Ausgabe 
26.6.1936
 
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Oie Grundsätze für -en Ausbau -er Verwaltung der NSDAP. Ein Vortrag des VeichsschatzmeisterS Schwarz.

Der Reichsfchatzmeister erklärte zur M i t g l i e > derlperre der NSDAP.:Die Aufnahme,m die Partei ist seit dem 1. Ma, 1933 gesperrt^ eine Lockerung dagegen vorgesehen. Bei der Prüfung der Frage, ob ein Volksgenosse m die NSDAP, ausgenommen werden kann, weroen Partei- bzw. st a a t s p o l i t i s ch e Grund­sätze maßgebend sein, keinesfalls dagegen der Vermögensstand und dergleichen des Dorgeschlage­nen. Die Mitgliedersperre nahm die Partei als Ge­legenheit, eine gewisse Sichtung der Parteimit­glieder oorzunehmen. Mit dem Aufnahme- bzw. Mitgliedschaftswesen ist das Parteirecht ebenfalls in Beziehung zum staatlichen Recht getreten. Es sind hier das Wehrgesetz und das Arbeitsdienst- gesetz anzuziehen. Zur systematischen Ueberpru- f u n g des Verwaltungsapparates erklärte oer Reichsschatzmeister zum Schluß u. a.: In meinem Reichsrechnungsamt und meinem Jt e v i - sionsamt ist ein Stab von auserwählten Fach­leuten im Innen- und Außendienst für den ord­nungsmäßigen Lauf meines Geschäftsbereiches be- orgt. Unregelmäßigkeiten innerhalb der Partei nehmen auf die Gesamtzahl der Verwaltungsstellen bezogen einen minimalen Umfang ein. Dies zeugt von der in den Parteidienststellen herrschenden Sauberkeit im ganzen Finanzwesen sowie von der außerordentlichen gesunden Basis der Finanz­gebarung der NSDAP.

verwalten haben. Die NSDAP, wird als d e zig- politische Gemeinschaft des deutsch-n Bolkes b- zeichnet. Di- Fanale der nationaljozialistifchen B-r waltung sind: Gesinnung, Verantwortung und Lei

München, 25. Juni. <DNB.) Auf der Reichs- tagung der nationalsozialistischen Journalisten gab der R e i ch s s ch a tz m e i st e r einen Ueberblick über Größe und Umfang der Verwaltung der NSDAP. Der Reichsschatzmeister kennzeichnete dabei die neuen Methoden der Verwaltung völlig auf­gebaut auf dem verantwortlichen F ü h r e r p r i n - z i p nach dem die Verwaltung der Partei bereits seit dem Jahre 1925 organisiert war, schon damals in ihren Grundzügen auf die künftige Machtüber- nähme abgestimmt. Reichsleiter Schwarz wies dar- auf hin, daß hier der BegriffPartei" eine ge­schlossene und genaue Formulierung gefunden hat.

Nach weiteren aufschlußreichen Darlegungen, die ein Bild entstehen ließen sowohl von dem Umfang der Verwaltung der Partei wie auch von ihrer straffen Gliederung, auf der ihre Sauber­keit und ihre Aktivität begründet sind, setzte sich Reichsschatzmeister Schwarz mit dem Zusammen­klang der KräfteFührung" undVerwaltung" aus­einander. Er erklärte u. a.:

,Ln der NSDAP, wird der Grundsatz der Trennung der Führung und Verwal­tung" straff durchgeführt. Praktisch tritt dies mit der Gegenüberstellung des Hoheitsträgers zum Kassenverwalter bzw. Formationsfüh. rers zum Verwaltungsführer in Erscheinung. Das Verhältnis der Partei zum Staat entspricht unge» führ dem Verhältnis zwischen politischer Führung und Verwaltung in der Partei. Die Partei ist der an keine starre Erscheinungsform gebundene Träger des politischen Willens und gibt dem Staat seine Gestaltung und den Staatsorganen die Prinzipien, denen sie zu folgen und sie damit zu pflegen und zu

Wie sieht es in der Wirtschafl aus.

