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Kr. 197 Zweiter Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)Montag, 2§.August 1956

Australiens Vevölkerungsforgen

Äon unserem v.S.-Äerichterstatier.

(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.) Sidney, im Juli 1936.

Wenige Kolonialländer können sich einer ebenso einheitlichen Bevölkerung rühmen wie Australien. Die ersten Ansiedler in Australien waren Briten und auch in der Folgezeit setzte sich die überwiegende Mehrzayl der Einwanderer aus Engländern, Schot- ten und Iren zusammen. Obwohl in der Anfangs­zeit den Auswanderern geldliche Unterstützung und freie Ueberfahrten gewährt wurden, muhten sie nach ihrer Ankunft in Australien meistens selbst für ihr Fortkommen sorgen. Bis 1850 vermehrte sich die Beoölkerungszahl äußerst langsam und erreichte nach 62 Jahren seit der ersten Ansiedlung (1788) kaum 400 000 Personen. Es bedurfte der großen Goldentdeckungen der fünfziger Jahre, des Goldfiebers in Victoria, um den Zustrom der Ein­wanderer ansteigen zu lassen, durch den gegen 1860 die Bevölkerungszahl verdreifacht wurde.

In den folgenden 50 Jahren machten sich große Schwankungen in den Einwanderungszisfern be­merkbar. In dem letzten Jahrzehnt vor dem (Ein­treten der großen Wirtschaftskrise (1921 bis 1930) kamen durchschnittlich 36000 Einwanderer jährlich nach Australien. In diesen Nachkriegs- jähren wurde die Einwanderung durch finanzielle Unterstützung der britischen und australischen Regie­rung gefördert. 1929 wurde diese eingestellt und trotz oerschiedentlicher Anregungen Englands ver­hält sich die australische Oeffentlichkeit, ungeachtet Iber Parteizugehörigkeit, im großen und ganzen ab­lehnend gegen die Zulassung neuer Zuwanderer in größeren Mengen, solange die Arbeitslosigkeit in 'Australien selbst noch nicht behoben ist.

Interessant in diesem Zusammenhang ist es zu «bemerken, daß der Einwanderung selbst bei weitem «nicht die Hauptrolle in der Beoölkerungszunahme Australiens während der letzten 50 Jahre zuzu- schreiben ist. Während die Beoölkerungszunahme iin diesem Zeitraum sich auf 4 269 000 stellte, war Iber Beitrag der Einwanderer zu dieser Ziffer nicht mehr als etwa ein Viertel, oder durchschnittlich ; 19 373 im Jahr. Dagegen betrug der natürliche Zu­wachs durch Geburtenüberschuß an 66 000 ! jährlich.

Diese an und für sich normale Entwicklung ist iin den letzten Jahren in eine rückwärtige verwan- idelt worden. Nicht nur haben in den letzten fünf «Jahren 20 000 Personen mehr Australien verlassen, als Neuankömmlinge hinzugekom- imen sind, sondern nach den statistischen Angaben «macht sich ein geradezu katastrophaler Gebur­tenrückgang bemerkbar. Die Geburtenrate «nimmt unaufhörlich ab und erreichte im vergange- inen Jahre im Staate Victoria den Tiefitand von 15,16 je Tausend. Noch auffallender ist der Rück- «gang beim Vergleich der Zahlen der Eheschließun- jgen und Geburten im gleichen Staat. 1931 waren .10 182 Eheschließungen und 30 332 Geburten. Fünf Vcchre später waren 15 409 Eheschließungen, dabei mur 27 854 Geburten, d. h. bei 5000 mehr Ehe- fschließungen 3000 weniger Kinder. Für die anderen «Staaten sind die letzten Ziffern noch nicht veröf- sfentlicht, das Ergebnis dürfte jedoch dasselbe sein. Dor 50 Jahren war die Geburtenzahl 35,69; 1920 nvar sie gleich 25,45; 1929 gleich 20; 1935 gleich 15. ?Die augenblickliche weiße Bevölkerung Australiens (stellt sich auf etwa 6 700 000. Hierzu kommen noch 960 000 schwarze Ureinwohner, die zum Teil noch iim Urzustand leben. Es ist berechnet worden, daß, iwenn keine neue Zuwanderung stattfindet und die nehmen Geburten- und Todeszahlen unverändert bleiben, die Bevölkerung Australiens im Jahre 1973 die Zahl von 7'/- Millionen und gegen Ende ldes Jahrhundert vielleicht 8 Millionen erreichen, Idanach aber langsam abnehmen wird.

