Nr. 145 Drittes Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen)
Mittwoch, 24. Zum 1956
Der Weg zur Erzieherlaufbahn
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mehr widmen. Natürlich wollte ich gern.
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Unfallziffern eine Besserung herbeigeführl hätte. Die Dochenziffern an Toten waren seit Beginn der Bekanntgabe: 147, 134, 110, 88. Diesmal ist die Totenziffer wieder um 43 auf 131 emporgeschnellt. haben die Zahlen ihren Schrecken bereits verloren?
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Berufsstudien berechtigt.
II. Der Bewerber muß einer der Gliederungen der Partei angehören.
III. Der Bewerber muß den Arbeitspaß oder das Pflichtenheft besitzen. Gegebenenfalls kann der Landhelferdienst oder eine Bescheinigung über ab- geleisteten Grenzlanddienst als Ersatz vorgelegt werden.
Ostlandfahrt des BOM.
Ostlandabend des llntergaus 116 Gießen.
Der Untergau 116 des BDM. Gießen hielt gestern abend im Gymnasium einen O st l a n d- abend ab, der mit Schargesängen, Gedichtoor- trägen und einem Lichtbildervortrag sehr unterhaltsam ausgestattet war. Die Mädels gaben sich große Mühe, dieses für sie unbekannte Land in Lied und Sprache und Bild ihren Gästen vorzustellen. In frischer, zielbewußter Art sprach die Untergauführerin Else D a a b von der Bedeutung und dem Ziel dieser Fahrt ins Ordensland, durch die der Jugend die große Verantwortung und Aufgabe in praktischer Art verständlich gemacht werden soll, die das deutsche Volk gegenüber diesem Land und diesen Volksgenossen jenseits des polnischen Korridors aufgetragen worden find. Da leider nicht alle Mädels mit nach dem Osten reisen können, sind nur einige Wenige bestimmt. Diesen die Fahrt zu ermöglichen, war dieser Abend bestimmt. Die Fahrtenreferentin Lydia Engelmann nannte dann den für einige Wochen bestimmten R e i f e p l a n , der über Berlin und den polnischen Korridor hinaus, im Grenzstädtchen Deutsch-Eylau beginnen soll. Von hier geht die Fahrt ins Oberland mit seinen Seen über Osterode und Hohenstein zum Nationaldenkmal Tannenberg, dann zu den Schlachtfeldern Masu- rens. In diesem schönsten Teile Ostpreußens soll von Lötzen nach Aygerburg der große - Mauersee überquert werden. Eine Wanderung über Gerdauen führt ins Pregeltal nach Insterburg, in dessen Nähe ein Dorfgemeinschaftsabend die Mädel mit den Ostpreußen zusammenführen wird. Von der Regierungshauptstadt Gumbinnen aus ist dann das Ziel der Fahrt die wildreiche Romintener Heide. In Schirwindt, wo zwei Tage Aufenthalt sind, an der Memel bei Ragnit und der größten Hafenstadt der 1 Memel, Tilsit, wollen die Mädels die Grenze er-
setzungen zu erfüllen:
I. Der Bewerber muß im Besitz des Reifezeugnisses einer höhere Schule sein, das zu höh.
Gloria-Palast, Seltersweg: „Natascha". — Oberhessischer Kunstverein: 16 bis 19 Uhr Ausstellung „Frauenbildnis mit Schmuck" im Foyer des Stadttheaters. — Landschaftsbund Volkstum und Heimat (Singkreis): 20.30 Uhr Abendsingen in der Aula des Gymnasiums.
Sitzung des Provinzialausschusses.
Am Samstag, 27. Juni, vormittags 8.30 Uhr, findet im Sitzungssaal des Regierungsgebäudes zu Gießen, Landgraf-Philipp-Platz 3, eine öffentliche Sitzung des Provinzialausschuffes statt mit folgender Tagesordnung:
1. Difziplinarftrafverfahren gegen Verwaltungssekretär Peter Pfeffer zu Bad-Nauheim.
2. Klage des Isaak Meier zu Dorheim gegen den Bescheid des Kreisamts Friedberg wegen Versagung der Legitimationskarte für 1936 Kj.
