ein Monat Gefängnis nicht zu erwarten war. Die Eheleute Ernst Georg Heine wurden freigesprochen. Die Kosten des Verfahrens wurden den verurteilten Angeklagten auferlegt unter gesamtschuldnerischer Haftung. Soweit Einstellung des Verfahrens bxxn. Freisprechung der übrigen Angeklagten erfolgte, fielen sie der Staatskasse aur Last. Die Haftbefehle gegen die in Untersuchungshaft gewesenen Angeklagten Eheleute Alfred Heine und Wilhelm Lisiak wurden aufrechterhalten.
Oberhessen.
Ehrung durch den Führer.
* Homberg, 27. Mal. Der Justizsekretär bei dem hiesigen Amtsgericht, Johannes Gottfried Seibert, konnte heute auf eine 4 0jährige D i e n st z e t t zurückblicken. Aus diesem Anlasse hat ihm der Führer und Reichskanzler seine besten Wünsche ausgesprochen und damit den Ausdruck seines Dankes und seiner Anerkennung für die dem Reiche geleisteten treuen Dienste verbunden. Im Rahmen einer schlichten Jubiläumsfeier im Sitzungssaal des Amtsgerichts, an der die Beamten- schäft des hiesigen Amtsgerichtes teilnahm, wurde das Glückwunschschreiben des Führers dem Jubilar von dem dienstaufsichtführenden Richter, Oberamts- richter Gundrum, überreicht.
Hundert Lahre Gesangverein „Eintracht", Hungen. # Hungen, 28. Mai. Der hiesige Ge sa n g- verein „Eintracht" begeht am 27., 28. und 29. gimt die Feier seines hundertjährigen B e st e h e n s, verbunden mit dem Gruppensingen des Kreises Ehattia im Gau 12 (Hesien-Darmstadt) des Deutschen Sängerbundes.
Die Vereinsaeschichte über die ersten fünfzig Jahre des Bestehens des Vereins enthält nur lückenhafte Angaben. Nach der mündlichen Ueberlieferung alter Hungener Einwohner, namentlich der heute noch lebenden alten Vereinsmitglieder, sollen Altbürgermeister Zimmer, Bürgermeister Bender, Heinrich Ludwig Mitze, Konrad Haas, Kaspar Weck, Philipp Schäfer, Christian Scheuermann, Friedrich Zimmer und der Präzeptor Klein, der Dirigent des Vereins, die Gründer der „Eintracht" gewesen sein. Weihnachten 1836 sei in einer Versammlung im „Solmser Hof" nach eindringlichen Worten des damaligen Bürgermeisters Bender der Gesangverein „Eintracht" gegründet worden. Jahrzehntelang gehörte die „Eintracht" dem Lahntal-Sängerbuno an, den sie am 30. Dezember 1860 mitbegründet hat
Einen Wendepunkt in der Geschichte des Vereins brachte das Jahr 1896, in dem der Landwirt Philipp Seibert II. als Präsident und Lehrer Metz als Dirigent an die Spitze des Vereins traten. Bis zu jenem Jahre hatte der Verein nach zuverlässigen Ueberlieferunaen nur einen zweimaligen Präsidentenwechsel und ebenfalls einen zweimaligen Wechsel im Dirigentenamt zu verzeichnen. Bei den in der Vorkriegszeit üblichen Gesangswettstreiten konnte die „Eintracht" vielfache Erfolge erringen; u. a. errang der Verein auf dem Gesangswettstreit 1904 in Gießen einen fünften, in Assen- heim im Jahre 1905 einen zweiten und in Londorf im Jahre 1911 neben dem Ehrenpreis einen ersten Preis und den von dem damaligen Großherzog von Hessen gestifteten Ehrenpreis.
Am 29. und 30. Juni und 1. Juli 1912 beging der Verein die Feier seines 75jährigen Bestehens, verbunden mit dem 29. Bunüesfest des Lahntal- Sängerbundes. Zwei Jahre später begann der Weltkrieg, in dem vier aktive und drei passive Mitglieder des Vereins den Heldentod für das Vaterland starben.
