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Nr. 25 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhesfen)Donnerstag, 3V. Zanuar 1956

Als wir durch dieWilhelmstraße zogen....

Ein Berliner SA -Mann erlebt den 30. Januar.

Helle, klare Ianuartage 1933. Politische Hoch­spannung. Die Geißel der Arbeitslosigkeit, die bei­spiellose Kaltblütigkeit marxistischer Mordbanden, die Hilflosigkeit eines schwachen, jeden Volksver­trauens baren Kanzlers, alles das ließ in diesen Tagen stärker denn je im deutschen Volke den Wunsch gleich einer Fackel emporbrennen: Aende- rung! Umschwung! So geht es nicht weiter! Gebt Hitler die Macht! Und trotzdem: Bis zum letzten Augenblick, bis zum Vormittag des 30. Ja- nuar wußte noch niemand, daß dieser Notschrei eines gequälten Volkes bereits erhört worden war, daß der greise Feldmarschall und Reichspräsident Adolf Hitler, dem Führer der deutschen Freiheits­bewegung, vertrauensvoll die Hand zu segensreichem Bund hinstrecken wollte.

Und dann brach er an, dieser 30. Januar, der einem Volke seine Hoffnung wiederbrachte. Grau, unscheinbar wie jeder andere Tag, der mit Alltags­augen gesehen wird. Und dann, wer weiß woher es zuerst kam, das erste Gerücht. Wir SA.-Männer standen zusammengepfercht in langen grauen Mi­litärmänteln, blaue Schirmmützen auf dem Kopf, die Bärenstiefel an den Beinen, im Gang eines O-Bahn-Wagens, der vom Westen der Stadt zu ratterte. Am Nollendorferplatz steigt ein älterer Arbeiter ein und erzählt stockend, hastig, so als könne er es selbst noch kaum glauben: Adolf Hitler ist Reichskanzler! Es ist eben itn Rundfunk bekannt­gegeben worden! Einen Augenblick horchen wir auf, starren zu dem Mann hin, die Herzen schlagen schneller und dann denken wir wieder an all die unsinnigen Gerüchte, die wir schon so oft gehört haben. Sicherlich war auch hier wieder der Wunsch der Vater des Gedankens. Wir glaubten es einfach nicht. Im ganzen Wagen sah man zweifelnde Ge­sichter. Die Hoffnung aber war da. Und dasGe­rücht" bewegte jeden einzelnen innerlich weiter.

Am Potsdammer Platz stiegen wir aus und jetzt sahen wir auch, daß es kein Gerücht war. Hier, in einem der Nervenzentren der Reichshauptstadt, war die Meldung wie eine Bombe eingeschlagen. Tele­fonate wurden geführt. -Ueberall standen diskutie­rende Gruppen. Da kamen im Galopp einige hoch­bepackte Angriff-Händler angerannt. Sie bauten sich auf, im Nu waren sie von Menschenmauern um­geben. Geldwechseln ist nicht möglich. Für manchen Angriff dieser Nummer wurde eine Mark gezahlt. Adolf Hitler Reichskanzler! Da stand es schwarz auf weiß. Und die Druckerschwärze schimmerte noch feucht auf dem schlechten grauen Papier. Wir stan­den im Kreis mit vielen anderen Leuten um einen Mann, der auf die Sitzkiste einer Blumenfrau ge­stiegen war und laut den amtlichen Bericht vorlas, der auch die ersten Ministerlisten brachte.

