Fußball der heimischen Mannschaften.
Spielvereinigung 1900 Gießen.
1900 — Sportfreunde Siegen 0:2.
Gemessen an dem Resultat, kann man von einem günstigen Abschneiden reden, denn die Blauweißen waren gezwungen, zahlreichen Ersatz einzustellen, und dies machte sich für die Gesamtleistung stark bemerkbar. Besonders in der Läuferreihe trat dies stark in Erscheinung, wo man Heilmann und Erhard vermißte. Der Sturm kam selten zu einer ge- schlossenen Leistung, und da er den besten Mannschaftsteil des Gegners vor sich hatte, ist das zu Null weiter nicht verwunderlich. Die rühmliche Ausnahme waren wieder Zeiler und Lippert. Wenn das Resultat nicht höher ausfiel, dann ist dies chr Verdienst, denn es waren mehr als einmal sichere Erfolge des Gegners, die sie noch im letzten Moment verhinderten. Fischer im Tor überraschte nach der angenehmen Seite. Er zeigte verschiedene geschickte Paraden.
Die Gäste zeigten zwar nicht den erwarteten Eindruck, doch war ihr Spiel weit besser, als das der Gastgeber. Mit zunehmendem Spielverlauf kam dies besonders zum Ausdruck, denn da waren die Blauweißen ziemlich am Ende ihrer Kräfte. Die Hintermannschaft war der beste Mannschaftsteil. Dor allem der Torwächter machte einen äußerst sicheren Eindruck. Die beiden Verteidiger waren jederzeit Herr der gegnerischen Angriffe. Die Läuferreihe zeigte ausgeglichenes Können, im Sturm war das Jnnentrio reifer als die Außenstürmer.
Der Spielverlauf: Abgesehen von verschiedenen Momenten, hatten die Gäste die Mehrheit des Spielgeschehens. Mitte der ersten Halbzeit war es der Mittelstürmer, der im Anschluß an eine gute Kombination des rechten Flügels aus nächster Nähe die Führung erreichen konnte. Gegen Schluß der zweiten Hälfte gelang es dem Halbrechten, aus dem Gedränge den zweiten Treffer zu erzielen. Bei diesem Resultat blieb es, denn die Blauweißen wußten nun unter Aufbietung ihrer letzten Kraft weitere Erfolge zu verhindern.
Schiri Post (Wieseck) war ein großzügiger Leiter.
VfB. Oberschmltten — 1900 5:1.
Die Begegnung mit dem VfB. Oberschmitten bereitete den Blauweißen eine herbe Enttäuschung. Die Gastgeber entpuppten sich als eine Mannschaft, die nicht nur riesigen Eifer an den Tag legte, sondern auch über ein spielerisches Können verfugt, das unseren hiesigen Mannschaften in nichts nachsteht. Dor der allen Ansprüchen aerecht werdenden Hintermannschaft arbeitete eine Läuferreihe, die nicht nur in der Abwehr, sondern auch im Aufbau sehr wir- kungsvoll ist, und der Sturm ist eine Einheit, die ihrem Namen Ehre macht.
Don den Blauweißen in der Aufstellung: Fischer, Zeiler, Lippert, Schmitz, Jäger, Hain, Schellhaas, Günther, Enders, Garth, Henkelmann, sah man eine recht matte Partte. Mag sein, daß sich das Spiel des Dortages bemerkbar machte. Verschiedenen Spielern wäre trotz allem etwas mehr Einsatzwille zu empfehlen. Dafür haben sie an Lippert und Zeiler ein gutes Beispiel, denn ohne diese beiden wäre es sicher zu einer noch höheren Niederlage gekommen.
Der Spielverlauf: Die Gäste begannen sofort in flottem Tempo, und die Hintermannschaft der Blauweißen hatte alle Hände voll zu tun, um sich dieser Angriffe zu erwehren. Verschiedentlich kamen die Blauweißen zu Gegenangriffen, die jedoch nicht die Gefährlichkeit besaßen, um zu Erfolgen zu kommen. Fast schien es so, als ob die erste Hälfte torlos verlaufen sollte, doch da kamen die Gastgeber zu ihrem ersten Treffer. Bei einem Abschlag Zellers sprang der Ball vom Halblinken zur rechten Ecke, von wo ihn der Halbrechte einköpfte. Der Anstoß wurde abgefangen und schon hieß es 2:0.
