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gefahren ist? Dieser historische Augenblick ergab sich kurz vor Bologna, oort wo alle Straßen zu­sammenlaufen und alle Schienenstränge sich ver­knoten.

Ja, und dann geht es stundenlang im Nheintal dahin, hundert Kilometer, bis Pistoja fast, wenn man die richtige Straße eingeschlagen hat, die über den Porrettapaß. Manche wandern über den Raticosapaß, um schneller nach Florenz zu kommen, andere geraten ins Settatal und kommen dann bei Prato heraus. Irgendwo kommt man immer aus den Appenninen heraus und ins Arnotal. Die neueste Eisenbahnlinie zieht es vor, die Berge von innen zu betrachten, wobei es natürlich nur zu einer technischen Romantik langt. Das Renotal ist schöner. Und heiter und manchmal ein bißchen schwermütig wie die Lorelei.

Aber sonst darf man sich den italienischen Rhein nicht so mächtig und majestätisch vorstellen wie den deutschen. Er ist überhaupt kein Strom, sondern nur ein Fluß, im Sommer gar wird er so unschein­bar wie die meisten auf der Apenninenhalbinsel. Die werden oft sogar unsichtbar: mit Roß und Wagen ziehen die Kieshändler aus, um das trockene Flußbett auszubeuten. Keine Gegend für Angel­sportler. Paddler (in Italien eine unbekannte Men­schenrasse) seien gewarnt.

Der Reno führt, wenigstens seit ich ihn kenne, immer so viel Wasser mit, auch im August, als er braucht, um sich eine Illusion zu bewahren. Im Winter kann er zuweilen auch aufsässig und bis zum Ueberlaufen wütend werden. Sein Alltags­gesicht ist von einer beschaulichen Gelassenheit, wie es den Menschen eignet, die ihre Stürme hinter sich haben und durch keine ungewöhnlichen Ereig­nisse aus ihrer geregelten Bahn gebracht werden. Wo es einmal hart auf hart gehen würde, weicht man lieber aus; so dramatische Lösungen eines Lebenskonfliktes, wie wir sie staunend bei Schaff­hausen erleben, nein, die sagen dem Reno nicht zu.

Er hat seine Pappeln, die ständig gerupften und daher immer schütteren Weißpappeln, die manchmal so wunderbar aufsilbern; er versorgt die bescheide­nen Stauwehre, das ist seine Arbeit, und für den Sonntag bleiben ihm die alten Brücken, von denen die schwarzhaarigen Mädchen herabschauen und ihm Narzissen in den Schoß werfen oder Anemonen oder auch die ausgekauten Trauben.

Auf der einen Seite ist die Straße, auf der andern die Bahn, wie sich's gehört. Man schlängelt sich halt so durch. Von der Wiege dort oben auf der Por- rettahöhe geht es ja etwas schnell und holperig hinab zu dem gleichnamigen Bad, wo die Sommer­frischler immer so sehnsüchtig dem römischen Schnell­

zug nachschauen, nicht lange aber, eine halbe Auto­stunde nur, kommt Vergato, ein schon ansehnlicher Orte, und nun treten die Berge zurück, man kann sich dazwischen einmal nach Herzenslust dehnen. Fetzt fangen die Zypressen an, schwarz und feierlich zum Licht hinaufzuschreiten, es ist, als gingen sie durch ein blaues Tor. Ach, es war kein in die Zukunft weisen­des, es war ein zurückschauendes ToskanabUd dort unten wachsen aus blaugrauem Dunst Türme heraus, es riecht nach Weite, nach hitzebrütender Ebene, schon rattert die erste Straßenbahn heran, wie Trauben hängen heimkehrende Arbeiter daran: zu Stein und Staub, zu Lärm und Zwang wird das grüne, lustige, freie Bergleben.

Bologna.

Fragen Sie einmal den Nächstbesten, was hinter Bologna kommt! Oder, wenn es ein weltkundiger Mann ist, der schon einmal bis Forli oder Florenz den Wanderstock trug, was eigentlich vor Bologna kommt. Er wird in Tiefsinn versinken und endlich bekunden: Was da kommt? Eigentlich nichts!

