Ausgabe 
31.7.1936
 
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Nr. 177 Zweiter Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesien)Zreitag, Zl. Zuli (YZ6

XI. OLYMPISCHE SPIELE QPP

Der Münchener Rudolf Ismayr, der bei den Olympischen Spielen 1932 in Los Angeles für Deutschland eine goldene Medaille im Gewichtheben errang, spricht morgen zur feierlichen Eröffnung der XI. Olympischen Spiele Berlin 1936 den Olympischen Eid:Wir schwören, bei den Olympischen Spielen ehrenhafte Kämpfer zu sein und die Regeln der Spiele zu achten. Wir nehmen teil in ritterlichem Geiste zur Ehre unserer Länder und zum Ruhme des Sportes.

BERLIN 1936

Sie II. Olympischen Spiele beginnen.

Wir stehen am Anfang der XI. Olympischen Spiele 1936 zu Berlin der schönsten, größten und um­fassendsten seit der Wiedererweckung des Olympischen Gedankens durch Baron Pierre de Coubertin, dem Begründer der modernen Olympischen Spiele. Noch stehen in aller Erinnerung die wundervollen Tage von Garmisch-Partenkirchen, wo mit den IV. Olym­pischen Winterspielen der erste sportliche Teil des Olympia-Jahres 1936 abrollte. Nach dem Erlebnis in Bayerns Alpenwelt kamen Tage und Monate von rastloser Arbeit und Vorbereitung, von unermüd­licher Organisation und Propaganda, von inten­sivstem Training und sorgfältigster Auslese ... alles mit dem großen leuchtenden Ziel: Olympia 1936 zu Berlin! Und nun ist dieses Ziel erreicht: D i e Jugend der Welt steht am Start der XL Olympischen Spiele 1936!

Wenn am morgigen Samstag das Olympische Feuer, entzündet in Griechenlands heiligem Olympia und als Fackel getragen durch sieben Länder Euro­pas, durch die Berlinervia triumphalis kommt und dann in den großen Feuerschalen an den olym­pischen Kampfstätten zur helleuchtenden Flamme auf­lodert, wenn Deutschlands Führer und Reichskanzler Adolf Hitler das Zeichen zur Eröffnung der Olym­pischen Spiele gibt und feierlich die Olympia-Flagge aufgezogen wird, wenn ein deutscher Olympionike, Rudolf Ismayr, vor den versammelten Kämpfern der ganzen Welt den heiligen Olympischen Eid spricht und die Olympia-Glocke zum erstenmal dazu ihr Geläut ertönen läßt, und wenn Millionen von Men­schen auf aller Welt vom Zauber der großen Stunde gebannt sind ... dann hat eine Idee, die Idee der Leibesübungen und des Sportes, ihren größten Sieg in der Weltgeschichte erfochten.

sichere" Sieger in den entscheidenden Kämpfen die Nerven verloren und wie oft wurden olympische Kämpfe durch Glück und Zufall entschieden! Nein für olympische Wettbewerbe kann man keine Voraussagungen treffen.

Der erste Wettkampftag

ist der Sonntag, 2. August. Um 9 Uhr früh setzt der Reigen der Konkurrenzen mit dem Geländeritt zum Modernen Fünfkampf ein und läuft dann ununter­brochen, bis 20 Uhr die Fechter die Veranstaltun­gen des ersten Wettkampftages abschließen. Dazwi­schen gibt es im einzelnen folgende Wettbewerbe: 10.30 Uhr Leichtathletik: 100-Meter-Vorläufe, Hoch­sprung - Ausscheidung, Kugelstoßen - Ausscheidung, Speerwurf-Ausscheidung (Frauen). 11 Uhr: Frei­stilringen. 15 Uhr Leichtathletik: Hochsprung-Ent­scheidung, 100 - Meter - Vorläufe, Speerwurf - Ent­scheidung (Frauen), 800-Meter-Dorläufe, Kugel- stoßen-Entscheidung, 10 000-Meter-Entscheidung. 15

Uhr Fechten. 16.30 Uhr Hockey: Belgien Spa­nien, Holland Schweiz, Indien USA. 18 Uhr Freistilringen. 20 Uhr Fechten.

