Kr.25 Erstes Blatt
f86. Jahrgang
Dienstag, 28. Januar 1936
Gietzener Anzeiger
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MM General-Anzeiger für Oberhessen WZ'
StantfMrt am Main 11686 Druck und Verlag: Srühl'sche Universttätsvuch- und Steindruckerei «.Lange in Gießen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Schulftrahe 7 Mengenabschlüsse Staffel B
Beginn der Trauerfeierlichkeiten in England.
Die Straßen Londons am heutigen Tage der Beisetzung König Georgs. Ungeheure Teilnahme der Bevölkerung.
London, 28. Ian. (DNB. Funkspr.) Am heutigen Tage sind die Augen der ganzen Welt nach London gerichtet, wo dem verstorbenen König Georg das letzte Geleit zur Ruhestätte seiner Väter im Schloß Windsor gegeben wird. Die Bevöl- keruna der englischen Hauptstadt und Tausende und aber Tausende aus allen Teilen Englands strömen bereits in den frühen Morgenstunden zu den Straßen und Plätzen, durch die sich der großartige Trauerzug bewegen wird. Die Londoner sind heute Nacht überhaupt nicht zur Ruhe gegangen. Schon mehrere Stunden vor Mitternacht sah man viele Menschen, die in den Straßen Aufstellung nahmen, um sich einen guten Platz zu sichern. Bei nächtlicher Fahrt durch London sah man Tausende, die am Rande der Bürger st eige saßen und sich durch mitgebrachte Decken oder auch nur mit Zeitungsblättern vor Kälte und Nässe zu schützen versuchten.
Die Straßen und Plätze selbst, durch die sich der Trauerzug bewegen wird, bieten ein feierliches Bild, in dem die Farben schwarz und violett vorherrschen. An den Straßenrändern sind Flaggenbäume eingerammt, die mit violetten Bändern umwunden sind und an denen Trauerfahnen in violetten Farben mit weißen Rändern hängen. Straßenverkäuser bieten schwarze Rosetten und das Programm der Trauerprozession mit dem schwarz umrandeten Bild des toten Königs feil. Zeitungshändler rufen die mit Trauerrändern versehenen Morgenblätter aus, die heute ganz dem Gedenken des toten Monarchen gewidmet find. Ueberall, an jeder freien Stelle, und vor den Häusern und Geschäften werden noch in aller Hast die innerhalb weniger Stunden errichteten Holz- tribünen mit schwarzer Farbe gestrichen. Die Schaufenster mancher großen Warenhäuser, an denen der Zug vorbeisührt, sind vollkommen a u s - geräumt und in Sitztribünen umgewandelt worden, an denen noch in den Morgenstunden gehämmert wird. Die billigsten Plätze aus diesen Tribünen kosten 3 Guineen (60 Mark) und die teuersten 10 Guineen (200 Mark) und noch mehr. Selbst die Fußgänger-Inseln und Verkehrsampeln in der Mitte der Straße sind noch in letzter Stunde in fieberhafter Eile beseitigt worden, da der Trauerzug die ganze Breite der Straße einnehmen wird.
Das Bild der trauernden Hauptstadt steht in seltsamen Gegensatz zu dem fröhlichen und schönen Schauspiel des vergangenen Sommers als König Georg bei seinem 25jährigen Regierungsjubiläums unter festlichem Getümmel und fröhlichen Feiern von seinen Untertanen gegrüßt worden war. Gegen 8 Uhr marschiert das Militär in den Straßen auf, um zum Spalier an der sechs Kilometer langen Sttecke Ausstellung zu nehmen.
In allen Teilen des brittschen Weltreiches wird heute für den König getrauert. Ueberall werden Gottesdienste veranstaltet werden, bleiben alle Schulen, Theater und Geschäfte geschlossen. In London selbst sind alle Regierungsämter und viele Geschäftshäuser geschlossen, jedoch hat König Eduard ausdrücklich den Wunsch geäußert, daß keine allgemeine Betriebsstillegung anzuordnen ist, um die Geschäftswelt und die Arbeiterschaft keinen finanziellen Schäden auszusetzen.
König Eduard und seine Vrüder hatten Totenwachi.
