Ausgabe 
27.4.1936
 
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Nr. 98 Drittes Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

Montag, 27.April 1936

Der 4. Mai in Gießen.

Anordnungen und Marschordnung für den Umzug. Kundgebung auf Oswatdsgarten.

Es wird in zwei Marschgruppen marschiert:

Marschgruppe I.

Aufstellung im Hitlerrvall, Spitze an der SS.- Standarte. Anmarsch nur durch den Hitlerrvall oder Moltkestraße, Marschleiter der Marschgruppe I ist Kreiswalter der DAF- Wagner, Stellvertreter ist der stellvertretende Kreiswalter der DAF. Jung. Zur Unterstützung werden herangezogen die Mit­arbeiter der Kreiswaltung Gießen.

Zur Marschgruppe I gehören:

Sämtliche Betriebe, wie Reichsbahn, Ta­bakindustrie, Bänninger, sämtliche Betriebe und Arbeitsstellen der Stadt, Sparkasse, alle Banken, Poppe, Schaffstaedt, Heeresverwaltung, Heeres- bauamt, Heil- und Pflegeanstalt, Denninghoff. O. T., Gießener Anzeiger, Stempel-Kreuter, Grieb mit Filialen, Gailsche Werke, auch sämtliche anderen Betriebe, die nicht aufgezählt sind.

Freie Berufe, wie Aerzte und ihre Mitar­beiter, soweit sie nicht in den Kliniken beschäftigt sind, Rechtsanwälte mit Büropersonal, Versiche­rungsbüros.

Angestellte, Reichsnährstand, soweit er in Gießen vertreten ist.

Marschweg der Gruppe I:

Hindenburgwall, Goethestraße, Seltersweg, Ka- plansgasse, Bahnhofstraße, Neustadt, Oswaldsgarten.

11.15 Uhr ist die Gruppe I angetreten. Dieser Zeitpunkt muß pünktlich eingehalten werden. Alle Betriebe müssen also spätestens um 11.15 Uhr im Hitlerwall sein.

Abmarsch 11.30 Uhr.

Marschgruppe II.

Aufstellung in der Ludwigstraße, Spitze Ecke Ludwigstraße/Bleichstraße. Anmarsch nur vom Lud- wigsplatz her, Marschleiter der Margruppe 2 ist Ortsgruppenleiter Thomas, Stellvertreter Kreis­handwerksmeister S t ü h l e r. Zur Unterstützung werden herangezogen die erforderliche Anzahl po­litischer Leiter aus der Ortsgruppe Gießen-Rord.

Zur Marschgruppe II gehören:

Handel, Handwerk, Gewerbe. Dazu ge­hören sämtliche Geschäfte Gießens, sämtliche In­nungen, Kraftfahrzeuggewerbe.

Sämtliche Behörden, wie Universität mit allen Kliniken. Vor der Universität marschiert die Ehrenabteilung des NSDSt. Die Reihenfolge in­nerhalb der Universität bestimmt der Rektor.

Es gehören ferner dazu: Polizei, Arbeitsamt, alle Gerichtsbehörden, Provinz, Kreisamt, Zoll, Finanzamt, Reichsbank, Forstbehörden, Vermes­sungsämter, Post, alle Krankenkassen, Biebertal­bahn, Schulen auch Privatschulen. Sämtliche Lehrer aller Schulen, alle Angestellte an Schulen treten um 11 Uhr im Hofe des Realgymnasiiums an. Geistliche Behörden.

Marschweg der Gruppe II:

Bleichstraße, Hindenburgwall, Horst-Wessel-Wall. Oswaldsgarten.

11.15 Uhr ist die Gruppe II angetreten. Dieser Zeitpunkt muß pünktlich eingehalten werden.-

Abmarsch: 11.30 Uhr.

Anordnungen für beide Marschgruppen.

Bis auf die Ehrenabteilungen wird in Achter- Reihen marschiert. Eine bestimmte Reihenfolge innerhalb der einzelnen Marschgruppen wird nicht festgelegt. Die Reihenfolge erfolgt in der Reihen­folge der Ankunft der einzelnen Betriebe.

