Nr. 150 Zweiter Blatt
Gießener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen)
Dienstag, 50. Zuni 1956
König Heinrich I. - ein Deutscher.
3ur Hemrtchs-Feier in Quedlinburg am 2. Luli.
Von SS.-Sturmbannführer Helmut Lorenz, Quedlinburg.
Wenn^man sagt, daß König Heinrich I. (919—936) den Vergleich mit den bedeutendsten Gestaltern von Weltgeschichte aushält, dann behaup- tet man nicht zuviel, ja er überstrahlt an Reinheit des Willens und in Erreichung edler Ziele die meisten dieser mächtigen Herrscher. Jeder aber, der Heinrich I nur als deutschen Herrscher betrachtet, leder, der sich tn fern Wirken und Streben vertieft kommt sehr bald zu dem Schluß: in dieser Führernatur verkörpert sich echtes Deutschtum rein groß und sieghaft.
Das ganze Leben und Wirken dieses geborenen Führers und seine gesamte Zeit wirken aber um so erhebender, weil die Staatskunst Heinrichs ganz natürlich einem gesunden, deutschen Menschenverstände entsprang. Durch keine unklaren und gefährlichen Ideen angekränkelt, ging der König seinen Weg, und darum bedeutet sein Lebenswerk eine glückhafte deutsche Geschichtsara, die in ihrer grandiosen Einfachheit jene großen politischen Ziele zeigt, die Heinrich nicht nur anstrebte, nein, auch erreichte und dabei das Vaterland zu glänzender Höhe führte.
In Bewunderung und Verehrung schreibt daher der Geschichtsschreiber des großen Toten, Widukind von Corvey, über seinen König und Herrn: „Heinrich gründete ein mächtiges, 'weites Reich, das er nicht von seinen Vorgängern empfing, sondern nur ^urch sich selbst und die Gnade des Herrgotts erwarb."
Innenpolitische Einigung.
Was Heinrich bei seinem Regierungsantritt vorfand, war nichts anderes als eine h o f f n u n g s - lose Lage: Schande und Rot an allen Ecken und Enden. An einen schöpferischen Staatsaufbau war nicht zu denken, vor allen Dingen nicht an eine starke Außenpolitik, wenn nicht der eiserne Entschluß des Königs mit allen Mitteln durchgeführt wurde: koste es was es wolle, zuerst eine haltbare innenpolitische Einigung! — Wenn ihn auch die Herzöge in ihrer Rot und bei seiner überragenden Bedeutung zum König gewählt hatten, wenn er auch damit das Vertrauen des Volkes befaß, so war die bitter notwendige innenpolitische Ruhe noch nicht eingetreten; schon daß Bayern abseits stand, war gefährlich genug.
In kluger Schmiegsamkeit, die niemals den Blick auf hohes Ziel verlor und die niemals den Gedanken aufkommen ließ, daß etwa doch vielleicht die starke Hand fehlen könnte, verstand es Heinrich, die Einigkeit der Stämme zu festigen, ja sogar Bayern an sich zu fesseln. Bezüglich Dauerns mußte er zwar nicht unbedeutende Zugeständnisse machen, doch wurde dieses Opfer auf die Dauer deshalb nicht drückend, weil Heinrich eben durch feine Selbstlosigkeit und durch sein reines Wollen frühere Gegner versöhnte, vor allem aber alle durch sein politisches Können überzeugte.
Heinrichs Außenpolitik.
Das außenpolitische Erbe, das der König infolge der Unfähigkeit seiner Vorgänger antrat: Im Westen suchten die Westfranken Lothringen und das Rheinland an sich zu reißen, von Norden her bedrängten Normannen die Mündungen deutscher Ströme, von Nordosten drangen Slawen immer kühner in deutsche Gaue ein und den Südosten überschwemmten die unermeßlichen kriegerischen Reiterschwärme der Ungarn.
In dieser trostlosen außenpolitischen Lage war daher eines bitter notwendig: Verteidigung. Wie Heinrich diese Verteidigung deutschen Bodens durchsührte, zeigt sein staatspolitisches Genie im hellsten Lichte Nicht nur aus militärisch-politischen
Gründen vermeidet Heinrich bei der noch sehr schwachen deutschen Streitmacht wenn irgend möglich die Anwendung jeder Waffengewalt, sondern einmal aus ganz offenbarer Friedensliebe, dann aber aus besonnenster Klugheit heraus.