Seit dem ersten Tage der Machtübernahme hat die nationalsozialistische Regierung systematisch den Aufbau des völlig zerschlagenen Wirtschaftslebens begonnen. Deshalb sanierte sie die Haushalte nicht nach dem alten Muster, d. h. sie versuchte nicht neue Steuern aus dem Volk herauszupressen. Die Kapitalkraft war erschöpft, Reserven waren nicht da. Also gab es kein Feld für neue Steuern. Der Nationalsozialismus kehrte die alten Methoden ins Gegenteil. Statt Steuererhöhung brachte er Steuer­erleichterungen, um der deutschen Wirtschaft erst wieder einmal Atemmöglichkeit zu geben. Wollte man also die ungeheuren Mittel beschaffen, um die große Wiederaufbauarbeit zu leisten, so mußte man einen Wechsel auf die Zukunft ziehen, d. h. im Vertrauen auf spätere höhere Staatseinnahmen aus einer wieder gesundeten und steuerkräftigen Wirtschaft mußte man die Arbeitsbeschaffung z u - nächst kurzfristig finanzieren. Dabei war man sich darüber klar, daß diese kurzfristigen Schulden möglichst bald in I a n g f r i ft i g e um» gewandelt werden müßten. Hand in Hand mit der Arbeitsbeschaffung ging also eine pflegliche Be­handlung des Geld- und Kapitalmarktes, dem im­mer nur dann eine neue Belastung zugemutet wird, wenn er sie auch wirklich tragen kann. Das neue Reich legte in den vergangenen 3% Jahren mehr­fach Anleihen zur öffentlichen Zeichnung auf. Ins­gesamt ergeben diese bisherigen Reichsanleihen den Betrag von 2,6 Milliarden Mark, dazu kommt die neue Reichsanleihe in Höhe von 700 Millionen Mark. Alle diese Anleihen dienen dem­selben Zweck: der Durchführung der von der Reichsregierung übernommenen Aufgaben.

Diesen inneren Anleihen liegt der Gedanke zu­grunde, daß das Volk, dem ja alle Maßnahmen zur Wiedergesundung zugutekommen, auchseinen Anteil dazu beitragen muß, um die Ausbau» arbeit des Staates zu unterstützen. Gerade der siegreiche Kampf gegen die Arbeitslosigkeit hat sich überall im deutschen Wirtschaftsleben segensreich ausaewirkt. Ein Volk aber, das sein Gutes aus den Maßnahmen der Regierung hat, wird auch gern bereit fein, Opfer zu bringen. So wendet sich denn die neue Reichsanleihe an alle Kreise des Volkes, an die großen so gut wie an den kleinen Sparer. Wieder handelt es sich um Schatzanweisungen ent» sprechend den früheren Emissionen des Reiches. Die durchschnittliche Laufzeit ist etwas länger als bei den früheren Anleihen, eben aus der schon oben erwähnten Erkenntnis, daß die kurzfristige Ver­schuldung allmählich in eine langfristige umgewan­delt werden muß.

Noch ein Wort zur Rendite der neuen Reichs­anleihe: Die Anleihe verzinst sich unter Berücksichti­gung der durchschnittlichen Laufzeit von 9 Jahren mit 4,67 o. H. Das ist ein Satz, der durchaus ange­messen ist und höher liegt als die nach der not­wendigen Zinskonversion durchschnittlich Übliche Verzinsung. So sind also die neuen Schatzanwei­sungen eine durchaus günstige Anlage, bei der man noch berücksichtigen muß, daß die Lom- dardfähigkeit der Anleihestücke die Wiederflüssig­machung der festgelegten Kapitalien erleichtert.

Die Entwicklung des deutschen Wirtschaftslebens rechtfertigt die Aufnahme neuer Mittel zum weite­ren Wiederaufbau. Täglich erhalten wir neue Bei­spiele dafür, daß es ständig aufwärts geht. Die Bautätigkeit ist immer ein guter Maßstab für den Stand des Wirtschaftslebens. Wir kennen die Schwierigkeiten, die einer größeren Neubautätigkeit rm Wege stehen: dennoch konnten im Jahre 1935 62,6 v. H. mehr Neubauwohnunaen fertiggestellt werden als im Jahre 1932. Und das Gesunde an dieser Entwicklung ist, daß die Bautätigkeit stärker als ftüher von dem privaten Kapital g e» fördert wurde. Etwa 64,5 v. H. der neuerstellten Wohnungen wurden tm vergangenen Jahr ohne Unterstützung aus öffentlichen Mitteln errichtet. Die Ergebnisse des ersten Vierteljahres 1936 zeigen, daß die lebhafte Bautätigkeit weiter anhält. In den Ge­meinden bis zu 50 000 Einwohnern war die Zahl der fertiggestellten Wohnungen um 21,2 v. H. höher als in der entsprechenden Zeit des Vorjahres, in Gemeinden bis zu 100 000 Einwohnern sogar 66,2 o. H. höher.

