Ir. 177 Dritter Blatt
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Deutschland ist ein geographischer Raum. Ist der hben, worauf das Deutschtum erwachsen ist und röt dem es verwachsen ist. Aber dieser Raum allein is noch nicht Deutschland. Die 67 Millionen Men- |caen, die ihn zur Zeit bevölkern, gehören mit Kgu, um den Begriff Deutschland zu bilden. Und nicht diese allein. Mit dazu gehören die ungezähl- tei Geschlechter, die einander auf diesem Boden glmlgt sind. Und mit dazu gehört das geschichtliche kÄebnis, das sie in diesem Raume gehabt haben mtib durch das sie gerade diesem Raume verhaftet stiÜd. Dazu gehört auch der Lebenswille, der die VLnschen dieses Raumes zur Gemeinschaft zusam- ; r mbindet und zur Fortführung der Arbeit im
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Vom deutschen Genius
Von Dr. Paul Harms.
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aitn Mittelpunkt der Ausstellung, im Raume, der hm deutschen Genius gewidmet ist,,Ite£L6l?r®IV lenberq-Bibel. Sie ist das Stnnbito für d - liklleicht stärkste Leistung, die die deutsche Kultur !n Menschheit geschenkt hat: für die K u n st d e s chdrucks. Und indem ste m den Mittelpunkt 1« ganzen Ausstellung gerückt ist, verkündet sie em- länglicher, als mit Warten g-fchehe. daß Mr das Billen des Begriffs Deutschland im Geistigen fu-
Spiele wird dir t der UraM tung von 6- benXitel J« et" und behb die von einem 'erben, paa1®«1!1 rseln. Diese dra Lite des kämpsei" eines kolossal^ aen Bühne uni ätzen geschch^ dramaturgisch Dolkssp'el-L nteressante Sp
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Olympiade undAusland
Von Dr. Gustav Sberlein, Zfiom.
Wer die olympischen Spiele sportlich betrachtet, s zusagen nur vom Turm der Kampfbahn aus, Unn sich in die höchste Begeisterung hineinsteigern md muß sich am Ende doch sagen, daß alles nur eine Angelegenheit weniger Wochen, ein kurzes' Zeitereignis war, wie schließlich jede sportliche !«eistung. Bald würde man von neuen Rekorden Ibrea, m längstens vier Jahren die schöne Erinnerung einer näherliegenden Wirklichkeit weichen. Für ms Deutsche liegt daher der höhere, weil bleibende Aert der Olympiade auf anderem Gebiet: uns geht um den Sieg, den das ganze Deutschland cringen wird. Den Sieg über Zweifel und Unver- vndnis, den strahlenden Sieg über die falschen ! o r st e l l u n g e n , die sich die Welt noch immer iier das deutsche Land im allgemeinen und das Tritte Reich im besonderen macht
Rur Auslanddeutsche, die sehr lange draußen ge- fot und unter diesen verzerrten Bildern und irri- $ n Anschauungen gelitten haben, können ganz er- mssen, was „auf dem Spiele steht". Auch der letzte ! ympiakämpfer, mag er schließlich ganz hinten s-hen, wo kein Bildberichterstatter mehr auf einen (chnappschuß lauert, kann für uns draußen zu riem Vorkämpfer ersten Ranges werden, und in i$fem Sinne steht auch jeder fremde Besucher, den tejer Sommer nach Deutschland zieht, dem Sieger crich. Die Augen der ganzen Welt sind cji f Deutschland gerichtet: einiges wird j s Wort vermitteln, mehr der Rundfunk, Wesent- lches das Bild, sei es in der Presse oder im Film, tner das Entscheidende bringen die O l y m - s afahrer selber mit nach Hause. Soll es ?-uer oder Asche sein? Darum geht es.
Wir wissen, daß das schönste Land das deutsche Lind ist, es schwebt nicht bloß als Fata Morgana vir den heimsüchtigen Augen der Auslanddeutschen. Air haben die Möglichkeit, den vergleichenden Maß- ft:b anzulegen, sowie unser Fuß die Grenze über- jt reitet. Wir kennen die Mängel unseres Volkes irib unserer Scholle so gut wie die Vorzüge anderer linder, aber auch sehr kritische Naturen, ja der Hmat entwöhnte Volksgenossen fürchten niemals te Gegenüberstellung. Es gibt Dinge, die selbst die erbitterten und böswilligen Emigranten nicht leug- tin. Wie aber stellen sich die anderen Völker dieses tird) politische Zerrspiegel verzeichnete Deutsch- Inb vor?
