Kr. 125 Erstes Blatt
186. Jahrgang
Samstag, 30. Mal 1936
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Nach seiner Ankunft in Kiel schritt der Führer die Front der Ehrenkompanie der Kriegsmarine ab, die vor dem Bahnhofsgebäude Aufstellung genommen hatte. In seiner Begleitung befanden sich Generalfeldmarschall von Blomberg und Generaladmiral R a e d e r. — (Presse-Bild-Zentrale-M.).
Ehrentage der deutschen Kriegsmarine.
Flottenschau und Flottenparade vor dem Führer in der Kieler Bucht
Nun nahen die Torpedoboote, voran der „Leopard" mit seinem großen Erkennungszeichen LP. Es find noch einige alte Boote dazwischen, die bei der Skagerrakschlacht mit dabei waren. Wie Scherenschnitte wirken die Minensucher, deren Besatzungen im Kriege mit dem Namen „Himmelfahrtskommando" bedacht wurden, eine Bezeichnung, die die Gefährlichkeit und Verantwortlichkeit kennzeichnet.
Den Geleitflottillen und Spezialschiffen der Kriegsmarine, die in langer Reihe in Kiellinie vorüberziehen, folgt eine Gruppe, die das besondere Interesse aller Zuschauer erweckt: Es sind d i e Boote der jungen U-Bootwaffe. Hinter dem Mutterschiff „Saar" ziehen U 25 und U 26 ihre Bahn. Ihnen folgt die U-Flottille „Weddigen". U 9 trägt als besonderes Kennzeichen ein Eisernes
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Blomberg, und dem Oberbefehlshaber der Kriegsmarine, Generaladmiral R a e d e r, abnimmt. Auf der „Grille" befinden sich u. a. auch der Stellvertreter des Führers, Reichsminister Rudolf Heß, und der Reichsminister für Dolksaufklärung und Propaganda, Dr. Goebbels. Das Schauspiel, das sich uns bietet, läßt die Herzen höher schlagen. Die drei Panzerschiffe, an ihrer Spitze „Admiral Graf S p e e" mit dem Flottenchef Admiral Förster an Bord, fahren vorüber. Mustergültig stehen die Mannschaften in weißem Zeug an Deck. Musik der Flottenkapelle weht herüber. Das Panzerschiff „Admiral Schee r", das am Bug im Wappen das Wort „Skagerrak" führt, gleitet vorüber, dann die „Deutschland" und nach ihr d i e vier K r e u- z e r „Nürnberg", „Leipzig", „Köln" und „Königsberg". Stolz flattert die Reichskriegsflagge mit dem Hakenkreuz von den blitzenden Schiffen. Die Heckflaggen senken sich zum Gruß, und auf den vielen Zuschauerdampfern recken sich die Arme bei jedem vorübergleitenden Schiff empor. Die Artillerie- Schulboote ..Brummer" und „Bremse" sowie das Vermessungsschiff der Kriegsmarine „Meteor" beschließen die erste Gruppe
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den mit Volldampf vor uns steuernden Dampfer „Roland" setzt. Uns folgt das Flugzeug-Bergungsschiff, und weiter dahinter schwenken alle die vielen Dampfer in viele Kilometer langer Kiellinie ein. So fährt unsere Flotte wieder hinaus in die Bucht. Motorengeräusch läßt uns zum Himmel aufblicken. Wir sehen Flugzeugstaffeln mit Schneid herandonnern und in Richtung Laboe verschwinden. Plötzlich Rufe jubelnd: Die zur Parade herannahende Flotte wird gesichtet.
3n Parade vor dem Führer.
In einer viele Kilometer langen Kette defilieren die Einheiten der Flotte vor dem Führer, der von der „Grille" aus die Parade mit dem Reichskriegsminister, Generalfeldmarschall von
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Kreuz am Turm. Unter Führung der „Ziethen" folgen dicht hintereinander die Räumboote. Den Abschluß des Vorbeimarsches bildet die erste Schnellbootflottille mit dem Mutterschiff „Tsingtau" Es sind kleine, aber sehr flinke Boote.
