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26.6.1936
 
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186. Jahrgang

Gietzener Anzeiger

®t?<s Blafl 186. Jahrgang ZreUag. 26. Zmi M6

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Bersaglieri.

Am letzten Sonntag feierte das in patriotischer Hochstimmung lebende und für nationale Gedenktage besonders empfängliche Italien den 100. Ge­burtstag der Gründung einer der ältesten und ge­wiß der bekanntesten Waffengattung der piemonte- sifch-italienischen Armee, des Schützenkorps der Berfaglieri, deren zwei erste Kompagnien im Fahre 1836 der junge Kapitän in der sardinischen Artillerie Alfonso Ferrero Lamarmora auf­stellte. Wie für die frühere deutsche Armee der preußische Ulan, für die englische der schottische Hochländer mit Röckchen und Dudelsack, für die za­ristische der Kosak, für die französische der rotbe­hoste Piou-Piou dem bewundernden, fürchtenden, zeichnenden oder karikierenden Ausland zum gül­tigen Typus wurde, so galt und gilt heute noch der Bersaglierie in seiner an sich einfachen schmuck­losen Uniform mit den grünen Schnüren, die aber durch ein breitrandiges und kokett-schief gerücktes Hütchen mit einem großen darüberwallenden, in allen Farben schillernden Hahnenfederbusch sozu­sagen überkräht wird, als der nationale Ausdruck des waffentragenden Italiens.

Die Truppe hatte von Anfang an einen erlesenen Ersatz, und jeder Ftalienreisende kennt diesen meist mittelgroßen, schlanken und behenden Soldaten als Einzelerscheinung und als im Geschwindschritt wie zu einer gefährdeten Stellung durch die Straßen eilende militärische Formation. Die Bersaglieri find auch im vorfaschistischen Italien, als es zum erlaub­ten und sogar guten Ton gehörte, die Armee und den Soldaten zu verachten, die erklärten Lieblinge des Volkes gewesen: sie hatten sich in den langen und wechselvollen Kämpfen um die nationale Einheit durch ihre Tapferkeit besonders hervorgetan und wahrten im Frieden durch gute Haltung und Zucht die Ehre und die stolzen Ueberlieferungen des pie- montesischen Königsheeres.

Es ist daher verständlich, daß die Bersaglierifeiern von dem ganzen Lande mitgefühlt und von dem faschistischen Regime in den Kranz der nationalen Feste dieser Tage eingeflochten wurden. Sie began­nen in der piemontesischen Heimatstadt des Generals Lamarmora, in B i e l l a , wurden in Rom durch die Errichtung eines Denkmals an der Porta Pia begangen, durch die am 20. September 1870 nach der in der Schlacht von Sedan durch die Deutschen geschossenen politischen Bresche die ersten Soldaten des Königreiches mit Bersaglieri an der Spitze ein­drangen, und endeten mit einer großen Huldigung vor dem König auf dem^Quirinal und vor Musso­lini auf der Piazza Venezia, wo der Duce, der selbst im Kriege als Unteroffizier in den Reihen der Ber­saglieri gekämpft hat, in feiner Ansprache an dke Unterstützung seiner alten Waffengefährten appel­lierte, wenn es nicht gelinge, dieTollwütigen" zur Vernunft zu bringen oder unschädlich zu machen!

Für das Italien unserer Tage, dessen politische, militärische und geistige Haltung das aufmerksame Studium der ganzen Welt geworden ist, war der Bersaglieritag eine Bekräftigung der Tatsache, daß die Vereinigung der alten piemontesischen Tradi­tion und des italienischen Königtums mit der faschi­stischen revolutionären Staatsidee vollendet ist. In uns Deutschen weckt der Name des Gründergene­rals die Erinnerung an die ersten engen Verbin­dungen der beiden um ihre nationale Einheit rin­genden Länder und Völker, freilich auch an die Schwierigkeiten, denen sie selbst bei zeitweise zu­sammenfallenden Interessen ausgesetzt sind. L a- marmorn hatte als junger Offizier die Länder Europas bereist, um auf Grund feiner Beobachtun­gen und Studien die italienische Nationalarmee zu organisieren und ihr vor allem einen General­stab nach preußischem und französischem Vorbild zur Erzieyung eines höheren Führerkorps zu geben. Er war zweifellos ein tüchtiger militärischer Orga­nisator und in kleinerem Rahmen auch ein fähiger Heerführer, denn er bewährte sich bei verschiedenen schwierigen Aufgaben der Einigungskriege und als Befehlshaber des sardinischen Hilfskorps, das Ca­vour aus politischen Prestigegründen in den Krirn- krieg zur Belagerung von Sebastopol entsandt hatte. Aber er versagte in seiner großen Schicksalsstunde, die ihn zum Mitspieler Bismarcks und Moltkes, des politischen und des militärischen

Führers des deutschen Einheitskampfes machte.