^Irn ganzen Süden geistert noch immer, wie seit in Zeiten des Tacitus, das Bild eines dunklen, iin unwegsamen Wäldern verdüsterten Landes, ,;oo es immer regnet und immer Nebel herrscht". 2nß uns das W e t t e r g l ü ck der winterlichen Aorolyrnpiade beschieden sei! Allerdings brauchen tnr den Regen nicht über die Maßen zu fürchten, llias die Südländer anbelangt, denn die haben ja dm „ewigblauen Himmel" satt bis zum Halse, aus einem täglichen Schwitzbad um die 35 Grad herum- b-inrnneln können, so kommt ihnen das gerade zu- M. Immerhin, eine Reihe von schönen Olympia- tlMn ließe sich ertragen.
Dann, als zweites, beherrscht die Verbots- t fei den Gemütszustand des Auslandes. Beson- brs die Franzosen glauben, es gäbe bei uns mehr Lirbote als Bäume. Sie sehen die Straßen mit hlmspitzen besetzt wie einen Igel mit Stacheln. De Schweizer fürchten die „preußische Schnauze" einen allesverschlingenden Rachen. Daß wir USS fast nur von Sauerkraut ernähren, ist welt- biieQnnt. Nürnberg ist für den Italiener die Pup- pmstadt und damit basta. Wenn man ihm sagt, v. sei größer als Florenz, lächelt er nachsichtig, fyrt klingt es, aber es wäre falsch, zu übersehen, dH in manchen recht östlichen Landstrichen die putschen Sebro-nne" gang und gäbe lind, daher |cDn in der Kindesseele merkwürdige Begriffe sich bÄen. Von der „braunen Pest" der deutschfeind-
Dxnfte der Menschheit treibt, die ihnen von den Litern her überliefert ist. Dazu gehören also end- lici auch alle Ausstrahlungen, die vom deutschen Ä;ium aus in die Weite ergehen und deren Haupt- irjger die Deutschen außerhalb des geographischen Ä .um&s Deutschland sind.
Man sieht, es ist durchaus kein einfacher Bis griff, den das Wort Deutschland bezeichnet, ki bezeichnet einen lebendigen, raum- und zeitge- drndenen Begriff, der hinüber wächst über seine icumlichen und zeitlichen Grenzen in rein geistige selten, und der von dieser seiner Geisttgkeit her feine bestimmenden Wesensmerkmale erhalt, -llrle la-.in man von diesem Begriff Deutschland eine finilich wahrnehmbare Anschauung geben? VZie !am man die Fülle der Erscheinungen, die das Dort heraufbeschwört, so bändigen, daß sie das Fclsungsvermögen des Einzelmenschen nicht uber- ch-eiten? Und wie kann man die geschichtlichen ßo-- hmente des Deutschtums so auswählen und zu- limmenftellen, daß aus ihrer Anschauung der Be- tr:f Deutschland mit zwingender Beweiskraft her- roitritt? Das war die ungeheuer schwer zu losende mit dadurch zur Lösung verlockende Aufgabe, die h- Ausstellung Deutschland m den Hal- ’n um den Berliner Funkturm gegeben man Und li( so darf man hinzufügen, in ^rem Kern wit irsm Erfolge gelöst worden ist, der bei jedem deut- hm Besucher ebensoviel Stolz rote Bewunderung
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
Zreilag, Zl.ZuliMH
lichen Hetzblätter, von dem alles niedertretenden Militärstiefel und den übrigen Knalleffekten gewisser unzerreißbarer Bilderbücher wollen wir gar nicht reden.
Und nun tut sich also die Wirklichkeit auf!
