Ausgabe 
28.1.1936
 
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einnahmt. Insgesamt hat sich also das Aufkommen an Steuern und Zöllen gegenüber Dezember 1934 von 764,5 auf 967,5 Millionen RM. erhöht. Für Vas erste bis dritte Viertel des Rechnungs­jahres 1935 stellt sich das Mehraufkommen an Besitz- und Verkehrssteuern auf 948,3 Millionen Reichsmark, an Zöllen und Verbrauchssteuern auf 160,6 Millionen RM., zusammen also auf 110 8,9 Millionen R M. Unter Berücksichti­gung der Aussonderungen und Sondereinnahmen im Vorjahr beträgt das wirkliche Mehraufkommen in den ersten neun Monaten 1935 gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres 949,1 Millionen Reichsmark.

Der deuischeViehbestand1935

Nach Mitteilung des Statistischen Reichsamts hat die Viehzählung am 3. Dezember 193 5 im Deutschen Reich ohne Saarland folgende Gesamt­bestände (gegenüber der Z 1934) ergeben: Pferde 3,38

Rindvieh 18,85

davon Milchkühe 8,89 Schweine 22,72

Schafe 3,92

Ziegen 2,44

Hühner 85,45

davon Legehühner 56,21 Gänse 5,44

Enten 2,57

Bienenstöcke 2,12

Gegenüber der Dezemberzählung 1934 ist bei Pferden diesmal wieder eine leichte Zu­nahme des Gesamtbestandes zu verzeichnen, und zwar um rund 18 000 = 0,5 v. 5). Die in dem letz­ten Zähre wahrnehmbare Wiederoergrößerung der Nachzucht an Pferden hat weiter angehalten. An Jungfohlen (unter einem Jahr) sind allein 25 000. Tiere 13,8 v. H. mehr vorhanden als zur glei­chen Zeit des Vorjahres. Der Rindviehbe- st a n d ist insgesamt um 344 000 Tiere = 1,8 d. 5). kleiner geworden, darunter an Milchkühen um 227 000 = 2,2 v. H. Die Ursache hierfür dürfte in erster Linie durch das Ausmerzen wenig leistungsfähiger Kühe bedingt sein. Von Bedeutung ist, daß der Gesamtbestand an über zwei Jahre alten weiblichen Tieren (einschließlich Färsen und Kalbinnen) nur um rund 73 000 = 0,7 v. 8). hinter dem Vorjahr zurückbleibt. Infolge­dessen kann mit einem erhöhten Bestand an Färsen und Kalbinnen gerechnet werden, die für den Nach­wuchs an Jungkühen in Betracht kommen. Bei den unter zwei Jahren alten Rindern hat sich der Be­stand an Jungvieh um 297 000 Tiere 4,9 v. 5). verringert, während der Kälberbestand um 89 000 Tiere = 6,5 v. H. gestiegen ist.

Die Schweinehaltung hat bis auf einen Minderbestand von 448 000 Tieren 1,9 v. H. die Dorjahreshöhe nahezu wieder erreicht. Der Aufbau der deutschen Schafzucht hat sich in noch stärke­rem Maße als im Vorjahr, fortgesetzt. Insgesamt waren 435 000 Schafe = 12,5 v. H. mehr vorhan­den als zur gleichen Zeit des Vorjahres. Der Be­stand an Jungschafen (unter einem Jahr alt) ist fast um ein Fünftel größer geworden (plus 213 000 Tiere) Bei Ziegen ist ein Rügang um 52 000 Stück = 2,1 d. H. zu verzeichnen.

In der Geflügelhaltung hat die Zahl der Gänse um 6,8 v. H., der Enten um 5,6 o. $). und der Hühner um 0,5 v. H. abgenommen. Während die Zahl der Legehühner um 1,1 Mill. 2 v. H. kleiner geworden ist, hat sich der Bestand an Jung­hennen um mehr als 851 000 Tiere = 3,8 v. H. er­höht. In der Bienenhaltung weist die neue Bestandszählung rund 118 000 Bienenvölker mehr auf als im Vorjahre.

Oie größte Kaninchenschau der Wett.

