Nr. 176 Zweiter Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhefsen)Donnerstag, 30. Juli 1636
Memelehlen Verhandlungen inpetersburglStt.
Don Graf $. pourfoteet (f), bis zum Kriegsausbruch deutscher Botschafter am Zarenhofe.
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III.
Europa stürzt in den Krieg.
Einige Stunden nach meinem Gespräch mit Graf Fredericksz (dem Hofminister des Zaren) um 5 45 Uhr (am 1. August) ging folgendes Telegramm des Staatssekretärs des Auswärtigen Amts, von I a g o w ein:
Falls die russische Regierung auf unsere Forderung (die Mobilmachung einzustellen) keine befriedigende Antwort erteile, hätte ich ihr nachmittags 5 Uhr nach mitteleuropäischer Zeit folgende Erklärung zu überreichen:
„Die Kaiserliche Regierung hat sich seit Beginn der Krise nach Kräften bemüht, eine friedliche Lösung herbeizuführen. Einem Wunsche folgend, der ihm durch S. M. den Kaiser von Rußland ausgedrückt war, bemühte sich S. M. der Deutsche Kaiser im Einverständnis mit England, die Rolle eines Vermittlers bei den Kabinetten von Wi^n und St. Petersburg auszuüben, als Rußland, ohne das Ergebnis dieser Vermittlung abzuwarten, zur Mobilmachung seiner gesamten Land- und Seestreitkräfte schritt. Infolge dieser drohenden Maßnahme, die durch keine militärischen Vorbereitungen von deutscher Seite begründet war, sah sich das Deutsche Reich einer schweren und drohenden Gefahr gegenübergestellt. Hätte es die Kaiserliche Regierung verabsäumt, dieser Gefahr zu begegnen, so würde sie die Sicherheit und selbst den Bestand Deutschlands gefährdet haben. Infolgedessen sah sich die deutsche Regierung gezwungen, sich an die Regierung S. M. des Kaisers aller Reussen zw wenden und auf die Einstellung der besagten militärischen Maßnahmen zu bestehen. Da Rußland «sich geweigert hat, dieser Forderung nachzukommen (es nicht für nötig erachtet hat, eine Anwort auf diese Fordervng zu erteilen), und da es durch diese Weigerung (diese Haltung) bekundet, daß sein Vorgehen gegen Deutschland gerichtet war, so beehre ich mich, im Auftrage meiner Regierung Euerer Exzellenz folgendes mitzuteilen: Seine Majestät der Kaiser, mein erhabener Herrscher, nimmt im Namen des Reiches die Herausforderung an und betrachtet sich im Kriegs- zustande mit Rußlan d."
Wie aus den beiden eingeklammerten Stellen ersichtlich ist, sah die mir oorgeschriebene Erklärung sowohl den Fall vor, daß die russische Regierung auf unsere Aufforderung, die Mobilmachung einzustellen, überhaupt nicht antworte, als auch den Fall, daß die Antwort ungenügend sein würde. Da die Zeit drängte, es war nach der Entzifferung des Berliner Telegramms schon %7 Uhr geworden, entschloß ich mich, von einer Uebergabe einer formellen Note ganz abzusehen und die vorgeschriebene Erklärung mündlich abzugeben, dem Minister aber eine Abschrift des Berliner Telegramms als aide- memoire zurückzulassen.
Gegen 7 Uhr abends war ich bei Herrn Sasonow. Ich fragte ihn dreimal, ob er mir nicht eine Antwort auf meine letzte Demarche geben wolle, durch die der Frieden noch erhalten werden könnte. Nachdem Herr Sasonow erwidert hatte, daß er mir die von uns verlangte Antwort nicht geben könne, las ich ihm die vorgeschriebene Erklärung wörtlich vor und machte dabei ausdrücklich auf die beiden Eventualitäten aufmerksam; welche die Erklärung vorsehe: nämlich den Fall, daß er uns eine nicht befriedigende Erklärung geben würde. Auf besonderen Wunsch des Ministers habe ich dann meinen Namen doch noch unter das aide-memoire gesetzt ...
