Ausgabe 
28.8.1936
 
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Nr 201 Erster Blatt

186. Zahrgang

Zreitag, 28. August 1936

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Verschwörung in der Noten Armee?

Flugblätter der Trotzkisten in allen sowjetrussischen Garnisonen.-Bier Generäle verhafiet.

Unbegrenzte Vollmacht für den Chef der GPLt.

London. 28. Aug. (DRV. Funkspruch.) ..Daily Expreß" bringt eine Meldung aus Warschau, wo­nach der Chef der GPU. nach einer Geheim­konferenz mit Stalin Vollmacht erhalten habe, nach eigenem Gutdünken jeder­mann zu verhaften, den er für einen Gegner Stalins halte. (Es handele sich um die größte Säuberungsmahnahme in der Geschichte der Sowjetrepublik. Vier hohe Offiziere, die Generäle Schmidt, Sapojnikow, Kusnezow und Tulijn, feien gleichfalls verhaftet worden. Ls bestehe der starke Verdacht, daß innerhalb der Roten Armee eine Verschwörung vor­bereitet werde, um den Kriegsminister Woro­schilow zu ermorden. Berichte seien im Kreml eingetroffen, daß in ganz Rußland in den Garni­sonen Flugblätter verteilt würden, die zum Aufruhr auffordern mit den Worten:Trotzki, euer Führer, der die Armee geschaf­fen hat, ist verbannt, kämpft für ihn. Rache für Sinowjew und Kamenew."

Sowjelrussischer Militärattache in London in den Trotzki-Prozeß verwickelt.

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Zwischen Metz und Bourges werden französische Luftmanöver abgehalten. Es ist bezeichnend, daß sich unter den Gästen zahlreiche Sowjet-Generale befinden, denen Festungswerke gezeigt werden sollen, die bisher noch kein Fremder gesehen hat. Auf unserem Bilde sieht man Sowjet-Generale mit französischen und anderen ausländischen Offizieren. (Scherl-Bilderdienst-M.)

GPU. in der Londoner Sowjetbotschaft.

London, 27. Aug. (DNB.) Nach Meldungen aus Moskau ist der Militärattache der f o w j e t r u s s i s ch e n Botschaft in Lon­don, General P u t n a, der sich auf Urlaub in Sowjetrußland befindet, im Zusammenhang mit dem angeblich gegen Stalin geschmiedeten Komplott der Trotzkisten verhaftet worden. Der im Moskauer Schauprozeß zum Tode verur­teilte und am Dienstag Hingerichtete Dreiser soll die Behauptung aufgestellt haben, daß Gene­ral Putna den Kreis der Trotzkisten verlassen habe, um seine Stellung in der Roten Armee beibehalten zu können. Er habe indessen seine terroristische Aktivität fortgesetzt und habe auch weiterhin Verbindungen mit Trotzki unterhalten.

Die Verhaftung Putnas erregt in England we­gen der Umstände, unter denen die Abreise des Generals erfolgte, beträchtliches Aufsehen. Zwei Tage bevor General Putna unter dem Vorwand, in Moskau an einer militärpolitischen Konferenz teilzunehmen, zurückberufen wurde, erschie­nen in der Londoner Sowjetbotschaft zwei Mitglieder der GPU, die sämtliche Privat­papiere des Botschaftspersonals, auch Putnas,

durchsuchten. Während in Moskau erklärt wird, daß General Putna der Mittäterschaft in der Verschwörung der Trotzkisten gegen Stalin und andere Sowjetführer beschuldigt wird, erfährt Evening News, daß er wahrscheinlich auch des militärischen Landesverrates angeklagt werde. An dem Tage, an dem Putna aus Sowjetrußland nach England zurückkehren sollte, hatte sich seine Frau auf dem Bahnhof in London zum Empfang eingefunden. Da Putna nicht eintraf, telegra­phierte sie nach Moskau, erhielt aber erst nach mehreren Tagen eine Antwort, die sie veranlaßte, ihre Habseligkeiten zusammenzupacken und Lon - don zu verlassen. Die Sowjetagenten in London haben in London Erkundigungen über d e n Umgang Pu tnas in hiesigen Emigrantenkreisen eingezogen. Besonders versuchten sie festzustellen, ob Putna Besucher vom Festlande empfangen hat. General Putna hat auf der Moskauer Militärakademie studiert und war ein Schützling des zur Zeit noch in

Amt und Würden befindlichen Kriegsministers Woroschilow, dem er auch seinen Attache­posten in London verdankt.