Inzwischen nimmt unser Schiff scharfen Kurs auf die Kieler Förde. Wieder passieren wir Laboe, das jetzt bereits im Flaggenschmuck für die Weihefeier steht. Wir fahren bei Friedrichsort vorbei, wo sich Hunderte von Volksgenossen in Erwartung der Einfahrt der Kriegsmarine geführt vom Aviso „Grille" eingefunden haben. Vor dem Flughafen Holtenau startet eine Staffel Flugzeuge vom Wasser und umkreist den vor uns steuernden „Roland". Bei der Einfahrt in den Hafen sehen mir wieder wie am gestrigen Tage am kilometerlangen Hindenburgufer entlang eine dichte Mauer Tausender und aber Tausender Volksgenossen. Sie alle wollen die Einfahrt der „Grille" und der Flotte sehen. Sie wollen aber auch den für den Abend vorgesehenen Zapfen st reich miterleben. In Kiellinie lief die Flotte in den Kieler Hafen ein, von den begeisterten Menschenmassen am Hindenburgufer begeistert in Empfang genommen
Fest der Freude.
„Pfingsten, das liebliche Fest, wär gekommen; es grünten und blühten Feld und Wald; auf Hügeln und Höhen, in Büschen und Hecken.
Uebten ein fröhliches Lied die neuermunterten Vögel. Jede Wiese sproßte von Blumen in duftenden Gründen.
Festlich heiter glänzte der Himmel und farbig die Erde .. "
So schildert in unvergänglichen Worten der Dichter die ewige Schönheit dieses schönsten aller Feste, dieses Festes der Freude.
Alles ist in diesen Tagen voll Freude Freude predigt die leuchtende Sonne, Freude leuchtet aus dem Grün der Blätter und Baumkronen, dem Blau der Veilchen und Fliederdolden, Freude singen Amsel und Fink, Freude ist jeder Atem und Pulsschlag der Natur, Freude, tausendfache jubelnde Freude erfüllt auch die Menschenbrust. „Nun armes Herze, sei nicht bang, nun muß sich alles, alles wenden Die Freude feiert ihr hohes Fest.
Und das ist schon etwas Herrliches und Wunderbares, was uns diese Festtage bieten, die Freude! Denn die Freude ist ein Lebensfaktor und ein Lebensbedürfnis, eine Lebenskraft und ein Lebenswert für uns. Jeder Mensch hat ein Verlangen und auch ein Anrecht auf Freude. Sie ist gleich unent- behrlich für die körperliche wie für die geistige Gesundheit und das innerste, seelische Leben. Freude ist der Ozon für unser Leben. Wie einst der kühne Seefahrer Kolumbus und seine schon verzweifelnde Schiffsmannschaft zu neuer Hoffnung und neuer Tatkraft erweckt wurden durch den Duft des Sassafraslorbeers, den der Wind von dem neuen, noch unsichtbaren Festlande herüberwehte, so erquickt und belebt auch uns immer wieder der Duft der Freude. Ohne Freude kann kein Mensch leben, auch der beste und frömmste nicht.
Das Pfingstfest ist das freudigste Fest. Schon rein äußerlich. Die helle Freude steht ihm auf dem Gesicht geschrieben. Was Wunder, daß die meisten Men- schen oft auch nur diese äußere Freude an ihm sehen! „Drauh' ist alles jo prächtig^ ... Ja, wenn draußen alles lockt und lacht zu Freude und Lust, was Wunder, wenn sie dann darin nur das so freudig begrüßte Signal zur fröhlichen Wanderfahrt sehen: wohlauf zum fröhlichen Wandern! Und wer möchte es ihnen nicht von Herzen gönnen, die reine, gute Frühlingsluft in die verstaubten Stadtlungen einzuatmen und aus der Allmutter Natur kristall- grünen Schalen neue Kraft und neue Lebenslust zu trinken.
Mehr Freude ... das ist die rechte Losung für unsere Zeit. Mehr Freude hinein in unser ganzes Leben! Wir kommen aus einer langen, freudearmen Zeit, unser ganzes deutsches Volk. Wir haben darum die Freude und ihre Kraft doppelt schätzen und lieben gelernt. „Kraft durch Freude", das ist eine neue und gute Losung geworden, die schon unendlich viel Segen gewirkt hat. Daß nun auch wirklich für jeden Volksgenossen die Freude da sein soll, und nicht mehr bloß für die, die sich's „leisten" können. Freude ist von Gott für alle gewollt und gegeben, wie die Sonne für alle Menschen da ist, und wie der gütige Gott sie scheinen läßt, „über Böse und Gute, über Gerechte und Ungerechte". So groß soll der Strom der Freude sein, der durch unser Volk und durch die ganze Menschheit rauscht. Wenn das Menschenherz hundert Tore hätte, wie jenes sagenhafte Theben, so müßte man sie jetzt alle auftun, Die Freude hineinzulassen.