Ihm war es wichtiger und befriedigender, außenpolitische Gegner von seinem ehrlichen Friedenswillen zu überzeugen, oder, wenn ihr Mißtrauen nicht zu besiegen war, diese Gegner durch geschickte politische Schachzüge ohne jeden Schwertstreich matt zu setzen. Sein Verhalten gegen die Ungarn und auch sein späteres Vorgehen gegen diesen gefährlichen Feind liegt durchaus im Zuge dieser Verteidigungspolitik.
Neun Jahre lang hat der König an die Ungarn schwer drückenden Tribut gezahlt, sicherlich stets in dem Bewußtsein, daß diese harten Tribute immer noch billiger waren als das Vergießen guten deutschen Blutes in einem Feldzug, dessen Ausgang nicht gewiß war, und immer tn dem Trost, daß die während der Tributzeit bereits anderweitig eintretenden politischen Erfolge diese Zahlungen erträglich machten.
Es lag Heinrich fern, einen Krieg gegen die Ungarn leichtfertig vom Zaun zu brechen und nur die Tatsache, daß die Ungarn ihm den Verteidigungskrieg aufzwangen, durch drückende Tribute dazu die Gefahr, daß die letzten wenigen Geldmittel des Staates verbraucht zu werden drohten, drückten ihm das Schwert in die Hand
Vor allem jedoch ist zu bedenken, daß Heinrich das Schwert erst schwang und mit seinem Reiterheer erst dann in den Verteidigungskrieg zog, nachdem er unter offen und ehrlicher Schilderung der bedrohlichen allgemeinen außenpolitischen Lage sowohl die Edelinge als auch das gesamte Volk befragt hatte.
Durch diese hohe und doch volksverbundene Politik des Königs wurde erreicht, daß als einziger, aber um so stärkerer Bundesgenosse mit ihm und seinen Reitern eines in den Verteidi
gungskrieg gegen die Ungarn zog: das gute Recht.
Verleidigungsmaßnahmen.
Die Durchführung der wichtigsten Verteidigungsmaßnahme, nämlich die Schaffung eines Reiterheeres, mit dem allein den berittenen Ungarn beizukommen war, geschah fast aus dem Nichts heraus, denn das, was dem König an Reiterei zur Verfügung stand, war völlig unzulängltch. Sollten die immer wieder erfolgenden Einfälle der Ungarn und ihre Angriffe endgültig abgeschlagen werden, so nur dadurch, daß die neuen deutschen Reitergeschwader sorgfältig ausgebildet, vor allen Dingen aber in ihrer Taktik den zahllosen Reiterscharen der Ungarn überlegen waren.
Die Schaffung des deutschen Reiterheeres ist nicht nur ein soldatisches Meisterwerk, sondern vor allen Dingen deshalb bewundernswert, weil sie unter denkbar erschwerten Umständen geschah, denn die Tribute an die Ungarn leerten jährlich aufs Neue die Staatskassen und niemals wäre ein deutsches Reiterheer entstanden und eine militärische Verteidigung möglich gewesen, wenn nicht alles Hand in Hand mit vorausschauender Innen- und Außenpolitik geschehen wäre. Darum macht eben der Sieg König Heinrichs über die Ungarn im Jahre 933 an der Unstrut und Saale den Namen des Herrschers unsterblich als Soldat, Staatsmann und Betreuer des Volksoermögens.
Heinrich der Städtegründer.
Aber nicht nur ein Heer wurde in der bedräng- ten Lage geschaffen, sondern es wurden auch, für den Fall feindlicher Einfälle zum Schutze der Bevölkerung Burgen und Festen gebaut, die im Rahmen der notwendigen Verteidigung unumgänglich waren. Diese Bauten Heinrichs sind nickt nur Zeuaen ricktiaer militärischer Maßnah-
Quedlinburg, Schloß und Dom. (Ausnahme: Rasse- und Siedlungshauptamt SS. jSpahn.j)
Darstellung König H einr ich s I. nach einem Gemälde von I. B. Zwecker im Kaisersaal des Römers zu Frankfurt a. M. — (Scherl-M.)
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men und gleichzeitig eines hochentwickelten klaren Kunstsinnes, sondern sie waren damals vor allem auch eine segensreiche soziale Maßnahme für die Zukunft, deren sich Heinrich der Städte» gründ er wohl bewußt war; denn an diese Burgen und Festen sollten sich später in dem noch ganz städtelosen Sachsenlande die Handelsplätze anlehnen.