Aufmarsch auf Oswaldsgarten

Die Aufmarschrichtung auf Oswaldsgarten hat der

SS.-Sturmbannführer H a i n b a ch. Die Absper­rung erfolgt durch die SS.

Auf Oswaldsgarten findet die Uebertragung des Staatsaktes aus Berlin statt. Es spricht der Führer.

Anfragen in Zweifelsfällen täglich zwischen 15 und 16 Uhr bei der Kreisleitung (Tel. 4032).

Kapellen am 1. Mai.

Folgende Kapellen stellen sich am 1. Mai zur Verfügung:

1. Musikzug und Spielmannszug der SA.-Stan- darte 116.

2. Musikzug der Marine-SA.

3. Spielmannszug der HI.

4. Spielmannszug des Jungvolks.

Musikzug und Spielmannszug der SA.-Standarte 116 marschieren an der Spitze der Marschgruppe I. In der Mitte der Marschgruppe I marschiert der Spielmannszug der HI.

Musikzug der Marine-SA. marschiert an der Spitze der Marschgruppe II. In der Mitte der Marschgruppe II marschiert der Spielmannszug des Jungvolks.

Ehrenabteilungen am 1. Mai.

Marschgruppe I:

1. SA. 120 Mann

2. NSKK. 120 Mann

3. HI. 120 Mann

Die Ehrenabteilung des HI. marschiert in der Mitte der Gruppe I hinter dem Spielmannszug der Hitler-Jugend.

Marschgruppe II:

1. Bereitschaft der PL., 60 Mann.

2. Arbeitsdienstabteilung Gießen.

3. NSBO.-Bereitschaft, 60 Mann.

4. Werkscharen der DAF., 60 Mann.

5. NSDStB.

6. Jungvolk, 60 Mann (ältere Führer).

Der NSDStB. marschiert vor der Universität. Die Ehrenabteilung des Jungvolks marschiert in der Mitte des Zuges hinter dem Spielmannszug des Jungvolks.

Fahnengruppen am 1. Mai.

Marschgruppe I

1. Sturmfahnen der Gießener SA.

2. Sturmfahnen des NSKK. Gießen.

3. Fahnen der Hitler-Jugend.

Marschgruppe II:

1. Fahnen der Gießener Ortsgruppen.

2. Fahnen der Arbeitsfront.

3. Fahnen des Jungvolks.

Zugendkundgebungen am 1. Mai.

Um 8.30 Uhr finden überall Jugendkundgebungen statt. An diesen Kundgebungen nimmt die ganze deutsche Jugend teil. Nichtorganisierte Schüler und Schülerinnen über 10 Jahre werden von den Schu­len erfaßt. Mit der Führung der HI. sind folgende zentralen Kundgebungen im ehemaligen Kreis Gie­ßen festgelegt worden:

In Gießen auf dem Oswaldsgarten für Gie­ßen. Leitung: Bannführer Schreiber.

In Klein-Linden mit Allendorf a. d. Lahn, Heuchelheim. Leitung: Ortsgruppe Klein-Linden und Gefolgschaftsführer Kreiling.

In W i e s e ck für Wieseck. Leitung: OG. Wieseck und Fähnleinführer T a e s l e r.

In Großen-Linden mit Leihgestern und Lang-Göns. Leitung: OG. Großen-Linden und Ge­folgschaftsführer Faber.

In Watzenborn-Steinberg mit Garben­

teich und Hausen. Leitung: OG. und Fähnleinführer S ch m a n d t.

In Grüningen mit Holzheim, Dorf-Gill, Eberstadt, Ober-Hörgern. Leitung: OG. und Unter­bannführer Buß.

In L i ch mit Steinbach, Albach und Langsdorf. Leitung: OG. und Gefolgschaftsführer Lerch.

In M u s ch e n h e im mit Bettenhausen, Birklar, Bellersheim, Obbornhofen. Leitung: OG. Betten­hausen und Gefolgschaftsführer Jost, Hungen.

In Hungen mit Dillingen und Langd. Leitung: OG. und Gefolgschaftsführer Schlesinger.

