5rettag,24.M 1936
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheßen)
Ur. 171 Dritter Blatt
Die
6.15 „
im Kampf gegen den Borkenkäfer.
ÄÄÄJWäSÄ-.XL„»»»•
Nachdruck verboten!
33 Fortsetzung.
jüngste von
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das Letzte meine Mut-
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Offenbach
Hanau Gelnhausen Schlüchtern Fulda Bebra Berlin (Friedrichstraße) an .
Rückfahrt erfolgt am 26. Juli Berlin (Friedrichstraße) ab .
Ankunft am 27. Juli in Frankfurt a. M. . -
Ankunft am 27. Juli in Frankfurt a. M. . .
Bebra
Berlin (Friedrichstraße) an.
Die Rückfahrt erfolgt am 26. Juli
Berlin (Friedrichstraße) ab. 19.49 „
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Giessen Schulstr: 6
Aus der provinzialhauptftadt
„Hundstage."
Fahrplan für die Gonderzüge
zur Ausstellung „Deutschland" am 24. Luli 1936
dich solange beanspruchen. Morgen sehen wir dann weiter. — Ja, Mutter?" drängte er, als sie nichts erwiderte.
„Ja, mein Hylmar.--Du mußt nicht mehr
nachgrübeln über das, was nun einmal nicht mehr zu ändern ist", sagte sie zu Wolfgang, der jetzt am Fenster stand und hinausblickte. „Irgendwie schenkt das Leben immer wieder einen Ausgleich. Ich habe eine freudlose Jugend gehabt, eine zerschlagene Mädchenliebe, eine — etwas aus dem Rahmen gefallene Che.--Aber ich habe euch!
Welche Mutter hat zwei solche Söhne, wie ich sie besitze?"
Der Lois hätte Augen gemacht, wenn er jetzt aus seinen Zimmer getreten wäre, denn Wolfgang trug seine Mutter die Treppe hinauf und stellte sie erst vor ihrer Schlafzimmertür fürsorglich zu Boden.
Hylmar kniete gleich darauf auf den Brettern und streifte ihr die Schuhe ab. Wolfgang zog die Vorhänge übereinander, schlug die Steppdecke zurück und schaltete die Nachtlampe ein. Dann überzeugte er sich, ob noch Glut im Ofen war und legte zwei große Buchenklötze nach. „Du fürchtest dich doch nicht, Mama?"
„Wovor?" fragte sie lächelnd.
„Ab und zu gehen Lawinen zu Tal. Das donnert dann, als käme die ganze Zugspitze herunter."
„Ich höre es sicher nicht", beruhigte sie ihn. „Und wenn, mein Bub, weiß ich ja jetzt Bescheid. — Nun wollen wir aber schlafen gehen."
Es war, als vernähme man des toten Amselmann erlöstes Aufatmen.
Verfluchtes Gold!
Boman von J. Schneider-Ioerstl.
Urheberrecht: Verlag Oskar Meister, Werdau i. Sa.
wieder herunter und sagte schmunzelnd: „Grad wachln tut's! Wann's erlaubt is, möcht i „Gute Nacht" sagen."
„Gute Nacht!" dankte Hertha und nickte ihm freundlich zu. Auch Hylmar und Wolfgang wünschten ihm angenehme Ruhe.
Nun saßen Mutter und Söhne allein. „Steht es schlimm um Terry?" fragte Frau Hertha ihren Aeltesten, der die Hände auf dem Tisch gefaltet hielt. ,
„Ich habe immer so sehr gewünscht, er mochte den Mut aufbringen, sich freiwillig zu stellen." „
„Ich habe ihm auch dazu geraten, Wolfgang.
„Wirklich, Mutter?"