Ein anderes Beispiel, um aus der Fülle nur einige herauszugreifen, liefert die Textilwirt­

schaft, die infolge der Hamsterwelle im Sommer für fast IV» Jahre aus der Wirtschaftserholung fast vollkommen ausgefchaltet war. Diese Krise ist seit Beginn dieses Jahres offensichtlich überwunden. Die Textilindustrie zeigt heute einen Beschäftigungs­stand, der den Durchschnitt der drei besten Dorkrisen- jahre bereits übersteigt. Dementsprechend hat auch tue Zahl der in der Textilwirtschaft Beschäftigten zugenommen. Vom 1. Januar bis zum 1. Juni dieses Jahres ist eine Pro duktions steige- r u n g u m 2 0 v. H. zu beobachten, der eine Mehr- beschäftiguna von 20 000 Arbeitern entspricht. Und das ist um so bemerkenswerter, als in keinem ande­ren Staate die Höchstziffern der Textilerzeugung auch nur annähernd wieder erreicht werden konn­ten. Hier xeigt sich an einem einfachen Beispiel die sichtbare Besserung der Einkommens- Verhältnisse, die einen regen Umsatz zur Folge hat.

Und schließlich noch ein Beispiel, das uns der Photohandel gibt. Wohlgemerkt: Photoerzeug­nisse sind nicht Dinge, die zum täglichen Leben und zum notwendigen Bedarf gehören. Wenn also der Photohandel im vergangenen Jahr eine starte Be­lebung seines Umsatzes meldet, so ist das ein be­redtes Zeugnis dafür, daß das deutsche Volk über die Mittel zur Befriedigung des Lebensunterhaltes hinaus noch Geld hat für Dinge, die mehr ober weniger Liebhaberei sind. Die Statistik weist nach, daß sich der Umsatz des Photohandels von 66 Mil­lionen RM. 1933 auf 90 Millionen im Jahre 1935 erhöht hat. Im Durchschnitt wurden etwa 10 bis 15 v. H. mehr Kunden als im Jahre zu- vor gezählt, d. h. also, der Erwerb eines Photoappa- rates ist wieder breiteren Volksschichten ermöglicht worden. So setzt sich also das Geld, das der Staat durch Anleihen für den Wiederaufbau gewinnt, wie­der um und kommt dem Volk selbst zugute. Wir kommen vorwärts und werden eines Tages das uns gesteckte Ziel sicher erreichen.

Im Deutschen Reich einschließlich des wieder zurückgegliederten Saarlandes ist im ersten Viertel- fahr 1936 nach den jetzt vorliegenden Ziffern die Kohlenförderung um weitere 9 v. H. gestie­gen, einschließlich der Braunkohle, für die wir ge- wissermaßen ein Monopol haben, da wir 75 v. H.

aller Braunkohle der Welt zutage bringen. Die deutsche Braunkohlen-Jndustrie ist seit dem Welt­kriege stark ausgebaut worden, und zahlreiche In- buftriegruppen, namentlich in Mitteldeutschland, haben sich auf Braunkohlen umgestellt. Der Kon­kurrenzkampf der Stein- gegen die Braunkohle hat in der letzten Zeit sehr erheblich an Schärfe ver­loren, dagegen ist trotz aller Bemühungen die Frage noch nicht geklärt, ob für die Energiewirt­schaft zunächst und hauptsächlich Kohle- oder Wasserkraft benutzt wird, denn es entspricht dem gesunden Menschenverstände, daß wir, solange es noch arbeitslose Kumpels gibt, keine erheblichen Kapitalien in Wasserwerke änlegen, die diesen ar­beitslosen Bergleuten Konkurrenz machen. Die stei- gende Kohlenproduktion ist ein Zeichen dafür, daß die Wirtschaftsbelebung erfreulich fortschreitet, denn die Vorräte auf den Halden bsben in der letzten Zeit abgenommen. Wie gliedert sich nun der Kohlenoerbrauch? An und für sich macht die Braunkohlenerzeugung in Deutschland etwa ein Sechstel der Steinkohlenförderung aus. Beide Koh­lenarten werden für den Hausbrand benutzt, dessen Anteil am Gesamtkohlenverbrauch aber 13 v. H. nicht überschreitet. Dagegen nimmt die eisenverarbeiten de Industrie über 40 v. H. der gesamten deutschen Kohlenproduktion auf, die Eisen- und Straßenbahnen beziffern ihren Anteil auf rund 11 v. H. und die Schiff­fahrt auf 5 v. H. Da die Kohle in steigendem Maße zu Koks verarbeitet wird, auch die Braun­kohle mit der Einführung der Koksfeuerung in der Eisenindustrie begann eigentlich das kapitalisti­sche Zeitalter ist die Kohlenerzeugung neben der Erschließung und Speisung von Energiequellen wie Gas und Elektrizität dazu übergegangen, die bei der Kokserzeugung ü b r i g b l e i benden Stoffe industriell zu verwenden. Unsere ganze Farbenin- dustrie beruht z. B. auf dem Steinkohlenteer und die chemische Industrie in chrem jetzigen Umfange ist überhaupt ohne die Grundlage der Kohlenerzeu­gung undenkbar. Die Kohlenerzeugung ruht zu zwei Dritteln im rheinisch-westfälischen Jn- dustriebezirk, wo zuerst die Kohlenförderung aus dem 14. Jahrhundert berichtet wurde. Noch bis in die neunziger Jahre des verflvfsenen 3ahr= hunderts stand England in bei Stewkohlenge-