Und dann zogen wir los, mit Hunderten von anderen Berlinern Richtung Wilhelmstraße. Ganz Berlin fieberte. In den Straßen erschienen die roten Hakenkreuzfahnen und feierten ihren größten Sieg. Trutziq kündeten alte zerschlissene Sturm­fahnen den Beginn einer neuen Epoche. Und als Adolf Hitler das Palais des Reichspräsidenten ver­ließ, da umjubelte ihn bereits eine vieltausend­köpfige Menge. Begrüßte ihn mit einer Herzlichkeit, die Ausdruck der Hoffnung war, mit der man die­sen neuen Mann erwartet hatte. Und dann standen wir vor dem Kaiserhof und schrien und jubelten und sangen, bis wir heiser waren wie Kettenhunde. Wir wollten den Sieg feiern. Diesen Sieg, der den Anfang eines neuen Kampfes bedeuten mußte. Aber viele alte Nationalsozialisten standen, von der Freude überwältigt, stumm und dachten der vielen Opfer und des vielen Blutes unzähliger Ka­meraden. Nun war es doch nicht umsonst gewesen.

Am Nachmittag wurde die Kunde ausgegeben, daß am Abend ein Fackelzug der S A. vorbei an dem greisen Reichspräsidenten Generalfeldmarschall von Hindenburg und dem jungen Reichskanzler

Adolf Hitler stattfinden solle. Und wenige Stunden später schon zogen Hunderttausende jubelnd und singend durch das Brandenburger Tor, durch die Wilhelmstraße und brachten dem Reichspräsidenten und dem Kanzler ihre Grüße dar. In Sechser-Reihen marschierten wir SA.-Kameraden an diesen beiden Männern vorüber. Die Gehsteige sind bis an die Häuserwände vom Volk besetzt. Auf allen Bäumen sitzen Jungen und Erwachsene. In erleuchtetem Fen­ster diese beiden Männer, die unsere Hoffnung sind. Der Reichspräsident grüßte durch Neigen des Haup­tes den brennenden Fahnenwald, der im grellen Schein der Fackeln an ihm vorbeizieht. Und im anderen Fenster Adolf Hitler: lächelnd, freudig und stolz. Er grüßt seine Männer, und als wir an ihm vorbeizogen, schrien wir, als grüßten wir ihn zum erstenmal.

Etwas später standen wir in finem kleinen Lokal und waren wieder einmal überrascht. Der Rund­funk, bisher für uns Nationalsozialisten gesperrt, brachte Reportagen vom Fackelzug und erzählte den Volksgenossen im ganzen Reich vom 30. Januar 1933 in Berlin. Dann standen Volksgenossen am Mikro­phon. Arbeiter, Frauen, Menschen aus dem Volke

erzählten von dem, was sie in diesem Augenblick bewegte.

Wieder zurück zum Wilhelmplatz. Seit Stunden dasselbe Bild. Noch immer marschieren die braunen Kolonnen und grüßen mit erhobenen Händen die beiden Männer da oben an den Fenstern. Und als endlich lange nach Mitternacht die letzten Männer vorüber sind und der Führer seinen nächsten Mit­arbeitern dankt, stehen wir noch immer und warten, warten, als könne dieser Tag gar nicht zu Ende gehen.

Und dann kam der erste Wermuthstropfen. Von Kameraden hörten wir, daß bald nach Mitternacht Hans M a i k o w s k i, unserMaiko", während Hunderttausende von Volksgenossen das Horst- Wessel-Lied sangen, von kommunistiscken Mördern erschossen worden war. In diesem Augenblick fiel uns die wahre Bedeutung dieses 30. Januar ein: Aus diesem Deutschland wieder ein Vaterland zu machen. Ein Deutschland der Kameradschaft und der Ehre. Das haben wir unserem Kameraden Hans Maikowski geschworen und sind heute stolz, daß es erreicht wurde. H. F.

So erlebten wir den Sieg

Erinnerungen eines Berliner Journalisten an den 30. Januar.

Die Ereignisse an jenem historischen 30. Januar überstürzten sich derart, daß man sie erst später in chronologische Ordnung und Zusammenhang zu bringen vermochte. Um 12.45 Uhr war die Entschei­dung Hindenburgs gefallen. Die tägliche Presse­konferenz der Reichsregierung war bereits zu Ende, doch blieben die an jenem Tage besonders zahlreich versammelten Journalisten auf

Aufforderung des Vorsitzenden noch beisammen, da wahrscheinlich noch eine wichtige Entschei­dung zu erwarten sei". Fünf Minuten vor eins wurde der Beschluß Hindenburgs und die Zusam­mensetzung des Kabinetts Adolf Hitler bekannt­gegeben. Um 1.10 Uhr verkündete der Rundfunk das Ereignis.

