Ausgabe 
27.5.1936
 
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Marschalls annahm, erhielt im Buckingham- Palast in feierlicher Zeremonie von den zur Zeit noch lebenden sieben Feldmarschällen der britischen Armee seinen eigenen Marschallstab überreicht. Im St. Hames-Palast gab der König einen Staatsemp­fang, bei dem das diplomatische Korps, Ofsiziere der Armee, der Flotte und der Luftstreitkräfte so­wie hohe Beamte u. a. zugegen waren.

Im DölkerbundssekretariaE ist die Urkunde einge- aangen, in der Guatemala in aller Form die Absicht bestätigt, aus dem Völkerbund aus- 3U tret en. Es werde sich auch weiterhin von den in der Völkerbundssatzung aufgestellten Grundsätzen leiten lassen.

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Der Dizekönig von Abessinien, Marschall B a - d o g l i o , hat in der Nacht vom Montag auf Dienstag von Massaua aus seine Urlaubsreife nach Italien angetreten.

Die von den ägyptischen Zollbehörden beschlag­nahmte goldene Krone und ein mit Juwelen besetz­tes Schwert haben sich als das Eigentum des italie­nischen Marschalls B a d o g l i o herausgestellt. Die Person, in deren Besitz die beiden Gegenstände wa­ren, hat ordnungsmäßige Angaben gemacht und hin- zugefügt, daß die Gegenstände persönliches Eigen- tum des Marschalls seien.

Aus aller Wett.

Streik auf einem französischen Dampfer in Saigon.

Paris, 27. Mai. (DNB. Funkspruch.) Nach einer Meldung der Agentur Radio streikt im Ha­fen von Saigon (Cochinchina) die Mannschaft des französischen DampfersPorthos". Der Kapitän entließ die Besatzung in Stärke von 17 4 Mann und beantragte gegen sie ein Ver­fahren beim Seegericht in Saigon, das sich jedoch für unzuständig erklärte. Nach An­werbung einer neuen Besatzung, der auch Matrosen der Kriegsmarine zugeteilt wurden, konnte der Dampfer seine Fahrt fortsetzen.

Lastwagen mit Schulkindern verunglückt.

In Porschdorf bei Bad Schandau (Elbe) ereig­nete sich ein schwerer Verkehrsunfall. Ein Lastwagen aus Wittenberg, auf dem sich 31 Wit- tenberger Schüler mit ihrem Lehrer befanden, ge­riet in der Kurve aus der Fahrbahn, durchstieß ein Geländer und rutschte die Böschung hinab. Bei dem Unfall wurde der 12 Jahre alte Schüler Heinz Doerp tödlich verletzt. Zehn weitere Schüler mußten mit mehr oder weniger schweres Verletzun­gen ins Krankenhaus nach Bad Schandau einge­liefert werden. Auch der Fahrer des Wagens trug schwere Verletzungen davon.

Schulkinder und Müller auf einem Ausflug verunglückt.

Bei Lodz stürzte ein Kraftomnibus in einen Graben. In dem Wagen befanden sich Schul­kinder und ihre Mütter auf einem Schulausflug. Sieben Personen wurden schwer, 15 leicht verletzt.

Sechs Tote bei einem Schiffszusammenstoß.

Auf der Höhe von Yorkshire stieß der englische TankdampferSan Salvador" in dichtem Nebel mit dem englischen FischdampferPicador" aus Hüll zusammen. Die Gewalt des Zusammenpralls war so groß, daß der Fischdampfer innerhalb von drei Minuten sank. Von der 20 Mann starken Besatzung konnten 14 Mitglieder von dem Tankdampfer ge­rettet werden, während die übrigen sechs erträn­ke n. Die 5800 Tonnen großeSan Salvador", die eine Oelladung an Bord hat, ist schwer beschädigt worden.

Familiendrama fordert fünf Todesopfer.