Hier ist keine Gegend, um mit dem Berliner zu sprechen. Modena, Parma, Ferrara wer kann das auseinanderhalten? Endloses, mit Maulbeer­bäumen abgestecktes, gestückeltes, katalogisiertes Grün, die fruchtbare Po-Ebene, wie es im Geogra­phiebuch heißt. Der Rhein verliert fein Gesicht, er wird auch charakterlos. Ein Fluß wie hundert an­dere, ohne besondere Kennzeichen. Einmal stößt er mit einem toten Po-Arm zusammen, man kennt beide nicht auseinander. Die Ebene macht alles gleich. Im Winter, im Herbst, im Frühling sind Nebel hier, und dann liest man in der Zeitung, daß ein Auto in den Fluß geraten ist. Kann auch ein Kanal sein.

Vor Ferrara besinnt sich der Rhein daher eines Besseren, kehrt um, es sieht aus, als wolle er in feine Berge zurücklaufen. Da aber besticht ihn auf einmal eine andere Weite, eine maßlos eintönige, aber blaue Fläche: das Meer.

In Wirklichkeit ist es freilich erst das Lagunen- gebiet von Comacchio, doch darf man die Täuschung verzeihen. Fischerbarken mit grellfarbenen und bunt­bemalten lateinischen Segeln fahren so dicht an den Reno heran, daß er sich seiner hohen Bestimmung schon hingegeben fühlt. Noch ein kurzer Gang, da weitet sich ihm die Brust, er sieht Angler auf sich zulaufen, ein anderer Strom fließt, stürzt, schlüpft, preßt in ihn hinein, Aale, lauter Aale, es zerreißt ihn das Neue, ein stechend blaues Licht bricht un­geheuerlich auf, es ist nicht mehr zu unterscheiden zwischen Himmel und Wasser, und mit weiter er- \ gebener Gebärde verströmt er sein Blut ins Meer, 1 geht auf im Unendlichen.

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Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

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Am italienischen Rhein.

Von unserem römischen E.-Korrespondenien.

Rom, im Juli.

Auch Italien hat seinen Rhein. Er heißt genau so wie sein nördlicher Bruder, Rhenus im Lateini­schen uni) Reno im Italienischen, und bei Licht betrachtet, beim nicht immer ganz zuverlässigen Licht der Etymologen nämlich, wäre das gar nicht so verwunderlich. Wundern muß man sich vielmehr darüber, daß nicht noch mehr, viel mehr große Flüsse so heißen, denn wenn das Wort wirklich keltischen Ursprungs ist, wie die Sprachforscher be­haupten, so bedeutet es einfach so viel wie Strom.

Man geht über viele reizvolle Wörter hinweg, ohne es zu wissen; wie viele Reisende aus dem rechtsrheinischen Deutschland in Konstanz eintreffen, ohne zu ahnen, daß sie über den Rhein gefahren sind. Und zwar auf der ersten Brücke, die über den heiligen Strom der Deutschen führt.

Hand aufs Herz: Wer unter den Millionen und aber Millionen von Rompilgern, wer weiß, daß er, mann er und wo er über den italienischen Rhein

warme Haare, geröstete Haut, Dornriste an den Armen, Schrammen an den Beinen und zerfetzte Schürzen. Sie duften nach Heu, frischgemähtem Gras, nach herbem Fichtenharz, nach abgeschältem Holz, nach plötzlichen Regenspritzern, nach Staub und Blättern. Ein Mädchensommer sitzt gerne am warmen Rain mit der Puppe im Schoß und ver­spielt die Tage im Sand, und wenn er aufgestanden ist, bleiben Kuchen aus Erde und vergessene Blech­formen zurück. Ein Mädchensommer radelt, schwimmt, wandert, blitzt mit hellen Kleidern in den Wäldern auf, hat bunte Märchenbücher in den Händen, far­bigen Bast und farbige Wolle, trinkt an Brunnen­röhren, lagert sich schnatternd im großen Linden­schatten, sucht Muscheln und glitzernden Glimmer, Bernstein, wenn er am Meere ist, und tritt mit blauem Emaillebecher an das sonnendurchglühte Himbeergesträuch. Mädchensommer besuchen die runzligen Großmütter auf dem Lande, besprengen aus Gießkannen die Gartenbeete und schielen voll Neid nach dem Knabensommer, dessen Lungenkraft, Wildheit und Ungestümheit sie mit Bewunderung erfüllt. Mädchensommer schenken einer Landschaft Heiterkeit, Helle, Wärme, Gezwitscher und Ge­lächter, Liederfetzen, alte Kinderreime und Reigen­tänze. Ein Mädchensommer, wenn er unter Blu­men, Vogelnestern, zwischen Hecken und Garten­zäunen sich bewegt, ist wie ein Volkslied, schön und innig.

