Ausgabe 
27.11.1936
 
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überragende Bedeutung von altersher. Unsere Theater sind Theater des Volkes und sind keineswegs vorbehalten einer Gesellschaftsschicht, sondern stehen jedem deutschen Menschen offen, ins­besondere dem schaffenden Menschen, der, um an Leib und Seele gesund zu bleiben, den inneren Aus­gleich braucht. Der sogenannte gebildete Mensch hat sie genau so nötig wie der Arbeiter oder Bauer. Es gibt für den erzieherischen Wert einer Bühnen­dichtung auch keinen Unterschied in den geistigen Ansprüchen der Volksgenossen. Jeder von uns muß als lebendiges Glied der Gemeinschaft auch selbst Träger deutschen Geistes sein. Darum rufe ich auf zur Pflege und Erhaltung deutschen Kulturgutes im Theater des Volkes, gerade jetzt, wo die deutsche Kraft in der entscheidenden Auseinandersetzung mit der Kulturlosigkeit des Bolschewismus die große einmalige Probe in der Welt besteht.

Adolf Hitler hat gesagt:Wir können uns keinen Wiederaufstieg des deutschen Volkes denken, wenn nicht wiederersteht auch die deutsche Kultur und vor allem die deutsche Kunst." Durch wen aber soll sie entstehen, wenn nicht durch euch und mit euch, durch eure eigene Mithilfe und euer eigenes Bedürfnis, durch die Pflege des Kulturellen unserer großen deutschen Sache zu dienen.

Gegenüber dem Mahnruf des Geistes in uns selbst verblassen alle Einwände, die man vielleicht gegen den regelmäßigen Besuch des Theaters brin­gen wollte. Was könnten denn das für Einwände fein? Vielleicht die Höhe der Eintritts­preise? Die sind ja so, daß auch der Volks­genosse mit geringen Einkünften sich den Besuch leisten kann. Ueberall werden Vorstellungen für die Deutsche Arb eits front durch­geführt, die es auch dem ärmsten Volksgenossen <* möglichen, in regelmäßigen Abständen das Theater zu besuchen. Oder möchte einer einwenden, daß ihm der S p i e l p l a n des Theaters nicht zusagt? Daß es vielleicht zuviel ernste Stücke gibt, oder Stücke, die seinem Geschmack nicht liegen? Du darfst bei deinen Wünschen nie die sittliche Aufgabe außer acht lassen, die das Theater am Volke zu erfüllen hat. Man darf in einem Kulturinstitut nicht nur lauter Schwänke und Operetten erwar­ten. Du mußt dir auch einmal ein Stück ansehen, das dir etwas Ernstes zu sagen hat. Gewiß, es werden an einem solchen Abend größere Anforde­rungen an dein Denken gestellt. Aber du nimmst auch etwas mit fürs Leben. In jeder wahren Dich­tung steckt ein Funke, der in deinem Herzen zündet und dich zu etwas Gutem zu erheben oder zu be­geistern vermag.

Wir sind eine Volksgemeinschaft, in chr stehen der Professor und der Arbeiter, der Kaufmann und

der Bauer, der Meister und der Geselle. Sie haben dieselben Rechte, sie haben auch dieselben Pflichten. Es sei unsere Pflicht, im Sinne unseres Führers die Schätze der großen kulturellen Vergangenheit zu pflegen, sie möglichst vielen unserer Volksgenos­sen zugänglich zu machen und sie so in ihrer stets zeugenden Kraft lebendig zu erhalten zum Segen für das eigene Ich und für die Zukunft unseres Volkes.

Das Tobis-Europa-Programm 1937/38.

