Qual selbst zu befreien. Die roten Wächter hätten ihn jedoch nach einiger Zeit aufgefunden und trotz seines Bittens, ihn zu erschießen, ins Hospital gebracht. Wenn er nicht gleich im Anfang getötet worden sei — wie sechzig andere Einwohner, so habe er das nur dem Umstand zu verdanken, daß das Reoolutionskomitee einen Scheck über sein Bankguthaben von 30 000 Peseten verlangte, das Geld aber zur Stunde noch nicht flüssig gemacht werden konnte. Bon den Opfern wurden allein in einer Nacht 41 ausdem Kerker gezerrt, erschossen und in eine Kohlengrube geworfen, wo sie, bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt, liegen blieben.
Noch in der gleichen Nacht fuhren wir nach Pueblonuevo de Terrible und P e n a r - r o y a. Die Kühltürme der Kohlengruben hoben sich gespenstisch gegen den sternenklaren Himmel ab. Abgemagerte Hunde und Katzen huschten im Scheinwerferlicht über die Straße und kündigten die Nähe der Ortschaft an. Mehrere Maultiere standen herrenlos am Straßenrande. An den vereinzelten elektrischen Glühbirnen erkannte man einen ausgedehnten Rangierbahnhof, der vollkommen einsam lag. Im Gegensatz zu anderen Ortschaften fehlte am Eingang von Penarroya der Wachposten. Sollte der Ort doch noch von Roten besetzt sein, entgegen den Nachrichten, die man in Sevilla erfahren hatte? Die Gewehre wurden fester gepackt, während die beiden Wagen langsam über den Bahnübergang und das holprige Pflaster fuhren. Nach etwa fünf Minuten Fahrt durch völlig menschenleere Straßen Und an verlassenen Wohnungen vorbei, wechselte plötzlich das Bild, und auf einem von Bagageautos umsäumten, blumenbewachsenen Platz spielte sich fröhliches Lagerleben ab.
Der Befehlshaber der in Penarroya konzentrierten Streitkräfte war ein Polizeioffizier, der von den Roten schon vor Ausbruch der Revolution entlassen und nach Marokko gegangen war, um dort den Augenblick der Erhebung abzuwarten. Jetzt hatte er mit erstaunlich wenigen Streitkräften — etwa 1200 Mann — in wenigen Tagen ein halbes Dutzend Ortschaften eingenommen und wartete nun auf weitere Befehle vom großen Hauptquartier. Mit Stolz erzählte er davon, daß er mit einer Handvoll von Leuten wichtige Stellungen genommen und hunderte von roten Milizsoldaten in die Flucht geschlagen hatte, Gelegenheit, eine richtige Schlacht zu liefern, haben ihm die Roten nie gegeben, da sie beim Anblick der disziplinierten Truppen Hals über Kopf das Weite suchten. Die Offiziere fanden bei der Besitzergreifung von Fuenteovejuna im roten Generalquartier sogar noch die dampfende Suppe auf dem Feuer, Fleisch und Gemüse in den Schüsseln auf dem Eßtisch. Die siegreichen Offiziere setzten freudestrahlend über die Fürsorge ihrer Gegner die unterbrochene Mahlzeit fort.
In der Unterhaltung mit dem Befehlshaber der nationalistischen Kolonnen erfuhr man interessante Einzelheiten. Wider alle Erwartungen hatten die Dynamiteros in Penarroya weder Geschäfte noch Wohnungen geplündert. Nur die Kirchen waren ausgeräumt, die Lebensmittel mitgenommen, die auf den Halden liegenden Kohlen rechtzeitig abtransportiert und 65 Gefangene mitgeschleppt worden, die allerdings der sichere Tod erwartet. Die Gruben lagen beim Einzug der Truppen verlassen, aber die Maschinenanlagen und Einrichtungen waren verschont geblieben; wenn die Arbeit nicht sofort wieder ausgenommen werden konnte, so lag das an dem Mangel an Arbeitskräften, da die Dynamiteros fast ohne Ausnahme in Richtung Ciudad Real geflohen waren.