Napoleon ansSt Helena

Zu dem neuen Buch von Oetave Aubry.

Die Unmenge von Biographen historischer Per­sönlichkeiten, die in den letzten Zeiten geschrieben und gelesen werden, beweist das brennende Interesse, mit dem wir alle dem Problem des großen ge­schichtsbildenden Menschen zugewandt sind. Das Interesse wächst noch immer, je stärker das Gefühl wird, jelber in einem Augenblick großer historischer Intensität zu leben, in dem die einzelne Persön­lichkeit das Geschehen verkörpert.

Worin ist die Kraft des politischen Menschen begründet? Worauf steht er? Was gibt seinem Handeln die Durchschlagskraft? Man kann das viel­leicht im einzelnen Fall ahnen; aber unendlich schwer, wenn nicht unmöglich scheint es, prinzipiell zu erfassen, welche Kraft da wirkt; und auch im einzelnen Falle bleibt es eine Frage der Deutung, welchem Faktor man in der Wirksamkeit einer hi­storischen Gestalt die wesenliche Kraft zuerkennt: wieviel persönliche Genialität, wieviel Gewalt der Zeitströmung zu nennen, was Zufall, was bewußt erstrebtes Ziel, wasDämonie", was bloße Ge­schicklichkeit ist.

Darum sind immer neue Darstellungen gerade der größten Gestalten möglich; und die Darstellungen sind sicher am rätselvollsten und verwirrendsten, doch auch am interessantesten, wenn sie wenig deuten und breit in der sachlichen Schilderung bleiben. Da ein entscheidender Faktor beim politischen Handeln der Zusammenklang des Wollens mit der Realität, dem Möglichen ist, da also, wo nicht Zufall am Werk ist, ein außergewöhnliches Erfassen der wirk- lichen Situation irgendwie den Erfolg erst ermög­licht und diese Gabe darum den Großen den Erfolgreichen eigen sein muß, so haben sie wohl auch ein außergewöhnliches Gefühl ihrer eigenen wirklichen Position und dessen, was sie bedeuten. Dieses Selbstbewußtsein wird wohl gerade bei dem wahren Sachverhalt nahe sein, deren Tat- sachensinn ihnen ermöglicht hat, ihre Zeit, ihr Land, ihren Wirkungskreis zu beherrschen. Das Selbstge- fühl, die Selbstdarstellung des großen historischen Menschen bleibt immer etwas sehr Seltsames: im Moment, wo die Welt, der Zuhörer, der Leser an die Größe nicht glaubt, wird dies Selbstgefühl zur erschreckenden Verzerrung, zu einer Art Blasphemie oder peinlichem Wahn.

Auf der Schneide zwischen Genie und Zerrbild, auf der der außerordentliche Mensch immer steht, hält sich die große politische Persönlichkeit vielleicht am allerschwankendsten, weil Erfolg oder Miß­erfolg ihr schon das erste Urteil sprechen, dazu aber noch die ganze Leidenschaft der politischen Strö­mungen, Weltanschauungen und Umschwünge der Zukunst kommen, die sie hin und her schleudern zwischen Haß und Liebe, Bewunderung und Ver­achtung.

