Die „Kerle" vom „Aeolus"un- „Zephir
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Oie Ozeanbesieger und ihre Frauen.—Oer Mann mildem achtzigsten Ozeanflug. Worauf es ankommt.
Don unserem Sonderberichterstatter Dr. Buresch.
liberal-individualistischen Selbsthilfe und unter dem Verbot von Streiks und Aussperrungen haben die in öffentlich-rechtliche Körperschaften, Berufsverbände und Ständevertretüngen zusammengefaßten Kräfte den Wirtschaftskreislauf aufrecht zu erhalten und zu erweitern.
Der unter der autoritären Führung Mussolinis machtvoll gewachsene Staat befindet sich — auf Befehl des Duce selbst — noch immer im Zustande einer „permanenten Revolution". Was darunter zu verstehen ist, offenbart vielleicht am klarsten d i e Errichtung des neuen Imperiums. Weniger freilich die Tatsache als solche — der Faschismus hat ja niemals einen zweckbetonten Imperialismus geleugnet —, sondern vielmehr ihre ideelle Begründung. Sie beinhaltet nämlich, daß der die Massen in fortgesetztem revolutionären Schwung zu halten bestimmte Grundsatz Mussolinis: „Lebe gefährlich" auch der Motor der staatlichen Entwicklung im Sinne einer „Evolution" zu sein hat. Da- von zeugen, und hier schließt sich der Kreis, jene dokumentarischen Beweise der Baukunst und der Bodenkultivierung. Der Mut und die Bereitschaft zum Einsatz, die ihren Ausdruck zuletzt im abessinischen Feldzug fanden, wiederum bekunden den revolutionären, aber durchaus disziplinierten Lebensstil der Schwarzhemden, der zur Richtschnur seiner Haltung, seiner Handlungen und Gedanken dieses „Lebe gefährlich" erhob.
Aus aller Welt.
Vierfacher Gifimörder vor dem Schwurgericht.
Bor dem Schwurgericht Ravensburg (Württ.) begann der Prozeß gegen den des vierfachen Giftmordes angeklagten Johann Baptist Guth aus Waldsee. Der Beihilfe zum Mord durch Rat und Tat hatte sich gleichzeitia Gebhard Sieber aus Weitprechts, Gemeinde Eintürchen, zu verantworten. Damit verbunden wurde auch die Strafsache gegen die 58jährige Frau Antonia O e st e r l e aus Waldsee. Durch Besprechung und Verabredung über die Ermordung der Ehefrau des Guth in der Wohnung der Oesterle hat diese von dem verbrecherischen Vorhaben Kenntnis erlangt und es entgegen ihrer gesetzlichen Verpflichtung unterlassen, die Gefährdete oder die Polizei in Kenntnis zu fetzen. Zu dem Prozeß sind 21 Zeugen und Sachverständige von der Chemischen Landesanstalt Stuttgart und vom Pharmakologischen Institut der Universität Tübingen sowie von der Heil- und Pflegeanstalt Weißenau geladen. Guth wird angeklagt, seine 51- jährige Ehefrau Viktoria Guth, geb. Käser, vergiftet zu haben. Fernerhin wird der Angeklagte beschuldigt, seine 38 Jahre alte Geliebte Katharine Gaßner, geb. Denier, die ihm 14 Tage vorher einen Knaben geboren hatte, noch während ihrer Wochenbettzeit ebenfalls vergiftet zu haben. Wenige Wochen darauf soll Guth weiterhin feinen erst zehn Wochen alten Sohn Johann Baptist Gaßner vergiftet haben, so daß dieser starb. Am 15. Oktober 1935 schließlich soll Guth auch das Kind der Gaßner mit Gift getötet haben. — Die Verhandlung begann mit der Vernehmung des Angeklagten Guth. Der Angeklagte legte eine erschreckende Kaltblütigkeit an den Tag.
Das Explosionsunglück in Neugersdorf.
