Ausgabe 
24.11.1936
 
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Ur. 275 Erstes Blatt

Dienstag, 24. November 1936

186. Jahrgang

Gießener Anzeiger

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ßen Teil abhängt.

Wahrheit und Vertrauen,

die Grundpfeiler deutscher Wirtschastsiverbung

Staatssekretär Funk spricht in der Eröffnungssitzung

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Tisch gemacht wird oder daß die unum­gänglichen Folgerungen gezogen werden. Denn so geht es nicht weiter!

reichenden Lebensraum verfügen, können in dieser Frage vielleicht anders denken. Bei uns besteht immer die Gefahr, daß die Maßnahmen zu Gunsten des einen dem anderen schaden. Wir müssen daher versuchen, diese Reibungen und einen Kampf der sozialen Schichten und Strömungen gegeneinander nach Möglichkeit auszugleichen. So wie jemand, der allein in einem Hause wohnt, sich freier benehmen kann, als wenn er in einem Hause lebt, das von 10 oder 20 Parteien bewohnt wird, so müssen wir auch in unserem völkischen Leben durch Ord­nung und Organisation die Rachteile des fehlen­den Lebensraumes auszugleichen versuchen.

Die besondere Bedeutung der Errichtung des Werberates der deutschen Wirtschaft beruht darin, daß hier die zentrale Institution ge­schaffen wurde, um die Werbung und damit den Wettbewerb neu zu gestalten. Dem Werberat wurde die Aufgabe gestellt, das tragfähige Fundament für den Wettbewerb zu bilden, auf dem der Leistungs­wettbewerb sich aufbauen konnte. Es ist nicht zu leugnen, daß die Trennung der fachlichen Aufgaben von der Werbungsseite gewisse Reibungen mit sich bringt. Aber so wie die Kapitallenkung, die Preis­bildung und die Rohstoffverteilung heute keine wirt­schaftlichen, keine ständischen Aufgaben, sondern politische Angelegenheiten sind, so ist auch die Werbung wegen der propagandistischen Bedeutung, die ihr innewohnt, eine politische Aufgabe. Jede Propaganda ist Meinungsbildung. Umge- kehrt ist aber auch die Werbung ein wichtiges Mittel der politischen Propaganda.

Die Wirtschaflswerbung basiert wie alle Wer­bung auf dem Vertrauen, das ihr ent­gegengebracht wird. Aus diesem Grunde wurde die deutsche Werbung von Parasiten gereinigt, von unzulänglichen Methoden befreit und neu gestaltet, Jeder, der sie benutzt, hat als ehr­barer Kaufmann zu handeln. Wir bejahen die Wirtschaftswerbung grundsätzlich, weil sie die Künderin der Leistung ist, weil ihre Pionierarbeit den kulturellen und wirtschaft­lichen Fortschritt dem Volke zugänglich macht, und weil die durch die Werbung erzielten

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Auffassung die obersten Prinzipien eines gesunden Wettbewerbs. Gerade gegen dieses Grundgesetz der Reklame aber verstieß man im alten Wirtschasts- system, und auch heute noch scheuen sich vielfach große Unternehmungen des Auslandes nicht, falsche Herkunftsbezeichnungen anzuwenden, um so ihr oft minderwertiges Zeug auf dem Weltmarkt besser los zu werden. Es leuchtet ein, daß man solchen üblen Geschäftsmethoden im internationalen handel nur begegnen kann, wenn die Werbevertreter und Fach­leute aus den verschiedenen Ländern zusammen­kommen und gemeinsame Richtlinien festlegen, zu deren Einhaltung der Exportkaufmann verpflich­tet ist.

Dieser gegenseitigen Verständigung, der Klärung mancher Zweifelsfragen, der Unterrichtung über die Fortschritte der Werbetechnik, der Kenntnisnahme neuer Gesetzesbestimmungen über die Rechte und

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Pflichten des Werbefachmanns in den verschiedenen Staaten dient auch der Kontinentale Re­klame-Kongreß Berlin 1936, der vom 24. bis 28. November unter der Schirmherrschaft von Reichsmimster Dr. G 0 e b b e l s in der Reichshaupt­stadt veranstaltet wird. Die Beteiligung hervor­ragender Vertreter des In- und Auslandes und das umfangreiche Tagungsprogramm läßt erwar­ten, daß hier wirklich fruchtbare Arbeit für die Neugestaltung des Werbewesens geleistet wird. Die internationale Zusammenarbeit der Reklamemänner ist um so mehr zu begrüßen, als von ihrer Tätig­keit ja nicht nur das Gedeihen der völkischen Wohl­fahrt, sondern auch der Fortschritt des zwischen­staatlichen Güteraustausches und damit der fried­liche Leistungswettbewerb der Nationen zum gro-

Todesurteile

gegen sowjetrussische Eisenbahner.

