Ausgabe 
27.3.1936
 
Einzelbild herunterladen

Nr. 74 Drittes Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

Zreitag, 27.Mrz M6

81

&

M°de'

ipO"5

S, modischen flen und ep5/|

ie

idl. Form

5 Stoffe - f

ets

orgelte, Clot

blick isty* nsienB*

en flji,..-

tin9Da^ rest*aC:. 3ungsstüc- lsch.^ wir bietu JSwahh,t reisel

E6

larkt

wi,d zurSp«-

ldl- Mänki fnden Stoff,- P - 22.- M ptereMäti verarbeitet P-- 42.- 4| Pine-Mäni pendeQualiti 2.- 38.- ( j n-Mänte .marine.grau;

chnitte,extra. | 2.- 39.- i

!9.- 32.. i verarbeit ualitäten, ir chnitte .

12.- 45 -:

Complei mmer-ßouclf armen

35.-

-Complett inter Ausfüh. i Misch veniH

5.- 49.- M1

wv

MW

£

tt M f

rj

WD>-

$5

:^v:

w-,

x. J

Frauenschulung - Dienst am Volk!

Eindrücke vom Frauen-Führerinnen-Gchulungslager Bingenheim.

Täglich gibt es einige Stunden praktische Arbeit im Garten

hin und wieder sind

7.30:

8.009.00: Singen

9.00-13.00:

Bettenbauen, das Früh-

Jn Musik und Gesang werden schöne alte Volkslieder gepflegt.

Beschauliche Stunde der Mittagsruhe auf demMäuerchen".

Viele Kinder aus dem Dorfe sind ständige Gäste im Kindergarten.

Lcsestunde in einer der traulichen Nischen des Schlosses.

Am alten Webstuhl wird Volkskultur neu lebendig.

10.00-10.15:

Nun: das

Praktische Arbeit II. Frühstück Wecken, das

balts, geschichtlicher Art, Rednerinnen und Redner im Haus, die über Spe­zialgebiete sprechen, in Rede und Gegenrede werden Kenntnisse erwei­tert und vertieft und in der Gemeinsamkeit dieser Arbeit wächst und reift das Gefühl für die Ver­bundenheiten der deutschen Volksgenossen unterein­ander, wächst das Ver­ständnis für die Arbeit, die diese zukünftigen Füh­rerinnen des Frauen- orbeitsdienstes leisten sol­len.

Mit viel Idealismus wird auch die Feier­abendgestaltungge­pflegt, ein wichtiges Ka­pitel im Frauenarbeits­dienst, und hier hat jede Kameradin nach Kräften beizusteuern. Da werden manchmalMärchen vorge­lesen und in freier Auf­

fassung des Gehörten werden dann diese Märchen als Schattenspiele nachgestaltet; es wird erzählt, es wird gesungen und das alte deutsche Volkslied gepflegt. Manches der Lieder, das man in der Singstunde des Morgens, in den gemütlichen Stuben, im Hofe, auf dem Söller während der Ruhepause in der warmen Frühlingssonne hört, stammt aus dem reichen Volksliedschatz des 16. und 17. Jahrhunderts. Auch die Kinder im Kindergarten lernen manches dieser alten Lieder und so fließt der zu neuem Leben erweckte Schatz der alten Lieder auf dem kürzesten Weg wieder in das Volk zurück. So manches Mädchen, das später im Arbeitsdienst diese Lieder von der Führerin des Lagers hört, wird sie dereinst als Hausfrau ihren Kindern vor­singen

6.20: Wecken

6.306.50: Frühsport

6.507.30: Anziehen u. Bettenbauen

ten dürfte vielmehr ist dieser Gong das Säge­blatt einer Kreissäge, das man seiner scharfen Zähne beraubte. Hier führt nun das Sägeblatt sein von Natur aus geräuschvolles Dasein weiter. Der Tag des Lagers ist, wie über­all bei solchen Kamerad­schaften, in seinem Ablauf klar gegliedert. Der Ta­gesplan ist auch auf einem großen Blatt schneewei­ßen Kartons sauber aufge­zogen, genau ausgezeich­net und am Eingang zu den Gemeinschaftsräumen aufgehängt. Aber selbst dieser Plan hat etwas Freundliches u. Verbind­liches an sich. Eine talent­volle Kameradin hat ihn nämlich mit lebhaft bun­ten Zeichnungen versehen, so daß er lustig anzu­schauen ist.

Singend marschieren die Mädchen in das Dorf.

(Aufnahmen |8J: Neuner, Gießener Anzeiger.)

Laute und Geige, Gitarre und Blockflöte sind die Musikinstrumente, die diese Lieder zum Leben zu erwecken helfen. Die schöne Arbeit, die hier im Führerinnen-Schulungslager geleistet wird, wirkt glückhaft in die Breite und ist sicherlich nicht nur ein Beitrag zur Lebensertüchtigung der deutschen Frau und damit der deutschen zukünftigen Ge­schlechter, sondern auch ein Beitrag zur Erhaltung und Vertiefung einer arteigenen völkischen Kultur.