Arohe Manöver der Hofen Sfrmee.

Moskau, 27. Aug. (DNB.) Die großen Herbst- manöoer der Roten Armee werden dieses Jahr An­fang September in Weißrußland stattfinden. Der Standort des Hauptquartiers wird Smo­lensk sein. Jedoch auch in anderen Teilen der Sowjetunion werden gegenwärtig Hebungen und Manöver sämtlicher Truppenteile abgehalten, so vor kurzem große Luftmanöver in der Nähe von Leningrad in Verbindung mit Luftfchutz- und Verdunkelungsübungen. Die Moskauer Presse meldet von den Herbstmanövern der Truppen des kaukasischen Militärbezirks sowie Luft- manövern und Luftschutzübungen im Umkreis der Hauptstadt Weißrußlands, Minsk.

General Franco Oberbefehlshaber der naiionalen Glreilkräste Spaniens.

Das Ziel der nationalen Erhebung Befreiung vom Joch Moskaus.

Hendaye, 28. Aug. (DNB. Funkspruch., Der Radiosender Burgos protestierte gegen die an­dauernde Gold ausfuhr der Bank von Spanien nach Frankreich, die allmählich nicht mehr zu verantwortende Betrage erreiche, und fragt Frankreich, was es denn eigentlich mit diesem Gold vorhabe und was die Gegenleistung dafür fei? Ferner teilte Burgos mit, daß General Franco von dem nationalen Verteidigungsaus. schuß in Burgos zum Vberbe ehlshaber sämtlicher nationaler Streitkräfte Spaniens ernannt worden fei. Der Sender wandte sich mit aller Schärfe gegen die Behaup­tung, daß es sich um die ein eitige Vertretung irgendeiner sozialen Klasse handele. In den Reihen der für die Befreiung S p an i e ns vom Moskauer Joch kämpfenden Manner beenden sich Angehörige aller fo z i a len Sch ch - t en und aller Parteien, die nur ei n Ziel kennen, ihr Vaterland von den negatiaen inter- nationalen Einflüssen zu befreien und den fpant- (dien Staat auf einer neuen ft arten uni) sozial gerechten Grundlage aufzubauen.

Zuchthäusler bilden das MdriderVolSgericht Französischer Kreuzer schützt Kriegsschiff der Marxisten.

Lissabon 28. Aug. (DNB. Funkspruch.) In einer Rundfunkanfprache stellte General de Llano fest daß die Marxisten nur noch in einem Sr'ittel Spaniens herrschten In wenigen Ta- aen würden sie nur nach ein Fünftel besitzen. Sim Donnerstag hatten national- Muszeuge den Flugplatz von Baraja sund Cuatro Lientos bombardiert und großen Schaden angerichtet. Die Regierungsflugzeuge eien nicht zur Verfolgung aufgeftiegen. Man könne feststellen, daß die Regierungsflugzeuge unterlegen feien und

die nationale Flugwaffe in den letzten Tagen außer­ordentliche Erfolge zu verzeichnen hatte.

3n Madrid stritten sich jetzt 3 kommuni­st i s ch e Organisationen um die Macht. An der Spitze Sowjetrussen, jüdische Emi­granten und der kommuni st Heinz Reumann. Das Madrider Volksgericht, das über Leben und Tod politischer Gegner urteile, sehe sich aus 6 ehemaligen Zucht­häuslern zusammen, die noch vor 2 Mo­naten hinter Schloß und Riegel sahen.

Heber die französische Grenze seien übri­gens von neuem Waffen für d i e M ar je i ft e n in Irun eingetroffen. Der spanische Militäratache in Paris habe Paris, weil er die Waffenausfuhr nicht gut geheißen habe, verlassen müssen. Nach wie vor, sende die französische Volksfront Waffen und Munition nach Madrid. Im H a f e n v on Se­nil l a wurde, nachdem sich die Nebel verteilt hat­ten, der PiratenkreuzerM iguel de Corvan- te s" gesichtet. Die Hafenbatterien eröffneten sofort das Feuer. Gleich zu Beginn der Beschießung tauchte ein französischer Kreuzer auf, der sich schützend vor das Piratenschiff legte.

