Nr. 74 Erstes Blatt
186. Jahrgang
greitag, 27. März 1936
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Mit dem Führer für Deutschland!
Begeisterter Empfang in Leipzig.
Leipzig, 26. Mörz. (DNB.) Die Messestadt Leipzig steht seit dem frühen Morgen völlig im Zeichen der großen Wahlkundgebung auf dem Ausstellungsgelände. Sämtliche Geschäfte, mit Ausnahme der lebenswichtigen Betriebe, haben um 16 Uhr geschlossen. Die Gefolgschaften vieler Großbetriebe sind unmittelbar nach Geschäftsschluß geschlossen zur Wahlkundgebung marschiert. Auch die städtischen Theater und das Gewandhaus haben ihre Aufführungen für den heutigen Abend abgesagt. Die gesamte Bevölkerung Leipzigs ist von einer beispiellosen Begeisterung ergriffen. Girlanden, frisches Grün und Fahnen überall, wohin das Auge blickt. Als gegen 19 Uhr der Führer in Leipzig eintraf, war der größte Bahnhof Deutschlands auf allen Bahnsteigen von einer unübersehbaren Menschenmenge besetzt, die von der Absperrung nur mühsam zurückgehalten werden konnte. Auf dem Vorplatz des Bahnhofes waren die Ehrenformationen aufmarschiert. Soweit das
Die Verkehrsstille am Freitag.
Die Reichswahlkampflettung weist nochmals ausdrücklich darauf hin, daß am Freitag, dem 2 7. März, das Sirenensignal aus den Kruppwerken u m 1 6 ll h r gegeben wird. Dieses Signal wird von den Sirenen und Alarmgerälen aller Werke, Schiffe ufw. im ganzen Reich übernommen und eine Minute lang durchgeführt. Gleichzeitig tritt von 16 Uhr bis 16.01 Uhr eine Minute verkehrsstille in ganz Deutschland ein.
Auge reichte, waren die umliegenden Straßen von einer erwartungsvollen, freudig gestimmten Menge erfüllt. Der Blick auf den Bahnhofsvorplatz bot mit dem Schmuck der Girlanden und Fahnen, den Lichterreihen, die sich an allen Häuserfronten entlang zogen, ein wundervolles Bild.
Ein Orkan von Heilrufen empfing den Führer, der im Wagen stehend langsam den dreieinhalb Kilometer langen Anmarschweg zur Halle 7 der Technischen Messe fuhr. Der Weg war eine Triumph fahrt ohnegleichen. Er führte über die Prachtstraße des Rings, wo vornehmlich die monumentalen Prachtbauten der Messestadt in hellem Licht der Scheinwerfer und Illumination, über und über mit Fahnen und Grün bedeckt, einen herrlichen Anblick boten. Auf dem letzten Stück des Weges durch das Ausstellungsgelände bis zur Halle 7 rankten sich von Mast zu Mast Lichter- schnüre mit vielen Hunderten von Lampen. Hier fuhr der Führer wie durch ein Lichtermeer, getragen von der jubelnden Begeisterung, die ihn bis in die Kundgebungshalle, die auf dem geschichtlichen Gelände der Völkerschlacht zu Leipzig errichtet ist, trug.
Die weitgespannte Halle war schon kurz nach der Eröffnung von 35 000 Menschen bis auf den letzten Platz besetzt worden. Die Halle trug schlichten Schmuck. Sie mußte polizeilich geschlossen werden. Mitten in die Weisen der Musikkapellen hinein klang das Brausen der Heilrufe, mit denen die Leipziger ihren Führer geleiteten. Alles sprang von den Plätzen auf, während die Kapelle den Lieblingsmarsch des Führers intonierte. Bogenlampen tauchten den riesigen Raum in strahlende Helle. Als der Führer im Mittelportal sichtbar wurde, empfing ihn donnernder Jubel, der kein Ende nehmen wollte. Und noch einmal machten sich die 35 000 ihrer Freude Luft, als Reichsstatthalter Mutfchmann den Befreier Deutschlands in der Geburtsstadt Richard Wagners willkommen hieß.
ReichsorganisationsleiterDr Ley hat dann das Wort. Er ging von dem herrlichen Erlebnis des neuen Deutschland aus, das ihn auf feinen Fahrten immer wieder mit Freuden erfülle. Die Menschen haben einen neuen Glauben erhalten. Sie glauben wieder, sie glauben an sich selbst, an ihre Mitmenschen, an das Volk, sie glauben vor allen Dingen an Adolf Hitler, ihren Führer. (Stürmischer Beifall.)
