Ausgabe 
28.10.1936
 
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DieKerle" vomAeolus"un-Zephir

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Oie Ozeanbesieger und ihre Frauen.Oer Mann mildem achtzigsten Ozeanflug. Worauf es ankommt.

Don unserem Sonderberichterstatter Dr. Buresch.

liberal-individualistischen Selbsthilfe und unter dem Verbot von Streiks und Aussperrungen haben die in öffentlich-rechtliche Körperschaften, Berufsver­bände und Ständevertretüngen zusammengefaßten Kräfte den Wirtschaftskreislauf aufrecht zu erhal­ten und zu erweitern.

Der unter der autoritären Führung Mussolinis machtvoll gewachsene Staat befindet sich auf Befehl des Duce selbst noch immer im Zustande einerpermanenten Revolution". Was darunter zu verstehen ist, offenbart vielleicht am klarsten d i e Errichtung des neuen Imperiums. We­niger freilich die Tatsache als solche der Faschis­mus hat ja niemals einen zweckbetonten Imperia­lismus geleugnet, sondern vielmehr ihre ideelle Begründung. Sie beinhaltet nämlich, daß der die Massen in fortgesetztem revolutionären Schwung zu halten bestimmte Grundsatz Mussolinis:Lebe gefährlich" auch der Motor der staatlichen Entwick­lung im Sinne einerEvolution" zu sein hat. Da- von zeugen, und hier schließt sich der Kreis, jene dokumentarischen Beweise der Baukunst und der Bodenkultivierung. Der Mut und die Bereitschaft zum Einsatz, die ihren Ausdruck zuletzt im abessi­nischen Feldzug fanden, wiederum bekunden den revolutionären, aber durchaus disziplinierten Le­bensstil der Schwarzhemden, der zur Richtschnur seiner Haltung, seiner Handlungen und Gedanken diesesLebe gefährlich" erhob.

Aus aller Welt.

Vierfacher Gifimörder vor dem Schwurgericht.

Bor dem Schwurgericht Ravensburg (Württ.) be­gann der Prozeß gegen den des vierfachen Giftmordes angeklagten Johann Baptist Guth aus Waldsee. Der Beihilfe zum Mord durch Rat und Tat hatte sich gleichzeitia Gebhard Sieber aus Weitprechts, Gemeinde Eintürchen, zu verant­worten. Damit verbunden wurde auch die Straf­sache gegen die 58jährige Frau Antonia O e st e r l e aus Waldsee. Durch Besprechung und Verabredung über die Ermordung der Ehefrau des Guth in der Wohnung der Oesterle hat diese von dem verbreche­rischen Vorhaben Kenntnis erlangt und es entgegen ihrer gesetzlichen Verpflichtung unterlassen, die Ge­fährdete oder die Polizei in Kenntnis zu fetzen. Zu dem Prozeß sind 21 Zeugen und Sachverständige von der Chemischen Landesanstalt Stuttgart und vom Pharmakologischen Institut der Universität Tübingen sowie von der Heil- und Pflegeanstalt Weißenau geladen. Guth wird angeklagt, seine 51- jährige Ehefrau Viktoria Guth, geb. Käser, ver­giftet zu haben. Fernerhin wird der Angeklagte be­schuldigt, seine 38 Jahre alte Geliebte Katharine Gaßner, geb. Denier, die ihm 14 Tage vorher einen Knaben geboren hatte, noch während ihrer Wochen­bettzeit ebenfalls vergiftet zu haben. Wenige Wochen darauf soll Guth weiterhin feinen erst zehn Wochen alten Sohn Johann Baptist Gaßner vergiftet haben, so daß dieser starb. Am 15. Oktober 1935 schließlich soll Guth auch das Kind der Gaßner mit Gift ge­tötet haben. Die Verhandlung begann mit der Vernehmung des Angeklagten Guth. Der Ange­klagte legte eine erschreckende Kaltblütigkeit an den Tag.

Das Explosionsunglück in Neugersdorf.