Wie üblich, kamen in der dritten Nachmittags-

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stunde die Berliner Vorobendblätter heraus, doch enthielten sie außer der Mitteilung der Tatsache und einigen wenigen ersten Kommentaren kein Wort davon, daß am Abend eine Huldigung in Form eines Fackelzuges stattfinden würde. Als sich dann in den Spätnachmittagsstunden von Mund zu Mund die Kunde von der geplanten Huldigung verbreitete, fand sie zunächst wenig Glauben. Jeder Berliner kannte die Bannmeile, diesengeheiligten Bezirk" inmitten der Riesenstadt, der die Gebäude der Re­gierung, der Botschaften und sonstigen öffentlichen Körperschaften umfaßte, und um den sich eine zu­meist unsichtbare aber im gegebenen Augenblick sehr deutliche und bisweilen auch fühlbare Mauer von Polizeigummiknüppeln zog, diesenWaffen" der Polizei, die heute bereits der Vergangenheit an­gehören. Selbst den Olympiasiegern 1932 wurde der Durchmarsch durch das Brandenburger Tor und über die Linden verwehrt. Und nun sollten SA., SS. und Stahlhelm aufmarschieren dürfen?

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Zum zweitenmal griff an diesem Tage Hinden­burg ein. Auf seine Bitte wurde für diesen Abend und für diese Nacht der Bannmeilenzwang auf­gehoben. Ganz unabhängig davon wurden an den verschiedenen Stellen der SA., SS. und des Stahl­helms die Beschlüsse zum Fackelzug gefaßt und die entsprechenden Befehle erteilt. Bei aller Organisation war es doch nicht ganz einfach, in einer Riesenstadt wie Berlin alle Angehörigen dieser Verbände so zu unterrichten, daß sie rechtzeitig erscheinen konnten. Und dennoch glückte es! Auf 9 Uhr war der Beginn des Fackelzuges festgesetzt, und bis dahin hatten sich 70 000 im Tiergarten, jenseits des Platzes, der jetzt den Namen Hindenburgs trägt, versammelt.

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In der achten Abendstunde wurde die Reichs­pressekonferenz zum zweitenmal an diesem Tage einberufen. Im Palais Friedrich Leopold am Wilhelmplatz, das jetzt das Heim des Propaganda­ministeriums ist, gaben im Pompejanischen Saale der neue Reichsminister des Innern Dr. Frick und der neue Reichspressechef Staatssekretär Dr. Funk die Auflösung des Reichstages bekannt. Einige programmatische Ausführungen über die nächsten Regierungsziele schloffen sich an. Aber schon drangen in die Worte Fricks und Funks die ersten Klänge der Marschmusik und der Gesänge, die von stürmischen Heilrufen unterbrochen wurden. Nach kaum einstündiger Dauer wurde die Konfe­renz geschlossen und die Journalisten verteilten sich auf die Zimmer der Reichspressestelle. Zu den deutschen gesellten sich auch bald die ausländischen Pressevertreter. Wie aus den Logen eines Theaters hatten sie alle miteinander Ausblick und Ueberblick über die Geschehnisse auf der Wilhelmstraße.

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Die Regierungsstraße Berlins war überfüllt von Menschen. Alle Versuche der Polizei, die Fahrbahn für die Fackelträger freizuhalten, mißlangen. End­lich tauchen von den Linden her kommend die ersten Glühpunkte über den Köpfen der ange» stauten Menge empor. Langsam schiebt sich die feurige Schlange die Straße entlang. Was der Polizei nicht glückte, gelang der Spitze des Zuges. Die Bahn wird frei für den Vorbeimarsch!