In Trais-Horloff mit Inheiden, Utphe, Rodheim, Steinheim, Rabertshausen. Leitung: OG. und Fähnleinführer B ö ch e r.

In Ettingshausen mit Röthges, Nieder- Bessingen, Ober-Bessingen, Nonnenroth, Münster,

Anregung dazu, sich einzuzeichnen. Das Ergebnis war entsprechend gut. Eine Sammelbüchse nahm die gespendeten Beträge sofort auf. Die glückliche

Blütenwunder.

Frühlingstage voll Duft und Sonnenschein? Die Zauberkraft der Sonne hat das Grün aus der Erde gesogen. Die Pflugschar blitzte, und die goldnen Körner wurden der willigen Erde anoertraut, lieber« all zeigt sich das emporstrebende Leben. Die Winter­frucht schießt in die Höhe, und bald folgt das zarte Grün des Hafers und der Gerste. Die Erde ist wie verwandelt. Von einem Tag zum andern ändern die Wiesen ihr Gesicht. Kahl und braun lagen sie da, bann erschienen die ersten grünen Spitzchen, scheu und ängstlich, denn die Nächte waren noch kalt. Aber bald drängte das Leben mit Macht her­vor. Gänseblümchen und Löwenzahn entfalteten ihre Blüten, Schlüsselblumen und Ehrenpreis folgten. Ein bunter Blumenteppich ist im Entstehen. Ein­mal leuchtet er goldgelb, dann wieder in purpurnen Tönen, eine Wonne für das Auge.

Harbach, Hattenrod. Leitung: OG. Ettingshausen und Fähnleinführer M e n g e l.

In (Brünberg mit Quecfborn, Lauter, Weik- kartshain, Saasen, Göbelnrod. Beltershain. Rein- hardshain, Stangenrod. Leitung: OG. Grünberg und Gefolgschaftsführer Weisel.

In Großen-Buseck mit Oppenrod, Burk­hardsfelden, Alten-Buseck, Rödgen, Trohe, Bersrod, Reiskirchen, Beuern, Lindenstruth, Annerod. Lei­tung: OG. Großen-Buseck und Unterbannführer Schneider.

In Lollar mit Ruttershausen, Mainzlar, Stau» feberg, Daubringen. Leitung: OG. Lollar und Fähn­leinführer U h r b e r g.

In Londorf mit Kesselbach, Allertshausen, Allendorf, Treis, Klimbach. Leitung: OG. Londorf und Gefolgschaftsführer Nachtigall.

In Geilshausen mit Lumda, Odenhausen, Weitershain, Rüddingshausen. Leitung: OG. Geils­hausen und Fähnleinführer Schlapp.

Die Kundgebungen im ehemaligen Kreis Fried­berg werden wie im Vorjahre durchgeführt

Kreisleitung Detlerau der NSDAP.

Verbindung des Angenehmen mit der wertvollen Tat wurde von allen Volksgenossen, die Gelegen­heit hatten, dem Konzert beizuwohnen, freunblicb ausgenommen.

Immer neue Schönheiten schüttet der Frühling aus seinem goldenen Füllhorn. Der Winter ist ver­gessen, strahlende Sonne und jubilierender Vogel­gesang beherrschen das Feld. Auch im Walde brechen die Knospen auf, schon stehen die Lärchen und Birken im grünen Kleide da. Aus dem welken Laub, das den Waldboden bedeckt, schauen die weißen Blütensterne der Anemonen. Ihre Blüten­blätter sind zartrosa angehaucht, als ob sie sich der Auferstehung freuten. Und an der Hecke schweben schon die Zitronenfalter.

Weit hat der Frühling seine Pforten geöffnet, und mit frohen Augen schauen wir in das er­wachende Leben. Am tiefblauen Himmel ziehen einige weiße Wolkenschäfchen gar geruhsam ihren Weg. Wir blicken ihnen sehnsuchtsvoll nach. Wie gern würden auch wir hinausziehen in die weite Welt, hinein in das schimmernde Blütenmeer.

Das Bächlen mit feinen silbernen Wellen rauscht

Konzert für das Dankopfer der Nation.