London, 28. Ian. (DNB. Funkspruch.) König Eduard und seine drei Brüder hielten von Mitternacht ab eine halbe Stunde lang die Totenwacht am Sarge des verstorbenen Königs in der Westminster- Hall. Als der König und seine Brüder unerwartet die Riesenhalle betraten, schlug das berühmte Glockenspiel im Turm des Parlaments grade die zwölfte Stunde. Fortwährend schritten Tausende von Menschen langsam und ehrfürchtig an dem Katafalk vorbei. Kaum einer von ihnen erkannte zu nächst den Monarchen. Der König und seine Brüder traten zum Katafalk. Nach leise geflüsterten Kommandoworten lösten sie die Wache der berittenen Leibgarde ab und stellten sich an die Ecken des Katafalks. Es war ein eindrucksvolles und ergreifendes Bild, wie der junge König und seine Brüder im Dämmerschein der Kandelaber unbeweglich am Sarge ihre-, Vaters standen. Erst nach einiger Zeit erkannte man in der trauernden Menschenmenge, die ununterbrochen weiter strömte, den König. Eine halbe Stunde nach Mitternacht wurden der König und seine Brüder wieder abgelöst. In den frühen Morgenstunden wurde das Gebäude endgültig für die Oeffentlichkeit geschlossen, nachdem in den letzten Tagen insgesamt über 800000 Menschen dem toten Monarchen die letzte Ehrung erwiesen hatten. Ein großer Teil der Trauergäste begab sich nach dem Besuch der West- minster'-Hall in die auf der anderen Seite des Parlamentsplatzes liegende W e.st m i n st e r - A b t e i, um hier einige Minuten in stillem Gebet zu verbringen.
Eine Abordnung des Unterhauses bei König Eduard.
London, 27. Ian. (DNB.) König Eduard VIII. empfing eine unter Führung des Ministerprästden-
ten Baldwin stehende Abordnung des Unterhauses, aus deren Händen er eine Beileids- und Treuekundgebung entgegennahm. Die Abordnung setzte sich aus Vertretern aller politischen Richtungen zusammen. Ihr gehörten u. a. der Schatzkanzler Neville Chamberlain, der frühere Außenminister Sir 21 u ft e n Chamberlain, der Führer der arbeiterparteilichen Opposition A t t l e e , der Liberale Lloyd George und der Arbeiterparteiler C l y n e s an. Die deutsche Trauerabordnung.
London, 27. Ian. (DNB.) Die deutsche Abordnung zur Teilnahme an den Beisetzungsfeierlichkeiten für König Georg ist am Montag- oormittag in London eingetroffen. Die Mitglieder der Abordnung, Reichsaußenminister Frhr. v o n Neurath, General der Infanterie von Rund- st e d t, Admiral Albrecht, General der Flieger K a u p i s ch , wurden bei ihrer Ankunft in London von Botschafter von H o e s ch sowie von Vertretern des englischen Heeres und der Marine begrüßt. Freiherr von Neurath stattete in Begleitung des Botschafters dem Außenminister Eden einen Besuch ab. Die deutsche Abordnung besuchte dann die Westminster-Hall, wo die Leiche des Königs aufgebahrt ist. Auf Einladung der British Legion nimmt Reichskriegsopferführer Oberlindober als Vertreter der deutschen Frontsoldatenbünde an den Beisetzungsfeierlichkeiten in London teil.
Der Deutsche Rundfunk übertragt am heutigen Dienstag aus London Ausschnitte von den Trauerfeierlichkeiten. Der Deutschlandsender bringt um 14.15 Uhr eine Übertragung des G o t - tesdienstes aus der St. Georgskapelle in Windsor. Außerdem wird um 19.45 Uhr im Deutschlandecho des Deutschlandssenders ein zusammenfassender Bericht von den Beisetzungsfeierlichkeiten gegeben.
Ausländische Trauergaste.
London, 27. Ian. (DNB.) Montag trafen in England zur Teilnahme an den Beisetzungsfeierlichkeiten ein: König Christian von Dänemark, König Carol von Rumänien, Kronprinz Gustaf Adolf von Schwede^, die schwedische Kronprinzessin, König Leopold von Belgien, Prinz Felix von Luxemburg der Präsident der f r a n z ö s i - fischen Republik Lebrun, der Kronprinz von Italien, der Kronprinz von Norwegen, die Prinzen Nikola, Paul und Georg von Griechenland, alle wurden mit den ihrem Rang zustehen- den Ehren beim Betreten des englischen Bodens empfangen, so daß die Salutbatterien in Dover und Folkestone ununterbrochen donnerten. Die Könige und der Präsident der französischen Republik wurden bei ihrem Eintreffen von Prinzen des königlichen Hauses empfangen. In Begleitung des französischen Präsidenten befand sich Außenminister F l a n d t n, sowie der Marineminister.
Schule und Lustfahrt.
Eine Berliner Ausstellung eröffnet. — Krühzeitige Auslese der besten Konstrukteure und Erfinder.