Aber über aller Schönheit und Freude der Natur und der sich an ihr und mit ihr freuenden Menschheit wollen wir doch nicht vergessen, daß dieses Hochfest der Natur sich gerade im Pfingstfest noch einen andern, höhern Sinn gegeben hat, und daß hinter all jener Freude noch eine andere, größere Freude steht: die Freude an dem heiligen Gottesgeist der Pfingsten.
Mitten in die Freudenhymnen von Natur und Menschenherz strömt diese andere, höhere Freude. Dieser „freudige Geist", wie er einst jene ersten Jünger erfüllt und ihnen die unverwüstliche Kraft zum Leben und Wirken wiedergegeben hat, und wie wir ihn auch für unser Schaffen und Wirken brauchen, der heilige Freudengeist Gottes.
„Nehmet hin den heiligen Geist" ... so heißt darum die innere Botschaft dieses Festes der Freude. Und das allein sollte uns schon Grund zur Freude sein, daß so etwas überhaupt da ist mitten in dieser trotz aller äußern Fröhlichkeit doch von Wolken und Weh bedeckten Welt, ein heiliges Glück, das unfern Geist freudig machen will. Das ist erst die wahre und volle Pfingstfreude, die auch bet verregneten Festtagen und durch Trauer und Schmerzen hindurch Fröhlichkeit wirkt.
Dieser wahre Psingstgeist hat niedergeschlagene Menschen zu neuer Freude erhoben und zerbrochenen Herzen wieder Trost und Mut geschenkt. Was ist selbst all das Blühen und Leuchten da draußen gegen eine solche herrliche, unbegreiflich große Gotteskraft, den Heiligen Geist! Das ist doch erst der schönste Frühling, wenn ein Menschenherz wieder zur Freude erwacht!
Und so kann er auch über ein ganzes Volk kommen.
„Ein neuer Geist hat das deutsche Volk erfüllt, hat es erweckt zu neuem Leben und ihm die Kraft geschenkt zu Werken der Arbeit und zu Leistungen auf allen Gebieten einer neuen Volksgestaltung, die bewunderungswürdig sind." So hat unser Führer und Reichskanzler im vorigen Jahre mit Dank gegen Gott sagen können. Und es ist wahr, ein neuer Geist ist über unser Volk gekommen im Vergleich zu dem Geist, der es vorher beherrscht hatte. Und wir können es nicht anders erklären, als einen Einbruch des Gottesgeistes in unfern Menfchengeist.
M dem „Pfeil" zur Flottenschau.
Kiel, 29. Mai. (DNB.) Wir sind vom Wetter -im Narren gehalten worden. Als wir Freitag rorgen kurz nach 7 Uhr zum Presse schifs ,yfeil" fahren, bezieht sich der Himmel mit einer I cken grauschwarzen Wolkendecke. Unser „Pfeil" ist tu früheres Torpedoboot. Jetzt dient er als Scheibenhlepper. Man merkt ihm das Alter nicht an, es facht gute Fahrt. Auf der Höhe von Friedrichshorft verholen wir den Hamburger Dampfer „Jan Moltti", der mit Schaulustigen an Bord ebenfalls feinen Lieg nach der Kieler Bucht nimmt. Als wir Laboe Fit feinem nun unmittelbar vor der Weihe stehen- kn riesigen Ehrenmal passieren, dippt unser „Pfeil" kc Flagge. Nach Laboe wird die Fahrt schneller, turz nach 10 Uhr begegnen wir schon weit draußen r. der Kieler Bucht dem Bremer Dampfer „Roland", br die Ehrengäste der Kriegsmarinetage in die Sähe des Gefechtsbereiches führt. Kurze Zeit später tuchen noch zwei Personendampfer, ein Flugzeug- l-rgungsschiff, ein Torpedoboot unserer Kriegs- rarine und der Kreuzer „Königsberg" auf. Mit . i nen machen wir nun gemeinsame Fahrt, die dann i shließlich auf der Höhe von Sleimünde (eftoppt wird. Während Wasserflugzeuge in niedri- jer Höhe über uns kreisen, ersaßt uns alle erroar- iingsoolle Spannung auf die Gefechtsübungen. Der Fimmel hat sich inzwischen sehr stark bewölkt, so daß de Sicht nicht sonderlich gut ist. Mit dem Doppelglas sichen wir den Horizont ab und entdecken schließlich zvei Masten, erkennen ein Schiff, das Zielschiff .Zähringen, das den in die Kieler Bucht vor- f'ohenden Feind markiert. Etwa eine Viertelstunde rach elf Uhr kommt vom Kreuzer „Königsberg" die Mitteilung, daß der Befehl „Stander Z vor!" gege- ttn ist. Die große Gefechtsübung beginnt Seegefecht in der Kieler Sucht.
