Nr. 362 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhesfen)Montag, ^.Dezember 1956
Was bringt der Winter?
Viel Schnee in den Bergen!
Von Walter Lammert.
Es hat schon seinen Grund, wenn die Bergbewohner, die Skihasen und die Winterurlauber jetzt mit besonderer Sorge zum Himmel schauen. Man muß bedenken, daß der Winter für die meisten Bewohner unserer deutschen Berge eine Einnahmequelle geworden ist, die den Lebensunterhalt für das ganze Jahr zu besorgen hat. Der Winter ist innerhalb der Saisonwirtschaft ein wichtiger Zeitabschnitt, und wenn Petrus, wie so häufig in den letzten Jahren, seine eigenen Wege geht und Schnee und Eis einfach vergißt, dann erleidet die Saisonwirtschaft große Ausfälle und zahllose Volksgenossen müssen unter diesen Auswirkungen schwer leiden. Die letzten Winter von 1931 ab find sämtlich relativ s ch n e e a r m gewesen, und namentlich hat die Hauptsaison, die von Dezemberende bis in den Februar dauert, vollkommen versagt. Wir haben in den letzten Jahren wohl mitunter schneereiche Früh- und Nachwinter gehabt, doch waren die Mittwinter ausgesprochen mild und vielfach auch auffällig niederschlagarm. So stark versagte die Wetterentwicklung, daß internationale Sportveranstaltungen in den bekannten deutschen Sportgebieten zu einer Zeit abgesagt werden mußten, in der man gewöhnlich mit 100prozentiger Sicherheit gute Schneelage erwarten kann. Derartige Störungen der auf lange Sicht erfolgten Dispositionen sind nicht nur im Interesse der sportlichen Veranstaltungen sehr bedauerlich, sondern bringen namentlich für die wirtschaftlich von diesen Veranstaltungen abhängigen Bewohner der Sportgebiete große Ausfälle und Enttäuschungen.
Diese Periode der schneearmen Winter dürfte beendet sein. Der Umschwung in der Großwetterlage erfolgte eigentlich bereits im letzten Winter, als in Parallele mit dem aufsteigenden neuen Sonnenfleckenmaximum, das ihm Jahre 1939 zu erwarten ist, um die Jahreswende plötzlich eine rege Niederschlagstätigkeit einsetzte, die anfangs zwar bei sehr warmen Temperaturen erfolgte, schließlich aber zu einem Wintereinbruch ausgesprochener Art führte. Namentlich die Olympischen Winterspiele im Februar 1936 wurden davon begünstigt, so daß sie einen glänzenden Verlauf nehmen konnten. Aber auch sämtliche übrigen mitteleuropäischen Sportgebiete erhielten damals für etwa zwei Wochen ideale Schneesport- verhältnisfe, woraus zu entnehmen war, daß es sich um einen grundsätzlichen Umschwung in der Wettertendenz handeln mußte. Allerdings begann schon im März, der gewöhnlich noch die besten Wintersportwochen im Hochgebirge bringt, ein neuer Rückschlag in die schneearme und milde Periode, so daß bis in 2000 Meter Höhe Tauwetter ointrat. Originellerweise brachte aber der April 1936 nochmals einen tiefen Wintereinbruch, meterhoher Schnee lag selbst in den Mittelgebirgen, doch war die Jahreszeit schon zu weit vorgeschritten, um den Wintersportler nochmals in die Berge zu locken.
Nach der Gesamtwetterlage der letzten Monate zu urteilen, die allerdings nur begrenzte Schlüsse für die' Zukunft gestattet, ist anzunehmen, daß die stärkere Niederschlagstätigkeit des vergangenen Sommers und Herbstes sich in den Winterwochen fortsetzt, wenn nicht sogar verstärkt. Es ist also nicht wie im vergangenen Winter um diese Zeit der Fall, daß eine ausgesprochene Trockentendenz herrscht, sondern man kann erwarten, daß die Bildung einer stabilen Grundschneedecke in den höheren Mittelgebirgen bis Weihnachten bereits erfolgt ist, während im vorigen Winter die Entwicklung dieser Schneedecke ja erst im Januar zögernd einsetzte.
