Ausgabe 
26.9.1936
 
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Ilr.226 Erstes Blatt

186. Jahrgang

Samstag. 26. September 1936

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Währungsentente zwischen Frankreich, England und den Vereinigten Staaten. Eine gleichlautende Erklärung der Regierungen erläutert den Wunsch, zur Wiederherstellung der Ordnung in den internationalen Wirtschaftsbeziehungen beizutragen.

Paris, 26. Sept. (DNB. Funkspruch.) Der Mi­nisterrat hat den Wortlaut einer Erklärung gebilligt, deren Inhalt nach freundschaftlichen Be­sprechungen zwischen der Regierung der Vereinigten Staaten von Ame­rika, der Regierung von Großbritan- nienund d e r fr a n z ö s i s ch e n R e g i e r u n g festgelegt worden ist. Diese Erklärung ist gleichzeitig von jeder der drei Regierungen am 26. September, 2 Uhr früh, veröffentlicht worden. Sie hat folgenden Wortlaut:

1. Die französische Regierung hat sich mit der Re­gierung der Vereinigten Staaten von Amerika und der Regierung Großbritanniens ins Ein­vernehmen gesetzt, um mit ihnen zusammen den gemeinsamen Willen zu bekunden, den Frieden zu wahren, die Schaffung von Bedingungen zu begünstigen, die am besten zur Wiederher- stellung derOrdnung in den inter­nationalen Wirtschaftsbeziehun­gen beitragen können und eine Politik zu be­treiben, die die Entwicklung des Wohlstandes in der Welt und auf die Besserung des Lebens­standards der Völker abzielt.

Geteilte Meinung in der presse.

Paris, 26. Sept. (DNB. Funckfpruch.) Die Ab­wertung des französischen Franken, mit der die Volksfront-Regierung innen- und außenpolitisch einen großen Schlag zu führen gedenkt, hat in der Oeffentlichkeit bereits einen heftigen Kampf der Meinungen ausgelöst. Ein Blick in die Blätter der verschiedenen Richtungen genügt, um zu erkennen, wie hoch die Wogen der Leidenschaft am Montag in der Kammer gehen werden. Nur drei Blätter, die VolksfrontorganePopu- laire" undPeuple" sowie dasPetit Journal", suchen die Vorteile, die Finanzminister Vin- cent-Auriol von seinem Plan erwartet, in den leuchtendsten Farben heroorzuheben. Die gesamte übrige Presse verhält sich abwartend. Die kommu­nistischehurnanitä" erklärt, daß die Kosten der Währungsoperation ausschließlich von den be­sitzenden Klassen getragen werden müß­

ten. Dies scheint der Preis zu sein, mit dem die Kommunisten mit der Regierung gehen werden.

lieber die Haltung der Radikalsozialisten heißt es, Kriegsminister Daladier habe auf die Frage Goldausfuhrverbot und Abwertung erklärt: Als Minister bin ich mit der Regierung solidarisch, aber als Vorsitzender der radikalsozialistischen Par­tei und ihr Sprecher lehne ich die Abwertung ab." Die radikalsozialistischeEre Nouoelle" stellt mit Verwunderung fest, daß die Volksfront-Regierung noch zu einem Zeitpunkt, als sie bereits Ver­handlungen über die Abwertung aus­genommen habe, in der Oeffentlichkeit immer wieder die Unantastbarkeit des Fran­ken beteuert habe. Ein anderes radikalsozia­listisches Blatt, dieRepublique", bezeichnet den Drittel st and als alleiniges Opfer der Abwertung. Man habe nichts für ihn getan und die neue Währungsmaßnahme werde nur ihn ver­nichten.

Die Abwertung des französischen Franken.

2. Die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika und die Regierung Großbritanniens müssen natürlich bei der internationalen Wäh­rungspolitik den Erfordernissen des inneren Wohlstandes der amerikanischen Republik und des britischen Imperiums vollauf Rechnung tragen, genau so wie die französische Regierung natürlich entsprechende Erwägungen bezüglich der Wirtschaft des Mutterlandes und der Ueberfeebesitzungen berücksichtigen wird. Sie ergreifen freudig die ihnen gebotene Gelegenheit, erneut zu versichern, daß sie die von ihnen im Laufe der letzten Jahre betriebene Politik fort- z u s e tz e n gedenken.

