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Ur. 253 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)Mittwoch, 28. Oktober (936

Aus dem Reiche der Krau.

Mr schlachten einen Kürbis.

Von Krida Aisch, Bad-Nauheim.

Der Stolz des Gartens, der große Kürbis, soll sein Leben lassen. Aber, o weh! Er wiegt fast einen Zentner! Wohin mit ihm? Wir spalten ihn aus­einander und nehmen die Körner heraus. Ihr Inneres schmückt später alsKürbismandeln" unfern Weihnachtspfefferkuchen. Am schnellsten müssen die inneren Weichteile des Kürbis beseitigt werden. Sie finden im Kürbisreis als Eintopf ihre gute Verwendung. Aus einer Tasse Reis kochen wir mit vier Tassen-Milch und einer Tasse Wasser und etwas Salz einen Brei. Etwa 500 bis 600 Gramm weiches Kürbiseingeweide wird feingeschnitten, die Fasern immer die Quere durch, und mit so wenig als möglich Wasser zu Brei gekocht. Dieser wird durchgeschlagen und unter den Reis gerührt. In alles kommt ein Stück Butter, eine Handvoll süßer und fünf gehackte bittere Mandeln. Die Suppe wird, dick mit Zucker und Zimt bestreut, gereicht.

Kürbissuppe II. Der wie oben fein geschnit­tene Kürbis wird in wenig Wasser weichgekocht, durchs Sieb gerührt und mit Zitrone und Zimt ge­würzt. Dann läßt man ein bis zwei Löffel Grieß zum Binden darin mitkochen. An die fertige Suppe gibt man V\ Liter leichten Weiß- oder Apfelwein, der mit einem Teelöffel Hellem Honig verrührt ist. Man kann auch Apfelsüßmost nehmen, muß dann aber die fehlende Säure durch Zitronensaft ergänzen. Zum Schluß mit Zucker abschmecken.

Die festen Teile des Kürbis schneiden wir in fingerdicke Scheiben und schälen sie ab. Einen Teil derselben formen wir mit einem Ausstecher zu Kügelchen. (Abfälle in die Suppe.) Heber Nacht legt man sie in Essig. Dann kocht man eine kleine Tasse Essig mit einem Stückchen Zimt, zwei finger- gütSüangen Stückchen Ingwer, eine halbe Zitronen­schale und 300 Gramm Zucker auf, gibt 500 Gramm Küi'biskugeln dazu, läßt sie langsam glasig werden sie dürfen nicht fusseln! nimmt sie heraus und füllt sie in Gläser. Dann muß der Saft noch etwas einkochen, abkühlen und wird dann aufgefüllt. Die Gläser werden mit Glaspapier verschlossen.

W e i n k ü r b i s. Wir legen die briefmarkengroßen Kürbiswürfel eine Nacht in Essigwasser. In einem Liter Weißwein kochen wir eine Prise Salz, 1800 Gramm Zucker, eine Zitronenschale und den Saft von zwei großen Zitronen auf, würzen mit etwas Vanillenzucker und einem Stückchen Zimt. Hierin kocht der Kürbis glasig. Er kommt in Gläser und wird mit der noch etwas eingekochten Tunke kalt übergossen. Die Zitronenschale kommt vorher heraus.

Kürbis als Gewürzgurken. Von festem Kürbisfleisch schneidet man 1 cm dicke, etwa 3 cm breite, fingerlange Scheiben und schrägt sie an den Enden zierlich ab. Diese werden über Nacht leicht eingesalzen. Arn andern Tag kocht man guten Wein­essig mit dem vierten Teil Wasser aus und laßt den Kürbis eine Minute darin leise kochen. Er kommt heraus und wird mit tüchtig Lauchscheiben, Senf­körnern, ganzem weißen Pfeffer, kleinen Zwiebelchen, einem Lorbeerblatt und fein gewürfeltem Meerrettich in Steintöpfe gepackt, obenauf, wenn man hat, etwas frischen grünen Dill und ein paar Stengel Esdragon. Der Essig kocht noch einmal auf, erkaltet, wird dar­über qeqoffen und muß den Kürbis bedecken. Jetzt legt man ein in Salzwasser getauchtes l^inen- läppchen obenauf. Auf dieses stellt man em Teller- chen und daraus zum Beschweren einen Feldstein. Nach acht Tagen gießt man den Essig ab, kocht ihn noch einmal auf, rührt ein Päckchen Emmachehilfe darunter und füllt ihn wieder über den Gurken- kürbis. . r

Wer es gewohnt ist, Gewürzgurken mit fertiger Gewürzpackung zu bereiten, kann dies auch beim Kürbis tun. Alle eingekochten Kürbisse, ob süß ober sauer, müssen, da sie von Natur gewissermaßen «.farblos" schmecken, mindestens zwei bis drei Wochen durchziehen, ehe sie ihren vollen guten Geschmack erhalten.