Das alles wird vielleicht an keiner Gestalt so deutlich wie an Napoleon, dessen Erscheinung eben darum auch wieder einen neuen Bezug auf unsere heutige, um das Problem der historischen Persönlichkeiten sich mühende Zeit hat. Er ist ge­wiß die glänzendste, rein persönliche Macht der neueren Geschichte gewesen und wie brennend umkreiste ihn Haß und Bewunderung! Sein außer­ordentliches Schicksal hat es zudem mit sich ge­bracht, daß er in sechs Jahren auf St. Helena mit einer Intensität s i ch selbst dar st eilen konnte darstellen im allgemeinsten, nicht im li­terarischen Sinn, wie sie in der Geschichte einzig ist. Und wie sehr ist diese Selbstdarstellung an der Grenze zwischen heroischer Genialität und Fratze, dem tragischen Helden dieses Selbstschauspiels ge­wiß nicht unbewußt. Hier sammelte er feine letzte Energie zur Vollendung seiner historischen Erschei­nung, ohne sich vom Hohn seiner englischen Wäch­ter beirren zu lassen. Aber noch die Nachwelt braucht nur einen Augenblick sich dem Klang des echten Selbstbewußtseins und dem Durchblitzen der wirklichen Kraft zu verschließen, um sogleich das Zerrbild zu sehen, das der Haß der Gegner damals sah.

Nicht ganz das gleiche Zerrbild vielleicht denn die Tatsachen sind heute alle übersehbar und das Material ist vollständig zugänglich, in dem sich dies Leben niedergeschlagen hat; man kann zwar noch die schriftliche Ueberlieferung sichten und mit ver­schiedenen Akzenten versehen, aber nicht mehr vor- gefallene Dinge und wohlbezeugte Worte einfach leugnen. Dennoch verzerrt sich schließlich alles in ähnlicher Weise vom Erhabenen und Tragischen zum Eitlen und Kläglichen, wenn man in Napo- Icon die geschichtliche Kraft nicht anerkennt.

Nach der erschütternden neuen Darstellung der St. Helena-Jahre von Octave Aubry,Sankt Helena" wird dies sehr deutlich. (Der erste der beiden BändeDie Gefangenschaft Napoleons" ist soeben in ausgezeichneter Verdeutschung im Eugen Rentsch Verlag, Erlenbach-Zürich und Leipzig, er-

schienen. Mit 16 Bildtafeln Preis in Leinen Mark 7,50. 106.) Der Leser lebt die sechs Jahre der Gefangenschaft in einer fast erschrecken- den Nahe mit, einer Nähe, die nicht mehr, wie m den Memoiren der Gefährten dieser Jahre, ir­gendwie zu bestimmten Zwecken retuschiert oder von Gefühlen gefärbt ist. Eine ungewöhnliche Kenntnis und kluge Abwägung der Dokumente und Berichte machen die Darstellung gerecht und bis in mindeste Details eingeweiht, wie es wohl keine der

A- Und die glänzende schriftstellerische Fähigkeit Aubrys läßt zudem in feinem Augenblick an Spannung und Wärme nach

Napoleon auf St. Helena wer ist dieser Mensch? Man kann nicht sagen, er habe zwei Ge- s'chter Er ist durchaus ein Mann aus einem Guß. Unö doch hat er ein doppeltes Gesicht. Nicht - ' raJ5 -Dieses Doppelgesicht einen Widerspruch m sich schlosse. Aber das Gesicht des Menschen, der hier in immer enger werdenden Verhältnissen lebt und leidet, wird wieder und wieder von jenem andern Gesicht überformt, dem Gesicht desHerr- s ch^e r s Die Engländer, seineGefangenenwäch­ter , sahen nur den alltäglichen Menschen; auch seine Gefährten verloren zuweilen den anderen aus dem Auge. Der alltägliche Mensch hat diese Ge- sangenschast mit ihren unendlichen Schikanen ertra­gen, wie es in seinen Kräften stand. Er war reiz­bar, oft von Wut übermannt, auch anspruchsvoll schwierig, voller Widerspräche, oft derb, und doch im Grund vielleicht geduldiger, als man fassen kann gegenüber einer solchen Misere, und anhänglich, und treu; übrigens um so geduldiger und milder je sicherer er das Nahen des Todes erkannte 1