Eines der ständigen Ziele dieser Politik ist, das größtmögliche Gleichgewicht auf dem in­ternationalen Währungsmarkt zu er­halten und alles zu tun, um zu vermeiden, daß dieses Gleichgewicht auf Grund einer, amerikanischen oder englischen Währungshandlung' gestört werde. Die französische Regierung teilt mit der Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika und der Regierung Großbritanniens die Ueberzeugung, daß die Fortsetzung dieser aufeinander ab gestimmten Politik den allgemeinen Zielen dienen wird, die sämtliche Regierungen ver­folgen mühten.

3. Aus dieser Erwägung, daß die wünschenswerte Festigkeit der Hauptwährungen eine sichere Grundlage nicht erhalten kann ohne vorherige Wiederher st ellung eines dauerhaften Gleichgewichts zwi­schen den verschiedenen Wirtschaf­ten, hat die französische Regierung zu diesem Zweck beschlossen, ihrem Parlament dieAn­passung" (Adjustement) ihrer Wäh­rung vorzuschlagen. Die Regierung der Ver­einigten Staaten von Amerika und die Regie­rung Englands haben diesen Beschluß günstig ausgenommen in der Hoffnung, daß damit festere Grundlagen für die Stabilität der internatio­nalen Wirtschaftsbeziehungen geschaffen werden.

Die Regierungen der Vereinigten Staaten von Amerika, England und Frankreich erklären es als ihre Absicht, durch Benutzung geeigneter ihnen zur Verfügung stehender Mittel im Rahmen des Mög­lichen zu vermeiden, daß die neuen aus der geplanten Angleichung sich e r 9 e b e n = den Währungsgrundlagen gestört roer= den könnten. Es ist nötig, daß die notwendigen Be­fragungen zu diesem Zweck mit den beiden anderen Regierungen und zwischen den zuständigen Noten­banken gesichert werden.

4. Die französische Regierung ist überdies, wie die Regierungen der Vereinigten Staaten und Eng­lands, davon überzeugt, daß der Erfolg der oben umriffenen Politik mit der L n t w i ck l u ng d e s internationalenhandets verbunden ist. Insonderheit hätt sie es für höchst wichtig, daß unverzüglich etwas unternommen werde, um nach und nach mit dem Ziel der völligen Beseitigung das gegenwärtige kontingentie- rungs- und W ä h r u n g s k o n t r o l l- fystem zu milder n.

5. Wie die Regierungen derVereinigten Staaten und Großbritanniens, so wünscht unü fordert auch die französische Regierung d i e Mitarbeit derübrigenNationenzur Verwirklichung der mit vorliegender Erklärung gekennzeichneten Politik. Sie rechnet damit, daß ein Land den 93er udi machen wird, einen unoer nun f tiaenWährungsvorteilzu erlangen und dadurch die 'Bemühungen fiu bur^/r7en "(Fna6 Reaierunaen der Vereinigten Staaten, Eng­lands imd Frankreichs zur Wiederherstellung sta­bilerer Wirtschaftsbeziehungen fortzufetzen ge denken.

Paris, 26. Sept. (DNB.) Der französische Mi­nisterrat hat die in Paris, London und Washing­ton gleichzeitig veröffentlichte Erklärung zur Kennt­nis genommen und daraufhin den Wortlaut einer Währungsgesetzvorlage gebilligt, die im wesentlichen eine Anpassung des Franken- wertes an die augenblickliche Wirt­schaftslage bezweckt. Die Gesetzesvorlage be­stimmt namentlich, daß der neue Goldwert des Franken zwischen 49 und 43 Milligramm bei 0,900 Feingehalt betragen soll. Sie sieht vor, daß bis guf weiteres ein mit 10 Milliarden Franken ausgestat­teter Währungs-Stabilisierungsfonds die Regelmäßigkeit der Beziehungen zwischen dorn Franken und den ausländischen Devisen sichern wird, und zwar durch Erhaltung der vor­gesehenen Goldparität des Franken. Bis zur Annahme der Gesetzesvorlage durch das Parlament trifft die Bank von Frankreich die not­wendigen Maßnahmen zur Eindämmung von Spe- kulationsmanöoern. Der Franken markt wird scharf kontrolliert werden. Die Wertpa­pier- und Handelsbörsen bleiben einige Tage geschlossen.