Die Tobis Europa, die zu ihrem diesjähri­gen Programm in einem Sonder-Verleih noch den Richard-Eichberg-FilmEs geht um mein Leben" mit Carl Ludwig Diehl und den Luise-U l l r i ch - FilmRose Bernd" bringt, hat bereits die Vorbe­reitungen für das nächstjährige Produktionspro­gramm ausgenommen. Eine Reihe von Stoffen stehen schon fest, darunter ein Willy - F o r st - Film; dann ein Film mit Adolf Wohlbrück, der nach Beendigung seiner Tätigkeit in Hollywood und vor Antritt seines Londoner Engagements für die deutsche und französische Fassung vonPort Arthur" (unter O' C o n n e l s künstlerischer Oberleitung) gedreht wird. Als Partnerin ist Danielle D a r - rieux in Aussicht genommen. In einem weiteren Tobis-Europa-Film wird Käthe Dorsch eine lebensvolle, heitere Frau auf der Linie ihrer Bühnenrollen inHofkonzert" undMirandolina" verkörpern; auch Käthe Gold wird in einem Film als junges Mädchen herausgebracht, das unschuldig in schwere Seelenkonflikte kommt. Ein weiterer Gründgens-Film soll den Erfolg derFrau ohne Bedeutung" fortsetzen. Carl Froelich dreht für die Tobis Europa einen neuen Film mit Heinz R ü h m a n n und Leni Marenbach, der den originellen TitelUmwege des schönen Karl" trägt. Als Regisseure arbeiten am Tobis-Europa-Pro- gramm 1937/38: Willy Forst, Gustaf Gründ- aens, Carl Froelich, Richard Eichberg, Karl A n t o n , Gerhard Lamprecht, Hans Steinhofs, Johannes Meyer und neu für die Europa Theo Lingen und Schneider- Edenkoben.

Sochschulnachnchten

Professor Dr. Martin Kirschner, Ordinarius für Chirurgie an der Universität Heidelberg, hat einen Ruf auf den chirurgischen Lehrstuhl der Universität Leipzig erhalten.

m. 278 Zweiter Blatt

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pflege des kulturellen Schaffens, fle haben für ien Aufbau des Dritten Reiches eine originäre

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Dicht neben der Kathedrale erhebt sich ein ande- es Denkmal spanischer Geschichte, der Alkazar, rrichtet von arabischen Baumeistern, Sommersitz )»er spanischen Könige. Die Geschichte ist nicht ab- | xerissen. Der mohammedanische Palast diente den r hristlichen Königen als Residenz. Die erhabene Kathedrale, großartige Verkörperung abendländi- jchen Kunstschaffens und Glaubens, steht wenige Schritte von dem morgenländischen Bauwerk, dessen Inneneinrichtung eine unerhört peinliche und mühe­volle Arbeit im Dienste der Wohnkultur verrät, He ihresgleichen in Europa sucht. Auf beide Bau­werke ist Sevilla stolz, stolz auf die Werke der Morgenländer, die zur Verschönerung des materiel-

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Das deutsche Theater rüst!

23on Dr. Franz Kerber, Oberbürgermeister der Stadt Freiburg i. Br.

Its ihrer Zeit sein müssen.

'Aus diesen allgemeingültigen Sätzen ergibt sich, ß die Pflege der Geistigkeit und der Kultur eine wesentliche Aufgabe unserer Volksgemeinschaft ist. Ü-Qn kann sie auch zu gewissen Zeiten nicht ver-

Sebeutung. , ,, .. c.

Richt im kühlen Verstand allein wurzelt tue Kraft ;iur Leistung, der Wille zur Tat, sondern im Geist, h den Quellen der Seele, in denen noch immer clles Große seinen Ursprung hatte. Von der Tat­sächlichkeit dieser innigen Verbindung des ^eiftigen und Künstlerischen mit d e m kolitischen Geschehen kann man sich uber- cll überzeugen, wo die Partei als Trager des Staates dem deutschen Menschen gegenubertritt. So tnb die Reichsparteitage in Nürnberg nicht nur ? arteitreffen oder Kongreßveranstaltungen, sie kon- Un auch nicht nur als triumphale Leistungen deut- Ben Organisationstalentes gewertet werden, ,°n- isrn sie sind zugleich Feste der Schönheit Ausdruck ton Kunst in reinster und höchster Vollendung. Die großen Bauten, die der Führer geschaften hat tnd ootlenden wird, werden den kommenden G-- Flechtern Zeugnis geben für den Seift unserer <eit und für die Gestaltungskraft des Mannes, b>r diese Zeit erfüllt. Die Kulturtagungen mNurn- bi-rg aber, auf denen der Führer jeweils zu seinen rchtungweisenoen Reden das Wort ergreift, sind Mittelpunkte von polarer Wichtigkeit, um die das n uerweckte geistige Leben Deutschlands kreist. Der ^illtionalsozialismus schafft sich so die neue Da- |iinsform und den neuen ßebensmhalt für an (e r Volk. Er schafft neue unvergängliche Kul- 1...... *- --* dran-

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Spanien marschiert.