Frau und Buch.

NSG.Wie weit die deutsche Frau künftig die neue Wirklichkeit unseres Volkes miterlebt und mit­gestaltet, wird wesentlich davon abhängen, welche Bücher auf das Gemüt der Frau einwirken. Bücher umschreiben den geistigen und seelischen Lebens­raum der Nation, und indem wir ihnen zuhören, fügen sie uns selbst mit ein in die Gemeinschaft der entscheidenden Geister, die dem Wesen und der Sehnsucht unseres Volkes den reinsten Ausdruck geben."

Diese Worte der Reichsfrauensührerin begleiten eine kurze Aufstellung von Büchern, die zur Buch­werbewoche hinausgeht an allen Frauen als ein Mahnruf, das deutsche Buch nicht zu vergessen. Die Auswahl der Bücher, die von der Schristtums- stelle der Reichsfrauenführung in Zusammenarbeit mit der Reichsschrifttumskammer getroffen ist. Ge­rade für die Frau ist das Buch unentbehrlich, wenn sie ihren kulturellen, erzieherischen und wirtschaft­lichen Aufgaben gerecht werden will.

Der Weg der Frau, besonders der Landfrau, zum Buch ist nicht immer ganz einfach. Es fehlt oft die Gelegenheit, ein gutes Buch in die Hand zu bekommen, oder ein Berater steht nicht zur Seite, der ein geeignetes Buch Vorschlägen würde, kurz, auch bei Frauen, die gern zuweilen zu einem Buch greifen würden, bleibt es ungelesen.

Um hier abzuhelfen, hat die Schrifttumsstelle der NS.-Frauenschaft B ü ch e r k i st e n zusammenge­stellt, die hinausgehen in die Kreise unseres Gaues und dort die Ortsgruppen in den Wintermonaten durchwandern. Was die Frauen sich wünschen im Buch, ist sehr verschieden. Soviel als möglich wird bei der Zusammenstellung der Kisten darauf Rück­sicht genommen. Nationalpolitisches Schrifttum ist viel gefragt, Werke über die deutsche Heimat und deutsches Schrifttum und daneben Bücher für Mut­ter und Kind.

An langen Winterabenden wird die Bücherkiste nun durch die verschneiten Dörfer unseres Gaues wandern als ein guter Freund der Frauen. Sie wird in mancher stillen Stunde das gemeinsame Erlebnis eines Buches in den Heimabend hinein­tragen, zuweilen auch nach schwerem Tagewerk einer Frau neue Kraft geben aus den Seiten eines Buches.

Wir hoffen, daß sich das Buch auf seiner Wan­derung durch unseren Gau viele neue Freunde unter den Frauen gewinnt.

Kürbis mit Aepfeln als Brotauf­strich. Der mit möglichst wenig Wasser gekochte Kürbis wird durchs Sieb gerührt. Saure Aepfel werden mit Schale und Kernen und sehr wenig Wasser gekocht und durchgeschlagen. Kürbis und Aepfelmus kochen nun zusammen mit Zucker und Zitronenschale, bis sie ein steifes Mus find. Die Zuckerzugabe hängt von der Säure der Aepfel ab.

Hat der große Kürbis eins ober mehrere kleine unreife Junge, so können wir davon ein gutes Mittagessen machen. Der kleine geschälte, ge­teilte und ausgehöhlte Kürbis wird in leichtem Salz­wasser vorgekocht, darf aber nicht zerfallen. Dann macht man eine würzige Füllung, die ganz nach Be­lieben zusammengesetzt sein kann: Hackfleisch, Wurft- unb Schinkenrei chen; eingeweichtes Brot, weich­gekochter Reis, Rubeln ober Graupen können sie ver­mehren. Sie wirb mit Salz, Pfeffer unb Zwiebeln ziemlich stark gewürzt. Man kann auch Grünkern- schrvt ober einen Würfel Knorr ober Maggi, Reis-, Grünkern- ober Pilzsuppe barein verarbeiten. Die

gefüllten Kürbishälften erhalten auf ben Kopf ein Butterflöckchen unb werben in Knochenbrühe weich­gekocht. Aus ber Brühe macht man eine Tomaten­tunke bazu.

