Ausgabe 
25.5.1936
 
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M.120 Erster Blatt

18b. Jahrgang

Montag, 25. Mai 1936

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Albert Leo Schlageter

am 26.Mai 1923 von denFranzosen erschossen

N S G. Ein leuchtender Bergfrühling breitet sich über die herrlichen Täler und Höhen des badischen Schwarzwalües.

Droben auf dem Belchen liegt an diesem Früh­lingstag Albert Leo Schlageter im Grase und träumt in die unendliche Weite des hellblauen Himmels. Weit, weit zurück in die Vergangenheit gehen feine Gedanken. Er erinnert sich der Tage, da die Abiturienten Freiburgs zur Fahne eilten; auch er war unter ihnen gewesen, denn der Krieg war über das friedliche Deutschland gekommen.

Sein Traum führt ihn jetzt wieder in die Mitte seiner Kameraden von der Batterie, die er bald als 23jähriger Leutnant führen durfte. Kemmel, Ver­dun, Hartmannsweilerkopf und Flandern EK. II. und EK. I., das alles fliegt vorbei, als wäre es ein Erlebnis von Stunden gewesen. Und dann tarn das Ende, das furchtbare Ende, das ihm die Tränen der Scham in die Augen getrieben hatte, als er auf dem Rückzug bei Köln über den Rhein gezogen war. In der kleinen Garnisonstadt seiner badischen Heimat hatte er'dem Arbeiter- und Sol­datenrat die Zähne gezeigt, doch die Schande des Zusammenbruches blieb.

Seine Versuche, das 1915 unterbrochene Studium wieder aufzunehmen, waren gescheitert. Das Schick- al seines Vaterlandes halt? ihm keine Ruhe mehr gelassen. Wieder war er hinausgezogen: Das Schick- al der Deutschbalten hatte ihn zum Freikorps Dlebem geführt. Vor Mitau und in den Rigaer Sttaßenkämpfen hatte sich seine Batterie in mehr­fachen Handstreichen hervorgetan. Sie ernteten feinen Dank, sie waren verlassen. Alles war gegen sie: die Letten, die Esten, die Litauer, die ganze Welt, ja, sogar die Heimat verkaufte sie im Ver­sailler Friedensvertrag. So wurden sie Lands­knechte, die nur noch an ihre Karabiner und Ka­nonen glaubten. Im Dezember 1919 hatte Major v. Löwenfeld die letzte Schar der deutschen Le­gion über die deutsche Grenze nach Tilsit geführt.

Die Batterie Schlageter wurde zur 3. Marine- Brigade geschlagen, die als Grenzschutz in Ober­schlesien stand. Diese Brigade wurde jedoch zunächst im Bürgerkrieg im Ruhrgebiet eingesetzt. Es war ein schwerer Kampf, ein Kampf, der die Tragödie Rußlands von deutschem Boden abhalten sollte. Boltrup und Gladbeck sind Namen der Erinnerung für das Heldentum Schlageters und seiner Batterie. Nach der Auflösung der Brigade Löwenfels trat kurze Ruhe ein.

Inzwischen hatte Korsanty in Oberschlesien den Krieg im Dunkeln organisiert. Polnischer Terror und französische Justiz versuchten, in Oberschlesien auf die Abstimmung einzuwirken. Eine Gruppe verwegener Männer unter Heinz Hauen st ein nahm den Kampf gegen die Polska Organisacija Wo- jenna (P. O. W.) auf. Es folgten Monate unerhört erbitterter Kleinkämpfe gegen den Terror der Bo- jowka, der Freibeuterorganisation Korfantys. Das Abstimmungsergebnis brachte über 60 o. H. der ab­gegebenen Stimmen für Deutschland, das war das Ergebnis des polnischen Terrors.

