Nr. Z55 Erstes Blatt
186. Jahrgang
greitag, 30. Oktober 1036
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Auftakt zum Berliner Gaujubiläum.
Oie Neichshauptstadt im Zeichen des Geburtstages ihres Gauleiters Or. Goebbels.
DasGoldeneSrinnerungszeichen für die ältesten Mitkämpfer.
V e r l i n, 29. Okt. (DNB.) Der Gau Groß-Berlin der NSDAP, und die Hauptstadt des Deutschen Reiches begehen am Donnerstag und die beiden folgenden Tage in würdigem Rahmen die 10jäh- rige Wiederkehr des Tages, an dem der Führer den Pg. Dr. Josef Goebbels als Gauleiter nach Berlin berief. Schon gegen 8 Uhr sammelten sich die ersten Berliner an, um dem Gauleiter ihre herzliche Anteilnahme an seinem gleichzeitigen Geburtstage und am Jubiläum des Gaues Groß- Berlin zu bekunden. Sie trugen sich in großen Scharen in die im Vorraum des Ministeriums liegenden Gratulationsliften ein.
Als erste offizielle Gratulanten empfing Gauleiter Dr. Goebbels in seinem Arbeitszimmer im Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda 28 alte Parteigenossen, denen er im Gedenken an die gemeinsam durchlebte zehnjährige Zeit des Kampfes in Berlin ein goldenes Erinnerungszeichen überreichte. Nachdem Gauleiter Dr. Goebbels dem ersten Führer der SA. aus der Zeit vor 1923, dem Parteigenossen Hermann Göring, bereits am Mittwochabend im Sportpalast dieses goldene Erinnerungszeichen übergeben hatte, wurden nun auch die übrigen alten Berliner Parteigenossen damit ausgezeichnet.
Mit diesen alten Getreuen trug auch Gauleiter Dr. Goebbels das Goldene Ehrenzeichen des Gaues Groß-Berlin, das in künstlerisch besonders schöner und wertvoller Ausführung das von einem Eichenblatt umkränzte Hoheitszeichen darstellt. Es waren wenige Augenblicke der Besinnung auf die gemeinsam durchlebte zehnjährige Kampfzeit, die Dr. Goebbels und seine ältesten Mitstreiter in dieser Stunde noch einmal in ihrem Geiste vorüberziehen sahen.
Or. Goebbels
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Reichsminister Dr. Goebbels. — (Scherl-Bilderdienst-M.)
Der Glückwunsch des Führers
Sie haben uns für unsere Arbeit gelobt. Aber dieses Lob müssen wir wieder zurückgeben. Denn wenn jeder einzelne von uns auch seit Jahren Adolf Hitler geschworen hat, im Kampfe um die nationalsozialistische Weltanschauung, wenn es sein muß, sein Leben einzusetzen, so war unser Wollen doch nur begrenzt. Sie haben in den zehn Jahren, in denen Sie an der Spitze des Gaues stehen, uns immer wieder emporgerissen, wenn wir kleinmütig und schwankend geworden sind. Sie, Dr. Goebbels, waren es, der uns zu einem eisernen Korps zusammengefchweißt hat, das notwendig war, um in der Minderheit gegen die rote Front in Berlin anzustürmen. Sie haben mit Ihrem Fanatismus, Ihrem Glauben und Ihrer Redegewandtheit uns neue Kämpfer zugeführt, die uns wiederum in unserem Kampfe bestärkt haben. Wären Sie nicht nach Berlin gekommen, Berlin hätte nicht erobert werden können Wir haben zehn Jahre mit Ihnen gekämpft. Wir werden solange mit Ihnen kämpfen, ' solange es uns das Schicksal erlaubt, auf dieser Erde zu leben. Das ist unser Dank am heutigen Tage." — Gauleiter Dr. Goebbels verweilte hierauf noch einige Zeit mit seinen alten Kampfkameraden und tauschte mit ihnen Erinnerungen über den zehnjährigen Kampf Berlin aus.
