen Schuistr6
Unbekannte Fracht.
Roman von Zranl z.vraun.
2. Fortsetzung. Nachdruck verboten!
Sie standen beide mit dem Rücken gegen das Licht und mußten sich umdrehen. Sicherlich waren beiße für die Ablenkung im Grunde dankbar. — Draußen stand ein Mann und schwenkte den Schlapphut zum Gruße.
„Pserdeberger", stellte Hinrich Terbrügge mit Genugtuung fest. Er trat zum Fenster und öffnete es. „Komm herein, Pferdeberaer", forderte er den Draußenstehenden auf, und fein Groll war wie weggeblasen. „Wir sprachen gerade von dir."
Pferdeberger grinste. Sein Lachen geriet immer so unausstehlich, weil ihm zuviel Zähne im Unterkiefer fehlten. „Also, bist du bereit zu verkaufen, Terbrügge? Seid ihr euch einig?"
Der Bauer sah seinen Sohn an. „Ich will verkaufen", sagte er betont und wartete. Es kam keine Antwort. Rudolf Terbrügge drehte sich um und verließ die Stube. „Komm herein", sagte Vater Terbrügge nochmals; er war mit dem wortlosen Abgang seines Sohnes zufrieden. „Haft du den Vertrag gleich mitgebracht?"
„Den Vertrag machen wir später. Aber du kannst deine Unterschrift zu dem Verkauf schon geben. Terbrügge: es geht bann alles rascher."
„Gut, komm endlich herein, die Tür ist nicht verschlossen."
In der Diele wurde der Händler Pferdeberger angehalten. Rudolf Terbrügge stellte sich ihm in den Weg. Breit und wuchtia stand er da und versperrte den Durchgang. „Pferdeberger", sagte er halblaut und war trotzdem heiser, „du darfst das nicht!"
„Was darf ich nicht?"
Rudolf Terbrügge schüttelte unwillig den Kopf. Er wußte genau, daß er verstanden worden war und hkelt sich nicht mit unnützen Erklärungen auf. „Du weißt, wie es geht", fuhr er fort. „Es ruht kein Segen auf deinen Geschäften, Pferdeberger. Denke an die Bauern in Wietze! Ihre Aecker sind verwüstet, auf toten Feldern ragt der verlassene
Bohrturm; sie selber, Väter und Söhne, einmal Herren auf eigener Scholle, arbeiten um kümmerlichen Lohn unter Tag im Förderwerk. Das ist nicht das Leben, das ich für meinen alten Vater wünsche. Ich warne dich Pferdeberger!" Er hielt ihm unsanft die harte, geballte Faust unter die Nase.
Aber Pferdeberger war selber ein wuchtiger Kerl. Er stieß den Jungen zurück. „Mache keinen Unsinn, Rudolf", sagte er grob. „Die Zeiten, auf die du am spielst, sind vorbei. Damals konnte man die Bauern betrügen und mit hundert oder zweihundert Mark im Jahr von ihnen die Erlaubnis kaufen, auf ihren Feldern zu bohren. Das ist vorbei. Wir erwerben gerecht und notariell den Hof, den wir haben wollen. Kein Bauer kommt heute mehr zu kurz."
„Aber unser Hof, Pferdeberger, seit dreihundert Jahren ernährt er uns Bauern..." er wußte nicht weiter, vielleicht spürte er selber, daß solche Sätze für den Aufkäufer Pferdeberger keine stichhaltigen Gründe enthielten. Er stöhnte, beinahe, als schmerze ihn etwas körperlich. „Ich warne dich, Pferdeberger! Auf dein Haupt alles, was nun kommt!"
„Rede keine Bibelverse, Junge. Dein Vater ist gescheiter als du und nützt die Konjunktur. Du stemmst dich nur dagegen, weil —" er lachte spöttisch —, „nun, weil du das faule Leben hier auf dem Hof dann aufgeben mußt."
„Pferdeberger, du warst selber einmal Bauer. Du weißt wie der Boden hier trägt. Ein faules Leben tjat hier keiner."
,Zhr werdet es haben", entgegnete der Ankäufer sprunghaft und unlogisch. „Um so mehr Grund, den schlechten Boden zu verkaufen." Damit schob er den jungen Mann endgültig beiseite und trat in die Stube, wo der Bauer wartete.
Was die beiden verhandelten, erfuhr Rudolf Terbrügge nicht. Er wollte es nicht wissen. Mit langen, schweren Schritten, die der Heideboden ihm angewöhnt hatte ging er über den Hof. Der Knecht rief ihn an und wollte etwas fragen. Terbrügge sah ihn nicht an, er hatte den Zuruf gehört, aber seinen Sinn nicht ausgenommen. Immer weiter schritt er; geradeaus. Ihm war, als sollte er nie mehr umkehren. Und der Gedanke daran, daß es das gab, dieses Davonlaufen, schien ihm nicht feige. Wogegen sollte er antämpfen? Gegen den Vater?
