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Nr. 254 Zweites Blatt

Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen) Donnerstag, 2°. Oktober 1936

Jünf Jahre Reichsjugendsührung.

Am 30. Oktober findet in München eine Feierstunde aus Anlaß des fünfjährigen Be­stehens der DienststelleReichsjugendführer" statt.

Am 30. Oktober, vor fünf Jahren, gab Adolf Hitler der Juaendbewegung seiner Partei einen festen Zusammenschluß und eine einheitliche Leitung unter Baldur v. S ch i r a ch. Dieser Rame ist mit dem Ringen der Hitler-Jugend und mit dem Wer- den unserer neuen Zeit eng verknüpft. Bon Schirach hatte schon als SA.-Mann Dienst getan als er nach München kam, an den dortigen Kämpfen der Bewegung regen Anteil nahm und die ersten Studenten gruppen gründete. Aus dieser Arbeit, die sich bald auf das ganze Reich erstreckte, gewann er Ansehen in der Partei und das Ver­trauen Adolf Hitlers, der ihn 1931 an die große Aufgabe berief, die organisatorische und geistige Ausrichtung der mächtig em­porwachsenden Jugendbewegung in die Hand zu nehmen. Mit Jungarbeitern und Studen­ten hat Baldur v. Schirach dann sein Werk be­gonnen, hat als Redner gewirkt und als Dichter die Herzen entzündet. Schon 1932 verkündete er den Totalitäts-Anspruch der HI., der sich siegreich durchsetzte, als die Machtergreifung die neue Epoche der deutschen Geschichte einleitete.

Die geistige Zielsetzung der politischen Jugend war um diese Zeit gewonnen. Es war der Ge­danke des deutschen Sozialismus, der keine Unterschiede der Stände und Berufe kennt, der zum Gemeingut der HI. geworden war, es war der Geist der Kameradschaft und der Hingabe, der sich unter die Gebote freiwilliger Disziplin'gestellt hatte, es war der feste Wille, die Einheit der Jugend nicht durch altüberkommene Schranken konfessioneller Trennung gefährden zu lassen. Die Reichsjugend- fuhrung der NSDAP, hatte so ein klares ' und festes Programm und eine große Aufgabe in der Bewegung Adolf Hitlers

Mit dem Jahre 1933 begann der Aufstieg der HI. zur Millionen-Organisation. Der Jugendsührer der Partei wurde der Jugendführer des Reiches. Ende 1933 standen in der Hitler- Jugend 2 Millionen, Anfang 1935 waren es schon 5 Millionen und 1936, im Jahre des Deutschen Jungvolks, stieg die Zahl der Mitglieder auf über 6 Millionen. Rein zahlenmäßig ist es die größte Jugendbewegung der Welt und doch ist damit ihre Bedeutung für die Nation nicht erfaßt. Im Lager der Hitler-Jugend steht nicht nur die Einheit des jungen Deutschland, sondern in ihr sind auch alle Kräfte zusammengefaßt, die den An­teil der Jugend an den Geschicken der Nation be­stimmen. An der Spitze steht die weltanschau­liche Schulung, die in den einzelnen Grup­pen geleistet wird, es folgt die körperliche Er­tüchtigung, die neben der geistigen Arbeit nicht vernachlässigt wird. Groß sind die Leistungen um das Jugend-Herbergswesen, über­haupt um die Organisation des Wanderns und der Fahrten, ohne die man sich unsere Jugend nicht mehr denken kann. Für den Sport und für den Segelflug setzt sich die HI. beispielgebend ein; eine besondere Marine-HI. schult ihre Mitglieder auf den Gewässern. Darüber hinaus aber wirkt die Jugend überall mit, wo eine allgemeine Aufgabe erfüllt wird, beim Winterhilfswerk wie im B e r u f s w e t t k a m p f, bei der Heranzie­hung junger Dichter wie bei der Betreuung der Landhelfer und bei der Pflege der Beziehungen der Jugend zum Auslande. Die Organisation der Jungmädel und des B D M. bildet eine ebenso umfassende wie zukunftsreiche Einrichtung, die immer mehr zu einem Bestandteil der Erziehung für die weibliche Jugend wird.

