Nr. 148 Zweites Blatt
Ser nordische Sulfurtrete.
Don Dr. Paul Harms
„Wir vertreten die Auffassung, daß das nordische Rassengut für uns Deutsche das beste und reinste Element der Volkwerdung darstellt", erklärte Reichsleiter Alfred Rosenberg auf der Nordischen Kundgebung in Lübeck. „Wir sind bereit, das Recht anderer Völker zu achten, wir fühlen uns verbunden allen, die aus derselben Art, demselben Rassenursprung kommen, die bereit sind, mit uns zu verteidigen Haus und Hof, Heimat und Volk und seine von der nordischen Rasse bestimmte Kultur", erklärte bei derselben Gelegenheit Reichs- minister Dr. Frick. Das Deutschtum besinnt sich auf seinen Ur|prung! Das war es, was berufene Vertreter hier vor 700 Gästen aus den nordischen Ländern zum Ausdruck brachten.
Das Deutschtum kommt aus dem Germanentum, und das Germanentum kam aus dem Norden, aus Skandinavien, aus Jütland. Das muß heute als wissenschaftlich gesichert gelten. Das Germanentum drängte die Kelten über den Rhein und weiter zurück und schützte Mitteleuropa vor der Einverleibung in das Römerreich. Ein Teil der Germanen ober wandte sich südostwärts bis ans Schwarze Meer, bog vor dem Ansturm der Hunnen ab nach Westen und drang in das alternde Römerreich ein. So ward die Geschichte des Germanentums eine ein
zige, weitgespannte Auseinandersetzung mit der Mittelmeerkultur. Und diese Auseinandersetzung vererbte sich von den Germanen auf das deutsche Königtum, das dem Anspruch der christlichen Kirche von Rom, das Imperium der Cäsaren mit geistlichen Mitteln fortzusetzen, den älteren Anspruch 'entgegenstellte, es fortzusetzen mit den Mitteln weltlicher Macht. Das Ringen dieser beiden Ansprüche, des weltlichen Machtanspruchs der deutschen Könige und des geistlichen Machtanspruchs der römischen Päpste, füllt die Geschichte des Mittelalters. Und das Ringen endet damit, daß die Völker Europas sowohl das weltliche wie das geistliche Imperium als Vormund ablehnen und den Anspruch erheben, ihr eigenes Volkstum im nationalen Staate so vollkommen wie möglich darzustellen und durch ihn ihr Geschick selbst zu bestimmen.
Das Vorgefühl der heraufziehenden Zeitwende ist wohl in keinem Menschen so frühzeitig wirksam gewesen, wie in Hermann von Salza, dem Hochmeister des Ordests der Deutschritter. Hermann )on Salza diente der ausschweifenden Mittelmeerpolitik des letzten großen Hohenstaufen, Fried- 7 i ch s II. Er vermittelte nach heißem Ringen den Frieden zwischen Kaiser und Papst — und hat doch in die Dauerhaftigkeit dieses Friedens nicht ge- zlaubt. Denn er wandte das Gesicht seines Ordens non der Mittelmeerwelt weg, dem Nordosten, hu, von wo einst die Wanderung der germanischen Oststämme ausgegangen war! Indem Hermann von Salza seinen Orden in das Zukunftsland östlich der Weichsel verwies und ihm den Weg dahin mit den Lusgereiften Mitteln seiner erprobten Staatstunst e briete, leitete er, noch unter dem letzten großen Vorkämpfer einer imperialen Mittelmeerpolitik, den Rückzug ein. Den Rückzug, der das Deutschtum davor bewahren sollte, sich in dem gleichen, gefährlich niciten Raum zu verlieren, der bereits germanisches ß?ut, Ostgoten, Westgoten, Burgunder, Vandalen itnh andere Stämme verschlungen hatte.
Reben dem festgefügten Staate des Deutschen Ritterordens mit der Hauptstadt Marien- I U r g wuchs der locker gefügte Handelsstaat der \ eutschen Hanse mit der Hauptstadt Lübeck iinpor. Beide Staaten waren durch ihre Wirtschaft und ihren Handel aufs engste verbunden mit den Iraatlichen Gebilden, die rings um den Nord-Ost- Ise-Raum entstanden. Der lebhafte Austausch von Kulturgütern, der hier herrschte, führte unvermeid- kch auch zu Machtkämpfen um die Vorherrschaft, in knen die beiden deutschen Staaten des Ritter- rrbens und der Hanse sich allmählich aufrieben, weil leine starke und organisch mit ihnen verbundene e i ch s m a ch t hinter ihnen stand.