3. Beschwerde des Moritz Levi in Büdingen gegen den Beschluß des Kreisamtes Büdingen vom 17. Dezember 1935 wegen Schließung des Bäckereibetriebs in Büdingen.
4. Beschwerde des Leopold Adler und des Gustav Adler in Altwiedermus gegen den Beschluß des Kreisamts Büdingen vom 24. Dezember 1935 wegen Schließung ihrer Darm- und Fellhandlung.
Immer noch mehr Berkehrsdisziplin!
IV. Aufnahmegesuchen sind die nachstehend verzeichneten Unterlagen beizufügen:
1. Ein ausführlicher, eigenhändig geschriebener Lebenslauf mit Angabe des Religionsbekennt-
aufbringen können,
Nachweis über musikalische Befähigung, Stempelgebühr 1,50 RM. (hessische Stempel-
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nisses, zwei Lichtbilder aus jüngster Zeit (Vorder- und Seitenansicht) mit Namen, ein kreisärztliches Gesundheitszeugnis (Vordruck ist bei der Geschäftsstelle der Hochschule für Lehrerbildung, Darmstadt, Ballonplatz 1, zu erhalten,
Reichsangehörigkeitsausweis, sofern Reichsangehörigkeit nicht auf dem Reifezeugnis bescheinigt ist, eine beglaubigte Abschrift des Reifezeugnisses, Nachweis der arischen Abstammung (Geburtsurkunde des Bewerbers, Heiratsurkunde der
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was für ein Kind, das noch mit dem Buntfttft und dem Griffel schreibt, „Tinte" heißt.
Vornotizen.
Tageskalender für Mittwoch.
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Kraftfahrer, hupl nach Möglichkeit gar nicht, sondern fahrt vorsichtiger: Radfahrer, bleibt scharf rechts und fahrt in belebter Straße grundsätzlich zu einem; Fußgänger, überquert die Straße schnell und auf dem kürzesten Wege und ihr, Gespannführer, auch gegen euch kommen jetzt viele Klagen!
LandschastsbundDolkstum undHeimat.
Ortsring Gießen.
heute Mittwoch, 20.30 Uhr, in der Aula des Gymnasiums: „Das Sommerlied", gesungen und gespielt von unserem Singkreis.____________________
L Um= > durch '• Der Weck- greine, in ber len ber ießener n Fest- Einzel. Montag J durch i- dortig-
Arbeitsdienst (Arbeitspaß), Nachweise über etwaige zwischen der Reifeprüfung und dem Zeitpunkt des Aufnahmegesuches ausgeübte Beschäftigung.
ein polizeiliches Führungszeugnis für die Zeit feit Abgang Schule,
10. eine Erklärung der Eltern, daß sie mit dem Studium einverstanden sind und die Mittel
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Deutliche Mahnung der Unfallziffern.
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marken oder bar),
13. genaue Anschrift (Wohnung, Straße, Hausnummer).
Die Bewerber haben sich einem Anfang Oktober stattsindenden Aufnahmelager zu unterziehen, über das Näheres rechtzeitig mitgeteilt wird.
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leben, um dann über das Kurifche hast zum Fischer dorf Rossitten zu gelangen. Kurische Nehrung, Moorbad Cranz, die Steilküsten Samlands, Königsberg, Zoppot und Marienburg sind weitere markante Ziele der Fahrt. Was in seiner Linienführung auf der Karte beschrieben werdep mußte, das zeigten dann anschaulich die vielen Lichtbilder, in deren Ablauf ausgewählte Gedichte und Lieder ein stilles Gedenken an den Generalfeldmarschall v. Hindenburg, den großen Sohn Ostpreußens, und die Gefallenen eingestreut waren.
Mit einem Sinnspruch und dem Lied der Jugend endete der schöne Abend.
Was beim Baden und Schwimmen zu beachten ist.