Ein furchtbares Familien drarna hat sich in Ebersbach (Sachsen) in einer Siedlung abge­spielt. Eine Frau Bauer wurde zusammen mit ihren vier Kindern, Mädchen im Alter von zwölf Monaten, eineinhalb, vier und sechs Jahren, in ihrer Wohnung durch Gas vergiftet t o t aufge- funken. Die Kinder der Bauer waren in den letzten lagen leicht erkrankt. Die polizeiliche Untersuchung ergab, daß die Frau mit ihren Kindern den Tod gesucht hat. Der Grund zu diesem Schritt ist nicht vekannt. Ihr Mann sollte am gleichen Tage nach mehrtägiger Abwesenheit heimkommen.

Das Ende eines verbrecherischen Hausverwalters.

Der 60 Jahre alte Franz H ä h n e l, der, wie er­innerlich, in der Nacht vom 25. zum 26. April in dem von ihm verwalteten Hause Georgenkirch- straße 36 in Berlin eine schwere Gasexplosion berbeigeführt hatte, ist jetzt im Krankenhaus des Untersuchungsgefängnisses Berlin-Moabit an den Folgen der Verletzungen geftorben, die er sich bei seinem Sturz in den Schornstein des Hauses nach verübter Tat zugezogen hatte. Aus den Ver­letzungen hatte sich eine Wundrose am Kopfe, ferner eine eitrige Venenentzündung und schließlich auch eine Lungenentzündung entwickelt, die den Tod her­beigeführt hatte. Hähnel war auf Grund eines vom Untersuchungsrichter erlassenen Haftbefehls wegen versuchten Mordes, vorsätzlicher Brandstiftung und Verbrechens gegen das Sprengstoffgesetz in Unter­suchungshaft genommen worden.

Riefenbrand im Hasen von San Franzisko.

2m Hafengebiet von San Franzisko fing die ölige Oberfläche eines Derbindungskanals Feuer. In wenigen Augenblicken glich der Wasserarm einem Flammen ström. Das Feuer, das an den mit Kreosot getränkten Balken der Bollwerke reiche Nahrung fand, zerstörte drei Pieranlagen, drei Sägewerke und 50 000 Festmeter Holz. Vier Stunden lang bekämpften 50 Feuerlöschzüge und zwei Löschboote den Brand. Riesige Rauchwolken hüllten lange Zeit den ganzen Südosten der Stadt ein. Bei den Löscharbeiten wurden acht Feuerwehr­leute verletzt. Der Schaden wird auf 300 000 Dollar geschätzt.

Großfeuer in den Balatum-Werken in Reuh.

In den Balatum-Werken Neuß explodierte ein Oelbehälter. In kurzer Zeit stand das Fabrik­gebäude in Hellen Flammen. Bisher ist die Lack- fabrif, in der sich die Explosion des Oettanks er­eignete, dem Brande vollständig zum Opfer ge­fallen, ebenso das Lager mit riesigen Vorräten. Den Bemühungen der Neußer und Düsseldorfer Feuerwehr gelang es schließlich, das Feuer einzu- oämmen. Dem verheerenden Element ist vor allem die Papierfabrik zum Opfer gefallen, während die eigentliche Balatumfabrikation nicht so sehr in Mit­leidenschaft gezogen ist.

Großfeuer in den Gütersloher Sägewerken.

Die Sperrholzfurnier- und Sägewerke W. Ruhen- stroth (Wirus-Werke) in Gütersloh wurden von einem Groß feuer heimgesucht. Die bei der tjirma beschäftigten Arbeiterinnen konnten sich nur

Mehr als 200 Kranziskanerbrüder wegen schwerer Gitilichkeitsvergehen vor Gericht.

Koblenz, 26. Mai. (DNB.) Vor der Dritten Großen Strafkammer des Landgerichtes Koblenz begann ein Prozeß gegen weit über 2 0 0 Ange­hörige des F ranziskaner-Bruder- erbens, denen schwerste sittliche Verfehlungen zur Last gelegt werden. Es handelt sich nicht nur um schwerste sittliche Vergehen der Ordensbrüder unter­einander, sondern auch an Pflegebefohlenen, die in den Anstalten des Ordens untergebracht waren, darunter Geisteskranke, sowie um die Verführung zahlreicher minderjähriger Fürsorgezöglinge, die z. T. Beichtkinder der Angeklagten waren, und schließlich um die Versuchung junger Aspiranten.