Zu dem Explosionsunglück in der Mecha­nischen Kleiderfabrik Reimann und Söhne in Neu­gersdorf in Sachsen ist ergänzend zu melden, daß die Explosion in einer Abteilung des Gerbereibe­triebes erfolgte. Dort waren Felle nach dem Waschen mit Benzin im Trockenapparat aufgehängt worden. Als die damit beschäftigten Arbeiter im Nebenraum beim Umkleiden waren, erfolgte die Explosion. Vier Arbeitskameraden wurden durch einstürzendes Mauerwerk verschüttet. Zwei von ihnen konnten mit zum Teil schweren Verletzun­gen geborgen werden. Eine Fortsetzung der Ber­gungsaktion war wegen der starken Einsturzgefahr und des Brandes erst nach schwierigen Aufräu­mungsarbeiten, an denen auch eine Abteilung des Reichsarbeitsdienstes tatkräftig mitwirkte, möglich. Endlich gelang es, die Leiche des 26jährigen Rudi Seidel zu bergen. Vermißt wird noch der im 40. Lebensjahr stehende Gerbermeister Emil Schoch. Der betroffene Gebäudeteil wurde zerstört.

Autounglück auf der Autobahn.

Auf der Reichsautobahn geriet unweit der Secken- Heimer Landstraße bei Mannheim ein aus Mann­heim kommender auswärtiger Personenkraftwagen aus noch nicht geklärter Ursache aus der Fahrbahn und stürzte die hohe Böschung hinab. Die beiden In­sassen wurden lebensgefährlich verletzt, und der Kraftwagen zertrümmert. Die Verletzten, zwei junge Männer aus Kassel, wurden in das Mannheimer Krankenhaus eingeliefert. Einer der Verletzten ist inzwischen g e st o r b e n.

Beim Fußballspiel auf der Straße tödlich verunglückt.

Im Kasseler Stadtteil Rothenditmold wurde der 13jährige Schüler Willi Schulz von einem Schnellastkraftwagen erfaßt, zur Seite geschleudert und tödlich verletzt. Die Ermittlungen haben er­geben, daß der Junge beim Fußballspielen unmit­telbar vor das Lastkraftfahrzeug gelaufen ist.

Ehrung einer Hundertjährigen.

Der Führer und Reichskanzler hat der Frau Elisabeth Willems in Aachen aus Anlaß der Vollendung ihres 10 0. Lebensjahres ein persönliches Glückwunschschreiben und eine Ehren­gabe zugehen lassen.

111 Fahre all!

Friedrich Sadowski, der älteste Mann Deutsch­lands, der in Neidenburg (Ostpreußen) seinen Le­bensabend verbringt, beging am 27. Oktober seinen 111. Geburtstag. Er wurde wie durch Ur­kunden belegt ist, am 27. Oktober 1825 in Orlau (Ostpreußen) geboren.

Dreimal Zwillinge.

Im Bezirkskrankenhaus Kandel (Pfalz) schenkte die Ehefrau des Bahnwärters Jakob Köhler III. aus Wörth wiederum zwei kräftigen Buben das Leben.

Berlin, im Oktober.

Während ganz Berlin in höchster Spannung der Ankunft der tapferen deutschen Atlantikflieger der Lufthansa entgegensah, herrschte im Direktions­gebäude der Deutschen Lufthansa Hochbetrieb.Das ist recht", empfängt mich schließlich am späten Abend Herr Matthias,daß Sie auch den Menschen draußen im Reich einen Beariff von der Bedeutung dieses Tages und seines Anlasses geben wollen. Gewiß verdienen die Männer, die die Atlantikflüge durchgeführt haben, das größte Interesse; ihnen haben wir es zu verdanken, daß der kühne Plan eines Atlantikflugverkehrs mit Flug­booten Wirklichkeit geworden ist."

Seit wann arbeitet man denn an diesen Plänen?"

Eigentlich bestehen sie schon seit der Gründung der Lufthansa, also seit 1 926. Schon damals be­schäftigten sich von Gablenz und von Bud­denbrock mit der Möglichkeit einer regelmäßigen Ueberquerung des Atlantik. Es mußten aber erst die geeigneten Flugzeuge entwickelt werden, die die gewaltige Strecke bezwingen konnten. Und unsere schwimmenden Flugstützpunkte haben, wie Sie wissen, den ungeheuren Vorteil, daß sie beweg- I i ch sind. Es sind richtige Dampfer, mit Katapulten zum Abschuß derWale" ausgerüstet.

