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Ir.I72 vierter Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)

Samstag, 25. Zuli 1956

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Hier wird dieFallkerb" geschlagen. Zwei Mann stehen mit der Säge bereit.

je mehr lichteten sich die

Der Zug der Gießener Arbeitsdienstmänner, der am Hausberg arbeitet.

Der gegenwärtige Arbeitsplatz des Arbeitsdienstes im Wald am Hausberg.

Ein Nutzholzstamm wird mit praktischen Stoßmessern sauber geschält.

die Luft ist klar und rein und neben dem allen vertieft sich die Arbeitskameradschaft mehr und mehr. Der Förster äußerte sich auf unsere Frage nach der Arbeitsleistung des Zuges sehr anerkennend, und man wäre sehr erfreut, wenn die Mannschaft län­ger als ursprünglich vorgesehen am Hausberg bleiben könnte.

Während der Arbeit selbst gibt es natürlich man­chen Scherz. Der. langhaarige Terrier des Försters ist schon nach kurzer Zeit der Freund aller gewor- den und läßt sich mancherlei gefallen. Für den Ab- lauf des langen Vormittags hat sich bereits nach kurzer Zeit ein gängiger Modus eingespielt. Um Vil Uhr kommt die Mannschaft am Arbeitsplatz an. Um %9 Uhr wird gefrühstückt. Dazu gibt es dann einen großen Topf voll Kaffee, der im letzten Haus des Dorfes gekocht und mit hinaufgetragen wird. Beim Abmarsch um die Mittagsstunde wandert der leere Topf den gleichen Weg zurück. Bis 11 Uhr wird fleißig geschafft, und dann beginnt über Stock und Stein wieder der Abmarsch, zunächst in auf«

herrlich bricht das Sonnenlicht in den Hochwald. Hier transportieren vier Mann einen Stamm zur Schneise. (Aufnahmen [7]: Neuner, Gießener Anzeiger.)

Solche Hände gibt es bei der Arbeit! Das Harz klebt, beim Waschen gilt es, schwer zu schrubben.

Sturm an sich und die Last der Schneemenge riß viele, auch gesunde Bäume nieder. An zahlreichen Bäumen brachen große Zweige ab, andere wur­den geknickt, wieder andere durch den Sturm ent­wurzelt. Der Arbeitsdienst Gießen hat also auch gleichzeitig Holz aufzuar­beiten, das sonst ge­rade in den von dem

Hier wird Reisig verbrannt und damit gleichzeitig der Borkenkäfer bekämpft.

Stoßmessern einen kräf­tigen Stamm zu schälen, dort bemühten sich vier Mann, einen Stamm zu rollen, da Pferde nicht zur

Arbeitsmänner im Katastrophendienst

Gegen den Borkenkäfer. Gießener Arbeitsdienst im Taunus. Arbeit in 500 Meter Höhe.

tenberg lagen dichte, schier herbstliche Nebel über ber Landschaft. Der Kraft­wagen brachte uns rasch bis Hochweisel und wir unternahmen den Auf­stieg hinauf durch eine fast wildromantisch zu nennende Schlucht, die steil nach oben führte. Um die Bäume jagten Wolkenfetzen, die Hänge hinauf drängten Nebel­schwaden, die die Sicht hinderten, jeder Ruf er­starb in dem milchigen Weiß oder verfing sich in den Bäumen. Der Wald am Hausberg ist weitläu­fig, leicht geht man in die Irre, hauptsächlich dann, wenn man die Ar­beitsstelle selbst nicht ge­nau kennt, und die Mann- chaft außerdem an ver­schiedenen Plätzen arbei­tet jeweils dort, wo Sturm und Schneebruch Schaden anrichteten.

Je höher wir kamen,

Wolken, ja, bald lagen sie uns zu Füßen im Raum und verbargen die Tiefe. Es vergingen nur wenige Minuten noch, da strahlte hellste Sonne, leuchtete klarblauer Himmel über uns! Hin und wieder sahen wir die Markierungen des Taunusklubs an den Bäumen; sie konnten uns aber für unseren Ausflug nur wenig nützen.

Bald hörten wir dann auch die Rufe der Ar­beitsdienstkameraden, der Schlag der Aexte klang uns entgegen, und schließlich leuchtete heller bläu­licher Rauch mehrerer Feuer durch die Stämme; würzig roch es nach verbrannten Nadeln.