Drei junge,® in Schwarz gekleidete Spanierinnen berichteten dem Kommandanten von dem traurigen Schicksal, das ihre Familien ereilt hatte. Bon einer dreizehnköpfigen Familie waren elf Personen, darunter ein achtzigjähriger Großvater und ein dreijähriges Kind, ermordet worden; eine achtzehnjährige Schwester war von den Roten in bewußtlosem Zustand auf einen Berg Leichen geworfen und dort von ihrer zwei Jahre älteren Schwester hervorgesucht und mit Hilfe eines Mitleid empfindenden Milizsoldaten nach Penarroya in Sicherheit gebracht worden, wo sie in hoffnungslosem Zustand im Krankenhaus liegt. Die einzige, körperlich gesund gebliebene Ueberlebende hatte 48 Stunden allein vor der Leiche ihrer Mutter gewacht, ohne daß sich irgend jemand um sie kümmerte. Das bleiche Gesicht und die tief in den Höhlen liegenden Augen sprachen eine deutliche Sprache von dem unsagbaren Leid, das hinter diesem jungen Menschenkind lag. Den andern beiden Mädchen war es ähnlich ergangen; eine von ihnen hatte drei Brüder und den Vater verloren. Aber der Schmerz hatte sie nicht daran hindern können, sich in den Dienst der nationalen Sache zu stellen und die Uniform der Falange anzuziehen. Als die drei Falangistmnen gegangen waren, meinte der Ortskommandant, als er in unsere mitfühlenden Gesichter blickte, derartige Fälle sind nicht selten; es gibt kaum einen Ort, wo nicht wenigstens einige Familien gänzlich ausgerot- t e t worden sind ...
Im Orte erzählt man sich, daß die entsetzlichsten Verbrechen der Kommunisten in Ciudad Real und I a e n begangen worden sind. Ein junger Bankbeamter, der während der roten Herrschafts- zeit mehrere Tage in Ciudad Real zugebracht hatte, behauptet, daß dort wiederholt völlig aufgeriebene Kolonnen von der Toledofront ohne Führung, ohne Gepäck und ohne Gewehre zurück- gekehrt seien und dann den Auftakt zu einem Massenmorden gaben, das noch in derselben Nacht nach dem Eintreffen der besiegten Kommunisten von dem Revolutionskomitee organisiert wurde. In einer Nacht hätte man 41 Menschen aus den Häusern geschleppt und erschossen.
An verlassenen Arbeitersiedlungen vorbei führte der Weg nach Belmez, einem Ort von 10 000 Einwohnern, in der großen Mehrzahl Arbeiterfamilien. In einem eingezäunten Eukalyptushain weideten mehrere Fohlen. An einer Wegkreuzung auf einem Hügel ein Beichtstuhl, davor ein Wachtposten, der uns anhielt und nach den Papieren fragte. Auf den großen unbebauten Flächen tummelten sich Herden geschorener Schafe und schwarzer Schweine, ein Bild des Friedens, das ebenso wie die riesigen Schutthalden der Bergwerke den materiellen Lebensinhalt der dortigen Bevölkerung verriet. Als Wahrzeichen von Belmez erhebt sich im Süden der Stadt auf einem Berggipfel eine Burg, die zu den Verteidigungswerken der Mauren gehörte.
