Aus der Provinzialhauptstadt
Wer aber umgekehrt von der Idee des
wahren Wetter-
„Weshalb soll ich denn ausgerechnet zum Schweineschlächter gehen?"
In diesem Moment griff Elvira in die Unterhaltung ein. Elvira, eine Art Kochgehilfin, hatte in der vergangenen Woche Herrn Keller einen freien Abend zu verdanken gehabt, und das war so gewesen: Als Herr Keller mit Fräulein Andersen in dem ein- samen Gastzimmer saß und plauderte, trat Elvira herein und fragte, ob sie „eine Stunde" fortgehen dürfe, ihr Bruder sei aus Jütland gekommen. Nun ist das mit den Brüdern, die nach Dunkelwerden aus Jütland kommen, in aller Welt dasselbe. Kein Fraulein Andersen, mag sie in Dänemark haushalten oder sonstwo, will davon hören. Herr Keller ah, wie sich das Gesicht in strenge Falten legte, er
Die LeutW Arbeitsfront y - -
n.9.=ucmeinf(haft „firaft Durch freuDe"
Sommers ausgeht und daraus die fällige leistung erwartet, kann das, was sich seit Wochen und Monaten zwischen Himmel und Erde bei uns
SteineS legte mehr ein Gi..«
Sie waren alle mausetot, 8 schöne weiß« „Leghorn" und ein stolzer Hahn! Hases waren untröstlich. Dann kam der Tierarzt und sagte: Vergiftet!
Wieso? Warum? Das Rätsel wurde bald gelöst: Nicht weit ab von Hases Hühner-Auslauf liegt du Feld, das Piepenbrink gehört. Piepenbrink klagt über Maus«, Piepenbrink streut Giftweizen und macht in der Zeitung darauf aufmerksam. Alle Nachbarn richte« fich enO sprechend ein und flicken ihre Zaune.
Bloß Hase weiß von nichts. Und wer soll sonst dit Hühner warnen?
Tja — hätte er Zeitung gelesenl
Die schützt vor Schaden und Verdruß,, weshalb sie feder haben muß!
Aprilsommer.
Das eine steht fest, daß wir in diesem Jahre zu keinem richtigen ausgewachsenen Sommer haben kommen können. Daran vermögen auch einige schöne Altweibersommertage, die sich zur Derao- scyiedung etwa noch einfinden sollten, nichts mehr zu ändern.
Wochenlang konnten unsere Arbeitskameraden vom Wetterdienst aus ihren meteorologischen Beobachtungen als Tagesmischung nichts anderes in Aussicht stellen als „häufig aufheiternd" und „zu Niederschlägen geneigt". Darüber hinaus aber soll gleichzeitig ihre sprachliche Leistung nicht übersehen werden, die aus den langweilig gewordenen Stickworten immer wieder neue, fein abgestufte und nie ganz hoffnungslose Formulierungen zu gestalten wußte, während entsprechend z. B. die Hausfrau und ihr Metzgermeister sich kurzerhand auf „durchwachsen" zu verständigen pflegen.
zwischen den Fingern knetete, und er mußte lachen. Es war ein ansteckendes Lachen. Fräulein Andersens Miene wurde plötzlich weich, das Mädel biß sich auf die Lippen. Schließlich haben sie alle drei aus vollem Halse gelacht, Elvira durfte ihren aus Jütland gekommenen Bruder begrüßen, wozu sie sich den Wald aussuchte, und an diese schöne Stunde dachte sie voll Dankbarkeit, als Herr Keller in der Küche nach dem mysteriösen Gris forschte.
„Passen Sie auf", rief Elvira, „ich mache Ihnen vor, wie ein Gris ist."
Auf allen Vieren kroch sie über den Fußboden und grunzte derart genial, daß mancher VarietS- direktor sie sofort als Tierstimmenimitatorin engagiert haben würde.
„Also doch ein Schwein!" schrie Herr Keller.
,-,Naeh", sagte Elvira, „ein Schwein nicht, aber so ähnlich."
Da leuchtete es auf in Herrn Kellers grauer Gehirnrinde. „Sollte", fragte er Fräulein Andersen, mit einem verschämten Seitenblick auf Elvira, „sollte ein Gris eine Sau sein?"
