Ausgabe 
29.6.1936
 
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hl 149 Zweites Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheften)

Montag. 29. Juni 1936

DasIubiläum der Stadt Grünberg.

Glänzender Verlauf der TSv-Lahrfeier. Ein Fest der Volksgemeinschaft. Gauleiter Sprenger in Grünberg.

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von zukünftigen Geschlechtern gedankt. Dann werde das Wort wahr sein und bleiben:

Nichts kann uns rauben Siebe und Glauben zu diesem Land. Es zu gestalten und zu erhalten sind wir gesandt!

Die Rede wurde mit anhaltendem Beifall aufge» nommen.

Kreispropagandaleiter Schmelz

gratulierte der Stadt zum Jubiläum im Auftrag der Kreisleitung Wetterau. Er betonte, daß die Partei an allem Anteil nehme, was im Leben unseres Boltes vor sich gehe. Deshalb müsse sich aber auch jede Gemeinschaft der Ordnung im Volke anpassen. Städte und Gemeinden müßten mit der Partei Zusammenwirken. Das Gute der Vergangenheit werde übernommen, die Fehler der Vergangenheit müßten vermieden werden. Der Auf­bau müsse dann gelingen für viele hundert Jahre.

Kreisdirektor Or. Lotz

gab seiner Freude darüber Ausdruck, daß die Stadt Grünberg dieses Jubiläum im Dritten Reiche feiern könne. Die Stadt Grünberg und ihre Bevölkerung Hube zu den Quellen von Volkstum und Heimat

Grünberger Geschichte sinnfälligen und zugleich sym­bolischen Niederschlag. Ferner wurden Männer der Stadt Grünberg, die im Laufe der Jahhunderte bedeutsam geworden waren, gezeigt, inmitten ihrer Umgebung, gezeigt in Bildern, die aus dem Geist jeweils ihrer Zeit heraus gestaltet worden waren. So sah man den ersten Burpvogt Guntram von Ulfa, den ersten bekannten Propst Nikolaus von Linden st ruth beim Ostergottesdienst in der Antoniterkirche, man sah den ersten Luther­drucker Johannes R h a u mit seinen Gehilfen an der Arbeit und erlebte eine Ratssitzung unter Bür­germeister Rabe. Die Landgräfin Maria von Mansfeld, für die Grünberg Witwensitz war, im Kreise Grünberger Bürgerstöchter war zu sehen, ein ansprechendes Bild bot die Darstellung des Jo­hannes C e r v i n u s von Wetterfeld, wie er seinen Bauern predigte. Schließlich folgte der General­wachtmeister Hartmann Samuel Hofmann von L ö w e n f e l d t, der gegen die Türken erfolgreich war. Weitere eindrucksvolle Bilder zeigten den K a - lendermann Konrad Justus vom Veits- berg, den Archäologen Professor Friedrich Gott­lieb W e l ck e r, den Forscher Professor Dr. Theodor Koch. Mit Generalleutnant Ludwig Steinmetz, dem Kommandeur der Artillerie vor Lüttich, Mau- beuge und Namur wurde eine Epoche aus dem Weltkrieg veranschaulicht.

Nach einer Pause wurden die Festteilnehmer im Geiste in die jüngste Vergangenheit versetzt und in

den Herren Archivverwalter Schweißguth und B. Schreiner verständnisvoll zusammengetragen worden war. Nach der Mittagspause vereinigte eine Kundgebung am dem Alarttpiatz zahlreiche Einwohner der Stadt, viele Gäste aus nah und fern, sowie die Gliederungen der Partei auf dem Marktplatz. Der Marktplatz bot einen prächtigen Rahmen. An der Kundgebung nahm neben der einheimischen SA. auch SA. aus Gießen, ferner ein Sturm der Motorstandarde 147 mit Musik teil. Polittsche Leiter aus Gießen waren in stattlicher Anzahl mit ihren Fahnen gekommen. Zahlreiche Vertreter der Behörden waren anwesend.

Nachdem Gauleiter Sprenger, herzlich be­grüßt, erschienen war und die Fronten der ver­schiedenen Gliederungen der Partei abgeschritten halte, eröffnete Bürgermeister Wagner die Kund- aebung zum Jubiläum der Stadt Grünberg. Nach seinen kurzen Ausführungen über Sinn und Be­deutung des Festes sprach der

Gauleiter und Reichsstatchalter Sprenger.