Im Jahre 1917 verstarb der langjährige und verdienstvolle Präsident der „Eintracht" Philipp Seibert II., der über zwei Jahrzehnte mit großem Geschick und reichen Erfolg die „Eintracht" geführt hatte. Nach dem Kriege wurde die in den Kriegsjahren ruhende Sangestätigkeit wieder ausgenommen. Otto E b e r s o h n hatte den Vereinsvorsitz übernommen und führte die Geschäfte des Vereins bis zum Jahre 1921. Dann trat Ludwig Schneider an die Spitze des Vereins, der über ein volles Jahrzehnt in vortrefflicher Weise die Dereinsgeschäfte leitete. Am 12. März 1925 verstarb der Chorleiter Rektor Metz, der über 29 Jahre lang den Dirigentenstab der „Eintracht" geführt und den Verein zu großen Erfolgen gebracht hatte. Mehrfacher Dirigentenwechsel folgte in den nächsten Jahren.
Rudolf Heß vor den deutschen Frauen.
?armrtCc!1DeriruerAe5 Führers, Reichsminister Rudolf Heß, sprach in einer Kundgebung öer in©.=5rauenf$aft und des Deutschen Frauenwerkes in der Deutschlandhalle in Berlin. Dieses Bild zeigt Rudolf Heß, links von ihm Reichsfrauenführerin Frau Scholz-Klink und rechts den stellvertretenden Gauleiter G ö r l i tz e r. — (Scherl-Bilderdienst-M.)
Im Sommer 1930 schuf sich der Verein durch die Errichtung eines Singsaales ein eigenes Heim. Von diesem Zeitpunkt ab erlebte die „Eintracht" einen neuen Aufstieg. Heute steht sie innerlich und äußerlich gefestigt als leistungsfähiger Gesangverein da. Von dem jetzigen Vereinsführer Ludwig K a m - beitz und dem Chormeister Heinrich Dietrich werden die ideellen Kräfte des Vereins mit wunderbarer Liebe und Fürsorge gepflegt und immer wieder angeregt. Dazu kommen der rege Eifer und die vorbildliche Einmütigkeit der Sängerschar, die alle miteinander in gemeinsamer Arbeit am deutschen Lied danach streben, die große Tradition der „Eintracht" in vorbildlichem Dienst am deutschen Lied zum Besten des deutschen Volkes und Vaterlandes weiter wirksam zu erhalten.
Ein neues Heilwaffer in Bad Vilbel.
Bad Vilbel, 27. Mai. (LPD.) Die gestrige Gemeinderatssitzung in Bad Vilbel hatte sich mit Entscheidungen zu befassen, die für die Entwicklung des Bades von einschneidender Bedeutung sind. Neben dem Wasserlieferungsvertraa mit Dr. Vogelsberger wurde beschlossen, im Kurpark selbst eine Quelle zu bohren. Bereits eit längerer Zeit schweben Verhandlungen zwischen der Stadt bzw. der Badeverwaltung einerseits und Dr Vogelsberger anderseits über einen Mineralwasser-Lieferungsvertrag für die städtischen Badeeinrichtungen Das Wasser des Vogelsbergschen Sprudels hat nach den vorliegenden Analysen ausgezeichnete Heilwirkungen. Die städtische Badeverwaltung wird nach dem vorliegenden Vertrag,'der jetzt nach einigen Aenderungen vom Kreisamt Friedberg genehmigt ist, das Wasser für das Mineral- und Heilbad anstelle des früheren Sprudels verwenden. Es wird weiter für Trinkkuren abgegeben. Die Abgabe für Trinkkuren erfolgt sowohl im Kurhaus selbst, wie an einer zweiten Trinkstelle, die im Kurpark errichtet wird
Landkreis Gietzen
OO Klein-Linden, 27. Mai. Am Opfertag desDolksbundes fürdas Deutschtumim Ausland (VDA.) wurden hier durch den Verkauf von Kornblumen 33,79 Mark eingenommen. Die Sammlung war dop Schulkindern der oberen Volksschulklassen vorgenommen worden. — Die vom Reichsluftschutzbund durchgeführte Hausund Straßensammlung erbrachte den Betrag von 75,62 Mark.
Y Staufenberg,27. Mai. BeidemReichs- opfertag für den VDA. gingen hier 14,20 Mark ein.
Y Ruttershausen, 27. Mai. Die Hausund Straßensammlung des VDA. erbrachte hier den Betrag von 12 Mark.
csd Eberstadt, 27. Mai. Heute mittag kurz nach 12 Uhr verschied plötzlich infolge eines Herzschlages der Landwirt Johannes Geißler im Alter von 73 Jahren. Der Verstorbene, der sich noch großer Rüstigkeit erfreute, hatte den ganzen Morgen mit einem Enkel Gras gemäht. Als beide am Ende ihrer Arbeit waren, machte ein Herzschlag dem Leben des Großvaters ein Ende.