Wenn tue Reichsjugendführung auf fünf Jahre ihrer Tätigkeit zurückblickt, so ist es nicht schwer mit Zahlen aufzuwarten, die schon allein für sich sprechen. Noch wichtiger aber ist es, der Schwierig­keiten und Kämpfe zu gedenken, die überwunden und durchgeführt werden mußten. Das größte Er­lebnis der Hitler-Jugend aber war jeweils der Tag, an dem sie in Nürnberg vor ihren obersten Führer Adolf Hitler auf dem Parteitage treten durfte.

Aus Anlaß des fünfjährigen Bestehens der Reichsjuqendführung gedenken wir auch jener tap­feren Mitglieder der HI., die in der Kampfzeit unter den Mörderhänden der Kommunisten ver­bluteten. Auch sie marschieren im Geist in unseren Reihen mit.

Oswald-Boelcke-Gedenkfeier in Dessau

Am Ehrenmal Boelckes in Dessau fand eine ergreifende Trauerfeier statt. Neben einem Vertre­ter des Reichsluftfahrtministeriums sah man dama­lige Fliegerkameraden Boelckes und Pour le merite- Flieger, den anhaltischen Staatsminister, den Ober­bürgermeister und den Garnisonältesten. Die Glie­derungen der Partei hatten Aufstellung genommen. Hitlerjugend bildete Spalier. Weiter waren eine Schwester und ein Bruder Oswald Boelckes, sowie sein Bursche Fischer erschienen. Der Kommandeur der Bernburger Fliegertruppe, Oberst Loerzer, widmete seinem toten Kameraden herzliche Worte des Gedenkens. Oswald Boelcke fei das Vorbild des Frontsoldaten gewesen, ein Mann im Sinne des heutigen Deutschlands. Bei allen Ehrungen durch fein Volk, die Verbündeten, ja selbst durch die Feinde sei er schlicht und einfach der selbstlose und tapfere Soldat geblieben.Und wenn wir heute an seinem Ehrenmal seiner Taten und seines Opfers gedenken", schloß Oberst Loerzer dann denken wir auch an seine zwei Millionen gefallener Kame­raden, deren Opfer nicht vergeblich gebracht worden ist." Unter den Klängen des Liedes vom guten Ka­meraden wurden Kränze am Ehrenmal meder- gelegt. Mit dem Gesang der nationalen Lieder schloß die Feier.

Kunst und Wistensckast.

Staatsschauspielerin üäte Gold.

Ministerpräsident Göring hat die Schauspielerin Käte Gold vom Preußischen Staatstheater zur Staatsschauspielerin ernannt.

Furtwängler dirigiert während der Krönungsfeierlichkeiten in London. Wilhelm F u r t w ä n g l e r hat die Einladung des

Royal Opera House angenommen, im Mai b e i den Krönungsfeierlichkeiten in Lon­don zwei Aufführungen des gesamten Nibelun­gen-Ringes zu birigierer

Der Untergang des FeuerschiffesElbe I"

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FeuerschiffElbe I". (Scherl-Bilderdienst-M.)

Die Männer aus den Feuerschiffen

Unser tiefes Mitgefühl mit dem Schicksal der 15 deutschen Seeleute, die mit dem Feuerschiff Elbe I" im Orkan untergingen, wird noch ver­stärkt durch die Mitteilungen englischer Augen­zeugen, wonach das Feuerschiff nach dem Kentern noch volle 10 Minuten auf der Seite lag, so daß die Besatzung einen um so längeren Tode stampf durchzumachen gehabt hat.

In der Geschichte der Feuerschiffe dürfte es das erstemal sein, daß ein solches Fahrzeug vom Orkan niedergezwungen wurde. Diese Schiffe sind an der deutschen Küste zwar nur 400 Tonnen groß.

