Ausgabe 
25.1.1936
 
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3)uieiet|tung, saus ytaiten die Verschärfung der Sanktionen mit einem Angriff auf eine der Sank­tionsmächte beantworten sollte. Wir Deutsche haben bei dieser Gelegenheit zur Kenntnis genommen, daß nach den bestimmten Erklärungen Edens die fran­zösisch-britischen Generalstabsbesprechungen sich nur ouf den konkreten Fall eines Zusammenstoßes im Mittelmeer bezogen haben und von der Nordost­grenze Frankreichs nicht die Rede gewesen ist. Da es den Sanktionsmächten offensichtlich daran liegt, Zeit zu gewinnen, um vor einem neuen Schritt gegen Italien das Für und Wider reiflich zu prü­fen und womöglich vorher noch einmal mit Musso­lini in neue Verhandlungen zu kommen, mangelte es in Genf sehr bald an Beratungsstoff. Nur daraus ist es erklärlich, daß eine von weltpolitischem Ge­sichtspunkt aus so zweitrangige Angelegenheit wie der Bericht des Danziger Völker­bundskommissars zu einer Haupt- und Staatsaktion aufgebauscht wurde, um dem Dölker- bundsrat Gelegenheit zu geben, in der Gloriole des Schiedsrichters und Friedensstifters aufzutreten, einer Rolle, in der er früher bei erheblich ernst­hafteren Dingen wie dem japanisch-chinesischen Kon­flikt um Mandschukuo, dem Gran-Chaco-Streit u. a. völlig versagt hat.

Wenn sich der Völkerbundsrat nun auf Betreiben des Herrn Lester mit erstaunlicher Energie in die innerpolitischen Angelegenheiten der Freien Stadt hineinkniet, so vergißt man in Genf völlig, daß seinerzeit die Verfassung Danzigs nicht unter den Schutz des Völkerbundes gestellt wurde, damit dieser die natürliche Entwicklung im politischen Leben der Freien Stadt Danzig hemme und hier einen Pflanzgarten parteipolitischer Kuriositäten hege und pflege, der wie im Reich so auch hier in Danzig aus Mangel an natürlicher Nahrung längst ver­dorrt wäre, wenn ihm nicht von Genf her immer wieder belebende Spritzen verabfolgt wären. Nein, das Danziger Statut hatte einen ganz anderen Zweck, es sollte die schwierigen Beziehungen zwi­schen der Freien-Stadt und der Republik Polen normalisieren Helsen und verhindern, daß der eine oder der andere der beiden aufeinander angewiese­nen Staaten in dem gegenseitigen Verhältnis zu Schaden komme. Der Völkerbund hat wie so oft auch vor dieser Aufgabe kapituliert, und es mußten die beiden Betroffenen erst in freimütiger Aus­sprache zueinander finden, bevor ein erträgliches Verhältnis zwischen beiden hergestellt werden konnte. Der polnische Außenminister Beck hat erst in diesen Tagen wieder in Genf seiner Befriedigung Aus­druck gegeben über die Regelung der Beziehungen Danzigs zu Polen. Es bestände also für den Völker­bundsrat keinerlei Anlaß, sich mit Danzig zu be­schäftigen, wenn er ihm nicht hochwillkommen wäre, um von den Peinlichkeiten des Sanktionskonflikts mit Italien abzulenken. Der Völkerbund sollte aus der aufgelegten Pleite seines Delegierten Knox im Saargebiet gelernt haben, daß es immer ein schlech­tes Ende nehmen muß, wenn sich das Ausland zum Protektor einer innerpolitischen Opposition aufwirft, die von der Volksmeinunq abgelehnt wird, weil sie über ihrem persönlichen Geltungsbedürfnis das ge­meinsame nationale Ziel vergißt.