+ Lauter, 27. Mai. Die Sammlung des Reichsluftschutzbundes, die hier von dessen Mitgliedern durchgeführt wurde, ergab den Betrag von 13 Mark. — Bei der Sammlung des Reich s- m u t t e r d i e n st e s, die ebenfalls am Sonntag von der NS.-Frauenfchaft durchgeführt wurde, konnten alle Abzeichen verkauft werden. Der gesammelte Betrag beziffert sich auf 12 Mark.
Kreis Bübingen.
Q Nidda, 27. Mai. In dem benachbarten Geiß-Nidda schob ein Wagner einen Wagen aus seinem etwas abschüssigen Hofe auf die Straße, als im gleichen Augenblick ein Motorradfahrer vorüberfahren wollte. Das Motorrad wurde zur Seite geschleudert und erheblich beschädigt. Der Fahrer trug Prellungen davon, die ihn auf einige Zeit arbeitsunfähig machen.
tt. B o r s d o r f, 27. Mai. Einen eigenartigen Unfall erlitt heute der Landwirt Hermann Reichhardt von hier. Er war einem Manne beim Aufladen eines Schweines auf den Wagen behilflich, auf dem bereits ein Kälbchen stand. Durch das Schreien des Schweines wurde das Kalb unruhig und schlug.,aus, wobei es dem Mann ins Gesicht traf. Mit erheblichen Verletzungen über den Augen brach der Mann blutüberströmt ohnmächtig zusammen. Er mußte ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen
Kreis Alsfeld
<£ Alsfeld, 27. Mai. Auf Veranlassung der Ortsgruppe Alsfeld des Volksbundes für das Deutschtum im Ausland fand im großen Saale des „Deutschen Hauses" ein Lichtbildervortrag über Siebenbürgen und Südamerika statt. Der Leiter der Alsfelder Ortsgruppe, Dr. Schweißguth, ging in seinen einleitenden Be-
grußungsworten auf die große Bedeutung des VDA. näher ein, wobei er insbesondere zwei Ziele hervorhob: Aufklärung in der Heimat und Schaffung der Mittel zur Unterstützung der Ausländsdeutschen. Der Redner des Abends, Herr Weiß (Hungen), gab zunächst eine fesselnde Darstellung über Siebenbürgen, seine Heimat. Dieses herrliche, von deutschen Kolonisten zu hoher Blüte entwickelte Land, sei heute in Gefahr durch das massenweise Eindringen der Rumänen, die immer mehr Grund und Boden in Besitz nehmen. Die deutschen Gemeinden verarmen dort und können kaum noch ihre Kirchen und Schulen unterhalten. Sie bedürfen dringend der Hilfe der Volksgenossen im Deutschen Reich. Das zweite Gebiet, das der Redner seinen Zuhörern schilderte, war Südamerika. Im Gegensatz zu Siebenbürgen konnte sich in Südamerika die völkische Eigenart der Deutschen nicht so rein erhalten, wie dort, weil hier die deutschen Kolonisten nicht in geschlossenen Siedlungen wohnen, sondern auf ungeheuer großen Gebieten zerstreut sind, so daß schon viele im fremden Volkstum untergegangen sind. Der Redner gab eine interessante Schilderung über die großen Schwierigkeiten der Einwanderer. Er schloß mit der May- nung, das deutsche Blut im Ausland nicht zu vergessen. Die Kapelle des Arbeitsdienstes Alsfeld erfreute bie Zuhörer mit ihren flotten Weisen.
Kirche und E>chule.
Evangelisch-kirchliche Personalien.
In den Ruhestand versetzt wurden auf eigenen Antrag: der Pfarrer Paul Weber zu Schwanheim, Dekanat Frankfurt a. M.-West, mit Wirkung vom 1. November 1936 ab; der Pfarrer Gustav K l a w e zu Ruppertshofen, Dekanat Nastätten, mit Wirkung vom 1. Juli 1936 ab; der Pfarrer Eugen V ö m e l zu Rodheim a. d. Bieber, Dekanat Gladenbach, mit Wirkung vom 1. Oktober 1936 ab; der Pfarrer Lic. Wilhelm Schaefer zu Frankfurt a. M.-Preungesheim, Dekanat Frankfurt a. M.-Ost, mit Wirkung vom 1. Mai 1936 ab.