Berlin, 27. Ian. (DNB.) „Wir wollen fliegen und wollen weiter arbeiten am Aufbau unserer Fliegerei". Dieser Ausspruch des ostpreußischen Lehrers und Segelflugweltmeisters Ferdinand Schulz, der am 16. Juni 1929 den Fliegertod starb, könnte als Leitwort über der Ausstellung „Schule und Luftfahrt" stehen, die in Anwesenheit des Reichserziehungsministers Rust, des Reichsluftfahrtministers General der Flieger Göring, des Staatssekretärs Milch sowie weiterer Vertreter des Staates der Bewegung und der Wehrmacht eröffnet wurde. Vor dem „Zentralinstitut für Erziehung und Unterricht" in der Potsdamer Straße, in dessen Räume diese erste pädagogische Reichsausstellung ihren Platz gefunden hat, ist dem Altmeister Ferdinand Schulz von ostpreußischen Lehrern ein würdiges Ehrenmal errichtet worden
Reichsminister Rust
eröffnete die Ausstellung mit einer Ansprache. Viele unserer Erwachsenen, so führte er u. a. aus, stehen keiner Einrichtung, die auf ihr Leben Einfluß gewann, so kritisch gegenüber wie gerade der Schule. Man vergleiche mit dieser Kritik an der Schule die fröhliche Erinnerung an den Dienst im Heer. Selbst der angebliche rote Pazifist sprach gern und mit Stolz von seiner Heeresdienstleistung. Bei diesem Vergleich kommen vielleicht die tieferen Gründe für die Stellung zur Schule zum Vorschein. Das Heer stand mitten im Volke, alle Türen waren offen. Die Schule führte ein gewisses Eigendasein. Es schlossen sich gewissermaßen mit den Schultüren die Türen zum Leben.
Der Einbruch des Lebens in die Schule ist nun mit dem Siege des Nattonal- sozialismus erfolgt. Er ist in gleicher Weise hin- eingetragen von der nationalsozialistischen Jugend selbst wie von einer neuen Lehrergeneration, von der einige bereits in vorderster Linie den Kampf des Führers mitgekämpft haben. Ich nenne von fünf Gauleitern Hans Schemm, Julius Streicher, Joseph Wagner, Simon (Koblenz). In Thüringen kämpiten M a r s ch l e r und W ä ch 11 e r voran. Dietrich Klagges mit seiner kinderreiche^ Familie folgte der Fahne des Führers wie Schepp- mann, der heutige SA.-Führer Sachsens, in Westfalen.
Es will heute selbstverständlich jeder Junge Flieger werden. Die Schule braucht sich hier nicht anzustrengen, um die Neigung zu wecken. Hier gilt es, die wichtige Aufgabe der rechten und rechtzeittgen Auslese zu erfüllen. Ich habe vor einem Jahr einen Erlaß zur Planung der Ausbildung und Auslese für alle Schularten herausgegeben. Ein Jahr Arbeit liegt hinter uns. Ich bitte Sie, sich das Ergebnis anzusehen. Die vorbereitenden 2Irbeiten für die Aufgaben am deutschen Flugwesen werden niemals in Spielerei ausarten, sondern mit dem Ernst und der peinlichen Gewissen- hafttgkeit geführt werden, durch die die deutsche Arbeit und die deutsche Wehr in der Geschichte groß geworden sind.
ReichslustfahrtministerGeneralGöring erklärte bann u. a.: Als Oberbefehlshaber der deut- fchen Luftwaffe lege ich größten Wert darauf, die deutsche Jugend mit der Luftfahrt vertraut zu machen. „Es wacht die Kraft der Nation in der neu geschaffenen Luftwaffe". Dieses Wort des Führers muß der deutschen Jugend eine
Verpflichtung sein. Von jedem in der Luftfahrt wird ein Höchstes an Leistung gefordert. Ich brauche nicht Ingenieure, die nur ihre Tagesarbeit verrichten, sondern Ingenieure, die große Konstrukteure und Erfinder sind; denn Deutschland ist in der Zahl den anderen Ländern unterlegen. Darum müssen wir gegenüber der Masse einen leistungsfähigen Einsatz ohnegleichen erreichen, um der Masse personell und materiell überlegen zu sein. Die ganze Jugend muß dazu die Plattform bilden, aber nur d i e B e st e n sollen dann ausgewählt werden.