Sau heißt im Dänischen „So", das kann man in allen Wörterbüchern nachsehen: dieses Wort gebrauchte Herr Keller. Und Fräulein Andersen atmete auf und sagte: „Ja! Ja!" Und Elvira tat einen Quietscher und schrie: „Ja! Ja!" Und Kathrine Pedersen kam die Treppen herabgepgltert und nahm Anteil an der Freude, daß Herr Keller herausge- funden hatte, was ein Gris ist.
„Aber", erlaubte sich Herr Keller zu bemerken, „wann und warum sagt man ,Gris' und nicht ,So' — werden da bestimmte Unterschiede gemacht?"
Fräulein Andersen schüttelte eine große Tüte Mandeln auf den Küchentisch und begann sie abzu- Ziehen. Dabei sah sie Herrn Keller lächelnd an, und der verstand. Bitte, sagte dieses Lächeln des Fräu- n -r. ^herfen, renn mir den Bratspieß durch den i-eib und röste mich über dem Herdfeuer, aber laß mich mit deinem Gris in Frieden!
Da Herr Keller kein Kannibale ist, ging er still auf sein Zimmer, glücklich im Besitz einer schwer errungenen Vokabel.
Wie schade, daß man sie nicht zum Kosewort erheben kann, „mein kleiner Gris" klingt so niedlich — aber Kathrine Pedersen würde unweigerlich zum Besen greifen, und Herrn Keller ist sein Leben ueb. Also muß es schon bei einer akademischen Ver» uebtheit in diese Vokabel bleiben, noch die Enkel des Herrn Keller werden sie träumerisch in die Sommernacht flüstern.
Umständen geben. Wie derartige „bißchen" sich auswirken, zeigt ein einziger Satz. Statistiker haben ausgerechnet, daß 4 Pfennige, die täglich in jedem deutschen Haushalt durch den Verderb von Nahrungsmitteln verloren gehen, sich in einem Jahre, für das aanze Volk gerechnet, auf die Summe von 977 Millionen Mark auswirken. Nach stichhaltigen Zahlen gehen alljährlich auf dem Weg zum Der- braucher durch Verderb und vermeidbaren Schwund Nahrungsmittel im Werte von rund 750 Millionen Mark verloren. Beobacktungen und Erfahrungen zuständiger Stellen beziffern die Verluste, die allein in privaten, gewerblichen und öffentlichen Küchen und den dazu gehörigen Vorratsräumen entstehen, auch auf 750 Millionen Mark. Das sind insgesamt rund 3 v. H. des Verbrauchswertes der Nahrungsmittel in den Händen der Verbraucher, also ebenso- 3 ^r™ 1935? ber Nahrungsmitteleinfuhr im
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Durch die Hände unserer Hausfrauen gehen alljährlich Milliardenbeträge — schätzungsweise jähr- lich 20 Milliarden Mark — für die Ernährung der Familien. Wenn alle Hausfrauen in der rechten Erkenntnis der Wichtigkeit des Kampfes gegen den Verderb immer nur zur richtigen Zeit stets nur
Für die erste „Kraft durch Freude"-Vorstellung im Stadttheater Gießen am Samstag, 26. September, 20 Uhr, „Donna Diana"", Lustspiel in 3 Akten, sind Karten zum Preise von 50, 70 und 90 Pf. auf der Kreisdienststelle „Kraft durch Freude", Schanzenstraße 18, noch erhältlich. Die Kreisdienststelle ist für den Kartenvorverkauf am Samstag von 8 bis 13 Uhr und von 15—18 Uhr geöffnet.