Und während die polnische und die französische Regierung sannen, dieses Abstimmungsergebnis auf dem Wege heuchlerischer Diplomatie oder mit Ge- wählt nichtig zu machen, war Schlageter zum ersten Mal nach der Revolution nach Schönau, seiner Hei­mat gereist. Die Eltern und Geschwister hatten ihn mit Freude und Stolz empfangen, und bis heute hatte er die schönen Frühlingstage genossen, genau so wie jetzt, da er in der Sonne liegt und aufwacht wie nach einem Traum. Und jetzt? Ein Stück Papier mahnt ihn an eine freiwillige Pflicht; dieses kleine Stück Papier, ein Telegramm von Hauen­stein, hatte ihn herausgerissen aus dem Rausch der Frühlingsstimmung. Er war auf den Belchen ge­stiegen, um Abschied zu nehmen von der Heimat, denn nur Gott konnte wissen, ob er seine Heimat noch einmal schauen durfte.

Wieder griff der Pole nach deutscher Heimaterde: in Oberschlesien war der flammende Aufruhr aus- gebrochen, die Eifenbahnbrücken längs der Dernar- kationlslinie waren in die Luft geflogen, französische Offiziere der Okkupationsarmee organisierten pol­nische Jnsurgentenformationen; kurz, es war ang- gemessen, vollendete Tatsachen zu schaffen, so hatte Hauenstein geschrieben.

So kommt Albert Leo Schlageter zum zweitenmal nach Schlesien. Aus einem Waffenlager der Reichs- treuhandgefellschaft, wo in Erfüllung des Versailler Vertrages deutsche Waffen verschrottet wurden, baut sich Schlageter in aller Eile ein altes Gebirgsgeschütz Zusammen. Wieder folgen Serien kriegerischer Epi­soden: Gogolin, Strebinow, Annaberg. Dann wieder Kleinkrieg, Geplänkel, Reibereien mit den Fran­zosen, die die polnischen Jnsurgentenhaufen unter­stützen, wo immer sie nur können. Die letzte größere Kampfhandlung in Oberschlesien ist der Vorstoß auf Slaventzitz. Da greifen d i e Engländer ein. Der General Hennecker erscheint mit englischen Regi­mentern, um die Ruhe und Ordnung im Abstim­mungsgebiet wieder herzustellen. Die Franzosen wer­den ausgeschaltet. Der Jnsurgentenspuk ist zu Ende, der Völkerbund fängt an.

In knapp einem Monat hat die Demobilisation die Freikorps in alle Winde zerstreut. Schlageter bemüht sich, seine Leute im bürgerlichen Leben unterzubringen. Einen Teil bringt er als Land­arbeiter unter, der andere geht zurück in die Zechen und Gruben des Industriegebietes.

Der Wahnsinn der Inflation hat inzwischen be­gonnen, noch immer ist keine Ruhe im Lande. Hier und dort flackern alte Brände noch einmal kurz auf. Begriffe wie Arbeit und Ehre sind dem deut­schen Volk fremd geworden. Gewinn und Vergnü­gen ist die Devise. Schlageter geht als deutscher

Oie Kammerwahlen in Belgien.

Niederlage der alten Parteien. - Großer Wahlerfolg der Rex-Bewegung.

Brüssel, 25. Mai. (DBB. Funkspruch.) In Belgien fanden am Sonntag die Dahlen für Kam­mer und Senat statt. Der Wahltag verlief im allgemeinen ruhig. Rach einer halbamtlichen Mit­teilung wird sich die neue belgische Kam­mer folgendermaßen zusammensehen:

Belgische sozialistische Arbeiterpartei 70 Sitze

Katholische Partei 63

Liberale Partei 23

Rex-Bewegung 21

Rational-flämischer Block 16

Kommunistische Partei 9

202 Sitze.

Dieses Gesamtergebnis düxfte endgültig sein. Demnach haben also verloren die Sozialisten 3, die Katholiken 16, die Liberalen 1 Sih. Gewon­nen haben der Rational-flämische Block 8 Sitze und die Kommunisten 6 Sitze. Die neue Partei Rex zieht mit 21 Abgeordneten in die Kammer ein.

