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Eintagsprüfung älterer Melker.

Aeltere Melker können ohne Ablegung eines Lehrganges an einer staatlich anerkannten Vieh- pflege- und Melkerschule unter nachfolgenden Be­dingungen den Meisterbrief erhalten:

Der Melker mutz vor dem 1. April 1900 geboren sein und muß mindestens zwölf Jahre seinen Beruf ausgeübt haben, weiterhin muß er eine vierjährige ununterbrochene, erfolgreiche Tätigkeit als selbst­ständiger Obermelker in einem Betrieb nachweisen können.

Für diese Melker empfiehlt es sich, umgehend spätestens bis zum 3. August 1936 eine Anmel­dung zur Meisterprüfung an das Verwaltungsamt der Landesbauernschaft einzusenden. Der Anmel­dung sind Belege über die oben geforderte Tätigkeit und ein Lebenslauf des Bewerbers beizufügen. Die Prüfung erfolgt nach den Bestimmungen über die Prüfung von Meltergehilfen zu Melkermeistern.

Gießener Dochenmarktpreise.

* Gießen, 30. Juni. Aus dem heutigen Wochen­markt kosteten: Molkereibutter, % kg 1,55 Mark, Landbutter 1,42, Markenbutter 1,55 bis 1,60 Mark, Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das Stück 4 bis 10 Pf., Eier, deutsche, Klasse C 9%, Enteneier 9, Wirsing, % kg 10, Weißkraut 12 bis 15, gelbe Rüben, das Bündel 8 bis 12, rote Rüben 10 bis 12, Spinat 15 bis 20, Römischkohl 10 bis 12, Bohnen (grün) 20 bis 30, Erbsen 15 bis 18, Mischgemüse 10 bis 12, Tomaten 40 bis 50, Zwiebeln 15, Rhabarber 8 bis 10, Pilze 50, Kartoffeln, % kg 5 Pf., 5 kg 45 Pf., 50 kg 3,95 Mark, neue, kg 12 bis 13 Pf., Pfir­siche 50 bis 60, Himbeeren 35 bis 40, Aepfel 30 bis 60, Kirschen 28 bis 40, Heidelbeeren 35 bis 40, Stachelbeeren 15 bis 20, Johannisbeeren 20 bis 25, Erdbeeren 25 bis 40, Blumenkohl, das Stück 5 bis 60, Salat 5 bis 8, Salatgurken 20 bis 40, Ober­kohlradi 8 bis 12, Rettich 5 bis 15, Radieschen, das Bündel 10 Pf.

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* Dienstjubiläum bei d e r Commerz- und Privatbank. Am 1. Juli feiert der stell­vertretende Direktor der Commerz- und Privat- Bank Aktiengesellschaft Filiale Gießen, Herr Franz Z e ll e r, das Juoiläum seiner 25jährigen Dienstzeit in dem genannten Institut bzw. seiner Vorgängerin, der Mitteldeutschen Creditbank.

** Das Versicherungsamt der Stadt Gießen teilt mit, daß die Heberolle über die Bei­träge zur Land- und forstwirtschaftlichen Berufs- gcnossenschaft für das Jahr 1936 vom 26. Juni an zwei Wochen lang im Stadthaus, Gartenstraße 2, täglich von 8 bis 12 Uhr, zur Einsicht offenliegt. Auf die Bekanntmachung sei besonderrs aufmerksam ge­macht.

** Einen Betriebsausflug an den Edersee unternahm am Sonntag das hiesige Heeres-Reben-Zeugamt. Ueber Marburg und bas altertümliche Frankenberg ging die Fahrt in die waldige Gebirgslandschaft bis Vöhl und dann am Ufer des Edersees entlang nach Waldeck. Bei einer Dampferfahrt bis an die Sperrmauer und die Be­sichtigung der großen Anlagen hatten die Fahrtteil­nehmer gute Gelegenheit, die Reize des Sees kennenzulernen. In Waldeck fand eine Führung durch die Bura statt. Die Gelegenheit au einem er­frischenden Bao im Sre wurde reichlich ausgenützt. Am Nachmittag wurde die Rückfahrt über Bad Wildungcn angetreten und der alten Hessenstadt Fritzlar mit ihrem berühmten Dom ein Besuch ab­gestattet. Don schönstem Sommerwetter begünstigt nahm dieser Betriebsausflug einen von bester Ka­meradschaft getragenen Verlauf.