Schon an der Grenze grüne Willkommenspforten. Wer einmal, sei es auch nur auf ein paar Stunden, danebengestanden und die Gesichter der ankommenden Fremden beobachtet hat, im Umgang mit den Grenzern vor allem, der weiß, wie die ersten Schuppen förmlich sichtbar von den Augen fallen. Da wird man nicht barbarisch durchsucht und durchleuchtet wie ein Verbrecher, alles geht glatt, schnell und mit äußerster Liebenswürdigkeit vonstatten. Ueberhaupt die deutschen Beamten! Da staunt der Schweizer und der Franzose wundert sich. Diese Freundlichkeit der Schaffner, diese Selbstverständlichkeit einer Reinmachefrau in den Schnellzügen! Und die Speisewagen sind keine oollgekeilten Abfütterungströge, wo zur Eile an- getrieben wird, man kann dort behaglich verweilen wie in einer Gaststätte und nach der Karte essen. Das gibt es nicht überall. Selbst in der fahrenden Klause dritter Klasse liegen Seife und Handtücher auf! Ja, man kann im kleinsten Cafs hinausgehen. Wie die Waschräume im großen wirken, das muß man in den Augen solcher Fremden lesen, die nicht gerade aus England oder Holland kämmen.
Dann die deutsche Klein st a d t, vielleicht das Köstlichste, was wir haben! So sieht es anderswo vielleicht in Städten mit fünfzigtausend und mehr Einwohnern aus, und dann haben sie noch lange nicht den baulichen Seelenadel von Dinkelsbühl oder Ueberlingen. Die deutschen Dome und Burgen! Wie, das Ulmer Münster soll nicht etwas Einzigartiges sein, es gäbe noch andere gotische Wunder? ' Welch ein Reichtum an blühenden Städten zwischen den weiten Wäldern! Im Süden bildet eine Pineta von ein paar Kilometer Länge schon eine vermeintlich unübertreffliche Herrlichkeit.
Unsere mannigfaltigen Gaststätten! Nürn- berg, München, Mainz, Heidelberg, Köln, Leipzig, Berlin, Königsberg, Breslau — man würde des Aufzählens nicht fertig werden. Immer und überall Eigenart. Und die Blumen an den Fenstern, die traumhaften Erker neben den gewaltigen Bauten der neuen Zeit, die eleganten Frauen und das unübersehbare Heer wandernder, blondbezopfter Mädel.
Dieses Land soll eine einzige Kaserne sein, schlimmer: ein Zuchthaus? Welch eine unfaßbare Verwechslung mit Sowjetrußland! Ja, Kasernen wachsen da und dort wie Pilze aus dem Boden, aber den Stil des Vorkriegssimplizissimus, den müßte man darin mit der Laterne suchen. Auf Schritt und Tritt lachende Gesichter, bewimpelte Schiffe, Sonntagszüge, ein einziges Singen und Klingen, Kraft und Macht, gewiß, aber auch Sonne und Freude.
Das olympische Dorf, na schön, mag ja zu- treffen, was man darüber hört und lieft, aber Re- nomierausnahmen hat jeder Staat! Und nun stellt sich heraus, daß das kein Blendwerk ist, keine Kulisse für eine Festaufführung, sondern nur ein Griff ins deutsche Land. Daß der Zweifler auf Geratewohl in diesen Staat hineinfahren kann, mit Bahn und Wagen, und allerorten die gleiche Überraschung erlebt. Wem da das Herz nicht aufgeht, dem ist nicht zu helfen.
In weitaus den meisten Ländern erlebt man immer die gleiche Peinlichkeit, sowie man von der Hauptstraße abbiegt oder die im Führer verzeichneten Sehenswürdigkeiten links liegen läßt, um die Geschichte einmal von hinten zu betrachten. In Deutschland haben wir diese Fassadenkultur nicht Echt und wahr geht es da zu, wie in der alten Meisterkunst. Wir brauchen daher auch keine festgelegten Besichtigungsleinen wie in potemkinischen Gegenden, ja, gerade abseits vom Wege liegen oft die deglückendsten Wunder.