Und dann setzte sich der Rückzug des Deutschtums
König Heinrich I. in Dichtung und Bild.
Beachtungen zum 1000. Todestage d s ersten deutschen Volkskönigs.
„Herr Heinrich sitzt am Dogelherd /. jeder deutsche kennt dies Gedicht Joh. Nepomuk Vogls, dessen Stoff zum ersten Male von Analista Saxo im zwölften Jahrhundert mitgeteilt wird. Ob es sich t tsächlich so verhalten hat, daß Herzog Heinrich b-im Vogelfang die Botschaft, er sei zum deutschen Herrscher erwählt worden, empfing — das ist nicht sicher. Aber aus der Sage und aus dem hübschen Q edicht spricht der Glaube an den ewigen Deutschen, an den reinen Toren, der das Geschenk des Him- mels empfängt. — Julius Mosen (der Verfasser Ibüs Andreas Hofer - Liedes „Zu Mantua in Ban- d n ...") hat ein Vers-Drama geschrieben „Heinrich
d r Finkler", das in den dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts erschien. Er nimmt die Sage des 2lralifta Saxo auf, auch sonst läßt er den Vogelfang bas Element Heinrichs sein, in Anspielungen und dergleichen kehrt diese Vorliebe immer wieder. Auch bitt in dieser Bühnendichtung eine famose derb- ki mische Figur auf, Staudenbein, der als Vogelfang- Kumpan mit König Hinze, wie er ihn nennt, sozu- scgen auf Du und Du steht. Mosens Werk ist übri- gins nicht schlecht. Gewiß, die Sprache ist manchmal theatralisch geschwollen, und seelenkundliche Gründe und Zusammenhänge sind öfters allzu leicht bchandelt; aber mancher markige Satz überrascht Ms- in der Gestalt des Dollinger ist der Ansatz zu eher dämonischen Gestaltung gemacht, und recht llir ist die stille große Persönlichkeitskraft heraus- z<arbeitet, mit der Heinrich, sozusagen ohne Schwert- l'treidi, Schwierigkeiten überwindet; er ist nicht etwa unbeteiligt, er läßt es nicht träge an sich heran- lommen, keineswegs, er kämpft und leidet l n f l ch Di-l, aber er leistet, ohne großen äußeren Aufwand uns Menschen vor ihm nicht fertig brachten: er ist einer von den echten Führern der Weltgeschichte.
Obwohl Mosen zu Wichtigem ansetzt, übertrifft ihn T.nst von Wildenbruch mit seinem Prosa- -chauspiel „Der deutsche König" bei weitem. Viel gchchlossener ist Wildenbruchs Handlung, wahrhaft iugrünbet finb Charaktere unb Taten. Erschutternb ist die Wandlung Heinrichs: von einem jungen Stur- n r, der daran ist, sich zu verschwenden, zu einem Manne, der seine Aufgabe sieht und groß frnfaßt. das Werk müßte wieder auf die deutsche Buhne ! lummen! Zu diesem Zweck wäre es leicht zu uber- irieiten; ein paar Gewaltsamkeiten in Sprache unb
Lietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
Samstag, 27. Zuni 1956
aus dem Mittelmeerraum, der auf dem Gebiete der staatlichen Machtmittel begonnen hatte, in ee- lischen Gebieten fort. Das Deutschtum besann sich, gegenüber dem Machtanspruch des römischen Kir- chenimperiums über die Seele seiner Gläubigen, auf die „Freiheit eines Christenmenschen". Und dieser Akt der Selbstbesinnung, die Reformation, griff entscheidend hinüber auf den gesamten nordischen Kulturkreis. Als geistliches und weltliches Imperium sich unter Führung des Hauses Habsburg zusammengefunden hatten, um verlorenes Seelen- und Landgebiet gemeinsam zurückzuerobern, da kam aus dem nordischen Kulturkreis in der Stunde höchster Gefahr die Befreiung. Wallenstein vor Stralsund rief den Schwedenkönig Gustaf Adolf auf den Plan, zur Rettung der bedrohten deutschen Glaubens- und Geistesfreiheit.