Die Wahl hat der Katholischen Partei eine schwere Niederlage gebracht. .Auch die So­zi a l i st e n haben allerdings in weniger starkem Maße Stimmen- und Mandatsverluste zu ver­zeichnen, und die Liberalen sind ebenfalls zu- rütfgegangen. Die Niederlage dieser drei Parteien, die in den vergangenen Jahrzehnten ständig die Regierungsgewalt miteinander geteilt haben, er­klärt sich im allgemeinen aus der ständig zuneh­menden Abneigung der Bevölkerung gegen den Parlamentarismus und das Parteiensystem und im besonderen aus gewissen Finanzskandalen, in die die Katholische und die Sozialistische Partei verwickelt waren, und die namentlich von dem Führer der Rex-Bewegung ans Licht der Öffentlichkeit gebracht worden sind.

Als Sieger sind aus dem Wahlkampf d i e extremen Parteien hervorgegangen, und zwar Rexisten, flämische Nationalisten und Kom­munisten. Den größten Erfolg haben die Rexisten zu verzeichnen. Der Erfolg der Kommunisten ist besonders stark in den wallonischen Jndustriebe- zirken, aber auch in Brüssel haben sie ihre Stim­menzahl erheblich erhöhen können. Die vor kaum Jahresfrist erfolgte Wiederanknüpfung der diplo­matischen Beziehungen zwischen Sowjetrußland und Belgien hat nach einer am Sonntag in politischen Kreisen vielfach geäußerten Ansicht sehr schnell ihre Früchte gezeitigt.

Für die Zusammensetzung der Zünftigen Regie­rung hat der Wahlausgang hierfür insofern neue Tatsachen geschaffen, als die Katholische Par­tei, die seit beinahe einem Jahrhundert die stärkste Gruppe im belgischen Parlament war, nun an bie zweite Stelle gerückt ist. An ihre Stelle sind trotz ihrer Stimmen- und Mandatsverluste die Sozialisten getreten, der Präsident der zweiten Internationale, van der Velde, hat nun den Anspruch auf die Ministerpräsidentschaft erhalten. Ob die Sozialisten auch tatsächlich die Führung der nächsten Regierung übernehmen werden oder ob sie aus taktischen Gründen wiederum sich mit einer neutralen Persönlichkeit, z. B. mit dem keiner Par­tei angehörenden jetzigen Ministerpräsidenten van Z e e l a n d abfinden, wird die nächste Zukunft zei­gen. Man nahm aber heute morgen an, daß auch

die neue Regierung wieder eine Drei-Par- teien-Regierung sein werde, die sich wie­derum aus Sozialisten, Katholiken und Liberalen zusammensetzen wird. Es besteht aber kein Zweifel, daß eine solche Regierung im Parlament auf größere Schwierigkeiten st o ß e n wird als die vergangene und zwar im Hinblick auf die stärker gewordene, wenn auch in sich uneinige Opposition, die ihr jetzt gegenübersteht. Da die Katholiken in den wallonischen Provinzen stär­kere Verluste erlitten haben als in Flandern, wird die katholische Fraktion in Kammer und Senat künftig in der Mehrzahl aus Flamen bestehen, was im Hinblick auf die Außenpolitik der neuen Regierung sicher zu begrüßen ist, denn die schärfsten Gegner einer großzügigen Derständi- gungs- und Friedenspolitik sind neben den Libera­len immer die wallonischen Mitglieder der Katholi­schen Partei gewesen. Dienstag tritt der Minister­rat zusammen, wahrscheinlich um den Rücktritt der jetzigen Regierung zu beschließen.

Die Wahlen in Enpen-Mlmedy.