Der Marine sturm 12/34 in Gießen ließ es sich zum gestrigen Sonntag angelegen fein, das Santo pfer der Nation in einer beson­deren Weise zu unter­stützen. Auf dem Platz vor dem Landgericht hielt der Marine-Standarten- Musikzug 34 ein Platz­konzert ab, das ein sehr unterhaltsames Pro­gramm brachte. Da das Wetter nicht ungünstig, ja fast sommerlich warm war, fanden sich viele Volksgenossen zu diesem Konzert ein. Der Marine- sturm 12/34 hatte vor dem Garten des Land­gerichts auf dem Gehsteig Tisch und Stühle aufge­stellt und Ehrenlisten

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zum Einschreiben für das

Dankopfer der Nation Beim Einzeichnen in die Ehrenlisten. (Aufnahme: Photo-Pfaff.) aufgelegt. Wer sich in ebenso glückliche wie günstige Gelegenheit. Die schöne Form der Spende gab denn auch reichlich

Aus der Proviuzialhaupisiadi.

Abenteuer im Schacht.

Von Wolfgang Kummer.

Es mochte sich mancher gewundert haben, der am letzten Sonntag Henners Gruppe hatte aus­fahren sehen. Ernst hatte auf dem Gepäckträger ein gewaltiges dickes Tau angeschnallt, Pimpf trug auf dem Rücken einen merkwürdigen Kasten, der sich beim näheren Zusehen als ein starker Schein­werfer entpuppte, und alle führten ein zusammen­geschnürtes Bündel mit sich. Die Fahrt verlief schnell auf der Straße, die sich in engen Kehren in das Gebirge hinaufwand. An einem kleinen Seiten­tal, das hier von der Straße abzweigte, hielt die Kolonne. Henner zog die Karte heraus undor­tete". Dann ging es mit mühseligem Schieben das steile und schmale Tal hinan, bis Henner vorn hielt und sein Rad in das Seitendickicht schob. Die ande­ren taten das gleiche und lösten die mitgebrachten Gegenstände von den Rädern.

Jetzt sah man auch, was es mit den zusam­mengeschnürten Bündeln für eine Bewandtnis hatte. Es waren die ältesten und abgetragensten Arbeitsanzüge der Jungen. Karl schlüpfte in sei­nen Schlosser-, Hans in seinen bunten Maleranzug. In den verschiedensten Kleidungen zwängten sie sich durch das Dickicht und standen vor einem großen Erdbruch, der tief in die Erde hineinführte. Es war einer der Zugänge zu dem längst verlassenen Berg­werk. der unvermittelt, fast senkrecht abbrach. Ernst befestigte ein Seil an dem Stamm einer Fichte, Henner verschnürte es mit dem anderen Ende an seinem Koppel und stieg dann vorsichtig rücklings in die Grube hinein. Die Kameraden lagen auf dem Bauch um die Deffnunq herum und sahen über den Rand hinunter. Mit äußerster Vorsicht tastete sich Henners Fuß am Rand entlang, suchten feine Hände jede Felsspalte möglichst auszunutzen. Schweres Gestein polterte in die Tiefe hinab und schlug irgendwo tief drunten im Grundwasser auf.

Henner stieg tiefer und tiefer. Ernst gab langsam Seil, Zug für Zug, bis einmal Henner fröhlich her­aufschrie, daß. es wie in einem Keller dröhnte:

Ich stehe auf der Plattform. Fertigmachen, der Nächste!"

Einer nach dem andern, bis auf die Wache, klet­terte in die Tiefe. Jetzt standen sie alle auf der Plattform", lieber ihnen war nur ein schwacher Lichtschein, vor ihnen stürzte der Abbruch noch tiefer hinab. Hinter ihnen aber führten drei Stollen dunkel in die Tiefe des Berges. Nachdem der Scheinwerfer und das schwerste Tau hinabgeseilt

worden waren, ging das Vordringen weiter. Doch zwei Stollen endeten nach kurzem Gang blind.. Nur der dritte, der mittlere, brachte einen neuen Auf­schluß. Die Jungen schritten vorsichtig in ihm vor­wärts. Der Boden klang dumpf, von den Wänden und der Decke tropfte das Wasser und sammelte sich auf dem Grund zu Lachen und Pfützen; der Stollen war eng und hoch.