Finanzminister Äinceni-Anrio!

erklärte der Presse: Das Abkommen bestätige die Gedankengänge, die die französische Regierung be­reits dem Parlament dargelegt habe: Keine ein­

seitige Abwertung, die nur eine Form des Währungskrieges fei, keine Angleichung ohne Sicherheit, denn dies fei lediglich eine andere Form der einseitigen Abwertung. Die ab­geschlossene Entente stelle den Beginn eines Währungsfriedens dar, der die Bedingung fei für den Frieden der Wirtschaft und den Frie­den der Menschheit. Er fei überzeugt, daß bald andere Mächte sich dem Abkommen anschließen wür­den. Auf nationalem Gebiete würden sich die neuen Maßnahmen in einer Belebung der franzö­sischen Wirtschaft auswirken.

Um soziale Ungerechtigkeiten zu vermeiden und den sozialen Frieden zu festigen, werde die Regie­rung dem Parlament die Beschlagnahme des Goldes zum jetzigen Kurs, Maßnahmen zugunsten der Kleinrentner, der ehemaligen Front­kämpfer und der kleinen Ruhegehaltsempfänger so­wie die Anpassung der Gehälter an die Lebenshaltungskosten Vorschlägen. Sie werde mit allen Mitteln eine ungerechtfer­tigte Preistreiberei verhindern unter Anwendung zollpolitischer Maßnahmen. Der Finanz­minister erwartet, daß dieser Aufruf an den Wirt­schaftsfrieden eine tiefe Rückwirkung in der Welt haben werde, und daß das Parlament und die öffentliche Mienung unter Hintanstellung politischer Streitigkeiten an der wirtschaftlichen Wiedergeburt tätig mitarbeiteten.

Das psiind Sterling bleibt eine freie Währung".

Englische Stellungnahme zur Franken-Abwertung.

London, 26. Sept. (DNB. Funkspruch.) Amt­lich wird erklärt, daß die britische Regierung keine Verantwortung für die tatsächlichen Währungs­maßnahmen habe, die die französische Regierung vorgeschlagen habe. Die englische Regierung sei lediglich um ihre Stellungnahme im Falle einer Umwertung des Franken befragt worden. Die Erklärung bringe keinerlei Aenderung in der britischen Währungspolitik mit sich. Das Pfund Sterling werde eine freie Währung bleiben, die nicht mit den Goldwährungen ober irgendeiner anderen Währung verbunden fein werde. Der englische Währungs­ausgleichsfonds werde benutzt werden, um Schwan­kungen auszugleichen und damit den internatio­nalen handel zu erleichtern.

*

Die Blätter find der Ansicht, daß die Franken­abwertung angesichts der wachsenden inneren Schwierigkeiten in Frankreich und der zunehmen­den Goldflucht unvermeidlich war. Sie be­grüßen es, daß der französische Schritt infolge der Abmachung mit England und Amerika keine ernst­lichen Störungen der internationalen Finanzen mit sich bringen werde. DieTimes" sck)reibt, daß die englisch-französisch-amerikanische Währungsverstän- biegung wahrscheinlich ber erfte Schritt zu einer endgültigen Stabilisierung ber Weltwährun­gen sei. Der Zusammenbruch bes internationalen Goldstandards habe die alten finanziellen Grund­lagen der zwischenstaatlichen Handelsbeziehungen zerstört, die Währungsunsicherheit und die Be­schränkungen des Zahlungsverkehrs hätten den handel zwischen den einzelnen Nationen in einigen Fällen beinahe unmöglich gemacht. Das Abkommen zwischen England, Frankreich und Amerika ver­meide die Gefahr eines nutzlosen Wettrennens der gegenseitigen Entwertung. DieFinancial Times" zweifelt daran, daß sich die augenblickliche Ent- Wertung des Franken auf die Dauer als ausreichend erweisen werde. Die wirtschaftliche Lage Frank- reichs sei immer noch viel zu unsicher, um irgend-

ein verläßliches Urteil über die Zukunft des Fran­ken und feine Beziehungen zu anderen Währungen abgeben zu können.

Der amerikanischeAmanzmimster zum Währungsabkommen.

