Ausgabe 
28.12.1936
 
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Hr. 302 Erstes Blatt

186. Jahrgang

Montag, 28. Dezember 1636

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Der deutsche Ilottenbau

Von Kapiianleuinant A. Wols.

Die bevorstehende Jahreswende bietet willkomme­nen Anlaß, den Aufbau der deutschen Flotte, wie er sich seit dem Abschluß des deutsch- enalischen Flottenabkommens vom 18. Juni 1935 gestaltet hat, einer Betrachtung zu unterziehen. Brachte das Jahr 1935 die Jnbaugabe der ersten Baurate von Schlachtschiffen, schweren Kreuzern, großen Zerstörern und Unterseebooten, Einheiten also, die das Versailler Diktat Deutsch­land ausdrücklich verbot, begann sich im Jahre 1936 die Befreiung von jenen unwürdigen Fesseln sichtbar auszuwirken. Die Schlachtschiffe Scharnhorst" undGneisenau" liefen am 3. Oktober in Wilhelmshaven bzw. am 8. Dezem­ber in Kiel in Gegenwart des Führers und Ober­sten Befehlshabers der Wehrmacht vom Stapel. Damit find zum ersten Male seit dem Weltkriege wieder Großkampfschiffe von deutschen Hel­lingen gelaufen, Zeugen deutscher Großmachtstel­lung auch zur See.

Gleichzeitig wurde der Bau der kleineren Einheiten tatkräftig gefördert. Der Ende Sep­tember 1935 gebildeten U-Flottille Wed­digen folgte Anfang Oktober 1936 die zweite U n t e r s e e b o o t s f l o t't i l» e, der der Führer den Namen UnterseebootsflottilleSaltz- wedel" verlieh. In diesen beiden Flottillen sind die inzwischen fertiggestellten Unterseeboote zusammen­gefaßt, und zwar die 250-Tonnen-Boote in der 0-FlottilleWeddigen", die 500-Tonnen- und 712- Tonnen-Boote in der 0-FlottilleSaltzwedel". Die Zerstörer sind gleichfalls zu Wasser und gehen ihrer Fertigstellung entgegen, während die ersten Kreuzerneubauten vor dem Stapellauf stehen.

Es sei an dieser Stelle betont, daß es sich hier­bei sämtlich um Einheiten handelt, die mit dem deutschen Bauprogramm vom 8. Juli 1935 b e - kanntgegeben wurden. Das Programm für 1935 umfaßte insgesamt zwei Schlachtschiffe (Scharnhorst" undGneisenau") zu je 26 000 Ton­nen mit neun 28-Zentimeter- und zwölf 15-Zenti- meter-Geschützen, zwei schwere Kreuzer (G. u. H.) zu je 10 000 Tonnen mit acht 20,3-Zentimeter-Ge- schützen, 16 Zerstörer (Z 1 bis Z 16) zu je 1625 Tonnen mit fünf 12,7-Zentimeter-Geschützen und acht 53,3-Zentimeter-Torpedorohren in Vierlings­aufstellung und schließlich 28 Unterseeboote. Hiervon entfielen 20 Boote auf die 250-Tonnen-Klasse mit einem Maschinengewehr und drei 53,3-Zentimeter- Torpedorohren, sechs Boote auf die 500-Tonnen- Klasse mit einem 8,8-Zentimeter-Geschütz, einem Maschinengewehr und fünf 53,3-Zentimeter-Tor- pedorohren, zwei Boote auf die 712-Tonnen-Klasse mit einem 10,5-Zentimeter-Geschütz, einem Maschi­nengewehr und sechs 53,3 - Zentimeter - Torpedo­rohren.