Er führte die Gedanken zunächst zurück in die Zeit der Gründung der Stadt Grünberg, erinnerte an die schweren Kämpfe der Vergangenheit im deutschen Land, an die vielfachen immer wieder

Der Kalendermann vom Veitsberg.

(Aufnahmen 15]: Neuner, Gießener Anzeiger.)

* Grünberg, 29. Juni. Nach einer Fülle der Vorbereitungsarbeit, nach vielen Beratungen der Festausschüsse, nach vieler uneigennütziger Mitar« beit vieler Einwohner und Freunde der Stadt Grünberg, konnte am Samstag und Sonntag die 750-Jahrfeier der Stadt Grünberg festlich began­gen werden. Das Fest nahm den erhofften schönen Verlauf. Ueberaü herrschte Festfreudigkeit. Die Stadt prankte im Schmucke vieler Fahnen und Wimpel, in all der Zierde, die man vom Gallus- markt her kennt. Die Sommersonne machte alles doppelt hell und freundlich. Es bot sich das bunteste Bild, das sich denken läßt. Ganz abgesehen von dem, was der historische Festzug brachte.

Der Festakt in der Turnhalle

am Samstagabend war würdiger Auftakt. Die schöne i nlr rqer Turnhalle war bis auf den letzten Platz gefüllt. Viele Einwohner der Stadt hatten sich eingefunden: viele Gäste nahmen teil Musik des Goethe Orchesters (Leitung: Dr. Herdt) er­öffnete den Abend.

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Gauleiter Sprenger schreitet die Fronten der Formationen ab.

Staatsrat Hille inmitten der alten Garde von Grünberg.

Bürgermeister Wagner

hielt die Begrüßungsansprache. Er hieß besonders Ministerialrat Ringshausen willkommen, fer­ner den Kreisdirektor Dr. Lotz, den Kreispropa­gandaleiter Schmelz, die alten Vorkämpfer der Partei in Grünberg, die Vertreter der Gliederungen der Partei, die Bürgermeister der benachbarten oderhessischen Städte Gießen, Lich, Schotten und Alsfeld, die Vertreter der Behörden usw. Nicht we­niger herzlich war sein Gruß an die (Brünberger, die aus Anlaß des Festes in ihre Heimatstadt zurückkehrten. Grünberg habe sich, so führte er u. a. aus, alle Mühe gegeben, dem Feste zum Erfolg zu verhelfen. Allen Mitarbeitern und Mitwirkenden sage er herzlichen Dank. Der Erfolg des Festes möge ihnen der schönste Lohn sein. Das Fest solle allem Stolz auf die Heimatstadt und aller Liebe zu Grünberg Ausdruck geben. Aus vielen Zuschriften gehe hervor, daß sich viele Grünberger die zum Feste nicht kommen konnten, ihrer Heimatstadt herz­lichst verbunden fühlten. Zum Schluß ferner An­sprache gab der Bürgermeister bekannt, daß an Den Führer Adolf Hitler ein G r u ß t e l e g La m m gerichtet worden sei, in welchem dem Gedanken der Verbundenheit zu Heimat, Volk und Führer Ausdruck gegeben worden sei. Sodann hielt

Archivrat Or. Glcmm, Darmstadt

die Festrede. Der Redner gab in seinen Ausfüh­rungen einen Rückblick auf die Geschichte der Stabt Friedberä in den ersten Jahrhunderten ihres Be­stehens, schilderte die Jahre des Kampfes zwischen den Thüringer Herren und den Mainzer 930d)ojen, kennzeichnete die Rolle und das Schicksal der Stadt Grünberg in diesen Kämpfen und wußte an Hand vieler geschichtlicher Daten und Einzelheiten, unter kurzer Charakterisierung der damals maßgebenden Personen, einen schonen Ueberblick über die älteste Vergangenheit der Stadt zu geben. Der Vortrag trug wesentlich zur Vertiefung des Wissens um die Geschichte der Heimat bei. Im weiteren Verlauf des Abends hielt