Nach Abgabe meiner Erklärung verabschiedete ich mich beim Minister und bemerkte dabei, ich hätte gewünscht, daß mein Abschied von Petersburg unter anderen Umständen erfolgen würde. Auch während
der letzten Krise glaubte ich mit gutem Gewissen sagen zu können, daß ich alles getan hätte, was in meinen Kräften stand, um den Bruch zu verhüten. Bei diesen Worten fiel mir Herr Sasonow gerührt um den Hals und sagte: „Croyez moi, nous vous reverrons!“ („G lauben S i e mir, mir ro e r = denSiewiedersehen !") Ich bemerkte darauf, daß dieser Krieg ein großes Unglück sei und nach meiner Ueberzeugung zu vermeiden gewesen wäre. Herr Sasonow bestätigte dies und klagte unseren Botschafter in Wien als denjenigen an, der den Krieg verschuldet habe. Ich wies diese Insinuation mit Entrüstung zurück und sprach mein Erstaunen darüber aus, wie schlecht der Minister anscheinend über die Tätigkeit des deutschen Vertreters in Wien unterrichtet sei. Heber die Frage, wer an dem Kriege d i e Schuld trage, fügte ich hinzu, könne nicht der gering st e Zweifel bestehen. Es seien diejenigen, welche beim Zaren die Mobilmachung gegen uns durchgesetzt und auf diese Weise erreicht hätten, daß unsere auf die Erhaltung des Friedens gerichtete vermittelnde Tätigkeit rusti- scherseits ohne jeden Anlaß mit einer schweren Bedrohung und Herausforderung Deutschlands beantwortet wurde. Dadurch allein sei der Bruch herbeigeführt worden. .
Herr Safonow entgegnen darauf: „Was konnte ich als Minister des Aeußeren tun, wenn der Kriegsmini st er dem Kaiser erklärte, daß die Mobilmachung notwendig fei?" Ich bemerkte, nach meiner Ansicht sei gerade er in seiner Stellung, da er nach der vorhergegangenen Verhandlung wußte, welche Folgen die Mobilmachung haben mußte, berufen gewesen, den Zaren von diesem verhängnisvollen Schritt abzuhalten.
Um diesem zwecklosen Gespräch ein Ende zu machen, bat ich dann um meine Pässe. Der Minister erwiderte, er müsse gestehen, daß ihm die technische Bedeutung dieser Bitte klar sei. Ich erläuterte darauf die Bedeutung meiner Bitte dahin, Herr Sasonow möge dafür sorgen, daß für meine und der Botschaft sowie der Bayerischen Gesandtschaft und des Generalkonsulats Abreise die nötigen Vorkehrungen getroffen würden. Herr Sasonow versprach dies und fügte hinzu, unsere Abreise werde wohl erst in ein bis zwei Tagen erfolgen können.
Herr Sasonow machte mir bei dieser letzten Unterredung einen geradezu hilflosen Eindruck, der mich in der Auffassung bestärkte, daß er in der letzten Phase der Krisis sich ganz vom Strome treiben ließ und sich zum willenlosen Werkzeug der Kriegshetzer gemacht hat ...
Nach Mitternacht erschien ein von Herrn Sasonow gesandter Herr des Ministeriums des Aeußeren, der frühere Sekretär bei der Botschaft in Berlin, Rad- kiewitsch, um mitzuteilen, daß ein Extrazug für die Botschaft amnächstenMorgen8Uhr auf dem Finnländischen Bahnhof bereitstehen würde. Nachdem Herr Sasonow mir gesagt hatte, daß wir voraussichtlich erst in ein oder zwei Tagen würden reisen können, kam diese Mitteilung einigermaßen überraschend. In aller Eile mußten nun während der wenigen noch übrigbleibenden Stunden die letzten Vorbereitungen zur Abreise getroffen werden.