Nach der Pause, wo die Blauweißen bergab spielten, erhoffte man eine Besserung, und als Jäger auf 2:1 verkürzte, schien sich die Wendung zu vollziehen. Weit gefehlt. In der nächsten Minute hatten die VfB.er ihren Vorsprung wieder vergrößert, und als sie merkten, daß die Blauweißen auch mit dem Platzvorteil nichts anzufangen wußten, bränqre die Läuferreihe wieder stark zur Offensive. Im Anschluß an eine Ecke erhöhte der Mittelstürmer auf 4:1, und
kurz vor Schluß war es der Linksaußen, der das Endergebnis herstellte, welches die Gastgeber auf Grund chrer guten Leistung voll und ganz verdient hatten.
VfB.-Reichsbahn Gießen.
2:l-5ieg über Germania Ularburg.
Als die Gießener die Reise nach Marburg ohne Fehling und Hauptfeld antreten mußten, hatte nie» mand der Mannschaft eine Gewinnchance eingeräumt. Aber es kam anders, als erwartet. Die Gießener kämpften mit großer Zähigkeit und einem ungeheuren Eifer. Allerdings waren die Germanen nicht mehr der Gegner früherer Jahre. Bei den Gießenern, die mit Balser; Knauß, Lotz; Leutheu- ser 3, Mund, Fenster; Schäffer, Schmidt, Jakob, Heß, Szponick spielten, konnte die Hintermannschaft restlos überzeugen. Besonders Knauß war der überragende Mann. Die Gießener Läuferreihe lieferte ein gutes Defensivspiel. Im Sturm fiel der Rechtsaußen aus, die übrigen Stürmer waren gut. Der Schiedsrichter war in feinen Entscheidungen unsicher.
Die ersten 10 Minuten gehörten den Gießenern, die immer wieder durch Einsetzen des linken Flü-
Arn gestrigen Sonntag traten Turner und Turnerinnen der Kreise Gießen und Wetzlar zu den volkstümlichen Wettkämpfen ihres Kreisgebietes an. Die Teilnehmerzahl von rund 800 spricht für die Beliebtheit dieses Wettkampfes, für den guten Kampfgeist, der in unseren Turnern steckt und sie immer wieder ihre Kräfte im turnerischen Wettstreit messen läßt.
Die Veranstaltung war vom Tv. Kinzenbach in jeder Beziehung gut vorbereitet und so fanden die Turner einen tadellos hergerichteten Turnplatz, der es, in Verbindung mit gutem Wetter, zu sehr schönen Leistungen kommen ließ.
Gefallenen-Gedenkfeier.
Der Samstag stand im Zeichen der Feier der 25jährigen Bestehens des Tv. Kinzenbach, die mit einem Gedenken an die im Weltkrieg fürs Vaterland gefallenen Brüder eingeleitet wurde. Der Spielmannszug der Hitler-Jugend brachte Turner und Turnerinnen, die große Turner-Fahne voran, von Fackelträgern begleitet, zu dem schönen an der Kirche gelegenen Ehrenmal. Der Gesangverein „Fortuna" Kinzenbach gab der Feier mit dem Lied „Das Kreuzlein im Winde" die rechte Einstimmung. Der Vereinsführer des Turnvereins, Ludwig Bepler, gedachte in ehrenden Worten der toten Brüder, die ihr Leden für das deutsche Vaterland gaben. In die stille Nacht hinein erklang das Lied vom guten Kameraden.
Auf dem Festplatz waren es wieder die Sänger, die dem Festoerlauf die Einleitung gaben. Vereinsführer Bepler sprach herzliche Worte zum Willkomm und brachte in seiner Festansprache einen kurzen Rückblick auf die 25-jährige Geschichte des Tv. Kinzenbach. Er ließ seine Ansprache mit dem Wunsche zum guten Gelingen der Veranstaltung ausklingen.
Gute turnerische Leistungshöhe des Vereins bewiesen die anschließend gezeigten Vorführungen. Die Turnerinnen verrieten gute Schulung und Auffassung bei einem Gruppentanz, die aktiven Turner zeigten teils recht schwierige Hebungen in guter Ausführung am Barren und auch die Freiübungen der Turnerinnen gefielen sehr gut.