Der erste Tag bringt also in der Leichtathletik bereits vier Entscheidungen um die Olympischen Medaillen. Hoffen wir, daß sich unter den Gewin­nern der ersten zur Vergebung kommenden olym­pischen Preise auch Kämpfer aus der deutschen Olympia-Mannschaft befinden.

16 Olympia-Tage,

voll eines berauschenden Geschehens, voll von sport­lichen Kämpfen um den höchsten Preis, liegen vor uns. Berlin ist 16 Tage lang Mittelpunkt der gan­zen Welt. Zeigen wir dieser Welt, daß wir es ver­stehen, die XL Olympischen Spiele 1936 in einem Geist und mit Taten zu feiern, die der Jahrtau­sende alten Tradition Olympias würdig sind^ Wohlan die Spiele können beginnen. R. F.

Sieg der olympischen Idee.

Deutschland, das Land der Olympischen Spiele 1936, kann für sich in Anspruch nehmen, daß es viel­leicht am meisten dazu beigetragen hat, daß dieser große Sieg des Olympischen Gedankens und der Idee der Leibesübungen Tatsache werden konnte. Die tat­kräftige Förderung derSpiele" durch das national­sozialistische Reich und seine führenden Männer, die Bauten, die auf Befehl Adolf Hitlers für die Olym­piade errichtet wurden, die Arbeit des Deutschen Olympischen Ausschusses und des Organisationskomi-

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Der Grieche Luis, der im Jahre 1896 den Olympia- Sieg im Marathonlauf errang, traf in seiner heimat­lichen Tracht als Ehrengast in Berlin ein. Bei der feierlichen Eröffnung der Spiele wird er dem Führer am Samstag einen Oelzweig überreichen.

(Presfe-Bild-Zentrale-M.)

tees, die ideenreiche Ausgestaltung des Rahmens der XL Olympiade ... das alles sind Faktoren, die Deutschland die Möglichkeit gegeben haben, der Welt Olympische Spiele vorzuführen, wie man sie noch nicht gesehen und erlebt hat.

Deutschlands Anstrengungen und Leistungen um eine würdige und erfolgreiche Ausgestaltung und Durchführungseiner" Olympiade waren aemnf^a und bisher einzig dastehend. Der Lohn dafür wird und kann nicht ausbleiben, ja er ist in vielen Punkten sogar schon eingetroffen. Oder ist es nicht ein unsagbar großer Erfolg für Deutschland, in diesen unruhigen Zeiten, wo es an allen Ecken und Enden der Welt brodelt und gärt, für eine reine

Sache des Friedens ein Rekord-Meldeergebnis zu erzielen? Ist es nicht schon aller Mühen wert, den Hetzern gegen Deutschland und gegen die Olympi­schen Spiele in der ganzen Welt den Mund ge­stopft zu haben und dafür die sportlich eingestellte Jugend von über fünfzig Nationen in unserem Lande begrüßen zu können? Wir glauben, schon allein diese Tatsachen lohnen uns die Anstrengun­gen hundert- und tausendfach. Und der Wert, Hun­derttausenden von Ausländern in den 16 olym­pischen Wettkampftagen und in der nacholympischen Zeit unser friedliches und geordnetes Reich in seiner wahren Gestalt zeigen zu können, ist überhaupt nicht abzuschätzen.

Rekord-Olympia."

Durch das Meldeergebnis für die Wettkämpfe und den Kartenvorverkauf ist Olympia 1936 schon einRekord-Olympia" geworden, bevor die eigent­lichen sportlichen Wettbewerbe noch begonnen haben. Denn noch nie gaben in der 40jährigen Ge­schichte der modernen Olympischen Spiele 53 Natio­nen Meldungen für über 6000 Athleten und Athle­tinnen ab und noch nie war schon lange vor Be­ginn der größte Teil der Veranstaltungen restlos ausverkaust. Außerdem ist auch das sportliche Pro­gramm der Spiele, das diesmal 23 Sportarten umfaßt, größer denn je.

Wird es aber auch ein Olympia der wettkämpfe­rischen Rekordleistungen werden?