** Ietzttüchtig Obst essen! In allen Läden und auf allen Straßen sieht man letzt die gefüllten Körbe mit frischem Obst stehen. Erdbeeren unb Kir­schen, Blaubeeren unb Johannisbeeren liegen in großen Mengen bereit und locken in ihrer Farben­pracht Auge und Gaumen. Bei dem jetzigen Sonnen­wetter greifen wir gern auf das erfrischende Obst Surürf, zumal es durch die treibhausartige Wärme er letzten Tage in übergroßen Mengen zur Reife gebracht worden ist. Fleißige Hände arbeiten Tag für Tag daran, die sich auf wenige Wochen zusarn- mendrängende Ernte zu bergen und die Ware für den Verbraucher auf den Markt zu bringen. Der Verbraucher sollte die verhältnismäßig kurze Ernte­zeit ausnutzen und in dieser Zeit das frische Obst besonders bevorzugen. Am besten verzehrt man es noch am Tage des Einkaufs, weil so leichternpsind- liche Früchte wie Erdbeeren, Johannisbeeren, Blau­beeren und Steinobst sich schlecht bis zum nächsten Tage halten. Hat man die Früchte schon am frühen Morgen eingekauft und will man sie erst einige Stunden später verzehren, so breite man sie solange

Verfluchtes Gold!

3Roman von 3- Schneider-Hoerstl.

Urheberrecht: Verlag Oskar Meister, Werdau i. Sa.

12. Fortsetzung. Nachdruck verboten!

So fröstelnd ist alles. Die Straßen noch leer und verschlafen, die Häuser ohne Leben. Ueber dem Bach liegt eine Fahne weißen Nebels. Erst Donnerstag! denkt Rolf und reibt sich die kalten Hände. Am Samstag um fünf Uhr einen Kilometer außer­halb der Stadt. Maria Terry! Das erste Mäd­chen, das ihm etwas galt. Das erste, das er liebte.

All die anderen, die er in den Hör- und Kranken- fälen oder sonstwo gesehen hatte, waren nur Sche­men gewesen. Ab und zu war ein Blick haften- geblieben, eine Erinnerung an fchöne Augen, zarte Wangen. Maria! Liebstes!

Er trat ins Haus zurück, horchte nach der Treppe hinauf und lächelte verschmitzt. Wie die Mutter gucken würde, wenn sie erwachte und er war schon über alle Berge! Sie mochte unsagbar müde sein sonst hätte sie unmöglich verschlafen. Er machte sich Milch heiß und bestrich sich zwei Schnitten Brot mit Butter. Auf einen Zettel kritzelte er: Auf Wie- versehen, Mutter! Und hängte ihn an die Wasserlei- iung.

Damit der Kies nicht knirsche, ging er über den Rasen nach der Gartentür und drückte sie sacht ins Schloß, sah noch einmal zurück und zag den Hut als stunde die Mutter am Fenster und winkte ihm nach, wie sie es Tag für Tag zu tun pflegte.

Eine Viertelstunde später erwachte Frau Steffen durch das Kläffen eines Dorfköters, war mit einem Sprung aus dem Bett, schlüpfte in Pantoffel und Schlafrock und eilte die Treppe hinauf. Das Giebel- zimmer war leer. In der Küche entdeckte sie den Zettel.

Sie lächelte schmerzlich. Es war das erstemal daß sie ihren Jungen vor seinem Weggehen nicht ge- küßt hatte. Und das nur deshalb, weil dieser tolle Traum sie so lange gefangengehalten hatte...

*

aus und halte sie recht kühl, damit sie nicht ihre leuchtende Farbe und ihr Ansehen verlieren. Be- sonders vorsorgliche Hausfrauen nützen die letzige Erntezeit aus, um das Frischobst einzumachen oder um Gelee und Marmelade daraus zu kochen und sich dadurch die sommerlichen Früchte auch für die Wm- termonate aufzubewahren, in denen kein frisches Beerenobst zu haben ist.

Gondergenchi in Gießen.