Wenn noch etwas die gänzlich schiefe Stellung des Völkerbundsrats in dieser Frage ins rechte Licht zu setzen vermöchte, so ist es die aufdringliche Rolle, die d«r sowjetrussische Außenkommissar Litwinow sich angemoßt hat Der Vertreter eines Regimes, das seine Bevölkerung nur mit den Mitteln blutig­sten Terrors in Schach zu halten vermag, nachdem es seine politischen Gegner und alle, die es dafür gehalten hat, unter den furchtbarsten Qualen aus- «"^ottet hat, hat jedes Recht verwirkt, für politische Minderheiten in einem fremden Lande das Wort zu ergreifen. In dem Munde eines Mannes, von dessen Regierung die selbstverständlichsten Gebote für Be­ziehungen der Völker untereinander täglich miß­achtet werden, wirken Reden wie Hohn, die von der Notwendigkeit der Innehaltung internationaler Verpflichtungen svrechen. Schon am folgenden Tage hat sich derselbe Litwinow von dem Vertreter Uru­guays vor dem gleichen Forum in Genf sagen lassen müssen, daß die von Moskau in enger Zu­sammenarbeit von Sowjetregierung und Komintern in alle Welt gesandte kommunistische Propaganda die solidarische Abwehr aller auf Arbeit, Ordnung und Friede gerichteten Nationen notwendig mache. Der Delegierte des Bolschewismus wird mit seinen falschen Friedensschalmeien nicht mehr lange den Ruf der Völker nach Sicherheit vor dem zersetzen­den Gift der kommunistischen Propaganda über­tönen können.

Das politische Soldatentum des neuen Deutschland

Berlin, 24. Ian. (DNB.) Das Außenpolitische Amt der NSDAP, eröffnete die Reihe seiner Empfangsabende der auswärtigen Diplomatie und Presse im neuen Jahr mit einem Vortrag des Chefs des Stabes der SA. der NSDAP. Victor Lutze. Der Stabschef erwähnte eingangs, daß er in erster Linie immer als Natio­nalsozialist, nicht als SA.-Mann spreche, da die SA. nicht selbständig neben der nationalsozialisti­schen Bewegung, sonder nur in ihr stehen könne. Die Aufgaben der SA., die innerpolitischer Art sind, seien die Aufgaben der Partei und umgekehrt. Nach wie vor unterscheiden wir grundsätzlich ganz scharf zwischen dem Soldaten als Jdeenträger der nationalsozialistischen Welt­anschauung, der Weltanschauung des deutschen Volkes und dem Soldaten als Waffenträger der Nations Der Soldat als Militär ist eine st a a t l i ch e Notwendigkeit. Der Soldat als Kämp- jedoch stellt wie die Geschichte unseres Volkes aufzeigt und der Führer erstmals in voller Größe erkannt hat eine völkische Unerläßlichkeit dar. Der Stabschef wies anhand geschicht­licher Beispiele nach, daß die bewaffnete Macht schlechthin innenpolitisch, also völkisch ge­sehen, nur ein bedingt stabiler Faktor sei. Das beste soldatische Wollen bleibt ohne ideenmäßige Grund­lage eine Technik ohne Geist. Die Staaten der Ver­gangenheit gingen ursächlich nicht am Mangel eines machtpolitischen Faktors, sondern am Fehlen einer weltanschaulichen Basis und des dazu gehörenden weltanschaulichen Instrumentes zugrunde. Partei und Wehrmacht sind nicht Selbstzweck, sondern Mittel zum Zweck. Ihre Operationsflächen sind ver­schieden gelagert. Ihr Ziel allerdings ist dasselbe: Deutschland!

Der politische Soldat des neuen Deutschland wird dafür sorgen, daß sollte Deutschland einmal ange- griffen werden die Heimat nicht mehr als leicht infizierbarer Körper zurückbleibt, sondern als das starke Rückgrat der Front, das gegen alle politischen Seuchen immun ist. Denn darüber kann es keine geteilte Meinung geben: Hätte das Deutschland der Vorkriegszeit schon über ein poli­tisches Soldatentum verfügt, wäre der Krieg an der Front und nicht in der Heimat entschieden worden!

Das Kabinett Sarraut eine Konzentration derlinken Ritte"

Flandin und Paul-Boncour Bürgen für die traditionelle Außenpolitik Frankreichs.

Paris, 24. Ian. (DNB.) Senator Sarraut hat sich um 14 Uhr ins Elysee begeben, um dem Präsidenten der Republik die endgültige A n - nähme des ihm erteilten Auftrages zur Bildung einer neuen Regierung zu übermitteln. Sarraut hat beim Verlassen des Elysee nachstehende end­gültige Kabinettsliste bekanntgegeben:

Albert Sarraut. (Scherl-Bilderdienst-M.)