Ministerialrat Ringshausen

eine kurze kraftvolle Ansprache. Er beglückwünschte die Stadt zum Jubiläum besonders herzlich des­halb, weil die Stadt mit diesem Jubiläum Heimat und Väter ehre. Grünberg als Stadt sei Mittel­punkt für einen weiten ländlichen Umkreis, aus ihr pulsiere das Leben hinaus in die Dörfer und die Stadt habe dabei stets besondere Aufgaben zu er­füllen. Das Leben der Stadt erneuere sich m der Stadt immer aus sich selbst und aus ber tätigen Bürgerschaft. Für die Stadt in ihrer Ge^mtheit sei immer der Bürgermeister verantwortlich

Alles Erleben im Laufe der Zett und alle Er- mnerunq an Vergangenes seien fruchtbar und wertvoll: das Entscheidende sei aber doch immer das Vorwärtsstreben. Das Vergangene fei per- pflichtendes Erbe, Verpflichtung, sich der Vater würdig zu erweisen. Aufgabe fei. immer roieoer Männer heranzubilden, die die Geschicke der Stadt verantwortlich zu tragen wüßten. ,

Wer Liebe zu Vergangenheit und Heimat yave, werde immer das Vaterland anerkennen. Solange die Wurzeln in der Heimaterde feien, bleibe Leben und Kraft. Das Volk ruhe dann in sich silbst und brauche nicht in die Ferne zu schweifen. Wenn die flugenb in gleichem Geiste erzogen werbe, bann führe unser deutscher Weg in Die Ewigkeit. Wenn jedermann fein Teil dazu beitrage, bann werbe es

gefunben unb werbe wertvolle Zelle im Aufbau bes Reiches fein. Im Auftrage ber Universität übermittelte ber Kanzler ber Universität,

Professor Or. Hummel

die Glückwünsche der Universität. Er betonte, daß die Stadt Grünberg der Universität schon manchen wertvollen Gelehrten und Forscher gegeben habe. Die Bindungen zwischen der Universität und der Stadt Grünberg seien vielseitig; führe doch die Gießener Universität das Zeichen der Antomter im Wappen. Sie fei auch der Rechtsnachfolger des Antoniterklosters gewesen. Der Redner gab dem Wunsche nach weiterer Pflege der Beziehungen Ausdruck und versprach Forderung des geistigen und kulturellen Lebens der Stadt durch die Uni­versität.

Bürgermeister Or. Hamm, Gießen übermittelte die Glückwünsche des Oberbürgermei­sters der Nachbarstadt und teilte mit, daß es für Oberbürgermeister Ritter als ben tze-ter bes Frerndenverkehrsarntes für das Rhem-Mam-Gebiet eine Freude fein werde, sich auch für Grünberg em- zufetzen. Mit herzlichen Worten freundnachbarlicher Verbundenheit der beiden Städte schloß Bürger­meister Dr. Hamm seine kurze Ansprache. Im weiteren Verlauf des Abends überbrachten die Bür­germeister der Städte Alsfeld (Dr. Völsing), Schotten (Menge!) und Lich ' l) herzliche Glückwünsche der Stadt. Bürgermeister Menge! überbrachte mit launigen Worten em Bild des Schottener Rathauses als Ehrengabe

Bürgermeister Wagner dankte für die zahl- ^Der"zweite^Tell^des Abends brachte einen hohen künstlerischen und ästhetischen Genuß. Auf der Bühne wurden lebende Bilder gezeigt, die sehr sorg- fältia vorbereitet waren. In diesen Bildern Die unter der Leitung des Intendanten des Gießener ^^-riters (Schultze-Griesheim) gestellt worben Ereignisse unb Tatsachen ber

einem sich organisch entwickelnden Bilde traten Die Lützower Jäger, der Soldat aus dem Krieg 1870/71, der Stoßtrupp des Weltkriegs und schließlich die SA. als Kämpfer gegen den inneren Feind auf. Mit dem Deutschland- und Horst-Wessel-Lied sand die Reihe der Vorführungen ihren schönsten Ab­schluß.