Dem 42jährigen Paul Lüdingshaus aus Bochum, der wegen großer Entfernung seines Woynsitzes vom Erscheinen in der Hauptoerhand- lung entbunden war, wurde zur Last gelegt, am 12. November 1935 in Alsfeld abfällige Aeußerun- gen über den Reichspropagandamimster und die NSV. gemacht zu haben. Das Gericht verurteilte ihn zu 4 Monaten Gefängnis. Gemäß den Bestimmungen des Straffreiheitsgesetzes vom 23. April 1936 wird die Strafe, falls der Ange­klagte sich in den nächsten drei Jahren gut führt und sich keine strafbare Handlung zuschulden kom­men läßt, erlassen.

Der häufig vorbestrafte Heinrich Kretschmar aus Senitz, 67 Jahre alt, her seit dem 27. März

1936 in Untersuchungshaft sitzt, diesem Tage in einer Wirtschaft in Homberg wahrend der Ueber- ragung der Fuhrerrede sich beleidigende Aeußerun- gen gegen den Führer zuschulden kommen lassen. Der Angeklagte, der in der Urteilsbegründung mit Recht als asozialer Mensch bezeichnet Ede, wurde zu 8 Monaten Gefängnis verurteilt, wovon zwei Monate der erlittenen Untersuchungshaft an gerechnet werden.

Mangels Beweises wurde der aus der Unter­suchungshaft vorgeführte Josef Stangl aus Mün­chen freigesprochen. Der Angeklagte stand unter der Anklage des Vergehens gegen § 2 des Heimtucke- gesetzes.

Der Mi-ihrige Franz 3of. De hier aus Batten (Kreis Fulda) wurde wegen Vergehen gegen tz 2 des Heimtückegesetzes zu 3 Monaten G e f a n g - n i s verurteilt. Dem Angeklagten wurde die Strafe gemäß den Bestimmungen des Straffrelheitsgesetzes vom 23. April 1936 erlassen unter der Bedingung daß er sich in den nächsten drei Jahren gut fuhrt, d. h. nicht gerichtlich bestraft wird. Der gegen den Angeklagten erlassene Haftbefehl wurde aufgehoben. Die Kosten des Verfahrens hat der Angeklagte zu tragen.

Oberheffen.

Glückwunsch - Telegramm des Führers zum Jubiläum der Stadl Grünberg.

+ Grünberg, 29. Juni. Zu unserem Bericht über die 750-Jahrfeier der Stadt Grünberg ist noch nachzutragen, daß auf das Grußtelegramm an den Führer, das Bürgermeister Wagner am Samstag anläßlich des Festaktes in der Turnhalle abgesandt hatte, am Sonntag ein Antworttelegramm folgenden Inhalts eintraf:

Bürgermeister, Grünberg in Hessen.

Der Stadt Grünberg in Hessen danke ich für das treue Gedenken bei Der Feier ihres 750jährigen Bestehens.

Ich wünsche der alten Stadt und ihrer Ein­wohnerschaft aus diesem Anlaß eine glückliche Zu­kunft.

Mit deutschem Gruß!

Adolf Hitler."

Gelegentlich der Wiederholung der lebenden Bilder in der Turnhalle gab Bürgermeister Wagner das Telegramm bekannt.

Der Montag brachte einen Zug der beiden Schulen, heitere Turnspiele, Eierlaufen, Hindernisrennen, Topfschlagen und einige Boxoorführungen von Schü­lern der Oberrealschule.

Jubiläum des Gesangvereins Eintracht" Leihgestern.

= Leihgestern, 29. Juni. Die Feier des 75- jährigen Jubiläums des GesangvereinsEin­tracht" nahm einen glänzenden Verlauf. Ein- geleitet wurde das Fest am Samstagabend mit einer Totengedenkfeier am Gefalle- nen-Ehrenmal. Hieran beteiligten sich alle Ortsvereine, die mit ihren Fahnen im Ehrenhof des Denkmals Aufstellung genommen hatten. Die Kapelle A d e r h o l d (Butzbach) leitete die Gedenk­stunde mit dem Niederländischen Dankgebet ein, dem ein Chorlied folgte. Die Gedenkrede hielt der Ortsgeistliche. Nach einem weiteren Chor und dem Lied vom guten Kameraden, legte der Vorsitzende einen Kranz im Gedenken der Gefallenen und aller verstorbenen Vereinsangehörigen nieder. Anschlie­ßend fand ein Lampionumzug durch den Ort und die Vorfeier auf dem Fe st platz statt. Dem Jubeloerein wurde nach der Begrüßungsansprache von der KriegerkameradschaftHassia" Leihgestern und dem GesangvereinLiederkranz" je ein Fah­nennagel überreicht. Gesangsvorträge, turnerische Vorführungen und Reigen des Bundes Deutscher Mädchen wechselten mit Konzertstücken der Kapelle Aderhold ab.