Am 1. und 2. Februar 1936 führt dieReichs­fachgruppe Kaninchenzüchter", die demReichs­verband Deutscher Kleintierzüchter" angehört, i n Leipzig ihre3. Deutschlandschau" durch. Wie ihre beiden Vorgängerinnen wird auch diese Ver­anstaltung die größte Deutschlands, ja, überhaupt der ganzen Welt sein. Schon jetzt beträgt die Zahl der gemeldeten Tiere, die unter Konkurrenz zur Ausstellung gelangen, weit über 5000 Stück. Außerdem aber kommen eine stattliche Anzahl von Tieren hinzu, die außer Konkurrenz stehen, wie z. B. Häsinnen mit Jungen, Tiere in den Lehr­ständen ujw. Doch nicht allein die lebenden Pracht­exemplare ihrer Art wird man dort bewundern können, auch alles das, was sie nach ihrem Tode liefern, wird man zu Gesicht bekommen. Auch sie erlangen erst nach ihrem Tode eine gewisseBe­rühmtheit"!

So werden in der reichen Produktenschau die vielseitigen Verwertungsmöglichkeiten, die das Kaninchen in großer Fülle bietet, eindring­lich vox Augen geführt. Die gezeigten Fertigwaren find fast ausschließlich durch die Heimarbeit unserer deutschen Züchter frauen ent­standen. Damit wird ein gangbarer Weg gewiesen, wie jeder sich auf verhältnismäßig einfache und vor allem billige Weise in den Besitz schützenden Pelz­werks oder schöner Stricksachen setzen und wie er seine Ernährung durch einen schmackhaften Braten oder andere Fleischgerichte verbessern kann.

Hat man hierurch einen Anreiz zur Zucht und Haltung der Kaninchen bekommen, so zeigen weitere Lehrstände, wie man am zweckmäßigsten eine der­artige Zucht aufbaut. Falsche und richtige Stall­anlagen und Einrichtungen lassen erkennen, welche Maßnahmen in der Praxis anzuwenden sind, um Mißerfolge in der Zucht und unnötige Geldaus­gaben nach Möglichkeit zu vermeiden.

Zur Belebung des Gesamtbildes wird ein Frei­gehege mit Wildkaninchen auf die Ur­form des Kaninchens Hinweisen. Von diesem Wild­kaninchen stammt unser heutiges Hauskaninchen mit seinen rund dreißig Rassen ab. Die deutschen Züch­ter haben durch ihre langjährigen Erfahrungen be­wundernswerte Verbesserungen bei den einzelnen Rassen erzielt.

Deutsche Gesellschaft für Ernährungsforschung."

Die Bedeutung einer richtigen, d. h. der Gesund­heit und Leistungsfähigkeit des einzelnen dienenden Volksernährung, die im Einklang mit unseren wirt­schaftlichen Belangen steht, ist nicht hoch genug ein­zuschätzen. Seit längerer Zeit arbeitet auf diesem Gebiet die Reichsarbeitsgemeinschaft für Volksernährung, und vor kurzem konnte auch von der Einsetzung von Ernährungs- referenten bei den Gauämtern des Hauptamtes für Volksgesundheit berichtet werden. Diese Arbeit be­darf einer einwandfreien fachlichen Grund­lage. Aus diesem Grunde wurde die Deutsche Gesellschaft für Ernährungsforschung

geschaffen, die jetzt im Reichsgesundheitsamt unter dem Vorsitz des Präsidenten, Professor Reiter, ihre Eröffnungssitzung abhielt. In diese Gesellschaft wurden zahlreiche Fachleute der verschiedenen Ein­zelfächer (Physiologie, Pharmakologie, innere Me­dizin usw.) berufen, um die Voraussetzungen für jede praktische Arbeit zu schaffen. Die Notwendig­keit einer engen Verbindung zum Reich s- nährstand wurde besonders betont. Wichtig ist auch die enge Verbindung dieser ganzen Arbeit mit dem Deutschen Frauenwerk. Pro­fessor F l ö ß n e r , Leiter der neugegründeten Ab­teilung für Ernährung im Reichsgesundheitsamt, berichtete über die Aufgaben, die durchweg in eng­ster Beziehung zur Praxis der Erzeugung, Lage-

(NSG.) Die Tätigkeit unserer Industrie im ver­gangenen Jahr 1935 hat in allen Zweigen zu einem lebhaften Aufstieg geführt und war fast ausschließ­lich von dem Einsatz der geistigen und körperlichen Arbeit unserer Volksgenosien abhängig. Die Zeichen der Gesundung unserer Wirtschaftsführung offen­baren sich daher wohl auch hier am meisten.

