16 Todesurteile in der MoskauerIustizkomödie gegen Angehörige der Trotzki-Opposition.
befindlichen Panzerschiffe „Deutschland" und „Ad. miral Scheer" und die Torpedoboote „Leopard" und „Luchs" werden nach erfolgter Ablösung im Laufe des 26. August den gemeinsamen Rückmarsch an- treten.
Keine Rebellen.
Moskau, 24. Aug. (DRV.) Der Millkär- g e r i ch t s h o f fällte am Sonntag gegen Mitternacht das Urteil gegen Sinowjew und Genossen, die wegen angeblicher Verschwörung vor Gericht standen. Alte 16 Angeklagten wurden zum Tode durch Erschießen verurteilt.
Das letzte Wort der Verurteilten.
Nach der Anklagerede des Staatsanwaltes hatten am Samstag die Angeklagten das letzte W o r t erhalten. Anstatt sich zu verteidigen oder die ideologischen Beweggründe der ihnen zur Last gelegten politischen Verbrechen anzugeben, übertrafen sich die Angeklagten gegenseitig in unterwürfigen Schuldbekenntnissen. Die Angeklagten bezeichneten sich selbst als g e - mein st e Verbrecher und Verräter, nannten sich gegenseitig „räudige Hunde" und „Faschisten" und brachten es schließlich so weit, s o - gar Treuebekenntnisse z u Stalin auszusprechen! Der Angeklagte Reingolz bezichtete die übrigen Angeklagten, vor allem Sinowjew und Kamenew gemeinster Verbrechergesinnung und bedachte Trotzki mit Schimpfworten wie Räuber, Bandit und Mörder. Man konnte sich des Eindruckes nicht erwehren, daß Reingolz bei der Durchführung feiner Rolle des Guten etwas zu viel tat. Nur so ist es zu erklären, daß er den kürzlich entlassenen Vizepräsidenten der sowjetrussischen Staatsbank Arkus beschuldigte, auf Wunsch und unter Mitwirkung Kamenews im Ausland einen Goldfonds geschaffen zu haben zur Unter st ützungder weltrevolutionären Umtriebe Trotzkis. Bei der Errichtung dieses Fonds habe der ehemalige sowjetrussische Handelsvertreter in Paris Tumanow als Mittelsmann mitgewirkt. Durch diese sensationelle Enthüllung werden die mehrfach aufgetretenen Gerüchte bestätigt, daß Trotzki und die Vierte Internationale in Moskau finanzielle Unterstützung gefunden haben.
Kamenew, der ruhiger und gefaßter sprach als die anderen, bezeichnete seinerseits auch den Strafantrag des Staatsanwaltes als „gerecht und h i l l i g", jedoch nicht ohne unter Tränen „die Großzügigkeit Stalins", dem er nach dem Leben
getrachtet habe, zu rühmen. Die Art und Weife, wie Sinowjew und Kamenew zweifellos in der Absicht, damit die Abwendung des Todesurteils zu erreichen, mit theatralischem Fanatismus Trotzki und den „internationalen Faschismus" und Nationalsozialismus beschimpften, zeigte die politischen Grundtendenzen des Prozesses erneut in grellem Licht. Trotzkis Weg, so sagte Kamenew, führe über die Berge von Leichen der Führer der bolschewistischen Partei und des Sowjetstaates, aber es werde ihm nicht gelingen, ihn zu beschreiten, denn durch den gegenwärtigen Prozeß sei Trotzki nicht nur vor den Werktätigen der Sowjetunion, sondern auch vor der revolutionären Bewegung der ganzen Welt als „faschistischer Agent" entlarvt.
Sinowjew blieb nicht zurück hinter Kamenew mit seinen Anklagen gegen Trotzki, den er, oft zum Publikum gewandt, mit dem höchsten Aufwand seiner dünnen Fistelstimme den „Propagandahebel der faschistischen Kampforganisation gegen die Sowjetunion, gefährlicher als der Zarengeneral Denikin und der Emigrantenführer Miljukow" nannte, natürlich gleichfalls in der Hoffnung, sich damit das Leben zu retten.