Warschau, 23. Noo. (DNB.) In Orla wurde ein Prozeß beendet, der die für einen Eisenbahn­zusammenstoß verantwortlichen Beamten zur Ver­antwortung zog. 14 Wagen waren völlig zertrümmert worden. Der Maschinist wurde

Professor Gerlach-Aasel wieder in sein Amt eingesetzt.

Basel, 23. Nav. <DNB.) Der Baseler Re gierungsrat hatte am 18. August den Leiter des Pathologisch-Anatomischen Instituts der Baseler Universität, Professor Dr. W. Gerlach, fristlos entlassen. Prof. Gerlach, der eingeschrie­benes Mitglied der NSDAP, ist, war eine aktive Betätigung als Nationalsozialist vorgeworfen worden, die wie es im Entscheid der Regierung hieß mit seiner Stellung als Universitätsprofessor unvereinbar sei. Aus diesem Grunde war seine Ent» lassung verfügt worden. Gegen diesen Regierungs­ratsbeschluß hat Professor Gerlach Berufung eingelegt, der vom Appellationsgericht in seiner Eigenschaft als Disziplinargericht st a t t g e g e- b e n worden ist. Am Montag hat das Disziplinär« gericht den Beschluß des Regierungsrates aufge­hoben. Professor Gerlach ist also wieder in sein Amt eingesetzt worden.

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zum Tode durch Erschießen, der Zugführer zu sechs Jahren Kerker verurteilt. In Roslawl stießen zwei Züge zusammen. Die Zahl der Men­schen, die dabei ums Leben kamen, wird geheim gehalten. Auf der Anklagebank sitzen sechs Eisen­bahnbeamte. Es ist damit zu rechnen, daß sich das Gericht dem Anträge des Staatsanwaltes anschließt, der Todesurteile gegen alle drei Haupt angeklagte gefordert hat.

Man könnte in Abwandlung eines bekannten Spruches sagen: Jede Zeit hat die Reklame, die sie verdient. Wenn wir nur vier Jahre zurückdenken, so erscheint uns das damalige krasse Mißverhältnis zwischen dem riesigen Aufwand an reklametechnischen Mitteln aller Art und dem tatsächlichen Produktions­wert der deutschen Wirtschaft außerordentlich kenn­zeichnend für jene Verfallsepoche. Je geringer die Ware, desto größer war ihre Aufmachung, und die­ser schreiende Widerspruch zwischen Leistung und Bewertung beleidigte nicht nur unser Schönheits­empfinden, sondern ließ auch das Gewicht unseres an sich schon schmalen Geldbeutels immer geringer werden. Es war daher kein Wunder, daß nach der Machtergreifung Stimmen laut wurden, die sich für eine völlige Abschaffung der Reklame als eines typischen Merkmals rein kapitalistischer Wirtschafts­weise aussprachen. Diese Forderungen würden aber, wenn man ihnen stattgegeben hätte, die deutsche Wirtschaftstätigkeit im Inland und Ausland um Jahrzehnte zurückgeworfen, wenn nicht völlig l a h m g e l e g t haben. Wir können das Rad der Wirtschaftsgeschichte nicht mehr zurückdrehen. Wenn man die industrielle Herstellung der Ware bejaht, wenn man auf dem Standpunkt einer modernen Handels- und Verkehrspolitik steht, dann muß man auch die Daseinsberechtigung der Re­klame als Massenverkaufsmethode anerkennen.

Freilich genügt uns für die Förderung des Wa­renabsatzes der Begriff derReklame" nicht mehr, da dieser nur die Erzeugnisse eines bestimmten Wirt­schaftssektors umfaßt. Wir sprechen deshalb heute nonW erbun g", weil nicht nur die Großindu­strie mit ihren Markenartikeln, sondern auch das Handwerk, die Landwirtschaft und olle übrigen Wirtschaftszweige, weil die deutsche Volkswirtschaft insgesamt Anspruch darauf hat, diesseits und jen­seits der Grenzen für ihre Leistungen zu werben. Gerade unsere jetzige Wirtschaftslage, die eine be­stimmte Verbrauchslenkung im Innern und eine ge­schickte Förderung der Ausfuhr verlangt, wäre ohne eine großzügig und intensiv betriebene Werbung nicht denkbar. Man hat berechnet, daß jährlich mehr als eine Milliorde Reichsmark für Werbezwecke ausgegeben werden. Eine erstaunliche Ziffer, die aber beweist, einen welch außergewöhnlich hohen Erfolgsanteil der Werbung an dem Gesamt­umsatz unserer Nationalwirtschaft zugesprochen wer­den mutz.

