Nr. 74 Drittes Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
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Frauenschulung - Dienst am Volk!
Eindrücke vom Frauen-Führerinnen-Gchulungslager Bingenheim.
Täglich gibt es einige Stunden praktische Arbeit im Garten
hin und wieder sind
7.30:
8.00—9.00: Singen
9.00-13.00:
Bettenbauen, das Früh-
Jn Musik und Gesang werden schöne alte Volkslieder gepflegt.
Beschauliche Stunde der Mittagsruhe auf dem „Mäuerchen".
Viele Kinder aus dem Dorfe sind ständige Gäste im Kindergarten.
Lcsestunde in einer der traulichen Nischen des Schlosses.
Am alten Webstuhl wird Volkskultur neu lebendig.
10.00-10.15:
Nun: das
Praktische Arbeit II. Frühstück Wecken, das
balts, geschichtlicher Art, Rednerinnen und Redner im Haus, die über Spezialgebiete sprechen, in Rede und Gegenrede werden Kenntnisse erweitert und vertieft und in der Gemeinsamkeit dieser Arbeit wächst und reift das Gefühl für die Verbundenheiten der deutschen Volksgenossen untereinander, wächst das Verständnis für die Arbeit, die diese zukünftigen Führerinnen des Frauen- orbeitsdienstes leisten sollen.
Mit viel Idealismus wird auch die Feierabendgestaltunggepflegt, ein wichtiges Kapitel im Frauenarbeitsdienst, und hier hat jede Kameradin nach Kräften beizusteuern. Da werden manchmalMärchen vorgelesen und in freier Auf
fassung des Gehörten werden dann diese Märchen als Schattenspiele nachgestaltet; es wird erzählt, es wird gesungen und das alte deutsche Volkslied gepflegt. Manches der Lieder, das man in der Singstunde des Morgens, in den gemütlichen Stuben, im Hofe, auf dem Söller während der Ruhepause in der warmen Frühlingssonne hört, stammt aus dem reichen Volksliedschatz des 16. und 17. Jahrhunderts. Auch die Kinder im Kindergarten lernen manches dieser alten Lieder und so fließt der zu neuem Leben erweckte Schatz der alten Lieder auf dem kürzesten Weg wieder in das Volk zurück. So manches Mädchen, das später im Arbeitsdienst diese Lieder von der Führerin des Lagers hört, wird sie dereinst als Hausfrau ihren Kindern vorsingen
6.20: Wecken
6.30—6.50: Frühsport
6.50—7.30: Anziehen u. Bettenbauen
ten dürfte — vielmehr ist dieser Gong das Sägeblatt einer Kreissäge, das man seiner scharfen Zähne beraubte. Hier führt nun das Sägeblatt sein von Natur aus geräuschvolles Dasein weiter. Der Tag des Lagers ist, wie überall bei solchen Kameradschaften, in seinem Ablauf klar gegliedert. Der Tagesplan ist auch auf einem großen Blatt schneeweißen Kartons sauber aufgezogen, genau ausgezeichnet und am Eingang zu den Gemeinschaftsräumen aufgehängt. Aber selbst dieser Plan hat etwas Freundliches u. Verbindliches an sich. Eine talentvolle Kameradin hat ihn nämlich mit lebhaft bunten Zeichnungen versehen, so daß er lustig anzuschauen ist.
Singend marschieren die Mädchen in das Dorf.
(Aufnahmen |8J: Neuner, Gießener Anzeiger.)
Laute und Geige, Gitarre und Blockflöte sind die Musikinstrumente, die diese Lieder zum Leben zu erwecken helfen. Die schöne Arbeit, die hier im Führerinnen-Schulungslager geleistet wird, wirkt glückhaft in die Breite und ist sicherlich nicht nur ein Beitrag zur Lebensertüchtigung der deutschen Frau und damit der deutschen zukünftigen Geschlechter, sondern auch ein Beitrag zur Erhaltung und Vertiefung einer arteigenen völkischen Kultur.
Wenn des Abends die Sonne sinkt und die Dächer des Schlosses vergoldet und das letzte Licht
13.10—13.30: Mittagessen
13.30—14.30: Mittagsruhe
14.30—16.00: Schulung
18.30: Abendessen
19.15—21.60: Feierabend
blauen Schürzen und mit leuchtend roten Kopftüchern, mit blanken Geräten in der Hand, bilden die Mädchen für jeden Vorübergehenden den Anblick der Verkörperung eines urgesunden und sinnvoll ausgefüllten Lebens. Sicherlich würde man in den Handtaschen dieser Mädchen hoffnungslos vergeblich nach Lippenstift und Puderquaste suchen. Diese Begriffe existieren im Sprachgebrauch eines Führerinnen-Schulungslagers des Arbeitsdienstes gar nicht, geschweige denn diese Dinge selbst. Die Morgenwäsche in klarem Wasser, der Aufenthalt in frischer Luft hält die Gesichter lebendig in der Farbe, die Sonne bräunt.