Die Darbietungen waren besonders deshalb von starker Wirkung, weil sie durch das gesprochene Wort, durch Musik und Gesang sehr geschickt unter­malt wurden. Mit der Ausführung der Bilder folgte man der Anregung des Verlegers H. Robert; die Bearbeitung geschah durch Archivverwalter Ehr. Schweißguth, sowie durch die Historiker Dr. W.' Fühler und Dr. Hermann Otto Vanbei. Das Goetheorchester gab Musik aus jenen Zeiten, die in den Bildern ihren Ausdruck fanden. Die Auswahl hatte Kapellmeister Bräuer (Gießen) getroffen. Der Männerchor Grünberg und Mitglie­der des Kirchenchores (Gesamtleitung V. R o t h) vertieften mit passenden Liedern die Eindrücke, wäh­rend Berufsschullehrer Gengnagel in sehr ange­nehmer Form Verse zum Vortrag brachte, in Denen Die einzelnen Bilder mit dichterischem Schwung er­läutert wurden. Die Gedichte waren von Den Her­ren Dr. H. Buß (Gießen) und Erwin Stern (Grünberg) verfaßt worben. Die organisatorische Leitung hatte Ratsherr K. H. Pfeffer, Die tech­nische Leitung Architekt H. Balser und Fr S ch r ö D e r. Die Kostüme stammten von Fr. W u st in Frankfurt a. M. Nicht weniger Denn 120 Mtt- mirtenbe bemühten sich um Den großen Erfolg. Sie alle waren mit großem Ernst bei Der Sache. Ange- regt von all Den vielen Eindrücken Des Abends be­gab man sich nach Hause.*

Der Festsonntag wurde mit dem Wecken eingeleitet. In der Stadtkirche wurden em Fest- q o 11 e 5 b i e n ft gehalten. Im Laufe bes Vorrnit- taqs wie auch zu einigen Stunben bes Nachmit­tags war Gelegenheit gegeben, eine schone heimatgeschichtliche Ausstellung im Sitzungssaal bes Rathauses zu besuchen, die von

gescheiterten Bemühungen um eine enbgültige Eini­gung bes beutschen Volkes unb kam Dann auf Die Gegenwart zu sprechen. Er gab feiner Freude dar­über Ausdruck, baß sich deutsche Art in Oberhessen so stark erhalten habe. Die Feier des Jubiläums sei ein Zeugnis der Lebenskraft und der Lebens­freude.

Die Einheit fei errungen, lieber ein Jahrzehnt habe die NSDAP, einen unerhörten Kampf ge­kämpft um Die Seele eines jeDen Deutschen Men­schen. Dankbar müßten wir immer Der Vor­sehung sein, Die uns Den Führer gegeben habe. Der Dem Deutschen Menschen das Deutschbewußtsein lebendig werden ließ. Das deutsche Volk sei sich sei­ner Kraft bewußt geworden, gehe seinen Weg in geschlossener Einheit unter der Hand des Führers. In seinen weiteren Worten sprach der Redner von der Jugend, von den Pflichten der gegenwärtigen der kommenden Generation gegenüber, von den Pflichten der Jugend selbst und den Forderungen, denen sie gerecht'werden muß im Hinblick auf den Bestand der Natton für alle Zukunft. Wir alle müßten stets bereit sein, als Soldaten der Arbeit auf allen Gebieten zu wirken, müßten immer hinter dem Führer unb zu jebem Einsatz bereit stehen. Der Weg ber Kommenben fei burch ben Führer ge­sichert. Wir aber müßten immer bleiben, was wir waren: Solbaten Deutschlanbs, Solbaten bes Füh­rers. Damit werbe Deutschlanb geehrt und unsere Arbeit. Mit hellen Augen müßten wir vor uns sehen und immer Gefolgsmannen des Führers bleiben. (Anhaltender Beifall.)

Im weiteren Verlauf der Kundgebung übergab der Beauftragte des Präsidenten des Deutschen Gemeindetages,

Bürgermeister Linder, Frankfurt a. M., dem Bürgermeister der festgebenden Stadt (Brün» berg eine vom Deutschen ©emeinbetag zugebachte Porzellanplakette, bie bas Bilbnis bes Reichsfrei. Herrn vom Stein trägt. Der Ueberbringer biefer Ehrung für (Brünberg knüpfte an diese Heber-

Der erste Burgvogt von Grünberg im Festzuge.

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Bürgermeister Nab« mit seinen Ratsherren.

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