Diese 48 Einheiten verfügen zusammen über. 107 000 Tonnen. Der deutsch-englische Flottenvertrag leat nun für den Gesamtumfang der deutschen Fjotte ein Verhältnis von 35:100 zur britischen Ge­samtflotte fest. Nach dem britischen Vertragsstande von 1935 entfällt auf Deutschland eine Gesamt­tonnage von etwa 420 000 Tonnen. Daraus ist er­sichtlich, daß für weitere deutsche Neu­bauten noch eine recht umfangreiche Tonnage zur Verfügung steht, auch dann, wenn die unter den Versailler Bindungen gebauten Schiffe, wie dies im Vertrag vorgesehen ist, in die Rechnung mit ein­bezogen werden. Sie seien der Vollständigkeit halber aufgeführt. Es handelt sich hierbei um die drei Panzerschiffe derDeutschland"-Klasse zu je 10 000 Tonnen, fünf Kreuzer (K-Klasse,Leipzig" und Nürnberg") zu je 6000 To., ein Kreuzer (Emden") zu 5400 To., zwölf Torpedoboote (Möwe"- und ,,Wolf"-Klasse) zu je 800 To., oder, anders ausge­drückt, um 21 Einheiten mit insgesamt 75 000 To. Zu den Zahlen des Bauprogramms von 1935 hin­zugerechnet, ergibt sich nach dessen endgültiger Fer­tigstellung ein Bestand von 69 Einheiten mit zu­sammen 182 000 To., was, tonnagemäßig gesehen, noch wesentlich unter der Hälfte des verfügbaren Gesamtraumes steht.

In planmäßiger Fortsetzung des Aufbaus sind deshalb im Jahre 1936 weitere Schiffe und Fahr­zeuge auf Stapel gelegt worden.. In der Klasse der Schlachtschiffe befindet sich eine Einheit von 35 000 To. Wasserverdrängung im Bau. Die Größe zeigt nach dem Grundsatz der Gleichberechtigung die in den gültigen Verträgen festgesetzte und bei den führenden Seemächten (z. B. England, USA., Frankreich, Italien) vorgesehene bzw. durchgeführte Höchsttonnage. Erstmalig ist in Deutschland in diesem Jahre nun auch ein Flugzeugträger in Bau gegeben worden. Seine Wasserverdrängung beläuft sich auf 19 250 To. Auch in der K r e u zer- klasse ist ein weiterer Neubau von 10 000 To. auf Stapel gelegt worden, während bei den Zer­st ö r e r n unter Steigerung der Einzeltonnage auf 1811 Tonnen eine zweite Serie von sechs Einheiten sich auf den Hellingen befindet. Die U-Bootskategorie verzeichnet jetzt vier Neubauten zu 250 To. und 500 Tonnen. Insge­samt handelt es sich also um 1 7 Einheiten mit rund 78 000 Tonnen.

Gehörten die bisher behandelten Schiffstypen zu den Kriegsschiffen I. Ordnung, die vertraglicher Bin­dung unterliegen, so sei im Folgenden noch kurz auf die vertraglich nicht gebundenen Kriegsschiffe H. Ordnung, Hilfs- und Spezialschiffe ein­gegangen. Im Vordergrund stehen hier die klei­neren Torpedoboote von 600 To., von denen sich 12 (TI12) im Bau befinden. Es folgen die Flottenbegleiter, d. s. größere seegehende Minensuchfahrzeuge, die, wie der Name sagt, Flot­tenoerbände in See begleiten, um ihnen Minen- fchutz zu gewähren. Bisher sind 10 (F 1 F 10) dieser 600 To. großen Fahrzeuge, die mit 2- bis 10,5-

Internationale Hilfe für die spanischen Bolschewisten.

Oer Einsatz der Internationalen Brigade. Sowjetrußland liefert Flugzeuge, Tanks und Kanonen. Ein aufschlußreicher Bericht des englischen Neuterbureaus.

London, 27. Dez. (DNB.) In welchem Um­fange die bolschewistischen Machthaber in Spanien militärisch durch Sowjetrußland un­ter st ü tz t werden, geht aus einem Pariser Reu­te r b e r i cht hervor, der zum erstenmal auf diese in der englischen Presse mit ungewöhnlicher Zu­rückhaltung behandelte Frage hinweist. Reuter gibt in seinem Bericht offen zu, daß die Bolschewisten ausgiebig vom Auslande unterstützt worden seien. Was die Mannschaften anlange, so hätten sie im Gegensatz zu General Francogenügend Ka­nonenfutter zur Verfügst n g". Was ihnen fehle, seien jedoch ausgebildete und disziplinierte Truppen. Diesem Mangel sei nunmehr teilweise durch dieberühmte" Internationale Bri­gade abgeholfen worden, die aus Bolsche­wisten von einem Dutzend Völkern be­stehe. Ihre rechtzeitige Ankunft habe, so glaube man, die Hauptstadtgerettet", nachdem die schlecht ausgebildete Miliz infolge ihrer ständigen Nieder­lagen demoralisiert gewesen sei. Die Stärke der Internationalen Brigade werde nach dem Reuter- Bericht auf etwa 7 0 0 0 Mann geschätzt. Sie sei gut ausgerüstet und bewaffnet, hätte aber schwere Verluste bei den Kämpfen um die Universitätsstadt erlitten. Die Bolschewisten seien im übrigen mit folgenden ausländischen Waffen versehen:

A. Flugzeuge.

Die meisten Flugzeuge seien sowjetrussische Maschinen, bei denen drei Typen vorherrschen: zunächst einsitzige Kampfflugzeuge mit einer Geschwindigkeit von über 400 Stundenkilo­metern, sodann z w ei - und dreisitzige Zwei- decker, die als leichte Bomber benutzt würden und mit vier Maschinengewehren versehen seien. Drittens schwere Bomber, die in Sowjetruß­land hergestellt seien, und zwar nach dem Douglas- Patent. Diese Maschinen seien gepanzert und wükden von Sowjetrussen gesteuert. Außerdem besäßen die Bolschewisten eine Anzayl britischer Fairy-Kampfeinsitzer, sowie fran­zösische Breguet- und Devoitine- Kampfeinsitzer und zahlreiche andere Typen.

B. Tanks.

Hier sind drei Gruppen zu unterscheiden: zunächst Panzerwagen; sie seien in Spanien hergestellt worden und taugten nicht viel. Dann leichte Tanks, die sowjetrussischer Herkunft seien und eine Besatzung -von drei Mann mit zwei Maschinengewehren hätten. Sie entwickelten eine

Geschwindigkeit bis zu 60 Kilometer auf Straßen, hätten aber nur eine beschränkte Möglichkeit, Hin­dernisse zu überwinden. Endlich wlttelschwere Tanks, ebenfalls sowjetrussischer Her­kunft. Es soll sich hier um einen interessanten Typ handeln, der sowohl über Raupenketten als auch über Räder verfüge. Er sei gut ausge­rüstet und könne sich schnell bewegen. Diese Tanks hätten auch sowjetrussische Besatzungen Ein sowjetrussischer General kommandiere das Tank­korps.

C. Artillerie.

Die Bolschewisten verfügten über eine Anzahl von 7,5- und 12-cm-Geschützen, die der früheren spanischen Armee gehört hätten. Kürzlich hätten die Bolschewisten jedoch mindestens 80 mo­derne sowjetrussische Kanonen von glei­chem Kaliber erhalten. Französische Offi­ziere befehligten den größten Teil der Artillerie.

D Maschinengewehre

Hier behauptet der Bericht, daß die Bolschewisten zum größten Teil das veraltete englischeHotch- k i tz - G e w e h r verwendeten, das sich aber im Schützengraben gut bewähre.

E. Tankabwehrkanonen.

Bis vor einem Monat hätten die roten Macht­haber nichts zur Abwehr der gegnerischen Tanks gehabt. Nunmehr besäßen sie jedoch eine ganze An­zahl ausgezeichneter sowjetrussischer, zwei- pfündiger Schnellfeuergeschütze, die schwersten Schaden unter den gegnerischen Tanks angerichtet hätten. Diese Geschütze ließen sich auch als Flugabwehrkanonen benutzen und würden meist von Sowjetrussen bedient.

F. Kleinfeuerwaffen

Es würden alle Arten von Gew-ehren verwendet, Mauser (spanische, französische Lebel- Gewehre, Martini-Gewehre usw.). Außerdem besäße die Internationale Brigade eine Anzahl briti­scher Levis-Gewehre (kleine Maschinen­gewehre).

G. Transportmittel.

Vor einigen Wochen seien etwa 250 Kraft­wagen in Madrid eingetroffen, während sich die Bolschewisten bisher auf beschlagnahmte Transport­mittel hätten beschränken müssen.

Deutscher Dampfer von spanischen Voischennsten beschlagnahmt.

Berlin, 27. Dez. (DNB.) Amtlich wird mit- geteilt: Nach eingegangenen Nachrichten haben rote spanische Seestreitkräfte den deutschen DampferPalo s der Oldenburg-Portugiesischen Dampfschiffahrtsgesellschaft außerhalb der spanischen Hoheitsgewässer in der Nähe von Bilbao beschlagnahmt und nach Bil­bao eingebrach l.