Washington 26. Sept. (DNB. Funkspruch.) Der amerikanische Finanzminister Morgenthau sagte, daß die finanzielle Lage ber Vereinigten Staaten völlig sichergeftellt fei. Das Abkommen sei unter dem Gesichtspunkt entstanden, dadurch den handel und den Frieden zu fördern. Eine Stabili­sierung ber Weltwährungen sei bie Grundlage für einen bauernden Frieden und eine wirkliche Er­holung im Welthandel. Der Pakt sei kein schrift­liches Dokument. Falls eine der beteiligten Nationen das Abkommen verletzten sollte ober falls es sich unvorteilhaft für die einheimische Wirtschaft eines ber Partner auswirken sollte, so fei Rücktritt bes einen ober auch aller Partner möglich. Das Schatz­amt sei jeboch sicher, baß bie Vereinbarung als bauernbe ©runblage für eine internationale Wäh- rungsftabiHfierung dienen könne.

Schweiz und Holland halten an der Goldwährung fest.

Bem, 26. Sept. (DNB.Funkspruch.) Der schwei­zerische Bundesrat ist zusammengetreten, um zu ber burch bie Abwertung bes französischen Franken geschaffenen Lage Stellung zu nehmen. Wie bie schweizerische Depeschen-Agentur au wissen glaubt, wirb ber schweizerische Bundesrat ebenso wie bie hollänbische Regierung ben Beschluß fas­sen, an ber Golbwährung festzuhalten.

Im Zuge ber Stärkung des Wehrgedankens haben im Deutschen Reich lebende Offiziere der ehemaligen österreichisch-ungarischen Wehrmacht einen Verein (Geschäftsstelle: Berlin - Tempelhof, Ottokarftraße 13) gegründet. Voraussetzung für bie Mitgliedschaft ist bas Be­kenntnis zum deutschen Volkstum und arische Ab­stammung.

Litwinows Torpedo.

Mit dem Beschluß ber Völkerbunbsoersammlung, die abessinische Delegation ohne Anhören des Stän­digen Internationalen Gerichtshofs im Haag wenig­stens für die gegenwärtige Tagung zuzulassen, hat sich in Genf ein Kulissenwechsel vollzogen, über dessen Auswirkungen man sich in Paris und Lon­don noch lange den Kopf zerbrechen wird. Nach der Eroberung und feierlichen Inbesitznahme Abessi­niens durch bie Italiener lief bie französische Politik barauf hinaus, Italien für seine Rück­kehr nach Genf als Vorstufe einer engeren Zu­sammenarbeit in Europa golbene Brücken zu bauen. Es galt, das durch die politischen Auswirkungen des Abessinienfeldzuges verlorene Terrain möglichst schnell wieder zu gewinnen. Lavals Pakt von Rom, der ja bie politischen Voraussetzungen für bie Eroberung Abessiniens geschaffen hatte, war in ber Folge burch bie von England in Gang ge­brachte Sanktionspolitik des Völkerbundes, die Frankreich schweren Herzens hatte mitmachen müs­sen, nicht unberührt geblieben. Denn wenn auch die französische Politik sich in diesen kritischen Monaten emsig bemüht hatte, einer Option für den einen ober andern seiner beiben Freunbe England und Italien aus dem Wege zu gehen, und wenn Ita­lien es auch im wesentlichen dieser schwankenden, hinhaltenden und bremsenden Politik des Quai d'Orsay verdankt, daß ber Sanktionspolitik bes Völ- kerbunbes ein jo kläglicher Mißerfolg befchieben war unb auch Englanb keine größere Aktion wagen mochte, so war in Rom boch bie Verstimmung über ben Vertragspartner, ber sich nicht eindeutig zum Inhalt des römischen Pakts hatte stellen mögen, als es hart auf hart ging, boch groß genug, um befonbere Anstrengungen der französischen Politik zur Aussöhnung mit Italien zu rechtfertigen. In Paris war zwar inzwischen eine Regierung ber Volksfront, ber eifrigen Befürworterin verschärfter Sanktionen, ans Ruber gekommen und ber Mili­tärpakt mit Sowsetrußland hatte bie Lücken im französischen Bündnisnetz ausfüllen sollen, ober Italiens Mitarbeit blieb trotzdem unentbehrlich, das bewiesen die Verhandlungen über einen Neutrali­tätspakt aus Anlaß bes Bürgerkrieges in Spanien und die Bemühungen um bas Zustanbekommen eines neuen Westpakts.