Fast alle Jungen oder Mädels im schulpflichtigen Alter können schwimmen. Um so mehr muß man die Tatsachen beachten, die leicht Badefreude in Badeleid verwandeln können. Zum Schwimmen sind vor allen Dingen Voraussetzung ein gesundes Herz und gesunde Lungen. Dem Schwimmenlernen soll möglich eine ärztliche Untersuchung des Ohres vorausgehen, denn im Ohr befindet sich der Gleichgewichtsapparat. Dringt nun infolge irgendeiner Verletzung des Trorn- melfelles Wasser ins Ohr, so wird leicht der Gleichgewichtssinn gestört, und die Gefahr des Ertrinkens ist gegeben, hat man so den Körper sorgfältig geprüft, und ist alles für gesund befunden worden, dann frisch ans Werk, hinaus an den See, an den Fluß.
„Zur Beachtung! Baderegeln ..." Mit Selbstverständlichkeiten scheinen diese Plakate beschrieben zu sein, und doch ist es gut, sich in ruhiger' Stunde einmal mit diesen Dingen zu beschäftigen. Zum Beispiel das Abbrausen vor dem Bade in den Bade- - anstalten wird mem Kinde und später dem erwachse- nen Menschen zur Selbstverständlichkeit werden, wenn man ihm klarmacht, daß man sich ja auch nicht ungewaschen in ein frisch bezogenes Bett legt. Besonders den Kindern muß man mit solchem Beispiel erklären, was man in Badeanstalten und überhaupt beim Schwimmen und Baden nicht tun darf. Daß man sich nicht erhitzt ins kalte Wasser stürzt, daß man nicht mit gefülltem Magen baden soll, daß man sich gerade beim Schwimmen einer starken und genauen Selbstbeobachtung unterziehen soll. Oberste^ Grundsatz beim Baden und Schwimmen muß sein, daß jeder nur so lange im Wasser bleibt, wie er sich wohlfühlt.
Von weiteren Gefahren sei noch erwähnt das Baden in u n b e k a n n t e n G e w ä s s e r n, die sehr oft moorigen Untergrund haben und Schlingpflanzen, Netze, Pfähle, alte Baumstämme oder ähnliche Gegenstände enthalten, die hinderlich oder gar lebensgefährlich sind. Es empfiehlt sich auch nicht, an unbekannten Stellen von reißenden Flüssen zu baden, denn gegen Strudel und starke Strömungen kämpft selbst der beste Schwimmer vergebens. Alles das, was hier vom Baden im Binnenlande gesagt ist, gilt sinngemäß natürlich auch für das Baden in der See.
Lustschutz ist Gesetz.
Auch die Frau muß mithelfen.
Lpd. Vor einem Jahre — am 26. Juni 1935 — wurde die allgemeine Lustschutzpflicht für Männer und Frauen gesetzlich fest- ' gelegt. Neben die Arbeitsdienst- und Wehrpflicht tritt gleichberechtigt die Pflicht aller Volksgenossen, : im Rahmen des Luftschutzes ihre Kräfte der Volksgemeinschaft zu weihen. Deutschland ist mit dem ■ Luftschutzgesetz, das durch die Entwicklung des Flug- zeuges zu einer gefährlichen Angriffswaffe nötig wurde, anderen Ländern erst gefolgt. Jeder Mensch muß sich daran gewöhnen, daß der Luftkrieg der : Zukunft ein ganzes Volk härter und schärfer be-
Wordsworth und Coleridge in Deutschland.
Gin Vortrag von Professor Willonghby.
Auf Einladung des Englischen Seminars un5 der Akademischen Auslandsstelle der Universität sprach am Montagabend im Hörsaal des Kunst- wissenschaftlichen Instituts vor einer stattlichen, interessierten Zuhörerschar der Germanist der Universität London Professor L. A. W i lloughby über „Wordsworth and Coleridge in Germany“. Von dem Direktor des Englischen Seminars, Prof. W. Fischer, zugleich im Auftrag von Rektor und Prorektor herzlich begrüßt, führte der Vortragende etwa folgendes aus:
Um die Wende des 18. Jahrhunderts waren Deutschland und das Studium des Deutschen in England modern geworden. Und so rüsteten sich denn die jungen Romantiker William Wordsworth und seine Schwester Dorothea nebst ihrem Freunde S. T. Coleridge im Jahre 1798 zur Reise nach Deutschland. Sie hatten vor allem das praktische Ziel der Spracherlernung, um durch Uebersetzen aus dem Deutschen das knappe Einkommen zu erhöhen. Coleridge trennte sich bald von den Geschwistern Wordsworth und führte in Göttingen ernste und gewinnreiche deutsche Studien durch. Wordsworth dagegen, einem wenig glücklichen Hinweis Klopstocks'folgend (den man in Hamburg aufgesucht hatte), ging mit seiner Schwester nach Goslar, wo er einen kalten, unfreundlichen Winter verbrachte, ohne mit den geistig interessierten deutschen Kreisen des Harzstädtchens in nähere Berührung zu kommen. Schon im Frühjahr des Jahres 1799 kehrte das Geschwisterpaar nach England zurück, um sich im romantischen Seengebiet Nordenglands dauernd niederzulassen.