Um 4 Uhr früh, als ich mich gerade hingelegt hatte, um noch etwas vor der Abreise zu ruhen, wurde ich noch einmal von Herrn Sasonow an das Telephon gerufen. Der Minister teilte mir mit, daß abends 10 Uhr noch ein Telegramm unseres Kaisers an den Kaiser von Rußland eingegangen sei, welches mit den Worten schließe, Seine Majestät bitte den Zaren, seinen Truppen zu befehlen, in keinem Falle die Grenze zu überschreiten. Herr Sasonow fragte, wie diese Bitte mit der von mir abends um 7 Uhr abgegebenen Erklärung in Einklang zu bringen sei. Ich erklärte, hierüber keine Auskunft geben zu können. Vielleicht sei das Kaiser-Telegramm älter, als das Telegramm, in dem ich angewiesen wurde, die fragliche Erklärung abzugeben ...
Üm 8 Uhr morgens, am 2. August, erfolgte d i e Abreise der Botschaft.
Die olympische Fackel naht!
Festlicher Empfang in Stadt und Land. - In 24 Stunden von der Grenze zum Lustgarten. —Weihestunde an Feueraltären.
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Der heilige Eifer der Fackelsiaffelläufer.
Ein charakteristisches Bild von dem Staffellauf mit dem Olympischen Feuer. Es wurde nach der Feier an dem Altar in Belgrad ausgenommen. Mit feierlicher Miene schreitet der Läufer, die Fackel in der Hand, hinab, um den Lauf fortzusetzen.
(Scherl-Bilderdienst-M.)
„Glückauf zu Eurem Lauf!"
Pierre de Coubertin.
Eilenden Schrittes und selbst entflammt von dem Feuer olympischer Begeisterung, tragen junge Sportler die unter Griechenlands Sonne entzündete Flamme von Dorf zu Dorf und von Land zu Land, durch Schluchten und Täler, über Berge und Höhen, bei Tag und bei Nacht. Nach der Glocke durchzieht bald ein zweites olympisches Sym- b o l unser Land. Wie stolz können wir sein, daß dieser erste olympische Fackellauf der Neuzeit, der einer glücklichen Eingebung des Präsidenten des deutschen Organisationskomitees Dr. L e w a l d zu danken ist, gerade unser Vaterland zum Ziel hat! Hunderttausende, ja Millionen, werden die Straßen umsäumen, wenn das heilige, an geweihter Stätte geborene Feuer der Hauptstadt des Reiches entgegengetragen wird. Und von dem Schein der Fackel wird auch auf sie ein Abglanz des hehren olympischen Festes übergehen.
Alles ist vorbereitet!
Die letzten technischen Vorbereitungen für den Lauf auf deutschem Gebiet sind mit dem Versand der Fackelgriffe an die Teilnehmer zum Abschluß gekommen; auch zeitlich liegt der Plan auf die Minute genau fest. Der vom Fachamtsleiter für Leichtathletik Dr. von Halt und damit vom Reichssportführer mit der Organisierung des Laufes beauftragte Führer der Leichtathletikabteilung des Sportclubs Charlottenburg, Walter Blume, wird den Läufern bis über die deutsche Grenze hinaus entgegenfahren. Zu aller Sicherheit wird in einem zweiten Wagen ein Reservefeuer bereitgehalten, obschon ein Erlöschen der wetterfesten und vielfältig erprobten Magnesiumfackeln so gut wie ausgeschlossen ist. Auf diese Weise werden für den Notfall auch Ersatz- l ä u f e r jederzeit zur Stelle sein. Die 267 Läufer des Deutschen Reichsbundes für Leibesübungen — 98 vom Gau Sachsen, 66 vom Gau Mitte und 103 oom Gau Berlin-Brandenburg — wissen längst.
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Ungarns nächtliche Olympia-Feierstunde am Ehrenmal.