Als einziger unter den Angeklagten und „Angeklagten" fiel der alte Trotzkist und frühere Volkskommissar Smirnow aus dem Rahmen dieses ekelhaften Schauspiels. Er allein deutete wenigstens die Gründe an, die ihn zur Opposition gegen den Stalin-Kurs veranlaßt hätten, nämlich die „schweren Zeichen in der Ukraine 1932" (worunter d i e Hungerkatastrophe zu verstehen ist), das überstürzte Tempo der Zwangskollektivierung, die er mit Recht die „Oktoberrevolu- tton auf dem Lande" nannte. Er bekannte sich der heimlichen Verbindung mit Trotzki und der terroristischen Absichten gegen die Parteiführung schuldig, lehnte aber jede Verantwortung für die Geschehnisse ab, die sich in den 3 V2 Jahren seiner Haft (!) abgespielt hätten. Auch ließ er keinen Zweifel darüber, daß er an Terroraktionen und Attentatsversuchen, die nach 1933, d. h. nach dem endgültigen Sieg des Stalin-Kurses, angeblich unternommen wurden, nicht glauben könne.
Die „Angeklagten" O l b e r g und Baermann, ließen auch in ihrem letzten Wort keinen Zweifel darüber bestehen, was sie eigentlich sind: Bürger
der Republik Honduras. Olberg gestand eifrig ein, erst in dem Prozeß die Fluchwürdigkeit seiner Verbindung mit Trotzki und mit „der deutschen faschistischen Geheimpolizei" erkannt zu haben, während der Trotzkist Golzmann keine andere Formel für die Erstehung der Gnade mehr fand als die Aeußerung, daß der wirkliche Führer der auf der Anklagebank sitzenden Mörderbande in einem anderen Lande zu suchen sei und Trotzki heiße! Von den „Angeklagten", den Namensvettern Nathan und Moises Lurje, hielt Moises alias Emil Alexander noch einmal eine schwungvolle Rede. In ekelhafter Pose und sichtlich bemüht, die Unscheinbarkeit seiner abstoßenden äußerlichen Erscheinung durch höchsten Stimmaufwand auszugleichen, wetterte er, ganz in der Rolle des Staatsanwaltes gegen Trotzki, Sinowjew und Kamenew. Er nannte sie „feige M ö r d e r b a n d e", die „ihre Unteroffiziere", wie z. B. ihn, sogar noch in dem gegewärtigen Prozeß verraten hätten, obwohl sie diese in die Arme des Faschismus und der Ge st apo getrieben hätten. Schließlich bat er in Anbetracht seiner früheren Verdienste um die KPD. das Gericht um Gnade, ter W a - gajan und Fritz David bekannten ebenfalls unter Tränen ihr Verbrechen des „faschistischen, weißgardistischen Terorisrnus" und verfluchten in dem feststehenden Prozeßritus den „Oberfaschisten" Trotzki. Fritz David, alias Kruglanfki verherrlichte das „glückliche Leben" und die Errungenschaften der Sowjetunion unter Tränen der Regung, so daß gar nicht mehr zu begreifen war, weshalb er vor wenigen Jahren nach der Sowjetunion gekommen war, um Stalin vor dem vorjährigen Kominternkongreß zu erschießen. Am Sonntag war der Prozeß, der als abstoßendstes und ekelhaftestes Schauspiel der menschlichen Erniedrigung in die Geschichte eingehen wird, zu Ende.
Selbstmord Tomskis.
M 0 s k a u, 23. Aug. (DNB.) Einer amtlichen Verlautbarung zufolge hat der Leiter des sowjetrussischen S t a a t s v e r l a g e s Tomski am Samstag in seiner Villa Selbstmord begangen. Tomski war im Verlauf des Verhörs in dem Moskauer Prozeß be schuldigt worden, Verbindung mit den „gegenrevolutionären Terroristen" TrotzkiundSinowjew gestanden zu haben.
Neuer Bruch des Geerechts durch MadriderRegierung
Marxistischer Kreuzerkommandant wegen Durchsuchung eines britischen Handelsschiffes zur Entschuldigung gezwungen.
London, 23. Aug. (DNB.) Der britische 1400 Tonnen große Dampfer „G i b e l Zerjon", der im Fracht- und Passagieroerkehr zwischen Gibraltar und Marokko verwendet wird, ist auf hoher See, zehn Meilen von Melilla entfernt, von einem Kriegsschiff der Madrider Regierung an geh alten und durchsucht worden. Das Schiff hatte am Samstagmittaa Gibraltar verlassen und ist noch nicht an seinem Bestimmungsort, dem spanischmarokkanischen Hafen Melilla eingetroffen.