Heute begann unter dem Vorsitz von Land­gerichtsdirektor oan Koolwyk der erste Prozeß gegen den 46jährigen Franziskanerpater Bernhard Steinhoff, genannt Bruder Leovigill, zuletzt im Franziskanerkloster in Warendorf (Westfalen), gegen den 28 Jahre alten Wilhelm Schröder aus Kohlfcheid bei Aachen, den 19jährigen Fritz B. aus Warendorf und den 18jährigen Heinrich B. aus Warendorf. Der angeklagte Steinhoff wird beschul­digt, in der Ordensniederlassung Waldbreitbach so­wie in anderen Ordensanstalten als geistlicher Leh­rer und Erzieher mit minderjährigen Zöglingen unzüchtige Handlungen vorgenommen zu haben und ferner mit Personen männlichen Geschlechtes wider­natürliche Unzucht getrieben zu haben. Die übrigen drei Angeklagten werden beschuldigt, mit dem Stein- Hoff homosexuellen Verkehr getrieben zu haben.

Der Angeklagte Bernhard Steinhoff erhielt 1921 die Priesterweihe in Paderborn. Von 1924 bis 1929 war er in dem Franziskanerkloster in Wald­breitbach, von Mai 1929 bis zu seiner Verhaftung 1935 in der Niederlassung Warendorf (Westfalen) als Seelsorger außerhalb des Klosters tätig, wäh­rend er im Kloster selbst die Aspiranten in Religion und Kirchengeschichte unterrichtete.

Der zweite Angeklagte sollte Metzger werden und wurde mit 14 Jahren auf Veranlassung seines Onkels, der Ordensbruder war, in das Franzis­kanerkloster Waldbreitbach in die Lehre gegeben. Der dritte Angeklagte kam 1931 als Metzgerlehr­ling in die Ordensniederlassung Warendorf, wo er Pater Steinhoff kennenlernte. Der vierte Ange­klagte kam 1932 als 14jähriger zu einem Metzger- meister in Warendorf in die Lehre, der Fleisch­lieferungen in das Franziskanerkloster hatte, bei denen ihn Steinhoff kennenlernte.

Nach Abschluß der Vernehmung zur Person wurde wegen Gefährdung der Sittlich­keit die Oeffentlichkeit mit Ausnahme der Behörden- und Pressevertreter ausgeschlos- s e n. Der Angeklagte Pater Steinhoff (Leovi- gill) bekannte sich schuldig und gab an, daß er seine Taten bereue. Der Angeklagte Schröder, der damals in Waldbreitbach Bruder Aspirant war,

empfing wiederholt von Pater Leovigill Geschenke, manchmal in Bargeld, auch dann noch, als Schrö­der aus dem Orden ausgeschieden war. Schröder hat danach den Pater noch zweimal im Kloster be­sucht. Schröder erklärte, seine Tat gebeichtet zu haben und Reue zu empfinden. Der Angeklagte Fritz B., der als Metzgerlehrling Fleisch ins Kloster brachte, wurde ebenfalls öfter von Pater Leovigill mit Pralinen, Zigaretten und Geld beschenkt. Als B. krank war und zu Bett lag, besuchte Pater Leovigill den 15jährigen jungen Menschen und ver­ging sich an ihm. Auf der Zelle des Paters kam es zu Trinkgelagen. In ähnlicher Weise fand der Verkehr des Paters Leovigill und des ebenfalls noch jugendlichen Angeklagten Heinrich Br. statt. Die Skrupel der Jugendlichen über ihr fündiges Treiben beschwichtigte der Pater mit dem Hinweis, das fönne\man wieder gutmachen, wenn man älter fei. 1935 wurden die Angeklagten verhaftet und in das Witticher Gefängnis eingeliefert. Bezeichnend ist, daß der Pater Leovigill den Jugendlichen den Rat gab, niemals etwas zuzugeben und unter Um­ständen auch zu beschworen, daß nichts zwischen ihnen passiert sei.

Der Arbeitgeber des jugendlichen Angeklagten Fritz B., ein Metzgermeister aus Warendorf bekun­dete, daß Pater Leovigill oft in die Fleischerei ge­kommen und nach dem jugendlichen B. gefragt habe, jedoch hätten weder er noch feine Frau etwas von den schändlichen Vorhaben des Paters gewußt. Er habe solche Ehrfurcht vor dem Ordenskleide gehabt, daß er auf einen solchen Gedanken auch nie ge­kommen wäre.