Die wichtigsten Wirtschaftszweige unserer In­dustrieproduktion haben etwa folgenden Stand: Im Kohlenbergbau erhöhten sich die Produktion, Beschäftigung und Absatz im Jahre 1935 erheblich. Die Koksbestände der Halden verminderten sich laufenden Jahres, bedingt durch die Entwicklung der Industrie, um rund 1 Million Tonnen. Die Verminderung seit Anfang 1935 betrug bis jetzt rund 3 Millionen Tonnen. Bei den Steinkohlen und Steinkohlenbriketts haben sich die Beträge ebenfalls um eine erhebliche Anzahl von Tonnen erhöht. Die Haldenbestände bei den Braunkohlen­briketts zeigten eine Abnahme um etwa 500 000 bis 600 000 Tonnen. Die Kohlenausfuhr hat im Jahre 1935 stark zugenommen.

In dem Zeitraum von März bis November 1935 konnte die Rohstahlerzeugung eine Er­höhung von 3,1 Millionen Tonnen gegenüber dem Produktionsergebnis derselben Zeit des Jahres 1934 für sich buchen. Im ganzen war für das Jahr 1935 in der Stahlerzeugung eine Produktionsstei­gerung um rund 15 v. H. zu verzeichnen. An Roh­eisen und Weißfabrikation wurden in den ersten 10 Monaten des Jahres 1935 insgesamt 1865 000 Tonnen ausgeführt, das sind rund 350 000 Tonnen mehr als in der gleichen Zeit des Vorjahres. Die Einfuhr der gleichen Produktion hat sich dagegen um 50 v. H. vermindert. Demzufolge stieg der Außenhandelsüberschuß bei diesen Erzeugnissen von 47 Millionen Mark auf 149 Millionen Mark. In der nichteisenmetallschaffenden Jn- d u st r i e waren die Bemühungen, die Selbstversor­gung zu steigern, besonders groß. Dadurch stieg die Hüttenproduktion um rund 25 v. H. Die Einfuhr von Rohmetallen hat hier gegenüber dem Vorjahr abgenommen. Besonders stark davon betroffen sind Zink und Kupfer, weil zum Teil durch entsprechende Legierungen Einspa­rungen gemacht werden konnten. Durch diesen Wandel der Einfuhr entstanden bebeubenbe De­visenersparungen.

In ber Maschinenindustrie ist die Be­schäftigung und die Produktion im Jahr 1935 gegenüber dem Vorjahre gleichfalls sehr stark an­gewachsen. Die Umsätze sind in der ersten Hälfte des Jahres um rund 50 v. H. größer als in der gleichen Zeit des Vorjahres. Vom September 1934 bis September 1935 nahm die Anzahl der beschäf-

Paris, Januar 1936.

Die Neuwahlen zur französischen Kammer, die verfassungsmäßig alle vier Jahre fällig sind, werden aller Voraussicht nach am 26. Avril und am 3. Mai in den beiden üblichen Wahl­gängen stattfinden. Vierzig Tage vorher muß die Kammer ihre Pforten schließen, um den Abgeord­neten genügend Zeit zu lassen, ihre Wahlkreise zu bearbeiten und ihre Wiederwahl zu sichern. Tatsäch­lich dürfte die gegenwärtige Sitzungsperiode bereits in etwa einem Monat ihr Ende finden. Bis dahin ist irgendwelche nennenswerte Gesetzgebungsarbeit von dieser Kammer, die sich gewissermaßen i m letzten Stadium der Liquidation be­findet, nicht mehr zu erwarten. Das gesamte poli­tische Leben wird in die Wahlversammlungen ver­legt. Die Abgeordneten reifen in ihre Bezirke. Der Wahlkampf beginnt.

