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Samstag, 25. Zuli 1936
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
Nr. 172 Drittes Blatt
ächtiae Humor, sich selbst, fort«
(Martin Greif.)
erzittern mit.
und
Das ist ein schönes Bild der Volksgemeinschaft,
em Schones zötl'D Der Acnrsgemeimcyasr, । am offenen ütniici, » t ■ 7
Stadt und Land gemeinsam schaffen und I tags früh, mit übermäßiger Lautstarke spielen latzt^
wenn
Nachdruck verboten!
34 Fortletzung.
Bauern, in das
die vom
Im Morgettgrauen schreiten die Frauen, Mädchen und Kinder hinaus Tau benetzte Feld. Es ist noch kühl, und Gräser tropfen von Tau. Die
Hofe hört man das Dengeln der Sensen, am testen beim Schmied, der mit seinen Gesellen Lehrbuben erst spät Feierabend machen kann.
Die Aehren Henschrecken mit klirren-
Für unsere Bauern ist die wichtigste Zeit des Jahres gekommen. Die Getreideernte beginnt. Mit einem „Walt's Gott!" wurden die Samenkörner bei rauhem Herbstwetter in die Erde gelegt. Die junge Saat keimte und ging auf. Winterstürme brausten über die zarten Hälmchen hinweg. Schnee deckte sie zu. Dann aber kam die Frühlingssonne, und mit dem beginnenden Leben ringsum wuchsen auch die Halme und brachten schwere Aehren.
Wie oft hcst der Bauer nach dem Himmel geschaut! Wird das Wetter gnädig vorübergehen? Oder wird ein grausamer Hagelschlag alle Hoffnungen vernichten? Sonnenschein und Regen wechselten ab, das Getreide schoß in die Höhe und blühte. Dann aber öffnete der Himmel seine Schleusen, und es goß in Strömen. Der Sturmwind gesellte sich zum Regen, und viele, viele Halme wurden geknickt und zur Erde gedrückt. Die wogenden Getreidefelder sind heuer selten geworden. Winden und anderes Unkraut überwuchern die am Boden liegende Frucht. Wild durcheinander hat der Sturmwind die Halme gelegt..
Mit Hangen und Bangen hat der Bauer seine Aecker umschritten. Das Herz tat ihm weh, wenn er die Wirrnis sah. Doch die Körner bildeten sich in den Aehren, und nun sind sie reif. Sicheln und Sensen erklingen.
Im Dorfe herrscht reges Leben. Da summt und brummt es wie in einem Bienenstock. Am späten Abend stehen die Bauern noch vor dem Tor und schauen nach dem Himmel, denn die Hauptsache in
mit: .
Radiobesitzer! Deine Nachbarn beschweren sich bet der Polizei über dich, weil du dein Rundfunkgerät am offenen Fenster, besonders abends und Sonn-
nach der Ausführung der Städelschule in Frankfurt a. M.
Im Haus „Gießen" werden, wie mir Horen, Olympia-Kämpfer aus Indien wohnen, die nach den Olympischen Spielen die 26 verschiedenen photographischen Vergrößerungen als persönliches Eigentum und Andenken mit in ihre ferne Heimat nehmen dürfen.
In diesem Zusammenhang verdient erwähnt zu werden, daß auch die Nachbarstädte Marburg und Wetzlar, selbstverständlich auch Frankfurt, in gleicher Weise mit Häusern im Olympischen Dorfe vertreten sind, und zwar liegen die Häuser so, daß sie im Rahmen der Planung des Olympischen Dorfes in etwa mit der tatsächlichen landschaftlichen Lage (entsprechend der Landkarte) übereinstimmen. Auf kurzem Wege kann man also vom Haus Gießen aus die Häuser Wetzlar, Marburg und Frankfurt erreichen.
Sinne des gemeinnützigen Dienstes zu fördern bestrebt war. Bekannt ist auch der prächti. mit dem Valentin Frey nicht nur s", , , , ,
dern auch seinen Volksgenossen, die irgendwie mit ihm in Berührung kamen, oft des Alltags Last und Bürde zu erleichtern wußte.
Förster i. 2R. Blei 88 Jahre alt.
Aus der Provinzialhauptstadt
Erntezeit.
Nun störet die Aehren im Felde ein leiser Hauch, wenn eine sich beuget, so bebet die andre auch.
E^ist, als ahnten sie alle der Sichel Schnitt — Die Blumen und fremden Halme
felde erschallt der Ruf der Wachtel: Bück den Rück!