Ueberrascht blieben die Jungen stehen, denn der Stollen erweiterte sich unerwartet zu einer geräu­migen Halle, in deren Mitte ein viereckiger Schacht viele Meter weit senkrecht tiefer in die Erde führte. Rechts und links gingen wieder zwei Stollen ab, von denen einer vor Ort führte. Schritt vor Schritt tappten sie weiter. Jetzt war durch Stempel und Deckenbalken der Stollen vor Abbruchgefahr ge­schützt, aber aus der Holzverschalung tropfte unauf­hörlich das Grundwasser und bildete eine breite Wasserfläche auf dem Boden. Henner ließ die Kameraden zurück und schob sich allein weiter vor, doch als er einmal zufällig mit dem Spaten das Deckenholz berührte, klatschte das ganze Brett, eine faulige und verfilzte Masse, herab ins Wasser. Als sich noch mehr von dieser ehemaligen Verschalung in Bewegung setzte, jagte Henner so schnell wie möglich zurück.

Jetzt bildete der Schacht in der Halle das nächste Ziel. Doch vor ihm erhob sich die peinliche Frage: Wie kommen wir hier hinunter?

Die Wände des Schachtes fielen ohne einen Ab­satz steil nach unten. Da kam Rolf auf einen ver­wegenen Plan: einer sollte sich an dem Seil in die Tiefe hangeln und die anderen das Seil halten. Der Plan' wurde schnell ausgeführt. Henner stieg als erster über den Rand des Schachtes und hängte sich mit größter Vorsicht an das Tau. Wenn jetzt die Kameraden los ließen! Er zwang sich, nicht an die Gefahr zu denken und ließ sich langsam, Griff für Griff, hinab. Unten herrschte eine keller- artige Kühle, und das Grundwasser, das an den Wänden und dem Tau herunterfloß, war eisigkalt. Henner spürte seine Hände erlahmen; seine Finger zitterten. Da hatten seine Füße wieder Grund. Er hatte die Sohle erreicht und dehnte seine Finger, daß sie in den Gelenken knackten.

Der Nächste!"

Mit derselben Schwierigkeit arbeitete sich Karl an dem Tau herunter.

Hier unten führten wieder zwei Stollen in das Dunkel weiter. Die beiden Jungen verfolgten sie bis vor Ort, aber das Gestein war nachgestüzt und die Stempel wie Streichhölzer zerknickt. Vorsichtig gingen sie zurück und standen wieder an einem Schacht, der, holzverschalt, noch tiefer hinabführte.

Der Schein ihrer Laterne irrte an den kahlen Wänden hinunter.

Wollen wir auch hier noch hinunter, Henner?" fragte Karl und schaute ihn zweifelnd an.

Ausgeschlossen!" meinte Henner. Dann machten sie sich wieder an der Aufstieg, der noch schwerer schien als der Abstieg, und verließen dann mit der ganzen Gruppe den Berg, in dessen Eingeweiden sie für ein paar Stunden herumgeklettert waren.

* l

llebrigens erkundigte sich Henner in den näch­sten Tagen bei einem alten Bergmann, der noch in diesem Schacht gvarbeitet hatte, nach der Tiefe der Anlage. Da meinte der Alte entsetzt:Sie wol­len doch nicht etwa einsteigen? Der Schacht ist ja von Kohlensäure verseucht!"

Oie Schallplatte

im Zremdsprachenunterricht.