Als im Frühjahr 1 8 6 6 die Spannung zwi­schen Preußen und Oesterreich sich zur Kriegs­gefahr verschärfte, schloß Lamarmora durch den General G e v o n e im April in Berlin das Bünd­nis mit Preußen, durch das sich Italien gegen die Zusicherung Venetiens zur Waffenhilfe verpflichtete, wenn Preußen innerhalb dreier Monate den Krieg an Oesterreich erklärte. Als im Juni der Krieg aus­brach, lehnte Lamarmora den ihm vom preußischen Generalstab empfohlene^ Feldzugsplan, der auf einer kühnen Offensive in die Herzlander des Geg­ners beruhte, wahrscheinlich aus gekränkter Eigen­liebe ab und führte den Krieg nach feinem eigenen strategischen Plan, der in der unglücklichen Schlacht von Custozza vollständig scheiterte. Auch nach der Schlacht konnte er sich nicht überwinden, seinen Fehler gut zu machen, und blieb entgegen dem Rate seines zweiten Generalstabchefs Gevone un­tätig stehen, bis die preußischen Wafien den Krieg entschieden hatten. Eine kritische Stelle im preußi­schen Generalstabsbericht über den Krieg tat dann das ihre, um den unglücklichen, von der öffentlichen Meinung seines Landes hart getadelten General zum unbedingten Parteigänger Frankreichs zu ma­chen, ihn in einen finsteren Haß gegen Preußen Und nach dem Kriege von 1870 gegen Deutschland zu treiben, den er als Abgeordneter im Parlament und durch Veröffentlichung geheimer Staatsdoku- mente entlud. Eine anders geartete, weniger emp­findliche Persönlichkeit an seiner Stelle hätte wahr­scheinlich dem Kriege von 66 für Italien einen Verlauf geben können, der ihm schon damals die

Aus der Fahrt nach Gens.

Eden, Nelbos und der Negus in einem Zug.Zn keinem punkt eine Entscheidung zu erwarten.

Paris, 26. Juni. (DNB. Funkspruch.) Der französische Außenminister D e l b o s hat am Don­nerstag kurz nach 23 Uhr mit seinen engsten Mit­arbeitern aus dem Quai d'Orsay mit dem fahrplan­mäßigen Schnellzug die Reife nach Genf an- aetreten. Im gleichen Zuge fuhr auch der englische Außenminister Eden und der Negus, dem mit seinem Gefolge ein Sonderwaaen zur Verftimma gestellt worden war.

Während noch vor einigen Tagen die bevor­stehende Genfer Sitzung von der Pariser Presse mit einem gewissen Optimismus erwartet wurde, so scheint die Stimmung am Freitag nach Fühlung­nahme des Ministerpräsidenten Blum und des Außenministers D e l b o s mit Eden ein wenig abgeflaut zu fein.Oeuvre" meint, daß die Be­sprechungen hinter den Kulissen den Eindruck er­weckt hätten, als wenn England augenblick­lich nicht gewillt sei, in den wichtigen politi­schen Fragen eine Entscheidung zu treffen. Der Genfer Rat werde feine Tätigkeit am Freitag damit beginnen, die gesamte abessinische Angelegen­heit auf die Vollsitzung zu vertagen. Durch das Ausbleiben der deutschen Antwort auf den englischen Fragebogen könne auch die Locarno-Frage nicht in der Weise erörtert werden, wie man das erwartet habe. Die Frage der Aufhebung der Sanktio­nen gegen Italien könne weder vom Rat, noch von der Vollsitzung behandelt werden, sondern stehe dem Verbindungsausschuß zu, der auf englischen Vorschlag hin für die nächsten Tage einberufen werden soll. Jedes Land werde von sich aus eine ähnlich lautende Erklärung in der Sanktionsfrage ab geb en wie England, das wahrscheinlich die Verantwortung zu vermeiden suche, als das Land dazustehen, das die Aufhebung der Sanktionen als erstes gefordert habe. Es fei zu erwarten, daß England in dieser Frage in Genf eine wenig mutige Haltung zeigen werde. Die Anwes enheitdes Negus in Genf werde auf die kleinen Staaten wie eine ftumme Mahnung wirken, den Völkerbundpakt in allen feinen Punkten zu befolgen. Trotzdem fei zu er­warten, daß auch diese Frage wahrscheinlich auf die Vollsitzung im September verschoben werde. Auch die Möglichkeit einer Aenderung des Genfer Paktes werde man dieses M a l nicht durchberaten. England wünsche, daß auch diese Frage auf die September-Sitzung vertagt werden soll. DasJournal" meint, wenn man in Genf durch die Aufhebung der Sanktionen einen heiteren Himmel erwartet habe, so sei dies eine starke Täuschung gewesen.