Die Arbeit beginnt. Die Sensen sausen, und das scharfe Eisen blitzt. Frauen folgen und nehmen das hingemähte Getr^de ab. Die Wetzsteine klirren, und über dem Bilde der Arbeit steht die glühende, sengende Sonne.
Es ist keine leichte Arbeit, die Erntearbeit. Der Bauer muß in diesen Wochen den Rücken gar oft bücken, muß schwer und ausdauernd arbeiten. Da gilt es, jeden Sonnentag auszunützen. Das Essen nehmen die Schnitter mit oder lassen es sich durch Kinder ins Feld hinaustragen. Alle im Haus, bis zur alten Großmutter, müssen bei der Arbeit helfen. Und auch dann wird es noch nicht genügen, die Ernte restlos einzubringen. Von allen Seiten wurden junge Helfer aus der Hitler-Jugend, der SA. und dem BDM. aufgerufen, mitzuhelfen an der Erntearbeit.
Haus „Gießen" im Olympischen Dorf
Indische Olympia-Kämpfer halten Einzug.
hüpfen in den Wiesen und schwirren den Flügeln über die Blumen. Aus dem Weizen-
Verfluchtes Gold!
Vornan von I. Schneider-Zoerstl.
Urheberrecht: Verlag Oskar Meister, Werdau i. Sa.
Sicherlich ist es vielen Einwohnern unserer Stadt nicht bekannt, daß es im Olympischen Dorf — der großartigen Unterkunft der olympischen Kämpfer aus aller Welt — auch ein Haus gibt, das den Namen unserer Stadt trägt. Das Haus (das sich in seiner Form, naturgemäß von den anderen Häusern nicht unterscheidet) ist in seinem Inneren mit nicht weniger als 26 verschiedenen Bildern, die die Schönheiten unserer Stadt zeigen, geschmückt. Es handelt sich dabei um photographische Vergrößerungen in repräsentativem, durchweg gleichem Format. Die Vergrößerungen wurden von einer Berliner Spezialfirma nach Aufnahmen hiesiger Photographen (Atelier Engelbert Bürck und Pfaff, Gießen) angefertiat. Etliche Bilder stammen aus dem Archiv des Verkehrsamtes der Stadtverwaltung. Das Haus trägt ferner als weiteren Schmuck zeichnerische und malerische Darstellungen der Stadt Gießen und der Umgebung nach Entwürfen und
Herd nach dem Fenster hin. „Machen S', daß S' weiterkommen!" zankte sie lachend. „Wir habn jetzt koa Zeit zum Fensterln."
„Maria — —!"
Das Gesicht des Mädchens war ihm jetzt voll zugewandt. „Was wünschen Sie von mir?"
„Du!--Wo kann ich dich sprechen und
wann? — Sag?" flüsterte er. „Sag, Maria!"
Das Gesicht war schon wieder über den Trog geneigt. Rolf Steffen kümmerte sich nicht mehr um die Wirtin, die ihm mit der Faust drohte. „Ich warte, bis du mit dem Spülen fertig bist."
„Da könn'n S' lang warten", rief die Alte herüber. „Geh, mach's Fenster zu, Madl. Der Hallodri soll sich in der Gaststubn was suchn! — Marsch jetzt!" gebot sie lachend. „Wann die Mizzl fertig ist, können S' mit ihr reden."
Krachend schlug das Fenster zu.
War das möglich? Daß Maria hier war und Geschirr wusch, und daß sie ihn mij „Sie" angesprochen batte? „Sie"--Immer wieder machte er den
Weg am Fenster vorüber. Immer war der blonde Kops noch über den Trog geneigt. Immer sah er nur das Oval ihrer Wangen und das Geflimmer des blonden Haares. Alles, was der Lois ihm gesagt hatte, war vergessen: daß Maria sich bei Amselmann versteckt hatte, daß sie dessen Geliebte gewesen., sei. Er wagte sich nicht mehr von der Nähe der Küche fort. Sobald Maria mit der Arbeit fertig war, wollte er sie abfangen.
Aber das dauerte lange, und als sie dann endlich aus der niederen Tür trat, sahen ihn zwei Augen an, in denen nichts mehr von all dem stand, was er einmal darin gelesen hatte. Statt, wie er sich vorgenommen hatte, alle Liebe an sie zu verschwenden, wurde er jetzt heftig. „Was soll das?! herrschte er sie an. „Ist das dein neuester Sport? — Es ist dir wohl bei den Amselmann nicht gut genug gegangen?"