Feierstunde im Haufe des Rundfunks.
60valteKämpfererhaltenEmPfangsgerate.
Berlin, 29. Okt. (DNB.) Reichsminister Dr. Goebbels ist der Schutzherr des deutschen Rundfunks. Unter seiner obersten Leitung hat das deutsche Rundfunkwesen in den letzten drei Jahren einen außerordentlichen technischen, künstlerischen und organisatorischen Aufschwung genommen. Deshalb ist es selbstverständlich, daß am Tage des Gaujubiläums und am Geburtstage des Berliner Gauleiters auch der Rundfunk in die Reihe der Feiernden eingeschaltet wurde. Das geschah im Zeichen des nationalsozialistischen Ge- meinschaftsgeoankens: mit einer Feierstunde im großen Senderaum des Hauses des Rundfunks, in deren Rahmen 6 0 0 alten Kampfgefährten des Berliner Gauleiters Rundfunkempfangs- gerate überreicht wurden. Gaupropaganoa- leiter Wächter erklärte, es sei der Wunsch des Gauleiters gewesen, zum Zeichen des Dankes 600 alten Kämpfern Rundfunkgeräte zu überreichen. — Reichssendeleiter Hadamovsky würdigte den Rundfunk als wichtigstes Propagandamittel.
gab dieser Verbundenheit in einer Ansprache Ausdruck, in der er u. a. sagte: „Es fällt mir sehr schwer, in dieser Stunde passende Worte zu finden. Heute sind die 30 ältesten und besten meiner Kameraden hier zusammengekommen, die schon damals an der Front kämpften, als ich nach Berlin kam. Sie haben mir in diesen zehn Jahren treu und selbstlos zur Seite gestanden. Es ist ein grenzenloser Idealismus gewesen, der uns damals beseelt hat. Die Menschen, die heute die Früchte des nationalsozialistischen Sieges pflücken und genießen, können sich gar keine Vorstellung davon machen, mit welch einem Minimum an Erfolgsaussichten wir damals den Kampf begonnen haben.
Wenn die Reichshauptstadt erobert werden konnte, so ist das nicht nur meinem Durchhaltevermögen und meiner Intelligenz zu ver- , danken, sondern vor allem der Tatsache, daß ich vom ersten Tage an hier in Berlin Kameraden gefunden habe, die mit mir durch Dick und Dünn gegangen sind und die, wenn es hart auf hart ging, sich vor mein Leben gestellt haben. Diese Stunde ist für uns alle so feierlich, weil wir nach zehnjährigem Kampf nunmehr feststellen können, daß wir unser Ziel ganz erreicht haben Wenn in diesen Tagen die Oessenflichkeif mit Dankesbezeugungen entgegenbringt, bam müßte ich den größten Teil dieser Dankesbezeu- gungen an Sie weitergeben, denn Sie sind es gewesen, die meinen Wut gestärkt haben, die mir zur Seife standen in einer Zeit, in der ich in Berlin noch ein unbekannter Wann war und nicht hoffen konnte, daß in wenigen Jahren schon die nationalsozialistische Bewegung dieses letzte Bollwerk des Warxis- mus erobern würde.
Es fällt mir so schwer, jetzt hier zu Offnen zu sprechen weil ich Ihnen allen ansehe daß diese UnJahre an 7ns nicht spurlos vorubergegangen sind Aber was in uns noch an Kraft und Glau ben’ unb Idealismus steckt, wollen wir f u r d I e nähere und fernere Zukunft o em F u y rer und der Bewegung zur Verfügung stellen In einem rastlosen Idealismus wollen wir arbeiten, damit auch die f"""C fLrfe bUnh Ziele unserer Bewegung mit unserer Hufe und Kraft erreicht werden können.