Wenn sich im Ringen dieser Zeit weltliche und religiöse Ziele wunderlich mischen, so ist das im Grunde gar kein Wunder. Ging doch das Ringen um die Freimachung der religiösen Einstellung des nordischen Menschen von der Vormundschaft weltlich-politischer Mächte! Das Ringen muhte bis zu
Ende durchgekämpft jein, bevor die reinliche Scheidung zwischen Religion und Politik, wie sie uns Lebensbedürfnis ist, verwirklicht werden konnte. Was Gustav Adolf im Rahmen dieser Kämpfe erstrebt hatte, eine schützende Großmachtstellung Schwedens im nordischen Kulturkreis, das wurde durch Karls XII. maßloses Kämpfertum verwirtschaftet. Nebenher aber wuchs die Erbin des Deutschen Ritterordens, die norddeutsche Macht Brandenburg-Preußen, immer tiefer in ihre gemeindeutsche Aufgabe hinein. Auf dem Wege von Friedrich dem Großen zu Bismarck stand, als südliches Hinterland des nordischen Kulturkreises, wieder ein einheitlicher, deutscher Machtstaat, der sich durch die Loslösung von der Hausmacht der Habsburger zugleich endgültig aus den Banden mittelalterlicher Mittelmeerpolltik löste.
Dies 'Deutsche Reich, das ein Staat der Deutschen sein will, ohne den imperialen Ehrgeiz, über fremde Nachbarvölker zu herrschen, hat in der dritten Formung, die ihm durch Adolf Hitler gegeben worden ist, seine Selbstbesinnung auf die eigenen, völkischen Grundlagen zu Ende geführt.
Damit hat der nordische Kulturkreis sozusagen ein machtpolitisches Rückgrat bekommen, das kein Druck von außen her zerbrechen wird. Deutschland treibt Machtpolitik nur zum Schutze der eigenen Kultur, und indem es die eigene Kultur schützt, wird es zur Rückendeckung für den nordischen Kulturkreis. Denn die Lage der europäischen Dinge hat sich von Grund auf gewandelt. Machtkämpfe zwischen den Staaten nordischer Kultur und der Mittelmeerkultur sind unzeitgemäß geworden, was hier noch zu bereinigen ist, kann mit geistigen Mitteln ausgetragen werden. Dafür ist beiden Kulturkreisen ein Todfeind erstanden in der asiatisch-bolschewistischen Kultur mit dem Machtzentrum Moskau — sofern hier von Kultur überhaupt gesprochen werden kann, wo es auf die Zerstörung aller alten Kultur, auf reine .Unkultur abgesehen ist. Das Sichfinden der Völker, die gemeinsame Kulturgüter zu verteidigen haben, ist vielleicht schon beste Abwehr gegen den Angriff bolschewistischer Unkultur. Hierin liegt die tiefe Bedeutung der nordischen Kulturwochen.
Max Schmeling wieder in Deutschland.
Begeisterter Empfang Schmelings in Frankfurt und Berlin.
F r a n f f u r t a. TL, 26. Juni. (LPD.) Frankfurt hatte das Glück, als erste deutsche Stadt Max Schmeling begrüßen zu können. Den Auftakt bildete die Ankunft der Gattin Schmelings, Anny Ondra, sowie der Mutter des Boxers im Sonderflugzeug. Sie wurden von Bürgermeister Linder empfangen. Nachmittags setzte eine wahre Völkerwanderung nach dem neuen Flughafen Rhein-Main ein. Um 17.40 Uhr machte das Luftschiff am Ankermast fest. Max Schmeling stieg aus. Inmitten einer Schar begeisterter Menschen, umbraust von den Jubelrufen der Zehntausende, begab sich Schmeling nach dem Eingang zum Flughafen, wo er von Gaupropagandaleiter Müller-Scheid im Namen des Gauleiters und des Gaues Hessen- Nassau als der Boxer, der sein Vaterland in Amerika so erfolgreich vertreten hat, begrüßt wurde. Für die deutsche Sportgemeinde beglückwünschte Gau-Sportreferent SA.-Gruppensührer B e ck e r l e Max Schmeling, dem kaum noch Spuren des großen Kampfes anzumerken waren.