Ohne ihm Antwort zu geben, schritt sie vorüber und suchte die steile Treppe zu gewinnen, um nach ihrem Stübchen zu kommen. Aber er blieb dicht hinter ihr. Als sie in den kleinen Raum trat, stellte er den Fuß in die geöffnete Tür. „Du kannst mei- netwegen erfrieren. Ich gehe nicht von der Stelle."
„Dann erfriere ich eben!"
„Weshalb bist du hier?"
„Um nicht zu verhungern."
Das saß! Er zog den Fuß zurück. „Es ist ja Unsinn, was du sagst", lachte er dann ärgerlich. „Des Hungers wegen bist du sicher nicht deinem Geliebten davongelaufen. Er war wohl nicht mehr zufrieden mit dir?"
„Nein!"
„Du — —!" Seine beiden Hände hatten ihre Gelenke mit hartem Griff umfaßt. „So tief bist du gesunken! — So tief! Weißt du auch warum?"
„Das mußt du mir erst sagen", lächelte sie, ohne auch nur den Versuch zu machen, frei zu kommen.
„Weil du glaubtest, ohne Mammon nicht leben zu können! Nur deshalb! — Ist es nicht so?"
„Es wird wohl so sein. — Laß mich jetzt m bin müde. Wenn du wüßtest, was ich alles getan habe, würdest du dir nicht einmal die Hände schmutzig machen wollen an mir."
„Du lügst!" Fortsetzung folgt.
wirken, um das tägliche Brot für alle deutschen Menschen zu bergen. Das ist für alle Menschen gut. Hier auf freiem Felde sind sie verbunden mit Erde und Sonne, mit Regen und Sturm, mit Morgen- und Abendrot. Hier sind sie vereint in gemeinsamem Werk, wenn auch der Gaumen trocken wird und die flimmernde Luft die Augen schmerzt. Ununterbrochen sausen die Sensen. Mit gebeugtem Rücken, mit 'schwieligen Händen, fest mit der Erde verwachsen, so stehen die Schnitter da. Die Halme fallen, und die Garben mehren sich. Und bald wird der große Erntewagen kommen, um den Segen heimzufahren.
Dankbar und unverdrossen tun die Bauern ihre Pflicht für ihr Volk, dankbar und unverdrossen wollen auch die freiwilligen Helfer bei diesem Werke fein. Sie sorgen ja für das deutsche Volk, für das tägliche Brot.
So wird die Erntezeit heuer wie ein heller Wegweiser, wie ein leuchtender Mahner sein, der uns sagen will, daß wir gemeinsam arbeiten und aushalten müssen zum Wohle des deutschen Volkes.
Mit einem „Walt's Gott!" begann die Ernte, mit einem „Nun danket alle Gott!" wird die Arbeit 'beendet werden.
Lornotizen.
Tageskalender für Samstag.
Gloria-Palast, Seltersweg: „Boxkampf Schmeling —Louis".
Tageskalender für Sonntag.
Reichsarbeitsdienstabteilung 5/222 Justus von Liebig", 10.30—11.30 Uhr Frühkonzert des Musikzuges im Philosophenwald; 15 Uhr Sommerfest. — NSG. „Kraft durch Freude", Wassersportfest im Freibad; Sommerfest in Kloster Arnsburg; 8 Uhr Radwanderung nach Kloster Arnsburg, Treffpunkt Licher Straße, „Stadt Lich". — Gloria-Palast, Seltersweg: „Boxkampf Schmeling — Louis".
Sie Polizei warnt'
Die Polizeidirektion Gießen teilt uns folgendes
der Erntezeit ist ja günstiges Wetter. Fast in jedem lau-
War das ein Stimmengewirr auf der Sennefelder Hütte! Den ganzen Tag hatte sich das junge Volk auf den Hängen herumgetrieben und nun, da es dunkelte, kam es mit Lachen und Kichern und hungrigem Magen zurück. Die Skier lehnten in Reih und Glied vor dem Hütteneingang, aus dem dumpfe Wärme und der Klang von Gitarre und Zither kamen.
Auf dem kleinen Küchenherd dampfte und brodelte es. Duft von Kraut und gebratenen Würsten zog bis in die Oberstuben, auf deren Brettern schwere Schuhe polterten. „Lange wird's nimmer halten", sagte Rolf Steffen zu dem Kameraden, der .hm einen Schnürsenkel reichte. Der seine war abgerissen.