Der Sonntag brachte einen großen Festzug. 20 Vereine nahmen daran teil. Die beiden ältesten Ehrenmitglieder I. Diehl, 82jährig, und Hein­rich Winter (Neuhof), 80 jährig, fuhren im Wa­gen mit der ehrwürdigen alten Fahne des Vereins dem Festzug voraus. Nach Ankunft auf dem Fest- platz sprach nach dem Beqrüßungschor des fest­gebenden Vereins Maria Daniel einen Prolog. Der Festvorsitzende Wilhelm Seipp hielt die Fest- ansprache. Vom Sängerkreis Gießen wurde der

Wolfgang", bat Hylmar Amselmann, als er oen Bruder gegen 11 Uhr vormittags nach dem Salon der Mutter gehen sah.Muß denn diese Unterredung sein? Kanst du ihr bas denn nicht er­sparen? Ich habe eine Ahnung, als ob du es be­reuen würdest."

"Diese Ahnung habe ich auch, Hylmar. Aber ge­rade deswegen."

Wolfi", bettelte der Bruder und hielt ihn am Aermel zuruck.Tu's nicht! Vater weckst du nicht mehr auf und ich auch nicht. Und wenn du jetzt etwas erzwingst zu erfahren, was die Eltern uns roer weiß aus welchem Grunde, verschwiegen haben' ist es vielleicht unser aller Unglück "

Höchstens das meine", entgegnete Wolfgang und jatte nun genau ben gleichen verbissenen Zug um ben Mund, ber seinem Vater eigen gewesen war wenn er fid) durchsetzen wollte.Außerdem hotte

doch keine Ruhe mehr, bis ich alles weiß. So- balb ich unterrichtet bin, komme ich unb bericht

Hylmar machte mehr als ein butzenbmal ben Weg durch den Park, ging nach ber Garage unb sah zu, mie ber Chauffeur ber Mutter ben Wagen reinigte unb blank polierte, bann lief er hinter Oskar her ber Blumen nach den Zimmern trug, ftanb eine SBeile vor bem Bilb bes toten Vaters, legte die totirn gegen ben Rahmen unb nahm feine Wanbe- rung roieber auf.

.^desmal, wenn er am Salon ber Mutter vor- überkam, horchte er, ob nicht ein Wort zu ihm Ho^ung erwies sich als trü- N'fch- D'e Ruhe würbe ihm allmählich unheimlich, die Tür b ooruberging, klopfte er laut an

Ä 5rau Harthas Schritt ver- chlungen so daß Hylmar zuruckfuhr, als sie plöh- b^it0Cf^r offenen Türrahmen ftanb. Si/war bereits fertig für bie Abreise, hatte ben schwarzen Schleier zur Halste über bas blasse Gesicht gezogen C 8,Cra?e den linken Handschuh über.Ich wollte eben zu dir gehen, Hylmar!" 1

"Ich hatte solche Angst, Mutter!" Um wen?"

Gr wollte sagen:Um dich^, unterließ es aber Un^hrpUrfw d'e Achseln.Wo ist Wolfgang?" Ihre Reckt- streichelte über feine Wange Der

Verein durch ein Diplom geehrt. Gefangsoorträge der Gastoereine füllten mit Konzert und Tanz den Nachmittag aus. Auch der Festmontag, mit dem die hiesige Kirmes verbunden war, nahm einen schö­nen Verlaus. Der GesangvereinEintracht" kann mit Stolz auf fein 75jähriges Bestehen zurückblicken.

Bad-Nauheim im Licht.

Bad-Nauheim, 29. Juni. (LPD.) Im Rah­men der Bad-Nauheimer Woche wurde Bad-Nau­heim im Licht gezeigt. Als die Dunkelheit herein- brach, blinkten Hunderte von Lichtern des Kur­hauses flimmernd zwischen den Bäumen des Parks hindurch, silhouettenhaft hob sich ber beleuchtete Turm ber Dankeskirche gegen ben Nachthimmel ab unb prachtvoll glänzte die Front des Kerckhoff- Jnstituts. Oben vom Johannisberg leuchteten der hohe Aussichtsturm und das Restaurant auf die Stadt herunter. Auch ber große Sprudel und der Alicebrunnen mit feinem rotbunten Lichtspiel er­regten bie Bewunberung ber vielen Zuschauer.