Es bestehen verschiedene, sich sehr widersprechende ?Ansichten über die Bevölkerungsaufnahmefähigkeit «Australiens. Während einige Forscher meinen, ein

Der neue deutsche Farbfilm

st-

plattenfabrik dem additiven Verfahren zu. Sie bau-

ihren zu. Sie bau- meter auf ein Tausendstel Millimeter gemessen wer- tho n weiter ent-Iden! Es ergab sich also ein sehr verschlungener Ar­

ten hierbei auf dem durch B e r

Seit 40 Jahren erst besteht der Film überhaupt. Aber mit seinen ersten Anfängen beginnen auch schon die Bestrebungen, das lebendige Bild f a r - b i g zu gestalten. Denn gerade beim Film, der ja lebendiges Leben gibt oder wentastens geben soll mußte die Beschränkung auf schwarzweiß ein

empfindlicherer Mangel sein als in der Photogra­phie. Wenn auch die Bemühungen, dieses Ziel zu erreichen, in den verschiedensten Ländern sehr ernst

genau gear­beitet werden mußte, beweist die Tatsache, daß die Zylinderlinsen auf der Blankseite des Films nicht einmal den Durchmesser eines Frauenhaars haben,

daß sie einen Krümmungsradius von 32 Tausendstel Millimeter und eine Eindruckstiefe von vier Tau­sendstel Millimeter besitzen. Um derartig exakt ar­beiten zu können, mußte für bi> Prägewalzen ein besonderes Rohmaterial entwickelt werden und die Walzenoberfläche selbst in einer bisher ungeahnten Glätte poliert werden. Die Linsen werden in die Walze mit Diamanten eingedrückt, die auf die ge­wünschte genaueste Form in mikroskopischer Klein- heil geschliffen werden mußten. Hierzu wiederum mußten neue Schleifmethoden ausaearbeitet werden, die ihrerseits neue Meßgeräte erforderten: mußten doch Krümmungsradien von 30 Tausendstel Milli-

wickelten Grundgedanken Liesegangs auf, der bereits im Jahre 1895 sich mit diesem Problem be­schäftigt hatte. Berthon hatte das von Liesegang verwendete Spaltraster durch ein Linsenraster ersetzt und gleichzeitig in die Blankseite des Films kleine Zylinderlinsen eingeprägt. Auf diese Weise gelangte er zum sogenannten R i f f e l f i l m.

Im Laboratorium der erwähnten Firmen setzte also eine intensive Arbeit ein, von der die Oeffent-

beitsweg, der nur Schritt für Schritt gegangen wer­den konnte.

Selbstverständlich mußte auch das Filmrohmate­rial selbst von einer bisher nicht gekannten Ge­nauigkeit und Empfindlichkeit sein. Die lichtempfind­liche Schicht darf nur ein Hundertstel Millimeter stark sein und darf in der Stärke nur um den Bruchteil eines Tausendstel Millimeters schwanken.

Der Aufnahmevorgang ist nun also so, daß der stark farbenempfindliche Fitzn in der Kamera durch das dreifarbige Linsenraster belichtet wird. Durch die kleinen Zylinderlinsen wird nun jeder einzelne Blickpunkt i n d i e drei Farben zerlegt, wobei die Punkte in mikroskopischer Kleinheit über­einander liegen und entsprechend den Helligkeits­werten der betreffenden Farben verschieden gefärbt werden. Unter dem Mikroskop lassen sich auf dem Filmstreifen ganz genau die drei scharf voneinander getrennten Gebiete der grünen, roten und blauen Farbe erkennen. Die Aufnahmekamera ist dabei noch mit einer Steuerungsvorrichtung ausgestattet, die ermöglicht, allzustarke Farbenkontraste abzu­dämpfen, so daß sie dem menschlichen Auge natür­licher erscheinen. Bei der Wiedergabe ist es einfach umgekehrt: in das Objektiv des Projektionsappa­rates wird wiederum das dreifarbige Filter, nun ober in der umgekehrten Reihenfolge, eingeschaltet, der Film wird von hinten beleuchtet und auf der Leinwand zeigt sich dann das Bild in den natür­lichen Farben.