Die Fahrt Schmelings und feiner Gattin im offenen Wagen nach dem Römer erfolgte durch ein dichtes Menschenspalier, aus dem ihnen begeisterte Zurufe entgegenschallen. Im Römer begrüßte Bürgermeister Linder den Boxer. Er wies auf die
Beziehungen Max Schmelings zu Frankfurt hin und hieß ihn in der alten Kaiferftadt herzlich willkommen und wünschte ihm für seine weiteren Pläne unb Kämpfe Glück. Anschließend trug sich Schmeling in das Goldene Buch der Stadt Frankfurt ein.
Inzwischen hatten sich auf dem Römerhöfchen und auf dem althistorischen Römerberg Tausende von Volksgenossen eingefunden, die in Sprechchören den Boxer aufforderten, sich zu zeigen. Als Schmeling und seine Gattin auf den Balkon traten, erscholl brausender Jubel über den Platz. Um 18.40 Uhr begab sich Schmeling, wiederum von den stürmischen Zurufen der Menge begleitet, nach dem alten Flugplatz am Rebstock, wo ihn ein Sonderflugzeug, das Reichsminister Dr. Goebbels zur Verfügung gestellt hatte nach Berlin entführte.
. Die Ankunst m Berlin
Berlin, 26. Juni. (DNB.) Am Freitag um 20.50 Uhr traf Max Schmeling mit dem Sonderflugzeug, das ihm der Reichspropagandaminifter zur Verfügung gestellt hatte, auf dem Flughafen Tempelhof ein, von vielen Tausenden stürmisch begrüßt. Zu seinem Empfang hatten sich u. a. als Vertreter des Führers SA.-Obergruppen-
führer Brückner und als Vertreter der Reichs- regierung Staatssekretär Funk eingefunden. Max Schmeling verließ als erster das Flugzeug. Hinter ihm folgte glückstrahlend Frau Anni Ondra-Schrne- ling mit einem großen Lorbeerkranz und vielen Blumengebinden im Arm. Als erster hieß ihn Obergruppenführer Brückner im Namen des Führers willkommen,. Staatssekretär Funk begrüßte ihn im Namen der Reichsregierung und des Reichs- vropagandaministers. Der Vertreter des Reichssportführers überreichte Schmeling eine Plakette sowie für ihn und seine Gattin einen Olympiapaß. Er bezeichnete dabei den wundervollen Sieg Schmelings als einen verheißungsvollen Auftakt für die Olympischen Spiele. Schmeling dankte für den Empfang, der ihm zuteil wurde, und gab seiner Freude darüber Ausdruck, daß er wieder in der Heimat sei. Gegenüber den australischen Olympia-Boxern sprach er die Hoffnung aus, daß sie sich bei dem Olympia-Boxturnier erfolgreich durchsetzen möchten. Nach dieser kurzen Begrüßung mußte sich Max Schmeling den Kameramännern der Wochenschauen stellen. Stürmisch verlangten die Massen ihn und seine Frau zu sehen. Zu einer wahren Triumphfahrt gestaltete sich bann die Abfahrt vom Flughafen Tempelhof.
Links: Polizeipräsident Beckerle begrüßt Schmeling. (Aufnahme: Otto Emend, Frankfurt.) — R e ch t s : S ch m e l i n g mit Gattin und Mutter beim Verlassen des Flughafens. (Aufnahme: Schmidter, Frankfurt.)___________________________________
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Situation, zu denen sich Wildenbruch hinreißen ließ, die aber im Ganzen belanglos und entbehrlich find, wären zu entfernen.
Die kleine Ballade Vogls spricht uns als sinnbildhafte Episode an. Schwierigkeiten, kaum überwindbar, stehen auf, wenn ein Poet es unternimmt, das ganze Leben Heinrichs episch zu gestalten. Gewiß wird Fr. E. Marth sch incks Gedicht in zwölf Gesängen „Kaiser Heinrich I. in Deutschland" von dem einen Kapitel übertroffen, das P. Ernst in seinem „Kaiserbuch" Heinrich widmet. Was man an diesem Kapitel auszusetzen hätte, mußte man an dem ganzen lange Epos Ernsts bemängeln: das Nacheinander wird ermüdend fühlbar, die Sprache leidet im Zwang des Knittelverses an Verdrehungen. Aber die Schilderung der Ungarnschlacht ist herauszuheben: in ihrer trutzigen Gestalt, in den markigen Stimmungen.