Diese Grundsteinlegung zum Städtebau ist ebenfalls ein unvergängliches Verdienst des Bauherrn Heinrich.
Kirchenpolttik.
Auch hier war der König, trotzdem er Kind seiner Zeit war, als Herrscher weit voraus. Er war von der unerforschlichen Macht über sich durchdrungen, war ein gottesfürchtiger, aufrichtiger deutscher Mann; aber er folgte in seinem Leben und in seiner Politik als Staatsmann nur feinem Gewissen, das einzig und allein deutsch schlug. — Heinrich wußte sehr wohl, daß die Kirchenmacht in Rom international war und wies solche Kirchenmacht, die sich immer wieder in weltpolitischem Ehrgeiz betätigte, auf das deutlichste in ihre Grenzen zurück.
So nahm er denn die deutsche Königskrone nicht, wie vorher üblich, zu Aachen aus den Händen des Erzbischofs von Mainz an, sondern nur aus den Händen der Herzöge und zugleich des deutschen Volkes. Er wies es weit von sich, jemals ein „heiliger römischer Kaiser deutscher Nation" zu sein, er zog nicht nach Rom, um dort die Kaiserkrone vom Papst zu empfangen. Hein- rich war und blieb immer ein schlicht-menschlicher
Der Apfel.
Von Hermann Stricker.
Damals, in den ersten Kriegswochen, war alles noch Bewegung. Kavallerie beherrschte den weiten Raum, der sich grenzenlos ins russische Reich weitete. Damals vertraute man nur auf sein flinkes Pferd, auf seinen scharfen Säbel; erwartete man doch stündlich ehrlichen, ritterlichen Kampf mit blanker Waffe, hoch zu Roß, Mann gegen Mann. Bald ging es auf sandigem Boden durch spärliche Mhrem wälder oder über sanfte, begraste Hügel, bald durch wogende Aehrenfelder oder durch Dörfer und kleine Städte. Schließlich mußte man aber doch wahrnehmen, daß dieser Feind jeden offenen Kamps vermeiden wollte, daß es überhaupt niemals mehr zur großen Attacke kommen werde. Dafür standen weiße Schrapnellwölkchen über unseren Köpfen, und in die farbenbunten Reihen knallten Maschinengewehre hinein. Langsam, ganz langsam, rückte sie nun hinter uns heran, die Königin der Waffen, unsere Infanterie. Bataillon folgte auf Bataillon. Es gab die ersten großen Schlachten, die schon nach wenigen Tagen kurzen Abschluß fanden Dann hieß es zurück: erster Rückzug! Müde und enttäuscht ging es bei leichtem Regenschauer auf schlechten Straßen, über nasse Wiesen und Felder, gegen Süden. Und Hunger hieß jetzt ein neuer, bisher unbekannter Begleiter. Zog die lange, müde Schlange durch armselige Dörfer, so wurden die matten Augen lebhaft, und man spähte tn bie kleinen Gärten, zur Eingangstur hin, ob da mcht vielleicht eine hilfreiche Hand Brot Milch oder Früchte entgegenreichen wurde. Meist blieben sie aber' leer, Die zwar grüßenden Hande, wahrend ernste Augen sorgenvoll nachblickten. Nein, da gab es auch keinen fröhlichen Madchenblick, der wie beim Marsche ins Manoverfeld dem schmucken Reiter nachglänzte, keinen lachenden Gruß wie nn Sonnenschein glücklicher Fnedenszeit. Dann und wann hielt man für Augenblicke an, um zura ten. Da stand am Rande eines alten Zaunes ein »1 chen und streckte uns mit seinen dünnen, Mernden Armen ein Körbchen Aepfel hm. Und auch spater noch, als der Korb schon ganz ^leert war stand die alte Frau noch immer still da, als wollte sie sprechen, und blickte zögernd bald auf mich, bald auf all die fremden Reitersleute. Nur kurz war die Zeit, da schien sie zu erkennen. Ihr Sohn, fo fPr^ He plötzlich stoßweise und ganz leise zu mir, sei auch vor Wochen schon eingerückt. Nach Lemberg wurde er damals einberufen, bemerkte sie 8?nz wichtig nach kurzer Pause, als wäre diese einzige Angabe,<
die sie wußte, von unschätzbarem Wert. Ob ich ihn nicht vielleicht kenne ... gesehen habe ..., so kam es hastig im fragend bebenden Ton aus ihrem Munde heraus. Und tief mir ins Auge blickend, mich leicht am Arme haltend, nannte sie mir seinen Namen. Ob ich ihn vielleicht jetzt sehen werde... oder in nächster Zeit..ihren einzigen Sohn .. „Aufsitzen!" klang vorne eine scharfe Stimme. Da holte die Frau etwas hervor, das sie bisher bei sich verborgen hielt, und reichte es mir aufs Pferd hinauf. Ich möge diesen Apfel, er war groß und schön, dem Sohne überbringen, sollte ich ihn vielleicht doch in nächster Zeit einmal sehen. Und ihre Augen folgten uns, bis wir in weiter Ferne entschwunden waren. Lange lag dieser Apfel in meiner Packtasche. Ich wagte es kaum, ihn zu berühren.