Zu dem Explosionsunglück in der Mechanischen Kleiderfabrik Reimann und Söhne in Neugersdorf in Sachsen ist ergänzend zu melden, daß die Explosion in einer Abteilung des Gerbereibetriebes erfolgte. Dort waren Felle nach dem Waschen mit Benzin im Trockenapparat aufgehängt worden. Als die damit beschäftigten Arbeiter im Nebenraum beim Umkleiden waren, erfolgte die Explosion. Vier Arbeitskameraden wurden durch einstürzendes Mauerwerk verschüttet. Zwei von ihnen konnten mit zum Teil schweren Verletzungen geborgen werden. Eine Fortsetzung der Bergungsaktion war wegen der starken Einsturzgefahr und des Brandes erst nach schwierigen Aufräumungsarbeiten, an denen auch eine Abteilung des Reichsarbeitsdienstes tatkräftig mitwirkte, möglich. Endlich gelang es, die Leiche des 26jährigen Rudi Seidel zu bergen. Vermißt wird noch der im 40. Lebensjahr stehende Gerbermeister Emil Schoch. Der betroffene Gebäudeteil wurde zerstört.
Autounglück auf der Autobahn.
Auf der Reichsautobahn geriet unweit der Secken- Heimer Landstraße bei Mannheim ein aus Mannheim kommender auswärtiger Personenkraftwagen aus noch nicht geklärter Ursache aus der Fahrbahn und stürzte die hohe Böschung hinab. Die beiden Insassen wurden lebensgefährlich verletzt, und der Kraftwagen zertrümmert. Die Verletzten, zwei junge Männer aus Kassel, wurden in das Mannheimer Krankenhaus eingeliefert. Einer der Verletzten ist inzwischen g e st o r b e n.
Beim Fußballspiel auf der Straße tödlich verunglückt.
Im Kasseler Stadtteil Rothenditmold wurde der 13jährige Schüler Willi Schulz von einem Schnellastkraftwagen erfaßt, zur Seite geschleudert und tödlich verletzt. Die Ermittlungen haben ergeben, daß der Junge beim Fußballspielen unmittelbar vor das Lastkraftfahrzeug gelaufen ist.
Ehrung einer Hundertjährigen.
Der Führer und Reichskanzler hat der Frau Elisabeth Willems in Aachen aus Anlaß der Vollendung ihres 10 0. Lebensjahres ein persönliches Glückwunschschreiben und eine Ehrengabe zugehen lassen.
111 Fahre all!
Friedrich Sadowski, der älteste Mann Deutschlands, der in Neidenburg (Ostpreußen) seinen Lebensabend verbringt, beging am 27. Oktober seinen 111. Geburtstag. Er wurde wie durch Urkunden belegt ist, am 27. Oktober 1825 in Orlau (Ostpreußen) geboren.
Dreimal Zwillinge.
Im Bezirkskrankenhaus Kandel (Pfalz) schenkte die Ehefrau des Bahnwärters Jakob Köhler III. aus Wörth wiederum zwei kräftigen Buben das Leben.
Berlin, im Oktober.
Während ganz Berlin in höchster Spannung der Ankunft der tapferen deutschen Atlantikflieger der Lufthansa entgegensah, herrschte im Direktionsgebäude der Deutschen Lufthansa Hochbetrieb. „Das ist recht", empfängt mich schließlich am späten Abend Herr Matthias, „daß Sie auch den Menschen draußen im Reich einen Beariff von der Bedeutung dieses Tages und seines Anlasses geben wollen. Gewiß verdienen die Männer, die die Atlantikflüge durchgeführt haben, das größte Interesse; ihnen haben wir es zu verdanken, daß der kühne Plan eines Atlantikflugverkehrs mit Flugbooten Wirklichkeit geworden ist."
„Seit wann arbeitet man denn an diesen Plänen?"
„Eigentlich bestehen sie schon seit der Gründung der Lufthansa, also seit 1 926. Schon damals beschäftigten sich von Gablenz und von Buddenbrock mit der Möglichkeit einer regelmäßigen Ueberquerung des Atlantik. Es mußten aber erst die geeigneten Flugzeuge entwickelt werden, die die gewaltige Strecke bezwingen konnten. Und unsere schwimmenden Flugstützpunkte haben, wie Sie wissen, den ungeheuren Vorteil, daß sie beweg- I i ch sind. Es sind richtige Dampfer, mit Katapulten zum Abschuß der „Wale" ausgerüstet.