Bei diesem neuen Verfahren ist es von Vorteil, daß die vorhandenen Kameras ohne weiteres ver­wendet werden können. Sie erfordern nur g e eignete Objektive mit Farbfiltern und eine geringe Abänderung des Blickfensters. Gegenüber Schwarzweiß-Filmen wird gegenwärtig das zwei- bis dreifache Aufnahmelicht benötigt, doch kann die Wärmestrahlung der Atelierscheinwerfer zum großen Teil von ihnen abgeführt und von den Schauspielern ferngehalten werden. Ebenso sind auch für die Wiedergabe im allgemeinen die bis­herigen Projektoren mit einigen Abänderungen (Einbau eines neuen Objektivs, das die sofortige Umstellung von farbig auf schwarzweiß ermöglicht!) verwendbar. Die gegenüber dem Schwarzweißfilm erhöhte Lichtstärke die bis an das Zwölffache geht kann heute bereits nach der Entwicklung neuartiger Effektkohlen ohne Erhöhung der Sttorn- koften erreicht werden.

Zugleich wurde ein neuartiger Projektionsschirm mit geriffelter Oberfläche (ähnlich dem geriffelten Filmband) konstruiert. Bei diesem Schirm kommen auf einen Quadratmeter Oberfläche ungefähr eine Million kleiner, als Hohlspiegel wirkender Riffel.

Der Vorteil bei diesem neu entwickelten Farbfilm- verfahren liegt auch darin, daß, solange die Theater nicht auf den Farbfilm umaeftellt sind, ohne weiteres gewöhnliche schwarzweiße Kopien hergestellt werden können. Es liegt auf der Hand, daß Die Kosten für einen Farbfilm höher find als für einen Schwarz­weißfilm. Sie sollen aber nur einen Bruchteil der Kosten betragen, die seinerzeit aufgeroenbet werden mußten, als der Tonfilm feinen Siegeslauf um die Erde begann.

Bei dem am 4. August zur Uraufführung gelangten : ersten ProbefilmDer Schönheitsfleck", der , unter der künstlerischen Oberleitung von Carl F r o e» [ l i ch hergestellt wurde, ist bereits der außerordent- . liche Fortschritt gegenüber den bisherigen Verfahren . deutlich erkennbar, obgleich es sich um den ersten l Film dieser Art handelt. Als Gesamteindruck bleibt, ; daß der deutsche Farbfilm heute in nichts mehr hinter i den besten ausländischen Erzeugnissen zurücksteht. Die ! Farbwerte, sowohl in den zarten Pastelltönen als - in den kräftigen, buntfatten Farben werden richtig « wiedergegeben, bei den einzelnen Farben und be- i sonders bei Weiß lassen sich, was bisher nicht er- , reicht worden ist, die feinsten Abschattierungen er- i kennen. Alles in allem ein Erfolg, auf den die tech- . nifche Arbeitsgemeinschaft und mit ihr der deutsche - Film stolz sein kann. L. Ph. Z.

haft und kostspielig waren, so blieb der Erfolg bis in die letzte Zeit hinein doch zumeist ein recht zwei­felhafter. Der Verwirklichung des Problems stellten sich immer wieder neue Schwierigkeiten in den Weg.

Die Techniker, die sich mit dem Farbfilm beschäf­tigten, gingen zwei Wege: Die einen suchten durch farbige Filme selbst den farbigen Eindruck zu erzeugen (subtraktives Verfahren), die anderen ver­wendeten farbige Gläser, Farbfilter (additives Der- fhren) in den Farben grün, rot und blau den drei Grundfarben, aus denen jede andere Farbe gemischt" werden kann. Auf ersterem Gebiete be­tätigten sich insbesondere die Amerikaner, die in einigen Erzeugnissen bereits beachtliche Leistungen vorführen konnten. Dieser Prozeß ist aber außer­ordentlich kostspielig, und es entstehen bei der Her­stellung außerordentliche Schwierigkeiten.

In Deutschland wandten sich vor sechs Jahren die Siemens & Halske-AG. und die Perutz-Trocken-

lichkeit nichts hörte und von deren Schwierigkeiten sie nichts ahnte. Auf optischem, feinmechanischem und elektrotechnischem Gebiet mußten mundlegende Un­tersuchungen angeftellt werden. Wie genau gem­

ein Diktat in einer beliebigen europäischen Sprache nicht besteht, ist die Einwanderung von Nicht-Briten nur in den seltensten Fällen möglich.