Verschiedentlich waren wir auf dieser Wande­rung zur Höhe an sauber aufgeschichteten Holz­stößen vorbeigekommen. An der Arbeitsstelle selbst waren die Holzstöße auch zu sehen. Hier lag sauber abgeschältes Stammholz, und über die blendend weißen Stämme spielte das Sonnenlicht. An an­derer Stelle war Brennholz zusammengetragen, außerdem waren aber auch etliche Stapel eben­falls geschälter Stangen von bestimmter Länge aufgeschichtet, Holz, das, wie wir erfuhren, als Rohstoff für eine Papier­fabrik in Okriftel be­stimmt sein soll. Das Nutzholz, das hier ge­schlagen wird, wandert in ein nahes Sägewerk, das anfallende Brennholz als Feuerungsmaterial in eine Zieglei am Fuße des Berges nahe bei Hoch­weisel. Zum Teil wird das Holz auch als Gru­benholz aufgearbeitet und gelangt zu diesem Zwecke in die Gruben des Lahn- und des Dillgebietes und in das Siegerland. *

Der Arbeitsplatz bot das Bild fleißigen Schaffens. Hier waren zwei Mann damit beschäftigt, mit

gelöster Gruppe, später auf gangbarem Fahrweg in geschlossener Kolonne. Im gleichen Schritt und Tritt zieht die Mannschaft ins Dorf ein, und immer klingt auch eines der schneidigen Marschlieder in den Gassen. Die Bevölkerung von Hochweisel scheint trotz der kurzen Zeit, die der Gießener Arbeitsdienst dort ein- und auszieht, den Helfern im Wald schon recht herzlich verbunden zu sein. Wenn die Mann- schäft um die Mittagsstunde durch das Dorf zieht stehen Bauern und Bäuerinnen freundlichen Ge- sichts unter den Türen. Die Kinder begleiten den Zug und bleiben auf dem Dorfplatz stehen, bis der Lastkraftwagen mit den singenden Arbeitsmännern in der Richtung nach Butzbach den Augen ent­schwunden ist. Unter Gesang fährt der Wagen auch in Butzbach ein, und sicherlich bleibt manchem, der gerade über die Straße geht, die lustige Umdichtung des im Kehrreim gesungenen Westerwaldliedes im Ohr. Selbstverständlich sind die Kameraden darauf bedacht, den Butzbachern allmählich ihren ganzen Liederschatz vorzuführen, das heißt, jeden Tag wird bei der Einfahrt in Butzbach ein anderes Lied ge­sungen.

Um 12.01 Uhr besteigt man dann wieder den Personenzug, kommt bald nach Gießen, marschiert zum Hotel Kobel (denn dort sind die Fahrräder

zweite Aufgabe: wohl jedermann entsinnt sich des heftigen Schneesturmes, der im Frühjahr dieses Jahres sehr unerwartet über die heimischen Wälder hereinbrach und großen Schaden anrichtete. Der

Borkenkäfer befallenen Waldgebieten dem Verderb anheimfallen würde. Die hohe volks­wirtschaftliche Bedeutung des Notstandseinsatzes des Arbeitsdienstes für diese Arbeiten liegt auf der Hand. Das um so mehr, als es gegenwärtig schwer hält, Arbeitskräfte für diese Arbeiten frei zu machen. Der Bauer selbst hat alle Hände voll (und mehr als in anderenJah- ren) mit der Ernte zu tun.

*

So fahren also jeden Tag 30 Mann nach Hoch­weisel. Vom Lager im Philosophenwald aus be­nützen sie zunächst ein­mal die Fahrräder und fahren um 5 Uhr durch die schlafende Stadt zum Bahnhof, besteigen den Zug, der 5.33 Uhr unsere Stadt verläßt und fahren bis Butzbach. Am Bahn­hof Butzbach steht ein Lastkraftwagen bereit, der sie bis nach Hochweisel bringt. Und nun beginnt sofort ein steiler An­marsch, den 486 Meter hohen Hausberg hinauf. Das Arbeitsfeld mit­ten im Wald liegt dicht unterhalb des Gip­fels. *