In Belmez fand in dem mit den nationalen Farben geschmückten Rathaus in Anwesenheit des nationalen Bürgermeisters das Verhör mehrerer Zeugen statt, die die Namen von 44 Einwohnern angaben, die erschossen oder lebend verbrannt worden waren. Der Ort war seit jeher als rote Festung bekannt; der Führer der Orts- guppe der Falange verließ nie das Haus, ohne nicht wenigstens von einer zwanzigköpfigen Leibwache umgeben zu sein. Von den Falangisten ist
kein er am Leben geblieben. Kurz vor dem Einzug der Nationalisten waren die roten Komiteemitglieder unter Mitnahme von 10 0 0 0 0 Peseten aus der Rathauskasse geflohen. In einem Kloster, das als Gefängnis gedient hatte, standen Kisten mit Dynamit, ferner Dynamitschleudern, mit schlecht angefertigten Dynamitbomben und zahlreichen Mordwerkzeugen, die zum Teil aus vergangenen Jahrhunderten stammten.
Auf dem Rückweg nach Sevilla hatte sich vor den Dörfern die Bevölkerung versammelt, um den General Queipo de Llano, der von Penarroya zurückerwartet wurde, zu begrüßen. Die Ortsgruppe der Falange waren mit ihren Musikkapellen aufmarschiert, die Reiterabteilungen bildeten Spalier, die Straßen trugen ihr Festgewand, aus jedem Haus, mochte es noch so ärmlich sein, hingen bunte Tücher und Bilder von General Queipo de Llano, der in ganz Andalusien als der Retter vor
dem roten Terror und als volkstümlicher Soldat gefeiert wird. Der General kehrte erst am späten Nachmittag zurück, aber die Menge harrte geduldig aus, nur um den alten Soldaten den Bruchteil einer Sekunde im Auto vorbeifahren zu sehen und ihm ein „Viva Espana" zurufen zu können. Als die Sonne längst hinter den Bergen der Sierra Morena verschwunden war, ihre Ostseite, in einer blauen Dunstschicht lag und der Abendhimmel ein Farbenmeer von sanftem Rot bis zum düsteren Graublau bildete, kehrten wir fast zur gleichen Zeit wie der General nach Sevilla zurück. Eine halbe Stunde später, als wir uns bereits zum Abendessen gesetzt hatten, ertönte im Radio schon die Stimme Queipo de Llanos; er hielt trotz der Strapazen der langen Autofahrt feine tägliche Rundfunkansprache, durch die er vom ersten Tage an dem Volke Mut zugefprochen und den Weg auch in das Herz des kleinsten Mannes gefunden hatte.
Belgien treibt unabhängige Außenpolitik.
Oie Märzabkommen mit Frankreich und England haben nur vorübergehenden Charakter.
Brüssel, 29. DH. (DNB.) In der Abgeord- netenfammer fand eine außenpolitische Aussprache über die Rede, die der König am 14. Oktober vor dem Ministerrat gehalten hat, statt. Das Hauptkapitel der Aussprache bildete die von dem sozialistischen Abgeordneten Hubin aufgeworfene Frage, ob nach den Erklärungen des Königs über die Unabhängigkeit Belgiens in militärischer, politischer und wirtschaftlicher Hinsicht das Mililärab- kommen noch bestehe, das Belgien mit Frankreich in einer neuen Form im Jahre 1927 abgeschlossen habe.
Außenminister Spaak
erklärte, die Kommunisten seien nicht befugt, der Regierung Lehren über das „kollektive Sicherheitssystem" zu erteilen. Er stellte die heutige Liebe der Kommunisten zum Völkerbund und zum kollektiven Sicherheitssystem i n Gegensatz z u ihrer früheren Einstel- l u n g und verlas unter dem Gelächter der Versammlung eine Reihe von Aufsätzen in der kommunistischen Presse, in denen der Völkerbund in schärfsten Ausdrücken gebranbmarft worden war.