Nach dem Eintreffen des Olympischen Feuers wurde am Grabmal des Unbekannten Soldaten in B u d a- p e ft eine eindrucksvolle Feier abgehalten, bei der der Führer der ungarischen Frontkämpfer, General Graf Takacs-Tolbay, das Feuer an dem Altar entzündete. — (Scherl-Bilderdienst-M.)
peterchen bummelt über d n RummeWtz hon Christian Bock.
Peterchen war mit. Und wenn du je, sage ich dir, auf einen Jahrmarkt gehst, auf einen Rummelplatz, wo es Drehorgeln gibt und kreisende Karussells, Schießbuden und bunte Läden mit Bonbonbergen, da nimm so ein Mädchen mit. Du hast es gut mit ihr, das kann ich dir versprechen, sie hangt sich gleich in deinen Arm und ist dir drei-, viermal so gut gesonnen wie sonst.
Ihr fahrt zusammen auf jagenden Silbergäulen, die hölzernen Ohren umklammert, in Kaleschen mit rotem Plüsch und gekringelten Ornamenten, unter einem reich geschweiften Dach, wenn ihr wollt.
Waghalsiger noch kreisen Kettenkarussells, ihr schwingt weit aus, daß die Häuser schräg in den Himmel fahren, die ganze Welt kreisend sich verwischt, immer nur die orgelnde Achse i)t öa, um die sich auch Sterne und Wolken drehen. Wunderbar frei hängen die Beine in der Luft, sonst gezwungen an die feste Erde, ihr seid erlöst und schwebt.
Dann bummeln wir durch die festlich hellen Iahrmarktsgassen, mitten durch das ganze orgelnde Musikgetön, an dröhnenden Gongs ooruber, an surrenden Glücksrädern, und irgendwo hinten blakt eine Kindertrompete. Es ist wunderbar, das alles wieder zu hören, und Peterchen hangt bald am linken Arm, bald am rechten, wo es grad die schönste Aussicht ist.
Hier wird scharf geschossen, meine Herrschaften, zehn Schuh eine Mark! ,, „Sag mal", sagt Peterchen, „bis du eigentlich Herrschaften und kannst du auch schießen außerdem?"
„Oh, das mit den Herrschaften", sage ich, ,§as hätte ich immer schon gern gewußt und weiß es nicht: ob ich eigentlich oder ob ich nicht, und man müßte das mal gründlich untersuchen, aber was das Schießen angeht —" .
„Also, kannst du — ja oder nein'
„Mal sehen", sage ich und steuere auf den Schießstand zu, und kein Mann ist jemals so aufgeblasen wie da, wenn er einem Mädchen etwas vorschießt.
Aber Peterchen kneift mir mit allen fünf Fingernägeln in den Arm: „3cf) Ja9e sage ich dir, wenn du mich blamierst und du schießt so von sechs Schuß sieben daneben — bann ist es Mit uns beiden aus, dein treuer Vater."
Man kann Glück haben und Verstand ober eins mehr als bas anbere, ich hatte Glück. Die Tonpfeifen platzten, als wär's ihre Pflicht zu platzen, wenn ich schießen komme. Ich brehte mich auch nicht nach links, von Peterchen ein Lob zu hören — ein Mann, wenn er an einer Jahrmarktsbube schießt, ber steht so ba unb knallt neun Tonpfeifen herunter mit zehn Schüssen und legt seine Mark auf ben Tisch unb geht, als wäre bas nichts.
Wir schlenbern weiter. Peterchen unb ich. „Da habe ich doch mal", fange ich an, „in Afrika einen Löwen —"
„Du", sagt Peterchen, „Achterbahn — bas ist rounberbar. Wollen wir?"
Wir wollen, warum sollten wir nicht?
Ader bann entbecken wir etwas ganz anberes, ein sonberbares Ding ist ba aufgebaut, bas braust unb lärmt in ber Luft, unb wir müssen uns gleich ansthen, was das ist. Und es ist wirklich etwas Wunderliches: ein Ding wie ein silbernes Geschoß, darin kann man angeschnallt sitzen, vorn ist ein Propeller angebracht, und so kann man nun trudeln, kippen und kopfüber schießen, wie man will.