Wenn Wordsworth bei seinem kurzen Aufenthalt in Deutschland weder in das Wesen der deutschen Sprache noch der deutschen Kultur tiefer einbrang, so finden sich in feinem Werke gleichwohl mehr Niederschläge seiner deutschen Eindrücke und seines Wissens um Deutschland, als man bisher angenommen hatte. So war es bis jetzt noch wenig bekannt, daß eines der wichtigsten Kunstgesetze, die Lessing im „Laokoon" gelehrt hatte, die Auflösung von Beschreibung in Handlung, auf Wordsworth eine tiefe Wirkung ausgeübt hatte. Wordsworths Verhältnis zu Goethe dagegen blieb stets kühl, ja feindlich. Wie so viele Engländer seiner Zeit vermißte er in Goethes Werken und Leben das Element der Sittlichkeit (im puritanischen Sinne), und ihm, der jederzeit das politische Geschehen in England mit leidenschaftlicher Anteilnahme verfolgte unb feine
Wir gingen Über den Wirtschaftshof dem kleinen Hause zu, in dem der Kämmerer mit feiner zahlreichen Familie unter dem Schatten einer riesigen alten Kastanie wohnte. Eine forsche Blasmusik, bei der der Baß eine führende Rolle zu haben schien, tönte uns schon von weitem entgegen, Gesang und Gelächter zeigte, daß die Festlichkeit in vollem Gange war. Eine Girlande bunter Blumen und Fähnchen schmückte die Pforte des kleinen Gartens, der Weg war mit Tannen und Kalmus bestreut. Vor dem Haus drängten sich die Zuschauer, denn wer nicht mitgeladen ist, nimmt wenigstens von draußen an dem Fest teil. Kleine Kinder drückten ihre Stumpfnasen vor Neugierde platt an den Scheiben. Zeigte sich aber die Braut vor der Tür, im Gärtchen oder auf dem Hof, so stürzte die kleine Bande auf sie los und sang eintönig und unaufhörlich, indem sie der neugebackenen jungen Frau Pflaumen in den Weg warfen: „Wi schmete de Brut mit Plumekern — wi fchmete de Brut mit Plumekern".
Wir hatten noch nicht die Schwelle des Hauses übertreten, als uns bereits zwei Tänzer entgegen« sprangen, je eine von uns ergriff und in einer Art Rheinländer in die Stube schwenkte. Das ist so üblich, das gehört so zum guten Ton, daß man nicht anders ate tanzend ins Haus kommt. Die Musikanten spielten in einer Ecke des Raumes. Ihre Gesichter glühten, die Adern an ihren Schläfen schwollen, die Backen plusterten sich. Einer der Leute hantierte ein merkwürdiges Instrument, eine selbstgemachte Geige: Teufelsgeige genannt. Sie bestand aus einem hölzernen Bügel, der mit geschnitzten Pferdeköpfen verziert ist, lange Drähte sind in zwei durchbohrten Blechbüchsen befestigt, die auf dem Boden stehen, der Geigenbogen ist auch nichts anderes als ein kräftiger Draht. Oben an dem Bügel sind noch zwei Blechteller befestigt, die bei dem taktmäßigen Aufstampfen des Instrumentes heftig aneinander klirren. An Lärm läßt die „Teufelsgeige" jedenfalls nichts zu wünschen übrig. Es dröhnt nur so, und dieses geräuschvolle Orchester wurde nur hin und wieder von dem Gesang der Gäste übertönt.