Von unserem 23. H.-Berichterstatter.

(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.) Sevilla, November 1936.

Es ist immer schwer, ein fremdes Volk zu ver­stehen. Wir Deutsche, die wir im Ruf stehen, be­sonders objektiv zu sein, haben es deshalb doch nid)t leichter, vielleicht sogar schwerer. Trotzdem fühlt der Deutsche, der in diesen Tagen nach Spanien kommt, rasch eine gewisse Gemeinsam­keit der Ziele und der Denkweise heraus, die trotz äußerlicher Verschiedenheiten in der Auffassung und trotz offenbarer Gegensätze überall dort bemerkbar wird, wo man mit Leuten aus dem Volk oder mit den Führern der jungen spanischen Bewegung spricht. Der Spanier erklärt gerne, daß ihm von allen Gästen seines Landes, die alle gleiches Gast­recht genießen, der Deutsche innerlich am nächsten stehe. Trotz mannigfacher Versuche der Entente hat Spanien während des Weltkrieges seine Neutralität treulich gewahrt und den aus anderen Ländern vertriebenen Deutschen großzügig Asylrecht gewährt. In den Jahren des Zusammenbruches Spaniens unter der Marxistenherrschaft fand naturgemäß eine ^itfremdung der beiden Länder dank der antifaschistischen" Propaganda statt, die jedoch von kurzer Dauer war. Nun, wo das eigentliche Spanien sich wieder zur Herrschaft hindurch­ringt, werden neuerlich die alten Gefühle der Freundschaft wach.

In Sevilla findet ein Fackelzug der spa­nischen Phalanx, der jungen national-syndi­kalistischen Bewegung, statt. Es ist der dritte Jah­restag der Gründung dieser Bewegung durch ihren Führer, Jose Antonio Primo de Rivera, all­gemeinunser Jose Antonio" genannt, der augen­blicklich in den roten Kerkern Alicantes einem un­gewissen Schicksal entgegensieht. Trotzdem marschiert die Phalanx. Unabsehbar schlingt sich die endlose Kette der marschierenden Kolonnen durch die ge­pflegten Straßen der andalusischen Hauptstadt. Hell lodern die Fackeln. In ihrem Widerschein leuchten die scharfen Gesichter der unzähligen Kämpfer für ein neues besseres Spanien, Männer und Knaben, im einheitlichen Blauhemd, alle erfüllt von einem jugendlichen Glauben an ein großes Ziel. Mag es mit dem Gleichschritt noch hapern, mögen die bei jedem Schritt nach spanischer Art hochgeschwunge­nen Arme noch haltlos durch die Luft flattern die meisten der jungen Kämpfer sind erst seit we­nigen Wochen bei der Phalanx es ist ein neuer Geist, der hier marschiert, der Geist der

Hingebung an eine große Sache, der sich bei jedem Volk in anderer Weise äußert.

In steinerner Ruhe, unbewegt, schaut die Ka­thedrale auf den Fackelzug hinab. In groß­artiger Erhabenheit streben die gotischen Spitzbogen ;um Himmel. Hier sind die Zeugen spanischer Größe von einst. Hier ist der Glaube, der Berge versetzen Ifann, Stein geworden. Hier ruhen, nach langer Irr­fahrt, die sterblichen Ueberreste des Christoph C o - ! u m b u 5 , des großen Gläubigen an ein vorge­soßtes Ziel, dem eine neue Welt geschenkt wurde. Ein kleines Geschlecht hat ihm, vierhundert Jahre später, einen geschmacklosen Sarkophag errichtet. Was schadet das dem Ruhm des Columbus' oder der Erhabenheit der Kathedrale? Die Größe von £ linst überwindet die späteren Niederungen.

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1935 gültig.

Niemals hätte die nationalsozialistische Bewegung los Volk erobern und einen neuen Staat aufbauen lönnen, wenn sie nur als Partei und nur als Or- lonisation auf den Plan getreten wäre. Um das n so kurzer Zeit zu vollbringen, mußte sie Welt- c n s ch a u u n g sein, aus der Seele und dem Wesen mferes Volkes geboren, sie mußte einen künstleri­schen Impuls in sich tragen, um die Herzen der Volksgenossen zu erwärmen und in der Seele des Talkes eine «Saite zum Schwingen zu bringen. Die »eltanschauliche Gedankentiefe und der künstlerische Impuls, von dem die Idee getragen ist und die

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$6, vormittag; ibe in Gießen, f 7172D y

1 TbeÄ ser D 0 lk. Er schafft neue unvergangiicyi

1 der gtl furnierte, die naturnotwendig nach Gestaltung z n, weil sie Ausdruck der Gesinnung und de!