Und wie ist die Mannschaft zusammengekom­men? Das müssen doch alles besonders erprobte und unerschrockene Männer sein, die auf dieses Neuland vorstoßen?"

Die Mannschaft der Nordatlantikflüge ist Mann für Mann die gleiche, die auch die Südatlantikflüge durchgeführt hat. Nehmen Sie z. B. unseren Flug­kapitän Blankenburg, der hat jetzt seinen achtzig st en Ozeanflug gemacht. In von Gablenz und Buddenbrock haben wir zwei Männer mit größtem Organisatorischen und tech­nischen Weitblick, ohne den alle Erfindungen und genialen Konstruktionen nichts bedeuten. Nicht die technische Vervollkommnung hat es geschafft, son­dern geschafft haben es die Kerle, die eben die andern nicht haben. Und deshalb sind wir volle zwei Jahre hindurch die einzigen auf dem Süd- atlantik geblieben. Erst seit Mai dieses Jahres be­fliegen ihn auch die Franzosen,

Sehen Sie, ein Mann wie Gablenz läßt sich durch nichts beirren. Er und Buddenbrock sind immer ihren Männern mit der Tat vorangegangen, wenn es galt eine schwierige und gefährliche Etappe zu überwinden. Für ihn kommt es z. B. gar nicht darauf an, ob er drei Tage vor dem ersten Nord­atlantik-Erkundungsflug noch als 2. Flugzeugführer den Flug von Rio aus mitgemacht hat, nicht etwa nur auf einer der vier Etappen, wo sich die Be­satzung jeweils ablöst, sondern gleich auf allen vier hintereinander. Er war eigentlich noch kaum hier schließlich hat er ja als Direk­tor der Lufthansa auch immer noch eine kleine Nebenbeschäftigung! da zog er schon wieder los, nach Lissabon, zum Erstflug über den Nordatlantik."

Sind das nun alles Junggesellen oder sind auch einige Verheiratete darunter?"

Sechs sind verheiratet. Die Frauen krie­gen nicht viel von ihnen zu sehen, sie teilen das Los der Seemannsfrauen. Darum kommt es z. B. höchst selten vor, daß eine hier anruft, während sie ihren Mann auf dem Fluge weiß. Da macht nur die junge Frau unseres jüngsten Kapi­täns eine Ausnahme, die ruft jeden Tag an, wenn er unterwegs ist. Ich habe auch so etwas läuten hören, als wenn der junge Ehemann ihr täglich ein Telegramm schickte, zum Abgewöh­nen! Später geht es ihr bann auch vielleicht mal so wie einer der andern Kapitänsfrauen, die ich hier nicht nennen will, der ihr Mann aber mal bei einer recht brenzlichen Gelegenheit, wo sie ihn schon für so gut wie tot hielt, durchs Telephonzuge­flüstert" hat:Wenn du dich ängstigst, hättest du einen Klavierlehrer heiraten sollen!"

Ich könnte mir aber doch denken, daß selbst diese Kerle", wie Sie vorhin so treffend sagten, bei

Das Ehepaar hat jetzt acht Buben. Zum drittenmal sind Zwillinge zur Welt gekommen.

Zehn Todesopfer eines Derkehrsunglücks in der Türkei.

In der Nähe der türkischen Stadt Eskischehir ist am Montag der aus Istanbul kommende Taurus- Expreßzug an einem ungeschützten Bahnübergang mit einem vollbesetzten Autobus zusammenge- st o ß e n. Ehe der Expreß zum Halten gebracht werden konnte, wurde der Kraftwagen von der Lokomotive erfaßt und ein Stück mitgefchleift. Der Autobus wurde bei dem Zusammenstoß vollständig zertrümmert, wobei zehn Personen getötet und mehrere schwer verletzt wurden.

Einsturzunglück in Frankreich.

In Vitry le Francois ereignete sich bei der Vor­stellung eines Wandertheaters ein Einsturz­unglück. Der Boden des Tanzsaales, in dem eine Pariser Vorort - Theatergesellschaft ein Gastspiel gab, stürzte zu Beginn der Vorstellung ein. Etwa 80 Personen stürzten in die Tiefe, 20 wurden schwer verletzt.