Brüssel, 25. Mai. (DNB.) Im Gebiet von Eupen, Malmedy und St. Vith, wo die

London, 25. Mai. (DNB. Funkspruch.) Die politische Stellung Baldwins und die bevorstehende Neubesetzung einiger Kabinettsposten stehen im Mittelpunkt der Pressebetrachtungen. DieTimes" spricht den Wunsch aus, daß der Ministerpräsident bis zur Königskrönung im nächsten Jahre die Füh­rung der Staatsgeschäfte beibehalte. Man hoffe, daß Baldwin sich zwei Hauptaufgaben gestellt habe, be­vor er fein Amt mit gutem Gewissen niederlegen könne. Die erste Aufgabe sei die, dem neuen König während einer schwierigen Uebergangszeit als ver­trauter Berater zur Seite zu stehen. Die zweite Aufgabe bestehe darin, einen endgültigen Beitrag zur Befriedung Europas zu liefern, wo­mit in allererster Linie eine bessere Verstän- bigung mit Frankreich und Deutsch­land und zwischen diesen beiden Staaten gemeint sei. Das sei eine Aufgabe, die dem innersten Wunsche Baldwins entspreche und zu deren Durch­führung das Ansehen eines erfahrenen Minister­präsidenten erforderlich fei. Je eher diese Aufgabe vorwärts gebracht werde, um so besser sei es. Es sei nicht der mindeste Anlaß vorhanden, auf die Regelung des abessinischen Problems oder auf die Schaffung der neuen französischen Regierung zu warten. Die Bemühungen um eine klare Verstän­digung mit Deutschland brauchten nicht durch die innerpolitische Lage eines anderen Landes verzö­gert zu werden, da England allein mit dieser Sonder­mission beauftragt sei. Der nächste Schritt müsse eine öffentliche Antwort Berlins auf eine Reihe von britischen Kommentaren fein, deren Veröffent­lichung unglücklicherweise notwendig geworden sei. Mit diesem Meinungsaustausch sollte jedoch diese Langstreckendiplomatie beendigt fein und eine ver­nünftige Besprechung am Konferenz­tisch beginnen. Es wäre ein großes Unheil, wenn gerade in dem Augenblick, wo diese Besprechung

Heimattreue Front zur Abgabe weißer un­gültiger Stimmzettel als Protest gegen die Politik der altbelgischen Parteien und der Brüsse­ler Zentralgewalt aufgefordert hatte, ist die Parole der Heimattreuen Front von der Mehrheit der Bevölkerung nach den bisher vorliegenden Meldungen befolgt worden. Es find rund 9000 ungültige und weiße Stimmzettel ab­gegeben worden.

Etwa die gleichen Stimmenzahlen haben die ge­samten altbelgischen Parteien erhalten. Aeußerlich halten sich also beide Fronten die Waage. Es ist aber zu berücksichtigen, daß von den altbelgischen Stimmen 2000 bis 2500 Stimmen auf nichtein­gesessene Altbelgier entfallen, die im Ge­biet von Eupen, Malmedy und St. Vith ihren Wohnsitz haben. Die Mehrheit der Bevölkerung hat sich also gegen die altbelgischen Parteien gewandt und sich zur Heimattreuen Front bekannt. Die Sozialisten haben im ganzen Gebiet von Eupen, Malmedy und St. Vith starke Verluste zu verzeichnen. Die Katholische Union hat hier ihre Stellung ziemlich halten können. Die Rex- Bewegung hat in Malmedy 1000 Stimmen er­halten.

in Sicht zu sein scheine, eine Aenderung in der britischen Führung eintreten würde.

Die radikalkonservativeM o r n i n g P o st" for­dert heute mit großem Nachdruck, Baldwin solle den Rücktritt des Kolonialministers Thomas be­nutzen, um sofort eine weitgehende Regie­rungsumbildung vorzunehmen. Im besonde­ren solle Baldwin sich nach einem geeigneten Mi­nister umsehen, der ihn normalerweise im Unter- hause zu vertreten hätte, so daß der Minister­präsident mehr Zeit für die Überwachung der Politik und der Verwaltung hätte. Das Blatt weist auf die Zusammenkunft führender konservativer Abgeordneter auf dem Landsitz des Lord Win­terton in Surrey hin. Lord Winterton und seine Gäste, unter denen sich Sir Austen Chamber­lain, Winston Churchill und Sir Robert Home befanden, feien alle der Ansicht gewesen, das Baldwin bereits jetzt eine weitgehende Kabi­nettsumbildung versuchen solle. Vor führenden Mit­gliedern der Nationalen Arbeiterpartei werde die Bildung einer Zentrumspartei be­fürwortet, die zwischen den Konservativen und den Sozialisten stehen würde. Dieser Plan habe jedoch wenig Aussichten.