Wenn des Abends die Sonne sinkt und die Dächer des Schlosses vergoldet und das letzte Licht

13.1013.30: Mittagessen

13.3014.30: Mittags­ruhe

14.3016.00: Schulung

18.30: Abendessen

19.1521.60: Feierabend­

blauen Schürzen und mit leuchtend roten Kopf­tüchern, mit blanken Geräten in der Hand, bilden die Mädchen für jeden Vorübergehenden den An­blick der Verkörperung eines urgesunden und sinn­voll ausgefüllten Lebens. Sicherlich würde man in den Handtaschen dieser Mädchen hoffnungslos ver­geblich nach Lippenstift und Puderquaste suchen. Diese Begriffe existieren im Sprachgebrauch eines Führerinnen-Schulungslagers des Arbeitsdienstes gar nicht, geschweige denn diese Dinge selbst. Die Morgenwäsche in klarem Wasser, der Aufenthalt in frischer Luft hält die Gesichter lebendig in der Farbe, die Sonne bräunt.

Wieder andere haben in der Küche zu tun, denn 65 Gäste am Mittagstisch wollen bewirtet sein. Aus der Waschküche dringt oft den ganzen Tag über Wassergeplätscher. Aber mit all diesen Arbeiten ist das praktische Programm nicht erschöpft. Das Lager unterhält auch einen Kindergarten, in dem sich viele Kinder des Dorfes einfinden. Und auch diese Kinder wollen den ganzen Tag betreut sein! Den Hausfrauen im Dorfe wird durch diesen Kindergarten viel Arbeit und Sorge abgenommen. In einem besonderen Raume stehen zwei schöne alte, prächtig geschnitzte W e b st ü h l e. Diese bei­den Webstühle, an denen fast den ganzen Tag über gearbeitet wird, lernen die Mädchen eine Arbeit, die sie mit großer Freude erfüllt. Ueberall in den Zimmern begegnet man den farbenpräch­tigen Erzeugnissen: den Decken für Tische und Sitz­gelegenheiten, Teppichen und Wandverkleidungen und vielem anderen mehr. In schönen Farben­zusammenstellungen, in den anregenden Mustern, geht von all diesen handgewebten Dingen eine heimelige Wärme aus, die sich auf alles über­trägt.

Nach einer Lesestunde nimmt die reine Schu­lungsarbeit großen Raum ein. Die' Schu­lungsleiterin hält Vorträge weltanschaulichen In-

Fahne 7.408.00: I. Frühstück

Sachlich betrachtet nimmt sich das Blatt, das den Tagesablauf im Lager bestimmt, so aus:

Tagesplan:

Mitten in der fruchtbaren Wetterau unweit von Echzell liegen Schloß und Dorf Bingenheim. Das Schloß ist eines der größten und schönsten weit und breit. Der Hauptbau, ein schönes Turmhaus und viele Nebengebäude stehen in schöner Gemein­schaft beieinander und bilden geräumige, freundliche Höfe. Nach außen hin aber tragt das Schloß einen wehrhaften Charakter zur Schau. Bastionen und Mauern, gezackte Türme, zum Teil auch ein Gra­ben sprechen davon, daß das Schloß zu unruhigen Zeiten der Vergangenheit wohl verteidigt werden konnte. Das Schloß gehörte ursprünglich den Gra­fen zu Bingenheim, dann ging es an den hessischen Staat, wurde aber nicht benutzt, verfiel, wurde un-

Mit großem Eifer wird auf der Blockflöte geübt.

ansehnlich in seinen Jnnenräumen und schlief einen Dornröschenschlaf.

Das wurde aber ganz plötzlich anders. Im vori­gen Jahre zog da nämlich eine Schar junger Mäd­chen ein, kam wie ein reinigendes Gewitter über das Schloß und ergriff mit klar vorbestimmten Ab­sichten von den großen Gebäuden Besitz. Das Schloß wurde Fuhrerinnqn-Schulungs- lager des Frauen-Arbeitsdienftes! So wurde das Schloß einem Zwecke zugeführt, dem es, wie sich bald herausstellte, ideal zu dienen ge­eignet war. Alles, was verfallen war, wurde wie neu hergerichtet, es wurde geschrubbt, gepinselt, gezimmert, ja, es wurden von den Mädchen sogar einfache Möbel geschaffen und den vielen Räumen ein wohnliches Gepräge gegeben. Es wurden Bilder und Scherenschnitte gefertigt und die Wände damit geschmückt. Es wurde so lange gearbeitet, bis das Schloß nach hausfraulichen Begriffen richtig wohn­lich wurde.