Das ist Deutschland. Wir haben nichts zu verbergen, unsere Schau ist wie das Getriebe, und, politisch gesehen, unser Drittes Reich offen und klar wie ein rechtes deutsches Antlitz. Wir machen auf den Olympischen Spielen keinen Rummel vor, vom Brunnen vor dem Tore bis zum Baum im Oden
wald, von der Maas bis an die Memel öffnet sich eine einzige Landesausstellung. Je mehr sich darin umschauen, angezogen vom Olympischen Feuer, um so lieber soll es uns sein. Dann wirken die Spiele noch in ferne Zeit hinein.
Abschied von den toten GA.-Kameraden.
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Am Mittwoch wurden die beim Kraftwagenunglück im Schwarzwald tödlich verunglückten SA.-Männer im Nibelungensaal des Rosengartens in Mannheim aufgebahrt und später in einem gemeinsamen Grabe beigesetzt. Bei der Trauerfeier widmete Stabschef Lutze seinen toten Kameraden einen letzten Nachruf. Hier ein Bild von der Aufbahrung im Nibelungensaal des Rosengartens in Mannheim. — (Scherl-M.)
Volkstanz und Charaktertanz.
Oie internationalen Tanzwettspiele 1936.
Von Or. Johannes Günther.
Im künstlerischen Rahmenprogramm der „Olympiade" finden, wie bereits berichtet, die „Internationalen Tanzwettspiele" statt. Von vierzehn Staaten wurde dieser künstlerische Wettstreit beschickt. Eine internationale Jury wertet die einzelnen Leistungen und verteilt, innerhalb der besonderen Tanzgattungen, die Preise. Die Bewertungen werden in Formen von Urkunden den Mitwir- kenden Überreicht. Die Tanzkunst hat im ersten Drittel unseres Jahrhunderts so- entscheidend neue Wege beschritten, daß sich eine internationale Ueber- schau dessen, was sich nun herausgebildet hat, lohnt.
Wenn man das Programm dieser Tanzwochen, die sich in der Berliner „Volksbühne am Horst- Wessel-Platz" abspielen, durchsieht, dann stellt man sogleich fest, daß der Volkstanz stark betont wird; und zwar entweder der Volkstanz als Laien- Uebung ober der stilisierte Volkstanz: in jedem Fall hat der Volkstanz seinen art-erhaltenden Wert, er stärkt die Volksgemeinschaft und dem Künstler führt er gesunde Motive zu — naturgemäß soll sowohl
der Laie als der Tanzkünstler sich nur solchen Volkstänzen zuwenden, die zu seiner besonderen Heimat gehören ..., sonst lebt die organische Ueber» Lieferung nicht weiter, sonst wird Fremdes ohne inneren Erfolg aufgepfropft.
Gleich am ersten Abend tanzte die „Penzberger Volkstanzgruppe" Schuhplattler und dekorative Auszüge, und der „M ä r k i s ch e Tanzkreis" tanzte in seinen geschmackvollen Trachten mit auffallend seinem Schwungs vor allem der figurenreiche „Webertanz" wird in unserer Erinnerung bleiben. Drittens tanzten die Bulgaren: sie boten ein Schaustück des Volkslebens; sie gaben sich, „als wenn sie zu Hause wären", und wie Improvisationen kamen Volkstänze zustande, die aber jedesmal zu äußerst reizvollen Gebilden wurden, angefeuert und gestrafft von ihrem Meister, Boris Zonen, der immer aktiv auf der Bühne war, ein Prachtkerl mit mimischer Leidenschaft!
An den folgenden Tagen zeigten sich Einzel- tänze. Die Italienerin Britta Schellander kann
chen. Alle Geistlichkeit lebt von dem Vermögen, Gedankengut austauschen zu können. In Deutschland, dem Mutterlande der Reformation, war das Bedürfnis nach gesteigertem und erleichtertem Austausch von Gedankengut so stark geworden, daß die verfügbaren Mittel, gesprochenes oder mit der Hand geschriebenes Wort, die dem Altertum und dem Mittelalter genügt hatten, als unzulänglich empfunden wurden. Und in der Buchdruckerkunst schenkte das um den neuen Geist ringende deutsche Volk der Menschheit ein Mittel, woraus seitdem aller Austausch von Gedankengut, der geistige Verkehr also von Mensch zu Mensch und von Volk zu Volk, beruht. Fürwahr eine Spitzenleistung, worauf Deutschland um so mehr Grund hat stolz zu sein, als sie für das Wesen des Deutschtums, für seinen metaphysischen Drang, für sein faustisches Ringen um letzte Fragen und tiefste Probleme des Seins und des Menschentums kennzeichnend ist.