Wir ließen es uns un­ter der freundlichen Füh- rung von Oberfeldmeister Lösch dessen nicht ver­drießen, die Kameraden des Arbeitsdienstes am vergangenen Donnerstag einmal an ihrer Arbeits­stelle aufzusuchen. Der Tag hatte grau in grau begonnen und im Hüt-

nng stehen, um das Holz wie sonst aus alb zu schleifen. Hier schürten ein Paar Kameraden die vier oder fünf Feuer mit dem an­allenden Reisig und dort, tiefer im Wald, hieb ein besonders muskulöser Kamerad mit einer schwe­ren Axt und mit sichtlicher Sachkenntnis dieFall- kerb" in einen Baum, der in halber Höhe vom Sturm geknickt worden war. Zwei andere standen mit der Säge dabei, um bald darauf auch auf ihre Weise Hand an den Stamm zu legen.

Die Arbeit, die hier die Gießener Arbeitsdienst­kameraden leisten, ist nicht als leicht zu erachten. Es ist ein erheblicher Einsatz an Körperkraft nötig, andererseits muß man auch berücksichtigen, daß die Arbeitsmänner des Gießener Lagers zum großen Teil aus Städten des Saargebiets stammen und diese Holzarbeit im Walde wenig oder nicht gewohnt sind. Für den Zugführer Weigel ist daher die Verantwortung groß, denn es sollen alle möglichst unverletzt mit nach Hause kommen. Aber die Ka­meraden sind mit Freude bei dieser Arbeit, die bei allem notwendigen körperlichen Einsatz des romantischen Charakters nicht entbehrt. Die Arbeit im Walde ist schön, die Landschaft der tief unten liegenden Wetterau bietet sich immer anders dar,

Arbeitsmänner sind es gewöhnt, früh aufzu- stiven! Der Tag beginnt und endet früher als bet m nchem zivilen Nachtschwärmer. Im allgemeinen rvtd im Lager der Arbeitsdienstabteilung 5/222 ^lustus von Liebig" Gießen um 5 Uhr geweckt. Es gilt aber auch Ausnahmen. So hat gerade gegen- v rtig ein Zug der Abteilung schon eine Stunde fr her aus dem Bett zu steigen, also um 4 Uhr eher Zeit, zu der sich der größte Teil unserer Gie- ßmer Bevölkerung nicht nur einmal, sondern noch trtyrere Male im Bett auf die andere Seite zu lesen pflegt. *

Daß sich im ArbeitsdienstlagerJustus von Lie- ti " am Philosophenwald ein Zug von 30 Mann so fr.li) erhebt, hat seinen besonderen Grund: der Zug ist im Katastrophendienst einge- sijtzt, und zwar für bestimmte Zeit im Taunus, Lzio. an dessen östlichem Ausläufer am Haus- k-g, der sich aus Gießener Perspektive gesehen über Hochweisel (bei Butzbach) erhebt. Die Ar- kttsmänner sind hier, auf die Bitte der Gemeinde auf die Befürwortung des zuständigen Forst­er tes hin, zum Kampf gegen den Borkenkäfer ein- (Mtzt, gleichzeitig gilt Der Einsatz aber auch der Aufarbeitung von Holz für die verschiedensten Zwecke.

Ras den Borkenkäfer anbetrifft, so weiß wohl jihrmann, daß er ein gefährlicher Schädling unse­re, Wälder ist. Er bohrt zahllose Gänge in die iRnbe der Bäume und in das Kambium, die Levensstränge des Baumes. Andere Arten gehen er das Stammholz und machen es wertlos. Der ^ijfer bringt bei starkem Auftreten den Baum zum Eingehen. Seine Gefährlichkeit liegt in seiner Frucht- jc-feit. Aus kranken Bäumen geht er in gesunde ikr und führt so sein Zerstörungswerk im Walde cis. Die befallenen Bäume zu beseitigen, nieder- Lk'.rochenes, von Käfern befallenes Aftwerk durch ftiuer zu vernichten, das ist die einzige Möglich- le~ der Bekämpfung des Schädlings. Und für diese arbeit wurden nun auch 30 Mann des Gießener Meitsdienstlagers eingesetzt!

Die Arbeitsmannen haben dabei aber auch eine