Aus solchen Erwägungen heraus wurde vor nunmehr drei Jahren der Werberat der deutschen Wirtschaft gegründet. Er hatte die Aufgabe, zunächst das deutsche Reklame­wesen von den zahllosen Mißständen und Aus­wüchsen zu reinigen, die ihm in der Nachkriegszeit anhafteten. Diese Säuberungsaktion war im gro­ßen und ganzen Ende 1934 beendigt. Zugleich aber begann mit dieser mehr negativen Tätigkeit auch eine aktive Förderung derjenigen Werbemethoden, die sich aus dem Neuaufbau der deutschen Wirt­schaft ergaben. Man denke nur an die Neuordnung des Anzeigenwesens der Tageszeitungen und Zeit­schriften, an die Leistungsschauen, die in allen grö­ßeren Städten des Reiches stattfanden. Man denke an die Sonderaktionen für Fisch oder Obst, man denke an die Auslandswerbung der Reichsbahn­zentrale, die mit ihren bunten Deutschlandbildern und dem MerkspruchGennany wants to see you" einen ständig steigenden Fremdenstrom nach Deutsch­land gelenkt hat. Man sieht, ein wie großes Feld die Werbung beherrscht und wie große Erfolge ihr zu verdanken sind.

Es ist aber eine selbstverständliche Voraussetzung dieser Art Werbung, daß sie nicht auf Täuschung beruht und dem Kunden etwas verspricht, was sie nachher nicht halten kann. Wahrheit und Klarheit, das sind nach nationasozialistischer

Das Londoner Echo des Mordspruchs von Nowo-Sibirsk.

London, 24. Nov. (DNB. Funkspruch.) Die englischen Morgenblätter berichten ausführlich über die Rückwirkungen, die das unerhörte Bluturteil von Nowo-Sibirsk in Deutschland hervorgerufen hat. Der Moskauer Berichterstatter desDaily Telegraph" meldet, daß der Prozeß gegen Stickling eine auffallende Ähnlichkeit mit dem seinerzeitigen Prozeß gegen die englischen Ingenieure der Firma Metro-Vickers gehabt habe. Bemerkenswerter­weise richtet das sowjetfreundliche BlattDaily Herald" eine Warnung an die Sowjetregierung, daß sie mit der Vollstreckung des Todesurteils ge­gen Stickling einen großen Wahnsinn be­gehen würde. Sowjetrussische Staatsprozesse hätten ohnehin einen schlechten Namen im Auslande.

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Berlin, 24. Nov. (DNB.) Heute vormittag wurde hier der Kontinentale Reklame-Kongreß mit einer Festsitzung eröffnet, auf der Staatssekretär Funk nach kurzen Begrüßungsworten des Kon­greß-Präsidenten Fischer u. a. folgendes aus­führte:

Deutschland hat in diesem Jahre die Freude ge­habt, Hunderttausende von Gästen aus aller Welt willkommen heißen zu können. Wir freuen uns über den starken Besuch aus dem Auslande, weil er uns die Möglichkeit gibt, Deutschland so zu zeigen, wie es wirklich ist. Man steht in der Welt vielfach unter dem Eindruck, als ob eine große Last auf dem deut­schen Volke ruhe, die ihm Glück und Freude raube. Wenn die Fremden aber durch das deutsche Land reisen und das deutsche Volk bei seiner Arbeit und bei seiner Erholung kennenlernen, wie es wirklich ist, dann werden sie sehen, daß ein Druck in keiner Weise vorhanden ist, daß im Gegenteil die deutschen Menschen fröhlicher, glücklicher und freier geworden sind, als sie es früher waren. Gewiß, das deutsche Volk hat seine Sorgen. Aber es trägt und bewältigt sie mit einer starken inneren Hingabe und in einem unerschütterlichen GlaubenaneinebessereZukunftunter seiner heutigen Führung. Was in Deutsch­land in den letzten vier Jahren an Großem und Schönem geschaffen wurde, entstand nicht durch Zwang, sondern aus der freiwilligen Mit- und Zu­sammenarbeit aller deutschen Volksgenossen. Ein großer Willensmagnet faßte alle Kräfte in unserem Volke zusammen, in dem er ein Ziel zeigte, dem alle zustreben. Wir haben durch Aufklärung und Werbung etwas erreicht, was Zwang nie­mals vermag.