Die britischen Behörden in Gibraltar haben den Panzerkreuzer „R e p u l s e" angewiesen, sofort in Richtung Melilla auszulaufen, um den englischen Dampfer in sicheres Geleit zu nehmen. „Repulse" lief gefechtsbereit in Richtung Melilla aus, in kurzem Abstand gefolgt von dem Flottillenführerschiff „C 0 d r i n g t 0 n".
Die „C 0 dringt 0 n" hat am späten Sonntagnachmittag den spanischen Kreuzer „Miguel de Cervantes" getroffen, der ben britischen Frachtdampfer „Gibel Zerjon" angehalten hatte. Der Kommandant der „Codrington" ist an Bord des spanischen Kreuzers gegangen und hat gegen die spanische Einmischung in die britische Schiffahrt außerhalb der spanischen Hoheits-gewässer protestiert, worauf sich der Kapitän der „Miguel de Cervantes" entschuldigt hat. Inzwischen war auch der Panzerkreuzer „Repulse" in Sicht gekommen. Nach der formellen spanischen Entschuldigung sind die britischen Kriegsschiffe in Richtung Gibraltar abgefahren. Der Kapitän der „G i b e l Z e r j 0 n" ist davon unterrichtet worden, daß er seine Fahrt nach Belieben fortsetzen könne. Er ist zur Zeit in Melilla mit dem Löschen seiner Ladung beschäftigt. Er hatte keinerlei Munition an Bord. Der Kapitän hatte vor der Abfahrt von Gibraltar Schwierigkeiten mit der Mannschaft, die hauptsächlich aus Spaniern bestand, -die nicht nach Melilla fahren wollten. Die Spanier wurden dann durch britische Seeleute ersetzt. Der spanische Regierungskreuzer „Miguel de Cervantes" hatte in Malaga von Geheimagenten aus Gibraltar Nachricht über Fahrt und Ziel der „Gibel Zerjon" erhalten und sich dann in der Nachbarschaft Melillas auf die Lauer gelegt.
„Daily Telegraph" schreibt: Da weder eine formelle Kriegserklärung von irgendeiner der beiden kämpfenden Parteien in Spanien noch eine Blockadeverhängung vorliege, sei das Anhalten fremder Kauffahrteischiffe außerhalb der spanischen Hoheitsgewässer ungesetzlich. Wenn in Zukunft ein spanisches Kriegsschiff bei einer Einmischung oder Belästigung eines britischen Kauffahrteischiffes auf hoher See getroffen würde, würden britische Kriegsschiffe unter Feuerandrohung den Rückzug der spanischen Schiffe erzwingen. Die britische Regierung sei sicher bereit, an allen Küsten das Recht der freien Schiffahrt auf hoher See aufrechtzuerhalten.
Der „Kamerun"-Fall eine Piratentat
Bemerkenswerte Pariser Stimmen.
Paris, 24. Aug. (DNB. Funkspruch.) In einem warnenden Artikel des Mitgliedes der französischen Akademie Claude Farrere im „Journal, der entschieden für eine strenge Neutralität Frankreichs eintritt, findet sich folgende Beurteilung des Vorgehens sog. spanischer Regierungs- flottenstreitkräfte gegen den deutschen Dampfer .Kamerun": Es habe sich um eine glatte Piratentat gehandelt, ja noch schlimmer, bevor der fpanifdje Kreuzer in der skandalösen^Weise ein jedem bekann
tes und von jedem zu achtendes internationales Gesetz übertrat, hatte seine Besatzung den Befehlshaber und d i e S t a b s 0 f f i z i e r e des Schiffes abgesetzt und ausgebootet oder niedergemetzelt. Die internationalen Marinevorschriften setzten nun aber fest, daß jedes Schiff, an dessen Bord eine schwerwiegene Disziplinwidrigkeit vorgekommen ist, bereits als Piratenschiff gilt. Der spanische Kreuzer, der die „Kamerun" anhielt, sei also ein P i r a t e n s ch i f f, und schon wegen dieser Tatsache hätten die in den spanischen Gewässern anwesenden deutschen Schiffe sich im Recht befunden, wenn sie ohne vorherige Warnung auf dieses Piratenschiff geschossen hätten.
Französische Marxisten hetzen weiter.