Das Kreuz bezeichnet die Stelle, wo das Feuerschiff lag - iScherl-Bilderdienst-M.i

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aber sie sino |o stark gebaut und mit |o vorzüg­lichen technischen Einrichtungen des Schiffsbaues versehen, daß bisher nach menschlichem Ermessen selbst der stärkstmögliche Sturm (Windstärke 12) diesen Schiffen nichts anhaben konnte. Siereiten" mit 200 bis 250 Meter Kette in der Strömung vor Anker und sind meistens noch mit einer Hilfs- maschine versehen, um beispielsweise bei Eisgang ihre Position halten zu können. Selbstverständlich haben sie die modernsten Sicherungen wie Quer­schotten, Lufttanks u. dgl. Außerdem haben sie. um ihre Aufgabe als Wegweiser für die Schiffe vor den weiten Strommündungen draußen in der Nord­see erfüllen zu können, neben dem auf einem rnit- schiffs angebrachtem Turm brennenden Leucht­feuer von verschiedener Farbe und Tennung" die modernsten Vorrichtungen für Funk-, Schall- und Unterwasser-Signalanlagen, da sie oft den einpassierenden Schiffen Funksprüche oder Tele­gramme, die ihnen von Cuxhaven aus zugefunkt

wurden, Weitergaben. Man muß bedenken, daß an diesen Schiffen, die weit draußen vor der Elbe- münbung auch die schwersten Stürme abwettern müssen, jährlich rund 30 000 Seefahrzeuge an sich vorbeiziehen sehen. DieElbe I" war das a m weitest en draußen verankerte Feuerschiff, un­gefähr halbwegs zwischen Cuxhaven und Helgoland. Es hatte normal 22 Meter Wasser unter sich und konnte bei Nacht sein Leuchtfeuer unter günstigen Wetterverhältnissen bis zu 24 Seemeilen oder 44 Kilometer weit wirken lassen.Elbe H" dient zugleich als Rettungsstelle,Elbe III" als Lotsen­station, von der aus die einpassierenden Schiffe in die Elbmündung gelotst werden.

Der Dienst auf diesen Feuerschiffen ist wohl mit die schwerste Arbeit im ganzen See­mannsberuf. Fährschiffe können in Wetternot in das ruhigere Wasser der Elbmündung einlaufen und zu Anker gehen die Feuerschiffe müssen ihre Position auf jeden Fall halten. Es ist klar, daß in der Schlechtwetterzeit die Besatzung oft tagelang nicht aus den Kleidern kommt, wäh­rend das rote Schiff wie toll.an feiner Ankerkette stampft und schlingert. In früheren Zeiten wurden die Feuerschiffe den Winter über eingezogen, die Vervollkommnung der Schiffsbautechnik hat es schon seit Jahrzehnten ermöglicht, die Feuerschiffe auch in der Winterszeit auf ihrem Platz zu lassen, da ja die Schiffahrt auf die Jahreszeit keine Rück­sicht nehmen kann. Der ständige Wach- und Kon­trolldienst auf dem während des Herbstes und Winters niemals ruhig liegenden Feuerschiff sowie Signaldienst, Messungen, Wetterbeobachtung, Nach­richtenaustausch usw. stellen an die Besatzung stärkste Anforderungen.

Dies um so mehr, als die Feuerschiffe der Elb­mündung und besonders dieElbe I" in einem außerordentlich schwierigen Fahrwasser liegen. Es ist von zahlreichen Sandbänken durch­zogen. Bei Nordweststurm wird die Flut mit unge­heurer Gewalt in das weite Becken der Elbmün­dung wie in einen Trichter hineingetrieben es ist die weite Wasserfläche zwischen dem Scharhörn- Riff und dem Groß-Vogelsand an den beider­seitigen Küsten entsteht eine gewaltige Brandung, die wieder auf die See zurückwirkt. Dazu kommt der Druck der Strömung. Am gefährlichsten wird das Wasser dort, wenn Nordweststurm und Ebbe gegen einander wirken. Dann entstehen über dem aufgewühlten Sand die furchtbaren Grundseen. Die Ursache des Unterganges derElbe I" sieht man in nautischen Kreisen darin, daß das Feuer­schiff von einer solchen ungewöhnlich starken Grundsee längsseits gerade in dem Augenblick er­faßt wurde, als es von der Strömung quer zur Richtung des Seeganges getrieben worden war.