Kokm nußgroße grüne Kürbisse kochen wir in Zuckerlösung unb benutzen sie als Zitronat. Wir schneiben sie in Viertel unb schälen biese so bünn ab, baß noch etwas von ber grünen Haut baran bleibt. Diese muß bem Zitronat Halt geben. Ein Liter Wasser wirb mit einem halben Liter Essig unb 200 Gramm Zucker gekocht. Man gibt so viel Kürbis­stücke hinein, als es faßt, läßt sie zwei Minuten barin kochen unb langsam barin erkalten. Am näch­sten Tag kocht man alles zusammen wieber mehrere Minuten unb läßt alles wieber langsam erkalten. Dies muß man mehrere Tage wieberholen. Ist ber Saft ganz bick, kommen bie Früchte heraus unb laufen auf einem Sieb ab. Dann werben sie in trockenem Zucker aufgehoben ober man kann sie auch wie Backobst auffäbeln unb in warmem Raum auf­hängen.

Mas sollen wir tragen?

PRAKTISCHE VORSCHLÄGE UNSERES MODEZEICHNERS

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Unsere heutige Mobeltlzze zeigt ein paar typische Formen ber vielgestaltigen Hutmobe im Win­ter 19 3 6. Modell Nr. 1 ist ein kleiner sport­licher Herrenhut aus fanbfarbenem Haarfilz mit braunem Ripsbanb unb brauner Leberschnalle. Der hohe, spitzzulaufenbe Kopf ist weich eingebrückt.

Die flache, viereckige Mütze (Nr. 2) ist aus bunkelgrünem Wilbleber mit ebenfalls grüner Ripsbanbschleife. Das Banb ist durch ben Kopf burchgezogen unb hält bie Mütze am Hinterkopf.

Aus schwarzem Seibensamt ist ber kleine Zylinberhut (Nr. 3) mit schwarzem Feber­

gesteck, bas burch brei kleine Ripsbanbschleifen ge­halten wirb. Der Hut ergänzt auch mit Schleier! vorteilhaft ben eleganten, schwarzen Mantel ober bas schwarze Jackenkleib.

DiebunkelgraueLammfellmütze (Nr. 4) mit bem umgeschlagenen Zipfel unb bem weißen Feberpompon wirb our Pelzjacke ober bem pelzbesetzten Jackenkleib getragen.

Aus schwarzem Velours ist ber mittelgroße Hut (Nr. 5) mit bem vierkantig abgesteppten Kopf unb bem Ausputz aus schwarzer Lackseibe. H.

Ländliche Berufe für unsere Töchter.

NSG. Die beste Gmnblage für alle länblichen Frauenberufe bildet bie lanbwirtschaftliche Haus - Werkausbilbung. In einer zweijähri­gen Lehrzeit auf einem Gut ober einem Bau­ernhof arbeiten bie Mädchen in allen Zweigen der ländlichen Hauswirtschaft, wie Kochen, Backen, Schlachten, Einmachen, Geflügelhaltung, Garten, Jungviehaufzucht mit. Die Abschlußprüfung vor der Lanbesbauernschaft gibt bie Berechtigung, bie Stelle einer länblichen Wirtschaftsgehilfin einzuneh­men.

Oft zeigt sich erst währenb ber Lehrlingszeit bie Neigung, sich einem besonderen Fach zuzuwenden. Vielseitig und aussichtsreich ist der Beruf ber Leh­rerin ber landwirtschaftlichen Haus- haltungskunbe. Da er hohe Ansprüche an fachliches unb organisatorisches Können, sowie an persönliche Eigenschaften stellen muß, ist eine sechs­jährige Ausbilbungszeik vorgesehen. Neben bie eigentliche Lehrtätigkeit tritt für bie Lehrerin bas umfangreiche Gebiet ber Wirtschaftsberatung unb damit eine enge Zusammenarbeit mit ben Dienst­stellen bes Reichsnährstandes. Wer diese verhältnis­mäßig lange Ausbildungszeit nicht ermöglichen kann und wessen Begabung mehr auf rein prak­tischem Gebiet liegt, wird den Beruf der länd­lichen Haushaltspfleqerin oorziehen, der nach abgeleifteter Lehrlingszeit eine weitere zweijährige Ausbildung vorfieht. Die ländliche

Haushaltspflegerin findet in größeren Landhaus- Halten, Erholungs-, Kinder- ober Schulheimen An­stellung.