Orkan und Erdbeben.

Auf der Polarinsel Jan Mayen ist die einzige menschliche Niederlassung, nämlich die norwegische Wetterdienststation, von einem schweren Erd­beben heimgesucht worden. Gleichzeitig wütete ein Orkan, so daß die Gebäude der Station von Zerstörung bedroht waren. Es wurde erheblicher Schaden angerichtet. Eine Reihe kleinerer Erdstöße folgte im Laufe des gleichen Tages.

Mörder zum Tode verurteilt

Das Oppelner Schwurgericht verurteilte den 21 Jahre alten Peter C z i ch o n wegen Mordes an feiner früheren Braut, der 18 Jahre alten Fran-

einem Unternehmen, wie der ersten Nordatlantik­überquerung, einigermaßen aufgeregt gewesen sind?"

Gespannt, das ist der bessere Ausdruck. Aber nicht darauf, ob es glücken würde oder nicht, dessen waren sie zuversichtlich gewiß, sondern, ob sie dieEuropa", die auch gerade an dem Tage auf dem Weg nach Neuyork war, treffen würden. Darauf freute sich besonders Kapitän Blanken­burg, der seinerzeit seine ersten Atlantikflüge von der Katapultvorrichtung der Europa aus gemacht hatte. Ausgerechnet war der erste Erkundungs­flugtag, der 10. September, mit außerordentlich schlechtem Wetter und Nebel bedacht. Das geht schon aus der ungewöhnlich langen Zeit hervor, die das Flugboot damals brauchte, 22 Stunden 22 Minuten ist es unterwegs gewesen, gegenüber etwa 16 Stunden an günstigen Tagen. Man hatte aber trotz allem schon auf 1000 Kilometer Entfernung Funkverbindung mit derEuropa" und eif­rig peilten nun die Bordfunker hüben und drüben sich aneinander heran. Gablenz schilderte es als. ein fast geisterhaftes Erlebnis, als plötzlich senkrecht unter ihnen das mächtige Schiff aus dem Nebel getaucht fei. Alle Rettungsboote, alle Decks seien schwarz von Menschen zum Teil von zurückfahrenden Olympiateilnehmern gewe­sen und der brausende Jubel habe das Drohnen der gewaltigen Oelmotoren sogar übertönt. Sie seien bann noch lange in Funkpeilung mit dem Schiff geblieben, das rasch in den Nebel zurück­gesunken sei."

Schläft denn die Besatzung nicht ein, wenn sie so viele Stunden hintereinander unterwegs sind?"

Auf dem ersten Erkundungsfluge hat keiner von allen gepennt! Sie haben alle durch­gewacht. Wenn man sie jetzt fragt, womit sie sich die lange Zeit denn vertrieben haben, dann wissen sie es selbst nicht mehr so recht. Die Spannung hat sie wachgehalten. ,Wir haben auf das Dröhnen der Mo­toren gehorcht, ist die sehr bezeichnende Antwort."

Die Maschinisten sind doch gewiß auch ganz aus» gesuchte Könner?"

Den einen, Oberflugmaschinist Gruschwitz, kann man sogar einen Pionier der Luftfahrt nen­nen. Er ist schon feit 19 12 bei der Luft­fahrt und hat 1913 den berühmtenFlug rund um Berlin" mitgemacht. Im Kriege war er Flugzeug­führer. Er ist aus der Mannschaft gar nicht weg­zudenken, schon wegen seinerGemiedlichkeit". Er ist der einzige, der mir eine Postkarte von den Er­kundungsflügen geschrieben hat, lakonisch, wie es seine Art ist, lautete sie: ,Lieber Herr Matthias, bis jetzt ist alles o. k. Morgen trudeln wir langsam (!) über die Azoren ... viele Grüße an alle, Ihr Grusch- witz/ Wir haben ihm diese inhaltsreiche Nachricht alle hoch angerechnet!"

Ist nun der Zepp keine Konkurrenz für Ihre Flüge?"