Die Einwanderung aus Großbritan­nien wird auch nicht gefördert. Die politisch maß­gebenden Staaten von Neu-Süd-Wales und Victo­ria legen kaum Interesse für größere Landsiedlung an den Tag. So hat eben eine Prioatorganisation, die arbeitslosen Jugendlichen nach einiger prakti­scher Ausbildung zu Stellen bei Farmern auf dem Lande verhalf, nach mehrjähriger erfolgreicher- tigkeit ihre Arbeit einstellen müssen, weil sie bei der Regierung von Neu-Süd-Wales weder genügende Unterstützung, noch Verständnis für ihre Ziele fand. In Westaustralien besteht die Kingsley-Fairbridge- Farm School, benannt nach dem Namen ihres Stifters, der erhebliche Mittel zur Verfügung stellte, um englischen Knaben und Mädchen die Auswan­derung nach Australien und in Australien selbst die Ausbildung zu praktischen Berufen auf dem Lande zu ermöglichen. Heute befinden sich dort 300 Zöglinge und es ist geplant, ähnliche Schulen auch in Neu-Süd-Wales, Victoria und Neuseeland zu gründen, falls die nötigen Mittel gesammelt werden können.

Während die Agrarpartei sich um Zulassung von Einwanderern und Schaffung von Siedlungs­möglichkeiten bemüht, interessieren sich die I n dü­st r i e l l e n , die bedeutend größeren politischen Einfluß besitzen, nur für die Zuwanderung von In­dustriearbeitern aus England. In dieser Hinsicht unterstützen sie die Pläne Englands, eine Reihe britischer Jndustrieunternehmungen nach Australien zu verlegen, bei gleichzeitiger Auswanderung der entsprechenden Arbeiter und Techniker. Allerdings gehen die Australier noch weiter, indem sie von Eng­land außer der Stellung von Kapital und Menschen, auch noch die Gewährleistung von Absatzmärk­ten für die neuen Industrien in England ober innerhalb des Weltreichs fordern. Es ist wenig Aus­sicht vorhanden, daß die Einwanderungsfrage vor der nächsten Weltreichskonferenz, die während der Krönungsfeiern im Mai 1937 stattfinden soll, gelöst wird. Mtt Rücksicht auf die Landesverteidi­gung Australiens läßt sie sich nicht länger auf­schieben.

Sättigungsgrad würde bereits bei 15 Millionen Menschen erreicht sein, schätzen andere das mög­liche Maxium auf 20 Millionen, ehe der jetzige Zu- tand der Vereinigten Staaten, und 80 Millio­nen, ehe derjenige Europas eintritt. Bei der Be­rechnung des Maximums der Bevölkerungszahl Australiens, für die eine genügende Menge Weizen im Lande selbst erzeugt werden könnte, kommen andere Sachverständige bis zu 100 Millionen. Es muß allerdings hierbei in Bettacht gezogen wer­den, daß die Technik der Erzeugung von Nahrungs- Mitteln bei weitem noch nicht am Ende ihrer Tage angelangt ist und Gebiete, die heute nicht bebaut ind, sich später anbaufähig erweisen. So wurden l. B. Ende des vorigen Jahrhunderts die als voll- tänbig für ben Ackerbau untauglich verschrienen Gebiete ber Mallee unb Wimmera im Staat Vic­toria in ber Hauptsache von beutschen Ansieblern erschlossen unb find heute blühenbes Weizenlanb. Die vielfach verbreitete Meinung, ber Norben Australiens, der im tropischen Gürtel liegt, fei für weiße Ansiedler ungeeignet, entspricht nicht ganz den Tatsachen. Gerade im tropischen Norden von Queensland ist erwiesenermaßen der natürliche Zu- wachs der weißen Bevölkerung größer als im ver­städterten Süden, gerade hier wird die Leistungs- fähigkeit des weißen Arbeiters nicht beeinttächtigt.