„Und wie ist die Mannschaft zusammengekommen? Das müssen doch alles besonders erprobte und unerschrockene Männer sein, die auf dieses Neuland vorstoßen?"
„Die Mannschaft der Nordatlantikflüge ist Mann für Mann die gleiche, die auch die Südatlantikflüge durchgeführt hat. Nehmen Sie z. B. unseren Flugkapitän Blankenburg, der hat jetzt seinen achtzig st en Ozeanflug gemacht. In von Gablenz und Buddenbrock haben wir zwei Männer mit größtem Organisatorischen und technischen Weitblick, ohne den alle Erfindungen und genialen Konstruktionen nichts bedeuten. Nicht die technische Vervollkommnung hat es geschafft, sondern geschafft haben es die Kerle, die eben die andern nicht haben. Und deshalb sind wir volle zwei Jahre hindurch die einzigen auf dem Süd- atlantik geblieben. Erst seit Mai dieses Jahres befliegen ihn auch die Franzosen,
Sehen Sie, ein Mann wie Gablenz läßt sich durch nichts beirren. Er und Buddenbrock sind immer ihren Männern mit der Tat vorangegangen, wenn es galt eine schwierige und gefährliche Etappe zu überwinden. Für ihn kommt es z. B. gar nicht darauf an, ob er drei Tage vor dem ersten Nordatlantik-Erkundungsflug noch als 2. Flugzeugführer den Flug von Rio aus mitgemacht hat, nicht etwa nur auf einer der vier Etappen, wo sich die Besatzung jeweils ablöst, sondern gleich auf allen vier hintereinander. Er war eigentlich noch kaum hier — schließlich hat er ja als Direktor der Lufthansa auch immer noch eine kleine Nebenbeschäftigung! — da zog er schon wieder los, nach Lissabon, zum Erstflug über den Nordatlantik."
„Sind das nun alles Junggesellen oder sind auch einige Verheiratete darunter?"
„Sechs sind verheiratet. Die Frauen kriegen nicht viel von ihnen zu sehen, sie teilen das Los der Seemannsfrauen. Darum kommt es z. B. höchst selten vor, daß eine hier anruft, während sie ihren Mann auf dem Fluge weiß. Da macht nur die junge Frau unseres jüngsten Kapitäns eine Ausnahme, die ruft jeden Tag an, wenn er unterwegs ist. Ich habe auch so etwas läuten hören, als wenn der junge Ehemann ihr täglich ein Telegramm schickte, zum Abgewöhnen! Später geht es ihr bann auch vielleicht mal so wie einer der andern Kapitänsfrauen, die ich hier nicht nennen will, der ihr Mann aber mal bei einer recht brenzlichen Gelegenheit, wo sie ihn schon für so gut wie tot hielt, durchs Telephon „zugeflüstert" hat: „Wenn du dich ängstigst, hättest du einen Klavierlehrer heiraten sollen!"
„Ich könnte mir aber doch denken, daß selbst diese „Kerle", wie Sie vorhin so treffend sagten, bei
Das Ehepaar hat jetzt acht Buben. Zum drittenmal sind Zwillinge zur Welt gekommen.
Zehn Todesopfer eines Derkehrsunglücks in der Türkei.
In der Nähe der türkischen Stadt Eskischehir ist am Montag der aus Istanbul kommende Taurus- Expreßzug an einem ungeschützten Bahnübergang mit einem vollbesetzten Autobus zusammenge- st o ß e n. Ehe der Expreß zum Halten gebracht werden konnte, wurde der Kraftwagen von der Lokomotive erfaßt und ein Stück mitgefchleift. Der Autobus wurde bei dem Zusammenstoß vollständig zertrümmert, wobei zehn Personen getötet und mehrere schwer verletzt wurden.
Einsturzunglück in Frankreich.
In Vitry le Francois ereignete sich bei der Vorstellung eines Wandertheaters ein Einsturzunglück. Der Boden des Tanzsaales, in dem eine Pariser Vorort - Theatergesellschaft ein Gastspiel gab, stürzte zu Beginn der Vorstellung ein. Etwa 80 Personen stürzten in die Tiefe, 20 wurden schwer verletzt.