Vorbesprechung der Neutralen.

Gens, 25. Juni. (DNB.) Die Vertreter der sog. neutralen Staaten, Dr.Munch (Dänemark), Westman (Schweden), Maseng (Norwegen), Hackzell (Finnland), de Oraeff (Holland), Madariaga (Spa­nien) und Bundesrat Motta (Schweiz), hielten unter dem Vorsitz des dänischen Außenministers eine ver­trauliche Zus ammenkunst ab, um am Vor­abend des Zusammentritts des Dölkerbundsrates und der Völkerbundsversammlung einen Gedankenaus­

tausch über den italienisch-abessinischen Konfliktzu pflegen. Wie man erfuhr, waren alle Konferenzteilnehmer der Auffassung, daß die Sanktionen gegenüber Italien aufgehoben werden müßten. Einige Delegierte verliehen ihrer Befriedigung über den Antrag der argentinischen Regierung auf Einberufung der Völkerbundsoer- fammlung Ausdruck, da auf diese Weise für alle Mitgliedsstaaten des Völkerbundes die Möglichkeit geschaffen werde, zum Ausgang des italienisch-abes­sinischen Krieges, der unter Verletzung des Völker­bundspaktes geführt worden fei, Stellung zu nehmen. In einer neuen Sitzung soll die Frage einer evtl. Reform des Völkerbundspaktes disku­tiert werden.

Der Negus will protestieren.

London, 25. Juni. (DNB.) Zur Abreise des Negus nach Genf hatte sich eine große Menschen­menge eingefunden. Hails Selassie erklärt, er wolle

Paris, 26. Juni. (DNB. Funkspruch.) Obwohl nach der am Mittwochnachmittag grundsätzlich ange­nommenen Einigung der Schiffahrtsstreik in Marseille als beendigt angesehen wurde, konnte bis Donnerstagabend kein Schiff auslaufen. Nach wie vor halten die streikenden Mannschaften ihre Schiffe besetzt. Auch die roten Fahnen wehen noch, wenn auch teilweise die Trikolore dazu gesetzt worden ist. Es herrscht noch vollständige Unklarheit, wann die Streikenden die Schiffe wie­der räumen werden. Das Konfularkorps von Mar­seille hat bei dem Präsidenten der Handelskammer einen Protestschritt unternommen, weil auch d i e ausländischen Schiffe nicht auslaufen konn­ten. Etwa 100 Reisende, die seit mehreren Tagen im Marseiller Hafen auf eine Reisemöglichkeit nach Korsika warten, halten die Geschäftsräume der Schiffahrtsgesellschaft für den Verkehr nach Korsika besetzt und haben eine Protestabordnung zum Prä­fekten geschickt. Als am Freitagabend sich in der nordfranzösischen Hafenstadt Rouen die Kunde verbreitete, daß trotz der Schifferstreiks der franzö­sische DampferM a n d a r a" auslaufen wolle, ver­stärkten die Aufständischen die Streikposten, die tatsächlich die Ausreise des Schiffes verhindert haben. Im Mittelmeerhafen Cette mußten etwa 1000 Tonnen Apfelsinen, die wegen des Streiks nicht rechtzeitig ausgeladen werden konnten, und in Fäulnis übergegangen waren, in den H a° fen geschüttet werden.

Auch sonst sind in ganz Frankreich neben der allgemeinen Tendenz zur Wiederaufnahme der Ar­beit zahlreiche neue Streiks zu verzeich­nen: So konnten die großen nordfranzösischen Zei­tungen von Lille und Roubaix am Freitag- früh nicht erscheinen, weil die Maschinensetzer und

sich in Genf ernstlich bemühen, vor den dort versam­melten Nationen die Gerechtigkeit zu for­dern, die das abessinische Volk als sein Recht be­anspruche. Die abessinische Gesandtschaft veröffent­lichte eine Verlautbarung über die Unterredung zwi­schen dem Negus und Außenminister Eden. Darin heißt es:Das Ergebnis der Aussprache war die Versicherung, daß Großbritannien die Völkerbunds­satzungen beachten und die Annektierung Abessiniens durch Italien nicht aner­kennen wird. Es anerkennt vielmehr auch ferner­hin das alte Abessinien. Der Kaiser brachte seine Enttäuschung über den Beschluß der britischen Regierung, die Sühnmaßnahmen aufzuheben, zum Ausdruc^ und kündigte Eden feine Absicht an, vor dem Völkerbund kräftig gegen die Einstellung der Sanktionen zu protestieren. Der Kaiser wird die Anwendung aller Maßnahmen fordern, die in den Satzungen vorgesehen find, und die er als die einzige Sicherheitsgarantie für große und kleine Staaten sowie für den Weltfrieden betrachtet."