ßbrunfl der Jubilar«
Eine schöne Ehrung für die Vereinsgründer nahm der Dereinsführer dann mit Worten des Dankes für ihre Treue und Arbeit vor; er überreichte den nachstehenden Turnern ein geschmackvolles Ehrendiplom, das neben dem Dank auch ein Ansporn sein solle für
aels im Strafraum des Gegners austauchen. Dann konnten die Marburger das Spiel offen gestalten, aber ihr Halblinker verschoß zweimal kurz hintereinander in aussichtsreicher Stellung. Auf der Gegenseite überlief Szponick den Läufer und den Verteidiger, gab daraufhin an Heß zurück, der scharf flach aufs Tor schoß. Der Torwart konnte den Ball nur abklatschen und Jakob schoß unhaltbar ein. Jetzt drehten die Marburger auf. Ihr Mittelläufer setzte die Flügel geschickt ein. Jedoch immer wieder konnte die Gießener Hintermannschaft erfolgreich klären. Bei einem erneuten Angriff der Gießener schoß Jakob mit voller Wucht in das Tor. Der Schiedsrichter erkannte aber den Erfolg nicht an.
Nach Wiederbeginn waren die Germanen zuerst stark feldüberlegen. Ihr Sturm verstand es jedoch nicht, sich durchzusetzen. Zwei gute Torgelegenheiten für die Gießener konnte ihr Rechtsaußen auch nicht verwandeln. Bei einem Angriff des Marburger rechten Flügels wurde Knauß an der Hand angeschossen und der gegebene Elfmeter verwandelt. Der Gießener Sturm konnte sich jetzt wieder durchsetzen und bei einem Gedränge vor dem Marburger Tor schoß Heß kurz entschlossen ein. Weiter griffen die Gießener an. Noch eine Minute war zu spielen, als die Marburger nochmals angriffen. Ihr Halblinker schoß Mund an den angelegten Arm und wieder gab der Schiedsrichter Elfmeter. Der Verteidiger der Germanen schoß diesen Ball jedoch neben das Tor. Bei Schlußpfiff hatten die Gießener auf Grund ihrer Gesamtmannschaftsleistung einen verdienten Sieg errungen.
Bei dem Pokalturnier der Jugend in Leihgestern konnte die 2. Jugend den Pokalsieger stellen.
weitere Arbeit. Das Diplom erhielten folgende 23er» einsgrünber: Karl Bepler, Wilhelm Pfaff L, Otto Mandler, Heinrich Bepler, Wilhelm Pfaff II., Heinr. Mandler, Ernst Pfaff, Aug. Mandler, Ldw. Mandler I., Wilhelm Bepler, Ludw. Mandler II., Heinrich Peusch, Ernst Mandler, Heinr. Bepler II., Ernst Peusch und Paul Müller.
Kreisfachamtsleiter D a u p e r t (Wiefeck) überbrachte dem Jubelverein die herzlichsten Glückwünsche des Kreisfachamtes und betonte, daß der Turnverein Kinzenbach immer ganze Arbeit geleistet habe im echt turnerischen Gemeinschaftsgedanken. Trurnerische Arbeit ist' Dienst am Volk, der stete Bereitschaft und Treue verlangt und dem man mit ganzem Herzen ergeben sein muß. Das „Gut Heil" auf den Turnverein Kinzenbach fand im Festzelt lebhaften Widerhall.
Aufmarsch derTurner.-OieWettkämpfe
Arn Sonntagoormittag wurden die Teilnehmer des Kreisvolksturnens von dem Musikzug der HI. an der Bahn abgeholt und zum Turnplatz geleitet. Dor Beginn des Wettkampfes fand auf Kommando des Wettkampfleiters, Kreisvolksturnwarts Dr. Loh (Wetzlar), die Flaggenhiffung statt und bann marschierten bie 33 Riegen mit bem Lieb „Turner auf zum Streite" an bie Uebungsftätten. Balb war ber Wettkampfplatz burch bie vielen Turner und Turnerinnen vollkommen belegt. Das immer roieber so er» freuenbe Bild frischer, froher Jugenb im Wettkampf mürbe von Dielen gejchaut, bie ihre Genugtuung an bem Tun unb Können ber Männer, Knaben unb Mäbchen hatten. Sie hatten um so mehr Grunb ba- zu, als in allen Klassen gute Leistungen geboten mürben. Dank ber guten Platzanlage unb ber orbent» liehen Arbeit ber Riegenführer unb Kampfrichter mar bas Turnen um 12 Uhr beendet, während die Turner gemeinsam ihr Eintopfessen einnahmen, begann im Berechnungsausschuß^ie Arbeit.