Der Dampfer befand sich auf der Fahrt von Hamburg über Rotterdam nach spanischen Häfen. Die Ladung besteht nach einwandfreien Feststel­lung weder aus mittelbarem noch aus unmittelbarem Kriegsmaterial. Die notwendigen TNaßnahmen zur Freilas­sung des Dampfers sind eingeleitet. Ls wird erwartet, daß vor Inkrafttreten dieser TNaßnahmen die roten Machthaber sich dazu verstehen werden,

den völlig unberechtigt aufgebrachten Damp­fer mit unversehrter Ladung und den drei an Bord befindlichen Passagie­ren freizulassen.

Die Freiwilligenfrage in Spanien.

Berlin, 27. Dez. (DNB.) Wie wir erfahren, haben die englische und die französische Regierung die beteiligten anderen Mächte auf die Bedeutung der Freiwilligen frage in Spanien hingewiesen, die in dem Londoner Embargo-Ausschuß bereits seit einiger Zeit erörtert wird. Bekanntlich hat die R e i ch s r e g i e r u n g ihrerseits schon vor mehreren Monaten diese Fragen als das wichtigste Problem der Einmischung in die spanischen Angelegenheiten be­zeichnet.

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Zentimeter - Geschützen und Flugzeugabwehrwaffen ausgerüstet sind, gebaut und zum Teil fertiggestellt worden. Als Ersatz für die noch aus der Kriegs­zeit stammenden Minensuchboote befinden sich 12 neue (Ml M 12) eines etwas größeren Typs auf Stapel, desgleichen einige Schnellboote (Motortorpedoboote) und Minenräumboote. Von größeren Spezialfchiffen ist das Artillerieschulfchiff Brummer" zu Beginn und das Segelschiff H o r ft Wessel" im Herbst dieses Jahres in Dienst gestellt worden.

Die gegebenen Zahlen zeigen, daß der deutsche Flottenbau zwar stetig und unter Berücksichtigung aller für eine moderne Flotte benötigten Klassen fortschreitet, sie beweisen aber auch die klare Innehaltung der freiwillig einge­gangenen vertraglichen Verpflichtun­gen. Es wäre für die immer wieder auftauchen­den Kritiker im Ausland nicht eben schwer, sich bei Zugrundelegung des britischen Standards den zu­künftigen Umfang der deutschen Seerüstung selbst vor Augen zu führen, ohne sich verpflichtet zu sehen, in jedem deutschen Schiffsneubau sofort eine Ge­fährdung des Weltfriedens zu erblicken und dieser Sorge mit durchweg recht unwahrscheinlichen Be­gründungen Ausdruck zu verleihen.

Der erste Ausbau wird in etwa sechs Jahren seinen Abschluß gefunden haben. Der zur Verfü­gung stehende Raum wird dann unter Einbezie­hung derDiktatbauten" mit fünf Schlachtschiffen, drei Panzerschiffen derDeutschland"-Klasse, zwei Flugzeugträgern, 14 (schweren und leichten) Kreu­zern und 40 Zerstörern und Torpedobooten an­nähernd ausgenutzt sein. Hinzu tritt die ll-Boots- roaffe, die grundsätzlich bis zum vollen Effektiv­bestand der britischen ausgebaut werden kann. Deutschland hat sich jedoch auch hier freiwillig mit 45 v. H. der englischen Tonnage begnügt. Dieser aufrichtige Wille zur Verständigung, verbunden mit dem bisher einzigen Beispiel für eine wirksame Rüstungsbegrenzung sollte geeignet sein, auch die übrigen Mächte von der Durchführbarkeit dieser deutsch-englischen Bestrebungen zu überzeu­gen. Andererseits kann Deutschland auf den Bau einer Flotte von dem geschilderten Ausmaß keines­falls verzichten, umso weniger, als aus dem Osten Europas immer unverhülltere Drohungen herüber­klingen. Die Rede, die der Chef der fowjetrufsifchen Seeftreitkräfte, Orlow, auf dem VIIL Rätekon­greß gehalten hat, dürfte jedem die Augen über die Ziele Moskaus auch hinsichtlich feiner See­rüstung geöffnet haben. Wenn Orlow z. B. die Vermehrung der russischen U-Boote, gemessen am Stande vom 1. Januar 1933, mit 715 v. H. angibt, so ist die Gesamtzahl der U-Boote, über die Ruß­land heute in fertigem Zustand verfügt, mit 150