Entlassen wurde auf seinen Antrag: der Pfarrer Lic. Hans von der Au, zuletzt Landesjugendpfarrer zu Darmstadt, aus dem Dienst der Evangelischen Landeskirche Nassau-Hessen, mit Wirkung vom 5. Februar 1936 ab. Er ist unter Berufung in das Beamtenverhältnis zum Studienrat an der Oberrealschule in Darmstadt ernannt worden.
Ernannt wurden: der Pfarramtskandidat Ernst Grein zu Affolterbach, Dekanat Zwingenberg, zum Pfarrverwalter der Pfarrei Eschenrod, Dekanat Schotten, mit Wirkung vom 16. April 1936 ab; der Pfarramtskandidat Otto Praetorius zu Langd, Dekanat Hungen, zum Pfarroerwalter der zweiten Pfarrei Lauterbach, Dekanat Lauterbach, mit Wirkung vom 16. April 1936 ab; der Pfarramtskandidat Berthold Sohn zu Ober-Widdersheim, Dekanat Hungen, zum Pfarrverwalter der Pfarrei Schornsheim, Dekanat Oppenheim, mit Wirkung vom 16. April 1936 ab; der Pfarramtskandidat Otto Raabe zu Udenheim, Dekanat Oppenheim, zum Pfarrverwalter der Pfarrei Ober- Widdersheim, Dekanat Hungen, mit Wirkung vom 16. April 1936 ab; der Pfarramtskandidat Karl Stiehl aus Löhnberg (Lahn) zum Pfarrverwal- ter der Pfarrei Simmersbach, Dekanat Gladenbach, mit Wirkung vom 1. Mai 1936 ab; der Marinepfarrer i. R. Fritz Haupt aus Kiel zum Pfarrver- walter der Pfarrei Kostheim, Dekanat Mainz, mit Wirkung vom 1. Mai 1936 ab; der Pfarroerwalter Walter Maus zu Nenderoth, Dekanat Herborn, zum Pfarrverwalter der Pfarrei Strintz-Marga- rethae, Dekanat Bad Schmalbach, mit Wirkung vom 1. Mai 1936 ab; der Pfarramtskandidat Ernst Betten zu Bechtheim, Dekanat Worms, zum Pfarroerwalter der Pfarrei Langd, Dekanat Hungen, mit Wirkung vom 16. April 1936 ab; der Pfarramtskandidat Willi Frey zu Battenberg, Dekanat Biedenkopf, zum Pfarrverwalter der Pfarrei Ranstadt, Dekanat Büdingen, mit Wirkung vom
warum wollen Sie so leichtsinnig sein und Ihre Haut ungeschützt der Sonne aus- setzen? Es gibt doch Nivea. Wenn man sich vor jeder Sonnen bestrahlung gut mit Nivea- Creme oder mit Nivea-Öl einreibt, dann erhält man ganz wunderbar schnell eine herrlich natürliche Hautbräunung.
MUWAlMykMl
Roman von Marlise Köllinq.
Urheberrechtsschutz: Verlag Oskar Meister, Werdau.
26 Fortsetzung Nachdruck oerbotenl
Jens Petersen überlegte kurz:
„Lassen wir ihn ein Weilchen dort, Benedikte. Ich werde einmal herumhorchen, ob er da oben zu bleiben gedenkt, ob er etwa nach Hause zurück- kehren will ober was seine Pläne sonst sind. Hier auf der Insel erfährt man ja vieles, wenn man etwas erfahren will Schlimmstenfalls, muß man mit ihm sprechen "
Benedikte reichte dem Lehrer die Hand:
.Lrnrner wenn ich nut irgendeiner Sorge zu Ihnen komme, wissen Sie einen Rat und einen Trost-
Jens Petersen sah sie an:
„Das war das beste Geschenk, das Sie mir geben konnten, Benedikte. Kommen Sie nur mit allem, was Sie bedrückt, zu mir. Und wenn ich Ihnen helfen kann, dann bin ich so tief dankbar — ach, Benedikte, ich möchte Ihnen soviel sagen, ich —"
Er wollte sie an den Händen heranziehen, lieber« mächtig brach das Gefühl seiner Liebe zu ihr in ihm auf.