Unter diesem Gesichtspunkt muß die neue französische Regierung betrachtet und be­wertet werden. Die Radikalsozialistische Partei, welche in der Kammer über die bei wei­tem stärkste Gruppe (153 Abgeordnete) verfügt, hatte sich durch den Rücktritt ihrer Minister aus dem Kabinett Laval von der Regierungsmehrheit losgesagt, um für den Wahlkampf freie Hand zu haben. Den Linksparteien war es vor allem darum zu tun, den Ministerpräsidenten Laval zu stürzen, dessen Ansehen und Beliebtheit gerade in den Rei­hen der radikalsozialistischen Wähler in den letzten Wochen gewaltig zugenommen hatte. Die franzö­sischen Bauern, Handwerker und kleinen Angestell­ten, welche die etwa 2 Millionen Wähler der Ra­dikalsozialistischen Partei ousmachen, billigten vor allem den außenpolitischen Kurs des zu­rückgetretenen Ministerpräsidenten, der sich offen­sichtlich bemühte, Frankreich aus dem Konflikt zwi­schen Italien und dem Völkerbund herauszu - halten und den Weg zu einer Verständigung mit Deutschland nicht durch eine allzu enge Zu­sammenarbeit mit der Sowjet-Union zu versperren.

Andererseits wollte es die Linke unbedingt ver­meiden, schon vor den Neuwahlen klar und ein­deutig die gesamte Verantwortung zu Über­nehmen. Am liebsten wäre es ihr gewesen, wenn die Rechte auch ohne Laval weiter regiert hätte und es ihr selbst möglich gewesen wäre, in eine für die Wahlen sehr vorteilhafte Oppositions­stellung zu gehen. Diesen Gefallen hat man ihr nicht getan. Vielmehr ist aus der Regierungskrise ein Ministerium hervorgegangen, das von den Linksparteien nicht als eigenes Kind anerkannt wird, dessen Zusammensetzung jedoch von der ge­samten Rechten so ausgelegt wird, als ob es sich um ein reines Linkskabinett handelte.

Klare Verhältnisse wären geschaffen worden, wenn Her riot oder Dalad i er, das heißt der bisherige oder ber neue Parteivorsitzende der

rung, Konservierung und Zubereitung der Nah­rungsmittel stehen. Auch die engen Zusammen- hange zwischen Landschaft und Mensch wurden be- tont. Professor Lehmann (Tübingen) berichtete als Botaniker über den Stoffwechsel der Pflanze im Verband der übrigen Pflanzen und des Bodens. Professor Mangold, Berlin, behandelte Probleme der Ernährung beim Tier in ihren Beziehungen zur menschlichen Ernährung. Professor Felix, Frankfurt a. M., gab Einzelheiten über den El- weißstoffwechsel bekannt, vor allem über das so-, genannte Eiweißminimum. In dem Schlußrefe­rat von Professor Stepp, München, kamen Fra­gen des Zusammenwirkens oder Gegeneinander­wirkens der Vitamine zur Sprache.

tigten Arbeiter um ein Siebentel zu und die Stun­denleistung jedes einzelnen Arbeiters um ein Fünf­tel. Hierdurch ergibt sich, daß neben den Mehrein­stellungen auch bei einem großen Teil der Be­triebe wieder voll gearbeitet wurde. Allein durch die Steigerung des Jnlandgeschäftes war die ver­mehrte Tätigkeit in der Maschineninduftrie schon bedingt. Der Absatz vermehrte sich in den ersten neun Monaten des Jahres 1935 um 5 4 v. H. gegenüber dem Vorjahr. Der Auslandsabsatz hat nur kleine Steigerungen erfahren.