Schadenfeuer in Ruppertsburg.

Ruppertsburg, 30. Juni. Heute morgen brach in unserem Dorfe im Anwesen bes Land­wirts Otto Hussel aus bisher noch unbekannten Gründen Feuer aus. Die Scheune des Landwirts ging rasch in Flammen auf, und bie Scheune bes Nachbars Friedrich Parr würbe ebenfalls in Mit­leidenschaft gezogen. Das Feuer griff ferner auf bas Wohnhaus Hussel über. Die F^^r-wehr von Ruppertsburg war sofort zur Stelle unb beschränkte in eifriger Arbeit bas Feuer auf seinen Herb. Zur Unterstützung ber Ortsfeuerwehr würbe die Motor­spritze von Laubach herbeigerufen. Allerbings war es nicht möglich, bie Scheunen zu retten. T)er ent­standene Schaben ist erheblich.

Landkreis Gießen.

4- Lollar, 28.Juni. Der Turn - und Ge­sangverein Lollar versammelte sich gestern abend zu einer schlichten Feier in ber Bahnhofswirt­schaft. Sie galt Der Ehrung alter, verdienter Mit­glieder, bie anläßlich bes 75jährigen Bestehens des Vereins zu Ehrenmitgliedern ernannt würben. Es finb bies: Ebuarb Corbes, Bahnhofs­wirt, Metzgermeister Konrad M o o s und Gemeinde­rechner i. R. Heinrich Schwa Im. Der Vereinsführer Rudolf Krehdiehl gedachte in einer Ansprache der Verdienste der Geehrten und überreichte ihnen Ehrenurkunden. Für die neuernannten Ehrenmitglie­der sprach Herr Schwalm den Dank aus. Er hob dabei besonders hervor ben echt kameradschaftlichen Geist, ber in bem Verein schon immer herrschte, unb der sich yerade bei dieser Feier wieder in schönster Weise zeige. Die Feier war von Liedvorträgen des Vereins umrahmt.

4 Lollar, 29. Juni. Unser Hrf ftanb gestern um bie Mittagsstunde im Zeichen Deutschen ßiebes. Die hiesigen beiden Gesangvereine, ber Turn- u. Gesangverein (Leitung: Lehrer Eberle) und bie Sängeroereinigung (Dirigent Meyer Wieseck) ließen auf ben Plätzen unseres Ortes ihre Lieder erschallen, bie von ben Zuhörern mit 23ei= fall aufgenommen wurden. Aisbann beaaben sich

Versuch, ihm zuzulächeln, mißlang.Laß bich von deiner Mutter belehren, mein Junge: so wenig es gut ist, bie Zukunft zu wissen, ebenso verhängnisvoll kann es sein, bie Vergangenheit aufgebccft zu erhal­ten Aber Wolfgang wollte es fo. Nun weiß er nicht, für wen er sich entfcheiben soll."

Wieso entschciben, Mutter?" Er sah ben Bruder unter einer Portiere austauchen unb eilte auf ihn zu. 1

Dessen Gesicht war sehr blaß, unb bie Hände nach denen Hylmar griff, fühlten sich kalt an. Mit n?ern r?U(f. entzog Wolfgang sie ihm.Laß! Ick) gehöre m gar nicht hierher! Ich bin ja gar nicht Wolfgang Amselmann." 1

ffiölfi" bettelte Hylmar,Wolfi!" Er wandte ich nach ber Mutter um, aber ber Platz, an dem te eben noch gestanden hatte, war leer.Was ist )enn, .ueber? Sag doch! Ich weiß ja von nichts. Du mußt mir doch erklären!"

"Was soll ich beim erklären?" rief Wolfgang ausAch! stöhnte er bann.Hilf mir meine GlL^-atlen ^ur' nias mir wirklich gehört. An- Öe' Wasche unb so. Unb bann geh ich mit ihr mmaie6 unb^ef) Wir gehören ja zusam-

sich soweit gefaßt, baß er ben Bru- ?rm* nehmen unb auf einen Stuhl nieber- bruefen konnte.Jetzt will ich erst einmal bie Zu­sammenhänge wissen!" ai?oie-5UffrmhC»l,ä^c?-ffQmmeIte Wolfgang.