„Meinst du das Wetter?" kam es von unten herauf, denn der andere kniete eben auf dem Boden und suchte einen Nagel, der sich aus dem Schuh gelöst hatte, zurechtzuhämmern. „Ich bin froh, wenn Schluß ist. Ich glaube, das ist die sechste Hütte in dieser Woche. Ich will wieder mal in einem richtigen Bett schlafen und meine Beine ordentlich ausstrecken können."
„Die sind auch übermäßig lang", bemerkte Steffen. „Für die meinen reicht jede Bettlade. Warum ziehst du den Nagel nicht einfach heraus? Uebri- gens habe ich ehrlichen Hunger. Sobald du fertig bist möchte ich etwas zu essen haben."
„Dann geht nur! Ich kann's noch erwarten mit dem Futtern."
Der Rauch, lag dick wie Novembernebel über der kleinen Stube mit der niederen Decke und den ebenso niederen Faustern. Nach der reinen Lust draußen bekam man im ersten Augenblick einen förmlichen Erstickungsanfall. „Macht doch ein Fenster auf!" rief Steffen ärgerlich und wollte einen Riegel hochschieben.
Ein halbes Dutzend Hände verhinderte ihn daran. „Mensch du bist wohl--?" Das kleine Frauen
zimmer, das sich an seinen Oberarm gehängt hatte, tupfte ihm gegen die Stirn. „Fenster auf!„ Dussel du! Wofür heizen wir denn! Zu bleibt es!"
Setz dich auf die Veranda!" lachte ein Kollege Steffens, der sich dicht an den Ofen herangemacht hatte. „Mich geniert der Tabakdampf nicht."
.Machen Sie doch das Fenster em bißchen aus, Herr Steffen", rief jemand im Hintergrund. „Es dampfte wirklich wie in einer Hexenküche."
Aber es blieb geschloffen. Der Protest war zu allgemein. Erst hatte man gefroren und nun wollte man’s warm haben. Richtig warm. Wem s nicht paßte, der konnte sich ja vor die Hütte setzen.
Das tat Steffen bann auch nach einer Weile. Er ging nach dem Küchenfenster, das für einen Spalt offenstand und sah dem Mädchen zu, das, über einen Holztrog geneigt, Geschirr spülte. „Sie sollten den Trog höherstellen", rief er. „Es ist unnutz, daß Sie sich so herabbücken, das macht viel rascher mübe —." Er ärgerte sich, baß das Mädchen nicht einmal aufsah, sondern ruhig weiterspulte. Haben Sie nicht gehört?" fragte er barsch. „Das ist doch rasch gemacht und viel praktischer. Sie bekommen sicher einen krummen Rücken."
Das half. Die schmalen Schultern streckten sich. Rolf konnte jetzt sogar das Gesicht sehen und prallte im nächsten Augenblick zurück. „Ttarta!!
Die dicke Hüttenwirtin drehte den Kops vom
Und nun saß Maria Terry hier bei ihrem ehemaligen Stubenmädchen und wärmte sich die Hände an den grünen Kacheln des mächtigen Ofens, sah mit halboerschleierten Augen die zierliche Gestalt hin- und hergehen und von dem Teetisch nebenan Tassen und Dosen nach dem runden Mitteltisch tragen. „Wie schön Sie es hier haben, Mizzi!
„Ja! Es ist alles von meinem ersparten Geld. Mein Mann hat auch zweitausend Schilling dazu- gesteuert. Wir sind sehr glücklich. — Möchten Sie jetzt nicht ein Schalerl Tee nehmen? So schnell wärmt der Ofen nicht durch. Man muß schon auch von innen her einheizen."
Sogar Keks und eine bis oben gefüllte Flasche Rum hatte die junge Frau. Während Maria trank und aß, kreisten Mizzis Gedanken vergeblich um den einen Punkt, auf den es ankam: warum war sie hier, ohne Paß, ohne Ausweis? Was zwang sie, in dieser Winternacht über die Grenze 311 geben. Nur um Arbeit zu suchen? — Nur deshalb?
Maria gewahrte den grübelnden Buck und gao selbst Bescheid: „Ich mar bis jetzt bet den Brudern Amselmann in Grainau. Sie erinnern sich doch an sie?"
„Gewiß." Dabei ging ein Lächeln über ihr Gesicht, denn sie erinnerte sich zugleich auch an Die fürstlichen Trinkgelder, die es immer gegeben hatte.
„Das war auf die Dauer unhaltbar.
„Ich versteh." Zwei junge Manner und ein Mädchen --selbst, wenn man so eng befreundet war
wie die Terrys und die Amselmanns, mußte das einmal ein Ende nehmen. ,.