Wenn die Sprechmaschine auch nicht den Lehrer verdrängen will und soll, so kann sie doch als ein Freund und Mithelfer sowohl des Unterichtenden wie des Schülers gelten; denn bei der Erlernung einer Fremdsprache genügt ja keineswegs die bloße Kenntnis der grammatischen Regeln und die Fähig­keit, einige Stücke aus dem Lesebuch richtig zu übersetzen, der Schüler soll vor allem das betreffende Volk in allen seinen Lebensoffenbarungen kennen- ternen und bedarf dazu einer Einführung in die Geographie, die Geschichte, die Literatur, die Sitten und die Kunst des betreffenden Volkes. Während er an Modellen, Bildern und Photographien sich eine ungefähre Vorstellung davon verschaffen kann, welcher Art die bildenden Künste des Volkes sind, in dessen Sprache er sich hineinleben möchte, so kann er sich die durch Ton und Sprache redenden Künste weit schwieriger aneignen. Hier zeigt sich nun, wie Universitätsprofessor Panconcelli- Calzia in der Frankfurter WochenschriftDie Umschau" ausführt, der Wert der Sprechmaschine als hochzuschätzendes Vorbereitungsmittel. Zumal wenn der Lehrer nicht imstande ist, auch die Volks­lieder ufw. in der fremden Sprache dem Schüler zu vermitteln, so bewährt sich die Sprechmaschine als Helfer.Denken wir weiterhin daran, daß man eine fremde Sprache mit dem richtigen Akzent sprechen muß und daß der Unterschied in der Be­deutung zweier Worte oft nur in der größeren Stärke eines Vokals besteht im Chinesischen und in anderen exotischen Sprachen ist die Tonhöhe für den Unterschied ähnlicher Worte entscheidend so können wir ermessen, daß die Ablehnung der

Sprechmaschine einem Verzicht auf ein wesentliches Hilfsmittel zur Erlernung fremder Sprachen gleich­käme. Sogar wenn der Lehrer die fremde Sprache f o beherrscht, daß er imstande ist, das betreffende Stück wie ein gebildeter Eingeborener vorzulesen, kann er aus Rücksicht auf sein Stimmorgan das­selbe Stück nicht unzählige Male in derselben Stunde wiederholen, damit die Schüler mit Aussprache, Tonfall usw. vertraut werden. Diese Wiederholung besorgt die Maschine besser und nützlicher, als es der Lehrer tun kann, weil sie das Stück beliebig oft, langsam, schnell, leise und laut und stets in derselben Weise spielt. Aber nicht nur für den Lehrer, sondern auch für den Schüler bildet die Sprechmaschine ein vorzügliches Hilfsmittel, wenn sie zur Wiederholung des während der Stunde be­handelten Stoffes dient. Hat der Lehrer in der Stunde ein Stück durchgenommen, phonetisch er­klärt, vorgetragen oder voraelesen, so hilft die Sprechmaschine dem Schüler bei der Wiederholung der Vortragsweise."

Altchinesischer Schreib-Wettkampf

Die Kunst des Schönschreibens ist in China feit uralten Zeiten hoch geachtet worden. Noch bis in unsere Gegenwart hinein werden die Buchstaben im Reich der Mitte in vollendeter Weise mit dem Pinsel gemalt. Dieses Verfahren erfordert natürlich eine besondere Hebung und Geschicklichkeit, die nur in langer, treu behüteter Ueberlieferung erworben werden kann. Schon vor vielen Jahrhunderten waren Wettkämpfe beliebt, in denen die Schnellig­keit und Kunstfertigkeit der Schreiber erprobt wurde. In einem Schriftstück, das zu den Schätzen des Britischen Museums in London gehört, wird ein solcher Wettbewerb geschildert, der im Jahre 253 nach Christi stattgefunden hat. Das große Ereignis vollzog sich auf einer Gesellschaft, die einer der be­rühmtesten Schönschreiber der chinesischen Geschichte, Wang Hsi Chih, veranstaltete. Nach dem Festessen wurden die Gäste aufgeforbert, sich niederzufetzen, um zwei Gedichte aufzuschreiben. Bis einige Wein­becher, die auf Brettern in den Fluß gesetzt worden waren, eine bestimmte Stelle des Ufers erreicht hatten, an dem die Schreibenden faßen, sollte die Aufgabe gelöst werden. Es wird berichtet, daß elf der Teilnehmer beide Gedichte in der vorgeschriebe­nen Zeitspanne niederschrieben, während es 15 nur auf ein Gedicht brachten. Die restlichen 16, die nicht einmal diese Leistung erreichten, wurden dazu ver­urteilt, je drei Weinbecher auszutrinken, woraus man nebenbei folgern darf, daß der Genuß von Wein im alten China auch eine Strafe sein konnte.