Oer Fest»»«.
Der große Festzug, bem bie Reichsbunbflagge oorangetragen mürbe, mit Fahnenschminger unb bem neuen, noch verhüllt getragenem Banner bes Turnvereins Kinzenbach, Turner unb Turnerinnen im schmucken Turnanzug, würbe, zumal sich auch bie Ortsoereine beteiligten, zu einem roerbenben Auftakt für bie Nachmittags-Veranstaltungen. Auf bem Festplatz würbe von Turnerinnen ein Korbballspiel gezeigt, welches viel Anklang fanb unb auch zeigte, wie gut bieses Spiel sich für Frauen eignet.
Das Kreisvolkslurnen in Kinzenbach.
Eine große turnerische Veranstaltung. - 800 Wettkämpfer am Start. Jubelfeier des Turnvereins Kinzenbach.
Die allgemeinen Freiübungen ergaben wie immer ein schönes Bilb, sie waren unvorbereitet unb würben vielleicht gerabe beshalb um so lebhafter unb ungezwungener geturnt; sie machten ben Aus- übenben Freube unb erweckten Freube bei ben Zuschauern.
Kreisvolksturnwart Dr. Loh sprach bem Turnverein Kinzenbach ben Dank aus für bie gute Vorbereitung ber Veranstaltung unb nahm bann bie Siegerehrung vor. Sie erfolgte in roürbiger Form unb leitete über zu bem Höhepunkt bes Nachmittags, ber
Fahnenweihe
des Turnvereins Kinzenbach.
Don vier Turnerinnen würbe bie noch verhüllte Fahne vor bie Front ber angetretenen Turner gebracht unb bann sprach Kreisfachamtsleiter Dau« pert bie Worte ber Weihe. Er bezeichnete bie Fahne als bas Symbol ber Treue unb ber festen Gemeinschaft, betonte bie alte Trabition ber Turnerfahnen unb gab ber Hoffnung Ausbruck, baß auch bie neue Fahn? bes Turnvereins Kinzenbach, bie bas Reichsbunbwappen mit bem Hakenkreuz, bie vier F unb bas Bilbnis Jahns trägt, sich biefer alten Trabition anschließe. Er übergab bie Fahne dem Vereinsführer des Turnvereins Kinzenbach, der sie mit dem Geloben, das Banner immer in Ehren und heilig zu halten, für den Verein übernahm. In das von Kreisfachamtsleiter Daupert ausgebrachte „Sieg-Heil!" auf den Führer stimmten die Massen begeistert ein. Daraus fang man die Lieder der Nation. Der Vereinsführer des Gesangvereins Fortuna Kinzenbach überreichte für bie neue Fahne eine Fahnenschleife, für bie ihm herzlicher Dank burch bie Turner gesagt würbe.
Das Kreisvolksturnen ber Kreise Gießen unb Wetzlar ist vorüber. Mit bem Verlauf ber Veranstaltung unb mit ben gezeigten Leistungen können bie Kreisfachamtsleitung, bie Turner unb ber Turnverein Kinzenbach zufrieben sein.
Oie Ergebnisse:
lumer-Sfufe.
90 Teilnehmer, 69 Sieger.
1. Karl Michels, 46 Gießen, 82 Punkte. 2. Kurt Strack, Mtv. Gießen, 81. 3. Arnold Fehrenbach, Mtv. Gießen, 79. 4. Wilhelm Moos, Lollar; Karl Schuster, 47 Wetzlar, je 76. 5. Helmut Großhaus, Lollar; Wilhelm Volk, Hörnsheim, je 75. 6. Erich Wagner, 47 Wetzlar; Willi Munzert, Lollar; Franz Müller, Heuchelheim, je 74. 7. Karl Würtz, Krofdorf; Ernst Stengel, Großen-Linben, je 73. 8. Wilhelm Vogel I., Mainzlar; Wilhelm Zecher, Tuspo Obenhausen; Karl Seipp, Großen-Linben, je 72. 9. Karl Heinz Krausch, Mtv. Gießen, 71. 10. Karl Wagner, Krofdorf; Heini Weitzel, Braunfels, je 69. 11. Wilhelm Bepler, Kinzenbach; Ernst Frank, Lollar; Richarb Lenz, Allenborf (Lahn); Wilhelm Lepper, Alten-Buseck; Heinz Schmibt, Kinzenbach; Willi Rühl, Naunheim, je 67. 12. Rich. Bepler, Kinzenbach; Heinrich Nickel, Treis, je 66. 13. Albert Stamm, Walbgirmes; Ernst Goldberg, 47 Wetzlar; Hermann Pfeiffer, Tufpo Niedergirmes, je 65. 14. Otto Kurz, Braunfels; Reinhold Dieh- mann, Kinzenbach; Georg Schwan, Mtv. Gießen; Otto Henkelmann, Heuchelheim; Hans Happel, 46 Gießen; Max Rubin, 46 Gießen, je 63. 15. Willi Schmiedel, Tufpo Odenhausen, 62 Punkte.