Nein, der Zepp versieht ja vornehmlich den Per­sonen- und Frachtverkehr. In absehbarer Zeit wer­den wir auch die Briefpost vom Zepp noch mit übernehmen, weil wir ja schneller sind. Schon in diesen drei Jahren haben wir ohne Zepp 1 0 Millionen Briefe hinüber und herüber befördert. Das Postaufkommen hat sich auf dem Südatlantik in der Zeit verzehnfacht. Dabei haben die Schiffe kaum nennenswerte Post verloren. Es ist also ein zusätzlicher Briefwechsel ent­standen, der für die enorme Verlebendigung des Verkehrs durch das Flugzeug spricht. Hinzu kommt die starke Werbung für deutsche Er­zeugnisse. Solche Flüge, wie die erste Nord­atlantiküberquerung bringen immer eine ganze Reihe von Aufträgen für Deutschlands Wirtschaft, für Flugzeuge, für Motoren und so weiter.

Eilig verabschiedete ich mich, stolz in dem Be­wußtsein, einem Volke anzugehören, in dem das alte Wikingerblut sich in immer neuen Eroberungs­taten beweist!

ziska K o r n e ck, zum Tode. Außerdem wurden ihm die Ehrenrechte auf Lebenszeit abgesprochen. Czichon hatte am 14. September seine Braut auf der Landstraße, wie er angab, aus Eifersucht getötet.

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Jahrgang 1915.

In diesen Tagen rücken die jungen Männer des Jahrgangs 1915 in die Kasernen der Wehrmacht ein, um ihre Wehrpflicht gegenüber Volk und- Daterland zu erfüllen. Dieser Tag ist für sie ein Ehrentag und für sie und für uns alle insofern ein Tag von besonderer Bedeutung, weil mit diesen jungen Rekruten zum erstenmal ein Jahrgang seine zweijährige Wehrpflicht erfüllt und mit diesem Ziel auch eingerücft ist. Es ist diesmal ein anderes Bild, als es bisher gewesen war, denn der Jahrgang 1914 hat noch nicht den Rock des Bürgers wieder angezogen, sondern dieser Jahrgang hat die Auf­gabe, auch noch ein zweites Jahr seiner Dienstpflicht abzuleiften. Die Gründe, warum das geschehen ist, sind den Soldaten bekanntgegeben, und sie sind auch von ihnen verstanden worden. Gewiß mag für manchen Soldaten des Jahrgangs 1914 der Beschluß der zweijährigen Dienstzeit eine Ueber- raschung gewesen sein, und hier und da sind auch schon Dispositionen für das bürgerliche Leben ge­troffen worden, aber in dem einen Jahr ihrer Dienstzeit haben die Soldaten verstehen gelernt, daß zum Soldatsein auch gehört, sich der höheren Pflicht unterzuvrdnen. Der Führer und Oberste Befehls­haber der Wehrmacht hat in Nürnberg ausgespro­chen, daß er volles Verständnis dafür habe, was Deutschlands Soldaten leisten müssen, aber dieser Beschluß ist einer harten Notwendigkeit entsprun­gen, wie ein Blick in die Welt rundum und vor allem ein Blick nach der waffenstarrenden Sowjet­union beweist.

Die Soldaten des Jahrgangs 1914 haben ihr erstes Dienstjahr hinter sich. Sie haben in den Mcmövern und Hebungen der letzten Wochen ge­zeigt, was sie gelernt haben. Jetzt kommt es, nach wohlverdienten Tagen der Ruhe, darauf an, diese Ausbildung nach jeder Richtung hin zu ergänzen und zu vertiefen, und manche der jungen Männer des Jahrgangs 1914 werden auch Gelegenheit haben, ihren jüngeren Kameraden, den Rekruten des Jahrgangs 1915, ein Helfer in der Ausbildung zu sein. Die bisherige Dienstzeit von einem Jahr reichte nach dem Urteil aller maßgebenden Soldaten­führer nicht aus, um die Soldaten so auszubilden, wie sie für den Ernstfall ausgebildet werden müssen. Die weitere Ausbildung nützt daher den Soldaten selbst für ihre soldatische Pflichterfüllung. Sie wird ihnen aber auch bestimmt gute Dienste für ihr künftiges Leben leisten. Alsdann muß berücksichtigt werden, daß die kommenden Jahrgänge in Deutsch­land, bis etwa 1940, zu den geburtenschwachen Jahrgängen gehören. Dies sind die Kinder des großen Krieges, und diesmal im Jahre 1936 treten mit dem Geburtenjahrgang 1915 nur rund 350 000 junge Männer in das wehrpflichtige Alter. Das ist nicht einmal die Hälfte eines Vorkriegsjahrganges. Dabei muß natürlich noch berücksichtigt werden, daß ja nur ein Teil, wie wir hoffen, ein guter Teil, dieses Jahrgangs als militärdienfttauglich erkannt worden ist.