Die neue Außenpolitik Belgiens faßte Spant in die Worte zusammen, die Interessen und die Sicherheit Belgiens dürsten nicht formellen und ideellen Dingen geopfert werden. Belgien wolle keine Bündnispolitik treiben, und es werde sich unbedingt weigern, sich in die Angelegenheit anderer Länder zu mischen oder sich in sie hineinziehen zu lassen. Belgien werde an jeder vernünftigen kollektiven Aktion i m Rahmen se st begrenzter Bedingungen teilnehmen. Belgien wolle seine Verpflichtungen halten. Diese mühten aber genau und klar se st gelegt und begrenzt werden und dürsten zu keiner Zweideutigkeit Anlaß geben. Belgien werde eine ausschließlich belgische Außenpolitik treiben unter Berücksichtigung seiner geographischen Lage, seiner Aeberlieferungen und seiner Fähigkeiten. Eine Rückkehr Belgiens zur Vorkriegsneutralität komme nicht in Frage, weil Belgien im Völkerbunde bleiben wolle.
Die kollektive Sicherheit sei vielleicht ein ideales Friedenssicherungssystem, vorausgesetzt, daß es
wirklich und vollständig organisiert sei. Dies fei jedoch nicht der Fall. Belgien könne seine Sicherheit aber nicht auf ideele Dinge, sondern nur auf Realitäten aufbauen. Der Völkerbund habe in einer Reihe von ernsten Fällen feine Probe nicht bestanden. Der Außenminister streifte kurz die Frage einer Reform des Völkerbundes und bemerkte, die Genfer Einrichtung fei so lange zur Ohnmacht verurteilt, wie die wichtig- ft e n Staaten, die Vereinigten Staaten von Amerika, Italien und Deutschland, sich von ihr f e r n h i e l t e n.
Belgien werde seine Außenpolitik auf völlige Unabhängigkeit abstellen. Die Rolle Belgiens bestehe darin, jedem seiner Rachbarn die unbedingte Gewißheit zu geben, daß Belgien sich nicht als D u r ch m a r s ch g e b ie l oder als strategische Operationsbasis benutzen lassen werde. Zu diesem Zweck sei es notwendig, ft a r k zu sein. Die Rede des Königs bilde ein Ganzes. Die 21HH- tärfrage könne nicht von der außenpolitischen Frage getrennt werden. Die zwischen England, Frankreich und Belgien im März dieses Jahres in London vereinbarten Abkommen über die Zusammenarbeit der General- stäbe könnten nicht durch einen einseitigen Akt aufgehoben werden. Es sei auch ein Wahnsinn, etwas abzuschassen, solange nicht etwas Re u e s an die Stelle des bisher Bestehenden gesetzt worden sei. Spaak betonte jedoch wiederholt, daß die Vereinbarungen, die in London zustandegekommen sind, vorübergehenden und vorläufigen Lharakler hätten.
Am Donnerstag wird abgestimmt werden über einen Entschließungsentwurf der Rexisten, worin unter Hinweis auf die Rede des Königs bedauert wird, daß die Regierung das Militärabkommen mit Frankreich und die aus dem Locarnovertrag noch bestehenden Verpflichtungen nicht gekündigt habe. Die Regierung habe sich damit in Widerspruch gesetzt zu den Absichten, die in der Rede des Königs klar zum Ausdruck gekommen seien. Dieser Standpunkt wurde in den Aussprachen von dem Abgeordneten der Rexisten, Lernte aus Lüttich, nachdrücklich unterstrichen und von dem Fraktionsvorsitzenden des nationalflämischen Blocks unterftützt.
Lln-efriedigende Auskunst Moskaus.
Heftige Kritik an der sowjetrussischen Haltung im Nichteinmischungsausschuß
London, 29. Oft. (DRV. Funkspruch.) In den frühen Worgensiunden wurde eine sehr ausführliche Verlautbarung über die gestrige Sitzung des internationalen Richteinmischungs- ausschusses veröffentlicht. Daraus geht zunächst hervor, daß die sämtlichen Beschuldigungen der S o w j e t r e g i e r u n g gegen Italien und Portugal von dem Ausschuß als u n - begründet und unbewiesen abgelehnt worden sind. Auch die neue sowjetrussische Mitteilung, die eine Klarstellung der Stellungnahme Moskaus zum Richteinmischungspakt bringen sollte, hak den Ausschuß nicht befriedigt. Der Vorsitzende erklärte, daß die Haltung Sowjetrußlands immer noch nicht klar sei und fragte erneut, ob sich die Sowjetregierung durch den Pakt noch als gebunden erachte oder nicht. Der portugiesische Vertreter lehnte den sowjetrussischen Vorschlag für eine Kontrolle der portugiesischen h ä f e n ab, während der Sowjetvertreter eine Kombination dieses Planes mit dem britischen Vorschlag für eine Kontrolle der spanischen Häfen und Grenzen anregte.