Wenn ich Ihnen als den 30 °u-erw°hl.°n Par- teiaenossen des Gaues em in Gold gefaßtes Er- innerungszeichen überreiche, soll damit vor aller Oesfentlichkeit kundgetan werden, daß Sie es waren die unbeirrt und treu und mit unbändigem idealistischem Glauben zum Führer und zur Bewegung und auch zu nur als dem vom Führer für den Gau Berlin eingesetzten Gauleiter gestanden haben.
General Daluege,
der erste Gausturmführer der SA von Groß-Berlin, machte sich zum Dolmefich des Dankes und der Treue der a en Berliner Mitkamp- fer. „Die 30 ältesten und ersten Führer des Gaues Groß-Berlin", so sagte er u. a, „die bereits auf dem Posten standen, als Sie 1926 diesen Gau über- nahmen, danken Ihnen für ine hohe Auszeichnung.
Unser Bild zeigt den Führer, wie er die ältesten B e r l l n e r P a r t e t g e n o s s e n begrüßt denen Dr Goebbels das Goldene Erinnerungszeichen überreicht hatte. Links: Ministerpräsident Generaloberst Göring. — (Presse-Jllustration-Hoffmann-M.)
„Wir habens gewagt!"
3um ilOjährigen Bestehen
des Gaues Berlin der NSDAP.
I.
Es bedarf keiner besonderen Hervorhebung, daß der Gau Berlin in der historischen wie in der politischen Entwicklung nicht nur der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei, sondern , auch ganz Deutschlands selbst eine außergewöhnliche Rolle spielt. Wenn dieser Gau, dessen Geschichte gleichbedeutend ist mit der Eroberung der Reichshauptstadt durch den Nationalsozialismus unter Dr. Goebbels, jetzt am 29. Oktober sein 10- jähriges Bestehen durch eine große A r • beitstagung in würdigster Form begehen kann, so gehört ihm das Interesse unb die herzliche Anteilnahme des ganzen deutschen Volkes.
Dies um so mehr, als der Gauleiter Dr. Joseph Goebbels seit Beginn des Kampfes um Berlin schon um der scheinbaren Aussichtslosigkeit dieses Kampfes willen einen Namen hatte. Der gleiche Mann, der sich damals im Oktober 1926 mit einer Handvoll Getreuer an die schier unlösbare Aufgabe des Sichdurchfetzens gegen die „nach Moskau röteste Stadt Europas" machte, begeht am Tag der Gaugründung seinen 3 9. Geburtstag. „Der Doktor", wie ihn seine Berliner aus der Kampfzeit auch heute noch nennen, ist auch im Reich nicht lange ein Unbekannter geblieben. Der Gau Hessen-Nassau rechnet es sich zur besonderen Ehre an, daß er b e r e r ft e war, ber Dr. Goebbels aus feiner Tätigkeit in Elberfelb als Rebner an- forberte. So sprach Dr. Goebbels bereits zu ben Dezemberwahlen 1924 in ber Frankfurter Lieberhalle unb bann roieber im November 1927.
*
In ber trostlosen Atmosphäre bes Herbstes 1926 wirb aus dem Essener Kreis ber Parteileitung ein junger Dr. Joseph Goebbels auf Grunb von Anregungen, bie schon auf bem Parteitag in Weimar vom Juli bes gleichen Jahres erfolgt waren, nach Berlin geschickt. Es gilt, in ben wenig erfreulichen Zuftanb ber bärtigen Ortsgruppen Drbnung hineinzubringen, eine Organisation aufzubauen, ben Führerstreitigkeiten ein Enbe zu machen. Das lieft sich heute fo leicht hin. Aber biefer Dr. Goebbels kommt als ein völlig frember, unbekannter Mann nach ber Reichshauptstabt — man muß es roieber nachlefen in feinem Buch „Kampf um Berlin" Da ist biefe Viereinhalb- miüionenftabt, bie ihm politisch unb bevölkerungsmäßig gesehen, ein Buch mit sieben Siegeln ist. Er weiß, wie weit bie rote Rabikalisierung ber Reichshauptstabt schon vorgeschritten ist. Er kommt mit leeren Hänben, Gelb ist nicht ba, unb er finbet bann in Berlin eine Partei, „bie biefen Titel in keiner Weise verbiente".