Zwei Brennpunkte des Jubels heben sich aus der gewaltigen Symphonie der Töne hervor. Hinter einem verschlossenen Fenster des Reichskanzler- Palais, unmittelbar an der Straße, sieht man den ehrwürdigen Vater des Vaterlandes, durch dessen entscheidenden Entschluß die große Wende in der Geschichte Deutschlands herbeigeführt worden ist. 50 Meter weiter, im ersten Stock der neuen Reichs­kanzlei am Fenster des Raumes, dem jetzt der neue Balkon vorgebaut worden ist, zeigt sich der Führer und Reichskanzler, vom hellen Licht eines Schein­

Wille und Werk.

Kulturpolitik im Dritten Reich.

Wenn heute in Berlin die Alte Garde der SA. aus ganz Deutschland sich versammelt, um jenen denkwürdigen Marsch vom 30. Januar 1933 vor dem Führer zu wiederholen, so ist damit zunächst rein äußerlich, sichtbar und repräsentativ der Er­innerung an den Tag Ausdruck gegeben, an dem der Führer die Regierung übernahm und die Ge­burtsstunde des Dritten Reiches in Deutschland ge­schlagen hatte. Dieser Marsch der Zehntausende in der 'Reichshauptstadt soll ein Symbol sein, eine Mahnung zur Besinnung darauf, welche epochale Entwicklung in Deutschland vor drei Jahren ihren Anfang nahm.

Es liegt im Totalitätsanspruch der natio­nalsozialistischen Weltanschauung begründet, daß die am 30. Januar vor drei Jahren begonnene Ent­wicklung sich nicht auf die politische Neu­gestaltung beschränkte, sondern sich in glei­chem Maße, mit dem gleichen Anspruch und demselben Willensimpuls auf alle Lebensformen erstreckte: der Nationalsozialismus hat sich mit be­sonderer Liebe, ja Leidenschaft auch der kultu­rellen Dinge in unserem Volke angenommen; er hat sie recht eigentlich, wie der Dichter Rudolf G. B i n d i n g dieser Tage zu Beginn seines Vor­trages im Gießener Goethe-Bund betonte, zu einer öffentlichen Angelegenheit gemacht. Damit ist das Kulturleben auf eine höchst bedeutungsvolle Weise zu einer Sache des Staates, zugleich auch des ge­samten Volkes gemacht worden. Das ist geschehen nicht nur in der straffen Organisation des gesamten kulturellen Schaffens in den Einzelkammern und Fachschaften der R e i ch s k u l t urka m m e ^ son­dern vor allem in einem unablässigen Bemühen, eine neue, innere, dauerhafte Beziehung und Bindung zwischen Kultur und Nation überhaupt 'herzustellen. Dem Leitsatz des national­sozialistischen Kulturprogramms daß alle wahre und große Kunst aus dem Volke erwachsen sei und immer erwachsen müsse, entspricht die Schaf­fung von Organisationen, die darauf gerichtet sind, echte Kunst im Theater, im Film, durch den Funk, durch Konzerte und Ausstellungen in das Volk hineinzutragen und jedem einzelnen im Volke nahezubringen, (o daß der Besucher, der Harer her Beschauer das Gefühl mit heimbrmgt. dies ist eine Aeußerung und Leistung des Volkes, dem du angehörst, also' deine eigene Sache, em Erlebnis, auf das du stolz fein kannst und sollst.