das sonstige Druckereipersonal in den Ausstand ge­treten sind. In Nancy besetzten Streikende die Gaswerke, worauf sich der Bürgermeister entschlos­sen hat, die Werke durch eine Abteilung der Mobil­garde räumen und militärisch besetzen zu lassen. In Perpignan am Fuß der Pyrenäen hat angesichts der wachsenden Streikbewegung die Unternehmerschaft eine Entschließung angenommen, wonach alle in Gang befindlichen Verhandlungen abgebrochen werden, solange noch Banken, Kaufhäuser, Werkstätten usw. von Streikenden be­setzt gehalten werden. Im Departement Unterrhein hat der Leiter einer größeren landwirtschaftlichen Organisation auf einer Bauernversammlung erklärt, daß sich im Lande eine lebhafte Unruhe gegen die terroristischen Täter entwickelte. Die Bauern hätten ihren Willen zum Ausdruck gebracht, die Besetzung von Bauernhöfen, wie es in Gebweiler geschehen sei, mit allen Mitteln zu verhindern.

Oie wirtschaftlichen Auswirkungen der 40-Stundenwoche.

Paris, 26.Juni. (DNB. Funkspruch.) DerFi­garo" hat in industriellen und kaufmännischen Ar­beitgeberkreisen eine Umfrage gehalten, w i e hoch die Mehrbelastung durch die neuen G e- setzein der französischen Industrie sein würde. Da­nach bedeutet bei einer durchschnittlichen Beschäfti­gung von rund 7776 000 Arbeitnehmern in Industrie und Handel mit rund 10 000 Franks Jahreseinkom­men die Einführung der 40-Stunden- Woche eine Mehrbelastung von 11,5 Milliarden Franks.

Trotz Einigung dauern die Streiks in Frankreich an.

Erfüllung dernationalen Ansprüche" eingebracht hätte, um deretwillen es ein halbes Jahrhundert später den Dreibund brechen und die es mit einer halben Million Soldatenleben bezahlen mußte.

Abgesehen van diesen unmittelbaren Folgen ging von dem persönlichen Versagen Lamarmoras eine tiefe psychologische Wirkung aus auf Italien und sein Verhältnis zu Oesterreich und Deutschland. Trotz des politischen Erfolges der Erwerbung Venetiens lasteten die Niederlagen von Custozza und Lisfa chwer auf der italienischen Eigenliebe, die es im Innern nie verzieh, daß Italien Venedig und Rom den preußischen Siegen zu verdanken hatte. Das strategische Ungenügen der italienischen Führung ormte aber auch auf Jahrzehnte, bis m den Welt- friea hinein, ja über ihn hinaus, das fachmännisch- militärische und das allgemeine Urteil über den Wert der italienischen Armee dahm, daß die per­sönliche Tapferkeit des Soldaten nicht angezweifelt, die nur durch lange Tradition zu erwerbende oder in einem Genie sich offenbarende Fähigkeit zur höheren Führung dagegen gering emgeschatzt wurde. Das Gefühl dieser Unzulässigkeit bestimmte lange Zeit das Gesicht der italienischen Politik und die Stellung des Volkes zur Armee, war aber auf der anderen Seite auch eine der wichtigsten Triebkräfte zur nationalen Erneue­rung durch den Faschismus.

Als organisatorischen Nachfolger Lamarmoras - einen anderen hat die italienische Armee m den letz­ten fünfzig Jahren kaum gehabt hat der Weltkrieg und der Faschismus den Marschall BadogNo be- rufen, den Besieger Abessiniens, der nach einer Rück­kehr aus Afrika die Leitung des Generalstabs wieder übernommen hat. Das Urteil über die Fähigkeiten der italienischen militärischen Führung hat sich heute gewandelt und ist eine wesentliche Verstarkuna des politischen Gewichtes Italiens 'n Europa Das Denk­mal an der Porta Pia stellt mit geschichtlicher Ge­rechtigkeit nicht den General Lamarmora dar son­dern den von ihm geschaffenen Bersagliere. Darm liegt ein Stück italienischer militärischer und poli­tischer Geschichte. Was dieredenden Sterne künftig zu sagen haben werden, ist eine der großen euro­päischen Schicksalsfragen.