Da steht nun ein unbekannter junger Mann, ber noch keinerlei Autorität hat, unb soll sich gegenüber ben verschobenen Ortsgruppenleitern unb ihren mancherlei roiberftrebenben Ansprüchen burchsetzen! Er versucht unb erreicht es schließlich auf bie einzig mögliche Weise; er gibt bie Parole aus: Strich unter alles bisherige, von vorne anfangen! Wer habet nicht mitmacht, fliegt raus. Erster Erfolg: ein volles Fünftel zieht sich erbost zurück. Be- bauerüd), aber es schafft Klarheit. Unb nun wird aufgebaut.
Aus bem brerfigen Keller in ber Potsbamer Straße, bem „Parteilokal", fiebelt man, nachbem man regelmäßige befcheibene Beiträge burchgefetzt hat, in zwei Zimmer ber Lützoroftraße über. Bald folgen bie ersten „Massenversammlungen", 1000 bis 1500 eigene Anhänger „mit einigen Mitläufern und Sympathisierenben". Der spätere Gauleiter schreibt: „Wir waren ein lächerlich kleiner Verein, man kannte uns nicht einmal bem Namen nach".
Von ber Sektion Spanbau aus werben bie ersten ernsten Kämpfe ber Berliner Bewegung burchge- fochten. Ueberall stehen bie Roten bereit. „Berlin bleibt rot!" Wollen sehen, wollen sehen! „Der Kampf um Berlin begann als aussichtslose Sache unb würbe trotzbem von einer Sekte verwegener Menschen gewagt. Nach bem Kapp-Putsch hatten weise Leute in Berlin erklärt, es könne nicht von innen erobert werben, man müsse es von außen zwingen. Wirklich? „Wir haben ben Kampf begonnen ohne Rücksicht barauf, ob unb wann er zum Sieg führen mürbe ...Es ist ein Kampf um Berlin geworben, ber an bie acht Jahre bauerte unb Ströme von Blut unb Tränen kostete... Wir haben's gewagt!... Hier gab ber Bolschewismus zuerst seine Parole aus: „Schlagt bie Faschisten, wo ihr sie trefft!"
Aber bas Gerüst bes Gaues steht, spärlich noch, unscheinbar, aber es steht. Der Gauleiter ist überall; rätselhaft, woher biefer überschlanke Mann biefe schier unerschöpfliche Energie hernimmt. Es glüht in ihm. Ein fanatischer Glaube, ein überlegenes Vertrauen zu ber Jbee ber Bewegung reißen ihn auf feiner Kämpferbahn vorwärts
Es ist bas ungewollte Verdienst ber rings um die Braunhemben einfetzenben Hetze, baß bie Bewegung nicht mehr unbekannt ist. Zugleich aber mehren sich bie Opfer, vor allem unter ber immer kampfbereiten SA., bie mit ihren Trupps beim Saalschutz selbst bie kompaktesten Kommuniften- massen wie bie Teufel angeht unb ohne Rücksicht auf Blut unb schwere Wunben im Endeffekt das rote Gesindel bann boch trotz feiner Uebermachk zum Tempel hinausprügelt. Hans Schwarz van Berk erzählt es knapp fo: „Wer in Berlin zur SA. kam, trat unter bie Verfemten. Sein Weg würbe zum engen Paß zwischen Polizei unb Pöbel. Hier hatte er zu stehen ober zu fallen. Die Stabt war unbarmherziger als alle anberen. Ganze Stadtviertel gehörten ben Kommunisten. Wer sich bort im Braunhemb zeigte, war gezeichnet."