Sie wissen alle, meine deutschen Menschen, fuhr Dr. Ley fort, wie oft das Schicksal diesen Mann auf die Probe stellte. Und immer wieder fragte das Schicksal: Glaubst Du, Adolf Hitler, auch jetzt noch an Deutschland? Die Antwort war immer: Schicksal, i ch glaube. Und dann geschah das Wunder, das noch nie vorher gewesen ist und auch in den kommenden Jahrhunderten nicht wieder sein wird: Das Schicksal gab diesem heldenhaften 70-Millionen-Volk einen Mann des Volkes, einen Soldaten, einen Arbeiter, allein deshalb weil er
glaubte. Deutschland ist gerettet worden allein wegen Adolf Hitler und feines unbändigen Glaubens (die vielen Taufende in der Halle begleiten diese Sätze des Redners mit stürmischer Zustimmung) Weshalb liebt dieses Volk Adolf Hitler, wie es nie zuvor einen Kaiser und König geliebt hat? Das Volk ist ruhig, weil es das Gefühl des Geborgenseins hat. Es ist ruhig, weil es fühlt, es hat Recht, weil über allen juristischen Paragraphen
nen der Führer betont, daß alle Kraft ihm nur aus dem Volk komme, bricht ein gewaltiger Sturm des Beifalls los. Das fei so geblieben und werde auch so bleiben. ,Hch habe mich immer nur dem deutschen Volke verantwortlich gefühlt!", erklärte der Führer unter minutenlangem Jubel. „Seit drei Jahren ist in Deutschland wieder jemand verantwortlich, und für die gesamte Führung des Reiches bin ich es", ruft der
Stürmische Zustimmung der Tausende.
Nachdem der stürmische Jubel, mit dem die Worte des Führers aufgenommen wurden, abgeebbt war, prach Gauleiter Reichsftatthalter M u t s ch m a n n im Namen der 35 000 Hörer dieser Halle, im Namen der Hunderttausende auf den Straßen und Plätzen und im Namen der Millionen, die im Rundfunk die Rede angehört hatten, dem Führer den tiefgefühlten Dank aus und gab ihm das Versprechen, daß das Volk am 29. März feine Pflicht tun werde. Das dreifache Siegheil aufden Führer und das deutsche Volk wurde von den Massen jubelnd aufgenommen; immer wieder brandeten die Heilrufe auf, bis die Lieder der Nation aufklangen und dem Gelöbnis der Treue und Pflichterfüllung weihevollen Ausdruck gaben.
Nachdem der Führer mit feiner Begleitung die Halle unter erneuten Beifallsstürmen verlassen hatte, beendete der feierliche Fahnenausmarsch die gewaltige Kundgebung. Während der ganzen Dauer der Veranstaltung hatten die Massen, die in den Straßen Leipzigs Spalier gebildet hatten und die die Rede aus den Lautsprechern hörten, ausgeharrt, um dem Führer bei der Rückkehr noch einmal zuzujubeln. Bei tiefer Nacht war das Bild, das die Lichter in den Seitenstraßen boten, von unbeschreiblicher Wirkung. Die Begeisterung der Leipziger Bevölkerung kannte keine Grenzen. Noch ganz unter dem Eindruck der Rede des Führers, drückten sie alle ihre Liebe und Verehrung in jubelnden Heilrufen aus. Immer wieder dröhnten die Sprechchöre der Massen, die stürmisch den Führer zu sehen verlangten, und begleiteten ihn noch eine Zeit aus der Halle hinaus. Noch lange nach der Abfahrt des Führers schob sich eine unübersehbare Menschenmenge durch die Straßen der Innenstadt. Alle waren erfüllt von der großen Stunde, deren Zeuge sie hatten fein dürfen. Sie alle trugen das Gelöbnis in sich, am 29. März ihre Pflicht zu tun.
Am Rundfunk hört das deutsche Volk am 27. und 28. März den Führer.
Berlin, 26. März. (DNB.) Der Wahlkampf erreicht am Freitag und Samstag feinen Höhepunkt mit den Reden des Führers in Essen und Köln. Mit dem freien Rheinland nimmt durch den Rundfunk das ganze deutsche Volk an den feierlichen Kundgebungen teil. Der gesamte Verlauf der Essener Kundgebung am 27. März wird von 15.20 Uhr bis etwa 17 Uhr über alle Reichs- sender übertragen. Die Sendung beginnt mit einem Bericht von der Fahrt des Führers durch Essen. Um 15.45 Uhr wird das Kommando „Heißt Flagge!" in alle deutschen Gaue getragen. Ein Funkbericht schließt sich an, in den um 16 Uhr d i e Sirenen der Krupp- Werke einfallen, die eine Minute lang den Beginn des großen Friedensappells des Führers ankündigen. Dann spricht Adolf Hitler. Schluß der Ueberfragung ist voraussichtlich um 17 Uhr.