Die Omnibusfahrt am Sonntag, 27. September, nach der Edertalsperre, Waldeck und Bad Wildungen findet bestimmt statt. Abfahrt 8 Uhr Haus der Deutschen Arbeit, Schanzenstraße 18. Es können sich noch einige Teilnehmer bis Samstag 13 Uhr zu dieser schönen Fahrt melden. Fahrpreis beträat 4,70 RM. y
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** Sechzig Jahre alt Am morgigen Sonntag, 27. September, kann der Lehrer an der Kaufmännischen Berufsschule August Wehrheim, Steinstraße 51 wohnhaft, seinen 60. Geburtstag bestehen. Lehrer Wehrheim wirkt seit 1901 als Schulmann in Gießen, zunächst an der Stadt- Knabenschule, seit einem Jahrzehnt an der Kaufmännischen Berufsschule. Im öffentlichen Leben ist er besonders durch seine Tätigkeit als langjähriger Vorsitzender der Männer- und Frauenvereiniguna der Matthäus-Gemeinde, als Mitglied des Kirchenvorstandes und des Roten Kreuzes hervorgetreten. In weiten Kreisen der Gießener Bevölkerung wird dem Jubilar große Wertschätzung entgegengebracht.
** Die Dienststunden der städtischen Behörden sind vom 1. Oktober ab auf die Zeit von 8 bis 13 Uhr und 14.30 bis 18 Uhr, Samstags
Abenteuer in Dänemark.
Uon Waldemar Keller.
Die Sache begann, als Katharina Pedersen abends um halbacht das Wasser aufs Zimmer brachte. Nickt wahr, man hat nachts gern eine gefüllte Wasserflasche am Bett stehen — oder sollte das nur eine dumme Angewohnheit des Herrn Keller sein? In diesem Fall würde sich Herr Keller belehren lassen, aber kaltes Wasser ist nun einmal seine Leidenschaft, und wenn er es nicht trinken darf, dann will er sich wenigstens darin waschen. Das wird, nimmt er an, keine dumme Angewohnheit sein. Kathrine Pedersen brachte nicht nur die Flasche, sondern auch eine große Kanne, bis an den .Ranö gefüllt; die Einrichtung des „fließenden Watzers kennt man in diesen dänischen Städtchen nicht. Wozu auch? Jeder hat die Badewanne, das Meer, sozusagen vor der Tür. Darin plätschert man, solange es Sommer ist, und im Winter wartet man, bis es wieder Sommer wird. Leider ist Herr Keller ein verschrobener Mensch. Er hat eine Abneigung dagegen, vor dem Frühstück Proben als Tiefsee- taudjer abzulegen, und da er tagsüber mehrmals Wasser aus der Kanne gießt, um sich die Hände zu reinigen, mußte Kathrine Pedersen, obwohl es im Monat August war, dafür sorgen, daß die Morgenwäsche in bescheidenem Ausmaß vorgenommen werden konnte.
Soviel über den Beruf Kathrine Pedersens als Wassertragerin. Sie hatte noch einen anderen. Das Zimmermädchen war gleichzeitig Servierfräulein. Aber dabei wollen wir uns nicht aufhalten. Wenn einer die Feder ansetzt, um ein dänisches Mittag- oder Abendessen zu beschreiben, dann kommt, will er genau sein, eine Abhandlung von 375 Seiten Zustande und Herr Keller hat nicht die Absicht, dem Brillat-Savarin nachzueifern.
Also: Kathrine Pedersen brachte das Wasser und fand Herrn Keller in einem Buche lesend. Es war die dänische Uebersetzung des grandiosen Ro- mans „Die Mutter" der Amerikanerin Pearl S Buck. Herr Keller saß mit gerunzelter Stirn, hatte die Lesebrille vorn auf die Nase geschoben und muß absolut den Eindruck eines Menschen gemacht haben, der geistig ins Stottern geraten ist. Kathrine hat eine ungemeine Hochachtung vor Büchern; von gei- stkgem Stottern versteht sie nicht viel. Sie schielte einfach neugierio herüber, und da kam Herrn Keller ein Gedar'e
dere sind der in Nacht und Nebel versinkende Herbst und der zu Licht und Wärme drängende Frühling solche kosmischen Kampfzeiten. Und so mögen auch jene stürmischen Frühlingstage die besondere Eigentümlichkeit unseres Sommers geprägt haben aus „häufig aufheiternd" als Durchbruch echt sommerlicher Grundhaltung in Mischung mit „zu Niederschlägen geneigt" als Rest schicksalhafter Vorbelastung.