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Nach einem einftünbigen Runbgang durch die Ausstellung nahm der Reichsluftfahrtminister im Vorgarten des Hauses die Taufe eines Segelflugzeuges auf den Namen „Ferdinand Schulz" vor. Der Minister drückte dabei feine Freude darüber aus, was er auf der Ausstellung als Erfolg der Arbeit der deutschen Jugend gesehen habe.
Internationaler Patentrechtskongreß in Berlin.
Berlin, 27. Jan. (DNB.) Der Präsident der Akademie für Deutsches Recht, Reichsminister Dr. Frank, verkündete am Montag in Gegenwart zahlreicher Vertreter des Reiches, der Bewegung und der Wirtschaft auf einer Kundgebung in der Akademie für Deutsches Recht in Berlin, daß vom 1. bis 6. Juni 1936 der internationale P a - tentrechtskongreß in Berlin ftattfinben werde. Reichsminifter Dr. Frank führte dabei u. a. aus: Gerade dem Erfinder darf der formale Rechtsschutz um so weniger versagt werden, als gerade auf dem Gebiete der Technik und der Wirtschaft die objektive Wertbedeutung schöpferischer Dinge am Anfang sehr oft schwer festzustellen ist. Dadurch entsteht die Gefahr, daß ein Erfinderschicksal zur Tragödie wird, indem der einzelne Erfinder häufig nicht in den Besitz des Lohnes kommt, der ihm gebühren würde. Unter dem Gesichtswinkel des Erfinderschicksals liegt daher hinsichtlich der Gestaltung des Patentrechtes eine eminente soziale Mission des Gesetzgebers. Der Nationalsozialismus begrüßt es auf das herzlichste, daß sich in der Hauptstadt seines Reiches in diesem Jahre die Vertreter aller Kulturstaaten sammeln wollen, um die Gemeinschaftsaufgaben, die mit dem Schutze des geistigen Gutes auf dem Gebiete der Technik und Wirtschaft Zusammenhängen, einer weiteren Förderung zuzuführen. Wir hoffen, noch vor dem Termin ihres Kongresses ein neues deutsches Patentrecht vorlegen zu können.
Direktor Dr. Gerdes, der Vorsitzende der deutschen Landesgruppe der Internationalen Vereinigung für gewerblichen Rechtsschutz und Urheberrecht, der auch der Präsident des Berliner Internationalen Patentrechtskongresses sein wird, entwickelte das Programm der Berliner Tagung. Im Mittelpunkt der Tagung wird eine Festsitzung der Akademie für Deutsches Recht stehen, bei der Geheimrat Professor Dr. W. Kisch über die Arbeiten und die Bedeutung der Akademie für Deutsches Recht sprechen wird. Das Arbeitsprogramm des Kongresses umfaßt eine große Anzahl von Einzelfragen, die von erheblicher praktischer Bedeutung insbesondere auch für den Schutz deutscher Erfinderrechte und deutscher Schutzmarken im Auslande sind.
Das Lebensrecht der Völker.
Wenige Tage vor der dritten Jährung des historischen Datums der nationalsozialistischen Revolution hat der Führer und Reichskanzler in der Unterredung mit der Vertreterin des „Paris Soir" Erklärungen abgegeben, die in schlechthin klassischen Formulierungen von ebenso großer Einprägsamkeit wie Einfachheit gewissermaßen die Grundsätze des Verhältnisses und des Verkehrs der Völker untereinander zusammenfassen. Es knüpft unmittelbar an die schwere Nachkriegsgeschichte des deutschen Volkes an, wenn Adolf Hitler als Leitsatz feststelll, daß „jedes Volk das Recht hat, zu leben. Ich sage, zu leben und nicht zu vegetieren" und wenn er etwas später die Erläuterung hinzusügt: „Der Mensch hat das Recht zu leben, sei es als Nation, sei es als Einzelner!" Was hat das deutsche Volk in der niederdrückenden langen Zeit der Erfüllungspolitik anderes tun müssen, als, politisch gesehen, eben zu vegetieren! Ins Praktische übersetzt, bedeutete das — ausgesprochen oder nicht — den Verzicht auf eine lange Reihe staatlicher Hoheitsrechte, auf die Souveränität schlechthin. Der Wandel, von allen Vorgängern wohl für unmöglich gehalten, fetzte erst mit dem 30. Januar 1933 ein und erreichte seinen vorläufigen Höhepunkt einmal mit der Abschüttelung der letzten Bindungen an die Politik der Vorzeit, nämlich mit dem Austritt aus dem Völkerbund und aus der jetzt klanglos eingesargten sog. Abrüstungskonferenz, und zweitens mit der Wiederherstellung der Wehrfreiheit.