Benedikte fühlte em süßes Erschauern. Jetzt kam das Wort, auf das sie so lange gewartet. Jetzt würde er sie an sein Herz ziehen, letzt würde er ihr sagen, daß er sie liebte--
Drüben vom Strand her kamen mit langen Schritten ein paar Fischer
Däh fuhren sie aus ihrer süßen Versunkenheit auf.
..Holla, Schulmeister", rief einer mit hallender Stimme, „kümens doch mal bi uns!"
Erschrocken lösten sich Benediktes und Jens Petersens Hände.
,Hch komme gleich, Schlüter", rief Jens Petersen. Dann sagte er hastig: „Auf später, Benedikte. Haben Sie heute abend Zeit? Wollen wir spazieren gehen?"
Sie nickte. Sehnsüchtig und traurla sah sie ihm
nach.
Warum mußte dieser glücksschwere Augenblick zerstört werden? Sie wußte, einem Menschen wie Jens Petersen wurde es schwer, von sich zu sprechen. Sie hatte einen ordentlichen Zorn auf Hein Lüders, der jetzt sicher mit irgendwelchen ganz gleichgültigen Sachen Jens Petersen mit Beschlaa belegte
Als Benedikte ins Haus zurückkehrte, sah sie Kunsthändler Torsson und Hello Steffens bereits im Garten auf- und abgehen.
Diesen Besuch hatte sie vollkommen vergessen. Wie peinlich, nun Hans-Hermann auf der „Burg" war. Gott mochte wissen, was er von dem Zer- würfnis erzählt hatte
Aber Torsson und Steffens berührten die Sache zwischen ihr und Hans-Hermann überhaupt nicht.
„Gut bekommen, mein gnädiges Fräulein?" fragte Steffens „Also hier bringe ich Ihnen Herrn Torsson. Ich denke, wir lassen ihn am besten einstweilen ganz allein, damit er sich m die Bilder vertieft. Hier rechts, zweite Tür."
Torsson verschwand Kaum war er außer Sehweite, sagte Steffens gedämpft:
„Fräulein Zedlitz, ich habe Torsson absichtlich allein hinaufgeschickt, damit ich ungestört mit Ihnen sprechen kann Sie wissen wohl, daß Ihr Vetter bei uns gelandet ist?"
Benedikte nickte.
„Ich weiß" sagte sie gepreßt, „ich begreife nur nicht, er kennt doch Graf Lonne kaum. Wie ist das möglich?
Steffens lachte auf. Täuschte Benedikte sich? Oder klang das Lachen etwas zynisch?
„Wenn so hübsche Frauen im Spiel sind wie Peggy Trilow, dann sind manche Dinge leicht zu begreifen, Fräulein Zedlitz. Im übrigen ist Graf Lonne gewöhnt, daß ihm plötzlich Einquartierung ins Haus geschneit kommt. Ihr Vetter hat ihm sehr gut gefallen. Vielleicht kann er ihn auch bei seinen verschiedenen Unternehmungen irgendwie unterbringen. Denn für die Mitarbeit hier auf Ihrem Gütchen scheint er sich doch wirklich nicht zu eignen. Sie müssen mir nicht böse fein, daß ich diese Sache erwähne. Ich möchte nicht gern taktlos erscheinen. Nur, Fräulein Zedlitz —seine Stimme wurde weicher, werbender, „der Graf macht es sehr von mir abhängig, ob er Ihren Vetter in feine Dienste nimmt. Und ich hinwiederum" — er schien zu zö
gern — „ich möchte nichts tun, was Ihnen irgendwie Schmerz bereiten könnte."
Benedikte sah ihn verständnislos an:
„Aber wenn Graf Lonne imstande ist, meinem Vetter irgendeine Arbeit anzubieten, die ihm entspricht und ihn ernährt, dann muß ich ja nur sehr dankbar sein, Herr Steffens."
„Und Sie würden nicht traurig darüber sein, wenn Ihr Vetter Sie für immer verließe?"
„Aber nein, Herr Steffens, keineswegs."
Steffens atmete tief auf:
„Das wollte ich nur hören, Fräulein Zedlitz. Ich danke Ihnen sehr."
„Wofür denn, Herr Steffens?"