In der Kraftfahrzeug Industrie hat die allgemein bekannte Steigerung der Produktton im Jahre 1935 anaehalten. Ungefähr um 4 0 o. H. mehr Kraftfahrzeuge als im Jahre 1934 wurden hergestellt, und wir haben hier zum ersten­mal den Fall, daß eine kontinentale, und zwar eine deutsche Fabrik eine Jahresproduktton von über 100 000 Fahrzeugen erzielen konnte. Infolge der steigenden Konkurrenzfähigkeit der deutschen Fabri­kate hat sich das Ausfuhrgeschäft mit Kraftfahrzeugen um 50 v. H. gegenüber dem Vor­jahr vermehrt. Hieraus ersieht man, daß wir den Anschluß in dem Weltstandard der Kraftfahrzeug­industrie erreicht haben. Bedingt durch den Ein­fuhrrückgang in Kraftfahrzeugen konnten wir 1935 den höchsten Ausfuhrüberschuß in dieser Industrie für die ganze Nachkriegszeit verbuchen.

Dom Jahre 1934 zu 1935 stieg in der Elek­troindustrie die Arbeitszeit um rund 7/io v. H. Die Steigerung der Produktion in der Elektro­industrie ist auf die Vermehrung des Jnlandgeschäf­tes zurückzuführen, die wohl in der Hauptsache durch die Aufträge für Arbeitsbeschaffung bedingt wurde. Die Ausfuhr von elektrischen Maschinen wird wahrscheinlich im Jahre 1935 sich etwa auf derselben Höhe des Vorjahres bewegen. Ein ge­ringer Rückgang ist höchstens durch den Fortfall der russischen Aufträge erklärlich, da dieser Ausfall durch Steigerung der Ausfuhr nach den übrigen Ländern nicht voll und ganz ausgeglichen werden konnte.

Auch in der chemischen Industrie nahm die Zahl der Beschäftigten um 5 v. H. und die Arbeitszeit insgesamt um 6 v. H. zu. Durch den Aufschwung von wichtigen Abnehmergruppen wurde der Absatz hier gefördert. Rund 15 v. H. der Ge­samtausfuhr macht in den ersten zehn Monaten des Jahres 1935 allein die Ausfuhr von chemischen Erzeugnissen aus. 1934 dagegen waren es nur 12 v. H., also auch hier ein Aufschwung, den wir begrüßen können. So zeigte das Jabr 1935 auf der ganzen Linie einen Aufstieg, der bedingt war durch die nationalsozialistische Wirtschaftsführung in der deutschen Industrie.

Radikalsozialen, die Regierung übernommen hätte. Man hat es vorgezogen, einen Mann zu beauftra­gen, der bisher für das Amt des Ministerpräsiden­ten keine besondere Eignungen bewiesen hat. Albert S a r r a u t ist, wenn auch erst 64 Jahre alt, ein Veteran der radikalsozialen Partei und des Parla­ments, in das er bereits vor einem Menschenalter, im Jahre 1902, eingetreten ist. Schon vor dem Weltkriege war er mehrere Male Minister und ver­waltete in den Jahren 1911 bis 1914 und 1916 bis 1919 das hohe Amt des Generalgouverneurs in Indo-China. In dem Kabinett derUnion Natio­nale" Poincarss von 1926 bis 1928 war er Innen­minister und gilt seitdem als rechtsgerichtetes Mit­glied der radikalsozialen Partei. In dem Krisen­herbst 1933, als ein Kabinett nach dem andern stürzte, und es an Männern fehlte, die als Minister­präsident in Frage kamen, bildete Sarraut seine erste Regierung. Er vermochte sich noch nicht einen Monat lang im Sattel zu halten und wurde am 24. November 1933 wieder gestürzt.

Noch einmal hat Albert Sarraut von sich reden gemacht, als er unter Doumergue das Innenmini­sterium verwaltete. Bei dem Attentat in Mar­seille, dem der König von Jugoslawien und der französische Außenminister zum Opfer fielen, trat eine derartige schuldhafte Fahrlässigkeit des fran­zösischen Sicherheitsdienstes zutage, daß der ver­antwortliche Innenminister wenige Tage darauf, am 13. Oktober 1934, infolge der Empörung der öffent- sichen Meinung zurücktreten mußte. Es dürfte im jugoslawischen Volk nicht besonders günstig aus­genommen werden, daß der damalige Innenminister ausgerechnet in dem Augenblick der Chef der fran» zösischen Regierung wird, wo der schon mehrfach hinausgeschobene Prozeß gegen die Marseiller Atten­täter endlich durchgeführt werden soll.