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neuert werden. Der Fremdenverkehr ist volkswirt­schaftlich so wichtig, weil die Zahl der Volksgenossen, die von ihm leben, mindestens 15 Millionen beträgt.

Der Fremdenverkehr ist aber auch nicht etwa eine Angelegenheit der Reisebüros, sondern eine Ange­legenheit, die den Volks- und Staats- haushalt unmittelbar angeht. Jedoch es darf nicht immer nur die Sache der Deutschen sein und bleiben, wieder im eigenen Lande zu reisen, son­dern es ist volkswirtschaftlich notwendig, Deutsch­land zu einem Reiseland zu machen. Die Vor­aussetzungen dazu sind gegeben, denn Deutschland verfügt nicht nur über Seebäder, Kurorte in den Mittel- und Hochgebirgen, es verfügt auch Über Heilbäder, wie sie in dieser Bedeutung sonst nicht anzutreffen sind. Der Fremdenverkehr ist nicht mehr eine Sache der Sommermonate, sondern er ersaßt das ganze Jahr. Es ist nicht nur der Wintersport, der diese Wandlung vollzogen hat, es ist auch die Erkenntnis, daß Deutschland von der Natur so glück­lich und reichhaltig ausgestattet ist, daß es zu jeder Zeit möglich erscheint, nicht nur Erholung, sondern auch ein lohnendes Reiseziel zu suchen und zu finden.

Was vor 30 Jahren vielleicht noch als Luxus gelten konnte, ist heute als Fremdenverkehr eine volkswirtschaftliche und soziale Notwendigkeit geworden. Sozial auch des­halb, weil die NS. - GemeinschaftKraft durch Freude" es jedem Volksgenossen möglich macht, sich ein Reiseziel zu suchen, das nicht unbedingt inner­halb der deutschen Grenze zu liegen braucht, das aber auf deutschen Schiffen zu erreichen ist. Noch vor dreißig Jahren war Urlaub für Arbeiter und Angestellte eine Seltenheit! Je mehr der Deutsche wieder wandert und reift, je mehr sich die Kennt­nis der heimatlichen Gaue ausweitet, desto enger und unlösbarer wird seine Verbundenheit mit dem deutschen Boden. So ist der Fremdenverkehr zu einer Sache der Politik geworden, gerade so, wie die Germanenzüge und Kaiserfahrten in den Anfängen der deutschen Geschichte.

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Oberst Lindbergh in Döberih.

Oberst Lindbergh besichtigte die Anlagen und Einrichtungen der Fliegergruppe Döberitz des Jagdgeschwaders Richthofen. Im Anschluß hier­an fand ein kameradschaftliches Zusammensein im Offiziersheim statt.

LuftschiffHindenburg" in Rio.

Das LuftschiffHindenburg" traf Freitag früh 5 Uhr (9 Uhr MEZ.) mit 34 Passagieren über Rio ein und machte in der Luftschiffhalle von Santa Cruz um 7.15 Uhr (11.45 Uhr MEZ.) fest. Die Abfahrt erfolgt heute (Samstag). Das Luftschiff ist wieder voll besetzt.

Sd^roerer Aerkehrsunfall in Kassel.

In Kassel ereignete sich ein schwerer Ver­kehrsunfall. Der Führer eines Lastkraftwa­gens, der einem Motorradfahrer ausweichen wollte, das ihm entgegenkam und mit einem Ehepaar be­setzt war, steuerte seinen Wagen auf den Bür­gersteig und fuhr dabei in eine Gruppe spie­lender Kinder. Ein fünf Jahre alter Knabe wurde sofort getötet, ein Mädchen so schwer verletzt, daß an seinem Aufkommen gezweifelt wird. Das Motorrad wurde auch noch erfaßt und zur Seite geschleudert. Die Frau des Motorradfah­rers, eines Lehrers aus Mülheim, wurde dabei so schwer verletzt, daß sie nach kurzer Zeit st a r b. Die Schuldfrage ist noch nicht geklärt.