In der gegenüberliegenden Kutscherwohnung ward für die leibliche Erquickung gesorgt, dort waren die Tische mit den üblichen Schnäpsen, mit Kaffee und Kuchen gedeckt. Fleischdüfte kündeten aus der kleinen Küche ein gehaltvolles Abendessen an. Die Braut, die Rose, bediente uns. Sie machte ihrem Namen alle Ehre mit ihrem jungen hellen Gesicht wie Milch und Blut und ihrer schmalen, aber kräftigen Gestalt. Sie hatte sonst ihren Platz im „Brautwinkel", der sich in einer Ecke der Stube unter einer Art Baldachin, von Blumengewinden befand, aus dem, wie an einem Weihnachtsbaum, leuchtend rote Aepfel an
Ostpreußische Landhochzeit.
Von Margarete von Olsers.
Bei dem Besuch einer Juaendfreundin auf dem Lande wurde ich von der Bahnstation abgeholt; nicht etwa mit einem Auto, nein, zu meiner Freude mit dem wohlbekannten altmodischen Halbwagen, au dessen Bock der alte Kutscher thronte, seit vierzig Jahren in der Familie und mit dem goldenen Abzeichen für gute Pferdepflege geschmückt. Sem etwas schäbiger Zylinder glänzte in der Sonne, und eben o glänzte die Freude über mein Kommen aus seinem guten alten faltigen Gesicht. Er hielt die unruhig trappelnden Trakehner nut fester Hand, saß straff im Rücken auf seinem Sitz, die Jahre hatten dem alten Schmidt nichts anhaben können. Wir begrüßten uns herzlich wie immer. Als er sich dabei zu mir hinunterbeugte, aber schien er doch iraenbroie oeränbert, etwas Ungewohntes war am alten Schmidt. Er, der sonst so Korrekte, er der nie aus der Rolle fiel und bei aller Freundlichkeit Diel au sehr durch ostpreußische Steifheit und Zurückhaltung gehemmt war, um Zutraulich ZU werden, wandte mir ein gerötetes Gesicht mit wohlwollendem Lächeln zu, und 'dabei trieb irgenbem kleiner humorooller Deibel [em Spiel im SßmM der hellgrauen, scharfblickenden Augen, Und auch während der Fahrt wandU sich der Alte ganz gegen seine Gewohnheit mehrfach um und unterhielt mich mit Fragen und Erzählen aus ungewohnte tebhaste ^Nach kurzer Zeit sollte ich die Ursache dieser merkwürdigen Veränderung erfahren. Es war Hochzeit auf dem Gutshof, o berichtete er. Die Tochter des Kämmerers, die suns Jahre ,m „Schloß g - dient hatte, heiratete, und der alte Schmidt hatte das Brautpaar $ur Kirche gefahren — da war denn schon ein bißchen m.tgese.ert worben - daerklärte mir alles, denn eine ostpreußische Hochzeit ohneeinpaar tüchtige Schnäpse ist unbenkbar, unb die hatten eben ben Alten so amüsant unb berebt gemacht. Eine Hochzeit auf dem Laube! M ine Freunbin fragte sogleich, als sie mir mit freubiger Gung aus dem langgestreckten Landhaus, Schloß" aenannt, entgegeneilte, ob ich nicht mite tun wollte,9 fie müsse natürlich der Rose wegen hin
Die Zentralabteilung der Hessischen Landesregierung gibt bekannt:
Zu Beginn des Winterhalbjahres 1936/37 können Abiturienten in bie Hessische Hochschule für Lehrer- bilbung ausgenommen werben. Das Winterhalbjahr beginnt am 20. Oktober 1936.
Die Hochschule für Lehrerbildung gibt bie Grund- ausbilbung für ben Erzieherberuf unb führt nach 4 Semestern zur Abschlußprüfung für ben Dienst an hessischen Volksschulen. Die Vorbereitung auf ben Beruf bes Volksschullehrers unb Volkserziehers gehört zu ben aussichtsreichsten Ausbildungs- gängen.