Dieser Aprilgeist aber erhielt unseren Sommer auch jung, selbst über die Höhe seiner Tage hinaus, und in jugendlichem Uebermut machte er sich aus seinem Schicksal gelegentlich sogar ein Fest. So hatte er kürzlich die Aufheiterung den ganzen Vormittag durchgehalten, vermutlich als Tarnung seiner un- glückseliaen Neigung zu Niederschlägen. Denn als er um Die Mittagszeit so ziemlich alle Lebensalter auf einer der verkehrsreichsten Straßen unserer Stadt beisammen hatte, belegte er plötzlich das friedliche Bild mit dicken, klatschend aufspritzenden Regentropfen, die sich in kurzem Uebergang zu finsteren Strähnen mit nachdrücklichster Fallwirkung verfilzten. Die Szene wurde zu einer Regenschutz. Übung größten Formats. Die wenigen Regenschirme und Gummimäntel schritten mit überlegenen Mienen durch die Menge, Ungerüstete machten Sturm auf die Elektrische, Kurz- und Langstreckenläufer, Radler mit durchnäßtem Rücken und plastisch ge- wordene Radlerinnen schwirrten in olympischen Rekorden belebend durch das düstere Straßenbild, während hundert andere im Schutz der regensicheren Türnischen vieler Geschäftshäuser sich mit olympi- scher Ruhe den kurzen, aber eindrucksvollen Film betrachteten, der noch mit vielen humorvollen und besinnlichen Einzelbildern ausgestattet war.
Plötzlich ging der Schalk aus der Höhe mit der unschuldigsten Miene von der Welt, als ob gar nichts geschehen wäre, wieder zu „Aufheiterung" über, sicherlich, um die Vertrauensseligen wieder reif zu machen für seinen nächsten Ueberfall. — Aprilsommer! R. ß.
Vornoiizen.
Tageskalender für Samstag.
10 bis 20 Uhr: Ausstellung „Braune Messe" in der Volkshalle. — Stadttheater: 20 bis 22.15 Uhr „Donna Diana" (Sondervorstellung von „Kraft durch Freude"). — Gloria-Palast (Seltersweg): „Mädchen- Pensionat". — Lichtspielhaus (Bahnhofstraße): „Das Schloß in Flandern".
Tageskalender für Sonntag.
10 bis 20 Uhr: Ausstellung „Braune Messe" in der Volkshalle. — Stadttheater: 15 bis 17.30 Uhr „Krach im Hinterbaus"; 19 bis 21.30 Uhr „Towarisch". — Gloria-Palast LSeltersweg): „Mädchen-Pensionat".— Lichtspielhaus (Bahnhofstraße): „Das Schloß in Flandern . — Ankörung deutscher Schäferhunde: 8.30 Uhr in der Pulvermühle. :
Stadttheater Gießen.
Heute abend von 20 bis 22.15 Uhr als 1. Vor- stellung für NSG. Kraft durch Freude „Donna
haben könnte! — „ein Gris ist ein Gris und keine Kuh."
Ihr Blick strahlt jetzt freundliches Mitleid. Da sitzt nun einer und schreibt und lieft den ganzen lag, und doch weiß er nicht einmal, was ein Gris ift...
„Herr Keller klopft Kathrine Pedersen väterlich, sehr väterlich auf die Schulter und sagt Gutenacht. Die stramme Kleine hat eine hübsche Naturstimme, wo sie geht und steht, singt sie: „Kannst du pfeifen, Johanna" ... und es macht Spaß, ihr zuzuhören, wenngleich die pfeifende Johanna die Veranlagung zu einem schrecklichen Hausgespenst in sich trägt. Singen kann Kathrine Pedersen ausgezeichnet. Aber das Erklären von Vokabeln soll man ihr ersparen. Was mag ein Gris sein? überlegte Herr Keller. Er lag im Bett, das Fenster stand offen, ein Falter schwirrte im Zimmer. Alle Tiernamen, die in Bekrocht zu ziehen waren, hat der unglückliche Mann hergesagt, angefangen beim Wasserbüffel und endend beim Perlhuhn, aber zu einem Ergebnis gelangte er nicht. Glücklicherweise schlief er ein.