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Aeliag, 27. November 1956

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

len Lebens und zur Vereinfachung der Arbeit die­nen, und stolz auf die Werke des spanischen Volkes, sowohl vor wie nach der Kalifenherrschaft, die sich hauptsächlich auf Bauten des Glaubens, der religiös fen Gemeinschaft beschränken. Beide gehören zu Spanien, und beide Veranlagungen sind noch heute in Spanien, vor allem in den Südprovinzen an­zutreffen.

Heute beginnt das spanische Volk, sich seiner Ver­gangenheit und der daraus entstehenden Verpflich­tung, wieder bewußt zu werden. Ein Wunsch er­füllt die besten Spanier, wieder zu der ursprüng­lichen Größe zurückzukehren, die im Laufe der Zeit, teils durch eigene Schuld, teils durch fremde Ein­flüsse, fast verloren schien. Gerne schauen die mar­schierenden Phalanxisten zu den überkommenen Zeugen einer großen Zeit hinauf, an denen sie vorbeimarschieren, und die dem spanischen Volk tn letzter Stunde durch das Eingreifen von verant­wortungsbewußten Revolutionären erhalten gel­blichen find. Nicht überall konnten die Dokumente alter Kultur vor der Zerstörung durch den alles vernichtenden Bolschewismus bewahrt bleiben.

Espana una erschallt der Kampfruf der jungen Phalanxisten: ein einiges Spanien, ein einiges Volk, ein einheitlicher Glaube. Aus den Aufrufen und Werken ihrer Führer spricht die Ueberzeugung: Wir Spanier besitzen eine arteigene Kultur, die es verachtet, sich wesenfremde, sog. inter­nationale Lehren aufzwingen zu lassen. Wir beken­nen uns zu unserem Volk und achten jede Nation, die ein gleiches tut.

Nun marschieren die Kolonnen der nationalen Regimenter auf die Hauptstadt des Landes, M a - drid, zu. Madrid, von jeher die Sehnsucht eines jeden Spaniers, ist heute zum Symbol des Vor­marsches des erwachenden Spaniens geworden. Noch nie hatte wohl die Zentralisation Spaniens auf seine Hauptstadt derartig verhängnisvolle Folgen, wie bei Beginn des Krieges. In Madrid befand sich alles, was für die Verwaltung und kul­turelle Tätigkeit Spaniens von Bedeutung war. Wer Madrid hatte, hatte Svanien. Hiermit erklärt sich auch der anfängliche Optimismus der marxisti­schen Regierung, die glaubte, daß Spanien nichts gegen seine Hauptstadt unternehmen würde und könnte. Nun aber erobert sich Spanien sein Madrid.

Auch marokkanischeTruppen nehmen teil am Befreiungskampf, und ihnen, gemeinsam mit der hervorragenden Truppe des T e r c i o , ist es zu ver­danken, daß der Vormarsch so schnell und reibungs­los verlief. Die Marokkaner kamen als Verbündete des spanischen Volkes, um ihm beizustehen im Kamps gegen einen internatioanlen Feind, der früher oder später auch Marokko heimsuchen könnte. Auch der einfache marokkanische Frontsoldat ist sich dieser Auf­gabe bewußt. Er weiß, daß er gegen einen Feind kämpft, der weder Religion, Ueberlieferung noch Fa­milie achtet. Der Marokkaner, der in seiner Weise tief gläubig ist, achtet den gläubigen Spanier, wie anderseits die Spanier die marokkanischen Krieger in jeder Weise bei ihrer Religionsausübung unter­stützen. In Salamanca waren die marokkanischen Truppen in einem alten katholischen Kloster unter­gebracht. Die eigentlichen Klosterbewohner beschränk­ten sich auf einen Teil des Gebäudes und bewirteten die verbündeten Andersgläubigen bereitwillig, geeint durch den gemeinsamen Gegner.