In Zukunft haben auch biejenigen Abiturienten, welche bas Stubium für bas höhere Lehramt ergreifen wollen, bie beiden ersten Semester an einer Hochschule für Lehrerbilbung zu verbringen. In Hessen werben jeboch zum Winterhalbjahr 1936/37 noch keine Bewerber für bas höhere Lehrfach in bie Hochschule für Lehrerbilbung ausgenommen.
Aufnahmegesuche finb an ben Herrn Reichsstatthalter — Landesregierung — Abteilung II, Darmstadt, Peter Gemeinderftraße 3, zu richten und müssen mit den erforderlichen Unterlagen bis zum 1. August 1936 vorliegen. Zum Herbst 1936 können Aufnahmegesuche nur von Abiturienten, nicht von Abiturientinnen, eingereicht werden.
Bei ben Aufnahmen finb folgenbe Voraus-
Fäben über ben Köpfen bes Brautpaares hinunterbaumelten, bas hier zwischen ben einzelnen Tänzen sitzt, nur um bie Glückwünsche unb Geschenke ber Gäste entgegenzunehmen. In manchen Gegenben hat bie Braut sogar einen Zinnteller auf bem Schoß, unb jeher Gast wirft, ähnlich wie in ber Kirche, ein Gelbstück hinein. Eine ganz praktische Einrichtung, benn solch eine Hochzeit kostet viel Gelb; man will sich ja an solch einem Ehrentag, vor allem bei ber Bewirtung, nicht knauserig zeigen! Mir war es benn auch eine Erleichterung, als bas Abenbessen übermunben war. Ich mußte bei ber Suppe unb ben Klößen ge- rabezu an bas Märchen vom Schlaraffenlanb benken, in bem man sich auch erst burch eine Breimauer essen muß, ehe man an bie eigentlichen Gerichte kommt.
Dann fing ber Tanz von neuem an. Diesesmal glücklicherweise im Freien. Es würbe braußen vor bem Haus, auf bem Hof um bie alte Kastanie herum getanzt. Die Sterne sahen burch ihr Geäst. Der Monb schimmerte im Schleier ber Braut, baß sie aussah wie eine Märchenbraut. Im Osten aber stand bereits die Helligkeit des neuen Tages. Und diesem neuen Tag wurde entgegengezogen, als es Mitternacht schlug. Die Blasmusik stellte sich an die Spitze der Hochzeitsgäste, die sich paarweis ordneten, und nun ginge über ben Gutshof ben Schloßberg hinunter unb in bas Dorf hinab, bas mit feinen kleinen strohgebeckten Häusern srieblich unb still am Ufer eines Flusses lag. Die Musik schreckte kleine Kinber unb alte Leute, bie noch nicht ober nicht mehr hatten mitfeiern können, aus bem Schlaf, manch alter Kopf erschien neugierig hinter den Geranienstöcken am Fenster und spähte dem lustigen lärmenden Hochzeitszug nach. Der zog rasch an den Alten vorbei, wie das Leben selbst, das nun hinter ihnen lag, und in dem Hochzeit, Kindtaufe und Begräbnis mit ihren Feiern die großen Marksteine und „Festtage" bedeuten, die es mit sich bringt.
Zeitschriften
— Das Juni-Juli-Doppelheft der „Deutschen Zeitschrift" (Callwey, München) fordert besondere Aufmerksamkeit durch drei größere Aufsätze, deren Thematik von einem einheitlichen Grundgedanken beherrscht wird: „Der Tod Gottes" von Ernst Benz, „Ernst Jünger und das Unheil des Denkens" von Eugen Gottlob Winkler und ein Aufsatz von Hermann Rinn über ben größten slowenisch en Epiker Joan Cankar, von dem mehrere Erzählungen mitgeteilt werben, „Abschieb", „Sünbe", „Onkel Simon" unb „Der Rosenkranz", Berichte über „Bücher ber Geschichte" unb kritische Auslas« jungen über neue Filmerzeugnisse runben das Heft ab. Sieben Bilder nach Meisterwerken altdeutscher Bildniskunst, zu einem Aufsatz des Herausgebers über neue Kunstbücher schmücken es.