Am anderen Morgen, gleich nach dem Frühstück ging er in die Küche zu Fräulein Andersen, die das kleine Hotel leitete. Grau fielen ihr die Locken in die Stirn, also ein Fräulein, mit dem man ohne jebe Ablenkung über einen Gris sprechen konnte. Sie war bereits unterrichtet. „Tja", sagte Fräulein Andersen, „wie soll ich Ihnen das klarmachen? Vielleicht gehen Sie mal zu dem Schweineschlächter nebenan..."
„Also ist ein Gris ein Schwein?" fragte Herr Keller hastig.
Fräulein Andersen schüttelte wehmütig den Kopf „Das kann man nicht sagen, daß es ein Schwein
Aus dem Stadttheaterbüro wird uns geschrieben: Sonntag, 27. September, findet die Aufführung des großen Lustspielerfolges „Krach im Hinterhaus ' von M. Böttcher statt. Da das Stück aus der vergangenen Spielzeit übernommen wird, ist eine neue Besetzung notwendig geworden. Die Spielleitung hat wieder Heinrich Hub. Mitwirkende Damen: Birkmann, Karden, Krause, Keltzer, Petri, Stirl, Schubert-Jüngling; Herren: Frickhoeffer, Geiger, Hub, Kühne, Nieren, Schorn, Seitz, Dolck, Walter, Winkel. Anfang 15 Uhr, Ende 17.30 Uhr. Außer Miete. Am Abend geht „Towarisch" von Jacques Deval in Szene. Das Stück steht, wie statistisch festgestellt ist, mit „Krach im Hanterhaus" an der Spitze der mit größtem Erfolg an den deutschen Theatern gespielten Stücke. Für die deutsche Bühne wurde „Towarisch" von Curt Goetz bearbeitet. Wolfgang Kühne inszenierte das Stück in neuer Besetzung. Mitwirkende Damen: Birkmann, Gerhardt, Krause, Prinz, Schubert-Jüngling, Stirl; Herren: Frickhoeffer, Geiger, von Gsckmeidler, Hub, Rosenthal, Schorn, Volck, Walter. Anfang 19 Uhr, Ende 21.30 Uhr. Außer Miete. — Dienstag, 29. Sept., Anfang 20 Uhr, Ende 22.15 Uhr. „Donna Diana" Lustspiel von Moreto. Spielleitung: Der Intendant. Dienstag-Miete. 2. Vorstellung. — Mittwoch, 30. Sept. Anfang 19.30, Ende 22.15 Uhr, „Gustav Kilian". Ein altmodisches Stück von Harald B r a 11. Spielleitung: der Intendant. Mittwoch-Miete. 2. Vorstellung — Freitag, 2. Oktober: Anfang 20 Uhr, Ende 22 Uhr, Erüaufführung „Reims", Drama von Friedrich Bethge. Spielleitung: Theodor Haerten. Freitag-Miete. 3. Vorstellung. — Samstag, 3. Oktober, Anfang 20 Uhr, Ende 22 Uhr, „Die XL Olympischen Spiele in Bild und Ton". Sprecher Rolf Wernicke, Sportreferent des Olympia-Weltsenders Berlin. Außer Miete. — Sonntag, 4. Oktober, Anfang 11.30 Uhr, Ende 12.30 Uhr, 2. Morgenveranstaltung „Erntedankfest". Das Volkslied in Gesang, Rezitation und Tanz. Für Vlatzmieter ist der Eintritt frei. Anfang 19 Uhr, Ende 21.30 Uhr. „Der Sprung aus dem Alltag", Lustspiel von Heinrich Zerkaulen. Spielleitung: Fritz Walter. Außer Miete.
Vorlrag: Die Berliner Ausstellung „Deutschland".
Heber die große Berliner Ausstellung „Deutschland" hält Frau Else Pelz-Langenscheidt, Kassel, am kommenden Dienstag einen Vortrag. Auf die heutige Anzeige sei hingewiesen.
Diana". Lustspiel von Moreto. Spielleitung: Der I Intendant
Der Spielplan des Stadttheaters Gießen vom 27. September bis 4. Oktober.