Die Zuversicht auf den Endsieg ist heute so selbst­verständlich, daß darüber kaum noch ein Wort ver­loren wird. General Varela, einer der erfolg­reichsten Generäle desTercio" erklärte mir lä­chelnd:Wir marschieren, und wenn wir durch Madrid marschiert sind, geht es nach Barcelona und nach Barcelona werden wir so lange weiter mar­schieren. bis in Spanien Ruhe und Ordnung wie­derhergestellt sind. Unsere Aufgo.be ist militärisch nicht einmal ehrenvoll, da unser Gegner nicht an militärischen Begriffen gemessen werden kann. Wäh­rend wir marschieren, lausen sie wie die Hasen."

Der Krieg an der vordersten Front liegt in Hän­den des£ e r c i 0" und der marokkanischen regu­lären Truppen. Es ist irreführend, das Tercio als Fremdenlegion zu bezeichnen, denn, obwohl Aus­länder dort eintreten können, wird der größte Teil

der Soldaten doch von spanischen Freiwil­ligen gestellt. Das Verhältnis dieser beiden Front­truppen zueinander ist ein außerordentlich kamerad­schaftliches. Sie lösen sich in den Schützengräben gegenseitig ab und bringen sich gegenseitig das Essen. Wenn die Marokkaner ihren Pfefferminztee trinken (alkoholische Getränke sind ihnen durch ihre Religion verboten), so halten sich die Legionäre an den Wein. Sonst sind ihre Ansprüche gering; so­lange es nur vorwärts geht.

In den befreiten Teilen Spaniens ist allenthal­ben wieder Frieden eingekehrt. Die Bevölke­rung geht in gewohnter Weise ihrer täglichen Ar­beit nach. Die Lebensart des Spaniers läßt ihn erlittene Schäden bald vergessen. Und doch haben sich diese Leute in irgendeiner Weise verändert, sind sie um eine Erfahrung reicher geworden. Der Krieg, der bisher, materiell gesehen, nur Zerstörungen hervorbrachte, hat in den Herzen der Bevölkerung manch alte Einbildung zerstört und dafür neue Werte gesetzt. Wer heute durch das befreite Spa­nien fährt, wird häufig ein besonderes Abzeichen bemerken, das sowohl von Soldaten und Zivilisten, Männern und Frauen, getragen wird. Es ist eine Zusammenstellung der Flaggen der vier autoritär regierten Länder, Deutschland, Italien, Portugal

And Spanien. Ohne irgendwelche außenpolitische Veranlassung hat das plötzliche Aufkommen dieses neuen Abzeichens, das der Liebe des einfachen Spaniers zu Abzeichen und Orden überhaupt ent­springt, doch seine innenpolitische Bedeutung. Es versinnbildlicht einen Frontwechsel vom Libe­ralismus zum Prinzip der Autorität des Staa­tes, vom derzeitigen Völkerbund zur 'offenen und ehrlichen Verständigung. Mit Stolz rühmt sich der einfache Spanier, daß er in einer Front mit den­jenigen Ländern steht, die den Kommunismus be­kämpfen.

Der Kampf um das neue Spanien hat plötzlich eingesetzt, doch er wird von langer Dauer sein. Ein ganzes Volk ist plötzlich in eine Umwälzung ge­raten, aus der es nur in einer grundsätzlich neuen Form hervorgehen kann. Aus dem Schmelzkessel des blutigen Bruderkrieges denn auf beiden Seiten sind es Spanier, die mit ihrem Leben für eine gedachte Staatsform einstehen muß ein neues Volk hervorgehen, soll der un­geheure Einsatz an Menschenleben irgenbroie ge­rechtfertigt sein. Es ist tröstlich, daß dies vön den Führern des neuen Spaniens bereits klar ausge­sprochen wurde: der Kampf geht weiter, auch nach Beendigung der militärischen Auseinandersetzung.

Bayreuth auf platten.

Sie Aufnahmen der Wagner-Festspiele - ein Kulturdokument.