Ehre den Männern auf den Feuerschiffen, die auf ihren gefahrvollen und überaus anstrengenden Posten nur in bestimmten Zwischenräumen abge­löst werd.en können und im Dienst der Allgemein­heit keinerlei Rücksicht auf Wetter und Gefahr neh­men können'

Treue pslichtersiilluug bis zum Tode.

Zum Verlust des FeuerschiffesElbe I" wird von zuständiger Stelle noch mitgeteilt, daß der Unfall, den das Feuerschiff erlitten hat, einzig und allein auf die außerordentlichen Witte- rungsumftänbe zurückzuführen sei. Das FeuerschiffElbe I" gehörte zu den neuzeitlichsten Feuerschiffen der deutschen Küste. Es wurde 1912 erbaut. Während seiner ganzen Dienstzeit hat es alle Stürme glücklich überstanden. Mit Recht galt es daher als eines der seetüchtigsten Fahrzeuge, über die die Reichswasserstraßenoerwaltung über­haupt verfügte. Das Feuerschiff war mit den neu­zeitlichsten Anlagen ausgestattet. Die Besatzung, insgesamt 15 Mann, bestand aus dem Kapitän, dem Maschinisten, zwei Funkern und elf Matrosen, die den Nachtdienst zu versehen hatten. Das Feuer­schiff war mit Motorrettungsbooten ausgeftattet, die in der Lage gewesen wären, die Besatzung auf­zunehmen und in den nächsten Hasen zu bringen. Nach den bisherigen Nachrichten sind Lotsen nicht an Bord gewesen. Der Kapitän hat bis zum letzten Augenblick die Position des Leucht­schiffes, die für die Leitung der Schiffahrt in die Elbe von größter Wichtigkeit ist, gehalten. Da das Schiff über eine eigene Fortbewegungsanlage ver­fügte, hätte der Kapitän feine Position verlassen und einen sicheren Ort an der Elbe aufsuchen kön­nen. Er hat das nicht getan, weil er glaubte, in treuer Pflichterfüllung dis zum letzten auf feiner Position aushalten zu müssen.

Beileidskundgebungen

Der Oberbefehlshaber der Kriegsmarine, Gene­raladmiral Dr. h. c, R a e d e r, hat anläßlich des Unterganges des FeuerschiffesElbe I" folgenden Tagesbefehl an die Kriegsmarine er­lassen:

Am 27. Oktober nachmittags kenterte in schwe­rem Orkan das FeuerschiffElbe I". Mit ihm fielen tapfere und pflichttreue Seeleute, wahrscheinlich die

ganze Besatzung des Feuerschiffes von 15 Mann, dem Kampf mit den Elementen zum Opfer. Auf gefahrvollem vorgeschobenen Posten haben diese deutschen Männer, die seit Jahren in hartem, ent­sagungsvollem Dienst auf der Wacht für die Sicherheit der Seeschiffahrt Sturm und Wetter trotzten, ihre Pflichttreue mit dem Tode besiegelt. Mit den Angehörigen und mit der ganzen deutschen Seeschiffahrt trauert die Kriegsmarine um die dahingegangenen Kameraden, denen sie es nicht vergessen wird, daß sie auch für die Sicherheit der Kriegsschiffe und -fahrzeuge lebten und starben. Die Schiffe der Kriegsmarine setzen am 28. Oktober von 12 Uhr mittags bis zur Flaggenparade die Flagge Halbstock.

Reichsstatthalter und Senat von Hamburg er­lassen zum Untergang des FeuerschiffesElve I" folgende Trauerkundgebung:In tiefer Trauer gedenkt ganz Hamburg der tapferen Män­ner vonElbe I", die im Kampf mit den entfessel­ten Elementen ihre schwere Pflicht mit dem Tode besiegelten. Hamburg schuldet ihnen, die als erste Vorposten den Schiffen ihren Weg wiesen, unaus­löschlichen Dank. Trauerflaggen von allen Häusern und Schiffen der Freien und Hansestadt künden von der Schicksalsgemeinschaft Hamburgs mit seinen Seeleuten. Im Sinne dieser Toten aber und ihnen zur Ehre stehe auch über dem Tag der Trauer und des Schmerzes das trutzige Wort: Seefahrt ist not!" Reichsftatthalter und Senat Haden zur Lin­derung der ersten Not einen besonderen Be­trag bereitgestellt. Im gesamten hamburgischen Staatsgebiet tragen alle öffentlichen Gebäude, Fahrzeuge usw. Trauerbeflaggung