Ministerpräsident und Innenminister: Sarraut, Senator, Rad.-Soz.;

Staatsminister: Paul-Boncour, Senator;

Justizminister: D e l b o s, Abg., Vorsitzender der Rad.-Soz. Fraktion;

Außenminister: F l a n d i n, Abg., Links-Rep.;

Finanzminister: R 6 g n i e r, Senator, Rad.-Soz.;

Kriegsminister: General Maurin;

Kriegsmarine: Pi stry, Abg., Rep. Zentr.;

Luftfahrtrninister: D 6 a t, Abg., Soz. Vereinig.; Unterrichtsminister: Guernut, Aba., Rad.-Soz.; Handelsminister: Bonnet, Abg., Rad.-Soz.;

Minister für öffentliche Arbeiten: Chautemps, Senator, Rad.-Soz.;

Landwirtschaftsminister: T h e l l i e r, Abgeord­neter, Linksrep.;

Postminister: Mandel, Abg., parteilos;

Kolonialminister: Stern, Abg., Rad. Linke;

Arbeitsminister: Frossard, Abg., ehem. Soz., jetzt parteilos;

Gesundheitswesen: Ni colle, Abg., Gruppe Pernot;

Handelsmarine: de Chappedelaine, Abg., Rad. Linke;

Pensionsminister: Besse, Abg., Unabh. Linke.

Staatsminister Paul-Boncour ist mit der Wahrnehmung der Völkerbundsgeschäfte betraut worden. Die neue Regierung wird am Donnerstag sich der Kammer und dem Senat vor- stellen. Den Stamm des neuen Kabinetts bilden neun Radikalsozialisten. Die links von ihnen stehende sozialistische Vereinigung, eine von Paul-Boncour geführte Zusammen­fassung der sogenannten Neusozialisten, der franzö­sischen und der republikanischen Sozialisten, hat drei Vertreter gestellt. Die rechts von den Ra­dikalsozialisten befindlichen Unabhängigen der Linken haben einen Abgeordneten entsandt. Die von Flandin geleitete DemokratischeVer- e i n i g u n g , die die Mittelparteien der Radikalen

Linken, der Linksrepublikaner und eine Anzahl der Abgeordneten des Republikanischen Zentrums um­faßt, ist mit sechs Sitzen im Kabinett bedacht worden. Am weitesten rechts steht der der Gruppe Pernot angehörende Minister für Gesundheitswe­sen. Die beiden parteilosen Minister Mandel und Frossard kommen von der Mitte bzw. den Sozialisten her. Der Kriegsminister General Mau­rin hat in dieser Eigenschaft schon dem ersten Kabinett Sarraut angehört und ist Nichtparlamenta­rier.

Im Vergleich zu dem Kabinett Laval ist die neue Regierung nach links ausgerichtet worden. Man kann sie als linke Konzentrations- regierung bezeichnen. Zur Beurteilung der außenpolitischen Einstellung F l a n d i n s ist daran zu erinnern, daß er als Ministerpräsident an den Beschlüssen von S t r e s a und an der sogenannten Londoner Erklärung vom Februar 1935 betei­ligt war. Flandin, der stets für ein Zusammen­gehen mit England eintrat, ist im übrigen ein Vertreter des Wirtschaftsliberalismus.

Einzige Aufgabe des neuen Kabinetts ist Me Vorbereitung der Wahlen.

Paris, 25. Ian. (DNB. Funkspruch.) Die Auf­nahme, die das Kabinett Sarraut in der Pariser Presse findet, ist ganz anders geartet, als der Wi­derhall, den im vorigen Sommer das Kabinett Laval fand. Damals Erleichterung auf der ganzen Linie, weil die Gefahr für die Währung abge­wendet erschien, heute nüchterne Zufriedenheit bei den Regierungsparteien, heftige Gegnerschaft bei der Rechten, Abwarten bei der Linken. Als ein­zige Aufgabe der neuen Regierung erblickt man die Vorbereitung der Wahlen. Es werden keine Zweifel an einer Mehrheit für Sar­raut laut, weil die tätige oder neutrale Unter­stützung der Sozialisten erwartet wird, lieber die außenpolitische Linie der neuen Regierung gehen die Meinungen auseinander. Die Rechte ist besorgt, weil sie in Flandin einen italienfeindlichen Minister sieht, die Linke erwartet von Flandin und Paul Boncour eine völkerbundstreue Politik.