Da die Rechtsparteien der Regierung Sarraut, in der sie ein reines Linkskabinett sehen, ihr Ver­trauen versagen werden, und da es noch durchaus unsicher ist, inwieweit die äußerste Linke den neuen Ministerpräsidenten unterstützen wird, der vor eini­gen Jahren in Constantine den viel zitierten Aus­spruch tat:Der Kommunismus ist der hauptsäch­lichste Feind Frankreichs!", steht ein Sturz des Kabinetts bereits am Tage der Regierungs- erklärung durchaus im Bereich der Mög- l i ch k e i t e n. Sollte ihm trotzdem eine gewisse Le­bensfrist gewährt werden, so würde das mit Rück­sicht auf die nahe bevorstehenden Neuwahlen sowie darauf, daß in der Zwischenzeit wichtige Re­gierungshandlungen nicht mehr zu erwarten sind, geschehen. Die Parlaments-Sttategen in den Links­parteien wissen recht gut, daß nach einem Sturz Sarrauts aller Wahrscheinlichkeit nach Pierre L a° o al wieder die Regierung übernehmen würde. Und um das zu vermeiden, werden sie vielleicht

den ehemaligen Innenminister PoincarSs bis zu den Wahlen gewähren lassen.

Unter normalen Verhältnissen würde der lieber- nähme des Außenmini st eriums durch Pierre-Etienne F l a n d i n natürlich eine starke Be­deutung zukommen. Er hat bei verschiedenen Gelegen­heiten zu erkennen gelben, daß seine Ansichten in manchen Punkten von denjenigen Lavals ab« weichen, vor allem in der Hinsicht, daß er die fran­zösische Außenpolitik in vollständige Heb er» einftimmung mit der britischen gebracht wissen will. In dieser kurzen Zeitspanne bis zu den Neuwahlen ist indessen ein entscheidender Kurs­wechsel in der französischen Außenpolitik nicht denk­bar. E r st n a ch d e n W a h l e n, bei denen außen­politische Gesichtspunkte diesmal eine starke Rolle spielen werden, sind auf diesem Gebiet neue Ent­schlüsse zu erwarten.

Vor der Regierungserklärung Sarrauts.

P a r i s, 28. Jan. (DNB. Funkspr.) Unterstaats, sekretär Zay von der Ministerpräsidentschaft er­klärte einigen Abgeordneten: Die Regierung werde es sich zur Aufgabe machen, den Notverord­nungen eine menschliche Note zu geben und den Wünschen der Kammer entgegenzukommen. Außenpolitisch werde die Regierungserklärung klar und deutlich die Einstellung der Regie- rung zum Völkerbund festlegen. Den Vor- rourf, daß sich die neue Regierung zu wenig um eine Mitarbeit der Rechten in der Kammer be- müht habe, wies Zay mit der Begründung zurück, daß dies an den rechten Gruppen selbst läge, die ein solches Anerbieten energisch zurückgewiesen hät- ten. Zay ließ durchblicken, daß, falls das be­schränkte Arbeitsprogramm der Regierung bei der Kammer keine Zustimmung finden sollte, der Mi­nisterpräsident den Präsidenten der Republik um die Auflösung der Kammer bitten könnte.

Kommunistische Propaganda in Frankreich.

Das Endziel

eine französische Sowjetrepublik.

Paris, 27. Jan. (DNB.) Die achte Tagung der Kommunistischen Partei Frankreichs wurde mit der Verlesung eines Manifestes abgeschlossen. Nach der Weisung des Moskauer Komintern-Kongresses, der eine Zusammenarbeit der Kommunisten mit den gemäßigten Parteien empfahl, wird zum Aus­druck gebracht, daß es lediglich dem zähen Willen der Kommunistischen Partei zu verdanken sei, daß die Volksfront heutigen Tages den größten Teil der Arbeitermassen Frankreichs in sich oer- einige. Nur dank der Kommunistischen Partei, die die französische Sowjetrepublik (!) anstrebe, seien die Arbeitermassen geeint worden und der Vormarsch des Faschismus in Frankreich zum Stehen gekommen.