Wenn nun in den nächsten Wochen diese jungen Männer ihren Soldateneid schwären, so geschieht das in Anwesenheit der den Truppenteilen jetzt vom Führer verliehenen neuen Regimentsfahnen, die die Tradition der ruhmreichen Fahnen der alten Armee fortfetzen. Die jungen Rekruten werden dann auch wissen, daß der Soldateneid, den sie lei­sten, nicht mehr einem Dokument gilt, sondern einer neuen Jdeenform, die die persönliche Bindung an den höchsten Befehlshaber vollzog, die bis zum Zu­sammenbruch am Ende des Weltkrieges bestanden hatte und die jetzt wieder hergestellt ist. Der Deutsche braucht eine Verkörperung der Idee, der er seine Dienste weihen soll, und der auf die Per­son geleistete Eid bindet fester als der Eid auf einen bloßen Begriff. Mit diesem Eid verschreibt sich der Soldat mit Leib und Leben dem Führer und gibt das feierliche Versprechen, die soldatischen Pflichten in unbedingtem Gehorsam zu erfüllen. Die Kraft des persönlichen Eides liegt ferner in der Betonung der Volkstreue, die bei den Germanen üblich war und bei der deutschen Natur stets eine hervorragende Rolle in der soldatischen Moral ge­spielt hat und auch weiterhin spielen wird.

Deutschlands junge Rekruten dürfen überzeugt sein, daß der Jahrgang 1914 mi. dem Jahrgang 1915 gute Kameradschaft halten wird. Die Unter­offiziere und Offiziere werden ihnen Führer, aber sie werden ihnen auch stets gute Kameraden sein. Neben dem Gedanken der Kameradschaft wird in unserer jungen Wehrmacht, und zwar in allen drei Teilen, auch der soziale Gedanke in seiner ideellsten Form verkörpert. Wer Hilfe braucht, dem wird Hilfe zuteil, jetzt und in Zukunft. Die jungen Sol­daten dürfen und sollen mit ihren Sorgen zu ihrem Korporalschaftsführer, ihrem Feldwebel und ihrem Kompaniechef kommen. Sie werden jederzeit ein offenes Ohr finden. Sie dürfen ebenso über­zeugt sein, daß auch für sie gesorgt sein wird, wenn sie ihre Dienstpflicht erfüllt haben. Die Einrichtung der Fürsorgeoffiziere ist ja gerade zu diesem Zweck geschaffen worden. Die Pflichten des Dienstes müs­sen selbstverständlich voll erfüllt werden, aber dis jungen Soldaten des Jahrgangs 1915 sollen auch wissen, daß wir alle stolz auf diese neuen Rekru­ten sind und daß alles getan wird, um ihnen die Erfüllung ihrer Pflichten möglich zu machen. Der Jahrgang 1915 knüpft wiederum an die stolze Dienstzeit der zweijährigen Dienstpflicht im alten Reich. Im Gedanken an das, was ihre Väter im Frieden und im Krieg geleistet haben, werden Deutschlands jüngste Rekruten nun ihre soldatischen Pflichten erfüllen. K. B.

Hauptschriftleiter Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Verantwortlich für Politik und für die Bilder: Dr. Fr. W. Lange; für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigen­leiter: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. D. A. IX. 36: 9650. Druck und Verlag: Brühl'sche Universitäts-Buch- und Steindruckerei R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen. Monatsbezugspreis RM. 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr. Einzelverkaufspreis 10 Pf. und Samstags 15 Pf., mit der Illustrierten 5 Pf. mehr.

Zur Zeit ist Preisliste Nr. 3 vom 1. Juni 1935 gültig.

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