„Ja!" . t f
Diesem Geständnis folgte em minutenlanges Schweigen. In Hylmars Augen stand Angst. Da war noch etwas, wovon sie nichts wußten, auch Wolfgang nicht. Er würde nicht fragen. Er nicht! Seit der Bruder damals Aufklärung über die Vergangenheit erzwungen hatte, überkam ihn zuweilen ein Grauen, nach Dingen zu forschen, von denen man besser nicht unterrichtet war. Er fand es unerklärlich, daß es Menschen gab, die zu Zigeunern und Wahrsagern liefen und die Sterne zu Hilfe nahmen, um zu erfahren, was ihnen das Geschick gnädig verborgen hielt.
„Woran denkst du, mein Junge?" fragte Hertha und strich versonnen über seine Hand.
„Daß ich nichts wissen will, als daß du wieder
„Aber bittschön", sagte der Zollbeamte zu der jungen Dame, die eben in sein Büro getreten war, und auf die Frage nach ihrem Grenzschein nur ein hilfloses Achselzucken hatte. „Etwas werdn S doch habn. Einen Paß oder einen Uebertrittschein oder sonst was, wo ihre Personalien draufftehn. Mit nix kann man doch net über die Grenz gehn. Das witzn S' doch. Ein jedes kleine Kind weiß das!
Das Achselzucken wiederholte sich. „Ich habe gar nichts Verzollbares in meinem Koffer, auch keinen qrößeren Geldbetrag, nur ein paar Kleider und ein bißchen Wäsche. Sie können alles durchsuchen.
„Is ja recht, Freilein. Das glaub ich Ihnen eh. Deswegn kann ich Ihnen aber doch net nuber- lassn. Das müssn S' doch einsehn, daß das net geht. Was wolln S' denn überhaupt bei uns herubn?
Arbeit!"
"Da habn Sie's aber schlecht erratn!" lachte eme Stimme aus dem Hintergrund, wo ein zweiter Beamter saß. „Wir habn selber kerne. — Da gehn S' nur gleich wieder zurück. Bloß eine gute Lust habn wir — und eingschneit sind wir bis an die Grat 'nauf. Das alles habn's im Bayerischn auch.
„Ich habe kein Geld mehr? Ich bin von Mittenwald hierhergegangen." . ,
„Ein schöner Weg! meinte der junge Beamte der ihr den Paß abverlangt hatte. „Wlssn S, für die eine Nacht wüßt ich einen Ausweg.--
Bleibn S' bei mir."
Seüi^Lachen trieb ihr eine tiefe Röte ins Gesicht. „Evst ausredn lassn, Freilein! Alleweil ausredn
Am heutigen 24. Juli, mit dem Eintritt der Sonne in das Zeichen des Löwen, beginnen die Hundstage, die bis zum 23. August dauern, die Zeit des Hochsommers und der großen Ferien, der Hitze und ! der Ernte — für uns dieses Jahr vor allem aber auch der Olympischen Spiele. Sehnsüchtig und zugleich bangend blicken wir zum Himmel empor und hoffen, daß die Hundstage sich uns in strahlender Laune' zeigen mögen, um das Ihrige dazu beizu- traqen, das Olympische Fest mit Glanz zu verschönern und nicht es durch trübe Regenwolken zu verdüstern. L
Warum aber „Hunds"tage? Nun, die Hundstage heißen nach einem wirklichen Hunde, nach keinem zwar, der auf Erden herumläuft und bellt, sondern nach einem, der als glänzendes Licht am Himmel wandelt. Den Sirius, den hellsten aller Fix
sterne, nannten schon die Römer Canis, „Hund" ober auch Canicula, „Hündchen", ebenso das ganze um ihn gruppierte Sternbild, das in den jetzigen Sternkarten den Namen Canis major „Großer Hund" trägt, zum Unterschiede von dem benachbarten Sternbilde Canis minor, dem „Kleinen Hund". Im Mittelhochdeutschen erscheint der Sirius einfach als der hunt, der Tag, an dem dieses Sternbild sich erhebt, als der huntstac, ursprünglich nur in der Einzahl gebraucht. Die Römer widmeten diesem Tag, dem dies canicularis, ein großes Fest.