„Um aus dem Zwiespalt herauszukommern dm ich fort", sprach Maria weiter. „heimlich, Mizzi. Mein Vater ist in Köln. — Er floh, weil der Staatsanwalt ihm den Prozeß machen will, o), Mizzi, wie hat sich alles oeranbert
„Es kommt auch wieder anders , tröstete die junge Frau und goß ihr zum.Zweiten Male die Tasse voll. „Wir haben ein kleines Gastzimmer Im Sommer vermieten wir s ar' Fremde. Jetzt steht's leer. Wenn das genügt, Fraulem Terry?
„Ich danke Ihnen, Mizzi! Aber soviel verlange ich ja gar nicht. Ich bin schon froh, wenn td) btefe eine Nacht bleiben kann. Vielleicht laßt mich Ihr Mann morgen doch über die ^enze.
„Ausgeschlossen! Das tut er sicher nicht. Da kenn ich ihn zu gut. Außerdem gibt es auch keine Arbeit drüben. Jetzt im Winter schon gar nicht.
„Aber in Oesterreich wurde mich keiner vermuten", klagte Maria. „Helfen Sie mit, Mizzi Bitte
„Net!" wehrte diese erschrocken und druckte die gefalteten Hände Marias herab. „Ich will Ihnen ja helfen, wenn Sie durchaus Zauber wollen Ich tu ia alles für Sie! Nur meinen Mann muffen Sie aus dem Spiel lassen. Er darf nix tun, was gegen feine Pflicht ist."
Dann berieten sie. — Berieten lange. Zum Schluß nahm Maria das heiße Gesicht ihres ehemaligen Stubenmädchens an die eigene Wange und küßte sie zweimal herzhaft auf den Mund. „Wenn ich nur wüßte, wie ich Ihnen das vergelten könnte. Es ist schrecklich, so bettelarm zu sein!"
„Das ändert sich wieder, lieber Nacht kommt eft etwas, an das man gar net denkt. Wie ich damals von Ihnen fortgangen bin, war ich genau so verzweifelt, daß ich aus dieser schönen Stellung heraus mußte, aber es war wirklich net zu machen mit der Hausdame, und als ich hier an die Grenze kam, ich bin mit einem Omnibus von Mittenwald hergefahren — war mein Paß auch net in Ordnung."
„Und er hat Sie durchgelassen?"
„Nein. Er hat mich zurückgehalten! Ich dachte net, daß es für ganz sein würde.--Darf ich
Ihnen jetzt das Zimmer ^zeigen?"
Es war gegen vier Uhr früh. Der Mond stand noch tief im Westen, als sich Mizzis Gatte über den Kollegen wunderte, der ihm da im Vorübergehen zunickte. Blödsinnig, wenn einer nicht Nachtdienst hatte, sich draußen herumzutreiben. Vielleicht war er bei einem Stelldichein so lange aufgehalten worden. Er mußte lachen. Dem wollte er aber einheizen, wenn er zur Ablösung kam!
Und als das um acht Uhr früh der Fall war, hatte der Kollege nur ein Achselzucken für feine Andeutungen. Er wäre die ganze Nacht nicht aus dem Bett gekommen. Sollte ihm einfallen, sich kalte Füße zu holen!
„Meinetwegen", brummte er. „Wenn ich dich net gsehen hätt, würde ich's glauben. Aber es is mir ja schließlich wurscht, wie du dir die Zeit vertreibst. — Servus, Stephan!"
Zu Hause aber empfing ihn eine weinende Frau: die Fremde sei fort! Ganz einfach aus dem Bett neben ihr verschwunden.
„Blödsinn!" sagte er. „Wie denn? Wann denn? A bisserl Lärm muß sie doch gemacht habn beim Aufstehn und so?"
„(Sben net!" sagte die Mizzi schluckend „Wie ich die Augen auftu, ist sie weg. Ich hab gleich nach- gfebn, ob sie wohl nix mitanommen hat.
„A geh", meinte er lachend. „So hat 's mir gar net ausgsehn, und Devisn hat s' auch keine ghabt. Is eh a armer Hascher gwesn, das Madl! Soll s ihm gutgehn meinetwegen."
Dinr* mar die Sache erledigt.
Die Mizzi aber plättete, als ihr Mann schlief, dessen schwarzes Beinkleid, das an den Rändern vom Schnee naß geworden war, hängte den 6onn= tagsamtsrock wieder über den Bügel und wickelte die Mütze fein säuberlich in das weiße Seidenpapier, um sie dann wieder im Schrank zu verstauen. , .. ....