Am Horizont fährt das Fernlenkboot .Blitz" wie von einer Geisterhand gesteuert. Das .Uel ist „Zähringe n". Es stellt in dieser Ge- | chtsübung einen feindlichen Verband dar, der in I iie Kieler Bucht oorstößt. Aufklärungsstreitkräfte jaben diesen Vorstoß bemerkt und erstatten Meldung. Daraufhin läuft in Richtung des vorstoßen- len Feindes, der „Zähringen", eine Reihe von lreuzern und Zerstörern, die Sicherungsstreitkräfte, icr. Um dem Feind die Bewegungen zu ver- chleiern, erzeugen Flugzeuge eine künstliche !t e b e l b a n f, öie nur ab und zu durch Torpedoboote durchbrochen wird. Urplötzlich tauchen ' iefe durch die undurchsichtige Wand, treffen Fest- tteUungen über Kurs und Stärke des Gegners und verschwinden dann wieder hinter den künstlichen schütz. Die Mitteilungen genügen, so daß das Gros, das aus den drei Panzerschiffen „Deutsch- hnb", „Gras Spee" und „Admiral Scheer" besteht, leine Operationen nutzbringend einrichten kann.
Als die drei Panzerschiffe in Feuerreichweite des lieinöes sind, dröhnt es dumpf über die See, und ! raune Rauchschwaden zeigen, daß Granaten die ssohre der Drillingstürme verlassen haben. Granate ouf Granate speien die Rohrschlünde auf das Ziel- Ichiff „Zähringen". Jrn Nu hat man sich auf die große Entfernung eingeschossen, und die Salven kecken. Treffer auf Treffer wird erzielt, so daß die .Zähringen", also der Feind, gleichfalls eine Ichützende Nebelwand erzeugt und hinter ihr den Rückzug antritt.
Die Landratte macht sich oft von einem Seegefecht falsche Vorstellungen. Die Schiffe liegen, durch Me Reichweiten der Geschütze bedingt, im Kampfe »eit von einander entfernt. Das bloße Auge sieht lur die Silhouette, so daß ein gutes Doppelglas bei h kr Beobachtung des Gefechts unerläßlich ist. Da aber wird es auf einmal ungemein interessant. [1 Man sieht den Angriff der Flieger, die grell I oufblitzenden Flaks, sieht die mit bloßem Auge 1 kaum wahrnehmbaren geschickten Gefechtswendun- I gen, das Aufschlagen und die Wirkung der ©rana- ff icn und erkennt dann auch, welches Geschick für das I gute Arbeiten der Kriegsmarine erforderlich ist. k Jeder Mann muß an seinem Platz sein Aeußerstes Einsetzen, damit die Gesamtwirkung der Erfolg ist.
Als Zaungäste bei der Flottenparade.
Nun nimmt unser Presseschiff wieder schnelle : Fahrt auf. Mit äußerster Kraft fahren wir Kurs Laboe. Die ersten Spritzer fegen über Deck, und wer nicht rasch Deckung nehmen kann, muß eine lungemütliche Taufe mit Ostseewasser in Kauf nehmen. Aber Spaß macht die flotte Fahrt doch! Zu- mal wir nun der großen F l 0 11 e n p a r a d e vor idem Führer und Obersten Befehlshaber der beut- fschen Wehrmacht entgegengehen. Plötzlich steuern, »aus Richtung der Kieler Föhrde kommend, auf uns mehr als zwei Dutzend große und ifleine Dampfer zu. Als sie nahekommen, fsehen wir, daß sie voll besetzt sind mit Mitgliedern Les NS D..Marinebundes, mit schaulustiaer Kieler Bevölkerung und sicher auch mit vielen 'Gästen aus allen Gauen des Reiches, die gekommen sind, die Ehrentage der Kriegsmarine mitzu- •erleben und nun die Parade der Flotte vor dem "Führer sehen wollen. Wieder stoppen wir die Fahrt, «aber nur wenige Minuten, dann geht plötzlich ein ■Rittern und Beben durch unser Schiff, das auf einen Sonderbefehl sich mit äußerster Kraft, hinter
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In Gegenwart des Führers, der sich auf Panzerschiff „Admiral Graf Spee" eingeschifft hatte, fanden in der Ostsee Uebungen der Flotte statt. Unser Bild zeigt das Auslaufen der Torpedoboote aus dem Kieler Hafen. Im Hintergrund größere Kriegsschiffe. — (Presse-Bild-Zentrale°M.)
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