Der italienische Vertreter erklärte, daß die neue Mitteilung Moskaus die Zweideutigkeiten des sowjetruffifchen Briefes vom 22. Oktober nicht beseitige. Es fei unzulässig, daß die Sowjetregierung in dem Ausschuß sitze und mit denselben Rechten wie die anderen Vertreter an den Besprechungen teilnehme, während sie sich weigere, oieseiben Pflichten zu erfüllen. Auch der deutsche Vertreter war der Ansicht, daß die sowjetrussische Mitteiung die Frage, ob die Sowjetunion sich immer noch durch die Verpflichtung des Nichtein- mischungspaktes gebunden erachte oder nicht, nicht befriedigend klar stelle.
Der Sowjetvertreter erklärte, daß er die italienische Antwort auf die sowjetrussischen Beschuldigungen als „ebenso unbefriedigend betrachte wie die deutsche". (!!) Er behauptete, daß Italien seither das Abkommen in Spanien und Mallorca erneut verletzt habe. Nach einer Prüfung der sowjet- russischen Beschuldigungen erklärte öord Plymouth, daß keine Beweise für einen Bruch des Abkommens durch Italien vorhanden feien. Der Ausschuß schloß sich dieser Auffassung an und lehnte in derselben Weise die Moskauer Beschuldigungen gegen Portugal ab. Der Sowjetvertreter bezeichnete dann die in der portugiesischen Note gemachten Enthüllungen über die Anstiftung und Unterstützung des spanischen Bürgerkrieges durch Moskau als „lächerlich" (!) und leugnete sogar ab, daß die Sowjetregierung wünsche,
Spanien in eine kommunistische Republik zu verwandeln. Der portugiesische Vertreter beantwortete die Tiraden des Sowjetvertreters in scharfer Form. Er erklärte, daß Portugal die Feststellungen über die sowjetrussischen Machenschaften in Spanien voll und ganz aufrechterhalte, wenn er auch verstehen könne, daß die Enthüllung der Wahrheit sehr schmerzlich für die Sowjetregierung sei. Das Vorhandensein einer kommunistischen Agitation in Spanien sei genau f e ft ge (teilt, und diese Agitation habe sich auch auf Portugal ausgedehnt.
Eme stürmische Sitzung
Neues britisches Beweismaterial für die sowjetrussischen Waffenlieferungen.
London, 29. Oft. (DNB. Funkspruch.) Wie die Morgenblätter mitteilen, zeichnete sich die Sitzung des internationalen Nichteinmischungsausschusses durch außerordentlich heftige Wortgefechte aus. Insbesondere kam es zu schweren Zusammenstößen zwischen dem sowjetrussischen und dem portugiesischen Vertreter. Die Versuche des Sowjetbotschafters, die portugiesische Enthüllung über die sowjetrussischen Machenschaften in Spanien lächerlich zu machen, und Moskau als Vorkämpfer der Demokratie und des Friedens hinzustellen, versetzten den portugiesischen Vertreter in große Erregung. Er schleuderte seine Mappe auf den Tisch und rief aus, daß er der ganzen Verhandlungen überdrüssig sei und es sei unerhört, daß gerade Sowjetvertreter von Frieden und Demokratie reden. Er solle sich schämen.