dieser Mann, der auf dem unheimlichen ?Ä ^lsen, der einsamsten aller Inseln des Ätlan- fifön" ro\e<KnS' abgeschnitten von allem Mensch- ^chen ^erkehr und von jeder sinnvollen Tätigkeit auf schritt und Tritt von feindlichen Augen be- unendliche Jahre hindurch zuerst auf Vef emng,, dann auf den Tod harrte er hat sich "A als em Mensch wie andere betrachtet, sondern L/ a-er einer weltgeschichtlichen Idee, der er lemLeiden bewußt die Gloriole des Märty­rertums schenken wollte. Er bliebder Kais e r"- unb darum konnte er auch nicht auf den nnmo« ^pparat der Zeremonien verzichten, die das^Leben

?"gen Behausung von Longwood, auf dem * r sei, so reibungsvoll und schwie- rig machten. Tragische Groteske ist diese Feierlichkeit der Form und Napoleons eifersüchtiges Wmhen

über die schuldige Ehrerbietung für den, der in ihm nur, wie die Engländer damals, den ehrgeizigen kleinen General sehen wollen, der gescheitert ist ein peinliches Bild der Eitelkeit. In Wahrheit hält jedoch Napoleon nicht aus Eitelkeit so streng auf das Zeremoniell, sondern aus historischem Wollen: er will sich seiner Würde nicht begeben, um deren Idee über seine Niederlage und seinen Tod hinaus hochzuhalten. Er hat damit richtig gerechnet: das zweite Kaiserreich hat die Ernte gehalten.

Das Gefühl dessen, was er war, hat diese sechs Jahre hindurch Napoleons ganze Energie auf die Selbstdarstellung gedrängt. Wieder und wie- der diktiert er den Geführten seine Taten, und an den endlosen Abenden liebt er es, von sich zu re­den, um seine Erscheinung in der Welt zu erklären Das ist weit mehr der Ausdruck der starken Gewiß­heit seiner Bedeutung, als der Drang, sich zu recht- fertigen. Er redet darum quch immer mit dem « * VVie Zukunft, damit sein unvollendetes Werk fortgesetzt werden könne, wie er es begonnen hat, metctf^TLr93Lert bleibt. Obgleich der große Sieger m Fetschlachten natürlicherweise nie' müde wird, lerne Kriegstaten zu rekonstruieren und durchzudis- kutleren, so erscheint er doch als einer tiefer lie- ^den Fnedenssendung sich stets bewußt, als Brin- ger einer neuen Ordnung und Gerechtigkeit, für m.fen«*UfUnfh?e Vollendung er sein Martyrium aus sich nimmt. '

Zugrunbegehen aus 6t. Helena ist in eJ9ent i>«r Kaiser ver- ffrUijy 3 fiteren, unb zerstört viele angebotene rnSSr* leinen starren Sinn. Sein

l9.eschlchtlicher Wille ist: entweder als Kaiser

zuruckkehren ober als Märtyrer st e r- in <n« .a*5 reicher Farmer in Amerika

>n Vegesienheil sinken.

nn?ihLe,feÄm.er,d,r.eienbe Gewißheit des Genies

x ?e5cutun§ des eigenen Seins ist also bie M, '"5 -ergötzenden Menschen in ber Einöde ton ' b°ll°," ^ge in qualvollen Kleinlichkei- » ÄS' Nadelstiche, bie er selbst oft ge- schließlich in schmerz.

d'ese Kraft ist es, bie bas all- ISr Glicht m em ganz anderes, ehrfurchtgsbie- Ä -erwandelb Eine durchaus rätselhafte ®e< wellen knb ^chcheii nur in der Geschichte be» '-unb beten Echtheit bie Geschichte viel-

Serlfenrta"nmerUfS 6ab beia^

anoff an der Spitze, bann wurde es wmnung der Welt an oerwährend °°n S -rriednisjahr bie englische Sieinkoh. nur -mW Z»reicht hatten. Deutschland ist lenprobuktwn saft erre.cy s Sieinkohlenprodu. ^is ra.rtnhmöhles durch den Versailler Ver- zent der Welt, obwohl es Steinkohlenvorräte k?P°,en'u^?verwr.^uch in der Versorgung de, zahlreichen kohlenarmen bzw. kohlenlosen Lander vielt Deutschland eine große Rolle Es kommt cheich nach England, wahrend bie USA. erst an dritter Stelle marschieren.