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DieStiftung für Opfer der Arbeit aus See" hat anläßlich des Unterganges des Feuerschiffes Elbe I" sofort einen Betrag von 3000 NM. als erste Hilfe für die Hinterbliebenen bereitgestellt.

3tn Auto durch das Kampf­gebiet bet Cordoba.

Von unserem Sch.-Sonderberichterstatter.

(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.) Sevilla, 20. Oktober 1936.

Das Gebiet von Cordoba ist einer der Kampf­abschnitte, über die in der ausländischen Presse am wenigsten geschrieben wird. Dennoch verdient diese Front nicht nur wegen der zahlreichen Erfolge, die die wenigen Streitkräfte der Nationalisten fortge­setzt über eine vielfache rote Uebermacht erringen, sondern auch wegen ihrer strategischen und wirtschaftlichen Bedeutung erhöhte Beachtung. Unter den zahlreichen meist unbekannten Ortsnamen, die in der letzten Zeit im Zusammen­hang mit den Siegen der nationalen Truppen an der Cordoba-Front genannt wurden, lenkte P e - n a r r o y a die Aufmerksamkeit auch des Auslandes auf sich. Mit diesem Ort ist der roten Madrider Regierung das wichtigste Kohlenbecken im Süden Spaniens verlorengegangen, und Se­villa hat durch diesen Erfolg die Kohlenversorgung für den kommenden Winter sichergestellt. Da bei den Kohlen- und Bleigruben von Penarroya be­deutende französische Kapitalinteressen vertreten sind, ist man in diesen Wirtschaftskreisen über das Schicksal des Minengebiets besorgt. Die Operationen in der Provinz Cordoba haben inso­fern Bedeutung, als Penarroya an der Bahnlinie CordobaAlmorchon liegt, die die verkehrstechnische Verbindung zwischen den beiden Provinzen Bada? jvz und Cordoba herstellt. Nur noch rund fünfzig Kilometer dieser Bahnlinie befinden sich in der Hand der Kommunisten.

Bei Bekanntwerden des Sieges von Penarroya lud mich das Zivilkabinett der zweiten Division (General Queipo de Llano) zu einer Autofahrt in das Kampfgebiet von Cordoba ein. Die Exkursion, an der zwei Offiziere, ein Militärarzt, ein Photograph und mehrere bewaffnete Falan­gisten zum Schutz gegen etwaige Ueberfäde der roten Wegelagerer teilnahmen, sollte in erster Linie dm Zweck dienen, das wichtigste Material über die von den Kommunisten begangenen Verbrechen zu sammeln.

Der Weg führte durch bergiges Gelände über Llerena, Azuaga, Fuenteovejuna, Orte, die durch den Blutterror der Kommune zu einer traurigen Berühmtheit gelangt sind. In jeder Ortschaft stieß man auf die Spuren der roten Herrschaft. Die Ein­wohner, die sich unter den Morddrohungen der Ro­ten und aus Furcht vor den Eingeborenentruppen in die Berge geflüchtet hatten, waren zum größten Teil wieder zurückgekehrt. In den zerschossenen, ge­plünderten oder ausgebrannten Kirchen knieten schwarz gekleidete Frauen vor den Resten zerschlagener Heiligenbilder und beteten für die Seele ihrer van Rotmord erschossenen Angehörigen, Gruppen alter Männer, mit weißen Arm­binden und zweifarbigen Schleifen auf den Rock- aufschlägen, standen auf den Plätzen vor Rathaus oder Kirche, ober in den mit Axthieben zersplitter­ten Türen ihrer Behausungen und unterhielten sich über die gemeinsam durchlebten schweren Stunden. Beim Anblick der Falangistenflagge an den Autos hellten sich die Gesichter auf, die Arme flogen zum Faschistengruß in die Höhe, und überall erscholl der RufViva Espana! In Azuaga, «vo einhun­dertfünf rechtsstehende Einwohner umgebracht wor­den waren, waren in der Kirche bereits Maurer und Zimmerleute am Werk, um dem Gotteshaus die alte Andacht und Weihe wiederzugeben. In einer Ecke lagen die Ueberrefte einer großen Glocke die infolge der Sprengungen, die von den Kom­munisten im Turm vorgenommen wurden, von ihrem Stuhl herabstürzte und in mehrere Stücke zerschellt auf dem Steinboden der Kirche liegengeblieben mar.