Der 27jährige ehemalige Franziskanerbruder Ki­lian Matthes wird aus der Untersuchungshaft vorgeführt, um als Zeuge vernommen zu werden. Er hat 1926 als Bruder-Aspirant in der Ordens­niederlassung Waldbreitbach den Angeklagten Pater Leovigill kennengelernt und ist von diesem, der ihm Unterricht im Katechismus erteilte und gleichzeitig fein Beichtvater war, mißbraucht worden.' 1931 trat Matthes aus dem Franziskanerorden aus. Aehnlich liegt der Fall bei dem ehemaligen Franziskaner­bruder Alphons S ch i l s , der jetzt 24 Jahre alt ist und sich ebenfalls in Untersuchungshaft befindet. Er­schwerend ist, daß Pater Leovigill dem Schils, dessen Lehrer und Beichtvater er war, nicht nur Alkohol gab, sondern auch unzüchtige Photos gezeigt hat. Sckils ist später ebenfalls aus dem Franziskaner- Orden ausgetreten. Auch der ehemalige 25jährige Franziskanerbruder Hans B r o ß aus Laupheim (Württemberg), gab zu, im Kloster Waldbreitbach mit dem Angeklagten Steinhoff verkehrt zu haben. Der Zeuge, der sich ebenfalls in Hast befindet, bekun­dete, daß er innerhalb dreier Jahre in sieben Or- denshäufern gewesen fei, und überall derart anor­mal veranlagte Patres und Ordensbrüder vorhan­

den gewesen seien, insbesondere in Ebernach (Kreis Cochem), Waldbreitbach (Kreis Neuwied), Bingen, Kreuznach, Waldniedl und Warendorf. Broß hat, ebenso wie die beiden vorhergehenden Zeugen, ein­gestanden, auch mit zahlreichen anderen Ordens­brüdern verkehrt zu haben.

Der 27 Jahre alte Zeuge Walter Kaiser, der sich in der Pflegeanstalt Andernach befindet, kam 1922 infolge einer Kopfgrippe als Pflegling, 14jährig, in die Ordensniederlassung in Waldbreitbach. Der Zeuge, der einen stark zurückgebliebenen Eindruck macht, ist, wie er angibt, von mehreren Ordens­brüdern, u. a. den Brüdern Emmeran, Exheditus und Richards, sowie vom Pater Leovigill miß­braucht worden. Der Generalsekretär, der Franzis­kanerbruder Unterer, sagt aus, daß der dama­lige Generaloberer des Ordens, Bruder Pankratius, 1934 gestorben sei. Sein Nachfolger, Bruder Al­fons, der verboten hatte, über die Verfehlungen zu sprechen, halte aegenroärtig in Afrika Visitatio­nen ab. Sein Stellvertreter ist der Bruder P l a 3 idus, der in Deutschland wegen Meineides ge­sucht wird und sich gegenwärtig in Rom aufhält. Dieser Bruder Plazidus ist, bevor er ins Ausland ging, bei den Franziskanerklöstern herumgefahren und hat kleine Brüder-Konvente abgehalten, in denen vertraulich aesagt wurde, wer etwas ausgefressen habe, solle sofort nach den holländischen Niederlassungen gehen.

Der Anstaltsarzt der Ordensniederlassung Nieder­breitbach, Dr. K o ft, bekundete, daß ihm nur zwei Fälle von Verfehlungen bekannt geworden seien; der damalige Generaloberer, Bruder Pankratius, habe derartige Fälle aber nie verfolgt, son­dern fei darüber hinweggegangen. Der Zeuge Broß teilt noch mit, daß er dem Generaloberen seinerzeit von den Verfehlungen schriftlich Kenntnis gegeben habe, daß aber fein Schreiben als Frech­heit ausgelegt worden und nichts erfolgt fei. Schließlich wurde noch der 51jährige Pater Georg von derHeide vernommen, dem die westfälische Ordensprovinz untersteht. Er betont, daß einem Manne wie dem Angeklagten in Zukunft jede priesterliche Tätigkeit streng untersagt sei. Er könne im Orden kein Amt mehr bekleiden, es bestehe außerdem die Möglichkeit, ihn in einem regelrechten Prozeß aus dem Orden auszustoßen. Ob es dazu komme, hänge von der Entscheidung des Pater­generals bei der Kongregation in Rom ab.