Sie werden sich davon überzeugen können, daß die deutsche Werbung keinem Zwange unterlegen ist, sondern daß sie umfangreicher, gesünder und stärker geworden ist, von den berufenen Stellen des neuen Reiches überall gefördert und überall ange­wandt wird, wo sie nützlich und erfolgversprechend ist. Wir haben es uns zur Aufgabe gesetzt, alle ge­sunden und starken Kräfte frei zu machen und zu entwickeln, sie allerdings dann auf das gemeinsame große Ziel auszurichten.

Diese Reuausrichtung und Reuabgrenzung der Werbung und des Wettbewerbs ist für uns eine Rotwendigkeit. Völker, die über einen aus-

Oie neue Provokation.

Von unserem ^.-Berichterstatter.

Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.

Moskau, 22. November 1936.

Das erwartete Todesurteil gegen acht sow­jetrussische und einen reichsdeutschen Ange­klagten im Nowosibirsker Prozeß ist gesprochen. Da angesichts der Endgültigkeit des Ur­teils und der Unmöglichkeit einer Berufung dem reichsdeutschen Ingenieur Stickling nur noch der Gnadenweg offenbleibt, hat der deutsche Bot­schafter bei der Sowjetregierung sofort die Sicher­stellung des Gnadengesuchs gefordert, um zunächst auf diesem Wege einen überstürzten Urteilsvollzug zu verhindern. Das Menschenmögliche zur Rettung Sticklings ist getan Erfolg oder Mißerfolg wird über mehr als ein Menschenleben entscheiden.

Die aus dem letzten Trotzkistenprozeß bekannte Verbindung" zwischen Faschismus und Trotzkis­mus, diesich zur Vernichtung der Sowjetunion zu­sammengetan" hätten, bildete den künstlich erzeug­ten agitatorischen Hintergrund dieses neuesten Schau­prozesses. Größte Aufmachung in der Presse, für Sowjetverhältnisse bisher ungewohnt schnelle Ar­beit der GPU. und des Gerichts, schärfstes Phrasen- trommelseuer in der Oefsentlichkeit, in der Anklage­schrift und in den Zeugenaussagen und schließlich Nichtzulassung des deutschen Kon­suls in Nowosibirsk als Beobachter trotz dessen wiederholter Anträge diese Begleitumstände drück­ten ihm den Stempel auf und deuteten von Anbe­ginn auf seine klar beabsichtigte scharfe anti­deutsche Tendenz hin. Der Charakter einer aegen das Reich gerichteten unfreundlichen Hand­lung und einer deutschfeindlichen Demonstration tritt damit klar zutage. Im Gegensatz zur sonstigen brei­ten Behäbigkeit und ausgewalzten Langschweifigkeit der Verhandlungen eines Sowjetgerichts wurden diesmal die Verhandlungen in drei Tagen trotz der Ergiebigkeit desSchädlings"-Stoffes durch- aepeitfcht, um energischeren Handlungen des Aus­landes, insbesondere Deutschland, vorzubeugen. Man wollte die erste vollendete Tatsache schaffen und man hat sie!

Der angebliche Tatbestand ist folgender: Im Keme- rower Bergwerk in Westsibirien wurde einekonter­revolutionäre trotzkistische Schädlingsgruppe" ding­fest gemacht, die planmäßig unerträgliche Arbeits­bedingungen geschaffen, künstlich Unzufriedenheit unter den Arbeiter hervorgerufen, die technischen Anlagen beschädigt und verdorben, Vergasung der Stollen, Unglücksfälle mit zahlreichen Todesopfern und sogarkünstlich" Schlagwetterkatastrophen herbeigeführt haben. Dies alles nur, umim Dienste des Auslandes und mit Hilfe trotzkistischer Hand­langer die Wiederherstellung des Kapitalismus in der Sowjetunion und die Aufrichtung eines fafchi- stifchen Regimes" vorzubereiten. Man kennt diese Walze im Ausland es ist die alte Walze! Sie hat noch jedesmal herhalten müssen, wenn die Un­zufriedenheit unter den Arbeitern ge­fährlichen Umfang angenommen hat, wenn ein neuer Hungerwinter drohte ober wenn es galt, die Aufmerksamkeit im Innern von den äuße­ren Schwierigkeiten abzulenken.