Die große Rede des Führers wird dann, ebenfalls über alle deutschen Sender, anschließend in der Zeit von 20 bis etwa 21 Uhr wiederholt. Der Reichssender Saarbrücken bringt diese Wiederholung außerdem noch am Samstag, den 28. März, in der Zeit von 13.30 Uhr bis 14.30 Uhr.
Samstag, der 28. März, ist der „Deutsche' Volkstag für Eh re, Freiheit und Frie- d e n". Von 16 bis 16.30 überträgt der deutsche Rundfunk den Empfang der rheinischen Stände im Kölner Gürzenich durch den Führer als Reichssendung. Um 19.50 Uhr läuten d i e Glocken des Kölner Doms den Friedensappell des Führers ein, der um 20 Uhr von den Messehallen in Köln beginnt und mit dem Altniederländischen Dankgebet abschließt. Dauer der Kundgebung, die als Reichssendung erfolgt, bis etwa 22 Uhr'
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Der Reichskirchenausschuß hat die Landeskirchen aufgefordert, für ein allgemeines einviertel stündiges Glockengeläut am Schluß der großen Kundgebung in ' Köln a m Samstag, den 28. März d. I., 21 Uhr, Sorge zu tragen.
Göring in Karlsruhe.
Berlin, 27. März. (DNB.) Der preußische Ministerpräsident und Reichsluftfahrtminister General Göring stattete am Donnerstag der Hauptstadt der deutschen Südwestmark Karlsruhe, die sich im prächtigsten Festkleid zeigte, einen Besuch ab. Hermann Göring fuhr unter dem Jubel einer zahl« reichen Menge zum Gebäude der ehemaligen Ka« d e t t e n a n st a l t, wo zur Erinnerung an die Jahre 1905 bis 1908, in denen Hermann Göring als Kadett dort seine militärische Laufbahn begon-
Deine Glimme gehört -em Führer
(preffe-Illustration Hoffmann-M)
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Oer Führer an das deutsche Volk
„Ich bitte jetzt das deutsche Volk, mich in meinem Glauben zu stärken und mir durch die Kraft seines Willens auch weiterhin die eigene Kraft zu geben, um für feine Ehre und feine Freiheit jederzeit mutig eintreten und für fein wirtschaftliches Wohlergehen forgen zu können, und mich besonders zu stützen in meinem Ringen um einen wahrhaften Frieden."
das Lebensrecht Deutschlands steht. Das Volk ist ruhig, weil es weiß, daß die Friedensworte des Führers keine Phrasen und keine Worte, sondern ehrlich gemeint sind. Er will den ehrlichen Frieden für das Volk. Das Volk ist ruhig, vor allem weil es durch Adolf Hitler und feinen Glauben wieder an feine Zukunft glauben gelernt hat. Es ist nicht mehr hoffnungslos. Es ist wieder lebensfroh. Deutschland ist schöner und das Volk wieder glücklich geworden. Deshalb, so erklärte Dr. Ley unter brausendem Beifall, gibt es für den 29 März feine Entschuldigung. Die letzten Sätze des Redners gehen in einem sich immer wieder erneuernden Beifallssturm unter.
Mitten in die begeisterte Zustimmung hinein, mit der das Bekenntnis Dr. Leys zum Führer ausgenommen wurde, gibt der Gauleiter dem Führer das Wort. Schon mit den ersten Sätzen, in de-
Führer aus. Und ein neuer Sturm antwortet. Mit Wärme schildert der Führer die Eindrücke von seiner Wahlreise und erklärte unter dem dröhnenden Jubelsturm, man könne ja so stolz auf dieses deutsche Volk sein. Mit tiefem Ernst sprach der Führer dann von dem Glauben an seine Mission. Mit Absicht habe er dem Volk d i e größten Aufgaben gestellt, um ihm den Geist der Kleinmütigkeit und Verzweiflung wieder auszutreiben. (Lang anhaltender Beifall folgte diesen Worten.) Als größte der Aufgaben bezeichnete der Führer die Erringung der Freiheit und Unabhängigkeit, der deutschen Ehre und der vollen Souveränität des deutschen Volkes. In wundervoller Steigerung mahnte der Führer zum einmütigen Bekenntnis. Jeder feiner mitreißenden und aufrüttelnden Sätze weckte ein dröhnendes Echo.
Ganz Deutschland hört heute den Führer im Rundfunk