Sie war immer gut zu ihr gewesen, die schone Maria Terry. Da war es nicht mehr als billig, daß sie ihr auch zu Hilfe gekommen war. Von Der österreichischen Seite aus war der Weg ZU aer Waller Wirtin nicht so steil wie von der bayerischen.
Die Männer brauchten schließlich nicht alles zu wissen, was Frauen miteinander auszumachen hatten.
Deine Nachbarn sind selbst Radiobesitzer. Sie legen wirklich keinen Wert auf dein Unterhaltungskonzert, denn das können sie ja selbst nach Bedarf haben. Stelle dein Rundfunkgerät beim Spielen auf Zimmerlautstärke und schließe die Fenster. Verursache aber mit deinem wunderbaren Apparat nicht einen solchen Radau und Krach, daß es deinen Nachbarn in den Ohren wehtut und die Hunde anfangen zu heulen. Du verdirbst dir bestimmt deine seither bestehenden gutnachbarlichen Verhältnisse. Gönne deinem Nachbarn seinen am Tage wohlverdienten Feierabend.
Die Polizeistreifen beobachten dich in nächster Zeit scharf und werden dich im Betretungsfalle wegen Erregung von ruhestörendem Lärm zur Anzeige bringen.
Aber du in der Ruhe gestörter Volksgenosse, merke dir die Wohnung des Ruhestörers und erhebe Anzeige bei der Polizeidirektion oder auf deinem Polizeibezirk. Es wird auch hier eine gute Zusammenarbeit zwischen der Bevölkerung Gießens und der Polizei bestimmt ihre Früchte tragen und diesen unbequemen Ruhestörern das Handwerk gelegt werden.
Valentin Frey t
Nach kurzem Krankenlager ist der Rentner V a - lentin Frey in Gießen, der in weiten Kreisen in Stadt und Land als Seniorchef der Firma Valentin Frey & Co. und auch durch ehrenamtliche Mitarbeit bekannt war, im Alter von 67 Jahren gestorben. Mit Valentin Frey ist ein Mann heim- gegangen, der für alle gemeinnützigen Angelegenheiten stets besonderes Interesse hatte und auch immer gerne an der Erfüllung derartiger Aufgaben im Dienste der Gemeinschaft mitarbeitete. So hat er u. a. viele Jahre lang im Vorstand des Glei- bergvereins in tatkräftiger Weife mitgewirkt zur Erhaltung unserer schönen Heimatburg, wie auch zur guten Ausgestaltung ihrer engeren Umgebung. Daneben war er im Verkehrsverein ein eifriges Mitglied, das mancherlei gute Ratschläge zum Besten der Verkehrswerbearbeit gab und auch tatfroh an deren Verwirklichung mitarbeitete. Viele Jahre lang widmete er seine Kraft auch den Bestrebungen der Bäckerinnung, die seinem geschäftlichen Wirken nahestand und die er immer im
* Nieder-Bessingen, 25. Juli. Am morgigen Sonntag feiert der älteste Ortseinwohner Forster i. R. Georg Blei seinen 88. Geburtstag. Er wurde zu Nieder-Bessingen geboren. Nach seiner Schulpflicht erlernte er das Schneiderhandwerk. Im Jahre 1868 wurde er ausgemustert und zum Militärdienst eingezogen. Hier machte er den Feldzug von 1870/71 in der 3. leichten Batterie des Hessischen Artillerie-Korps unverwundet bis zum Ende mit. Nach seiner Verheiratung machte er sich selbständig und übernahm dann die Stelle des Gemeinde-Forstwartes. Nach dem neuen hessi- schen Forstgesetz wurde er in den Staatsdienst übernommen und erhielt den Titel Förster. Im Kriegervereinswesen hat er sich große Verdienste erworben. Er ist noch der einzige Altveteran und der einzige noch lebende Mitbegründer der hiesigen Kriegerkameradschaft. Er war lange Jahre deren Präsident und Bezirkspräsident des Bezirks Lich. Für ihn, als alten Soldaten, war der Zusammenbruch der deutschen Armee 1918 ein großer Schmerz, eine um so größere Freude aber die Wiedereinführung der Wehrpflicht und die Besetzung der ent- ' militarisierten Zone. Trotz seines hohen Alters ist Förster i. R. Blei, entsprechend den Umständen, bei guter Gesundheit.
Puddingpulver
allgemein gelobt!