Auch für bie Gärtnerin bietet sich ein weites Betätigungsfelb auf bem ßanbe. Es ist ratsam, neben ber gärtnerischen Ausbildung grünbliche hauswirtschaftliche Kenntnisse zu erwerben unb burch ben Besuch bes Seminars für hauswirtschaftlichen Gartenbau bie Lehrfähigkeit zu erlangen. Die zur Zeit besonbers bringenbe Beratungsarbeit unb die Schulgartenarbeit auf bem ßanbe werben in Zukunft noch mehr als bisher geschulte Fachkräfte gebrauchen^ In ber Reihe ber länblichen Frauenberufe muß auch die Geflügelzüchterin ge­nannt werben. Die staatliche Anerkennung als G e - flügelzuchtgehilfin wirb nach zweijähriger ßehrzeit in einem anerkannten Betrieb erworben. Nach weiteren fünf Jahren Praxis besteht bie Mög­lichkeit, bie Geflügelzuchtmeisterprüfung ober auch bie Geflügelzuchtleiterprüfung abzulegen. Die für bie Wirtschaftsberatung geeigneten Kräfte werden in einem ßehrgcmg des Reichsnährstandes für diese Arbeit besonders geschult und finden als Geflügel­zuchtberaterin Anstelluna.

Jrn Hinblick auf die dringende Arbeit, die heute auf dem ßanbe zu leisten ist, wäre es zu wünschen, baß ein großer Teil ber Mäbchen sich tatkräftig für bie Arbeit auf bem ßanbe zur Verfügung stellt unb bie unberechtigten Vorurteile, bie vielerorts noch bestehen, beiseite schiebt. Alle diese Berufe können einen tatkräftigen Menschen beruflich voll befriebi- gen. Unb bas ist wohl bas Schönste, was man von einem Berufe zu sagen vermag, baß er einem Men­schen ßebensinhalt bebeuten Fann.

Die Hausfrau im Herbst.

Mit der wechselnben Jahreszeit beginnen für die Hausfrau jedesmal neue Aufgaben. Stets sind sie gleich bedeutungsvoll für das Wohlergehen der Familie. Jedoch bei Anfang der Kälteperiode haben sie besondere Wirkung auf das seelische und leib­liche Wohl. Im Sommer verbringen Kinder unb Mann viele Stunden, bie ber Erholung geroibmet sinb, im Freien. Da spricht bie Natur ihre einbring- liche Sprache, unb bie Mutter weiß genau, wie er­zieherisch im besten Sinne Wasser, Sonne, Bäume unb Blumen sinb. Die Tiere, bie Vögel roenben sich mit ihrer Eigenart an bas Gemüt bes Men­schen unb sei er noch so jung. Im Herbst und Winter hingegen wirb ber größte Teil bes Tages im Zimmer zugebracht, unb baraus erstehen der Mutter größere unb anbere Aufgaben.

Nicht immer wollen bie Kinber in ihrer Freizeit lesen, auch sind sie oft bes Spieles überbrüffig. Die Mutter wirb für ihre Kinber ben Ton der Unter­haltung finden müssen, die ebenso belehrend, wie fesselnd sein soll. Belehrende Unterhaltungen allein können, selbst wenn sie noch so gut gemeint sind, den Zweck verfehlen, und es hieße mit falscher Seelenkunde rechnen, wollte man das Kind auf die Stufe stellen, daß es sich vom ßernen alles verspricht.

Nicht nur für die Kinder, auch für den Mann muß das Heim behaglicher gestaltet werden. Meist muß die Hausfrau eine andere Tageseinteilung vornehmen, damit sie während der Freistunden des Mannes auch Zeit für ihn hat. Sie erkennt den Sinn des Wortes mehr und mehr, das da sagt, die Hausfrau habe nicht nur ihre Aufgaben zu er­füllen, sondern sie muß stets unb vor allen Dingen Zeit für bie Ehe haben. Dazu gehören aller­lei Dinge. Sie wirb bas Buch aussuchen, das ben Mann zu fesseln vermag, sie wirb Menschen in bas Haus ziehen, bie ihm Anregung sind, bie mit ihm über seine eigenen Angelegenheiten sprechen, bie aber auch Anregungen von außen bringen.

Die Wohnung unb bamit beginnen jene Ausgaben, bie seelisch unb körperlich bas Wohl ber Familie beeinbruden, spielt eine größere Rolle. Hin unb wieber ist ein neuer Einrichtungsgegen­stand notwendig, um bie Gemütlichkeit zu förbern. Eine neue ßefelampe ober ein Fußbodenbelag. Auch ein Fensterbehang kann viel dazu beitragen. Wichtig ist die Wärmeregulierung in einer Wohnung, da man in kalten Zimmern stets schlechter Stimmung ist. Durch veränderte Kleidung unb Ernährung wirb ber Gesunbheitszustanb in" ber Familie hoch­zuhalten versucht, unb bekanntlich ist bas einer ber wichtigsten Faktoren im Aufgabengebiet ber Haus­frau. Wie oft muß sie noch gegen Unvernunft kämpfen, wenn bie Angehörigen sich gegen vitamin­reiche, fleischlose Kost ober gegen gesunbe Kleibung sträuben unb ben Sinn ber mütterlichen unb haus­fraulichen Fürsorge nicht anerkennen wollen.