Landsleute zum Widerstand gegen jeden äußeren und könne sich, fo leib es ihr tue, mir heute Nicht unb inneren Feinb aufforberte, war bie politische s
Gleichgültigkeit Goethes fremb unb unerklärlich. Gleichwohl bleibt es zu bebauern, baß roeber Worbsworth noch Coleribge auf ihrer Deutschland- reife ben Weg nach Weimar fanben — eine persönliche Begegnung mit bem Dichterfürsten hätte ben Englänbern vielleicht den Weg zum Verständnis von Goethes Persönlichkeit erschlossen.
Eltern, unb zwar sämtlich mit Angabe des Religionsbekenntnisses der Betreffenden),
7. Leistungszeugnis und Nachweise über Zugehörigkeit und Betätigung in Partei, HI., SA., SS., NSKK., DLV. usw. über abgeleisteten
Aus Oer vrovinzialhauptstadt
Geschichten vom Klatschmohn
Von Frida Aisch, Äad-Nauheim.
Ein ganzes Feld voll leuchtendem Mohn! Man kann sich nicht satt sehen an all der Pracht. Ehe man sich's versieht, steht man am Rand und schleppt mit nach Hause, Blumenvasen zu füllen ...
Große Leute ^wissen eben nichts anderes damit onzusangen, als Sträuße zu machen. Aber mir, als mir noch klein waren! Wir Mädchen machten die niedlichsten Balldamen. Die Blütenblätter wurden einfach umgestülpt, die schwarzen Haare auf einer Seite abgezupft und die Tänzerin war fertig und stand auf dem grünen Gras. Leider war sie nicht mehr lange am Leben. Dauerhafter waren Puppen aus Knospen. Sie mußten gelblich und kurz vor Aufbrechen fein. Sorglich polkten wir sie auseinander und langsam entfaltete sich, spannend erwartet, das Kreppkleid, ob hochrot, rosa ober weißlich. Dann gab’s Ball auf der Wiese. Dem Festtanz wurde ein jähes Ende bereitet, wenn „Herren" dazu kamen: Junge braune Fröschchen, ein Schürz- chen voll zusammengefangen und auf die Balldamen losgelassen, bis alles luftig durcheinander purzelte.
Ja, überhaupt die Wiese! Wenn Minna bleichen ging, liefen wir mit und weideten Kühe. Sie wurden aus den Früchten der Herbstzeitlosen gemacht durch vier hineingesteckte Hölzchen. Leiber war diese Freude nur kurz, denn die ganze Herde wurde beschlagnahmt, weil sie giftig war. Vor „giftig" hatten wir große Angst. Unreife grüne Aepfel waren auch „giftig". Aber wir wußten Rat. Die harte, grüne Frucht wurde reif gemacht, indem wir sie so lange gegen die Mauer buttsten, bis sie weich gequetscht war, braun anlief und der Saft herausspritzte. Dann aßen wir sie mit gutem Gewissen auf.
Aber die Nachbarsbuben wußten noch etwas Feineres. Sie hatten Medizinflaschen voll Mohnblätter gestopft, etwas Essig darauf gegossen, und stampften mit einem Holzstäbchen darin herum, bis es „Tinte" wurde. Es dauerte nicht lange, so hatte alles Spielen aufgehört. Es war kein Kind mehr aus der Nachbarschaft, das nicht schon von morgens an mit seinem Fläschchen auf die Straße kam unb „Tinte" stampfte. Die war aber nicht etwa in einem Tag fertig! Alle Tage tarnen neue Blätter dazu, unb wenn sie ganz schwarzer Brei waren, neue. Die Qualität der Tinte war auch nicht bei allen gleich. Wer am eifrigsten stampfte, den schärfsten Essig erwischt hatte, hatte nach mehreren Tagen wirklich etwas Tintenähnliches, das auch, wenn auch etwas blaßschwarz, o Entzücken! schrieb. Da die Flaschen oben eng waren, die Tunke bei unserer vorsichtigen Fabrikation nicht spritzte, ließen uns die Mütter machen. Nur eine war so grausam, keinen Essig zu liefern, und trotz aller Arbeit wurde nur bleich- sichtiges, graues Wasser. Wir anderen gaben aber Hildchen etwas ab.
Ihr großen Leute werdet wohl alle noch wissen,