Allerslumer.
20 Teilnehmer, 19 Sieger.
1. Otto Dietz, Lollar, 101 Punkte. 2. Fritz Weiters- haus, Großen-Linben, 100. 3. August Best, 1847 Wetzlar; Wilhelm Zipse, Watzenborn, je 88. 4. Otto Sauer, Ruttershausen, 85.5. Fritz Adam, Braunfels, 82. 6. Wilhelm Hofmann, Alten-Buseck, 80 P.
Allerslumer 1896 unb aller.
6 Teilnehmer, 6 Sieger.
1. Karl Heß, Braunfels, 80 Punkte; 2. Heinrich Keller, Burgsolms, 76; 3. Karl Agel, Lollar, 75 P.
Jugend-Oberstufe.
67 Teilnehmer, 42 Sieger.
1. Willi Berghäuser, Wetzlar-Niedergirmes, 84; 2. Helmut Schleenbecker, Ruttershausen, 83; 3. Karl Allgeyer, Lollar, Willi Ricke, Braunfels, je 74; 4. Otto Eger, Gießen (Mtv.), 72; 5. Philipp Schaaf, Trais, 69; 6. Friedrich Ott, Ruttershausen, 68; 7. Friß Gräser, Wetzlar, 67; 8. Karl Lisy, Lützellinden, 66; 9. Hugo Müller, Hörnsheim, 65; 10. Erich Weigel, Klein-Linden, 64; 11. Otto Sorg, Brandoberdorf, Christian Schmidt, Krofdorf, Wilh. Platt, Rodheim, Gustav Stamm, Waldgirmes, je 62 P.
Unbekannte Fracht.
Roman von Frank Z.vraurr.
Nachdruck verboten!
22. Fortsetzung.
Sie begriffen alle sofort und verkrochen sich hinter Felsvorsprüngen. Als die Breitseite mit ohrbetäubendem Widerhall krachte, lagen sie und hielten ben Atem an. Die Granaten sausten heulenb über sie hinweg, schlugen gegen bie Felswanb unb krepierten Ein Hagel von Eisen- unb Steinstücken zischte burch bie Lust. Gleichzeitig setzte das takt- mäßige Geräusch eines feuernden Maschinengewehrs ein. Die noch auf dem Wasser befindlichen Boote wurden beschossen.
Schreie erfüllten die Luft. Verwundete heulten. Die Deutschen lagen nebeneinander, eng an den Boden gedrückt. Mit langen Sprüngen wechselte der Chinesenführer, mit dem sie eben noch verhandelt hatten, seinen Unterschlupf. Der Schuppen bot gegen Granaten keinen Schutz. Er sah die drei Weißen liegen und warf sich bei ihnen hin. Es geschah kerne Sekunde zu früh. Die zweite Breitseite kam tosend durch die Luit. Die Geschosse sangen formnch, dann zerbarsten sie jauchzend. Die Hölle war los.
„Ein Regierungsdampfer?" schrie Hans Lorenzen fragend. ... nn r *
Der chinesische Offizier schne zurück: „W.r sind verraten. Man verfolgt Ihr Schiss nicht, uns will man treffen. Die gelandeten Masten wollen sie haben, nachher, wenn hier alles tot oder geflohen ist'"
„Schöne Aussichten!" knirschte John Schnaken- deck. „Wann sehen wir die „Mary D. wieder.