Le Jour" erklärt, das neue Ministerium fei ein Skandal und verweist besonders auf die frei­maurerischen Einflüsse im neuen Kabinett. Dem Figaro" erscheint es bemerkenswert, daß sich eine unerwartete Gruppierung zusammengefunden habe, eine Gruppierung der linken Mitte. Sie solle ja nur bis zu den Wahlen durchhalten. DasJour­nal" zweifelt nicht daran, daß die Regierung eine Mehrheit bekommen werde. Die äußerste Linke scheine entschlossen zu fein, alles zu schlucken.

Der halbamtlichePetit Parisien" verweist auf die Wertschätzung, deren sich Flandin in den Frankreich befreundeten Landern erfreut, b e - sondersinEngland. Auch die Ernennung Paul Boncours zum Staats- und Völker­bundsminister erscheint dem Blatt zweckmäßig, weil Paul Boncour ein Völkerbunds- f p e 3 i a H ff fei.

DasPetit Journal" meint, auf den ersten Blick scheine die Regierung harmonisch zusammengesetzt zu fein, aber das fei ein mehr äußerlicher Eindruck. Die Regierung laufe Gefahr, viel Unzufriedenheit zu erregen.

Selbst in den ausgesprochenen Parteiblättern der Regierung findet das Kabinett zwar eine zustim­mende Aufnahme, die jedoch von keiner großen Begeisterung getragen ist.

Die radikalfozialiftifcheEre Uouvelle" ver­weist ebenso wie derWatin" vor allem darauf, daß in Flandin und Paul Boncour der ernste Entschluß zum Ausdruck komme,

die traditionelle Außenpolitik Frankreichs weiter zu verfolgen. Diese beruhe auf der Treue gegenüber allen Ver­bündeten und Freunden, auf der Achtung vor dem Völkerbundspakt und auf der engen Zusammenarbeit zwischen Frankreich und England.

Das radikalfozialistischeOeuvre glaubt, daß die Sozialisten entschlossen seien, nun das Kabinett Sarraut zu unterstützen. Für diesen Fall würde die neue Regierung bei der ersten Abstimmung eine stattliche Mehrheit erhalten. Der Sozia­listenführer Leon Blum verhält sich imPopu- laire"abwortend, aber nicht ablehnend. Er sucht in der Regierung vor allem ein radikalsozia- listisches Kabinett. Die kommunistischeHu- manite" verbirgt ihre Stellungnahme hinter einem Phrasenschwall. Sie erklärt nur, Mitstreiter der Volksfront bleiben zu wollen.

London erwartet enge Zusammenarbeit.

London, 25. Jan. (DNB. Funkspruch.)Daily Telegraph" erwartet", daß die Regierung Sarraut außenpolitisch mit der britischen Regie- rung eng Zusammenarbeiten werde. Sarraut selbst sei ein treuer Anhänger des Völ­kerbundes. Sein Außenminister, Flandin, fei stets für eine herzliche Zusammenarbeit zwischen England und Frankreich eingetreten. Die konser­vativeMorning Post" sagt, obwohl Flandin ein Freund Englands sei, so sei er doch ein zu guter Franzose, um sich von seiner Hauptsorge, der Sicherheit Frankreichs, ablenken zu las­sen. Aus mehreren seiner Reden gehe hervor, daß er e b en f o wenig w i e Laval mit Italien Streit wünsche, und daß er daher gegen jede radikale Sühnepolitik sei. Das neue Kabinett werde infolgedessen auch keinen Aufsehen erregenden Frontwechsel zum Völkerbund vornehmen. Sicherlich werde es im Völkerbund von der kollektiven Sicherheit sprechen, aber es werde nicht auf die wertvollen militärischen Abmachungen mit Ita­lien verzichten. Flandin könne ebenso wenig wie Laval die Augen von Deutschland abwenden. Dasselbe ergebe sich aus der Ernennung des Gene­rals Maurin zum Kriegsminister und aus der Beibehaltung P i 61 r i s als Marineminister. Beide Männer böten die Gewähr, daß sie sich um die Ver­teidigung Frankreichs kümmern werden.

Edens Bericht über Danzig.

Einstimmige Annahme im Völkerbundsrat. Auch Danzig stimmt zu.