Es versteht sich von selbst, daß eine Kulturpolitik mit solchen Zielsetzungen zuvor auch das vorhandene und übernommene Kulturgut nach sachlichen, per­sönlichen und weltanschaulichen Forderungen über­schauen und überprüfen, sichten und säubern mußte. Dieser Regenerationsprozeß auf allen Gebieten un­seres geistigen und künstlerischen Lebens darf heute im wesentlichen als abgeschlossen gelten. Theater und Film, bildende Kunst und Musik sind heute, bei aller persönlichen Freizügigkeit, nach den großen Gesichts­punkten und Grundlinien des neuen deutschen Kul­turwillens geformt und ausgerichtet Daß irgend welcher Zwang gerade auf diesem Felde keine Früchte tragen würde, hat der oberste Betreuer der kulturellen Angelegenheiten in Deutschland, Reichs- minifter Dr. Goebbels, von Anfang an erkannt und bei zahlreichen Gelegenheiten zum Ausdruck ge­bracht: Gesinnung allein, so ist wiederholt mit Recht betont worden, schasst noch kein Kunstwerk; und Kunst kommt auch heute noch immer von Kön­nen her. Gerade heute, denn das Leistungs - prinzip, das der Nationalsozialismus auf feine Fahne geschrieben hat, gilt als erste und vornehmste Forderung auf allen Gebieten unseres kulturellen Lebens. Rudolf G. B i n d i n g hat in der erwähnten Ansprache an seine hiesigen Hörer eben diese Forde­rung nach höchsten Ansprüchen (auch vom Publikum her) geflissentlich unterstrichen; wir brauchen solche höchste und äußerste Leistung nicht nur für uns allein, sondern auch um in der Welt bestehen zu kön­nen und uns der verpflichtenden Tradition würdig zu erweisen, die uns aus Jahrhunderten überkommen ist. Wir können keine Genies züchten, wir können keine große Dichtung. überhaupt kein Kunstwerk aus dem Boden stampfen, befehlen oder organisieren; das ist erkannt und offen ausgesprochen worden. Aber wir können den Weg bereiten und können die Rich­tung weisen; das ist nicht nur verkündet, sondern auch getan worden.

Zum Beispiel bei den Theatern; man hat hier die großzügigen Besucherorganisationen der Deutschen Bühne" geschaffen und dadurch eine sehr beträchtliche Zahl von Volksgenossen als ständige Gäste neu gewonnen, die dem Theater zuvor ab­lehnend oder gleichgültig gegenüberstanden. Doch wurde auf diese Weise nicht allein der notwendige Resonanzboden für Dichter, Regisseure, Schauspie­ler und Sänger vertieft und verbreitert, sondern man ging auch an eine Neubildung der Spielpläne wie an eine Reorganisation des Ensembles. Dem Spielplan unterer Bühnen wurden die im Kultur­programm des Staates unmißverständlich vorge­zeichneten Grundlagen gegeben, indem man sich

auf den ewigen und unerschöpflichen Vorrat des deutschen Dramas und Theaters neu besann, auf das erhebende und begeisternde Wort, auf die Dich­tung, welche das heroische Schicksal, die unsterb­lichen Gestalten, Tat und Opfer der Nation zum Ge­genstände hat. Man hat sich mit neuerwachter Liebe gerade der Klassiker angenommen, und es liegen Berichte aus dem Reiche und der Hauptstadt des Reiches vor, nach denen sich eine Renaissance des klassischen Dramas in Deutschland anzukündiaen scheint. Aber auch die Stimmen der Lebenden, der jungen und gegenwärtigen Dichter der Nation, sind nicht überhört worden, und auch ihnen will das Theater unserer Zeit mit allen Kräften den Weg freimachen und Gehör verschaffen. Hand in Hand mit solcher Spielplangestaltung ging der Wiederauf­bau des Ensembles, des organisch verbundenen Spielkörpers, der die Dichtung aus der Gemein­schaftsarbeit zum Gemeinschaftserlebnis werden läßt, eines Ensembles, das, zumal in Berlin, eine Zeitlang ernstlich in Gefahr stand, vom Star- Theater und vom Serienstück verdrängt, erdrückt, überflüssig und unmöglich gemacht zu werden.