Natürlich ist man nach diesen Ausführungen vielfach der Meinung, daß der Winter schon ziemlich streng werden müsse, um solche Erwartungen zu erfüllen. Diese Meinunng ist falsch. Der Charakter
des Winters in dieser Hinsicht hat kaum etwas mit der Schneelagenbildung in den für den Wintersport in Frage kommenden Gebirgen zu tun. Für die Schneelagenbildung kommt es einzig und allein in diesen Höhen auf den Niederschlagsreichtum als solchen an. Mag in der Ebene im Winter das Wetter im großen und ganzen mild verlaufen, eine Tatsache, mit der wir bei der Ausrichtung unseres Klimas mit 90 v. H. Wahrscheinlichkeit zu rechnen haben, so bedeutet dieses milde Wetter nach den Verhältnissen in der Ebene für die Gebirge von über 600 Meter Höhe etwas ganz anderes. Wir müssen berücksichtigen, daß die Lufttemperatur im Durchschnitt mit je 100 Meter Höhe um 1 Grad Wärme abnimmt. Wenn wir daher in der Ebene Regenwetter bei einer Durchschnittswärme von 6 Grad haben, so wird schon in einem Gebirge über 600 Meter Höhe — und so hoch find mindestens unsere sämtlichen Wintersportgebirge — der Regen in Schneeform fallen, weil hier parallel der Temperaturabnahme nach der Höhe 0 Grad Wärme gemessen werden. In einem solchen Falle wenden zum Beispiel der Oberharz, das Riesengebirge, der Schwarzwald und die gesamten bayerischen Berge Frost wetter aufweisen. Somit ist also eine Wetterlage, die in der deutschen Ebene trostlos aussieht, im Gebirge gar nicht so hoffnungslos, vielmehr verspricht sie in den höheren Lagen ausgiebig Schnee. Wenn wir nun weiter berücksichtigen, daß die normale Mitteltemperatur im deutschen Flachlande während der Hauptwintermonate Ibis 2 Grad Wärme, im Osteu 0 Grad Wärme beträgt, so läßt sich leicht ausrechnen, daß die entsprechenden Temperaturen für die bekannten deutschen Sportgebirge
alle unter Null liegen. Es kommt also gar nicht darauf an, daß der Winter im ganzen besonders kalt ift, um die Gewähr für einen guten Wintersport zu haben, sondern es kommt darauf an, daß der Winter niederschlagsreich ist, damit in den Gebirgen die Voraussetzungen für genügenden Schneefall vorhanden sind.
Es sei zugegeben, daß die Aussichten für die einzelnen deutschen Sportgebiete verschieden sind, und namentlich müssen die westdeutschen Sportgebiete wie das Hochsauerland und die Eifel und das Sportgebiet des Harzes in der norddeutschen Ebene in Rechnung stellen, daß sie am Einfallstor der milden ozeanischen Stürme liegen. Diese Gebirge haben eine Höhe von 500 bis 1100 Meter. Derartige Höhen gehören noch zu einer Luftregion, in der stärkere Wetterstürze wirksam werden. Demgegenüber sind die südostdeutschen und süddeutschen Sportzentren schneelagenmäßig begünstigt, zunächst deshalb, weil die von Westen herankommenden Wetterumschläge im tieferen Binnenland an Gewalt verlieren, kommt es doch oft genug vor, daß beispielsweise die schlesischen Gebirge von einem Wettersturz, der in Nordwestdeutschland Tauwetter bei 7 Grad Wärme brachte, gar nichts zu spüren bekommen. Im übrigen liegen die südost- und süddeutschen Plätzen im allgemeinen fo hoch, daß nur hoch geschichtete und sehr große Wärmewellen hier nachhaltigen Einfluß in Gestalt durchgreifenden Tauwetters erhalten.
Eine völlige falsche Meinung herrscht vielfach bezüglich des Gebirgswetters von dem Westwind als „Tauwind". Zweifellos bedeutet Westwind im Winter für die Ebene immer Tauwetter, sofern sich dieser Westwind mehr als 24 Stunden hält und vom offenen Meere feine Energie erhält. Für die Gebirgslagen ist aber diese Regel nicht zu verallgemeinern. Der Westwind, der in der Ebene im Januar etwa 7 Grad Wärme aufbringt, wird bei dem eingangs schon erwähnten Temperaturrückgang in 1000 Meter Höhe gar nicht mehr als Tau-
wind in Erscheinung treten, sondern dort lediglich eine Milderung des vorher strengen Frostes be» dingen. Diese Milderung bedeutet aber in der Regel nichts anderes als den Eintritt von Neuschnee- fällen, die ja nur zu begrüßen find. Eine wirkliche Gefahr für den Schneebestand der deutschen Schneesportgebirge bilden nur die schweren Orkan- wirbel des Nordatlantiks, die dank ihrer Gewalt Warmluftmassen bis in große Lufthöhen saugen, oder die Föhnwetterlagen am Westabhang von Hochdruckgebieten, die mit entsprechenden Tiefs über Frankreich und England im Zusammenhang stehen. Solche Wetterlagen verursachen insbesondere für die südwestdeutschen Gebirge den Ansog warmer Luftmassen aus dem Raum jenseits der Alpen, die denn als Föhnwinde von ungewöhnlicher Wärme mit dem Schnee bis in die höchsten Lagen aufräumen. Aber diese Föhnwetterlage hat entsprechend der gesamten damit verbundenen Wettersituation wieder die Eigenschaft, nach höchstens zweitägiger Dauer ins gegenteilige Extrem umzu- schlagen.