Mawflische Hilferufe nach Madrid.

Hendaye, 28. Aug. (DNB. Funkspruch.) Am Donnerstagabend fand zwischen Bilbao und Madrid eine Funkverständigung statt. Der rote Oberbefehlshaber von Bilbao bat mit schlecht ver- feierten Worten die Hauptstadt um Entsen­dung von Reservemannschaften und Material. Diese Bitte ist jedoch von Madrid abschlägig beschieden worden. Der Radiofender

Coruna teilt mit, daß die im Besitz der Marxisten befindliche Stadt Gijon ebenfalls Madrid u m Unter ft ü^ung gebeten habe, ohne eine po­sitive Zusage erhalten zu haben. Im Guadarrama- Gebirge sollen zahlreiche Angehörige der Zivilen Garde zu den Nationalisten überge­gangen fein.

blutiger Kamps bei Oviedo.

London, 28. Aug. (DNB. Funkspruch.) Die Nationalisten sollen gestern einen konzentri­schen Angriff auf b i e kantabrische Stadt Oviedo unternommen haben, wobei die Truppen der Madrider Regierung 500 Tote ver­loren hätten. Nach einem Bericht aus dem Haupt­quartier der Militärgruppe sollen die südwestlich von Madrid bei Toledo gelegenen Waffen- und Munitionswerk st ätten, die als ein­zige der Regierung verblieben seien, durch ein Unternehmen der Nationalisten zerstört worden fein. Aus der gleichen Quelle kommt die Nach­richt, daß drei Regierungsflugzeuge ab- geschossen worden seien.

Eowjetrussischer Fliegeroffizier alsGeschwaderkommandant inGpanien

Sevilla, 27. Aug. (DNB.) An Almeria ist am 19. August mit einem spanischen Regierungs- Wasserflugzeug ein aktiver sowjetrussi- scher Fliegermajor eingetroffen, um b i e Führung ein es Geschwabers zu überneh­men. Dem Major war ein spanischer Dolmetscher zugeteilt.

Sudeiendeuischer Wirischafiskamps.

Die 3,5 Millionen Subetenbeutschen in der Tschechoslowakei bilben seit Jahrhunberten einen einheitlichen S i e d l u n g s b e z i r k, in bem vor dem Weltkriege eine hochqualifizierte Industrie blühte, ba ber karge Boben im Gegensatz zu bem von ben Tschechen besetzten Gebieten die Masse der deutschen Bevölkerung nicht zu ernäh­ren vermag. Die tschechoslowakische Textilindustrie, Glasindustrie, Luxuswarenindustrie usw. ist eigent­lich deutschen Ursprungs und in ihren Betrie­ben waren zum allergrößten Teil deutsche Unter­nehmer und deutsche Arbeiter tätig. Seit dem 4. März 1919, als im Sudetenland friedliche Kund­gebungen für das Wilsonsche Selbstbestimmungs­recht mit einer brutalen Niederknüppelungspolifck der Tschechen beantwortet wurden, hat der tsche­chische Nationalismus, angeblich demokratischer Fär­bung, mit den gewaltsamsten Mitteln die fubeten« deutsche Wirtschaft zu zerstören und die Sudeten­deutschen zu entwurzeln versucht.

Der einheitliche Widerstand gegen eine derartige Mordpolitik hat jetzt den tschechischen Staatspräsi­denten Dr. Benesch in Reichenberg veranlaßt, den Sudetendeutschen gewisse Konzessionen zu ver­sprechen. Er gab zu, baß Fehler gemacht worben seien, bie sich nicht wiederholten sollten. Aber ba seine entgegenEommenben Worte eingewickelt waren in solche, bie als Konzessionen an ben schrotten tschechischen Nationalismus empfunben werben kön­nen, muß man erst bie Wirkung abwarten. Je- benfalls ist bie Versicherung bes Präsidenten, baß die Deutschen und die Tschechen im Staate a l s gleiche Parteien behandelt würden, bis jetzt lediglich ein frommer Wunsch, und auch die Aus­führungen des tschechischen Ministerpräsidenten Dr. Krofta, die Deutschen seien das zweite Staatsvolk der Tschechoslowakei, haben bisher in bezug auf die Gleichberechtigung der Deutschen noch keine Früchte getragen. Denn fast gleichzeitig kam in Prag das berüchtigte S t a a t s v e r t e i d i- gungsgesetz heraus, das die sudetendeutschen Grenzgebiete auch wirtschaftlich der Willkür rein tschechischer Nationalisten ausliefert.