Gloria-palast:
„Oie Drei um Christine."
Marie-Luise Droop schrieb für die Bavaria das Drehbuch zu diesem Film, der sich sehr angenehm über den Durchschnitt der üblichen Spielfilm- produktion hinaushebt, und zwar nicht so sehr durch das Buch selbst und den Stoff, der ebensogut in einer Erzählung hätte gestaltet werden können, roie durch die Art, in der die Fabel regiemäßlg erfaßt und ausgewertet worden ist: der Spielleiter Hans Deppe hat da eine feine und überall fesselnde Leistung gegeben, er hat sich mit spürbarer Liebe und Sorgfalt in die Geschichte vertieft und sie mit hübschen, ausmalenden Einzelzügen geschmückt und belebt Es ist die Geschichte einer jungen Lehrerin, die durch Zufall, um einen erkrankten Kollegen für eine Zeitlang zu vertreten, in ein idyllisches und einsames Schwarzwalddörfchen mitten im Winter verschlagen wird. Dort gerät sie nun wie von ungefähr ungewollt und zunächst auch unbewußt nach und nach in einen leisen Wirbel sich überschneidender männlicher Gefühlsregungen. Sie begegnet da nacheinander drei Männern die zwar sehr verschieden sind nach Alter, Herkunft und Beruf, nach seelischer Verfassung und sozialer Stellung; aber für jeden von den Dreien steht sie auf einmal im Mittelpunkt des Lebens, fast ohne daß sie selber es gewahr wird: später, als sie erkennt was sich um sie herum angesponnen hat, ist sie selbst schon befangen und verwirrt in ihrem an sich klaren und guten Gefühl. So wird der Mm der em wenig zögernd in Gang kommt und übrigens allerlei Lolksstückmäßige Züge aufroe.ft, immer lebhafter und dramatischer jn den unausbleiblichen 2Iusem- anderjetzungen und Konflikten, die das mehrfach
sich kreuzende Verhältnis zwischen den vier Menschen mit sich bringt. Doch löst sich am Ende alles auf eine natürliche, unverkrampfte und befriedigende Weise. Es lohnt sich sehr, zu sehen, wie die geschickte und feinfühlige Spielführung die Dinge angefaßt und behandelt hat. Als tüchtige Helfer des Regisseurs sind der Kameramann Franz Koch und Toni Thoms zu nennen, der die bedeutungsvoll in die Gesamtwirkung einbezogenen musikalischen Elemente des Films betreute. Auch auf die Darsteller hat die beschwingte und innerlich beteiligte Regieführung offensichtlich anregend, belebend und vertiefend eingeroirtt. Von Kämpers beispielsweise sahen wir kaum bisher eine so ruhige, verhaltene, naturnahe und erwärmende Gestaltung wie hier. Auch Hans S ö h n k e r wurde wohltuend dem stets etwas flachen und unverbindlichen Operetten- und Lustspielklischee seiner früheren Rollen entrückt. Maria Andergast, still, behutsam und beseelt, scheint für eine Gestalt wie das Fräulein Christine Biehler geradezu geschaffen. Gut und natürlich wirken auch Georg V o g e l und Gustav Waldau, der leider nur in einer Episodenrolle flüchtig auftaucht. Zusammengefaßt: man sieht wieder einmal, was der Film zu geben vermag, selbst auf Grund eines nicht gerade übermäßig film- gerechten Manuskriptes, — wenn es nur in die richtigen Hände kommt. — Im Beiprogramm gibt es neben der neuen Wochenschau einen aufschlußreichen Kulturfilm aus der Geschichte der deutschen Fliegerei. — r —
Oer erste deutsche Ballon mit Besatzung.