An tausenb Dinge hat bie Hausfrau zu benken. Ob bie Fenster im Schlafzimmer währenb ber Nacht geöffnet ober geschlossen bleiben, ob das Wasch­wasser kalt ober warm sein soll, bie Bettruhe länger unb zeitiger beginnen, bas Aufstehen auf einen anberen Zeitpunkt verlegt werben muß unb bamit bie Hausvrbnung auch eine Veränderung erfahren soll. Unzählige Aufgaben der Hausfrau! Aber die Familie wird sie ihr hoffentlich nicht noch schwerer machen. Schü.

Der Zauberfchrank.

Kalt fegt ber Herbstwinb burch bie Straßen und wirbelt gelbe Blätter vor sich her. Verödet und leer liegen die Gärten, ber sommerliche Dufthauch ist verflogen. Es gibt keine Täuschung mehr, ber Sommer ist enbgültig zu Enbe. Ein wenig weh» mütig geht man baran, bie Zeugen von Sonnen­wärme unb Sommerglück, bie luftigen, hellen Klei­der zum Winterschlaf in die Tiefe des Schrankes zu versenken. Kaum sind die Gefährten der Som­merzeit zur Ruhe gekommen, da tauchen schon neue Pläne unb Wünsche für bie anbere Jahres- zeit, ben Herbst unb Winter, auf.

Jebe Frau hat schon einen geheimen Wunsch, träum bei ber Betrachtung ber neuen Mobeschöp- fungen. Sehr oft kann aber ber Traum aus bem Kleiberlaben nicht Wirklichkeit werben. Keine Frau läßt sich jeboch so leicht von einer ßieblingsibee ab- bringen. Sie greift zur Selbsthilfe. An einem fax­ten unfreunblichen Herbsttag ist es nirgenbs so be­haglich wie zu Haus in einem mollig'burchwärm- ten Zimmer. Solch ein Tag ist so recht bazu ge- schaffen, ben Kramschrank burchzumustern. Alles Ausrangierte, unmobern geworbene wirb von ihm beherbergt. Wie manche Hausfrau ist an solch einem Schrank schon zum Schatzgräber geworben, in welche Wunberwerke hat sein Inhalt sich oft oer- roanbelt!

Manchmal geht bie Hausfrau ein wenig mutlos an bas Werk. Eigentlich häufig nur, weil ihre Freunbin so begeistert von bem Erfolg eines sol- chen Kramtages berichtet hatte. Prüfenb nimmt bie Hausfrau bann Stück für Stück in bie Hanb, viele bem Gebächtnis entfchwunbene Dinge kommen babei an bas Tageslicht. Balb ist bie Hausfrau ganz in ihre Arbeit versunken. Da ist ja bas schwarze Seibenkleib! Das gibt noch einen schönen Rock. Dort leuchtet es bunt unb fröhlich auf, es ist ein altes Nachmittagskleib. Wie kommt ihr die Mode entgegen, es wird zum schönsten Kasak. Fabelhaft wirb es aussehen! So entsteht ein Nachmittags- kleib, wie es im Schaufenster nicht hübscher aus­gestellt ist. Eine weiche, pastellfarbige Seibe schim­mert zart im Hintergrund) bes Schrankes, eilig wird sie hervorgezogen, sie entpuppt sich als das un­moderne Tanzkleid. Nach einigem Ueberlegen ist die Hausfrau entschlossen, es auch wieder zu Ehren zu bringen. Das wird noch ein Kasak, diesmal für den Abend. Ein Nachmittags- und ein Abendkltid aus dem Kramschrank, es sind zwei Fliegen mit einer Klappe. Es gibt so viele Abwandlungen bes Kasaks, baß er, selbst wenn man zwei besitzt, nicht langweilig wirb.

Für ben Abenb ist es elegant, wenn ber Kajak lang unb glockig fällt. Am Nachmittag wirkt er, schlicht unb hochgeschlossen verarbeitet, sehr apart. So finben sich noch viele Kleidungsstücke, die durch ein wenig Phantasie neue Gestalt erhalten. Eracv zungen und Garnituren aus modischen Stossen, besonders aus ßackseide, zaubern oft reizende Wir. Fung hervor. Jede Frau Fann auf diese Weise zur Zauberin werden. Fast jede Evastochter hat al, Naturgeschenk ein kleines Schneidertalent mitbe«