Die britische Regierung hat ein neues Schrift st ück zusammengestellt, daß Einzel- heiten über sowjetrussische Waffenlieferungen an die spanische „Regierung" enthält. Die Beschuldigungen stützen sich auf u n - widerlegbar es Beweismaterial britischer Beobachter. Das englische Kabinett hat dieses Schriftstück am Dienstag geprüft und mißt ihm eine sehr große Bedeutung bet.
Fieberhafte Tätigkeit der sowjetrussischen Kriegsindustrie.
Alles auf Lieferungen für Madrid eingestellt.
Leningrad, 28. Off. (DRB.) Die Lieferung von Kriegsmaterial aus der Sowjetunion nach Spanien ist in vollem Gange. Ganze Fabriken und Werke rote z. B. die Moskauer
Flugzeugfabrik „Rümmer 1“ — arbeiten fieberhaft an Lieferungen für Spanien. Iedoch der Zahl der Transporte nach zu schließen, muß auch Material aus den Reserven der Roten Armee abgegeben worden sein. Aus dem Süden kommen Rachrichten, daß d i e Schwarze-Meer - Häfen Odessa und Rikolajew für den zivilen Verkehr geschlossen worden sind. Passagieren einlaufender Schiffe wurde nicht gestattet an Land zu gehen. Auf der Eisenbahnstrecke Moskau—Odessa wurde der Personenverkehr eingeschränkt. Personenzüge verkehren dort nur mit vielstündiger Verspätung, da die Züge mit Kriegsmaterial bevorzugt abgefertigt werden müssen.
Madrid von der Außenwelt abgeschnitten.
Paris, 29. Oft. (DNB.) Im Rundfunksender von Sevilla wurde am Mittwochnachmittag rnitge- teilt, daß die Truppen des General Varela etwa 12 Kilometer vorgerückt feien und nunmehr die Höhenzüge unmittelbar um Madrid befetzt hielten. Die einzige bisher noch bestehende Eisenbahnverbindung zwischen Madrid und der Südküste, das heißt der Weg nach Valencia, sei unterbrochen. Nur noch eine einzige Landstraße bleibe den Roten offen, um die Flucht nach Süden zu ergreifen. Aber auch sie stehe bereits unter dem Feuer der N a t i o n a 11 ft e n. Damit sei die spanische Hauptstadt von der Außenwelt vollkommen abgeschlossen. Der Oberbefehlshaber der Roten in Madrid, Oberstleutnant Lopez, fei getötet worden. Die Roten führen den Tod Lopez auf unvorsichtiges Hantieren mit feinem Dienstrevoloer zurück. Die Nationalisten nehmen jedoch an, daß Lopez von feinen eigenen Leuten, Anarchisten und Kommunisten, e r s ch o s s en worden sei. Die sogenannte Regierung in Madrid hat die lieber» füfjrung der Archive des Finanz-, Justiz- und Kriegsministeriums nach Barcelona veranlaßt. Dieser Entschluß der roten Machthaber beweist, daß deren Uebersiedlung nach der Hauptstadt Kataloniens nunmehr beschlossene Sache ist.
Aus alter Welt.
Mondregenbogen, Gewitter und Schneesturm im Allgäu.
Der WitteruNgsurnschlag im Allgäu, der in der Nacht zum Dienstag durch einen Mondregen- bogen angekündigt wurde, traf am Mittwochfrüh ein. Nachdem schwerer Südweststurm den Bäumen und Sträuchern die letzten Reste ihres Laubes entrissen hatte, setzte am Mittwochfrüh Schnee- sturm ein, verbunden mit Blitz und Donner. Es schneit heftig weiter.
Luftverkehr trotz Sturmes.
Wie die Deutsche Lufthansa mitteilt, wurden während des ungewöhnlich starken Sturmes sämtliche Tag- und Nachtstrecken beflogen. Es ließ sich freilich nicht vermeiden, daß diejenigen Flugzeuge, die längere Strecken gegen den Sturm zu fliegen hatten, verspätet an ihren Bestimmungshäsen eintrafen. Die (9egmmafd)inen legten ihre Strecken aber mit um so größerer Geschwindigkeit zurück und kamen wesentlich früher als erwartet an.