Wir glauben sicher! Denn einmal wurde noch keine Olympiade durchgeführt, die nicht Rekord­leistungen brachte, und zum anderen muß die Höchstform der besten Athleten der Welt ja eigent­lich zwangsläufig zu neuen Bestleistungen im olym­pischen Kampf führen. Die athletische Jugend der Welt geht in jeder Weise gerüstet an den Start. Jeder einzelne Kämpfer wird in Hochform sein, jeder ist sich aber auch bewußt, nicht allein für seinen Ruhm, sondern in erster Linie für die Ehre seines Vaterlandes zu kämpfen. Der Wille zum Sieg kann Berge versetzen, und im Verein mit einem großen Können wird er der Ansporn zu Kämpfen sein, die Höchstleistungen verlangen aber auch bringen werden.

Deutschlands Kämpfer vor harten Proben

Deutschlands Athleten sind sich der Aufgaben, die Berlin an sie stellen wird, in jeder Weise bewußt. Unsere Olympia-Kämpfer und -Kämpferinnen wissen, daß es unheimlich schwer sein wird, im Ringen mit den besten Athleten der Welt ehrenvoll oder sogar siegreich zu bestehen. Sie werden aber mutig und mit letztem Einsatzwillen in den Kampf gehen, um zur Ehre Deutschlands zu siegen oder Besseren ehrenvoll zu unterliegen.

Es wäre vermessen, wollte man die Aussichten unserer Athleten in den einzelnen Konkurrenzen bis ins kleinste erwägen oder hier und dort sogar | einen sicheren Sieg oder ein klares Unterliegen vor- I auszusagen.

Olympia-Siege sind nicht nur eine Frage des Könnens und derPapierform". Schon zu oft haben wir erlebt, daß Männer und Frauen den olympischen Lorbeer erkämpften, die man vorher nur wenig beachtet und weiter hinter diegroßen Favoriten" gesetzt hatte. Wie oft haben auch schon

Die wegen des großen Andrangs zu den Olympischen Schwimmwettkämpfen erbaute Zusatztribüne (im Hintergründe links) wurde fertiggestellt, und eine herrliche Kampfbahn bietet sich heute dem Beschauer dar. (Scherl-Bilderdienst-M.)

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Anläßlich der Olympischen Spiele veranstaltete der Aeroklub von Deutschland am 29. und 30. Juli einen Internationalen Sternflug, an dem sich 15 Nationen beteiligten. Außerdem findet in Rangsdorf bei Berlin, wo jetzt dieser neue Spvrtflughafen fertiggestellt wurde, ein Internationaler Kunstflug-Wettbewerb um den Preis der Nationen statt. (Presse-Bild-Zentrale-M.)

3n Bereitschaft zum ritterlichen Kamps.

DeutschlandsKämPferimOlymPischenDorf.

Die deutschen Olympia-Kämpfer bezogen am Don­nerstag ihre Quartiere im Olympischen Dorf. Um 18 Uhr versammelten sich sämtliche deutsche Olympia- Mannschaften mit Ausnahme der Boxer und Reiter vor dem Eingang zum Olympischen Dorf zum feier­lichen Einzug. Vertreter fast sämtlicher ausländischer Mannschaften und eine große Menge von Volks­genossen hatten sich eingefunden, um die deutschen Olympia-Kämpfer zu empfangen. Unter den Ehren­gästen bemerkte man Reichsminister Dr. Frick und Staatssekretär P f u nd t n e r.

Die deutschen Sportsleute waren in ihren brau­nen Trainingsanzügen in Reih und Glied angetre­ten, als der Reichssportführer von Tschammer und Osten eintraf und die Front abschritt. Nach der Begrüßung durch den Kommandanten des Olym­pischen Dorfes Freiherr von und zu Gilsa ging un­ter den Klängen der Nationalhymnen die deutsche Flagge neben den Fahnen der übrigen Nationen am Mast empor.

Unter Vorantritt der Kapelle der Luftwaffe hielten die deutsche Mannschaft, an ihrer Spitze der Reichs­sportführer und die beiden der deutschen Mann­schaft beigeordneten Ehrenoffiziere ihren Einzug in das Olympische Dors. Vor dem HausVogesen" nahmen die Mannschaften erneut Aufstellung und Hauptmann Mühlenbrink übergab dem Reichs- sportsührer als seinem alten Kriegskameraden die Quartiere. Darauf nahm der Reichssportführer von Tschammer und Osten das Wort zu einer kernigen Ansprache. Er ermahnte die für die Vertretung der deutschen Farben auserwählten Sportsleute zur höchsten Einsatzbereitschaft im olympischen Geiste.