Insgesamt können wir in diesem Winter jedenfalls mit erheblich besseren Schneesport- Verhältnissen rechnen als in den letzten Jahren und selbst für den Fall, daß der Winter 1936/37 so milde wie der letzte — was allerdings kaum anzunehmen ist, — so wird die erhöhte Neigung zu Niederschlag in den Höhenlagen der Sportgebirge ausreichenden Schnee besorgen. Sicherlich ist ein kalter Winter insofern für die Schneesportau?sichten besser, als damit die bei milden Wintern zwangsläufigen Tauabschnitte ausbleiben. Aber derartige ideale Winter sind in dem ozeanisch beeinflußten Klima Mitteleuropas außerordentlich selten, und daher wollen mir uns schon mit der Hoffnung zufrieden geben, daß der Schnee in diesem Winter in den Gebirgen ein ständiger Gast bleibt, während am vergangenen Jahreswechsel auf der Alm die Blumen blühten. In diesem Sinne „Ski Heil!"
feierliche Vereidigung des Prinzen Bernhard im Haag.
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Feierlich wurde der Verlobte der holländischen Kronprinzessin, Prinz Bernhard zur Lippe-Biesterfeld, auf dem Maliefeld im Haag vereidigt. Der Prinz war durch die Königin zum Leutnant zur See 1. Klasse, zum Hauptmann der niederländisch-indischen Wehrmacht und zum Rittmeister des Königlich niederländischen Heeres ernannt worden. Links sieht man den Prinzen in der Uniform der blauen Husaren und rechts Königin Wilhelmine und die Kronprinzessin Juliane während des Vorbeimarsches der Abteilungen aller Waffengattungen, die der Vereidigung beigewohnt hatten. — (Presfe-Bild-Zentrale-M.)
Gießener Stadttheater.
Nico Dostal: „Prinzessin Nofretete."
Die große und reiche Kultur der alten Aegypter ist durch die einige Jahre nach dem Kriege erfolgten Ausgrabungen von Luxor zu einer (allerdings oberflächlichen) Volkstümlichkeit gekommen, wie sie kaum einem andern antiken Kulturkreise jemals beschieden gewesen ist. Insbesondere die Gestalt des Königs Tutanchamon stand eine Zeit lang im Brennpunkt des öffentlichen Interesses; später wurde die junge ägyptische Fürstin Nofretete, deren zarte und schöne Porträtbüste in zahllosen Abbildungen verbreitet ist, noch populärer, — ohne daß man freilich mehr als den Namen und das Bild der Aegypterin kennen lernte.
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Niemand wird erwarten, in einer Operette darüber hinaus Aufschlüsse zu erhalten. Die Textbuch- verfasser Rudolf Köller und Nico D o st a l hatten auch gewiß nicht den Ehrgeiz, sich mit der ägyptischen Königsgeschichte im allgemeinen und mit dem Schicksal der Nofretete im besonderen ernsthaft zu befassen. Ihnen war es in erster Linie um die mancherlei Anregungen zu tun, die von der klassischen Kultur des Nillandes für eine großzügige Ausstattung zu gewinnen waren. Außerdem haben sie sich ein'romantisches Zwischenspiel zwischen dem ersten und zweiten Akt ausgedacht, das, im Jahre 3000 vor Christus im Schatzhause des Rampsinit, ein phantastisches Liebesabenteuer der Prinzessin Nofretete zum Besten gibt. Dieses Zwischenspiel, mit der Rahmenhandlung des ersten und zweiten Aktes nur locker verbunden, dient dazu, um mit Hilfe geheimnisvoller Weissagungen und traumhafter Erlebnisse in der von einer englischen Expedition erschlossenen Grabkammer ein modernes Liebespaar feinem Glück zuzuführen und die sehr materiell begründeten Heiratsprojekte eines geschäftstüchtigen Verwandtenanhangs zunichte zu machen.