Auch die liberaleNews Chronicle" will wissen, daß die bei Lord Winterton versammelten Kon­servativen die Möglichkeit eines baldigen Rück­tritts Baldwins besprochen hätten. Das Rother- mere-BlattDaily Mail" veröffentlicht einen Arti­kel, in dem Lloyd George als Mini st er» Präsident vorgeschlagen wird.Preß Association" meldet, daß die Zusammenkunft der Konservativen bei Lord Winterton nicht den Charakter einer Re­volte gegen das Kabinett Baldwin gehabt habe, vielmehr habe Lord Winterton einen beruhigenden Einfluß auf seine Gäste ausgeübt.

Die Zukunst des Kabinetts Baldwin.

Die Rechtskonservativen für baldige Umbildung.

Spion nach Danzig, seine Tätigkeit im Kampf un­ter der Oberfläche ist nicht von langer Dauer. Er muß Danzig verlassen.

Jetzt geht er nach Berlin und gründet eine Ex­port- und Jmport-G. m. b. H. Doch sieben Jahre Krieg haben ihn dem bürgerlichen Leben entfremdet, und es gibt Zeitgenossen, die das Schlachtfeld der Geschäfte besser kennen als er; gegen ihre Geschäfts­methoden kommt er nicht auf.

An der Ruhr haben die Franzosen ihre Drohung von Spaa wahrgemacht. Den ungeheuerlichsten Rechtsbruch hat Frankreich auf sein Gewissen ge­laden. Sie trachten nach dem schwarzen Gold der westfälischen Gruben. Unter der Bezeichnung einer Begleitung derInteralliierten Ingenieur-Kommis­sion" brechen französische Truppen mit Tanks, Pan­zerwagen und Artillerie in ein Land der Wehrlosig­keit und friedlichen Arbeit ein. Und jetzt kommt die Zett des passiven Widerstandes, die Zeit einer un­unterbrochenen Folge von kleinsten und größten Schikanen gegen die fremden Söldner. Die Ant­wort darauf ist eine willkürliche Schreckensjustiz unter den Reitpeitschen und Bajonetten der Fran­zosen. Inmitten dieses erbitterten Kampfes, der Auge um Auge, Zahn um Zahn geht, stößt Albert Lea Schlageter wieder zu feinen alten Kameraden.

Am 15. März 1923 fliegt bei Calcum das Eisen­bahngeleis über den Harrbach in die Luft. Hier gehen keine deutschen Kohlen mehr nach Frankreich: das Werk Schlageters und seiner Getreuen. An­fang April wird Schlageter in Essen in einem Hotel aus dem Bett heraus verhaftet. Verrat aus den eigenen Reihen. Für Schlageter beginnt der letzte Akt feines Lebensdramas. Er selbst hat sich nie über die Behandlung, die ihm widerfuhr, ge­äußert, aber das Grauen der französischen Justri während des Ruhrkampfes ist hinreichend bekannt. Die Versuche, Schlageter zu befreien, scheitern. Seine (Betreuen werden verhaftet, und für sie be­ginnt eine Kette der entsetzlichsten Mißhandlungen.

Am 8. Mai stehen Schlageter und sechs Kame­raden in Düsseldorf vor einem französischen Militär­gericht. Schlageters Urteil lautet auf Tod, die übrigen erhalten schwerste Freiheitsstrafen.