Am 1. Juni 1936 waren nach einer Ausstellung her internationalen Handelskammer in Pans nicht meniaer als 131 Clearingabkommen m Kraft die Uebersicht, die 34 Lander umfaßt, gibt ein bezeichnendes Beispiel dafür em wie großer Teil des Welthandels heute durch den Grundfatz der G e g e n f e i t i g t e i t bestimmt ist. S u d s a - roien z B. hat jetzt eine verschärfte Einsuhrkon- trnUe für Waren aus Landern emgefuhrt, mit de­nen es nichlim Clearing-Verkehr ftek hauptsächlich aehären zu diesen Ländern England die USA., Holland, die nordischen Staaten und verschiedene außereuropäische Nationen. Durch die Verordnung wirb allerdings kein Clearingland bevorzugt, aber 7- ist selbstverständlich, day vor allem ber deutsche Handel zunehmen wirb, denn bie Einfuhr aus Deutschlanb ist bereits gegen 16 wH. im Jahre 1935 auf 21 v. H m den ersten m » naten 1936 gestiegen. Der Rückgang ber subslaw,. (dien Ausfuhr ist in erster tonte auf bie Teilnahme an ben Sanktionen zuruckzusuhren. Diese Wertverminberung ist aber bezeichnenberweise ent- egen »en ursprünglichen Erwartungen von ben großen Sanktionsnationen nicht ausgeglichen wor> ben und auch der Vertrag Englands mit Snbflawicn über vermehrte Aufnahme von Eiern und Trut­hühnern blieb praktisch bedeutungslos Der Anteil Deutschlands an dem jugoslawischen Handel ist im Wachsen So ist die deutsche Automobilausfuhr von einem Drittel im Vorjahre im ersten Viertel­jahr auf die Hälfte der jugoslawischen Gesamtem- fuhr gestiegen, während umgekehrt die Einfuhr aus den USA an Automobilen von 50 v. H. auf unge­fähr 30 v. H. zurückging. Immer mehr stellt sich also Jugoslawien auf das Prinzip um, nur dort zu kaufen, wo man auch die jugoslawischen Erzeug­nisse abnimmt.

Ueber ein interessantes Tauschgeschäft be­richtet in der letzten Generalversammlung der Standard Oil Co of Ney Yersey der Präsident dieser Gesellschaft W. C. Teagle. So hat. die Standard Oil gelegentlich einmal die Ein führ' eines Postens deutscher Mundharmo­nikas nach den Vereinigten Staaten vermittelt, der ausgereicht hätte, um alle Jungen Amerikas damit zu versorgen. Dieses Geschäft wurde ermög^ licht durch ein zufälliges Sperrmarkguthaben in Deutschland aus einer Petroleumlieferung. Zufällig kam die Verbindung mit einem deutschen Expor­teur von Mundharmonikas zustande, und man fand, daraufhin auch einen amerikanischen Importeur, der einen so großen Posten Mundharmonikas über­nehmen konnte. Die Standard Oil bezahlte nunmehr die Mundharmonikas aus ihrem deutschen Sperr­guthaben und erhielt dafür von der amerikanischen Cinfuhrfirma den entsprechenden Dollarbetrag. Immerhin ist bei diesem eigenartigen Tauschgeschäft, das in seiner ganzen Art für die heutigen welt­wirtschaftlichen Beziehungen typisch ist, zu bedenken, daß es nur dadurch möglich wurde, daß sich deutsche Mundharmonikas in letzter Zeit in Amerika steigen­der Beliebtheit erfreuten. Bedutendere Ausland» nufträge konnten in der letzten Zeit in der deut­schen elektrischen Industrie gebucht werden. So gelang es dem Siemenskonzern, einen grö­ßeren Auftrag aus Iran hereinzuholen, und zwar soll eine große automatische Zentrale mit entspre­chend großem Kabelnetz in Teheran gebaut wer­den, die für die erst vor zehn Jahren gebaute An­lage im Zusammenhang mit der außerordentlichen Steigerung der Femsprechbedürfnisse der iranischen Hauptstadt angelegt werden soll. Die Bezahlung der Anlage wird zu einem erheblichen Teile durch die Einführung iranischer Baumwolle nach Deutsch­land erfolgen. Auch aus Japan konnte der Sie« menskonzern in letzter Zeit Aufträge hereinnehmen, so u. a. die komplette Ausrüstung der japanischen Nationalbank mit Fernsprechern, Feuermeldern,