Trauer um 14 deutsche Seeleute.

Der Führer der deutschen Seeschiffahrt, Staats­rat Esseberger, und der Gauinspekteur See­schiffahrt der Auslandsorganisation der NSDAP., Wermke, haben im Hinblick auf das ungewisse Schicksal des DampfersW a g r i e n", der seit dem 18. Juli überfällig ist und von dem man an­nehmen muß, daß er in den Sturmtagen des 16. bis 18. Juli in der östlichen Ostsee mit feiner 14-

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rundlichen Fingern, Helle Kleider, farbige Bänder, k^oße Strohhüte und von Heitelbeersaft befleckte läppen. Wo Mädchensommer oorbemehen, sind turnen verstreut, welkender Löwenzahn, zerblat- t-rter Klatschmohn und zerpflückte Kornblumen; >ohannisbeerträublein sind liegengeblieben und v eihe Kirschkerne. Mädchensommer streift am länd­lichen Bach entlang, watet mit nackten Fußen über diinnrieselndes Muhlenwehr, erschrickt vor hupsen- df n Fröschen, vorüberglitzernden Blindschleichen und zschenden Gänseherden. Auch er macht Geschrei im lorf, in der Gasse, am Fluß, am Waldrand, auf b-r Abendtreppe und im Gartenweg, der m oer neiden Landstraße versinkt. Mädchensommer liebt bin gelben Schmetterling, den rollenden Reif, den D»n Hand zu Hand springenden Ball, das Plantschen i in Wasser, das dahintreibende Boot, das Winken / mit Tüchern, das Spiel mit jungen Hunden und dcs achtsame Bestaunen einer aus dem Nest ge- jaLIenen Grasmücke. Mädchensommer haben sonnen-

Kunst und Wissenschaft.

FestlicheWalküre" in Bayreuth.

Die zyklische Aufführung desNibelungen- Ringes" in Bayreuth wurde mit derWal­küre" fortgesetzt. Wieder wohnte der Führer der Vorstellung bei. Außer den Reichsministern Generaloberst Göring, Dr. Goebbels und Dr. Schacht sah man unter den neuangekomme­nen Festspielgästen den Reichskriegsminister, Ge­neralfeldmarschall von Blomberg und den Oberbefehlshaber des Heeres, Generaloberst Frei­herrn von Fritsch. Das gesellschaftliche Bild, das sich allabendlich im Vorgarten des Festspielhauses zu entwickeln pflegt, war an diesem Tage besonders vielgestaltig. Die Verehrer Wagnerscher Musik aus aller Welt fanden sich wieder ein und tauschten begeistert ihre Eindrücke aus. In vielen Sprachen tat sich die Bewunderung über den herrlichen Kunstgenuß des Tages kund, und in das Lob der Ausländer mischte sich der Stolz der deutschen Besucher.

Im Verlauf der diesjährigen Festspiele stellt dis Aufführung derWalküre" einen Höhepunkt bar. Es war ein Triumph der Festspielidee im Sinne des Außergewöhnlichen und einer stetigen Arbeit, die seit mehreren Jahren von Heinz Tietjen als Regisseur und Emil Preetorius als Büh­nenbildner geleistet wird. In Wilhelm Furt­wängler erhielt diese vorbildliche Werkgemein­schaft einen gleichwertigen Dirigenten, der, über­raschend schnell mit den besonderen Klangverhält- nissen des Festspielhauses vertraut geworden, der Aufführung plastische Umrisse, mitreißende Bewe­gung und unvergeßliche musikalische Akzente gab.