In Fuenteovejuna waren vierzehn Geist­liche auf Befehl des Revolutionskomitees er­mordet worden. Die Pfarrkirche bot einen trau­rigen Anblick.Die vorgoldeten Täfelungen, die Al­täre und Beichtstühle waren mit Aexten zerschlagen; die Splitter bildeten ein buntes Durcheinander. Von einem riesigen Kruzifix war noch ein Fuß und ein Arm zurückgeblieben. Zwischen Totenschädeln, die aus den Grüften hervorgezogen waren, lagen blecherne Teller mit den verstaubten Resten einer Mahlzeit,vielleicht der letzten der jungen Priester von Fuenteovejuna. Auf dem Gedächtnisstein einer aus­geräumten Gruft waren folgende Worte zu lesen: Dona Ana Paula, gestorben am 2. August 1782, Gründerin dieses Gotteshauses, welche sich durch ihre hervorragenden Tugenden, besonders durch Mildtätigkeit auszeichnete." Auf dem Kirchhof wucherten hundertfältige Pflanzen und drängten um die Wette nach dem Licht; im Schatten und in der Stille des laubüberrankten Kreuzganges mögen die Priester Schutz vor der brennenden Sonne ge­sucht und ihre Andachten vorbereitet haben. In dem Brunnen schwamm mit dem Gesicht nach oben ein hölzerner Christuskops, dessen Farbe sich zum Teil gelöst hatte, so daß er gespensterhast ängstlich nach der runden Deffnung zu blicken schien, durch die das spärliche Licht einfiel.

In irgendeiner Ecke lag eine acht Tage alte kom­munistische Zeitung aus Madrid mit der dicken und vielsagenden Aufschriftgratis". Mit einem kurzen Blick auf die erste Seite ließ sich feststel­len, daß die Madrider Sowjetregierung auch heute noch dieselbe systematische Lügentaktik verfolgt wie in den ersten Tagen der Revolution: ..Oviedo ge­hört bereits zu vier Fünfteln den ,Segalen, die Straßen sind bedeckt von Leichen der Nationalisten. Der Sieg ist sicher. Wenngleich es vollkommen sest- steht, daß Madrid niemals eingenommen werden kann, und daß nie ein Rebelle den Boden der Hauptstadt betreten wird, so muß doch daraus hin­gewiesen werden, daß der Enderfolg in Frage ge­stellt werden könnte, wenn die Miliz nicht größere Disziplin zeigt und nicht mehr Vertrauen in die Führung setzt ..."

Im Sitzungssaal des Rathauses von Fuente­ovejuna fand das Verhör der Zeugen statt, die zum Teil selbst von den Roten mit dem Tode be­droht und gefangen gesetzt worden waren, und ihre Freiheit nur einem glücklichen Zufall ober her Ueberstürzung zu verdanken hatten, mit der die Roten beim Herannahmen der Nationalisten die Flucht ergriffen. Der Hauptzeuge war ein Müller im Al­ter von etwa 35 Jahren. Sein energisch geschnitte­nes Gesicht trug noch die Spuren der überstandenen Leiden der Gefangenschaft. Auf die Frage, weshalb er einen Verband um das linke Handgelenk trage, erzählte er. daß er die ^iiäPreien der roten Ge­fangenenaufseher nicht mehr habe ertragen können und sich mit einem Messer bie Pulsaber ge­öffnet unb in seiner Verzweiflung versucht habe, sich burch einen Stich ins Herz von der unsagbaren