Die Bergung des deutschen Dampfers „Rorburg" geglückt.
Wie aus Terschelling gemeldet wird, ist die Bergung des durch den Sturm schwer beschädigten deutschen Dampfers „N o r b u r g" geglückt. Das Schiff wurde am Mittwoch in Emden eingeschleppt. Zwei Motorradfahrer im Sturm tödlich verunglückt.
Das stürmische und regnerische Wetter hat zwei Todesopfer und einen Schwerverletzten gefordert. In Lammersdorf in der Eifel wurde der Ortsgruppenleiter aus Zweifall, der 42jährige Edmund Berzborn, auf feinem Motorrad von einem durch den Sturm entwurzelten Baum getroffen und tödlich verletzt. Ein zweites schweres Unglück trug sich in Aachen zu. Ein Motorradfahrer verlor die Gewalt über feine Maschine, als ihm durch eine Sturmböe heftige Regenmafsen ins Gesicht gepeitscht wurden. Das Motorrad prallte gegen eine Hauswand, Fahrer und Mitfahrer wurden in eine Fensterscheibe geschleudert. Der Fahrer ft a r b kurz nach der Einlieferung in das städtische Krankenhaus. Der Beifahrer ist so schwer verletzt, daß man auch mit seinem Ableben rechnen muß.
Hinrichtung zweier Spione in Budapest.
Eine Dop pelhinr ich tung zweier wegen militärischer Spionage verurteilter ehemaliger Angehörigen des Heeres wurde in Budapest auf Grund des Urteils des Obersten Hvnved- Gerichts vollstreckt. Die beiden Hingerichteten hatten mit anderen Personen zusammen einen weit ausgedehnten Spionagedienst zugunsten eines der Nachbarstaaten Ungarns organisiert. Für ihre Spionagetätigkeit hatten sie einige minderjährige Mädchen gewonnen. Der Polizei war es nach längeren Nachforschungen gelungen, die Tätigkeit der Spione, die bis zum Frühjahr 1935 zurückreicht, aufzudecken. Die übrigen an der Spionage beteiligten Personen waren zu langjährigen Zuchthausstrafen verurteilt worden.
Q'unft und Wissenschaft.
herbst-Reuerfcheinungen der Essener Verlagsanstalk.
— Die Essener Verlagsanstalt, Essen, kündigt folgende Neuerscheinungen an: Internationale Politik. — Staatsform und Wirtschaft der Nationen. — Wolfgang Windel band: Die auswärtige Politik der Großmächte in der Neuzeit von 1914 bis zur Gegenwart. — Fernand d e Brinon: Frankreich / Deutschland 1918—1934. — Friedrich Bauers: Hänselbuch. (Schleif-, Vexier-, Deponier», Tauf- und Zeremonienbuch.) — Dr. Ludwig Neundörfer: Heidelberg, wie es war und wie es ist. — Wilhelm Fraenger: Das deutsche Himmelreich. — H. H. Houben: Die Rheingräfin. Das Leben der Sibylle Mertens-Schaafhausen. — Hermann Josef Müller: Links die Fahrt und rechts die Bremse. Aus dem Tagebuch eines Straßenbahners. — Essener Almanach. Erste Ausgabe.
Hochschulnachrichten.
Professor Dr. M. Trautz, Ordinarius für anorganische Chemie an der Universität Rostock, ist in gleicher Eigenschaft an die Universität Mün- st e r berufen worden.
Professor Dr. Johann Carl Lehmann, Chefarzt der Chirurgischen Abteilung des Allgemeinen Krankenhauses in Lübeck, ist als Ordinarius und Direktor der Chirurgischen Universitätsklinir nach Rostock berufen worden.