Nichts ist selbstverständlicher, als daß ein Volk, das diesen Weg hat gehen müssen und das unter der Leitung seiner führenden Männer noch immer einen großen Teil feiner Arbeit an die Aufräumung des Trümmerfeldes der Systemzeit verschwenden muß, von einem imperialistischen Eroberungskrieg nichts wissen will, wie ihn gewisse berufsmäßige Hetzer mancher Auslandskreise wider besseres Wissen uns Deutschen unterstellen wollen. Gerade die Ausführungen Adolf Hitlers in jener Unterredung über gebietsmäßige Eroberungen durch das Mittel des Krieges sind in diesem Zusammenhänge besonders bedeutsam. Der Führer faßt seine staatsmännischen Erkenntnisse zu diesem Gedanken zusammen in dem lapidaren Satz: „Die menschlische Logik ist gegen einen territorialen Krieg.". Setzen wir gleich einen Satz hinzu, der unmittelbar zu diesem Fragenkomplex gehört: „Bei Gebietsfragen sollte allein die Stimme des Volkes entscheiden und seine wirtschaftlichen Bedürfnisse." Wer denkt nicht bei diesen Worten an den großen Abstimmungssieg an der Saar, dessen Jahrestag wir soeben feiern konnten und der die friedlichen Auswirkungsmöglichkeiten einer freien Volksabstimmung auch solchen Auslandskreisen klarmachte, die auch heute noch trotz aller Widerlegungen, das völlig sinnlos gewordene System von Versailles als das europäische Dogma hinstellen wollen. Und wer denkt nicht ferner an die zahlreichen Stimmen beispielsweise einsichtiger Auslandskreise, die vor den letzten Memelwahlen eine Volksabstimmung für das Memelgebiet forderten!
Adolf Hitler prägt einen neuen politischen Begriff, wenn er in Verfolg der hier zitierten Leitsätze betont, daß der Frieden „nur aus dem Gleichgewicht geboren werden kann, also aus der Gerechtigkei t". Ohne es direkt auszusprechen, knüpft der Führer hier an das großzügige Befriedungsprogramm für Europa an, das er in der Maifitzung des Reichstages vom vergangenen Jahr in den bekannten 13 Thesen entwickelte. Vielleicht denkt man auch in gewissen europäischen Kabinetten über den grundlegenden Unterschied nach, der zwischen dem fantastischen „Europabund" B r i a n d s auf der Grundlage von Versailles und zwischen der Völkergemeinschaft der europäischen Staaten besteht, von der das deutsche Staatsoberhaupt in dieser Unterredung spricht. Denn gerade für djese Art von Völkergemeinschaft spricht Adolf Hitler yier ein Wort aus, das uns das gewichtigste aus der ganzen bedeutsamen Unterredung zu sein scheint: Er verweist auf die beginnende Einsicht der Welt, daß der gute Wille der Völker eine „Zusammenarbeit ohne Hintergedan- k e n" schaffen muß. Das ist so ungefähr das genaue Gegenteil der bisherigen grundsätzlichen Politik beispielsweise Frankreichs, dessen Staatsmänner ihre Lebensaufgabe darin sehen, ein militärisches Bündnissystem nach dem anderen ineinander zu schachteln — immer zu einem sehr eindeutigen und bekannten Zweck — und deren sehr bezeichnende Frage bei jedem irgendwo auf der Welt abgeschlossenen Abkommen immer ist: „Gegen w e n?" Wir erinnern nur an die Kommentare der französischen Bresse etwa beim Abschluß des deutsch-polnischen Abkommens ober des deutsch-englischen Flottenabkommens.
Adolf Hitler, von dem Europa schon manche unwiderlegbare Wahrheit zu hören bekommen hat, stellt jener Mentalität den Grundsatz der gegenseitigen Achtung vor dem Lebensrecht der Völker gegenüber. Nicht ein so revisionsbedürftiges Instrument wie die auf Versailles beruhende Völkerbundssatzung, sondern diese Achtung und die Zusammenarbeit ohne Hintergedanken müssen einmal zum obersten Gesetz in einer europäischen Völkergemeinschaft werden.
Gute Entwicklung der Reichssteuereinnahmen.
Berlin, 27. Jan. (DNB.) Die Einnahmen des Reiches an Besitz- und Verkehrs steuern betrugen im Dezember 1935 691,5 Millionen Reichsmark gegen 499,6 Millionen RM. im gleichen Dorjahrsmonat. An Zöllen und Verbrauchs- steuern wurden 276,0 (264,9) Millionen RM. ver-