I nicht zu hoch, sondern eher zu niedrig gegriffen. Das bedeutet, daß Sowjet rußland die bis­lang größte Unterfeebootmacht, Frankreich, weit überflügelt hat. Wird ferner in Rechtnung gestellt, daß Rußland u. a. mit dem Bau von mindestens zwei Schlachtschiffen zu 35 000 und mindestens 7 schweren Kreuzern sich nunmehr auch größeren Schiffskategorien zuge­wendet hat, so darf im Hinblick auf die Systematik, mit der die rote Armee und Luftwaffe aufgebaut worden sind, diese neue Rüstungsdrohung nicht geringer eingeschätzt werden. Damit aber gewinnt gerade die deutsche Seemacht eine ganz besondere Bedeutung. Ihr wird neben der Garantie für die Sicherheit der deutschen Seeoerbindungen und See­grenzen die Aufgabe zufallen, einen bestimmenden Faktor für das Gleichgewicht der Kräfte im euro­päischen Mächtekreis zu bilden.

Generaloberst

Vertin, 27. Dez. (DNV.) Am Sonntagnach­mittag verstarb im 71. Lebensjahr nach kurzer Krankheit ganz unerwartet Generaloberst a. D. hans von Seeckt. Der Führer und Reichs­kanzler hat an die Gattin des verstorbenen Generalobersten von Seeckt folgendes Telegramm gerichket:Ew. Exzellenz bitte ich anläßlich des schweren Verlustes, der Sie und das ganze deutsche Volk betroffen hat, meine aufrichtig st e Teilnahme entgegennehmen zu wollen. Der Generaloberst von Seeckt wird in unserer Geschichte als großer Soldat wei­terleben.

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Generaloberst a. D. von Seeckt wurde 1866 als Sohn des nachmaligen Generals der Infanterie von Seeckt, in Schleswig geboren und auf den Gymnasien zu Detmold und Straßburg im Elsaß erzogen. Im Alexander-Garde-Gr e- nadier-Regiment begann er als Fahnen­junker seine militärische Laufbahn, die ihn im Jahre 1899 erstmalig in den General st ab führte. Nach den üblichen Frontkommandos als Kompaniechef und Bataillonskommandeur des Fü­silier-Regiments Nr. 39 (Düsseldorf) und des Badi­schen Leibgrenadier-Regiment Nr. 109 (Karlsruhe) kam er 1913 als Chef des Stabes zum 3. Armee­korps nach Berlin. Gleichzeitig erfolgte feine Be­förderung zum Oberstleutnant. Als Chef des Stbes des 3. Armeekorps unter General von Lochow rückte er im August 1914 aus, nahm an dem Vormarsch der Armee Kluck und dann an

England baut das größte Schlachtschiff der Welt.

London, 28. Dez. (DNB. Funkspruch.) Nach demDaily Expreß" wird England außer den beiden SchlachtschiffenKing Ge­orge V." undPrinz o f Wale s", die im nächsten Monat auf Kiel gelegt werden, nach dem Ablauf der Washingtoner und Londoner Flotten­verträge noch ein weiteres Schlachtschiff bauen lassen, das bei einem Kostenaufwand von 8 Millionen Pfund das größte Schlachtschiff der Welt werden soll. Das bisher größte Schlachtschiff Englands ist dieR o d n e y" mit 33 900 Tonnen, wählend die 42 000 Tonnen großeH o o d" ein Schlachtkreuzer ist.

von Geeckt f.

den Stellungskämpfen an der Aisne teil. Die Kämpfe bei S o i f f o n s vom 9. bis 12. Januar 1915 waren von ihm vorbereitet worden. Ende Ja­nuar 1915 wurde er Oberst und einige Zeit später

Chef des Stabes der 11. Armee (von Mackensen). Als solcher bereitete er den Felbzug in Galizien und Rußland vor, der mit der Durch» bruchsschlacht bei Gorlice am 3. Mai 1915 be­gann. Seine Verdienste hierbei wurden durch die schon im Juni 1915 erfolgte Beförderung zum Ge-