Besonders im Queensland, das sich als nördlichster Staat am meisten vom Druck der Ueberbeoölterung Asiens bedroht fühlt, sind in den letzten Jahren Stimmen laut geworden, die die Erleichterung der Einwan berungs- bebingungen für deutsche Einwande­rer verlangten. Allerdings wurde meistens auch gleichzeitig die Rückgabe von Neuguinea und dem Bismarckarchipel an Deutschland empfohlen, womit eine Pufferzone zwischen australischem und japanischem Hoheitsgebiet, die sich unmittelbar am Aequator berühren geschaffen würde. Unter den heute geltenden Bestimmungen: Vorweisung von 500 Pfund bei der Einreise und Bürgschaft in Australien ansässiger Angehöriger, für den Lebensunterhalt des Zuwanderers zu sorgen, falls er sich keine eigene Existenz gründen könnte, sowie in jedem einzelnen Falle vorherige Erlaubnis ber Bundesregierung, bie außerdem jedem Neu­ankömmling das Landen versagen kann, wenn er

Die ewigen Weiden.

Äon Sofie von llhde.

Den ganzen Tag war etwas Ungreifbares um- Ihergewandert, etwas Vergessenes und doch Gegen- iwärtiges. .____

Was war es denn nur, das mit diesem etwas , gewitterschweren Sommertag zusammenhing? Es .ging mich nahe an, ich wußte es genau, unb ben- mach war es in bem unaufhaltsamen Weiterrollen lbes Lebens als Schatten zu ben Schatten getreten. -War es verknüpft mit dem sonnenhell leuchtenden ^Isartal, das sich mit weiten Wäldern vor mir ibreitete und mit der nahen Kette der föhnblauen -Berge? Welches Erlebnis denn hatte mich einmal iim Blühen des Jahres so tief getroffen, daß es mach immer stark genug war, als ein Namenloses mich zu streifen? .

Da schneidet ein Weg den kleinen Waldpsad (feuchte, schwarze Erde, lehmige Abdrucke von Pferdehufen ach nun weiß ich: heute vor achtzehn Jahren trat ein kriegsverwundeter Freuno in mein Haus und sagte mit der ehrlichen Erschüt­terung, die nur der rechte Reiter verstehen und »empfinden kann: Nun ist Ihr braves Pferd gefallen!

Der Scheich?! .

Ja, der Scheich. Auf einem Melbentt bekamen nvir Feuer, er und ich. Mich ttaf's nur da durch Len Arm, nicht schlimm, aber er bekam einen schwe­ren Schuß. Ach, was tat der Gaul mir leid! Aber mir mußten weiter, t»on der Meldung hing bas Leben vieler Kameraden ab. Er machte auch nicht (schlapp, ber feine Kerl, blutend und zitternd hetzte »r weiter, bis wir an Ort und Stelle waren. Ich Sprang ab unb rannte mit ber Melbung ms Haus unb kam gleich wieder zurück zu ihm, aber da war aer schon zusammengebrochen unb starb. Wie em Heiner Junge hab' ich geheult unb hab s auch heute noch nicht verwunden. Ja, das war em nobles Pferd, der Scheich! ., ., _

Also du bist es, schwarzer Scheich, edler Hengst laus der arabischen Wüste, der heitte neben mir ttrabt und mich anruft mit seinem Geisterwiehern Ibas ich so lange nicht verstehen konnte. Ja, du bist 'wahrhaftig ein nobles Pferd gewesen: Du blutetest «und littest und ranntest mit den letzten Kräften, irecht als ein guter Kamerad. Und von deinem herr­lichen, krastbebenden Leibe ist nichts geblieben, als sein wenig Erde auf den flandrischen Ebenen

Nein, ich will dich so nicht sehen, ich will dich 'stark und fröhlich glauben auf den ewigen Weiden. Dehnen sie sich denn nicht irgendwo in Raumen, «die wir nicht kennen, die endlosen Wiesen des «Glückes für euch, deren Leben oft so glücklich ist runter bem Joche der Menschen? Ich meine, irgendwo jgraft unb trabt ihr froh, ihr, unsere guten Kcrrne-

raben, benen allzuwenig Dank wirb. Oh, ich sehe sie vor mir, biefe ewigen Weiben mit ihrem fröh­lichen Durcheinanber sehr verschiebener Pferbe, be­rühmter unb namenloser, edler und geringer!