So hat der deutsche Genius dem Ringen um die neue Lebensform den Weg erst frei gemacht. Einen Weg, der dann freilich von den Höhen reiner Geistigkeit zu feiner Zeit auch zurückführen muhte in die Welt der Dinge. Neben dem Austausch von Gedankengut fordert der Austausch von Sachgütern seine Rechte, und der Verkehr auf dieser harten Erde ist auf die Dauer nicht minder wichtig wie der Verkehr von Menschengeift zu Menschengeist. Wie die Bedürfnisse der Neuzeit auch hier gewachsen find, im Vergleich zum geruhigeren Tempo von Altertum und Mittelalter, und wie das Deutschtum hier nicht nur Schritt gehalten hat im Dienste der Menschheitskultur, sondern führend vorangeschritten ist, auch das muß dokumentarisch belegt werden, wenn der Begriff Deutschland anschaulich gemacht werden soll. Und so hat es einen guten Sinn, wenn neben Goethes Reisewagen — einem so soliden Bauwerk, daß es nach mehr als 100 Jahren noch die Reise von Weimar nach Berlin machen konnte — die erste deutsche Lokomotive steht. Das geistige Band zwischen beiden Verkehrsmitteln hat noch "Goethe selbst geknüpft, als er zu Ecker- mann sagte: „Mir ist nicht bange, daß Deutschland nicht eins werde; unsere guten Chausseen und künftigen Eisenbahnen werden schon das Ihrige tun." In der Tat, Deutschlands Eisenbahnen sind es gewesen, die als erste die viel zu vielen Binnengrenzen der Kleinstaaterei wirksam durchbrochen haben. Und wie ein Wahrzeichen der trutzigen Kraft und des gebändigten Lebenswillens des Dritten Reiches steht" dann' das neueste Lokomotiven- W und er der deutschen Reichsbahn da! Gebändigte Naturkraft in den Dienst der Menschheit zu stellen, ist die Aufgabe der ewig vorwärtsdrängenden Technik. Aber derselbe Genius, der immer größere Kraftmengen in einer Einheit zusammenballt,
um die Aufgaben des Massenverkehrs zu bewältigen, arbeitet zugleich an einer Auflockerung und Verteilung an alle, die eines Anteils an neu erschlossenen Kraftquellen bedürftig sind. Massenverkehr — Einzelverkehr, hier gehen parallele Entwicklungen nebeneinander, und so gehört neben die erste deutsche Lokomotive der Urtyp des Fahrrads, dessen sich der Freiherr von Drais bediente, und der erste Kraftwagen, den Daimler gebaut hat. Und was für Goethes Altersweisheit „unsere guten Chausseen" bedeuteten, das setzen Adolf Hitlers Auto st raßen fort, „Straßen, die in die Zukunft führen", wie sie mit triftigem Grunde genannt werden.
Bahnbrechend ist der deutsche Genius gewesen bei der Eroberung des Luftraumes für den Verkehr. Deß zum Zeichen steht nicht weit von der leistungsfähigsten Lokomotive der n e u e st e I unke r s t y p, dessen zweckerfüllte Formensprache die Ueberwindung der Erdenschwere überzeugend kündet. Und ist nicht der Name Zeppelin ein Begriff geworden, der unlösbar mit dem Begriff Deutschland verbunden ist? Darum hat es abermals einen guten Sinn, wenn im Ehrenraume nicht weit von Skizzen zu Beethovens Neunter Symphonie, die wie mit Peitschenhieben innerer Leidenschaft hingeschrieben sind, die sachliche Patentschrift des Grafen Zeppelin gezeigt wird. Spitzenleistung der Kunst und Spitzenleistung der Technik, sie sind Ausstrahlungen des einen deutschen Genius, der in ihnen seinen Beitrag zur Menschheitskultur darbringt. Um diese und verwandte Dokumente schlingt sich ein sinnvoll gegliederter Rahmen, worin alle dreißig Gaue von ihren Sonderleistungen und ihrer Eigenart, von der Vielfalt in der Einheit Zeugnis ablegen. Ewiges Deutschland! So klingt und rauscht es aus dieser Zusammenstellung überall auf.