Den Hauptnamen des Hundssternes, Sirius, hatten die Römer von den Griechen übernommen, bei denen er Seirios lautete. Doch auch die Griechen gebrauchten daneben schon die Bezeichnung Kyon, „Hund", für dieses Gestirn. Das ungriechische Sei- rios war von ihnen aus dem Arabischen entlehnt worden. Bei den Arabern nämlich hieß der Hundsstern el-Schira, das so viel bedeutet wie „der Strahlende"; el-Schirajan, „die (beiden) Strahlenden" nannten sie die beiden Hauptsterne des Großen und Kleinen Hundes, Sirius und Prokyon. Die Griechen besaßen außer Seirios und Kyon noch einen dritten Namen für das Gestirn, Sothis. Dieser stammte aus Aegypten, dem Ursprungsland der Hundstagseinrichtung und des Hundstagskultes.
Den Äegyptern galt neben der Sonne und dem Mond der Sirius oder Sothis als das wichtigste Gestirn, das sogar gleich jenen zwei großen R^ nalen als eine Hauptgottheit verehrt und alljährlich mit außerordentlichen Festen gefeiert wurde. Die Tempelpriester und Astronomen hatten schon m uralter Zeit herausgefunden, daß der in ihren dunklen Nächten besonders hell strahlende Stern alljährlich im Sommer nach seiner Unsichtbarkeit hinter der Sonne gerade zu der Zeit frühmorgens wieder im Osten vor der Sonne auftaucht, wenn der das Land befruchtende Nilstrom zu schwellen beginnt Von der ^Überflutung hing aber das ganze Wohl und Wehe, die Fruchtbarkeit Aegyptens ab. Für die Hauptstadt Memphis fand dieser Frühaufgang, der sog. heliakische Aufgang (von griechisch Helios, „Sonne"), am 19. Juli statt. Seiner hohen Bedeutung entsprechend machte man diesen Tag zum Jahresanfang. Da aber nur die Priester und Astronomen nach dem festen astronomischen Jahr mm 3651/4 Tagen rechneten, das Volk jedoch hartnackig die Jahre mit 365 Tygen ohne Schaltung zahlte, wanderte der erste Tag wie alle übrigen Tage
wollen.
Ob es nun im Vogelsberg und an seinen Abhängen Soden-Salmünster, Schloß Gettenbach, Büdingen, Lauterbach oder Ortenberg war, oder ob wir die Urlauber in Herborn, Biedenkopf oder Westerburg auf dem schönen Westerwald antrafen, überall herrschte frohes Leben, überall waren die Urlauber über die schöne Lage „ihres Urlaubortes" entzückt. Auch an der Bergstraße zu Auerbach sind unsere Urlauber untergebracht.
Wir besuchten dieser Tage Biedenkopf, das nun seine ersten 20 Urlauber bekommen hat. Sind es zum ersten Male noch verhältnismäßig wenig, die dort hinauf in das „Hinterland" fahren, so werden die, die von dort zurückkommen, erzählen von den schönen Tagen und Stunden, die sie verlebt haben inmitten der Wälder und Bergkuppen dieser Gegend. Man sah es ihnen an, daß sie so recht auflebten in dieser ruhigen Umgebung, die abseits liegt von dem tosenden Verkehr großer Landstraßen, und die doch so schnell erreichbar ist.
Und so fahren jeden Samstagnachmittag in Frankfurt wieder die Omnibusse weg, nehmen neue Erholungsbedürftige mit und bringen wieder frohe und frische Menschen, die einige Tage voller Sonne und Ruhe hinter sich haben, zu neuer Arbeit zurück.