Auch die aus dem Sinowjew-Kamenew-Prozeß bekannten reuevollen Bekenntnisse und Selbstbezichti­gungen, die jammervoll würdelos wirkenden Er­niedrigungen der Sowjetangeklagten und das Her- fagen ganzer Prawda-Leitartikel in ihrenGeständ­nissen" auch das lehnt sich an bekannte Porbilder an. Anklageschrift, Propagandathesen und Aussagen sowohl der Zeugen wie der Angeklagten, sie stim­men wörtlich überein und lassen erkennen, daß die GPU. auch unter Jeschow nicht von ihren bewährten Methoden gelassen, sie höchstens noch in­tensiviert hat.Ich habe mich an die Faschisten ver­kauft", sagte der Angeklagte Leonenko;ich habe die Ventilatoren unbrauchbar gemacht und eine Gas­explosion organisiert" Ljastschenko;unsere ganze konterrevolutionäre Organisation war von Faschisten und Trotzkisten geschaffen und sollte ihnen dienen" Andrejew;ich sollte die Kohlenförderung unter­graben, um die Basis der Bolschewiken zu unter­höhlen" Kowalenko. Undseht, welche Men­schen!", sagt mit frommem Augenaufschlag die GPU.

Die GPU. hält neben dem hier zum Tode ver­urteilten reichsdeutschen Ingenieur Stickling, dem sie einGeständnis" erpreßt fyat, noch weitere 22 Reichsdeutsche in Haft, siebearbeitet" sie dort im gleichen Sinne wie Stickling und wie die englischen Ingenieure in dem bekannten Vickers- Armstrong-Prozeß, diese gesunden, starknervigen und selbstbewußten Menschen, die dennoch den Foltern aller Grade nicht standhalten konnten. Noch 22 Reichsdeutsche sind dieserSowjetjustiz" preis­gegeben! Und der Nowosibirsker Prozeß wird wohl nur ein Musterpr 0 zeß für das Vorgehen auch gegen diese Unglücklichen fein...

Die politischen Hintergründe sind eindeutig: Die Verhältnisse im Innern lassen es angezeigt er­scheinen, nach neuen Sündenböcken zu suchen. Dazu zwingt die äußere Lage, der Unzu­friedenheit des Volkes ein Ventil zu öffnen, fiat die Stachanow-Bewegung nichts mehr von einerBewegung" an sich, da sie nicht nur stillsteht, sondern fortdauernd eine rückläufige Ten­denz zeigt, werden die Erzeugungspläne nicht erfüllt und naht unerbittlich der kalte Hungerwinter heran, so hat das Ressort des Genossen Litwinow-Finkelstein ebenso wenig mit Erfreulichem aufzuwarten. Spanien hat zu einer Entfremdung auch zuverlässigster Freunde geführt, die Siege Francos steigern die Nervosität, und die Anerkennung durch Deutschland und Ita­lien hat zu Wutausbrüchen geführt. Die Lage wird heikel und so fand man einige, auf die man

Werbung iui not!

Eröffnung des Kontinentalen Reklame-Kongresses in Berlin

mit Fingern zeigen und sagen kann:Seht, diese da waren es!"

Aberdiese da" das sind Deutsche! Und wenn man auch im Kreml nebenbei die Wahl ge­rade der Reichsdeutschen begrüßt, um an ihnen das Mütchen zu kühlen, um für die Außenschlappen der letzten Wochendiesen da" heimzuzahlen so wird diese Angelegenheit doch dadurch eminent politisch. Die Sowjetregierung fragt sich heute nicht ohne Sorge, wie sich Deutschland ver­halten wird. Es dürfte ihr nicht gleichgültig fein, zu erfahren, daß man im Ausland über diese Pro­vokation nur einer Meinung ist, es wird also so­wohl für das Schicksal des Ingenieurs Stickling wie für die Behandlung der anderen Reichsdeut­schen wesentlich sein, den Sowjetrussen beizubrin­gen, daß Deutschland sich unter keinen U m - ständen derartige Provokationen ge­fallen läßt.

Der Reichsdeutsche in der Sowjetunion wird heute in die Stellung eines Verfemten, eines Tag und Nacht in jeder Minute beobachteten Fremdlings, eines unerwünschten und nur noch zur Not gedul­deten Elements hineingedrängt. Der Reichsdeutsche in der Sowjetunion, einst umworben und als Spezialist" gefeiert, ist heute in der Lage, jeder­zeit von den Schergen der GPU. eingefangen, ein­gekerkert und festgesetzt zu werden; er wird gefol­tert und gemartert, und ihm werden, wie dem Ingenieur Stickling,Geständnisse" erpreßt. Das soll die deutsche Oeffentlichkeit wissen? Und sie wird mit den Reichsdeutschen in der Sowjetunion ver­langen, daß hier endlich und endgültig reiner

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