Die sudetendeutsche Industrie ist nicht nur durch die Weltwirtschaftskrise, sondern gerade durch die Maßnahmen der Prager Burg zum Absterben ver­urteilt worden. Die Reichenberger Handelskammer hatte kürzlich dem Staatspräsidenten eine Denk­schrift übergeben, die rein zahlenmäßig ein erschüt- terndes Bild von den Wirkungen des tschechischen Nationalismus entwirft. Während sich im Durch­schnitt für die ganze Tschechoslowakei die Ar­beitslosigkeit auf je 1000 Einwohner auf 38 stellt, ist die Ziffer für das sudetendeutsche Gebiet 73! Schon darin prägt sich eine ungeheure Not aus. Zudem hat der tschechische Chauvinismus diese Not ausgebeutet, um den Sudetendeutschen das Brot zu nehmen. Allein in vier kleinen Bezirken sind seit dem Jahre 1922 153 sudetendeutsche Fabrikbetriebe eingegangen. Tausende von sudetendeutschen Arbeitern haben also allein durch den Ruin dieser Fabriken, die in Vorkriegszeiten blühten, ihr Brot auf immer verloren. Hinzu kommt, daß konsequent für die Verrichtung öffentlicher Arbeiten in fudeten- deutschen Bezirken auswärtige, das sind tsche­chische Firmen, herangezogen werden, die mit ihren tschechischen Hnternehmern und Arbeitern selbstverständlich auf Kosten des Sudetendeutschtums wirken.

Die Not der Sudetendeutschen ist infolgedessen aufs Höchste gestiegen. Nach der amtlichen tsche­choslowakischen Statistik betrug der Anteil der Sudentendeutschen an der Gesamtbevölkerung der Tschechoslowakei 22,32 Prozent. In Prozentsatz der Geburten der letzten fünf Jahre sind bie Subetenbeutschen aber nur an ber Gefamtbevöl- feruna beteiligt: 1930 mit 18.9 Prozent, 1931 mit 18,5 Prozent, 1932 mit 18,2 Prozent, 1933 mit 17.8 Prozent, 1934 mit 17,8 unb 1935 mit 17,3 Prozent. Hinzu kommt bie tschechische Schul­politik. Runb 80 Prozent ber subetenbeutschen Kinber finb nach amtlichen Angaben unterer­nährt: aber ba bie Minberheitenschulen nur eingerichtet werben, wenn 20 Prozent ber Bevöl­kerung einer ,,nationalen Minberheit" angehören unb biete Bestimmung gänzlich einseitig gegen bie Subetenbeutschen angeronnbt wirb, ist es sehr häufig, baß selbst bei 60 subetenbeutschen Kinbern in einem Ort keine Schule für sie vorhanden ist, während für die wenigen tschechischen Kinder eine besondere Schule errichtet wird, denn die Tschechen haben gemäß ben Leitworten ihrer chauvinistischen Presse bas Stichwort ausgegeben, man solle bie subetenbeutschen Dörfererobern", unb mit ber tschechischen Enteignung sube­tenbeutschen Bauerntums geht bas Einbringen ber Tschechen Hanb in Hanb. So kommt es, baß bei 3Vs Millionen Sudtendeut- schen nicht weniger als über eine halbe Million Erwerbstätiger arbeitslos ist, unb baß zur Zeit nur ein Bevölkerungsüberschuß gegenüber ben eingetretenen Sterbefällen von 1857 Personen be­steht. Die verschiebenen Notrufe ber Subetenbeut­schen finb bis heute unbeantwortet geblieben. Vielmehr hat bie tschechische Nationalisierungs­politik trotz aller offiziellen schönen Worte sich noch verstärkt.

Die Subentendeutschen verlangen nichts anberes, als baß sie im Staat als gleichberechtigt be­handelt und den gleichen Bedingungen auch in wirt­schaftlicher Beziehung unterstellt werden wie die anderen nationalen Minderheiten des tschecho­slowakischen Gemengselstaates. Die Verfolgungen des Deutschtums in Böhmen, die Vergewaltigung jedes deutschen Kultur- und Wirtschaftslebens, die