Da galoppieren die Diereraespanne, bie einst die Kampfwagen der römischen Krieger in bie Schlacht rissen, hell unb schlank, noch umschwebt von bem goldenen Staube, Den ihre Hufe im Tanz des son- nenglühenden Streites aufgewirbelt haben. Die wuchtigen Mähnen schüttelnd, schauen die schweren Arbeitspferde ihnen nach; ein wenig nachdenklich und geruhsam stehen sie da, und ein Duft wie von frischaufgebrochener Erde und goldenem Ernte­wagen, ein Schlittern, wie von schwerer Last und schleifenden Stämmen ist noch um sie. Da brausen die mächtigen Turnierpferbe der edlen Ritter spie­lend gegeneinander an, und es klirrt wie Eisen und splitternde Lanzen um ihr ungefüges Scher­zen; aber tänzelnd wiegen sich dazwischen die Pferd­chen aus dem Zirkus in den Schritten der Hohen Schule, sie amüsieren sich herrlich beim spanischen Tritt, und die braven Droschkengäulchen, die, noch immer ein wenig krumm in den Knien, die Köpfe zufammenstecken, schauen ihnen verblüfft und er­weitert zu.

Die Mutterstuten mit ihren Fohlen halten sich ein wenig abseits. Ruhig stehen sie im Hellen Lichte und schauen den tollpatschig-graziösen Spielen der Kleinen zu; durch ihre Mähnen weht der warme Sommerwind, das Hohelied von Mütterlichkeit, Fruchtbarkeit und Blühen singt um_ ihre glänzen­den Leiber, die schwer sind von Erfüllung. Zuwei­len fliegt ein Wiehern der Hengste zu ihnen her­über, dann heben sie den Kopf und schwellen die Nüstern.

Die Rennpferde, edles Mut aus allen Zonen der Welt, scharen sich dichter zusammen und fliegen Seite an Seite über die ewigen Weiden, weithin, weithin! An ihren schlanken Leibern, an ihren hohen, raumgreifenben Beinen beben unb spielen die Muskeln; und wieder und wieder drängen sie sich zusammen, verhalten, brechen zitternd los und träumen vom Start und heißem Rennen. Die kleinen, dicken Ponys wollen es ihnen gleichtun, sie rollen hinter ihnen drein auf ihren kurzen Bein­chen und schnauben ärgerlich den Rennpferden nach, die wie fliegende Pfeile vor ihnen her entschwin­den, und verschnaufen keuchend und wälzen sich spielend und beißen einander im Grase. Das las­sen sich die Fohlen nicht zweimal sagen: sie werfen die Köpfchen auf, flugs sind sie von den Müttern weg und kommen antariolt auf viel zu hoher Hinterhand und toben mit unb schlagen aus und springen auf allen Vieren hoch wie kleine Böcke. Das macht die guten, ruhigen Arbeitspferde fröh­lich wiehern; zärtlich fchnubbern sie mit den schwe­ren Lippen an den kleinen ungezogenen Dingern,

deren stets zerraufte Mähnen wie Pinsel in die Luft stehen, und die gar nicht hören wollen, wie die Mütter rufen.

In großen Scharen, eng gedrängt, stehen die Militärpferde im hohen Grase. Man kennt sie gleich am Spiel der Ohren und am Tanzen ihres Schrittes, als zöge noch immer eine anfeuernde Blechmusik ihnen voran. Zuweilen reißt es sie zu­sammen, als käme fernher ein Trompetensignal und riefe zu Galopp unb Attacke; bann ersteht in ben schönen, bunklen, von Leid nun freien Augen ein traumhaftes Erinnern an Kriegsnot, an Wun­den, an Kameradschaft unb an Tob.

Sie alle, biefe Ehrgeizigen unb Treuen, tragen bis in bie Freiheit ber ewigen Weiben hinein die Erinnerung an ben Menschen unb die Dienste, die sie ihm taten wie ein Spiel mit sich; sie haben bie mancherlei Härten vergessen, die sie zu tragen hatten, nur Freundliches lebt noch hinter diesen klugen und anständigen ©timen. Und nur die, ach, viel zu vielen, deren Leben nichts als Martyrium und Not gewesen war, haben noch Umflortes im Blick, als wäre es allzu schwer, die Grausamkeit und Undankbarkeit der Menschen zu verwinden. Aber um sie blüht das Gras am herrlichsten, um sie weht die Luft mit doppelter Süße vielleicht wird ihr Glück auf den ewigen Weiden größer fein als das der andern.