Er blickte sich um, feine Stimme wurde leise:
„Ich — ich habe geglaubt, Fräulein Zedlitz, Ihr Herr Vetter stände Ihnen sehr nahe, und aus diesem Grunde zögerte ich. Aber nun bin ich sehr froh, Fräulein Zedlitz, sehr froh. Denn ich —"
„Bitte sprechen Sie nicht weiter!"
Benedikt trat erschreckt zurück. Was meinte der Mann?! Wie sah er sie denn an?! Ums Himmels willen, da würde sich doch nicht noch einer in sie verliebt haben--
„Ich glaube, Herr Torsson kommt!" Hastig wandte sie sich zur Treppe. Wirklich, wie ein Retter in höchster Not erschien Torsson. eine schwere Mappe schleppend
„Also, Fräulein Zedlitz, ich habe mir alles genau angesehen und ausgeschrieben Ich möchte Ihnen heute noch kein Angebot machen. Ich will mir erst alles einmal zu Hause genau durchrechnen und Sie dann zu einer Besprechung bitten. Einverstanden? In dieser Mappe hier befinden sich übrigens die Studien, von denen Ihr Herr Vetter gesprochen hat. Auch sie repräsentieren immerhin einen gewissen Wert. Würden Sie sie mir zu treuen Händen übergeben?"
„Selbstverständlich, Herr Torsson."
„Dann lasse ich bald von mir hören. Auf Wiedersehen, Fräulein Zedlitz!"
Benedikte hatte Angst, daß Steffens vielleicht noch bleiben würde. Aber er verabschiedete sich sofort.
Sie atmete erleichtert auf, als die beiden Männer den draußen wartenden Wagen bestiegen hat- ten und davonfuhren. Es war 'wie verhext. Sie beschloß, sogleich Steffens soviel wie möglich aus
dem Wege zu gehen. Der war sonst imstande und machte ihr noch eine Liebeserklärung ...
All die Stunden bis zu ihrer Zusammenkunft mit Jens Petersen verbrachte Benedikte in einer bedrückten Unruhe. Es war ihr diesmal noch gelungen, Steffens auszuweichen, und es würde ihr vielleicht weiter gelingen. Aber schon der Gedanke, diesen Mann hier auf der Insel zu wissen, seine Wünsche zu ahnen und doch nicht erfüllen zu können, war unheimlich.
Sie konnte nichts Unausgesprochenes und nichts Unklares ertragen. Vor einem Menschen zu fliehen, nur um ihn nicht zum Reden kommen zu lassen, paßte so gar nicht zu ihr. Das war ja auch das Verhängnisvolle mit Hans-Hermann gewesen: sie konnte nur gedeihen, sie konnte nur atmen in einer Atmosphäre der absoluten Aufrichtigkeit. Man war einem Menschen Freund oder Feind, man war einem Menschen Kamerad oder Liebster. Alle diese Zwischentöne, diese halben Klarheiten, wie sie andere ertragen mochten, wie sie sie in der Großstadt so oft bei ihren Kolleginnen gesehen — sie selbst konnte damit nicht fertig werden.
Aber nun war es ja bald Abend. Jens würde kommen, und dann würde alles gut fein.
*
Der abnehmende Mond stand wie eine ganz rfjmale Sichel am Himmel. Die letzten Vögel' auf dem Süderende der Insel flogen zu Nest. Der- pätete Segelschiffe der Fischer und Badegäste kehrten langsam in den Hasen zurück.
Benedikte und Jens Petersen saßen oben am Leuchtturm in einer Hügelsenke. Vor ihnen lag das Meer, tiefblau und sanft rauschend.
Sie waren schweigend durchs Dorf gegangen, schweigend über die Wiesen und die Anhöhe hinaus. Ihre Herzen waren erfüllt von Sehnsucht und unausgesprochenen Worten. Ohne jede Ueberein- kunft hatten sie sich hier heraufgefunden, wo es still war und frei. Sie hatten sich niedergelassen auf die Wiese, ringsum duftete es süß von Thymian. Eine verirrte Hummel summte an ihnen vorüber. Und nun wieder Stille. Es war Benedikte so selbstverständlich, daß Jens Petersen jetzt ihre Hand nahm, daß er endlich zu ihr sprach.
„Benedikte, ich habe so lange mit mir gekämpft aber ich muß es Ihnen endlich sagen. Ich habe Sie chrecklich lieb, Benedikte. Ich habe Sie lieber als alles auf der Welt * * (Fortsetzung folgt)