„Urlaub im eigenen Gau", das ist ein neues Wort, das bald immer mehr Freunde für die Sache
setzt und sind mit der Aufarbeitung von Holz beschäftigt, das einerseits durch den Käfer befallen, anderseits durch Sturm und Schneebruch im Frühjahr dieses Jahres gefallen ist und unter Umständen auch dem Borkenkäfer anheimfällt, wenn es ihm nicht entzogen wird. Jeden Morgen zu früher Stunde fahren die Gießener Arbeitsmänner nach Butzbach, werden im Lastkraftwagen nach Hochweisel gebracht und steigen bann eine halbe Stunde den Berg hinauf. Um die Mittagsstunden kehren sie wieder in das Lager zurück. Die Arbeit, die hier der Arbeitsdienst leistet, ist werterhaltende Arbeit, die nicht hoch genug eingeschätzt werden kann.
Urlaubsreifen im eigenen Gau.
der NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude" ge* roinnen wird.
Prof. Dr. Sessous 60 Jahre alt.
Morgen begeht der ordentliche Professor und Di- rektor des Instituts für Pflanzenbau und Pflanzenzüchtung an unserer Universität Dr. phil. George Sessous feinen 60. Geburtstag. Geboren in Berlin („Irgendwo muß der Mensch doch her sein!" pflegt Professor Sessous gelegentlich selbst zu sagen!) genoß er seine wissenschaftliche Ausbildung an den Universitäten Jena und Bonn, arbeitete bann als Assistent in Jena, woselbst er auch bei Geheimrat Edler promovierte. Nach mehrjähriger Tätigkeit bei der Generalkommission in Ostpreußen wechselte er in der Folgezeit in die ihn auch heute noch beschäftigenden speziellen Arbeitsgebiete des Pflanzenbaues und der Pflanzenzüchtung hinüber. Zunächst war er als Saatzuchtleiter in Quedlinburg tätig. 1912 wurde er als landwirtschaftlicher Sachverständiger an das Kaiserliche Gouvernement unserer Kolonie Samoa berufen, wo er bei Ausbruch des Krieges zeitweilig den damaligen Gouverneur Dr. Schultze-Ewerth in schwieriger Zeit zu vertreten hatte. Ueber die schicksalsschweren Tage bis zur Gefangennahme der Deutschen, die nach Neuseeland verbracht wurden, hat Professor Sessous in vielen Lichtbildervorträgen in unserer Stadt und in der Umgebung berichtet.
Nach seiner Rückkehr nach Deutschland übernahm er die Leitung der Saatzucht der Firma Strube (Schlanstedt) und folgte fpäter einem ehrenvollen Rus als landwirtschaftlicher Sachverständiger nach dem türkischen Thrazien. Noch in den Anfängen feiner dortigen Tätigkeit, im Jahre 1926, erreichte ihn der Ruf als ordentlicher Professor für Acker- und Pflanzenbau an unserer hessischen Landesuniversität, der er bis heute die Treue hielt.
NSG. Die NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude", Gau Hessen-Nassau, führt feit einiger Zeit Urlaubsreifen im eigenen Gau durch. Die fchövsten Orte des Westerwaloes, Vogelsberges und der Bergstraße, die abseits von dem großen Verkehr liegen, werden von uns mit Urlaubern belegt, mit Menschen, die acht Tage der Erholung bedürfen und in Ruhe ihren Urlaub verbringen
große Siriusjahr, die Sothis- ober Hundsstern- I periode, deren Beginn besonders glänzend gefeiert wurde. Solche langen Perioden begannen im Jahre 140 n. Ehr., 1321 und 2781 v. Ehr.; noch früher wird man ihren Anfang kaum gekannt haben.
Sirius war bei den Äegyptern der Univerfal- göttin Isis geheiligt und mit ihr eins. Unter den zahlreichen Beinamen, deren sich Isis erfreute, war Sati, Satit ober Satis, das heißt die „Schwellen- machende" (nämlich den Nil) von besonderer tigfeit. Ihm entlehnten die Griechen daher auch ihre Bezeichnung des Sternes mit Sothis. In den Hieroglyphen-Jnfchriften trägt Sirus unzählige Male den Namen Sopbet- oder Sopet, das heitzt „Dreieck"; mit einem roten Dreieck wurde das Gestirn vorwiegend dargestellt. Jsis-Sopet bildete also einen Begriff. Der berühmteste Tempel der Göttin befand sich in Sais, wo ihre kolossale Figur ganz verschleiert, inmitten einer großen Rotunde stand. Der Schleier war gleich der Figur von Stern und weit ausgebreitet um sie gelegt. Als Inschrift trug das Bild die Worte: „Ich, bin, was da war, was ist, und was fein wird. Meinen Schleier hat noch kein Sterblicher gehoben."