Orkan und Erdbeben.
Auf der Polarinsel Jan Mayen ist die einzige menschliche Niederlassung, nämlich die norwegische Wetterdienststation, von einem schweren Erdbeben heimgesucht worden. Gleichzeitig wütete ein Orkan, so daß die Gebäude der Station von Zerstörung bedroht waren. Es wurde erheblicher Schaden angerichtet. Eine Reihe kleinerer Erdstöße folgte im Laufe des gleichen Tages.
Mörder zum Tode verurteilt
Das Oppelner Schwurgericht verurteilte den 21 Jahre alten Peter C z i ch o n wegen Mordes an feiner früheren Braut, der 18 Jahre alten Fran-
einem Unternehmen, wie der ersten Nordatlantiküberquerung, einigermaßen aufgeregt gewesen sind?"
„Gespannt, das ist der bessere Ausdruck. Aber nicht darauf, ob es glücken würde oder nicht, dessen waren sie zuversichtlich gewiß, sondern, ob sie die „Europa", die auch gerade an dem Tage auf dem Weg nach Neuyork war, treffen würden. Darauf freute sich besonders Kapitän Blankenburg, der seinerzeit seine ersten Atlantikflüge von der Katapultvorrichtung der Europa aus gemacht hatte. Ausgerechnet war der erste Erkundungsflugtag, der 10. September, mit außerordentlich schlechtem Wetter und Nebel bedacht. Das geht schon aus der ungewöhnlich langen Zeit hervor, die das Flugboot damals brauchte, 22 Stunden 22 Minuten ist es unterwegs gewesen, gegenüber etwa 16 Stunden an günstigen Tagen. Man hatte aber trotz allem schon auf 1000 Kilometer Entfernung Funkverbindung mit der „Europa" und eifrig peilten nun die Bordfunker hüben und drüben sich aneinander heran. Gablenz schilderte es als. ein fast geisterhaftes Erlebnis, als plötzlich senkrecht unter ihnen das mächtige Schiff aus dem Nebel getaucht fei. Alle Rettungsboote, alle Decks seien schwarz von Menschen — zum Teil von zurückfahrenden Olympiateilnehmern — gewesen und der brausende Jubel habe das Drohnen der gewaltigen Oelmotoren sogar übertönt. Sie seien bann noch lange in Funkpeilung mit dem Schiff geblieben, das rasch in den Nebel zurückgesunken sei."
„Schläft denn die Besatzung nicht ein, wenn sie so viele Stunden hintereinander unterwegs sind?"
„Auf dem ersten Erkundungsfluge hat keiner von allen gepennt! Sie haben alle durchgewacht. Wenn man sie jetzt fragt, womit sie sich die lange Zeit denn vertrieben haben, dann wissen sie es selbst nicht mehr so recht. Die Spannung hat sie wachgehalten. ,Wir haben auf das Dröhnen der Motoren gehorcht, ist die sehr bezeichnende Antwort."
„Die Maschinisten sind doch gewiß auch ganz aus» gesuchte Könner?"
„Den einen, Oberflugmaschinist Gruschwitz, kann man sogar einen Pionier der Luftfahrt nennen. Er ist schon feit 19 12 bei der Luftfahrt und hat 1913 den berühmten „Flug rund um Berlin" mitgemacht. Im Kriege war er Flugzeugführer. Er ist aus der Mannschaft gar nicht wegzudenken, schon wegen seiner „Gemiedlichkeit". Er ist der einzige, der mir eine Postkarte von den Erkundungsflügen geschrieben hat, lakonisch, wie es seine Art ist, lautete sie: ,Lieber Herr Matthias, bis jetzt ist alles o. k. Morgen trudeln wir langsam (!) über die Azoren ... viele Grüße an alle, Ihr Grusch- witz/ Wir haben ihm diese inhaltsreiche Nachricht alle hoch angerechnet!"
„Ist nun der Zepp keine Konkurrenz für Ihre Flüge?"