Das Echo dieses Urteils ist ein einziger Schrei des Protestes der ganzen Welt. Frankreich bleibt hart. Es glaubt sich im Recht, im Ruhrkampf ein Exempel statuieren zu müssen. In Elberfeld wird Heinz von der deutschen Polizei verhaftet, als er eben die Vorarbeiten zu einem groß angelegten Befreiungsplan beendet hat. Sein Hinweis auf die Möglichkeit der Befreiung Schlageters wird mit der Entgegnung:Was geht uns dieser Schlageter an?x abgetan. Armes Deutschland, du machtest dich mitschuldig an dem Mord eines deutschen Freiheits­kämpfers.

Schlageter hat sich auf den Tod vorbereitet. Seine Briefe an die Eltern zeugen von der Kraft feines Herzens. E r sieht nur Deutschland, er weiß, daß sein Opfertod ein Fanal sein wird, eine Flamme, die alle deutschen Herzen entzünden wird. In den Morgenstunden des 26. Mai haben sie ihn hingemordet auf der Golzheimer Heide. Seine Todessalve war Frankreich ein Schlag ins Gesicht, dem deutschen Volk das Zeichen zum Aufbruch.

Es ist unwürdig, diesen Heldentod in enge Zeilen zu pressen. Albert Leo Schlageters Tod soll sein herrliches Denkmal in den Herzen derer finden, für die er sein Blut gab, für uns und die kommenden Generationen. Die Erinnerung an ihn soll uns mit tiefer Trauer und hehrem Stolz zugleich erfüllen, aus jeder Erinerung wachse der Schwur: Albert Leo Schlageter, wir wollen dich nie vergessen. Dein Leben und Sterben ist uns ein Vorbild immerbar, so bist du nicht umsonst gefallen!

MchtticheFeierfiunde in Schönau

Schönau i. Wiesental, 24. Mai. (DNB.) Aus Anlaß der 13. Wiederkehr des Tages, an dem der

letzte Soldat des großen Krieges und erste Blut­zeuge des Dritten Reiches auf der Golzheimer Heide von französischen Kugeln durchbohrt, sein Leben aus» hauchte, fand eine nächtliche Feierstunde a m Grabe Albert Lea Schlageters statt. Aus der näheren und weiteren Umgebung waren tau­sende Volksgenossen zur Teilnahme erschienen. Ein Fackelspalier der SA. und eine große Zahl von Uniformierten aller Parteialiederungen gaben der nächtlichen Feier, zu der Gruppenführer L u d i n und der stellvertretende (Bauleiter sowie der Gau­stab der NSDAP, erschienen waren, einen festlichen Rahmen. Gruppenführer Ludin hielt die Gedenk­rede, in der er eine ergreifende Schilderung des heldenhaften Lebens Albert Leo Schlageters gab. Die Schlageter-Feiern, so führte er aus, haben nichts zu tun mit Haß ober Chauvinismus. Sie bebeuteten nur ein gemeinsames Bekennt» nis zu Führer unb Volk. Alle in Deutsch- lanb seien nur von bem tiefen Wunsch beseelt, baß auch bie Nachbarn jenseits bes Rheins erkennen mögen, baß bas beutsche Volk in Frieben leben will unb Kraft sammelt zum Wieberaufbau.

Internationales Zrontkärnpfertreffen in England.

London, 24. Mai. (DNB.) In Plymouth fanb ein internationales Frontkämpfertreffen statt, an dem außer deutschen, italienischen, französischen und belgischen Kriegsteilnehmern rund 3000 briti- sche Frontkämpfer aus der Grafschaft Devonshire teil- nahmen. Der Unterführer der British Legion Lord Fortescue erklärte, die britische Frontkämpfer­organisation leiste daburch, baß sie ben ehemaligen Kriegsteilnehmern fremder Länder und früherer Feinde die Hand der Freundschaft entgegenftrerfe« einen wesentlichen Beitrag für d i e Sache des Friedens. Es sei die anerkannte Politik der British Legion, eine patriotische Haltung