Im Rahmen dieser beispiellosen Wiedergabe des ersten Hauptwerkes der Nibelungen-Trilogie nahm der erste Akt wiederum eine Sonderstellung ein; es gelang der Kunst Maria Müllers und Franz Völkers, das wundersame Erkennen Siegmunds und Sieglindes zu einem darstellerischen und ge­sanglichen Erlebnis von außergewöhnlicher Ein­dringlichkeit zu gestalten. Joseph von M a n o warda war ihnen als Hunding ein unheimlich bedrohender Gegenspieler. In den Götter- und Walkürenszenen der beiden anderen Auszüge stan­den in Rudolf Bockelmann und Margarethe Klose klassische Vertreter desWodan" und der Fricka" auf der Bühne. Eine Brünnhilde von un­gewöhnlichem stimmlichen Format verkörperte Frida Leider. Mit ausgewählten Stimmen war das Walküren-Ensemble besetzt. Die Aufführung fand nach jedem Akt außerordentlich starken Beifall, obwohl die Künstler nach Bayreuther Brauch den Dank der Zuschauer nicht persönlich entgegen­nahmen.

hessen-nassauische Künstler

auf der Olympischen Kunstausstellung.

Die Landesstelle Hessen-Nassau der Reichskammer der bildenden Künste hatte wie überall in Deutsch­land die besten Werke bedeutender Künstler des Gaues ausgewählt und zur olympischen Kunstausstellung eingesandt. Dabei war allerdings die Bedingung zu erfüllen, daß dis Kunstwerke sich in irgendeiner Weise mit dem Sport beschäftigen. Von den eingesandten A r - beiten aus Hessen-Nassau hat die Jury fünf Werke zum internationalen Wettbewerb zuge- lassen und auf der olipnpischen Kunstausstellung ausgestellt. Die fünf Künstler, die somit Hessen- Nassau auf ter großen Schau vertreten, sind Ha­rold Winter- Oberursel mit einer Skiläuferpla­ketteAbfahrtslauf", der Bildhauer Richard Mar­tin Werner- Frankfurt mit einer PlastikStar­tende Läuferin", der Bildhauer Prof. Hermann G e i b e l - Darmstadt mit einer PlastikSitzender Boxer", der Maler Alexander Posch- Darmstadt mit einem Gemälde ,Vor dem Tore" und der Ma­ler Heinrich H o e l - Frankfurt mit einem Bild Eishockey".

Hauptsache geworden; die Zahl der Personen, die unmittelbar und mittelbar auf den Fremdenverkehr angewiesen waren, wuchs immer mehr. Heute ist der F r em d e n v e r ke h r eine der Tragsäulen der deutschen Volkswirtschaft geworden. Die volkswirtschaftlichen Werte, die im Fremden­verkehr angelegt sind, erschöpfen sich nicht nur in den Gasthöfen, sondern erfassen auch die Verkehrs­mittel und Wege, unter denen die Reichsbahn an erster Stelle steht. Der Personenverkehr der Reichs­bahn ist heute wesentlich Fremdenverkehr, was auch dadurch zum Ausdruck kommt, daß sechs bis sieben Zehntel aller Fahrten, die die Reichsbahn besorgt, zu Vorzugstarifen geschehen, die die Reichs­bahn für den Fremdenverkehr eingerichtet hat. Das ist mit Einschluß der Gepäck- und Güterbeförderung für den Fremdenverkehr an sich schon ein Umsatz von eine Milliarde Mark, wozu noch kommt, was sich auf den deutschen Land- und Kraftverkehrsstraßen vollzieht. Ohne die Entwicklung des Kraftverkehrs wäre die volkswirtschaftliche Bedeutung des Frem­denverkehrs nicht so groß. Der Kraftwagen hat nicht nur den Fremdenverkehr beeinflußt, er hat auch das Wohnbild der deutschen Städte und Orte umgeftaltet. Der Kraftwagen macht es möglich, Deutschland vom Memelufer bis zu den südlichen Ausläufern des Schwarzwaldes kennenzulernen; ebenso von den Eifelbergen bis zu den einsamen Hängen und Dörfern des Bayerischen Waldes. Der Führer hat selbst einmal gesagt, daß es der Kraft­wagen fei, der ihm die Wunder und Schönheiten der deutschen Landschaft offenbart hätte, Wunder und Schönheiten, die so dicht beieinander liegen wie in keinem anderen Lande Europas. Wie hoch die Summe ist, die im Kraftwagenverkehr steckt, ist ebenso schwer zu schätzen, als die Summe, die für die Herstellung und die Entwicklung des Gasthof­wesens in Deutschland unter dem Einfluß des Frem­denverkehrs angelegt ist. Diese Summen, die einen beträchtlichen Teil des Dolksvermögens ausmachen, die das Volksvermögen sogar tragen helfen, müssen aber nicht nur verzinst, sondern vielfach wieder er=

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Gommer der Kindheit.