Aber für ben Anfang kippt unb trubelt es nun, wie man gar nicht will. Es ist ein Apparat, in bem amerikanische Flieger bie ersten Sturz- unb Trudel- übunaen machen, unb es ist eine herrliche Sache. Setz dich ba einmal hinein unb nimm ben Steuerknüppel in bie Hanb, ber Propeller braust unb ber Wind weht bir um bie Ohren, und wie du dann den Knüppel etwas nach unten drückst, da stürzt bu mitten in ben Horizont unb siehst bie Welt, wie man sie sonst nicht sieht: bie Jahrmarktsbuben stehen Kopf unb Peterchen auch, aber ehe bu sie recht gesehen hast, bist bu urieber oben. Nicht lange aller- bings, ba trubelst bu um bie eigene Achse, baß bu kaum mehr weißt, um wen bu dich da eigentlich drehst, es ist ganz wunderbar, und wie ich aus- fteige, will Peterchen auch.
Peterchen steigt die Treppe herauf, steigt ein, und Peterchen wird festgeschnallt, und der Gürtel muß ganz angezogen werden, ganz bis zum allerletzten Loch, so schmal ist dieses Mädchen, das ganze Peterchen rundherum.
Sie fitzt da oben und freut sich ganz unbändig, gleich geht es los. Und unten steht ba neben mir ein Mensch, ber sieht nach oben hin unb hat beibe Hände in den Taschen und sagt vor sich hin: „Na — wirst dir wundern, Puppe!"
Aber es geht alles schon und gut Peterchen wirbelt herum, kippt, trudelt, schießt nach hinten und nach vorn kopfüber und brummt uns mit dem Propeller gewaltig etwas vor. So ein kleines
Mädchen und soviel Lärm! Und sie hätte noch viel länger fliegen mögen, so wunderbar war's.
„Wo ist meine Tasche? — Komm, gib!"
Und dann kämmt sich Peterchen die Haarsträhnen ins Gesicht, zieht mir schnell noch eine Grimasse dahinter und hat bann, eins, zwei, mit ein paar Strichen („Halt boch mal ben Spiegel, bitte, bitte!") ben frechen Jungenskopf wieder fertig — einmal was nach vorn, einmal was nach hinten, noch eine Strähne in die Stirn — so!
Da hatten wir, als wir kamen, hinten noch die amerikanische Luftschaukel gesehen, es sah toll gefährlich aus, aber Peterchen hatte nun Mut bekommen.
Wenn ihr wissen wollt, wie solche Schaukel ist — ba schwingt an einer langen Stange um eine Achse eine Gonbel: in biefer Gondel sitzt ihr drin. Die Gondel schwingt, her und hin, immer höher, schießt über die Horizontale weg, unb bann beim nächsten Mal schießt sie ganz nach oben, steht senkrecht in ber Luft, und ihr sitzt immer noch da oben drin oder ihr sitzt nicht mehr, ihr hängt, hängt mit dem Kopf nach unten, so steht die Gondel eine ängstliche Sekunde steil nach oben und kippt dann langsam (so — jetzt, jetzt!) zur anderen Seite, und ihr kippt mit und saust ben ganzen Riesenkreis herum.
Peterchen möchte bas jetzt auch, aber wie wir hinkommen, ist es Feierabenb unb bunkel. Wir haben kaum bemerkt, wie spät es würbe.
Dann gehen wir zum Tor hinaus, wir ruckeln in einem Autobus nach Hause.
Wir sitzen oben auf bem Verbeck im Autobus, ganz vorn natürlich, unb Peterchen hat die Beine vorschriftswidrig nett gegen die Vorderwand gestreckt. So fahren wir und sitzen ganz allein da oben, und wie wir in die große Stadt kommen, da sind die Straßen von ben Lichtreklamen wie ein Jahrmarkt bunt für uns erleuchtet.