„Kathrine", sagte er, „Sie müssen mir mal was "^ren. Ich kann doch ganz gut dänisch, nicht wahr? Aber da find" ich in dem Buch ein Wort, Das ich noch niemals gehört habe. Was ist ein Gris?"
Kathrine Pedersen, siebzehnjährig, starrt Herrn Keller überrascht an. In ihren Augen steht geschrie- den: Was mag das für ein Buch fein, das Der Mensch liest? Dann fängt sie an zu lachen und antwortet: „Em Tier".
„Jawohl", nickt Herr Keller, „soviel seh' ich selbst x muß ein Tier sein. Aber es gibt mancherlei
Kathrine Pedersen aus Otterup denkt, und wenn sie das gelegentlich mal tut, ist es, als rede sie laut Man braucht sie nur ein wenig zu beobachten und alles ist offenbar. Diesmal denkt sie: Kann es Dir nicht gleichgültig sein, was das für ein Vieh ift?...
Herr Keller kommt ihrer (Entgegnung zuvor. „Verstehen Sie, Kathrine, mich interessiert Das. Ich könnte ja im Wörterbuch nachschlagen; leider hab' ich keins da. Beschreiben Sie mir ungefähr, wie ein Gris aussieht."
„Kennen Sie eine Kuh?" fragt Kathrine Pedersen.
Herr Keller muß gestehen, daß ihn diese Frage hart getroffen hat. Ob er eine Kuh kennt? Du lieber Gott, welche Meinung muß Kathrine Pedersen von ihm haben! Aber halt — vielleicht ist „Gris" ein anderer Ausdruck für Kuh? Für eine Kuh in gewissem Lebensalter? Es gibt da die merkwür- Dlgsten Bezeichnungen, die viele Leute in ihrer eigenen Sprache nicht kennen. Bitte, fragen Sie deutsche Stadtbewohner, was eine dcr|e ist oder was Das Wort „Walpe" beDeutet u,ber Antworten, falls Sie über- Daupt welche kriegen, erstaunt fein. Bei der Ferse werden sich Die meisten an Die Achillesferse erinnern ober d'e Ueat nicht auf der Wiese und käut wide? ^lch, sagt sich Herr Keller, und kommt sich ober- schlau vor, womöglich ist Gris gleichbedeutend mit u«r|e.
„(Es ist also eine Kuh, eine kleine Kuh?" fragt er, entzückt über Den Erfolg. y
„Naeh", sagt Kathrine Pedersen, „eine kleine Kuh nennt man em Kalb."
von 8 bis 13 Uhr festgesetzt worden. Sprechstunden von 8 bis 12 Uhr. (Siehe Bekanntmachung der Stadtverwaltung.)
** Viehmärkte in Gießen. Am nächsten Dienstag findet hier Rindvieh- (Nutzvieh-) Markt statt. Der nächste Schweinemarkt wird am 28. Oktober abgehalten.
**DerBebauungsplanamNahrungs» berg ift zum Gegenstand einer Bekanntmachung der Stadtverwaltung im heutigen Anzeigenteil gemacht worden. Auf Die Bekanntmachung fei befon« Ders hingewiesen.
** Aufgehobene Straßensperre. Die Straßensperre auf Der Landstraßenstrecke Ober- Eschbach — Ober-Erlenbach ist wieder aufgehoben worden.
** Der Verein Hundesport Gießen und Umgebung hielt im Gasthaus Henkel seine Generalversammlung ab. Der Vereinsobmann Dr. van Bentheim begrüßte die Erschienenen. Der Schriftführer erstattete den Jahresbericht. Hieran schloß sich ber Bericht des Rechners, der die Entwicklung und den Stand der Kasse darlegte. Die Abrechnung wurde geprüft und die Kassenverhältnisse in bester Ordnung gefunden. Dem Kassierer wurde Entlastung erteilt. Die Gesamtentlastung des Vorstandes schloß sich an. Dann erfolgte einstimmig die Wiederwahl des Vereinsobmanns, der seinerseits wiederum seine alten Mitarbeiter bestimmte. Anschließend wurden noch verschiedene Vorschläge hinsichtlich einer regeren Werbetätigkeit für Den Verein gemacht. Es wurde betont, wie wichtig es für jeden Hundebesitzer ist, dem Verein anzugehören. Das Ziel aller Hundevefitzer müsse Dabin- gehen, einen reinrassigen Hund auf Grund seines Stammbaumes zu besitzen, weil hier Die Gewähr geboten sei, Daß nur bestes Zuchtmaterial zur Vererbung gelangt.