^r hielt bie Fingerspitzen gegen bie Unb "ersuchte sich zu beherrschen. Ur iXn ihim?* ^gen betrügerischen Bankerotts, Zuch!h°üsÄn!« Dcp°'unt°r,ch,°gung im Unfer Vater?" fragte Hylmar ungläubig.

er"^rbinerQhn/ mar- "icht geboren, als verbüßt." h E nur zwei Monate feiner Strafe Wolfi!"

mi7r^6 mich!" fuhr dieser auf.Du willst dock w en, wie alles zusammenhängt. Ich hab' es auch SnnS°»}\Unsb cs nun ertragen Damit

d)t als Kind dieses Mannes zur Welt kam hat beratet- D'cImc^r - die Muttm ge!

AmÄ^?^ ^r, und mir seinen guten Namen Melmann g-g-ben. h°t mich als fein eigen Fi^ifch

beide Vereine nach dem benachbarten Wißmar, wo sie an dem 90. Stiftungsfeste des dortigen Gesang- VereinsGermania" teilnahmen.

f Treis (Lda.), 29. Juni. Der Turnverein Gut Heil" beging in feinem Vereinslokal, im Saal Will die feierliche Enthüllung einer Gedächtnistafel für feine im Weltkrieg ge- faUenen Mitglieder. Nach einem Vorspruch des Zöglings Klein und einem Eröffnungschor des Gesangvereins Liederkranz begrüßte ber Vereins- ührer Klein die Teilnehmer und erteilte dem rüheren ersten Vorsitzenden, Lehrer Walter, Das Wort zur Weiherede. Der Redner schilderte die Umstände, welche die Aufstellung der Tafel seither verzögert hatten und übergab bann mit vaterlän­dischen Worten bie Tafel dem Verein zum Gedächt­nis an bie Gefallenen. Mehrere von Turnern und Turnerinnen vorgetragene Gebichte und ein wei­terer Chor bes Mannergesangvereins beschlossen bie schlichte Feier, bei ber auch bes Führers unb Reichs­kanzlers gebührend gedacht wurde. Der Feier war ein gemeinsamer Kirchgang des Vereins im Vormittagsgottesdienst vorausgegangen, in welchem kurz auf die Bedeutung dieses Tages für Verein und Gemeinde hingewiesen wurde.. Dis Namen ber 21 gefallenen Turnbrüber finb: Heinr. Bodenbenber, Heinr. Klein, Hch. Kehr, Wilh. Wolf, Hch. Pfeil, Gg. Grau, Lbw. Michel, Johs. Michel, Hch. Nuhn, Wjlh. Dapper, Tob. Will, Wilh. Berg- Höfer, Hch. Käs, Konr. Müller, Karl Henrich, Hch. Erb, Johs. Rabenau, Konr. Lölkes, Heinr. Brömer, Otto Kehr, Gg. Hettche. Die Tafel besteht aus einer schwarzen Marmorplatte, auf der die 21 Namen in Silberschrift eingegraben sind.

wg. Großen-Buseck, 29. Juni. Die Heu­ernte in unserer Gemarkung, ist bis auf einige Morgen Faselheu ber Gemeinde, vollendet. Schwer beladene Wagen schwankten durch bie Straßen un­seres Dorfes in bie Scheunen. Man kann sagen, daß die Heiwnüe in diesem Jahre eine Rekordernte war. Der Na^s wird gegenwärtig geschnitten. Die Kar­toffeln stehen sehr gut. Allenthalben in den Fluren blüht jetzt der Lein. Nach einer kurzen Pause hat der Bauer bann feine Arbeit mit ber Frucht, welche ihm in diesem Jahr etwas mehr Arbeit machen wird, da ein großer Teil durch die starken Nieder­schläge ber letzten Tage sich zu Boben gelegt hat unb baburch bie Erntemaschinen nicht in Tätigkeit genommen werben können. Bei der dieser Tage abgehaltenen Heugrasoersteigerung auf ben hiesigen Gemeindewiesen war die Nachfrage sehr gering. Es wurde ein Durchschnittserlös von 4 bis 5 Mark je Morgen erzielt. Für das Mähen, Machen und Einfahren des Heues für das Gemeinde-Faselrüeh wurden 25 Mark für den Morgen bezahlt.