„Peterchen, siehst bu bas?"
— Sie sagt ja nichts.
Ich beuge mich nach vorn: „Peterchen, was ist denn?" . n
Oh, Peterchen ist mübe unb hat bie Augen zugemacht. Seib nicht so laut, macht bitte keinen Krach, ich bitte euch barum, unb weckt bas Peterchen nicht auf. Gute Nacht!
Sochschulnacbrichten.
Der außerorbentliche Professor Dr. Hermann Krause an ber Universität Berlin würbe zum orbentlichen Professor an ber Universität Heibel- berg ernannt; ihm würbe bie planmäßige Professur für Deutsches Recht unb Kirchenrecht übertragen.
Zeitschriften.
— „D a s Innere Reich" (Herausgeber Paul Alverbes unb K. B. v. Mechow. Verlag Albert Sangen/(Seorg Müller, München) bringt im August- Heft u. a. einen großen Aufsatz über Friebrich ben Großen, mit bem in Ehrfurcht seines 150. Todestages gedacht wird. In dieser tiefgründigen Studie gibt Rudolf Thiel bisher kaum geahnte Aufschlüsse über Wesen und Erscheinung des Königs, von dem Jochem Klepper in feiner Geschichte „Der Geburtstag" ein erschütterndes Erlebnis zu erzählen weiß. Daneben verdienen zwei neue, zum ersten Male Deröffentlidjte Arbeiten von Wilhelm Schäfer unb Friebrich Griese Beachtung. Mit berAnek- bote „Der Freiburger Herrgott" ist Schäfer roieber eines jener sprachlich vollenbeten bichterischen Kunstwerke gelungen, bie ihm von jeher Bewunberung eingetragen haben. Unter ben übrigen wertvollen Beiträgen sei ber Aufsatz „Robert Schumann — Richarb Wagner, eine Sternenfreunbschaft" erwähnt, in bem Hans Pfitzner bem eigenartigen Verhältnis ber beiben Meister auf den Grund geht und dem Schöpfertum Schumanns nachträglich jene Ehren einräumt, die ihm die Mitwelt lange genug versagt hat. Nicht zu übersehen sind — außer ber baukünstlerischen Stubie „Das Berliner Schloß" von Reinholb Schneiber unb einigen schonen lyrischen Proben von Erna Blaas, Aböls Beiß unb Heinrich Ringleb — bie ergreifenben Worte, bie Rudolf G. Binding dem kürzlich verstorbenen Dichter Heinrich Lersch geschrieben hat.
— Das Juliheft des Bergsteigers (Verlag F. Bruckmann AG., München) ist hauptsächlich auf das Werdendster Land abgestimmt worden. Der schone Bildschmuck besteht aus 33 teils ganzseitigen Lichtbildern, einem Farbbild „Höllental" und vielen graphischen Arbeiten. Textlich kesseln vor allem „Die erste Winterbegehung der Schlüsselkar-Südost- wand" von Adolf Gottner, „Das Werdenfelser Land in der Vergangenheit" von Max Rohrer, „Die Ersteigung des Großen Waxensteins im Jahre 1870" von Hermann von Barth, eine Abhandlung über den Begriff „Sport", sowie der umfangreiche Beitrag Dr. Gunther Langes' „Wetterleuchten", in welchem der Verfasser mannhaft Stellung nimmt zum Wesen des heutigen Bergsteigens. Neben Volkskundlichem, Erzählungen und Gedichten enthält das Heft — ebenfalls prachtvoll bebildert — Aufsätze über das Zillertal und Oetztal von Dr. Herbert Stifter, Dr. Karl Krall und G. I. Poit- schek; es greift mit einem Beitrag „Der Ritten" von Dr. Paul Rossi und mit einem Sonett von Rudolf Anderl auch nach Südtirol über.