Hans Lorenzen zog eine Grimasse. „Die fommt nicht zurück", sagte er überzeugt, unö ber Oebanfe durchfuhr ihn, wie stoh wahrscheinlich Durham war, gerade ihn hier an Land zu wissen. „Ist Che Wong an Bord geblieben?" _ ... - ,
„Natürlich." Rudolf Terbruage nickte. Er konnte den Kopf ein bißchen heben. Von der „Mary D. war nur noch eine Rauchfahne zu bemerken. Die kommt allerdings nie zurück, dachte er und fragte laut: „Was machen wir nun.
q°ns Lorenzen ,nh den chinesischen Offner an. Die Geschütze schwiegen gerade. „Wenn wir le- bendig wegkammen", sagte er, „müssen Sie uns
erst einmal mitnehmen. Die Regierungstruppen würden uns an die nächste Mauer stellen.
Der Chinese lächelte. „Sie werden nicht mehr lange schießen, sondern Boote an Land schicken. Den Augenblick müssen wir abpassen. Es gibt sichere Wege nach rückwärts, die jene dort sich hüten werden zu gehen. Sehen Sie zu, daß jeder eine Waise und Munition mitbekommt. Dann folgen Sie mir "
Der Chinese behielt recht. Nach der dritten Salve schwiegen die Schiffsgeschütze. Das Maschinengewehr war schon vorher verstummt. Kleine, schnelle Boote mit sechs Ruderern, Soldaten in der Mitte, kamen zu Wasser.
„Jetzt!" rief der Chinese. Er sprang auf, lief zum Schuppen, packte vier Gewehre und die Patronengurte und kam zurück. Persönlicher Mut war ihm nicht abzusprechen. „Galopp!" befahl er und lachte strahlend; wie seine Gedanken waren, erriet man nicht. Sie setzten wie die Hasen bei einer Treibjagd über den Streifen freies Land. Diele liefen mit ihnen. Ein paar Flintenschüsse fielen. Zwei Chinesen links und vor ihnen fielen lautlos um. Die meisten erreichten mit ihnen die Felsoorsprünge. Geduckt ging es vorwärts. Aber nicht sehr weit, nicht lange. Nach hundert Meter, die sie gestiegen, geklettert waren, siel das Land vor ihnen wieder ab und wurde weithin eben. Wasserrinnen unb Sumpfgelänbe leuchteten matt. Aus ber Höhe bes Felsenzuges standen andere Soldaten. Sie begrüßten den chinesischen Offizier und die drei Deutschen mit lauten Zurufen unb zogen sie in bie ausgehobene Deckuna. Ein richtiger Schützengraben nahm sie auf.
„Hier sinb wir gerettet", sagte ber Chinese. „Diese Stellung werben die paar Leute der Landungstruppe nicht anzugreifen wagen." Er warf sich auf die Brustwehr, das Gewehr im Anschlag. Als die ersten Boote unten landeten, empfing sie ein Hagel von gezielten Einzelschüssen. Sie hatten Verluste, drangen aber bis zu dem Schuppen vor, wo die Wassenkisten lagen. Ein paar Leuchtkugeln gingen hoch. Die Schiffsbatterien verstanden die Zeichen. Das Artilleriefeuer setzte wieder ein. Aber es lag jetzt besser und reichte weiter ins Innere. Die Geschütze bestrichen die Gräben am Hang. Wütend mußten die Chinesen in Deckung gehen. Während sie grimmig die Zähne fletschten in ohnmächtigem Zorn, wurden unten die Waffenkisten abtransportiert.
Nach einer guten halben Stunde setzte das Geschützfeuer aus. Die Posten wagten sich heraus. Ihre Rufe holten die andern ins Freie. Da sahen sie es alle. Der Kampf war aus. Der chinesische Regierungsdampfer gab die Beschießung auf. Er schickte auch keine Landungstruppen mehr, sondern nahm im Gegenteil seine Leute sämtlich zurück. Offenbar genügte es ihm, Beute gemacht zu haben. Er setzte Dampf auf und steuerte seewärts.
„Will er vielleicht doch noch unserer braven „Mary D" an ben Kragen?" meinte John Schna- kenbeck. Hans Lorenzen schüttelte ben Kopf. „Das glaube ich nicht", sagte er, „bie „Mary D." würbe ihm in einen neutralen Hafen entwischen."
Sie stanben unb sahen bem Schiff nach, bas von ber Dunkelheit ebenso rasch wie vorher bie „Mary D." verschluckt würbe. Ihre Gebauten waren zwiespältig. Sie bürsten sich gerettet nennen, gewiß, aber
Neben ihnen ftanb ber chinesische Offizier. Er schien hier ber Führer zu sein. Lächelns brehte er ihnen ben Kopf zu. „Ich banke Ihnen für bie Unterstützung", sagte er unb zeigte bie Zähne. „Was gebenden Sie zu tun?"