Von einem „Hundsstern" aber wußten die Aegyp- ter nichts. Die Symbolisierung des Sirius mit einem Hunde müssen wir daher anderswo suchen. Und da gibt uns der Himmel selbst Aufschluß. Aus der in ihren Anfängen bis in die früheste Zeit der Geschichte zurückreichenden Sternbilder-Einteilung sehen wir, daß dem Großen Hund mit Sirius und bem Kleinen Hunde mit Prokyon das imposante Sternbild des Orion westlich unmittelbar voran- fchreitet. Orion aber war identisch mit dem biblischen Nimrod, der „ein großer Jäger vor dem Herrn" war, und ihm folgten die beiden Hunde auf seinen Jagdstreiszügen.
Lornotizen.
lagesfalenber für Freitag.
Ortsgruppe Gießen-Süd: Schulungsabend 20.30 Uhr im Tannhäuser für die politischen Leiter. — Gloria-Palast, Seltersweg: „Boxkampf Schmelmg — Louis".
Gießener Arbeitsdienst
da bist, Mutter!" , m
Sie zog das Kissen etwas höher nach dem Nacken hinauf und blickte zu Wolfgang hinüber. Ihre Augen ruhten voll in den feinen, als fte sprach: „Terry und ich haben uns einmal fehr geliebt. Dann hat uns das Leben auseinandergebracht. Er war damals ein kleiner Buchhalter mit .eini)unbens fünfzig Mark im Monat und ich die jungte upn vier Professorentöchtern. Für mich hat es natürlich •' ■ J größeren Aussteuer.
Hylmar.
laffn! Alsdann: meine Mizzl — was meine Frau ist — fürcht sich immer z' Haus allein, wann ich Nachtdienst hat/. Da können S' bis morgen früh um achte mein Bett habn."
„Bitte!" . r
Beide Männer horchten auf, so von tiefster Qual erlöst hatte es geklungen. Der Beamte, der das Anerbieten gestellt hatte, drehte die Kurbel des Telephons und sagte, als seine Frau sich meldete: „Servus Mizzerl! Ich schick dir einen Bsuch! Ein Freilein, was net über die Grenze kann, weil's keinen Paß hat und kein Geld mehr zur Zurückreisn. Magst ihr mein Bett gehn, ja?"
Was auf der anderen Seite des Drahtes gesprochen wurde, konnte man zwar nicht hören, aber das Lachen des jungen Ehemannes verriet gleich, daß die Antwort nicht ungünstig ausgefallen war. „Also, Freilein, ich bring Ihnen jetzt bis an die Haustür. Die Mizzl macht Ihnen einen Tee,^ bann schlafen S', und morgen schauen wir weiter."
„Wiedersehen, Stephan", wandte er sich an den Kollegen. „In fünf Minuten bin ich wieder da."
Die Mizzl war eine entzückende Oesterreichenn, jung, hübsch, mit Augen wie ein Reh. Sie leuchtete von der Treppe herab mit einem Kerzenstümpchen, weil das Stiegenhaus keinen elektrischen Anschluß hatte. „Servus, Mizzerl!" rief es von unten herauf. „Heut brauchst dich gewiß net fürchtn."
Die Haustür klappte zu, als sich die beiden Frauen gegenüberstanden. Eine Sekunde gegenseitigen Bestaunens, dann ein Aufschrei aus beider Mund zugleich. .. .