Oie italienischen Flieger besuchen die deutsche Luftwaffe.

B e r 1 i n , 25. Juni. (DNB.) Staatssekretär Gene­ral Valle und die anderen italienischenFlieger be­suchten in Begleitung des Staatssekretärs General der Flieger Milch das Kampfgeschwader Nr. 15 2Hindenbur g", Gruppe Greifswald, sowie die Flak-Artillerie-Schule in Wustrow. Die gesamten fliegerischen Anlagen wur­den besichtigt, anschließend führte das Kampfgeschwa­derHindenburg" Hebungen im Verband vor. In Wustrow zeigte die Lehrabteiluny der Schule schul- mäßiges und aefechtmäßiges Schießen mit schweren und leichten Flakbatterien auf Aufklärungs- und Tiefflieger. Dann erfolgte eine Besichtigung der Feuerleitgeräte, Flakfcheinwerfer und Horchgeräte. Die Wirkung der Flakgefchoffe wurde an einem be­schossenen Flugzeug gezeigt.

Nie Meerengen-Konferenz.

Englische Bemühungen

um Behebung der Schwierigkeiten.

L o n b o n, 26. Juni. (DNB. Funkspruch.)Daily Telegraph" weist daraufhin, daß das britische Kabi­nett am Donnerstag infolge dringlicher Angelegen­heiten zwei Sitzungen abhalten mußte. Neben dem wichtigen innenpolitischen Thema: Verwaltung der Erwerbslosenunterstützung, seien die Besprechungen vor allem der außenpolitischen Lage unter besonderer Berücksichtigung der Konferenz von Montreux gewidmet gewesen. Es habe sich dabei um die Rückfrage Lord Stanhopes wegen der in Montreux entstandenen britisch-so wjetr us- sifchenMeinungsverschiedenheiten ge­handelt. Die von Stanhope erbetenen neuen An­weisungen seien abgesandt worden. Die Gegensätze zwischen den beiden Ländern würden in London nicht als Ursache ernsthafter Schwierigkeiten be­trachtet: man glaube, daß sie im Laufe der nächsten Besprechung beigelegt werden können. AuchMor- ning Post" schreibt, in Montreux bestehe wachsende

Aussicht auf ein Übereinkommen. Die Versuche, zwischen Großbritannien und Sowjetrußland einen Keil zu treiben, seien bereits gescheitert. In einer Reuter-Meldung aus Montreux heißt es allerdings, es müsse zugegeben werden, daß sehr viele politische und wirtschaftliche Fragen einige Schwierigkeiten böten, es sei jedoch noch zu früh, von einem toten Punkt zu sprechen, da sich die Kon­ferenz im Anfangsabschnitt befinde. Es sei aber un­wahrscheinlich, daß Großbritannien mit seiner Jahr­hunderte alten Meerengenpolitik ohne weiteres ir­gendeiner Konvention zustimmen würde, die den sowjetrussischen Kriegsschiffen volle Bewegungsfreiheit bieten würde, während die britifchenKriegsschiffe vom Schwar­zen Meer ferngehalten würden. Das wäre die Verneinung aller Grundsätze, für die sich Groß­britannien seit den Tagen vor dem Krimkrieg ein­gesetzt habe.

präg und der Bolschewismus.

Prag, 25. Juni (DNB.) Im Abgeordneten­hause erklärte Außenminister Dr. Krofta, daß die tschechoslowakische Außenpolitik, obwohl sie aus ihrer Gegnerschaft gegen den Bolschewismus nie­mals ein Hehl gemacht habe, Furcht vor einer bol­schewistischen Gefahr niemals gehabt habe, aus festem Glauben an die unüberwindliche innere Stärke unseres eigenen Regimes.

Auf die Anfrage eines Abgeordneten der sudeten­deutschen Partei über eine Neutralisierung b e r Tschechoslowakei nach schweizerischem Muster erklärte der Minister:Wir müssen mit der Tatsache rechnen, daß eine neutralisierte Tschecho- slowakei, welche sich die Möglichkeit einer entspre­chenden Landesverteidigung verscherzt hätte, in kur­zer Zeit ein Zankapfel in Europa würde. Dem Frieden in Europa werden wir am besten dadurch dienen, wenn wir die bisherige Politik fortsetzen und unsere Verteidigung gewil - senhaft ausbauen.