In Richard Wagners „Lvhengrin" steht König Heinrich als Schlichter des Streites^ als Vertreter der höchsten Gerechtigkeit, als Leiter des Gottesgerichtes. König Heinrich als Thing-Führer tritt uns in Wilhelm von Schramms Werk „Heinrich der Finkler" entgegen, das zur Feier des 1000 Todestages im Juli auf dem Harzer Bergtheater bei Thale uraufgeführt wird. Die Zuschauer erleben den ganzen Verlauf eines alten deutschen Things mit all seinen ehrwürdigen Formen und Formeln unb mit seinem Ausklang, seiner Auslosung in Fest unb fröhliche Feier. Der Gegenstand ber von König Heinrich geschlichtet wirb, ist em Streit zwischen Sachsen unb Franken. Die weise unb embnng- liche Verhanblunq stellt bie Volksgemeinschaft w.eber her unb setzt auf solche Weise bem grunblegenben Werke Heinrichs ein Denkmal.
Ein Historiker aus ber Zeit Ottos I. gibt an, er selbst habe in ber Merseburger Pfalz ein Bilb gesehen — höchstwahrscheinlich ist es em Wanbgemalbe gewesen — bas Heinrich zur Erinnerung an seinen Ungarnfieq habe malen lassen und bas ungemein lebenswahr gewesen sei. P. E. Schramm, dem wir diesen Hinweis verdanken, vermutet, daß da-^ Bild unter dem Einfluß des Aachener Siegesbilbes Kaiser Karls entstanden sei, daß also das Bewußtsein, es dem Kaiser Karl gleichgetan zu haben, eine Leistung herbeigeführt habe, die malerisch, in der künstlerischen Auffassung und in der Technik, von den üblichen zeitgenössischen Herrscherbildern ganz abgewichen sei. Leider ist das Gemälde nicht erhalten, wir besitzen auch keine Nachbildung davon. Mit Bestimmtheit können wir überhaupt nicht sagen, wie Heinrich I. ausgesehen hat. Siegel- und Munz- bilder, die erhalten sind, wird von den Fachgelehrten die Porträtähnlichkeit abgesprochen.
Heinrichs I. Siegel ist oft abgebildet worden, meistens aber undeutlich, an manchen Stellen sogar in törichter Aufbesserung und Verschönerung. Am klarsten ist das Siegel (das aus dem Jahre 927 stammt) von G. v. Betz old in den „Mitteilungen aus dem Germanischen Museum" 1907 und von Remmerich in seinem Buch „Die frühmittelalterliche Porträtplastik" abgebildet worden. Das seltsam große Auge, die sehr vorspringende, im Profil konkave Nase, der zurückweichende, dabei aber nicht willenlos anmutende untere Gesichtsteil lassen das Gesicht fast häßlich erscheinen — ein Schablonen- Bild, meine ich, hätte dies nicht mitgemacht, und darum möchte ich doch an eine gewisse Porträtähnlichkeit dieses Bildes glauben. Uebrigens ist Heinrich auf diesem Siegelbilde bartlos und mit langem Kopfhaar.
Dageaen ist das Heinrich-Bild auf dem schönen Silber-Schmuckstück, das in Klein-Roscharden (Friesland) aufgefunden und im Berliner Münzkabinett untergebracht ist, eindrucksvoll idealisiert: der untere Gesichtsteil ist vorgeschoben, die Lippen sind voll, die Nase kühn geformt; Heinrich ist als römischer Imperator kostümiert.
Im Laufe der Jahrhunderte ist König Heinrich gelegentlich, aber verhältnismäßig selten Vorwurf der ' Bildnis- und Historienmaler gewesen. Lukas Cranach d. I. und Ludwig Richter seien genannt; aber Cranachs „Heinrich" gehört zu den schwächsten Bildern des Meisters, und Richters Bild ist eben das Ergebnis eines Auftrages, eine Weltgeschichts-Jllustration, wenngleich sie auch höher zu werten ist als die blassen, konventionellen Schmuckbilder eines ßeefe, Thumann und Fr. Keller, die den „Bildersaal deutscher Geschichte" (1890) füllen halfen oder die in Nachschlagewerken auftauchen.