„Mizzi!"--„Unser Fraulem'
Ein beiderseitiges erschrecktes Horchen nach der Treppe hinunter. Nichts war mehr zu vernehmen, als ein Schritt, der sich rasch entfernte „Bittschon! flüsterte die junge Frau und schritt den schmalen Gang voran, öffnete ein Zimmer, aus dem heller Lichtsckein kam und stand dann leicht verlegen vor Maria Terry.
„Ich hatf keine Ahnung/ .
„Daß ich kommen würde", ergänzte Mana und schauerte nun in der Wärme des kleinen Raumes nachträglich zusammen.
„Haben Sie Pech gehabt mit dem Wagen?
Maria schüttelte den Kopf. „Wir haben keinen Wagen mehr, Mizzi. Wir haben auch die große Villa nicht mehr.--Es ist alles — sie machte
eine bezeichnende Bewegung. „Ich weiß nicht, ob Sie mich verstehen."
„Ich denk schon. Wollen Sie net ablegen?
Wie lange war das her, daß die hübsche, sesche Mizzi in der Villa Terry den Gasten die Be- suchskarte abgenommen und sie ihrer jungen Herrin überbracht hatte? Dann gab es eines Tages einen fürchterlichen Krach mit Geschimpf und Tranen und einen bitterwehen Abschied Die bama igc Hausdame war unerträglich gewesen „Ich bleib net!", hatte die Mizzi geschrien. — „Dann। machen Sie, daß Sie weiterkommen! war die Entgegnung gewesen, und obwohl Maria auf beiden Setten zu vermitteln suchte, der Bruch ließ sich nicht mehr reparieren. , ,
(Fortsetzung folgt!)
2. Sonderzug.
Abfahrt in:
Frankfurt a. M
Offenbach
Hanau
Gelnhausen Schlüchtern Fulda
„Ich glaube, dir ist noch zum Lachen", sagte Hylmar ärgerlich, als er das stille Schmunzeln merkte, das dem Lois das ganze Gesicht auseinan- ^,Jch' hab' mir grab was denkt", verteidigte sich Hornester. „Wann f keiner mehr will, d Frettn Maria, mußt leicht i selber heiratn. .
Dieser Einfall brachte auch Hylmar wieder in Laune, und als sie nun zu Zweien das dampfende Mahl nach dem Bauernzimmer hmubertrugen, hatte auch Wolfgang fröhliche Augen. Daß der Lois den Steffen gesehen hatte, war immerhin etwas Er- freulidjes0 Wenn es sich wirklich um ehrliche Aebe handelte, konnte er Maria nicht mit einem Achsel, zucken abschütteln, es wäre denn, daß es ihm Haupt- sächlich um ihr Geld zu tun gewesen sei. — Dann allerdings! In diesem Fall war es dann auch nicht schade um ihn. ‘ f .
„Wie sieht denn dieser Steffen aus? fragte Hertha Amselmann, die herzhaft zum zweiten Mal von dem etwas versalzenen Kraut nahm.
„Ein ganz sauberes Mannsbild" meinte der Lois, der eingeladen war, nut am Tische zu sitzen. „Eine Positur, wie der Herr Hylmar. Bloh, a biijferl mehr Schwartn hat er schon um die Schultern.
„Schwarten?" sagte Hertha.
„gett", erklärte der Lois. „Und Augen. — So, wissn S' — i kann net sagn rote — aber gute Augen sind's schon."
Hertha Mm elmann lächelte. Gestern war sie nach in Brüssel im Hotel St. Dem- gewesen und hatte Austern aon bestockten Kellnern ser° ert b° kommen. Und heute saß sie im Wochenendhaus ihrer Söhne und wurde von Lois Hornester nut Rauchfleisch und Sauerkraut bedient. Sie. lehntesich an die braune Wandtäfelung und f gegen das Kissen, das Wolfgang ihr fürsorglich untergeschoben hatte.