In mustergültiger Weise wird hier von Deutschland, dem Gastland der Olympischen Spiele, Pro- paaanda gemacht. Dokument- der deutschen Geschichte, Zeugnisse für das Wirken des deutschen Genius, werden ohne ein aufdringliches Wort vorgelegt, auf daß sie für sich selbst sprechen. Kommt und schaut! Das ist die einzige Aufforderung, die an die Fremden ergeht, und je mehr ihr Folge leisten, um so stärker wird diese stumme und doch so beredte Propaganda sich auswirken, im Geiste des Friedens und der Völkerverständigung.
Hochschulnachnchien.
— Professor Dr. Ernst L o m m a tz s ck, Ordinarius der klassischen Philologie an der Universität Marburg, Direktor des Philologischen Seminars, ist wegen Erreichung der Altersgrenze von den amtlichen Verpflichtungen entbunden worden.
Welturaufführung des Films „Boccaccio" in Bad-Nauheim
Es war ein glücklicher Gedanke der Ufa, eine ihrer bedeutendsten Filmschöpfungen im Olympiajahr in Bad-Nauheim zur Uraufführung zu bringen. Der große Festsaal des Kurhauses war von einem internationalen Publikum voll besetzt. Unter den ausländischen Gästen sah man u. a. den chinesischen Botschafter in London, Exz. Quo T a i - ch i und den rumänischen Minister Exz. C o n st a n Lines c u.
Die Wiedergabe des „Römischen Karnevals" von Berlioz, gespielt vom Staatskurorchester unter Leitung von Walter Stöver, bildete den Auftakt zu dem fröhlichen „Boccaccio"- Film, der uns das farbenprächtige Leben der mittelalterlichen Residenzstadt Ferrara vorgaukelt. Um vier Paare schlingt sich die Handlung. Willy Fritsch ist der Darsteller des Stadtgerichtsschreibers und heimlichen Dichters Petrucchio, der das Treiben der schönen und reichen Stadt in seinen Dichtungen geißelt. Heli Finkenzeller, die heitere Münchnerin, ist in ihrer Anmut und Fraulichkeit seine große Gegenspielerin und Eheliebste Fiametta. Das Herzogspaar von Ferrara wird von Albrecht Schön- hals und Gina Falkenberg, der gestrenge Hauptmann der Scharwachen und seine Frau von Albert Florath und Tina Eilers meisterhaft verkörpert. Paul Kemp, der immer luftige und tüchtige Verleger Calandrino, und Fita B e n k - hoff als seine Ehefrau Bianca gehören weiterhin zu den Gestalten, um die sich die farbenprächtige, heitere Filmhandlung dreht. Dichtung und Wahrheit stehen in diesem Film beieinander. Die Geschichten des „Decamerone" erwachen nach 600 Jahren mit Hilfe der modernen Technik des Films zu neuem Leben. Unter der Produktionsleitung Max Pfeiffers ist ein neuer „Boccaccio" erstanden, der mit der Suppeschen Operette nichts zu tun hat. Das Manuskript schrieben Dr. Burrie und Dr. F o r ft e r. Die Musik verdanken wir Fritz D ö 11 e. In diesem Film fließen Musik, Handlung, Bild und Darstellung harmonisch ineinander. Auch der Regisseur, Herbert Maisch, ging neue Wege. Es ist kein historischer Boccaccio, der hier dargestellt wird, sondern ein zeitloser Mensch in einen frei stilisierten Renaissancerahmen gestellt, in den sich auch die anderen Hauptpersonen gut einfügen. Otto Hunde hat ein mittelalterliches Ferrara hingezaubert, das den prächtigsten Hintergrund für die heitere Handlung abgibt. Manon Hahn, die für die kostüm- liche Ausstattung des Films zeichnet, hat die schönste und wohl auch dankbarste Aufgabe, die ihr bisher gestellt wurde, gelöst. Sie schuf Kleider, die den Charme und die Lebensfreudigkeit der Renaissance widerspiegeln. L.