„Was können wir tun?"
„Sei uns bleiben, wenn Sie wollen. Wir haben einige Europäer in ber Armee."
„Sie sinb — verzeihen Sie bas Wort — Aufrührer, nicht wahr? Sie kämpfen gegen bie Zen- tralregierung?" fragte Hans Lorenzen offenherzig.
Der Chinese nahm ihm bas nicht übel. „Wir sinb Patrioten", sagte er feierlich. „Wenn wir bie Regierung übernommen haben — unb der Taa wird kommen —, werden wir nicht mehr Aufrührer heißen."
„Lassen Sie uns Zeit", bat Hans Lorenzen. „Wir sind hier nicht Partei. Das beste wäre, wir versuchten, allein wegzukommen. Macao kann nicht allzu weit sein, Hongkong oder Kanton ließe sich vielleicht erreichen."
„Ich zwinge Sie zu nichts", sagte der Ckstmse- „Aber bedenken Sie, in Hongkong ober Kanton — wenn Sie es erreichen würben — ist die Regierung, gegen die Sie eben gefochten haben. Layen Sie, ich weiß. Sie haben nicht geschossen, aber Sie sind von jenem Schiff, das den Aufrührern —- sagten Sie nicht so — Waffen lieferte. Das genügt 1 dort den Herren, um Sie kurzerhand aufzuknupsen.
„Wir sind keine Chinesen, es gibt Verträge unb Gesetze. Man muß uns ausliefern."
„Es würbe bestimmt kein Konsul unb keine britische Vertretung erfahren, baß man sich ihrer ent- lebigt hat." Der Chinese verbeugte sich europäisch und wandte sich ab. Die drei Deutschen sahen sich an. Sie zuckten genau gleichzeitig die Achseln. Jeder hatte die Frage in des andern Blick erkannt. Was soll werden? Achselzucken. Nach einer drückenden Pause sagte Rudolf Terbrügge: „Ich glaube, der Mann hat recht. Wir sind in einer Mausefalle. So ganz einfach wird es nicht sein, wieder herauszukommen."
9. Kapitel.
Eigentlich hatte es ganz andere Gründe, weshalb Frau Berta Nickels ihrem Mädchen Antje die Stellung aufkündigte. Die Freundschaft Antjes zu „diesem Herrn, der seine Milch nicht bezahlte, aber in Kaffeehäusern Zechen machen konnte", und auch das angeblich wiederholt späte Nachhause- kommen hätten Frau Berta in guten Geschäftszeiten nicht einmal zu einer Bemerkung veranlaßt. Antje tat ja trotzdem ihre Arbeit. Ader das war es eben: die Zeiten waren für die Nickelfche Milch- Handlung nicht gut. Es hatte sich an der Ecke gegenüber ein Laden aufgemacht, größer und Heller, der direkt Milch vom Gut Gläschen bezog unb außer- bem brei Töchter im Betrieb hatte. Drei hübsche Mäbchen. „Wahre Männerfallen!" sagte Frau Berta zu ihrem Mann, bie bie männliche Kunb» schaft von Nickels weg in ben anberen Laben lockten. „Die Antje ist zu doof". Damit bewies Frau Berta zwar, wie unwahr ihr Entlassungsgrund war; aber Antje konnte nichts dagegen machen. Sie war zum Fünfzehnten gekündigt und mußte gehen. Peter Nickels würde feine Milch mit einem Mor- gemnädchen austragen. Er hatte wieder mehr Arbeit. Ader auch er fügte sich. Frau Berta war ihm mit Zahlen und Berechnungen gekommen. So ging es nicht bergan. Frau Berthas Zahlen aber stimmten immer. Er wußte das und schwieg. Heimlich, am letzten Tag, drückte er Antje drei Mark in die Hand und wünschte ihr alles Gute. Sie lächelte; ihm war sie nicht böse. Von Frau Berta verabschiedete sie sich kühl. Die dicke Frau kämpfte mit sich. Tatsächlich hatte sie das Mädchen ganz gern gehabt. Aber dann siegte doch die Regung, hier feftbleiben zu müssen. Sie neigte nur förmlich den Kopf und ließ Antje ziehen. Fortsetzung folgt.