Seitdem Richard Wagner auf dem Festspiel- Hügel von Bayreuth für seine Werke das deutsche Nationaltheater errichtete, ist es heilige Pflicht und ernstes Bestreben jeder Generation, der eigenen Zeiten beste Kräfte an die Erfüllung des Jdealbe- griffsBayreuth" zu setzen. Wer die diesjährigen Festspiele besuchen durfte, weiß, daß Deutschlands größte Künstler sich mit einem Höchstmaß ihrer reichen Mittel in den Dienst des Gesamtkunst- werks gestellt haben. Um so dankbarer müssen wir sein, daß die wahrhaft festlichen Eindrücke nicht an jenen lauen Sommerabenden endgültig verklun­gen sind, um nur in der Erinnerung fortzuleben.

Ein bedeutsamer Ausschnitt ist auf Schall- platten gebannt. Sie sind nicht allein dem Bay­reuth-Pilger ein unschätzbares Hilfsmittel, in rück- schauenden Feierstunden aus Musik, Gesang und Deklamation das szenische Bild wieder vor das in­nere Auge zu zaubern; die Platten wenden sich auch an jene Freunde der Wagnerschen Muse, die nicht nach Bayreuth kommen können, und vermitteln ihnen eine Vorstellung von der musikalischen Voll­endung, die in den Bayreuther Festspie - l e n heute wieder erreicht ist. Darüber hinaus be­sitzen diese Platten, die während der Ausführungen im Festspielhause selbst geschnitten worden sind, Zeugniskraft für spätere Zeiten, indem sie denen, die nach und zum Dienst am Kunstwerk Wagners berufen werden, mitteilen, welche Klanggestalt un­sere Epoche seiner Musik gegeben hat. Leider ent­behren wir solche Dokumente aus der Aufführungs­praxis des Meisters selbst. Besäßen wir sie, manche Streitfrage wäre leicht zu entscheiden und es er­gäben sich Vergleiche von höchstem kulturgeschicht­lichen Reiz.

Der besondere Ehrgeiz der diesjährigen Aufnah­men bestand in der Absicht,die wirkliche Atmo­sphäre des Festspielhauses in ihren klanglichen und künstlerischen Voraussetzungen" einzufangen. Es wurde deshalb auf alle Umstellungen im Orchester oder auf der Bühne verzichtet und mit Hilfe eines hochentwickelten Tonoerfahrens die Originalauffüh­rungen festgehalten. Selbstverständlich stellen die Platten auch an die Wiedergabeapparatur erhebliche Anforderungen, sollen sich die letzten Geheimnisse enthüllen. Aber der Besitzer eines vollwertigen elektrischen Spielgeräts wird erstaunt sein über die Fülle der Klangentladung und die Zartheit instru­mentaler Feinheiten.

Neun Platten liegen vor (Telefunken SKB 2047 bis 2055), auf denen siebzehn verschiedene Aufnahmen ftstgehalten sind. Obwohl jede

Platte in sich abgeschlossen ist, besteht zwischen meh­reren ein innerer, oft sogar äußerer Werkzusam­menhang. DemLohengrin", der einzigen Neuinszenierung der diesjährigen Festspiele, sind fünf Platten gewidmet,W a l k ü r e" undS i e g- fried" je zwei.

Die besondere Ausgabe,Atmosphäre" einzufan­gen, ist am besten auf denSiegfried"-Platten ge­löst. Max Lorenz, der die Schmiede- und Schmelzlieder sowie die Szene unter der Linde (Waldweben") singt, ist als echter Wagnersänger so stark darstellender Künstler, daß seine Vokalisie- rung und Phrasierung wesentlich bestimmt wird von der körperlichen Bewegung des temperament­vollen Sängerschauspielers. Diese darstellerischen Akzente spiegelt die Aufnahme erstaunlich gut wider. Aehnliches läßt sich auf denLohengrin"- undWalküre"-Platten bei Maria Müller be­obachten, die im Zwiegesang mit Franz Völker ihre selbstvergessene Gestaltungskunst stärker einsetzt, als es bei einer reinen Mikrophonaufnahme ge­schehen wäre. Sehen wir darin den besonderen Reiz dieser Platten, so kommen doch auch die Freunde schlackenlos fließenden Gesanges auf ihre Kosten, wenn sie sich an Franz Völker halten. Als Lohengrin und Siegmund hat er reichlich Ge­legenheit, seinen blühenden, fast unbegrenzten Te­nor mit einer klanglichen Schönheit einzusetzen, die nur durch die besondere Fähigkeit dieses Sängers übertroffen wird, durch feinste Abstufungen des reinen Gesangtons den dramatisch-seelischen Gehalt herauszuarbeiten.