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Die Operette ist ein ausgesprochenes Ausstattungsstück, das sich an das Schaubedürfnis des Besuchers wendet und sich mit sinnfälligen Bild- und Klangwirkungen zur Geltung bringt. Dem entspricht die Musik 'von Nico Dostal, die verhältnismäßig breit und üppig instrumentiert ist und sich durch exotische Klangmalerei und rhythmische Figuren auszeichnet, welche etwa gelegentlich die eindringliche Eintönigkeit des afrikanischen Signaltrommelsystems nachzuahmen scheinen. Daneben ist für die mehr gefühlsmäßig betonten Partien auch eine gesang
lich-weiche Linienführung in der Partitur heraus- gearbeitet. ♦
Herr Wrede leitete die Inszenierung; er hatte, dem Charakter der Operette entsprechend, seine Aufgabe vornehmlich darin gesehen, der Handlung einen phantastisch-großzügigen und fremdartigen Rahmen zu geben und das so gewonnene szenische Bild durch den straff bewegten Einsatz großer Gruppen lebendig zu gestalten. Dem Bühnenbildner, Herrn Löffler, boten die ägyptischen Motio- anflänge der modernen Fabel reiche Anregungen; dies kam besonders dem ersten Bilde — Fellachendorf bei Luxor — mit Pyramiden, Palmen und riesiger Sphinx unter einem blendenden Tropenhimmel stimmungsvoll und stilgerecht zugute; auch das Schatzkammerabenteuer im Zwischenspiel war verschwenderisch ausgestattet und durch Lichteffekte (Remigius Konen) gesteigert. Die reiche und phantafievolle Kostümierung besorgte Sophie Buchner.
Am Pult waltete umsichtig Kapellmeister Hans H. Hampel, der die Farbenfreudigkeit und die ursprüngliche Fülle der Partitur sich ungehemmt entfalten ließ. Bemerkenswert hoben sich innerhalb des gesamten Klangkörpers die unter Führung von Herrn Bräuer kräftig und exakt einsetzenden Chöre heraus. Die Tanzgruppe hatte ebenfalls reichlich Gelegenheit, unter dem Kommando ihrer Ballettmeisterin Irmgard Zenner, die im Zwischenspiel den Tanz der Modekönigin als Einlage vorführte, ihr Können einzusetzen.
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Die Verbindung von Rahmenhandlung und Zwischenspiel bringt es mit sich, daß die wichtigsten Figuren der Operette in Doppelrollen erscheinen. Ilse Castus betreute die angelsächsisch blonde und kühle Miß Claudia Callagan und die äthiopisch- kokette Prinzessin, die gelegentlich ein wenig an die Anitra erinnerte, in einer Person und entfaltete die Partie gesanglich vornehm auf großer Linie sicher und mühelos. Paulus K u e n (Dr. Eklind und Arnar) konnte die klare und ungebrochene Höhe feines gepflegten Organs sympathisch ausstrahlen lassen. Fräulein F o r.n a 11 a z und Herr Lindt stellten mit Humor und'beweglichem Temperament das obligate zweite Paar und sanden mit ihren Tänzen viel Anklang. Eine witzige Verwand- lungsstudie bot Herr Frickhoeffer als Dolmetscher Abu Assam, während Herr Geißler und Frau Stirl mit gedämpfterem Humor die ältere Generation aus Europa vertraten. —
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Das Haus war am zweiten Feiertage gut besucht; das dankbare Publikum klatschte mehrere Wiederholungen heraus. Thyriot.
„Truxa."
Gloria-Palast.