Das Manifest fordert u. a. die sofortige Auflö- fung der sog. Bünde, die Reinigung des Heeres von royalistischen und faschistischen Offizieren, das Recht der freien politischen Meinungsäußerung für Soldaten, die sofortige Unterzeichnung des französisch.sowjetrussischen Ver­trages, einen Untersuchungsausschuß über die Außenpolitik Lavals,der die kriegerischen Unter- nehmungen des Faschismus begünstigt habe", sowie Maßnahmen, die dieKriegspolitik Mussolinis" unwirksam machen, die 40-Stunden-Woche ohne Lohnkürzung, Enteignung der großen Vermögen über 500 000 Franken und einen Steuerzahlungs­aufschub.

Kommunisten wühlen in polen

Köln, 27. Jan. (DNB.) DieKölnische Zei- hing" veröffentlicht unter der UeberschriftKorn- muniften wühlen in Polen" einen Bericht über die wieder stärker in Erscheinung tretende Wühlarbeit der Kommunisten in Polen. In dem Bericht heißt es u. a.: Der Minister des Inneren stellt fest, daß die Kommunisten auch in Polen unter der aus Frankreich und der Tschechoslowakei bekannten Volksfrontparole systematisch in die ge- werkschaftlichen Verbindungen der Arbeiterschaft einbringen und ftänöig an Boden geroin- n e n. In den letzten Wochen sind allein in War­schau annähernd ein Dutzend Gewerkschaftsver­sammlungen ausgehoben worden, die in Wahrheit k o m m u nistische Versammlungen ge­meßen sind. Es handelt sich dabei meist um kleine jüdische Gewerkschaften die christlichen und jüdi­schen Arbeiter besitzen in Polen getrennte Drgani- fationen, in denen die Kommunisten die Ober­hand gewonnen hatten.

Seit Neujahr ist beinahe kein Tag vergangen, an dem nicht in Polen ein Kommun st enprozeß eröffnet wurde. In dem einen stand ein Dutzend Studenten der Wilnaer Batory - Univer­sität unter der Anklage, kommunistische Propa­ganda getrieben und systematisch auf den Sturz der polnischen Staatsverwaltung in den Nordost­provinzen des Landes zum Zwecke ihrer Anglie­derung an den Räteound hingearbeitet zu haben. In einem anderen stand als Hauptangeklagte ein junges Mädchen vor Gericht, d i e Tochter des Lodzer jüdischen Groß­industriellen Eiger, das wegen kommuni­stischer Betätigung schon mehrfach schwer bestraft ist und diesmal zu zwölf Jahren Zuchthaus verurteilt wurde. Wenige Tage nach dem Urteil wurden in einem Winterlager von Gymnasial­schülerinnen im Norden Pommerellens drei Töch­ter anderer Industrieller verhaftet, die unter ihren Kameradinnen kommunistische Propaganda getrieben haben. Die polnisch- russische Grenze hat eine Ausdehnung von über 1400 Kilometer, mehr als die Hälfte des polnischen Landheeres müßte an dieser Grenze in Schützen­stellung aufgestellt werden, wenn nur alle zehn Meter ein Wachtposten stehen sollte. Man hat Auf­rufe zu Gesicht bekommen, in denen Dimi troff und die Führer der KPP. zum Sturz des faschisti- Regimes in Polen auffordern.

Der König von Aegypten, der sich mit der Bil­dung eines Kabinetts aus über den Par­teien stehenden Persönlichkeiten einverstanden er­klärt hatte, hat kurz darauf den Wunsch geäußert, dem Kabinett möchten auch Vertreter von Parteien angehören. Diesen Wunsch hat die Wafd-Partei abgelehnt Aly Mäher Pascha, der Chef des königlichen Kabinetts, hat aber trotz­dem den Auftrag zur Regierungsbil­dung übernommen.

am 5. Dezember

Millionen Stück

( 3,36) (19,20) (10,12) (23,17) ( 3,48) ( 2,49) (85,85) (57,34) ( 5,84) ( 2,73) ( 2,00)

Entwicklung der deutschen Industrie im Jahre 1935.

Verlegenheitslösung in Paris.

Das Kabinett Sarraut eine Regierung auf Abruf.

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