Nicht zu überhören ist ferner die einzigartige Akustik des Festspielhauses, die den Ausnahmen zustatten gekommen ist. Sehr vorteil­haft wirkt sie sich in denLohengrin"-Chören aus, die das erlesene Stimmenmaterial der einhundert­siebzig Sänger auf der Platte zu einer differenzier­ten, in der Gesamtwirkung außerordentlich dramati­schen Wirkung bringen. Auch der schlanke Klang der Blechbläser im Orchester ist eine Freude für den aufmerksamen Hörer, wie ja die unvergleichliche Klangeinheit' zwischen Streicher- und Bläsergruppen überhaupt zu den stärksten akustisch-künstlerischen Eindrücken des Festspielhauses gehört. Verwunde­rung erregt lediglich die tiefe Stimmung der einen Siegfried"-Platte (Waldweben), die den Tenvr- klang seltsam dunkel färbt.

Die ganze Bayreuth-Serie ist in der zweiten Fest­spielhälfte ausgenommen unter der musikalischen Lei­tung des Generalintendanten Heinz T i e t j e n. Er bewährt sich vor allem im Vorspiel zum dritten

nachlässigen. Adolf Hitler hat gesagt:Es ist Aufgabe der Regierung, dafür zu sorgen, daß ge­rade in einer Zeit beschränkter politischer Macht der innere Lebenswert und der Lebenswille der Na­tion einen um so gewaltigeren kulturellen Ausdruck finden. Gerade in einer Zeit wirtschaftlicher Nöte und Sorgen ist es wichtig, allen Menschen klar zu machen, daß eine Nation noch höhere Ausgaben be­sitzt, als in gegenseitigem wirtschaftlichen Egoismus aufzugehen. Die Kulturdenkmäler der Menschheit waren noch immer die Altäre und Besinnung auf ihre bessere Mission und ihre höhere Würde."

Wenn man in einem Volke die Pflege des Kul­turellen vernachlässigt, geht feine Lebenskraft gegen das artfremde zerstörende Element verloren. In dem System des Marxismus reißt man die Denk­mäler nieder und leugnet Gott, um im Dienste des Judentums die Völker zugrunde zu richten. Rußland und Spanien bieten dafür die anschau­lichen Beispiele. Auch in unserem Lande hat man der Pflege wahrer Kultur schon vor dem Kriege nicht mehr die notwendige Aufmerksamkeit geschenkt.

Da mag man sagen, Kulturpflege sei eine An­gelegenheit für Leute, die Zeit haben oder die dafür eine besondere Vorliebe besitzen. Der Bauer, der seinen Acker pflüge und sich täglich mit der Landarbeit abmühe, mache sich keine Gedanken über Kunst und Theater. Der Arbeiter habe in der Fabrik auch keine Zeit, sich mit der Pflege der Geistigkeit zu befassen, auch nicht der Kaufmann, der in seinem Geschäft den Tag mit nüchterner Ar­beit ausfüllen muß. Solche Meinungen sind irrig, sie strafen sich oft selbst Lügen. Nirgendwo tritt das Brauchtum und die kulturelle Ausdruckskraft stärker zutage, als im Bauerntum, wo die Arbeit am allerwenigsten mechanisch wird, wo sie für den Bauern unbewußt kultische Bedeutung hat. An ihr hängt er, der inneren Berufung wegen. Die größ­ten Geister sind unmittelbar aus dem naturnahen Bauerntum heraufgewachsen. Und der Arbeiter? Frage ihn, ob er nicht, um sein Leben menschen­würdig ertragen zu können, mitunter Kraft durch Freude braucht, ob er nicht gern em Lied singt, ob er nicht seinen Geist nähren muß, damit er den harten Anforderungen des Alltags überhaupt gewachsen bleibt! Jeder Mensch hat ein kulturelles Bedürfnis, er braucht das wie das täg­liche Brot. Kultur gehört zum Leben, wie die Seele zum Körper gehört. Und der Mensch hat das Recht, von der Volksgesamtheit zu verlangen, daß er teilhaben darf an der Gemeinschaftsleistung seines Volkes. Er hat aber auch die Pflicht, diese Gemeinschaftsleistung persönlich mittragen zu hel­fen und an ihr teilzunebmen.

Das Theater hat im deutschen Geistesleben eine