Schwarzer Scheich, mein alter Kamerad, hier also fliegst du jetzt über den federnden Boden, du edler Hengst ja, ich weiß es, hier bist du, nicht in der flandrischen Erde, und von hier kam dein Geisterwiehern zu mir. Deine Nüstern beben, deine Mähne flattert im hellen Wind, und laut aufwie- bernb in Lust jagst du über die leuchtenden Wiesen hin, den schlanken, lodenben, fliehenden Stuten nach!

Oie Menschen

können 140 Jahre alt werden.

Bemerkenswerte Feststellungen mochte ber be­kannte Spezialist für Verjüngung Dr. Doronoff währenb eines Aufenchalts in London, das er die­ser Tage wegen der Uebersetzung seines Buches be­sucht hatte. Es gibt bei weitem mehr Engländerin­nen als Frauen irgendeines anderen Volkes, bie sich durch Übertragung von Affenbrüsen verjüngen lassen wollen, und auf eine Frau kommen immer zehn Männer, die sich dieser Behandlung unter­ziehen.Die Frauen anderer Länder sind schon zu­frieden, wenn sie jung aussehen, doch die englischen Frauen wollen durchaus wieder richttg jung sein , sagte Dr. Doronoff,sie wollen Golf spielen, auf bie Jagd gehen, und tanzen nach Herzenslust, eben­so frisch und unermüdlich wie ihre Töchter ja rvie ihre Enkelinnen. Eie wollen Schönhett und Kraft

zurückgewinnen. Manche Engländer, im Staats­dienst ergraut, sind nur von bem Wunsche beseelt gekommen, Ausdauer und Lebenskraft xurüdge- schenkt zu erhalten, um ihren jung und frisch ge­bliebenen Geisteskräften wieder Höchstleistungen zu­muten zu können. Es liegt gar kein Grund vor, warum Männer und Frauen nicht 140 Jahre alt werden sollten. Frauen haben übrigens mehr Aus­sicht dazu, denn ihr Leben hat meist einen leichte­ren und natürlicheren Verlauf. Man hat beobachtet, daß Tiere siebenmal so lange leben, wie es Zeit braucht, bis sie zur vollen Reife gelangen. Mensch­liche Wesen schließen ihre Entwicklung etwa mit 20 Jahren ab wenn sie in friscker Luft, unter natürlichen gesunden Bedingungen leben, wenn sie frei unb ohne Zwang lieben, lachen unb meinen bürfen, so sollten sie eben auch siebenmal 20 Jahre alten werden."

Eine kühne Bergbesteigung in Britisch-Kolumbien.

Eine hervorragende Bergsteigerleistung wurde am 21. Juli in Britisch-Kolumbien vollbracht, indem der 4000 Meter hohe Mount Waddington, derGecheimnisberg", wie er gewöhnlich genannt wird, die Hauptspitze ber Küstenkette, von bem Deutsch-Amerikaner Fritz Wießner aus Neuyork unb von William House aus Pittsburg erstiegen wurde. In den letzten Jahren waren 16 sorgfältig vorbereitete Versuche unternommen worden, den einer steilen Spitze aufragenden Felsen zu erklet­tern, aber sie waren alle gescheitert und hatten auch ein Menschenleben gefordert. Erst zwei Tage vor­her hatte eine Gesellschaft von acht Bergsteigern aus Britisch-Kolumbien und Kalifornien das Wag­nis von neuem unternommen, war aber wenige hundert Meter unter dem Gipfel zur Umkehr ge­zwungen worden. Die beiden erfolgreichen Berg­steiger brauchten für den Aufstieg und Abstieg 23 Stunden, in denen sie unaufhörlich kletterten, wo­bei jeder Schritt gefährlich war, und ihre Leistung wird als die bemerkenswerteste in der Geschichte der Bergbesteigungen in Kolumbien angesehen. Die letzten 300 Meter führen fast senkrecht in bie Höhe, bie Spitze ist eine mit Eis debeckte Felsenmasse, und sie bietet nur Platz für einen Mann. Wießner ist 42 Jahre alt und hat viele alpine Erfahrungen, House ist ein 32jähriger Student des Forstwesens. Der erster- hatte den Weg mit dem Fernglas von einem tiefer gelegenen Gletscher aus genau erkun­det und brauchte fast drei Wochen für die Vorbe­reitung der Ersteigung der letzten 400 Meter. Die Expedition, die eben erfolglos zurückgekehrt war, konnte verfolgen, wle die beiden die Bergspitze eroberten.