Wieder andere haben in der Küche zu tun, denn 65 Gäste am Mittagstisch wollen bewirtet sein. Aus der Waschküche dringt oft den ganzen Tag über Wassergeplätscher. Aber mit all diesen Arbeiten ist das praktische Programm nicht erschöpft. Das Lager unterhält auch einen Kindergarten, in dem sich viele Kinder des Dorfes einfinden. Und auch diese Kinder wollen den ganzen Tag betreut sein! Den Hausfrauen im Dorfe wird durch diesen Kindergarten viel Arbeit und Sorge abgenommen. In einem besonderen Raume stehen zwei schöne alte, prächtig geschnitzte W e b st ü h l e. Diese beiden Webstühle, an denen fast den ganzen Tag über gearbeitet wird, lernen die Mädchen eine Arbeit, die sie mit großer Freude erfüllt. Ueberall in den Zimmern begegnet man den farbenprächtigen Erzeugnissen: den Decken für Tische und Sitzgelegenheiten, Teppichen und Wandverkleidungen und vielem anderen mehr. In schönen Farbenzusammenstellungen, in den anregenden Mustern, geht von all diesen handgewebten Dingen eine heimelige Wärme aus, die sich auf alles überträgt.
Nach einer Lesestunde nimmt die reine Schulungsarbeit großen Raum ein. Die' Schulungsleiterin hält Vorträge weltanschaulichen In-
Fahne 7.40—8.00: I. Frühstück
Sachlich betrachtet nimmt sich das Blatt, das den Tagesablauf im Lager bestimmt, so aus:
Tagesplan:
Mitten in der fruchtbaren Wetterau unweit von Echzell liegen Schloß und Dorf Bingenheim. Das Schloß ist eines der größten und schönsten weit und breit. Der Hauptbau, ein schönes Turmhaus und viele Nebengebäude stehen in schöner Gemeinschaft beieinander und bilden geräumige, freundliche Höfe. Nach außen hin aber tragt das Schloß einen wehrhaften Charakter zur Schau. Bastionen und Mauern, gezackte Türme, zum Teil auch ein Graben sprechen davon, daß das Schloß zu unruhigen Zeiten der Vergangenheit wohl verteidigt werden konnte. Das Schloß gehörte ursprünglich den Grafen zu Bingenheim, dann ging es an den hessischen Staat, wurde aber nicht benutzt, verfiel, wurde un-
Mit großem Eifer wird auf der Blockflöte geübt.
ansehnlich in seinen Jnnenräumen und schlief einen Dornröschenschlaf.
Das wurde aber ganz plötzlich anders. Im vorigen Jahre zog da nämlich eine Schar junger Mädchen ein, kam wie ein reinigendes Gewitter über das Schloß und ergriff mit klar vorbestimmten Absichten von den großen Gebäuden Besitz. Das Schloß wurde Fuhrerinnqn-Schulungs- lager des Frauen-Arbeitsdienftes! So wurde das Schloß einem Zwecke zugeführt, dem es, wie sich bald herausstellte, ideal zu dienen geeignet war. Alles, was verfallen war, wurde wie neu hergerichtet, es wurde geschrubbt, gepinselt, gezimmert, ja, es wurden von den Mädchen sogar einfache Möbel geschaffen und den vielen Räumen ein wohnliches Gepräge gegeben. Es wurden Bilder und Scherenschnitte gefertigt und die Wände damit geschmückt. Es wurde so lange gearbeitet, bis das Schloß nach hausfraulichen Begriffen richtig wohnlich wurde.
Wer heute durch das Schloß geht und sich dessen erinnert, wie es noch vor einem Jahre aussah, wird es kaum wiedererkennen. Mancher Raum ist zwar schlicht, aber geradezu künstlerisch ausgestaltet worden. In den Fluren hängen Lampen und Leuchter, die von den Mädchen selbst entworfen und auch selbst angefertigt worden sind. Die schönen Dielen, Flure und Treppenhäuser blitzen förmlich vor Sauberkeit In den Stuben und in den Gemeinschaftsräumen herrscht vollkommene Ordnung. Das Ganze ist, so darf man wohl sagen, ein Musterlager geworden, entstanden aus heiligem Eifer, aus der Liebe zu einer großen Sache, erwachsen aus einem Geist der Gemeinschaft, aus echt nationalsozialistischem Geiste, der hier schönsten Ausdruck fand So ist auch das Führ^rinnenschulungslager Bingenheim ein Zeugnis nationalsozialistischen Aufbauwillens geworden, der vor allem immer von unserem Führer Adolf Hitler seinen Ausgang nimmt.