Die Schwarzwälderuhr tickte leife, utü) aus bem Ofen kam bas trauliche Knistern und Krachen der Buchenscheite, von denen der Lois immer wieder nachlezte. Merkwürdig, daß man ** ”l.el *aflen konnte, ohne überhaupt ein Wort zu sprechew
Rier in Grainau stand die Zelt still, scywiegen die Gedanken, die Wünsche, die Angst, kam alles zur Rübe was noch gestern Unrast bedeutet hatte. Durch die Scheiben glitzerte da- Weih draußen zu dem sich seit einer Stunde Flocke um Skocke K°I°llt°. Ab und zu hörte man ein Kratzen unbh.^°rr en, das von den beiden Dackeln stammte, die es s^ auf einer Strohmatte im Flur bequem gemacht b<1Um' Aebn Uhr ging der Lois. Man hörte ihn ob^rLen' Er" wußte sich überzeugen ° es
1. Sonderzug.
Abfahrt in: Frankfurt a. M
Die hohe Wertschätzung, bie er in wissenschaftlichen Kreisen genießt, beweist u. a. feine Ernennung zum Obmann ber Reichsarbeitsgemeinschaft „Pflanzenbau", der deutschen Landbauwissenschaf- ten und feine Berufung in den Deutschen Forschungsrat, bem wissenschaftlichen Generalstab unseres Reichsbauernführers, lieber feine wissenschaftliche Tätigkeit hinaus erfreut sich Prof. Sessous nicht nur bei seinen engeren Mitarbeitern, Kollegen unb seinen Schülern größter Beliebtheit, sonbern er ist auch in weiten Kreisen unserer Bevölkerung eine geschätzte Persönlichkeit. Seine frische, witzige Art, sein liebenswürbiges Wesen verschafften ihm viele Freunbe. Den Lesern unserer Zeitung ist Prof. Sessous kein Unbekannter. Mancher wertvolle Artikel wurde aus seiner Feder in ber Beilage ber „Scholle" veröffentlicht unb damit so mancher Ratschlag für die praktische Arbeit in Garten unb Feld gegeben. Möge es ihm vergönnt sein, noch viele Jahre im Dienste unserer beutschen Lanbbau- wissenschaft unb unseres Bauernstandes tätig zu sein.
2700 porzeilanglocken der Telephonleitungen zerstört.
Eine Warnung an die Jugend.
Die mutwillige Zerstörung von Porzellandoppel- glocken der Reichs-Telegraphen- und Fernsprech- anlagen hat in letzter Zeit sehr überhand genommen. Auf dem Lande besonders sind diese Anlagen
nicht mehr gereicht zu einer „Schweig, Mutter!" flehte „Warum sollt ihr nicht auch noch wissen?" sagte sie ohne Erregung. „Als ter starb, war ich völlig mittellos. Von den Schwe- < ftern und Schwägern wollte mich niemand haben, Terry stieß außerdem bei seinen Verwandten auf großen Widerstand. Sie hatten ihn sAbieren lassen unb wünschten, baß er eine bessere Partie mache, bie auch ihnen Vorteile brachte. Ich war dama s ganz zermürbt vor Leib. Terrys elnhunbertfunfzig Mark reichten kaum zum Leben Er sah sich vor bie Wahl gestellt, entroeber für unbestimmte Zett ein schlecht bezahlter Schreiber zu bleiben, ober bie Tochter seines Chefs zu heiraten.
„Er hat natürlich die Tochter des Chefs gehe- ratet", fiel Wolfgang bitter etn.„ „$at dich für Geld und Karriere preisgegeben.
„Es war nicht ganz so", entgegnete sie nachdenklich. „Ich habe ihm selber den Weg rei gemacht, indem ich mich mit deinem Vater verlobte.
Arme Mutter!" Es war Hylmar, der gesprochen hatte, denn Wolfgang lehnte stumm gegen die Wandtäfelung und hielt bie Augen gesenkt „Wal- len wir nicht zu Bett gehen? — Du wirst müde fein Woma Wir stnb sehr rücksichtslos, baß mir