Jouhaux fordert Unterstützung Madrids.
Paris, 23. Aug. (DNB.) Auf einer Massenkundgebung der marxisttschen Gewerkschaft i n Lille hielt der Generalsekretär des marxistischen Gewerkschaftsbundes, Jouhaux, vor etwa 100 000 Teilnehmern eine Ansprache. Er überbrachte die „brüderlichen Grüße" derjenigen, die in Spanien kämpften, um „dem blutigen Faschismus den Weg
zu versperren". Ein Arbeiter könne in diesem Kampfe nicht neutral bleiben. Die französische Regierung müsse dafür sorgen, daß der Faschismus Europa und die Welt nicht in ein großes Blutbad verwandele. „Wir Bürger der Weltdemokratie dürfen angesichts des Kampfes hinter den Pyrenäen nicht gleichgültig bleiben. Indem wir den Kampf unterstützen, unterstützen wir den Frieden, der erschüttert sein würde, wenn der Rebell Franco siegte. Wir werden der spanischen Republik die Mitwirkung unseres Herzens, unseres Geistes und unseres ganzen Seins zu geben wissen."
Sechs Bischöfe ermordet.
Rom, 22. Aug. (DNB.) Bei den Verfolgungen der katholischen Geistlichkeit in Spanien durch die roten Mordbanden wurden bis jetzt fünf B i - schöfe ermordet. Es sind dies die Bischöfe von Jaen, Lerida, Segovia, Siguenza und Barbastro. Der Bischof von Siguenza wurde bei l e b e n d i - gemLeibeverbrannt. lieber den Verbleib des Bischofs von Barcelona fehlt jede Nachricht. Dagegen steht fest, daß der Madrider Bischof und der von Toledo in Sicherheit sind. — Wie Havas aus Burgos berichtet, soll auch der Kardinal-Erzbischof von Tarragona, Vidal y Barraquer, von Miliz- soldaten in Barcelona ermordet worden sein.
Die spanische Fremdenlegion.
Im spanischen Bürgerkrieg spielt als Hauptgruppe der Militärpartei die Fremdenlegion eine hervorragende Rolle, aber sie ist nicht zu verwechseln mit der französischen Fremdenlegion, die sich zum größten Teil aus Ausländern rekrutiert. Die spanische Fremdenlegion trägt nur deshalb ihren Namen, weil auch Ausländern der Dienst in ihr offen ist, jedoch besteht sie zu 90 v. H. aus altgedienten Soldaten der spanischen Heimatarmee, die nach ihrer Dienstzeit in den „Tercio" eintreten. Dieser Name war die Bezeichnung des berühmten spanischen Fußvolkes im 16. und 17. Jahrhundert und die Fremdenlegion hält die Tradition insofern aufrecht, als an ihrem Kragen heute noch die Abzeichen der alten Waffen sichtbar sind. Diese Fremdenlegion umfaßt in Spanisch-Marokko ungefähr 10 000 Mann, dazu kommt fast die gleiche Ziffer der Eingeborenen- Truppen und endlich die in Spanisch-Marokko stationierte reguläre Armee, die doppelt so groß ist wie die Fremdenlegion und die Eingeborenen-Truppen zusammengenommen.
Es war den Generälen in Spanisch-Marokko gelungen, diese Truppen fern vom Parteienstreit zu halten und ihnen einen nationalen Geist einzuflößen, der _ im Bolschewismus seinen Todfeind sieht. So ist es erklärlich, wenn die Truppen in Spanisch-Marokko, und nicht nur die Fremdenlegion, die Fahne für ein nationales Spanien erhoben und sich anschickten, durch den Sprung auf die Halbinsel den Bolschewismus zu vernichten. Uebrigens sind auch die Eingeborenen- Truppen den Spaniern insofern keine landfremde, als sie sich aus den Kabylenstämmen rekrutieren, deren Vorfahren als Mauren bis zur Eroberung Granadas Ende des 15. Jahrhunderts Südspanien in Besitz hatten und eine reiche Kultur entwickelten. Zum Teil finden sich unter diesen Eingeborenen hochgewachsene blonde und manchmal sogar blauäugige Gestalten. Die Erhebung in Spanisch- Marokko war deshalb einheitlich, weil dort jeder Anlaß zu Parteistreitigkeiten fehlt. Wenn also der Kürze halber in den Berichten von Fremdenlegionären gesprochen wird, dann muß man sich nicht nur die eigentliche aus Spaniern bestehende
Fremdenlegion, sondern auch die regulären Truppen in Marokko und die Eingeborenen-Regimen- ter darunter vorstellen.