Als medizinischer Sachverständiger äußert sich Dr. med. Eiden (Koblenz), daß der Angeklagte für feine Straftaten voll und ganz ver­antwortlich sei. Es handele sich um einen hem­mungslosen, moralisch und sittlich tiefstehenden Men­schen. Damit ist die Beweisaufnahme ge­schloffen. Auf Antrag des Staatsanwaltes be­schließt das Gericht Vertagung auf Mittwoch.

Schreckliches Mrungliick in der Tschechoslowakei

17 Kinder ertrunken. 31 weitere vermißt.

Lundenburg (Mähren), 26. Mai. (DRB.) Am Dienstagvormillag unternahmen die Volks­schulen von Rakvih im politischen Bezirk Auspih (Mähren) einen Ausflug auf die Pavlover Höhe. Bei Reumühl wurden die Schulkinder mit einer Fähre über den angeschwollenen Thaya-Fluß ge­setzt. Dabei kenterte das Fährboot, und die Kinder fielen in das Wasser. Rach der Meldung der Gendarmeriestalion sind 17 Kinder ertrun­ken. 31 Schulkinder werden noch vermißt. Die Katastrophe ist auf das plötzliche Ausein­anderbrechen des Fährbootes zurückzu­führen. Die auf der Fähre befindlichen Lehrer be­teiligten sich fieberhaft an den Rettungsarbeiten. Die Bevölkerung des ganzen unteren Thaya-Ge­bietes ist zur Hilfeleistung aufgefordert worden.

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Zu dem erschütternden Unglück werden von Augenzeugen folgende Einzelheiten gemeldet: 106 Schüler von der Volksschule in Rakovice unter­nahmen einen Schulausflug in die nahen Pollauner Berge. Im Tal der Thaya mußten die Wagen über den durch die letzten Regenfälle angeschwolle­nen Thaya-Fluß übergesetzt werden. Die ersten beiden Wagen mit den jugendlichen Ausflüglern waren ohne Unfall auf das andere Ufer gelangt. Nun sollte der dritte Wagen auf das andere Ufer übergesetzt werden. Die Kinder der folgenden Wagen konnten ihre Ungeduld nicht länger meistern, spran­gen aus dem Wagen heraus und bestiegen ebenfalls die Fähre, die nun da außer den Kindern o"ch noch ein mit zwei Pferden bespannter Wagen 's ihr Platz genommen hatte stark ü L lallet war.

Kaum war das Fährboot vom Ufer abgestoßen,

begann es zu sinken. Inmitten des Flusses, der in­folge des hohen Wafferstandes an dieser Stelle etwa acht Meter tief ist, ging das Boot unter. Es entstand eine unbeschreibliche Verwirrung. Die starke Strömung riß alle Kinder, Pferde und Wagen ins Wasser. Einige Kinder vermochten sich an dem Leitfeil feftzuhalten und sich so zu retten. Die Mehr­zahl der Kinder wurde jedoch von der reißen­den Strömung erfaßt und über die Strom- schnellen fortgetragen. Die entsetzliche Tragödie, die sich mitten auf dem reißenden Fluß abfpielte, lähmte keinen Augenblick die Entschlußkraft der am Ufer zurückgebliebenen Männer. Ein Kutscher rettete mit übermenschlicher Anstrengung allein acht Kinder. Der Lehrer Novotny, der sich mit den Kindern auf der Fähre befand, rettete neun vor dem sicheren Tod. 22 Mädchen und 9 Knaben sind nicht mehr zurückgekehrt. Es besteht zwar noch die Hoff­nung, daß sich einige Kinder in der Verwirrung in den am Thaya-Ufer gelegenen Wäldern verirrt haben, doch ist diese Hoffnung leider sehr gering.

Oer Fährmann verhaftet.