Don Anton Schnack.

Knabensommer.

Die Knabensommer schmecken noch lange nach Sonne, Fischschuppen, Teerflecken, trockenen Sand- taufen, Muscheln und Schlickbrei. Knabensommer ind verwilderte Gesellen, dunkelbraun und voller Geschrei. Sie bringen den Duft von Heu, Baum- iinte, grünen Aepseln, zerquetschten Erdbeeren und Wassertümpeln mit nach Hause. Zu einem Jtnaben- pmmer gehören Schweißtropfen, viel Wasser, Boote, tin Ball, Bogen und Pfeile, Steinschleudern, ein ilngelstecken, ein Luftgewehr, Flußränder, nackte früjje, Gartenmauern, Wiesengräben, Schlupfwinkel, trommeln, Badehosen, schnelles Laufen, Psilfe, verschmitzte Blicke und Wichtigtuerei. Ein Knaoen- ^mmer erfüllt eine ganze Landschaft mit Lärm, Tumult, Ueberraschungen, Unbotmäßigkeit, Leden, "ru^s und Rudeln. Knabensommer haben er= dberungsgierige Augen, fröhliche Gesichter, Hunger, Innge Nachmittage, eine Freiheit ohnegleichen, sind halb nackt und von unverwüstlicher Gesundheit. Schön sind sie, Paradiese, selige Robinsomnseln. lind hat ein Knabensommer Sandkörner zwischen len Zehen, Spreißeln im Gesäß, einen verbrannten Lücken, verklebte Haare, Vogelfedern in der Tasche, runde Kiesel in der Hand und zerkratzte Berne, so r*ar er wie eine Ballade, glorreich und abenteuerlich.

köpfigen Besatzung untergegangen ist, einen Auf­ruf erlassen. Es heißt darin:Die gesamte deutsche Seeschiffahrt nimmt erschüttert Anteil an dem Schicksal ihrer in treuer Pflichterfüllung unter­gegangenen Berufskameraden. Alle deutschen Seeschiffe setzen am Samstag, dem 25. Juli, ihre Flaggen auf Halbmast."

Raubmörder festgenommen.

An der t irolisch-bayerischen Grenze bei Landl wurde durch Gendarmerie- und Forstbeamte der von den reichsdeutschen Behörden wegen Raubmor­des verfolgte 33 Jahre alte Otto Theißaus Otter­berg (Pfalz) feftgenommen und in das Gericht nach Kufstein eingeliefert.

Wir suchen den besten Zeitungsroman."

Der Einsendungstermin zu dem von der Reichs- schrifttumsstelle beim Reichsministerium für Volks­aufklärung und Propaganda ausgeschriebenen Wett­bewerbW i r suchen den beften deutschen Zeitungsroman" ist in diesen Tagen ab­gelaufen. Zu dem Wettbewerb sind mehr als 400 Arbeiten eingegangen, die jetzt dem Preisgericht vorgelegt werden. Diese Zahl mag am besten be­weisen, wesHes Interesse man im Reich und dar­über hinaus der neuen Aktion der Reichsschrift­tumsstelle entgegengebracht hat. Nach gewissen­hafter Prüfung durch die Reichsschrifttumsstelle sollen die Preisträger während derWoche des Deutschen Buches 1936" bekanntgegeben werden. Die drei ersten Preise betragen, wie bekannt ist, 5000 RM 3000 RM. und 2000 RM. Die preis­gekrönten Romane werden außerdem in der Zeit­schriftDeutsche Wochenschau" veröffentlicht.

10 Todesfälle nach Genuß von Kamelfleisch.

In El Matania bei Kairo erkrankten nach dem Genuß von Kamelfleisch 90 Personen an schweren Vergiftungserscheinungen. Zehn von ihnen starben vor der Einlieferung ins Krankenhaus.

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Fremdenverkehr und Volkswirtschaft.

Don Or. Ian Eißen.