Spanien selbst hatte mit den Kanarischen Inseln und den Balearen außer den Truppen in Marokko ein stehendes Heer von acht Infanterie-Divisionen und einer Kavallerie-Division mit einer Gesamtstärke von etwas über 100 000 Mann. Davon scheinen zur Militärgruppe gestoßen zu sein große Teile der II. Division in Sevilla, der V. in Saragossa, der VI. in Burgos, der VII. in Valladolid und VIII. in C 0 runa. Die I., III. und IV. Division scheinen im wesentlichen an der Seite der Volksregierung geblieben zu sein, zumal sie in Madrid, Valencia und Barcelona schon von vornherein unter dem Mißtrauen der Linksregierung stand, deshalb schärfer bewacht und die gegnerischen Offiziere beobachtet wurden. Teile dieses Offfizerskorps, der Unteroffiziere und Mannschaften, die sich bei der Erhebung für die Militärpartei erklärten, wurden vernichtet. Ueber- dies rekrutieren sich die Soldaten gerade dieser Divisionen aus den anarcho-syndikalistischen, kommunistischen und marxistischen Elementen, und sie sind wesentlich durch die Volksbewaffnung verstärkt worden, die die Linksregierung bis herab zur Bewaffnung der Frauen und Mädchen im Kampf gegen die Militärgruppe durchführte. Insgesamt dürfte die Militärpartei vielleicht über 70 bis 80 000 Mann verfügen, denen zahlenmäßig stärkere Gruppen der Linksmiliz und die Reste des alten Heeres gegenüberstehen.
Oie Ablösung
der deutschen Seestreitfrciffe.
Berlin, 23.2Iug. (DNB.) Das Oberkommando der Kriegsmarine teilt mit: Die bisherige Nord- gruppe der deutschen Seestreitkräfte in Spanien: Kreuzer „Köln" und die Torpedoboote .Seeadler" und „Albatros" sind im Laufe des 13. August von dem Kreuzer „Leipzig" und den Torpedobooten „Jaguar" und „Wolf" ab gelöst worden und haben die Heimreise angetreten. Die zur Zeit noch im Mittelmeer
Protest der nationalen Bewegung.
H e n d a y e, 22. Aug. (DNB.) Die Pressestelle des nationalen Dertetdigungskomitees in Burgos veröffentlicht einen Aufruf, in dem es u. a. heißt: „Verschiedene ausländische Zeitungen fahren fort, die Millionen Spanier, die sich in Waffen gegen die Madrider Regierung erhoben haben, als Re» bellen oder Insurgenten zu bezeichnen. Eine derartige Benennung ist ungerecht, ungenau und beleidigend für jene Millionen Spanier, die vereint und ohne Unterschied der parteipolitischen Zugehörigkeit gegen die Tyrannei der sogenannten Madrider Re- gierung kämpfen, die unter einer gesetzlichen Maske die ungeheuerlichsten Verbrechen begeht und einen verächtlichen Despotismus durchführt. Diese fogenannte Regierung hat zu ihrer Verteidigung d i e Verbrecher bewaffnet, die zu diesem Zweck aus den Gefängnissen und Zuchthäusern ganz Spa- niens herausgelassen worden waren. Die Zahl unerhörtester Verbrechen, die von jenen Horden begangen worden sind, ist gewaltig. Bei jenen Leuten herrscht eine Mischung von Sadismus, antireligiösem Furor und einer wilden Grausamkeit, die sogar die kriegsgewohntesten Soldaten überrascht und erschüttert. Diejenigen, die diese verbrecherischen Untermenschen bekämpfen, Rebellen oder Insurgenten zu nennen, heißt den legalen Formalismus ins Extrem übertreiben oder mit Absicht den Konflikt verschleiern, damit das Ausland Nicht seinen wahren Charakter kennenlernt.
Vombardierung
der Madrider Flughäfen?