Gegen ein Schicksal? Er schüttelte den Kopf. Der Hof war verloren. Hier hatte er im Grunde nichts mehr zu suchen. Vom Geld des Vaters leben? Er biß die Zähne zusammen, daß die Kiefer knackten. Der Vater mochte sein Geld für sich behalten. Was sollte er also hier noch, was hielt ihn...? Antje, ja. Aber Antje tat er vielleicht auch eine Hilfe, wenn er ging. Sie würde ihn vergessen. Der Gedanke tat weh, aber das Leben war wohl so; aus den Augen, aus dem Sinn.
Was sollte er Antje sagen? Ich komme wieder? Wann, würde sie fragen: soll ich auf dich warten?
Der starke, sehnsüchtige Wunsch war da, Antje noch einmal zu sehen, zu sprechen. Diese Zusicherung aus ihrem geliebten Mund mit auf den Weg zu nehmen: ich will auf dich warten, Rudolf, bis du zurückkommst! Sie würde das sagen. Er wußte es. Aber er wollte es nicht. Er meinte, er habe kein Recht, dieses Warten zu beanspruchen.
Er blieb stehen. Es war am Birkenwäldchen, wo er Antje so oft getroffen hatte. Durch die hellen, jungen Stämme sah er empor zum Himmel, der mattblau durch das Grün schimmerte.
Ich liebe dich, Antje, sagte er leise, gewiß, daß ihn keiner hören werde, aber ich weiß nicht, ob ich wiederkommen werde...
Dann ging er weiter, über die Heide, am Wald entlang, bis er die große Landstraße traf.
Am Hang hinter der Schneise hob sich zwischen den Birken ein struppiger Kops aus dem Kraut und blickte ihm nach. Aber das bemerkte Rudolf Terbrügge nicht mehr. Der alte Nickels richtete sich zum Sitzen auf. Er griff hinüber zu seinem Kasten, dem Bauchladen mit den Zwirnrollen, den Knöpfen, Schuhriemen und Nadeln. Der Kasten war noch da. Nickels rieb sich die Augen. Er hatte geschlafen. Eine Schande, am hellichten Tag zu schlafen! Aber der Branntwein, den ihm der Wirt im Krug geschenkt hatte, trug die Schuld. Langsam erhob er sich und schüttelte Halme und Sand aus seinem Zeug.
Er kam seit manchem Jahr durch diese Gegend und kannte die Menschen, die hier wohnten, wie sie ihn kannten. Der Rudolf Terbrügge war das eben gewesen. Deutlich hatte er ihn erkannt und die verwirrte Rede vernommen. Der Junge lief also davon und die Antje Geltens auf dem Nachbarhof sollte das nicht erfahren?
Er schnalzte mit der Junge. I, wozu gab es ben alten Nickels, der oft genug den Boten zwischen Liebenden gemacht hatte! •
Er schulterte seinen Kasten; vorn, vor dem Leib trug er ihn nur, wenn er seine Waren anbot. Stolpernd, ein bißchen steif noch in den Beinen von der Mittagsrast, setzte er sich in Bewegung. Sein fuchsroter Stoppelbart leuchtete, als er aus dem Wald trat. Sie nannten ihn den alten Nickels. Gewiß, er war alt. Aber so alt, daß er von der Liebe nun gar nichts mehr verstanden hätte, war er wieder doch nicht. Dachte er. Und mit einem kleinen, feinen Plan im Kopfe schwenkte er zu ben Hofen hinüber.
2. Kapitel.
Die Lastkraftwagen von Burgdorf, die Konservenladungen beförderten, pflegten regelmäßig unter Mittag den Bahnübergang zu passieren. Rudolf Terbrügge hatte nicht daran gedacht oder etwa ba- mit gerechnet. Aber als er vor dem Bahnwärterhäuschen anlangte und die Schranke gerade herun- terging, als die Reihe der sechs Lastwagen stoppte, um den Eilzug nach Hannover vorüberzulassen, schien ihm dieser gemeinsame Aufenthalt wie eine Fügung. Fort wollte er und nicht zurückkehren. 5)ier bot sich ihm die Gelegenheit, den Plan zu verwirklichen, ehe ihm Bedenken kommen konnten. Es galt sich selber zu überrumpeln. Er fühlte das und beeilte sich.
Er rief den Führer des vordersten der Wagen an und bekam die Erlaubnis, mitfahren zu dürfen. Ehe die Bahnschranke hochging, sprang er, auf.
Der Fahrer hatte an eine Fahrt bis vielleicht Celle gedacht. Ader Rudolf Terbrügge blieb sitzen. Er plauderte mit dem Mann aus Burgdorf. Zuweilen hatte er eine Art sich aufzuschließen uno lebhaft zu werden, die für ihn einnahm. Dem Fahrer war eine Unterhaltung lieb. Er fuhr täglich diese Straße und langweilte sich sonst.
In der Gegend von Uelzen kam Rudolf Terbrügge damit heraus, daß er nach Hamburg wolle.
Der Fahrer lachte. „Du bist frech", stellte er fest, „sparst das Fahrgeld für die Eisenbahn. Aber lav nur, zieh kein Gesicht. Ich habe dich gerne nutgej nommen. Bleibe sitzen." Und er grinste: ,,üQ9rl du am Ende auch gleich wieder mit zurück?
(Fortsetzung folgt!)