Wie die heutigen Prager Morgenblätter melden, ist der Fährmann Leopold Schuster verhaftet worden. Beim Uebersetzen der Kinder soll alle Vor­sicht außer Acht gelassen worden sein. Betriebs­vorschriften gebe es nicht und noch weniger eine Betriebskontrolle. Die vorläufige Untersuchung der aufgefischten Planken des Fährprahms ergab, daß das Boot alt und angefault war. Es ist in der Mitte auseinandergerissen. Die Untersuchungen werden fortgeführt. Eine Pionierabteilung und die Feuerwehr von Brünn haben die ganze Nacht trotz des Unwetters mit Scheinwerfern nach den ertrunke­nen Kindern gesucht. Bisher wurde nur ein toter Schüler und der Leichnam des Kutschers gefunden.

mit knapper Not vor den Flammen retten und mußten zum Teil über die Dächer geborgen wer­den. Dabei wurde eine Arbeiterin so schwer ver­letzt, daß sie ins Krankenhaus gebracht werden mußte. Die Feuerwehren von Gütersloh und Biele­feld griffen den Brand mit achtzehn Rohren an, doch reichte ihr Einsatz nicht aus, so daß die Güters­loher Luft-Ersatz-Kompanie alarmiert wurde. Zwei Soldaten erlitten bei der Hilfeleistung leichte Ver­letzungen. Erst nach dreistündiger Löscharbeit konnte der Brand auf seinen Herd beschränkt werden.

Amerikanische Arbeiksdiensifreiwillige bei einem Daldbrand verunglückt.

Bei New Gretna (New Jersey, USA.) sind bei der Bekämpfung eines Waldbrandes, der sich über ein Gebiet von 130 Quadratkilometer erstreckte und mehrere Dörfer bedrohte, fünf Angehörige des Freiwilligen Arbeitsdienstes, die zur Löschung des Brandes herangezogen worden waren, ums L e - b e n gekommen. Die Arbeitsdienst-Freiwilligen, die in derartigen Löscharbeiten unerfahren waren, hatten versucht, durch ein Gegenfeuer den Brand zu ersticken. Der Wind schlug jedoch um und trieb plötzlich die Flammen eines brennenden Kiefern­waldes mit großer Schnelligkeit auf die Arbeits­männer, so daß es nur wenigen gelang, auf einem Lastkraftwagen zu entfliehen. Sieben weitere erlit­ten schwere Brandwunden. Ferner werden 33 Arbeitsmänner noch vermißt, und man befürch­tet, daß der größte Teil von ihnen ebenfalls den Flammen zum Opfer gefallen ift

Schwere Zuchthausstrafen für zwei Landesverräter.

Der 27jährige Herbert P r e u ß aus Tilsit ift durch Urteil des Volksgerichtshofes wegen Lan­desverrats zu lebenslangem Zuchthaus und dauerndem Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte verurteilt worden. Preuß hat 1935 im Auftrage einer ausländischen Macht Nachrichten über Stärke und Verteilung der Wehrmacht in Ostpreußen, ins­besondere über die Zusammensetzung und Bewaff­nung der Garnison einer bestimmten ostpreußischen Stadt gesammelt. Bei dem Versuch, diese Nachrich­ten in das Ausland 3U bringen, ist der Verurteilte infolge der Wachsamkeit der Polizei festgenommen worden, so daß ihm die Ausführung seines ver­brecherischen Vorhabens nicht gelungen ist.

Ferner ist der 27 Jahre alte Max Wittich aus Neiße durch Urteil des Volksgerichtshofes wegen Landesverrats zu 10 Jahren Zuchthaus ver­urteilt worden. Wegen der von ihm bewiesenen ehr­losen Gesinnung und der Gemeingefährlichkeit feines Treibens sind ihm gleichzeitig die bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von 10 Jahren aberkannt und Polizeiaufsicht für zulässig erklärt worden. Der Verurteilte hat 1935 im Auftrage einer ausländi­schen Macht versucht, Stärke, Ausrüstung und Zu­sammensetzung der Garnison einer Stadt Schlesiens zu Verratszwecken in Erfahrung zu bringen.

Grubenunglück in England.