„Nein, der Zepp versieht ja vornehmlich den Personen- und Frachtverkehr. In absehbarer Zeit werden wir auch die Briefpost vom Zepp noch mit übernehmen, weil wir ja schneller sind. Schon in diesen drei Jahren haben wir — ohne Zepp — 1 0 Millionen Briefe hinüber und herüber befördert. Das Postaufkommen hat sich auf dem Südatlantik in der Zeit verzehnfacht. Dabei haben die Schiffe kaum nennenswerte Post verloren. Es ist also ein zusätzlicher Briefwechsel entstanden, der für die enorme Verlebendigung des Verkehrs durch das Flugzeug spricht. Hinzu kommt die starke Werbung für deutsche Erzeugnisse. Solche Flüge, wie die erste Nordatlantiküberquerung bringen immer eine ganze Reihe von Aufträgen für Deutschlands Wirtschaft, für Flugzeuge, für Motoren und so weiter.
Eilig verabschiedete ich mich, stolz in dem Bewußtsein, einem Volke anzugehören, in dem das alte Wikingerblut sich in immer neuen Eroberungstaten beweist!
ziska K o r n e ck, zum Tode. Außerdem wurden ihm die Ehrenrechte auf Lebenszeit abgesprochen. Czichon hatte am 14. September seine Braut auf der Landstraße, wie er angab, aus Eifersucht getötet.
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Jahrgang 1915.
In diesen Tagen rücken die jungen Männer des Jahrgangs 1915 in die Kasernen der Wehrmacht ein, um ihre Wehrpflicht gegenüber Volk und- Daterland zu erfüllen. Dieser Tag ist für sie ein Ehrentag und für sie und für uns alle insofern ein Tag von besonderer Bedeutung, weil mit diesen jungen Rekruten zum erstenmal ein Jahrgang seine zweijährige Wehrpflicht erfüllt und mit diesem Ziel auch eingerücft ist. Es ist diesmal ein anderes Bild, als es bisher gewesen war, denn der Jahrgang 1914 hat noch nicht den Rock des Bürgers wieder angezogen, sondern dieser Jahrgang hat die Aufgabe, auch noch ein zweites Jahr seiner Dienstpflicht abzuleiften. Die Gründe, warum das geschehen ist, sind den Soldaten bekanntgegeben, und sie sind auch von ihnen verstanden worden. Gewiß mag für manchen Soldaten des Jahrgangs 1914 der Beschluß der zweijährigen Dienstzeit eine Ueber- raschung gewesen sein, und hier und da sind auch schon Dispositionen für das bürgerliche Leben getroffen worden, aber in dem einen Jahr ihrer Dienstzeit haben die Soldaten verstehen gelernt, daß zum Soldatsein auch gehört, sich der höheren Pflicht unterzuvrdnen. Der Führer und Oberste Befehlshaber der Wehrmacht hat in Nürnberg ausgesprochen, daß er volles Verständnis dafür habe, was Deutschlands Soldaten leisten müssen, aber dieser Beschluß ist einer harten Notwendigkeit entsprungen, wie ein Blick in die Welt rundum und vor allem ein Blick nach der waffenstarrenden Sowjetunion beweist.
Die Soldaten des Jahrgangs 1914 haben ihr erstes Dienstjahr hinter sich. Sie haben in den Mcmövern und Hebungen der letzten Wochen gezeigt, was sie gelernt haben. Jetzt kommt es, nach wohlverdienten Tagen der Ruhe, darauf an, diese Ausbildung nach jeder Richtung hin zu ergänzen und zu vertiefen, und manche der jungen Männer des Jahrgangs 1914 werden auch Gelegenheit haben, ihren jüngeren Kameraden, den Rekruten des Jahrgangs 1915, ein Helfer in der Ausbildung zu sein. Die bisherige Dienstzeit von einem Jahr reichte nach dem Urteil aller maßgebenden Soldatenführer nicht aus, um die Soldaten so auszubilden, wie sie für den Ernstfall ausgebildet werden müssen. Die weitere Ausbildung nützt daher den Soldaten selbst für ihre soldatische Pflichterfüllung. Sie wird ihnen aber auch bestimmt gute Dienste für ihr künftiges Leben leisten. Alsdann muß berücksichtigt werden, daß die kommenden Jahrgänge in Deutschland, bis etwa 1940, zu den geburtenschwachen Jahrgängen gehören. Dies sind die Kinder des großen Krieges, und diesmal im Jahre 1936 treten mit dem Geburtenjahrgang 1915 nur rund 350 000 junge Männer in das wehrpflichtige Alter. Das ist nicht einmal die Hälfte eines Vorkriegsjahrganges. Dabei muß natürlich noch berücksichtigt werden, daß ja nur ein Teil, wie wir hoffen, ein guter Teil, dieses Jahrgangs als militärdienfttauglich erkannt worden ist.