Das Schloß Bingenheim, als Führerinnen- Schulungslager des Frauenarbeitsdienstes, birgt gegenwärtig für den Zeitraum von drei Monaten insgesamt 65 Mädchen im Alter von 20 bis 23 Jahren, die fast durchweg schon ein halbes Jahr im Frauenarbeitsdienft und somit im Gemeinschaftsdienst an der Nation standen, sich dabei besonders bewährten, ja, auszeichneten und für geeignet befunden wurden, als Führerinnen- Änwörter des Frauenarbeitsdienftes zu gelten. Das Schulungslager Bingenheim soll und wird ihnen das Rüstzeug schaffen für alle die großen Verantwortlichkeiten, die die Führerin eines Frauen- arbeitsdienftlagers zu tragen hat. Aber es herrscht doch, trotz allen Ernstes der Sache, trotz allen Ernstes des Tagesablaufs ein quicklebendiges Treiben im Schloß. Dabei ist es noch so, als könnten die Räume das Leben, das sie erfüllt, gar nicht fassen, so daß es hinausquillt und in die ganze Umgebung ausstrahlt.
In aller Herrgottsfrühe scheppert ein „Gong" durch Hof und Haus. Ein „Gong"? Er stammt nicht etwa aus China oder Japan, wie man es von einem richtigen Instrument dieser Art erwar-
gestaltung
21.00: Fahne 21.30: Lagerschluß
stück usw. sind das Wesentliche des Lagers nicht, so sehr das alles auch dazu gehört. Schön ist, daß der Arbeitstag mit einer Feier beginnt, mit der Flaggenhissung in dem vom ersten Frühlicht übergossenen Schloßhof. Die Flaggenhissung geschieht bei einem gemeinsam gelungenen Liede und bei einem Morgenspruch. Dann folgt der Frühsport. Unterhalb der altersgrauen Mauern befindet sich ein schöner Wiesenplan mit weichem kurzen Rasen, von Obstbäumen bestanden, die nun bald im weißen Blütenkleide prangen werden. Im freundlichen hellblauen Sportdreß machen die Kameradinnen graziöse gymnastische Uebungen, laufen, springen, werfen den Medizinball und lockern so in der frischen Morgenluft den Körper für die vielfältige Arbeit des ganzen Tages.
Der Vormittag ist besonders der praktischen Arbeit gewidmet. Und diese praktische Arbeit führt die Mädchen an die verschiedenartigsten Arbeitsstätten Eine Gruppe macht sich singend auf den Weg in das Dorf, löst sich aber bald auf. Nacheinander verschwinden sie in den Bauernhöfen, wo sie einige Stunden der Bäuerin im Hause helfen oder gar mit auf das Feld hinausgehen, um dort mit Hand anzulegen. Zwar kennen die Kameradinnen diese Arbeit schon vom Arbeitsdienst her, es kann aber nichts schaden, wenn ein deutsches Mädchen die schwere Arbeit des Bauern gründlich kennenlernt.
Und während diese Gruppe auf dem Wege in das Dorf ist, bewaffnet sich eine andere Schar mit Arbeitsgeräten und stürzt sich durch das kleine Tor und unter dem Rosenbogen hindurch in den Garten des Schlosses, der gerade jetzt für die Frühjahrsaussaaten hergerichtet werden mnfi Mit
des scheidenden Tages in den alten Wetterfahnen glänzt, dann endet meist auch ein arbeitsreicher Tag, der die Mädchen, rechtschaffen müde, auf einfachem Lager dem nächsten Tag der schönen Gemeinschaft entgegenschlafen läßt.
Es wäre ein Irrtum, zu glauben, daß die Mädchen im Führerinnen-Schulungslager Bingenheim ein in ihrer Gemeinschaft abseitiges Leben führen. Nein, sie nehmen vielmehr am gegenwärtigen Geschehen größten Anteil. Sie fuhren zur Kundgebung mit dem Führer nach Frankfurt a. M. und weilten auch in Friedberg, um den Reichsbauernführer Darre zu hören. Angeregt und neu gestärkt und begeistert für die Arbeit am großen Ziel, dem auch sie dienen — Deutschlands Aufbau und Erstarkung — kehrten sie zurück.