Nach einem dreifachen Siegheil auf den Führer stieg auf dem HausVogesen , das nunmehr für drei Wochen das Quartier der deutschen Olympia- Kämpfer sein wird, unter den Klängen des Deutsck- landliedes und des Horst-Weffel-Liäies die deutsche Flagge empor.

4844 Athleten sind gemeldet.. J

Am 28. Juli lief der letzte Meldetermin für die Olympischen Spiele 1936 zu Berlin ab. Nach einer Aufstellung der namentlich gemeldeten Olympia- Kämpfer und -Kämpferinnen wird die Gesamtzahl der Anwärter auf die olympischen Medaillen mit 4844 angegeben. Davon sind 4503 Männer und 341 Frauen. Die meisten Meldungen hat Deutschland abgegeben, und zwar insgesamt 427, 382 Männer und 45 Frauen, dann folgt USA. mit 367 Startern, wovon 323 männlich und 44 weiblich sind. Die Län­der mit den größten Meldeziffern sind:

Deutschland 427 Nennungen, USA. 367, Ungarn 366, Großbritannien 304, Frankreich 238, Italien 231, Schweiz 230, Oesterreich 219 und Tschecho­slowakei 194.

Ueber 100 Meldungen gaben noch ab: Belgien, Dänemark, Finnland, Holland, Japan, Kanada, Polen, Schweden und Jugoslawien.

25 Nationen mit 90 Booten bei der Olympia-Regatta.

Für die Olympische Ruder-Regatta, die in Grünau in den Tagen vom 11. bis 14. August ausgefahren wird, wurden von 25 Nationen 95 Boote mit 337 Ruderern gemeldet. Vier Länder werden in allen sieben Bootsgattungen an den Start gehen, und zwar die Schweiz, Ungarn, USA. und Deutschland. Die stärkste Beteiligung fand der Einer mit 21 Unterschriften. Für den Vierermit" wurden 16, für den Zweierohne" 14, für den Achter 13, für den Doppelzweier und Zweiermit" je 11, für den Viererohne" 9 Nennungen abgegeben. Die Ein­teilung der Vorläufe wird am 5. August im Hause

des Berliner Regatta-Vereins in Grünau vor­genommen.

Deutschlands Reitervertretung.

Deutschlands Olympia-Retter und -Pferde wur­den wie folgt bestimmt: Vielseitigkeitsprüfung: Hptm. Stubbendorf (Nurmi oder Fortuna), DblL Frhr. von Wangenheim (Kurfürst oder Guntram), Rittm. Lippert (Fasan oder Fortuna); Große Dres­surprüfung: Major Gerhard (Absint oder Burgs«

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Ein prächtiger Ueberblick über die Sprunganlage im Olympia-Schwimmstadion, wo zur Probe erstmalig die Fahnen aufgezogen wurden. Gerade trainiert ein Japaner beim Turmspringen.

(Presse-Bild-Zentrale-M.)

borff), Oblt. Pollay (Kronos oder Emir), Rittm. von Oppeln-Bronikowski (Gimpel oder Fels); Gro­ßes Jagdspringen: Rittm. Brandt (Alchimist oder Thora), Hptm. von Barnekow (Olaf oder Nord­land), Oblt. Kurt Hasse (Thora oder Baccarat).

Olympia-Sternfahrer in Berlin.

In stattlichem Flaggenschmuck stellte sich am Don- nerstaa die Nordausfahrt der Avus vor, um die Teilnehmer an der Olympia-Sternfahrt für Wagen und Krafträder zu empfangen, die aus 22 Nationen nach Berlin kamen.

Kurz vor 12 Uhr, eine halbe Stunde vor Oeffnung der Zielkontrolle, fegte ein schnittiger Singer dis Avus herunter: der erste Teilnehmer. Am Steuer saß eine Frau, die Engländerin Miß H a i g. Als Vertreter des Korpsführers hieß sie Stabsführer von Bayern-Ehrenberg herzlich willkom-