Vielleicht die sichtbarste und in ihrer Auswirkung stärkste Dokumentierung des neuen Kulturwillens der Nation haben wir auf den Gebieten des F i l m s und der bildenden Kunst erlebt. Besonders her Film, dem von jeher die besondere Pflege und Förderung des Reichsministeriums für Volksauf­klärung und Propaganda zuteil wurde, hat mit der Gestaltung der Reichsparteitage zu Nürnberg Werke von bisher unbekannter Monumentalität und einen ganz neuen Filmtyp überhaupt geschaffen, dessen zwiefach bedeutsamer Charakter mit der Zuerteilung des Prädikatesstaatspolitisch und künstlerisch be­sonders wertvoll" hinreichend gekennzeichnet wird. Aber abgesehen von diesen repräsentativsten Schöp­fungen des Dritten Reiches, die, wie man weiß, auch im Auslande ihre Wirkung nicht verfehlten, hat Reichsminister Dr. Goebbels zu wiederhol­ten Malen davon gesprochen, welche außerordent­lichen und noch ganz unausgeschöpften Möglich­keiten der jüngsten und vielleicht schon volkstüm­lichsten Kunst unseres Zeitalters noch offenstehen, welche Wege noch unbeschritten sind und welche Stoffe noch unerschlossen der gestaltenden Hand, der belebenden und formenden Phantasie harren. Man­ches ist schon geschehen, vieles bleibt noch zu er­warten, und es sieht so aus, als ob das General­problem des deutschen Films weder eine Angelegen­heit der Regisseure und der Darsteller, noch eine Sache der Kameratechnik ober des Bildschnitts sei, vielmehr in erster Linie von der Phantasie, vom

schöpferischen Einfall, vom selbständigen, aus der Eigengesetzlichkeit des Films geborenen Drehbuch her in Angriff genommen und gelöst werden müsse.

Der Ueberblick, den wir hier geben, kann selbst­verständlich nur Andeutungen und Hinweise ent­halten; aber auch ein flüchtiger Ueberblick über das, was in diesen drei Jahren geschehen ist und ge«< ftaltet wurde aus dem neuen Kulturwillen des Reiches, würde unvollständig fein, wenn wir nicht abschließend der Baukunst gedächten, die, nach­drücklicher und sichtbarer als die Schwesterkünste, begonnen hat, sich ihren Stil und ein eigenes, un­verwechselbares Gesicht zu schaffen. Man hat mit Recht darauf hingewiesen, daß der Staat seit lan­gem nicht mehr im gleichen Umfang, wie das heute geschieht, als Auftraggeber und Bauherr an die Öffentlichkeit getreten ist. Davon zeugen die gro» ßen Parteibauten in München, das Haus der Deut­schen Kunst, die Kongreßhalle in Nürnberg, die Deutschlandhalle in Berlin und die Olympiabauten, die in diesem Sommer zum ersten Male im Ange­sicht der ganzen Welt ihrer Bestimmung übergeben werden sollen. Hier spricht sich in monumentalen Formen eine Baugesinnung aus, eine architekto­nische Phantasie und Gestaltungskraft, die bewußt nach eigenem, artgemäßen Ausdruck strebt und einen neuen, einen Deutschen Stil" auszu- prägen beginnt, der sich der vielhundertjährigen Tradition unseres Landes würdig erweist und der Bewegung Denkmale setzt von unvergänglicher Kraft, Geschlossenheit und Größe. hth.

Hochschulnachnckien.

Ernannt wurden: Professor Dr. Walther Haupt, Extraordinarius für Gynäkologie und Geburtshilfe an der Universität Bonn, zum ordentlichen Pro­fessor in Jena; Professor Dr. Alfred H u e ck , Ordinarius für Deutsches und Bürgerliches Recht an der Universität Jena, zum ordentlichen Pro­fessor an der Universität München; Professor Dr. Alfred K l i e g l, Extraordinarius für Pharma­kologie an der Universität Tübingen, zum ordentlichen Professor in Tübingen; Professor Dr. Walther Merk, Ordinarius für Deutsches und Bürgerliches Recht an der Universität Marburg, zum ordentlichen Professor in Freiburg i. B.r Professor Dr. Eduard Kern, Ordinarius für Strafrecht, Strafprozeßrecht und allgemeine Recyrs» lehre an der Universität Freiburg, zum ordent­lichen Professor in T ü b i n g e n.