die sachlich gebotene Menge von Nahrungsmitteln kaufen, sie in haushälterischer Weise unter bestmöglichster Vermeidung von Verlusten aufbewahren und verwenden, wenn ferner in allen Kreisen Der Wirtschaft nach Den gleichen Gesichtspunkten mit allen übrigen Materialien verfahren würde, so könnte daraus für unsere Volkswirtschaft und Damit für Den Aufbau des deutschen Volkes alljährlich ein Gewinn erzielt werden, der sicherlich in Die Mil - liarDen gehen unD unsere finanzielle Kraft gegenüber Dem Auslande durch Ersparnis an Devisen in ungeheurem Maße stärken würbe!
Wie ein kleines Rinnsal zum Bach, Dann zum Fluß und endlich zum Strom werden kann, so vermag auch die Tat des einzelnen Volksgenossen an jedem Tage sich immer wieder in vielfältigster Stärke auszuwirken zu Der unschätzbar gewaltigen Leistung, die aus Der millionen- fachen Summierung aller dieser Einzeltaten als Werk der Gesamtheit zutage tritt. Daran wollen wir alle Denken, an jedem Tage und in jeder Stunde, jeder an seiner Stelle! Und in dieser Erkenntnis wollen wir alle unsere Kraft und all unser Können täglich einreihen in den Kampf gegen den Verderb, damit er immer ende mit einem Siege unserer Volksgemeinschaft! B.
herumtreibt, kaum anders als einen charakterlosen Gesellen nennen. Wie übel hat er, ganz abgesehen von allen übrigen Verpflichtungen, insbesondere unseren um die Nahrungsfreiheit des deutschen Volkes kämpfenden Bauern mitgespielt! Die Ernte mußten sie, oft mit kameradschaftlicher Hilfe aus den Formationen der Bewegung, zwischen „Aufheiterungen" und „Niederschlägen" von ihren Feldern und Wiesen geradezu „heimstehlen"!
Und dennock hat auch ein solcher Sommer Anspruch auf „Charakter", wenn wir mit diesem griechischen Wort gleichzeitig einmal feine eigentliche Bedeutung lediglich als „eingeprägte Eigentümlichkeit" gelten lassen wollen. Diese aber glaubt Der in den Kreislauf von Saat und (Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht ewig verflochtene Bauer gerechterweise nach wie vor in feinen altüberkommenen Wetterregeln zu finden. Mit seinem „Wintert's nicht, dann sommert's nicht!" Deutet er belastend auf Den Vorgänger zurück. Und in der Tat hat sich Der vergangene Winter schon im Januar lieber mit Der einwandfreien Ausgestaltung von Gewittern befaßt, als pflichtmäßig Schnee und Eis für feine Sportler zu besorgen, die doch erst nach langen Bemühungen feine bärbeißige Sippe gemeinschaftsfähig gemacht haben. Mit „Schaltjahr — Kalts ahr^ will er auf geheimnisvolle kosmische Hintergründe Hinweisen, Denen auch dieser Sommer schicksalhaft unterliegt. Schon immer hat ja Die deutsche Volksseele in der stillen Klarheit und dem stürmischen Brausen Des Luftmeeres mehr gesehen, als nur Das nüchtern mechanische Wechselspiel von Hoch- und Tiefdruckgebieten. Schaudernd und berounbernD erlebte sie Die majestätischen Wunder des Luftraumes als Kampf, Sieg oder Niederlage beseelter Naturgewalten, und gestaltete sie zu Sagen und Märchen. Jnsdeson-
. Das weiß ich", erlaubt sich Herr Keller zu be- merfen, „aber Sie fragten mich doch, ob ich eine Muh kenne. Ist ein Gris eine Kuh?"
'.Wie kann ein Gris eine Kuh fein!" lacht sie
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