Wer heute durch das Schloß geht und sich dessen erinnert, wie es noch vor einem Jahre aussah, wird es kaum wiedererkennen. Mancher Raum ist zwar schlicht, aber geradezu künstlerisch ausgestaltet worden. In den Fluren hängen Lampen und Leuch­ter, die von den Mädchen selbst entworfen und auch selbst angefertigt worden sind. Die schönen Dielen, Flure und Treppenhäuser blitzen förmlich vor Sauberkeit In den Stuben und in den Gemein­schaftsräumen herrscht vollkommene Ordnung. Das Ganze ist, so darf man wohl sagen, ein Muster­lager geworden, entstanden aus heiligem Eifer, aus der Liebe zu einer großen Sache, erwachsen aus einem Geist der Gemeinschaft, aus echt national­sozialistischem Geiste, der hier schönsten Ausdruck fand So ist auch das Führ^rinnenschulungslager Bingenheim ein Zeugnis nationalsozialistischen Aufbauwillens geworden, der vor allem immer von unserem Führer Adolf Hitler seinen Ausgang nimmt.

Das Schloß Bingenheim, als Führerinnen- Schulungslager des Frauenarbeitsdienstes, birgt gegenwärtig für den Zeitraum von drei Monaten insgesamt 65 Mädchen im Alter von 20 bis 23 Jahren, die fast durchweg schon ein halbes Jahr im Frauenarbeitsdienft und somit im Gemein­schaftsdienst an der Nation standen, sich dabei besonders bewährten, ja, auszeichneten und für geeignet befunden wurden, als Führerinnen- Änwörter des Frauenarbeitsdienftes zu gelten. Das Schulungslager Bingenheim soll und wird ihnen das Rüstzeug schaffen für alle die großen Verantwortlichkeiten, die die Führerin eines Frauen- arbeitsdienftlagers zu tragen hat. Aber es herrscht doch, trotz allen Ernstes der Sache, trotz allen Ernstes des Tagesablaufs ein quicklebendiges Trei­ben im Schloß. Dabei ist es noch so, als könnten die Räume das Leben, das sie erfüllt, gar nicht fassen, so daß es hinausquillt und in die ganze Umgebung ausstrahlt.

In aller Herrgottsfrühe scheppert einGong" durch Hof und Haus. EinGong"? Er stammt nicht etwa aus China oder Japan, wie man es von einem richtigen Instrument dieser Art erwar-

gestaltung

21.00: Fahne 21.30: Lagerschluß

stück usw. sind das Wesentliche des Lagers nicht, so sehr das alles auch dazu gehört. Schön ist, daß der Arbeitstag mit einer Feier beginnt, mit der Flaggenhissung in dem vom ersten Frühlicht über­gossenen Schloßhof. Die Flaggenhissung geschieht bei einem gemeinsam gelungenen Liede und bei einem Morgenspruch. Dann folgt der Früh­sport. Unterhalb der altersgrauen Mauern be­findet sich ein schöner Wiesenplan mit weichem kurzen Rasen, von Obstbäumen bestanden, die nun bald im weißen Blütenkleide prangen werden. Im freundlichen hellblauen Sportdreß machen die Ka­meradinnen graziöse gymnastische Uebungen, laufen, springen, werfen den Medizinball und lockern so in der frischen Morgenluft den Körper für die viel­fältige Arbeit des ganzen Tages.

Der Vormittag ist besonders der praktischen Arbeit gewidmet. Und diese praktische Arbeit führt die Mädchen an die verschiedenartigsten Ar­beitsstätten Eine Gruppe macht sich singend auf den Weg in das Dorf, löst sich aber bald auf. Nacheinander verschwinden sie in den Bauernhöfen, wo sie einige Stunden der Bäuerin im Hause hel­fen oder gar mit auf das Feld hinausgehen, um dort mit Hand anzulegen. Zwar kennen die Ka­meradinnen diese Arbeit schon vom Arbeitsdienst her, es kann aber nichts schaden, wenn ein deut­sches Mädchen die schwere Arbeit des Bauern gründlich kennenlernt.

Und während diese Gruppe auf dem Wege in das Dorf ist, bewaffnet sich eine andere Schar mit Arbeitsgeräten und stürzt sich durch das kleine Tor und unter dem Rosenbogen hindurch in den Garten des Schlosses, der gerade jetzt für die Früh­jahrsaussaaten hergerichtet werden mnfi Mit

des scheidenden Tages in den alten Wetterfahnen glänzt, dann endet meist auch ein arbeitsreicher Tag, der die Mädchen, rechtschaffen müde, auf ein­fachem Lager dem nächsten Tag der schönen Ge­meinschaft entgegenschlafen läßt.

Es wäre ein Irrtum, zu glauben, daß die Mäd­chen im Führerinnen-Schulungslager Bingenheim ein in ihrer Gemeinschaft abseitiges Leben führen. Nein, sie nehmen vielmehr am gegenwärtigen Geschehen größten Anteil. Sie fuhren zur Kundgebung mit dem Führer nach Frankfurt a. M. und weilten auch in Friedberg, um den Reichsbauernführer Darre zu hören. Angeregt und neu gestärkt und begeistert für die Arbeit am großen Ziel, dem auch sie dienen Deutschlands Aufbau und Erstarkung kehrten sie zurück.