Paris, 24. Aug. (DNB. Funkspruch.) Havas meldet aus Valladolid, 21 Flugzeuge der Mi- litärgruppe hätten am Sonntagnachmittag Madrid überflogen und diebeiden Flugplätze Getafe und Cuatro Dientos bombardiert. Die Regierungsflugzeuge hätten sich nicht sehen lassen, lieber den Stadtteilen, in denen sich d i e Kasernen sowie Unterkünfte der Milizen befinden, seien zahlreiche Bomben abgeworfen worden. Die Bombenwürfe seien als Vergeltung für die Beschießung und Bombardierung offener Städte durch die Regierungsstreitkräfte aufzufassen.
Amerikanische Kommunisten für den spanischen Bolschewismus.
Bolschewistische Radauszenen bei der Abfahrt der „Bremen".
N e u y 0 r k, 22. Aug. (DNB.) Wie sich die Bolschewiken in der ganzen Welt in die Hände arbeiten, zeigt in vollster Deutlichkeit die Tatsache, daß bei der Abfahrt des Dampfers „Bremen" aus dem Neuyorker Hafen in der Nacht zum Samstag die Neuyorker kommunistischen Organisationen wieder einmal Radauszenen an Bord veranstalteten. Etwa 150 Bolschewisten hatten sich unter die Verwandten und Angehörigen der Passagiere gemischt, die sich zum Abschiednehmen an Bord begeben hatten. Dies wurde u. a. auch dadurch ermöglicht, daß die polizeilichen Maßnahmen, die anläßlich des Flaggenzwischenfalls im. vorigen Jahre eingerichtet worden waren, nicht mehr in gleicher Strenge durchgeführt werden. Auf ein Zeichen hin begannen dann die Tumulte. Die Besatzung schritt sofort mit Unterstützung der Ortspolizei ein, und es gelang auch, den größten Teil der bolschewistischen Unruhestifter nach kurzem Handgemenge von Bord zu befördern. 12 Weiber jedoch hatten sich mit Stricken und Schlössern an die Reeling angeschlossen. Sie trugen weiße Wollsweater mit antideutschen Inschriften, mit ein Beweis dafür, daß das Ganze von langer Hand systematisch vorbereitet war. In kurzer Zeit waren sie jedoch durch die Besatzung von ihren Fesseln befreit und der Ortsp 0 li- zei übergeben, die sie dem Polizeigefängnis einlieferte. Die 12 Kommunisten, 8 Frauen und 4 Männer, sind dem zuständigen Neuyorker Polizeigericht vorgeführt worden. Die Anklage lautete auf „Unordentliches Betra- g e n". Alle Verhafteten erklärten bei ihrer Vernehmung, v 0 llständig unschuldig zu fein. Sie wurden ohne Bürgschaftsleistung von dem Polizeirichter aus der Haft entlassen und für den 27. August zu einem neuen Verhör vorgeladen. Wie von der Neuyorker Hapag-Lloyd-Agen- tur betont wird, hat die Polizei bei dem Zwischenfall in jeder Hinsicht ihre Pflicht getan.
Strategische Bahnbauten in der Tschechoslowakei.
Große Unruhe in der Bevölkerung.
Brünn, 22. Aug. (DNB.) Durch die andauernden umfangreichen strategischen Straßen- und E i s e n b a h n b a u t e n in der Tschechoslowakei wird in die Bevölkerung eine ft arte Unruhe getragen, da sie ihr Land bereits a l s Aufmarschgebiet und zukünftigen Kriegsschauplatz sieht. Hierzu tragen vor allem die Begleitumstände bei, unter denen sich die Arbeiten vollziehen. Die Vermessungsarbeiten für eine geplante viergleisige durchgehende Eisenbahn st recke vonMohilew in Sow- jetrußland über Tschernowitz in Rumänien nach Sighit in der Tschechoslowakei werden von einer Kommission geleitet, bei der sich russische Offiziere in Uniform befinden. Es handelt sich hierbei um die Absicht, Rußland und die Tschechoslowakei ohne Berührung Polens über rumänisches Gebiet durch eine neue großzügige Bahnlinie zu verbinden. Durch die Vermessungsarbeiten soll die Richtung der Eisenbahnlinie festgelegt werden, wobei die bereits vorhandene Strecke Mohilew-^-Tschemowitz auch weiterhin aus- genutzt werden würde. Auch die Militärflugplätze, die im Walde versteckt in immer größerer Zahl angelegt und von der Bevölkerung oft nur durch Zufall entdeckt werben, tragen zur allgemeinen Beunruhigung bei.