Die Deutschen sind immer ein wanderfrohes Volk gewesen. Die Germanenzüge nach Südeuropa mnb Nordafrika, die Völkerwanderung, sowie «schließlich die Fahrten ter Sachsen- und Staufen- Kaiser nach Italien waren in der Hauptsache hohe Politik sind indessen auch soziologisch zu werten, haben also etwas an sich, was nach echter deutscher Wanderlust aussieht. Heute sind es nicht mehr die Sippe und der Stamm, auch nicht die große Po­litik, die Wanderlust und Wanderziel bestimmen, sondern vor allem die Verkehrsmittel und die Derkehrstechnik, endlich auch der Reiz, den das Reiseziel ausübt. Vor 135 Jahxen konnte ein Seume noch nach Syrakus zu Fuß wandern, um darüber ein wundervolles Buch zu schreiben, das noch immer zu den Perlen der deutschen Dichtung ! gehört. Heute steht für eine Fahrt nach Syrakus der O-Zug oder das Flugzeug bereit, wenn man ' *s nicht vorzieht, die Reise im eigenen Kraftwagen 5u machen. Heute kann die Fahrt nach Syrakus in ! ebensoviel Stunden erledigt werten, wie zur Zeit Seumes in Monaten. Als die Postkutsche dem Dampfwagen weichen mußte, war das auch eine Umwälzung des Fremden- oder Reiseverkehrs. Deutsche Wanderlust war im 19. Jahrhundert noch ungebrochen; dieser Wanderlust verdanken wir auch dieNaturgeschichte des deutschen Volkes" von Wilhelm Heinrich Riehl. DieseNaturgeschichte" ist buchstäblich erwandert und erlebt worden; sie ist darüber hinaus ein Zeugnis für das sinnvolle Wandern, das sich darauf stützt, daß der Wanderer nicht nur das Straßennetz kennt, sondern auch die Jeschichte des Gebiets, das er durchwandern will.

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurde der Fremdenverkehr in Deutschland eine Sache, die aus »em Bereich des persönlichen Erlebens hinaustrat, um in die Volkswirtschaft und in die Statistik, da­mit aber auch in die Steuer und Finanzpolitik hin­überwechseln. So tief die Wanderlust dem Deut- >chen im Blute steckt, so mußte erst doch der wirt- chaftliche und soziale Aufstieg nach den Einigungs- 1 riegen kommen, um die Deutschen aus den Gassen ond Häusern ihrer Wohnstätten herauszuholen. Noch m den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts galt eine Jftfjeinreife für eine Angelegenheit, die nur den Be­güterten zugänglich war, während die Masse in »en Großstädten sich in der Regel mit sonntäglichen Vremserfahrten begnügte. Erst der wachsende Wohl- tianb im Zweiten Reich gestaltete den Fremdenver­ehr in Deutschland um; nicht zum Vorteil der deut- Kfjen Wirtschaft. Die Deutschen fingen zwar wie- [ »er an zu reifen, aber das Reiseziel lag häufig außerhalb der deutschen Grenzen, lag in Italien so­wie in den Spielhöllen an der Riviera. Um das Jahr 1910 wurde einmal berechnet, daß die Summe, die die Deutschen, seitdem sie mit der Gotthardtbahn ! d eschleunigt nach Mailand und Genua kommen tonnten, in die Spielhöllen nach Monte Carlo eine Summe gelegen hätten, die höher sei, als die 1871 j.on Frankreich gezahlte Kriegsentschädigung von P ier Milliarden Mark. Verhältnismäßig hoch, □enn auch nicht so hoch wie der an Monte Carlo intrid)tete Tribut, war die Summe, die die Deut­schen nach der Schweiz, nach den österreichischen lllpenländern und in die holländisch-belgischen See- I über trugen. Dabei mar und ist Deutschland an Raturschönl>?iten sowie am Heilwert seiner Bäder r emessen, ebenso reich, wenn nicht noch reicher, c(s jedes andere Land Europas. Dos von den Deut- 1 ti)en nach der Schweiz und nach anderen soge­nannten Reiseländern ausgeführte Kapital war es, : as das großzügig gestaltete Gasthauswesen in die- Isn Ländern überhaupt erst möglich machte. Die Sfr--nTven * elfen nicht ins Ausland; die Italiener euch nicht, während die Engländer zahlenmäßig nicht so stark sind, um die internationalen Kurorte u bevölkern.

Schon vor dem Kriege war auch der Fremdenver­kehr in Deutschland aus einer Nebensache zu einer

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