In der Nähe von Haverfordwest in der englischen Grafschaft Pembrokeshire ereignete sich auf der Zeche Lovestov 6io Ichwaree Grubenunglück. Infolge

eines Wassereinbruches wurde ein Stollen, in dem 21 Bergleute arbeiteten, in kurzer Zeit völlig über­schwemmt. 14 Arbeitern gelang es, sich rechtzeitig in Sicherheit zu bringen. 7 Bergleute sind ums Leden gekommen.

Beim Einbruch ums Leben gekommen.

In dem Benzinkeller des Gutes Piaten in Weh- lau (Ostpreußen) wurde von drei Dieben ein Ein­bruch verübt. Die Diebe steckten, um sich zu orien­tieren, ein Streichholz an. Dabei entzündeten sich die in dem Keller entstandenen Benzindämpfe, und die Einbrecher standen im Nu in Flamen. Einer von ihnen kam dabei ums Leben. Die beiden anke­ren erlitten schwere Verletzungen. Glücklicher­weise kam es nicht zu einer Explosion der Benzin- Vorräte; der Brand konnte von dem Verwalter des Gutes gelöscht werden.

Rundsunkprogramm.

Donnerstag, 28. Mai.

6 Uhr: Gymnastik. 6.30 von Leipzig: Frühkonzert. 8.10 von Stuttgart: Gymnastik. 8.30 von Bad Hers­feld Bäderkonzert. 9.30 von Trier: Musik am Mor­gen. 10 von Stuttgart: Schulfunk. 11.30: Sauern- fünf. 11.45 Sozialdlenst. 12 von München: Mittags­konzert. 14.10: Das Phänomen der Stimme (vl): Feodor Schaljapin. 15: Volk und Wirtschaft. 15.15: Kinderfunk. 16 von Trier: Unterhaltungskonzert. Moderne Klaviermusik. 17.30: Altgermanische Lebens­bilder (I):Der Brautkauf bei den Germanen". Von Unioerfitätsprofeffor Konstantin Reichardt. 17.50: Eine Filmwochenschau entsteht. 18 von Königsberg: Konzert. 19:Simplizius Simplizifsimus". Hörbild von Anton Betzner. 19.45: Hörbericht von der Hun­dertjahrfeier der Technischen Hochschule, Darmstadt. 20.10: Richard-Wagner-Konzert. 22.30 von Berlin: Kulturauftrag in Olympia. 22.45 von Berlin: Wir tanzen. 24 bis 2 von Stuttgart: Nachtmusik.

Wetterbericht

des Reichswetterdienstes. Ausgabeort Frankfurt.

Die Wetterlage hat sich erneut umgestaltet. Im Norden Westeuropas hat sich ein Tiefdruckgebiet aufgebaut, während sich eine breite Tiefdruckrinne über Skandinavien auf das europäische Festland erstreckt. Entsprechend dieser Druckoerteilung sind bereits tiefere und feuchtere Luftmassen nach'Nord- deutschland eingedrungen und haben dort strich- weise Anlaß zu Regenfällen gegeben; auch bei uns ist mit dem Aufkommen von kühlerem Wetter zu rechnen.

Aussichten für Donnerstag: Vielfach künftig unk meist wolkig mit Neigung zu einzelnen Regenfällen, bei lebhaften Winken aus Norden kühler.

Lufttemperaturen am 26. Mai: mittags 23,6 Grad Celsius, abends 15,4 Grad; am 27. Mai: morgens 12,5 Grad. Maximum 25 Grad, Minimum heute nad't 9,2 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 26. Mai: abends 21,9 Grad; am 27. Mai: mor­gens 15,8 Grad. Sonnenscheindauer 13,5 Stunden.

Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Verantwortlich für Politik und für die Bilder: Dr. Friedrich Wilhelm Lange; für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck. Verantwort­lich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. D. A. IV. 36: 10 000. Druck und Verlag: Brühl'sche Universitäts-Buch-und Steindruckerei R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen.

Monatsbezugspreis RM. 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr. Einzelverkaufspreis 10 Pf. unk Samstags 15 Pf* mit der Illustrierten 5 Pf. mehr.

Zur Zeit ist Preisliste Nr. 3 vom 1. Juni 1935 gültig.