Nach eingehenden Forschungen ist setzt festgestellt worden, daß der erste Deutsche, der einen steig- und tragfähigen Großballon gebaut hat, der 1781 nach Straßburg eingewanderte Stuttgarter I. C. E n s - l e n ist, Der aus den kunsthandwerklichen Kreisen stammte, die Herzog Karl Eugen von Württemberg an seinen Hof gezogen hat. Jahrelang hörte man nichts über Enslens Tätigkeit in Straßburg, bis aus Paris die Meldungen über die ihm gelungene Erfindung kamen. Der junge Stuttgarter arbeitete mit allen Kräften an der Herstellung aerostatifcher Maschinen, vor allem an der Montgolfiere von 80 Fuß Höhe, für die ihm der Straßburger Kunst- und Kuriositätenhändler A d o r n e die Mittel zur Verfügung stellte. Die ersten Startversuche fanden schon im März 1784 statt, wie Bibliotheksdirektor Dr. P. Gehring in der Frankfurter Wochenschrift „Die Umschau" ausführt. Im April des gleichen Jahres wird noch berichtet, daß der Straßburger Aerostat der Herren Adorne und Enslen nicht steigen wollte.
Am 15. Mai 1784 aber geschah das große Ereignis. Der Ballon erhob sich mit Adorne und einem feiner Verwandten als Besatzung in die Lüfte, allerdings war die Freude über das Gelingen nur von kurzer Dauer, denn in etwa 100 Meter Höhe begann der Ballon infolge eines entstandenen Risses unaushalt- sam zu sinken und verbrannte bei der Landung, wobei die beiden kühnen Luftschiffer verletzt wurden. Während Adorne durch dieses Unternehmen berühmt geworden ist, wurde der Name des Ballonerbauers Enslen erst jetzt wieder der Vergessenheit entrissen. Die Montgolfiere des Stuttgarter Erfinders hatte eine Höhe von 26 Meter und einen Umfang von rund 50 Meter. Sie war nicht rund, sondern besaß in der Senkrechten die Form eines Eies und war aus einer Leinwandhülle gearbeitet, die mit Oelfarbe bunt bemalt worden war. Jedenfalls war Enslen der erste Deutsche, dem der Bau eines solchen Luft- fahrzeuges für menschlicke Besatzung gelang. Wohl waren vorher schon Ballonaufstiege in Deutschland durchgeführt worden, aber stets nur ohne menschliche Besatzung. Zu gleicher Zeit wie Enslen arbeitete jedoch in Wien der Oberfeuerwerker Stuwer auf Liefern Gebiet, und bereits zwei Monate nach dem Straßburger Aufstieg war auch sein Werk von Erfolg gekrönt. Dann vergingen rund zwei Jahrzehnte, bis sich 1805 Prof. I u n g i u s in Berlin der Lösung dieser Aufgabe mit glücklichem Gelingen widmete. — In den weiteren Jahren kam Enslen auf feine früheren Versuche mit kleinen Gasballons zurück, denen er statt der gewohnten Kugelform besondere Gestalten gab. Mit derartigen Figuren, von denen eine den „Ruhm" und eine andere eine „Dame" darstellte, reifte der Erfinder fast ein Jahrzehnt durch alle Hauptstädte Europas und fand großen Anklang. — 1848 ist Johann Carl Enslen im Alter von fast 90 Jahren in Dresden gestorben.
Hochschulnackrichten.
Professor Dr. Josef Hellauer von der Universität Frankfurt ist mit Ende des Sommer- semesters 1936 von den amtlichen Verpflichtungen entbunden worden. Er ist aber mit der Vertretung des bisher innegehabten Lehrstuhls für Wirtschafts, lehre mit Berücksichtigung der Einzelwissenschaften des Handels bis zum Schluß des Wintersemesters 1936/37 beauftragt. — Der nichtbeamtete außerordentliche Professor für Arabistik und Jslamkunde Dr. phil. habil. Johann Fück ist beauftragt worden, die Geschäfte des Direktors des Orientalischen Seminars der Universität Frankfurt vertretungsweise zu übernehmen.