Erwähnt sei noch das Merkchen eines unbekannten Holzschnittmeisters, der in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts wohl in Regensburg gelebt hat. Es ist mit I. P. und C. L. signiert und ist hie und da noch antiquarisch zu finden. Der Holzschnitt gibt das Relief wieder, das im Haufe des Hans Dollinger zu Regensburg den Kampf Dollingers mit dem riesigen Feldobersten Krako darstellte: beide in Rüstung zu Pferde; Dollinger durchbohrt mit der Lanze dem Heiden den Kopf. Im oberen Bogen des Blattes ist König Heinrich zu sehen, auch zu Pferde, den Falken auf der Faust tragend. Die Umschrift aus dem Lateinischen übertragen, besagt: „Hier wird von einem schnellen Pferde da- b'ingetragen Heinrich, der erste am Ziel, berühmt durch Vogelfang unb nicht minder durch Herrscher- traft." Dr. Johannes Günther.
Schiffe sprechen durch Flaggen.
Jedes Schiff von einem gewissen Tonneninhalt aufwärts, das die Meere befährt, ist verpflichtet, ein internationales Signalbuch und eine Reihe von Signalflaggen an Bord zu haben, um mit allen anderen Schiffen oder mit den autorisierten Küstensignalstationen auf der ganzen Welt sprechen zu können. Das Radio hat natürlich die Flaggensprache zum Teil verdrängt, aber immer noch gibt es Gelegenheiten, wo sie von Nutzen ist. Wenn zum Beispiel ein großer moderner Dampfer sich dem Hafen nähert, setzt er außer feiner National- und Hausflagge noch mehrer andere Flaggen verschiedener Zusammensetzung, die etwa bedeuten: „Ich brauche einen Lotsen" oder „Mein Schiff ist gesund und ersucht um freien Verkehr" oder „Ich habe Post an Bord" oder dergleichen. Wenn kein Radio vorhanden oder es zerstört worden ist, können Schiffe verschiedener Länder sich in der Flaggen- spräche über alle Angelegenheiten unterhalten, die nur irgend mit der See in Zusammenhang stehen. Der internationale Signalkodex enthält ungefähr 16 000 Wörter und Sätze, die durch Kombination von ein, zwei ober drei Flaggen und fast 12 000 geographische Namen, die durch Zusammenstellung von vier Flaggen zustande kommen. Folgende Farben ober Farbenzusammensetzungen finb im Gebrauch: rot, weiß, blau, gelb unb schwarz. Signalisieren gehört zu den Prüfungsfächer aller Ma- rineexamen. Signalkodices find in verschiedenen Ländern seit dem Beginn des 19. Jahrhundert ver- öffentlich! worden. Der erste und berühmteste wurde 1817 von Kapitän Marryat zusammengestellt. Er benutzte 16 Flaggen und wurde in viele Spra- chen übersetzt. Nach mehreren Neuerungen fand im Jahre 1889 in Washington ein internationaler Kongreß der größten Seemächte statt, auf dem ein Kodex vereinbart wurde, der 1901 in Kraft trat und bis zum Januar 1934 gültig blieb. Aus der Internationalen Radio-Telegraphen-Konferenz 1927 in Washington wurde auch der Flaggenkodex einer Revision unterzogen. Es wurde angeregt, daß Vertreter aller führenden Seemächte zusammenkommen und gemeinsam den neuen Kodex aufstellen sollten. Die britische Regierung wurde mit der Aufgabe beauftragt, und tatsächlich trat die Herausgeberkommission im Oktober 1928 in London zusammen und vollendete die Arbeit im Saufe von zwei Jahren. Viele veralteten Wörter und Wendungen des früheren Kodex sind ausgemerzt worden, dagegen muß- ten Tausende von modernen technischen Ausdrücken eingeführt werden. Man rechnet damit, daß bei normaler Entwicklung der Dinge der neue Kodex etwa 20 bis 30 Jahre gültig bleiben kann.