Genf, 24. Jan. (DNB.) Der Völkerbundsrat hat den von dem englischen Außenminister vorge­legten Bericht über d i e Danziger Frage einstimmig angenommen. Die darin ent­haltenen Entschließungen haben folgenden Wortlaut:

Der Rat fordert den Senat der Freien Stadt Danzig auf, im allgemeinen alle notroenbi» gen Maßnahmen zu treffen, um in einer dem Geiste der Verfassung angemesse­nen Weise zu regieren. Er stellt mit Befrie­digung fest, daß der Senat jetzt die notwendigen Maßnahmen trifft, um die Verordnung vom 10. Oktober 1933 über den Ehrenschutz der nationalen Verbände aufzuheben und durch Zahlungen im Gnadenwege den Schaden wiedergutzumachen, der nach Auffassung des Rates den Beschwerdeführern Luck und Schmode sowie an­deren, die sich in ähnlicher Lage befinden, entstan­den ist. Der Rat nimmt das Gutachten des Inter­nationalen Gerichtshofes vom 4. Dezember 1935 Aur Kenntnis, demzufolge die beiden Verordnungen vom 29. August 1935, die das Danziger Strafgesetz­buch und die Danziger Strafprozeßordnuna äbän- bern, mit ber Verfassung ber Freien Stabt u n - vereinbar sinb. Der Rat stellt mit Befriedigung fest, baß ber Senat Maßnahmen trifft, um bem Gutachten burch bie notroenbige Abänberung ber beiben Verordnungen Folge zu lei­sten. Der Rat kann es in vollem Vertrauen bem Völkerbunbskommissar überlassen, bie Danziger Re- "ieruna in ber Durchführung ber oben erwähnten Maßnahmen zu beraten und zu unterstützen. Bei Erfüllung biefer Aufgabe wird ber Kommissar sicherlich auf bie Unterstützung unb ben Einfluß aller im Rat vertretenen Mächte rechnen können. In biefer Hinsicht kann ber Rat insbefonbere auf bie Hilfe Polens rechnen, bas befonbere Interessen in der Freien Stadt hat.

Eden

erklärte dazu: Der Danziger Senatspräsident er» greife jetzt Schritte, um die Empfehlung des Rates voll durchzuführen. Außerdem komme er bem Wunsch bes Rates hinsichtlich ber beiben Strafrechtsverorbnungen zuvor. Schließlich habe ber Senatspräsibent bie Versicherung abgegeben, daß gesetzgeberische Maßnahmen zur Verbesserung ber Lage ber Presse in ber Freien Stabt einleiten werbe. Eben erkannte ben Geist ber Zusammenarbeit an, den er beim Senatspräsidenten gesunden habe, und er sprach Die Hoffnung aus, daß der heutige Tag den An- fang einer neuen Aera in den Beziehungen zwischen Danzig unb bem Dölkerbunb bebeuten roerbe, einer Aera, in ber der Senat, indem er tue Freie Stadt im Einklang mit dem Geist der

Verfassung regiere, dem Rat bei ber Ausübung seiner Garantie volle unb loyale Mitarbeit leiste. Der Danziger Senatspräsidenl

Greiser

erklärte: Der Herr Berichterstatter ist mit sehr viel Mühe unb Sorgfalt tätig gewesen. Ich Darf meine Genugtuung hierüber aussprechen. Die Haltung Polens hat unverkennbar zu einer Beseitigung ber zugespitzten Atmosphäre beigetragen. Ich habe am Mittwoch betont, baß bie Regierung ber freien Stadt Danzig immer dort zu finden sein wird, wo es gilt, der Aufrechterhaltung des Frie­dens und des Rechtszustandes in der Welt zu dienen. Ich habe die begründete Hoffnung, daß diese offene unb loyale Haltung ber Freien Stabt bei ben Mitgliedern des Rates wohlverstanden worden ist, unb es ist beshalb für mich Ehren­pflicht, zu betonen, baß es f chw e r ist, bas Ergeb­nis ber großen Arbeit bes Herrn Berichterstatters, welches bem Rat heute zur Beschlußfassung vor- lieat, in Einklang zu bringen mit bem von Danzig zum Ausdruck gebrachten Willen einer Ver­ständigung, die den Danziger Gesichtspunk- t e n voll Rechnung trägt. Die in dem Bericht des Herrn Berichterstatters vorgeschlagenen Maßnahmen werden deshalb von Danzig, wenn auch schwe­ren Herzens, so doch um dieser großen Sache willen, die ich angeführt habe, ent­gegengenommen werden.