* Watzenborn, 28. Juni. Der Pferdepfleger Degen von hier, der in Gießen beschäftigt ist, er­litt am Samstagvormittag beim Pferdebewegen eine schwere Gehirnerschütterung und mußte durch das Note Kreuz ber Chirurgischen Klinik zugeführt werden.

s. Lang-Göns, 28. Juni. Durch das hezße Wetter ber letzten zwei Wochen begünstigt, ist hier bie Heuernte beendigt. Der Ausfall war recht zufriedenstellend. Am Samstagnachmittag ging ein schwerer Regen über unserer Gemarkung nie­der. Er hat die Winterfrucht, zum Teil auch schon die Sommerfrucht, niedergelegt.

Lich, 28. Juni. Zu bem am Samstag im Gießener Anzeiger erschienenen Bericht über die Ernennung des Lehrers Karl Sarnes zum Rektor der Volksschule Lich geht uns noch folgende Er­gänzung zu: Rektor Sarnes stammt aus dem be­nachbarten Watzenborn - Steinberg und steht im 48. Lebensjahre. Er besuchte bie Volksschule seiner Heimatgemeinbe unb trat Ostern 1903 in die ba- mals in unserer Stabt noch bestehende Präparanden­anstalt ein. 1908 verließ er als Lehrer das Seminar Zu Friedberg unb fand in Helpershain im hohen Vogelsberg die erste Verwenbung. Seiner Militär­pflicht genügte er im Infanterieregiment 116 in Gießen, mit bem er auch nach Kriegsbeginn an bie Westfront ausrückte. Infolge einer Verwunbung würbe er aus dem Heeresdienst entlassen. Als Lehrer wirkte er in den Orten Steinfurth bei Uniformen K Wehrmacht

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unb Blut großgezogen unb seinen Sonny Boy ge­heißen. Mich, mich, mich!"

Wolfgang unb ich?"

Du---?"

$9jmar lächelte trotz bem anfänglichen Schrecken unb strich behutsam über das glänzende Haar des Bruders.Die Mutter hat aber doch nicht nur btd) geboren sondern auch mich."

Dich auch, ja!"

^'.Siehst du" klang Hylmars Stimme tröstend. Die Mutter haben wir also doch gemeinsam, wenn nen°Ällst^ met)r aIs foId)en anerken-

Unseren Vater?"

hPHUÄon 230s rx ia,I Wolfgangs Arm umfaßte hrM? Cr< Urni) den Kopf an dessen Schultern ge- rfn [J Ibfc, se'N Körper vom Schluchzen hin und tcl er ruhiger wurde, fragte Hylmar vorsichtig.Hat dir die Mama nicht gesagt, warum sie getrennt gelebt haben?" 1 u

Wolfgang nickte, vermochte aber erst nach einer Sr>3l!jpreAenr: ,,(5ie hoben sich nicht verstanden, er hat so ganz andere Ansichten und an­dere Moralbegriffe gehabt als der Vater. Um uns nun Die Jugend nicht zu vergällen und dem Papa wenigstens einigermaßen ihre Dankbarkeit zu be- weisen, hat sie uns ihm überlassen und sich damit begnügt, uns alle Jal)re einmal zu sehen."

Mutter!" rief Hylmar, lief von dem Bruder weg nach dem Schlafzimmer, fand es leer und rannte den Gang hinunter, stieß Oskar beinahe über den Haufen und fragte hastig, ob die Mutter im Speisezimmer sei.

Sie ist vor zehn Minuten weggefahren." Weggefahren?!"

Ja, Herr Hylmar. Ich dachte, Sie wissen davon." ^Mber nein! Laus gleich zu Wolfi und sag, daß die Mama fort ist. Ich mache inzwischen den Wa­gen fertig."

3m Hunderkilometer-Tempo rasten die beiden Amselmann die Landstraße dahin, durchstreiften die Gegend und horchten auf jedes Hupensignal, das vor oder hinter ihnen aufklang.

Der schwere Reisewagen ber Mutter war nicht mehr emzuholen.

(Fortsetzung folgt!)