Auch der Wunsch Englands lief in gleicher Richtung, unbeschadet ber Aufrechterhaltung bes grundsätzlichen Standpunktes in ber Abesfinienfrgge unb aller militärpolitischen Folgerungen, bie bas britische Reich aus seinem diplomatischen Mißerfolg im Abessinienkonflikt gezogen bat. England war vor bie Wahl gestellt, ob es auf feine hundertjährige Vormachtstellung im Mittelmeer verzichten wolle unb den alten Verkehrsweg nach Jnbien um das Kap ber guten Hoffnung herum strategisch aus« bauen solle ober ob es bas Mittelmeer auch künftig­hin als Lebenslinie feines Imperiums betrachte, die gegen jeden Rivalen verteidigt werden müsse. In London hat man sich für letzteres entschlossen. Dar­aufhin deutete schon die Balkanreise König Eduards. Denn wenn auch England, um ben Italienern einen Beweis seiner Versöhnungsbereit­schaft zu geben, die Absprachen über gegenseitige Hilfeleistung, die es mit ben kleineren Seemächten des östlichen Mittelmeers während des Sanktions­feldzuges gegen Italien getroffen hatte, nach ber Einverleibung Abessiniens für erledigt erklärt hatte, so wünschte es doch, die damals gesponnenen Fäden noch fester zu knüvfen unb namentlich mit der Türkei, die inzwischen in Montreur bie Freiheit zur Wieberbefestigung ber Dardanellen erlangt hat, auch schon mit einem Blick auf die mögliche Gefahr eines Auftretens Sowietrußlands im Mit­telmeer, fei es als Bundesgenosse Frankreichs ober in Verfolg einer Völkerbundsaktion, bie traditionelle Freundschaft zu erneuern.

Gewiß sollte ber Besuch König Ebuards auch bie Anlieger bes östlichen Mittelmeers über bie mili­tärischen Absichten Englands in diesen Gewässern ins Bild setzen. Diese laufen, wie der Erste Lord der britischen Admiralität Sir Samuel Hoare als Ergebnis seiner Inspektionsreise festgestellt hat. im wesentlichen darauf hinaus, die alten britischen Mit- telmeerftütznunkte Gibraltar und Malta in ihren Befestigungen ben Erfordernissen eines mo­dernen Krieges anzupassen, sie also auch gegen Luftangriffe verteidigungsfähig zu machen. Dar­über hinaus soll aber nun auch im östlichen Mittel- m--r eine stärk'- ?Vfottenhnfis errichtet werben. Während bes italienischen Abessinienfelbzuges schon hatte Englanb starke Flottenstreitkräfte in Aler- a n b r i e n zufammengezogen. Nach dem neuen Ab­kommen mit Aegypten wird ca zwar biefen Hafen in einigen Jahren räumen muffen, aber das Mili­tärbündnis mit Aeanvten unb bie unbeschränkte Verfügung über die Kanalzone sind bafür ein voll- mertiaer Erfaß. Dazu werden nun Haifa, ber hauvthafen bes Palästina-Mandats, unb vor allem Envern als hauvtflattenstütznunkte kommen. Die Insel Eyvern. bie sich England 1878 non ben non Rußland bebränaten Türken hotte abtreten lassen, seit 1925 britische Kronkolonie Ihr Hafen Fa- mogusta bietet Voraussetzungen für eine stark be­seitigt" Flottenbosis, die zusammen mit Haifa und Rort Said wohl in ber Lage ist, ben Zugang zum Suezkanal auch bann gegen feindliche Angriffe zu verteidigen, wenn bi- Verbinbung oiw dem m-ft« lichen Mittelmeer unterbrochen sein sollte. Sir Sa­muel hoore hat betont, boß bie gepinnten seestrate- ollchen Maßnahmen feine Drohung gegen Italien enthielten. Mon wird et auch England qfauften dürfen, baß es ben Frieden Im Mittel« m e e r so lange aufrechterhast-n mochte, wie es Irgendwie möglich ist, das Heißt solange bas Mit* temeer bie unbehinberte Verfehrsstraße des Briti­schen Imperiums bleibt, abr daß es allerdings auch entschlossen ist, künftighin seine Stellung im Mittel«