Wenn nun in den nächsten Wochen diese jungen Männer ihren Soldateneid schwären, so geschieht das in Anwesenheit der den Truppenteilen jetzt vom Führer verliehenen neuen Regimentsfahnen, die die Tradition der ruhmreichen Fahnen der alten Armee fortfetzen. Die jungen Rekruten werden dann auch wissen, daß der Soldateneid, den sie leisten, nicht mehr einem Dokument gilt, sondern einer neuen Jdeenform, die die persönliche Bindung an den höchsten Befehlshaber vollzog, die bis zum Zusammenbruch am Ende des Weltkrieges bestanden hatte und die jetzt wieder hergestellt ist. Der Deutsche braucht eine Verkörperung der Idee, der er seine Dienste weihen soll, und der auf die Person geleistete Eid bindet fester als der Eid auf einen bloßen Begriff. Mit diesem Eid verschreibt sich der Soldat mit Leib und Leben dem Führer und gibt das feierliche Versprechen, die soldatischen Pflichten in unbedingtem Gehorsam zu erfüllen. Die Kraft des persönlichen Eides liegt ferner in der Betonung der Volkstreue, die bei den Germanen üblich war und bei der deutschen Natur stets eine hervorragende Rolle in der soldatischen Moral gespielt hat und auch weiterhin spielen wird.
Deutschlands junge Rekruten dürfen überzeugt sein, daß der Jahrgang 1914 mi. dem Jahrgang 1915 gute Kameradschaft halten wird. Die Unteroffiziere und Offiziere werden ihnen Führer, aber sie werden ihnen auch stets gute Kameraden sein. Neben dem Gedanken der Kameradschaft wird in unserer jungen Wehrmacht, und zwar in allen drei Teilen, auch der soziale Gedanke in seiner ideellsten Form verkörpert. Wer Hilfe braucht, dem wird Hilfe zuteil, jetzt und in Zukunft. Die jungen Soldaten dürfen und sollen mit ihren Sorgen zu ihrem Korporalschaftsführer, ihrem Feldwebel und ihrem Kompaniechef kommen. Sie werden jederzeit ein offenes Ohr finden. Sie dürfen ebenso überzeugt sein, daß auch für sie gesorgt sein wird, wenn sie ihre Dienstpflicht erfüllt haben. Die Einrichtung der Fürsorgeoffiziere ist ja gerade zu diesem Zweck geschaffen worden. Die Pflichten des Dienstes müssen selbstverständlich voll erfüllt werden, aber dis jungen Soldaten des Jahrgangs 1915 sollen auch wissen, daß wir alle stolz auf diese neuen Rekruten sind und daß alles getan wird, um ihnen die Erfüllung ihrer Pflichten möglich zu machen. Der Jahrgang 1915 knüpft wiederum an die stolze Dienstzeit der zweijährigen Dienstpflicht im alten Reich. Im Gedanken an das, was ihre Väter im Frieden und im Krieg geleistet haben, werden Deutschlands jüngste Rekruten nun ihre soldatischen Pflichten erfüllen. K. B.
Hauptschriftleiter Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Verantwortlich für Politik und für die Bilder: Dr. Fr. W. Lange; für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. D. A. IX. 36: 9650. Druck und Verlag: Brühl'sche Universitäts-Buch- und Steindruckerei R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen. Monatsbezugspreis RM. 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr. Einzelverkaufspreis 10 Pf. und Samstags 15 Pf., mit der Illustrierten 5 Pf. mehr.
Zur Zeit ist Preisliste Nr. 3 vom 1. Juni 1935 gültig.
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