Englische Kritik anLesier nndEden

London, 24. Jan. (DNB.) Die Genfer Eini­gung über die Danziger Streitfrage wird von der Abendpresse ausführlich wiedergegeben. DasRother- mere-BlattEvening News" benutzt die Angelegen­heit, um erneut vor einer Einmischung Englands in die Angelegenheiten Danzigs zu warnen. Es gebe kein Land in der ganzen Welt, wo sich nicht eine unzufriedene politische Minderheit befinde. Warum, so fragt das Blatt, müsse aus» gerechnet England das Land sei, das die scharfe Sprache führe, das neue Verpflichtun­gen übernehme und neue Gelegenheiten zu Strei­tigkeiten schaffe? Das Beaverbrook-Blatt Eve- nmg Standard" wirft dem Oberkommissar Lester Unbeständigkeit vor, denn im Jahre 1922 habe Lester an der Seite de Valeras in Irland für die Herrschaft der Mehrheit unb gegen die Herrschaft der Minderheit gekämpft Heute schütze der Ire Lester als Beamter des Völ­kerbundes eine Verfassung, die im Interesse einer Minderheit entworfen worden sei und er bestreite den Vertretern der Mehrheit die die Herrscher der Freien Stadt seien, die Maßnah­

men, die sie zu treffen wünschten. In Genf fei jetzt zwar eine Einigung zwischen Danzig und dem Völkerbund erzielt worden, aber bie Uneinig­keit bliebe bestehen. Englands Vertreter in Genf habe sie durch feine Haltung nicht beseitigt. Vielmehr habe er die deutsche Erbitterung vermehrt.

Moskau in Genf abgewiefen.

DerBölkerbundsrat weist die sowjetrussische Beschwerde gegen Uruguay zurück.

Genf, 24. Jan. (DNB.) Der Völkerbundsrat hat die Beschwerde ber Sowjetunion gegen Uru­guay einstimmig durch eine Entschließung erledigt, die darauf hinausläuft, daß der Völkerbundsrat dem sowjetrussischen Antrag auf Eröffnung eines Ver­führens gemäß Art. 11 Abf. 2 nicht ft a 11 g i b t. Der Rat spricht lediglich die Hoffnung aus, daß die Unterbrechung der diplomatischen Beziehungen zwi­schen Uruguay und der Sowjetunion nur zeit­weilig sei unb baß bie beiben Länber eine ge­eignete Gelegenheit ergreifen werben, um bie Be­ziehungen roieber aufzunehmen. Er forbert außer­dem bie beiben Parteien auf, s i ch jeher H a n b- lung zu enthalten, bie ben Interessen bes Friebens unb ber künftigen Wieberauf- n?hme ihrer diplomatischen Beziehungen schaden konnte.

Erdöl-Ausschuß der Sanktwns- konserenz einberufen.

© e n f 24. Jan. (DNB.) Der Präsident der Sank- tionskonferenz hat den Sachverständigenausschuß für die Prüfung der Voraussetzung einer wirk- acmJLn Durchführung ber Erbölsperre auf Montag, 3. Februar, einberufen. Einige Tage vorher treten bie Sachverstänbigen bes Achtzehner- ausschusses zusammen, um bie Durchführung ber Sühnemaßnahmen auf Grunb ber Berichte ber ein» feinen Regierungen nachzuprüfen. Die italienische Regierung hat an bie Regierungen ber 51 an ben Sanktionen teilnehmenben Staaten mit Bezug auf bie englische Denkschrift über ben Meinungsaustausch in ber Frage ber gegenseitigen Hilfelei - ft u n g eine Verbalnote gerichtet, in ber eine Rechtsverwahrung gegen bie Auslegung unb Anwenbung von Abs.3 bes Art.16 erhoben wirb. Es wirb bagegen protestiert, baß bie britische Senf» fchrift biefe Bestimmung als Grunblage für Ver­einbarungen militärischen Charak­ters mit anberen Regierungen in Anspruch nehme. Die Voraussetzungen bafür seien völlig willkürlich unb unhaltbar, zumal bie italienische Regierung aus­drücklich erklärt habe, ihr Möglichstes tun zu wollen damit ber Kolonialkonflikt nicht ben Charakter eines europäischen Konflikts annehme.

Rom meldet vollen Erfolg in Tembien.

Rom, 24. Jan. (DNB.) Der italienische Heeres, bericht meldet den vollen Erfolg des italienischen