Nach dem Roman „Programm mit Truxa" von Heinrich Seiler schrieb Hans H. Zerlett das Drehbuch für den Film, den er selbst in Szene gesetzt hat, und der ein immer wieder fesselndes, auch für die Kamera reizvolles und brauchbares Thema behandelt: die bunte, bewegte und vielgestaltige Welt der Artisten, der mindestens für den Außenstehenden romantische Betrieb auf der Bühne und hinter den Kulissen eines weltstädtischen Varietes bilden den Rahmen für eine Handlung, in der eigentlich alles enthalten ist, was man von einem „richtigen" Spielfilm erwartet: Liebe und Eifersucht, sensationelle Effekte, Kampf zweier Männer um eine schöne Frau, nicht nachlassende Spannung, komisches Zwischenspiel, Tempo, Betrieb und Ausstattung, dazu ein nach den herkömmlichen Begriffen guter Ausgang. Die Variets-Aufnahmen, die einen breiten Raum einnehmen, wurden im Berliner Wintergarten gedreht; im Wintergarten ist unter dem traditionellen Sternhimmel seit jeher etwas geboten worden, und so bekommt man ein ausgewachsenes Programm hübscher Nummern zu sehen, unter anderem sogar den berühmten und immer wieder erörterten indischen Seiltrick. Fast ebenso beliebt ist die Kehrseite eines solchen Betriebes, der Blick in die Garderoben, auf die Probebühne, auf die Beleuchterbrücke, ins Direktorzimmer und ins Artistenhotel — ins Privatleben der Leute, die da ein paar Wochen lang jeden Abend im Scheinwerferlicht stehen und arbeiten und bei der Arbeit, die ungefähr eine Viertelstunde dauert, immer aufs neue ein Engagement, einen internationalen Ruf und vielleicht sogar Gesundheit, Kopf und Kragen riskieren — wie Truxa, der hoch oben auf dem Drahtseil den Salto dreht, eine Attraktion allerersten Ranges. Dieser Salto ist im wahren Sinne des Wortes der springende Punkt nicht nur dieser Nummer, sondern überhaupt des ganzen Films, denn der Salto mißlingt immer wieder, und Truxa ist gar nicht der richtige Truxa. sondern ein ehrgeiziger und begabter kleiner Vorstadtartist, dem der echte, der berühmte Truxa seinen Namen und seine Verträge geschenkt hat: warum und wieso, und was die Tänzerin Pester und der Illusionist Gar- vin dabei für eine Rolle spielen, erzählt der Film, lebendig, unterhaltsam und spannend, und das mag sich jeder selbst ansehen. Der Regisseur Zerlett! erkannte und nutzte die vielfältigen Möglichkeiten 1 und Anregungen, die sich aus dem Thema ergaben: das hat alles Tempo, Schmiß und Schwung, und i der Kameramann Friedl Behn-Grund hat mit
leichter Hand und sicherem Blick die entscheidenden Szenen herausphotographiert und zueinander in Beziehung gesetzt. Hannes Stelzer, der in „Trau- mulus^ neben Jannings seine erste große Filmrolle hatte, spielt den falschen Truxa, sympathisch, ohne Pose, angespannt von Ehrgeiz und Energie. Fritz Fürbringer gibt mit sparsamen Mitteln sehr eindringlich den Illusionisten Garvin. Psychologisch treffend erfaßt, auch geschickt in der Maske: Peter E l s h o l tz als echter Truxa. Eine hübsch abgerundete komische Charge bringt Rudi Godden als Inspizient. L a Jana, fabelhaft gewachsener Tanzstar von internationalem Renomme, ist die berühmte und begehrte Pester. Auch Klein-Rogge, Mady R a h l, Hans S ö h n k e r und Eva Tinsch - mann sind mit guten Leistungen zu nennen. Dazu die Argentinas, Geschwister H ö p f n e r und Julius A. E ck h o f f vorn Berliner Opernballett. Nicht zu vergessen die spritzige Musik von Lea Leux. — (Tobis Europa.)
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Im Beiprogramm: ein interessanter Kulturfilm aus Rumänien, die neue Wochenschau und auf der Bühne Fred I a n z, der mit der Klarinette und humoristischen Vorträgen das Publikum zum Lachen bringt. Thyriot.
Dattelernte.
Für uns ist die Dattel eine Näscherei. Aber wer, so führt F. R. Hecker in „Reclams Universum" aus, in die einsamen Oasen der Lydischen Wüste reitet, der merkt, daß sie nicht ein Nebenbei ist, sondern d i e Nahrung des Armen und des Reichen. Vom Ausfall einer Ernte kann Not und Verderben eines Volkes abhängig fein. Man gibt den Dattelpalmen den letzten Tropfen Wasser, betet in den Moscheen um schnelles Reifen der Früchte. Kommt der Tag des Aufbruchs der Erntekarawane heran, dann gleicht die Stunde, wo die Kamele angetrieben werden, dem größten Volksfest. Die Kamelreiter werden geschmückt, und man wartet dann Tag für Tag und sieht in das große Schweigen der Wüste, bangend um die Antwort derer, die in den fernen Oasen die Früchte ernten. Kommen sie zurück und melden, daß die Ernte glatt geht, daß gute Früchte zu erwarten sind, dann ehrt man sie und feiert. Kehren sie aber erschöpft zurück und sagen, daß ein Sandsturm die Früchte verschüttet hat, dann bricht unter den Arabern fanatisch» Trauer aus. Die Frauen raufen sich die Haenv, schlagen sich die Körper blutig. Hab die Kinder laufen klagend durch die engen Gassen der arabischen Ortschaften.


