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England schließt das Kapitel der Sanktionen

Mißtrauensantrag der Arb-t.-rpart-i gegen das Kabmett '

Englands neue politische Aufgabe

habe.

Der Der-

Oberst Oe la Rocque gründet eine neue Partei.

er in drei Tagen veröffentlichten. In seinen weite, ren Erklärungen bedauerte de la Rocque u. a., daß durch das Lerbot auch der sozialen Einrichtungen

den Worten Alttees, daß dieser den Jahrestag von Waterloo dadurch feiern wolle, daß er einenkriegin Europa beginne. Bei Waterloo habe Wellington die Hilfe der Preu­ßen erwartet, um seinen Erzfeind, die Fran­zosen, zu besiegen, hundert Jahre später hätten Englands Erzfeinde, die Franzosen, Schulter an Schulter mit ihm gegen diejenigen gekämpft, die Englands Verbündete bei Waterloo gewesen seien. Das lege ihm die Frage nahe, ob denn nicht die Zeit für diese drei großen Länder gekommen sei, sich zusam- menzuschliehen und eine Politik der B e- friedung Europas herauszufinden.Wir find", so erklärte Baldwin,äußerst bemüht, mit diesen Verhandlungen voranzukommen.

angesehen worden seien, wenn sie in Klosterkleidung gemessenen Schrittes durch die Straßen gingen, hätten diese Sachen getrieben und zwar, wie die Verhandlung ergab, sehr ost an den höchsten kirch­lichen Feiertagen. Im einzelnen beantragt er gegen den Angeklagten Altegoer Gefängnis von drei Jah­ren sechs Monaten, gegen den Angeklagten Korczi- kowski sieben Monate Gefängnis und gegen Speng­ler acht Monate Gefängnis.

Der Verteidiger hob die Jugendlichkeit des Haupt­angeklagten hervor, und daß dieser als Kind ins Kloster gekommen und dort verführt worden sei.

Er sei schließlich nach drei Jahren dem Gift in den Klöstern erlegen.

Der Vorsitzende verkündete folgendes Urteil: Das Verfahren gegen den Angeklagten Spengler wird auf Grund der Amnestie vom 7. August 1934 eingestellt, K o r c z i k o w s k i wird f r e i ge­sprochen, der Angeklagte Altegoer wird wegen fortgesetzter widernatürlicher Unzucht zu Gefängnis von einem Jahr und acht Monaten unter Anrechnung der Untersuchungs­haft von sechs Monaten verurteilt.

Ich habe alle Hoffnung, daß wir, wenn es zu Verhandlungen zwischen unseren drei großen Ländern kommt, wir für die Sicherheit der Länder in Mitteleuropa ebenso Vorsorge tref­fen, wie wir das für uns selbst erhoffen. Das ist die Politik, die uns in den kommenden Wochen beschäftigen wird. Wenn der Septem- * der kommt, hoffe ich, daß Eden und seine Kollegen damit beginnen, die Grundlagen zu legen, auf denen ein großer Ueberbau, wie wir hoffen, ruhen wird. Das kann große Verpflich­tungen für dieses Land und für jedes andere Land bedeuten, bevor wir den Buchstaben und den Geist der Völkerbundssahung verwirklichen * können."

Das Unterhaus schritt darauf zur Abstimmung. Der Mißtrauensantrag der Arbeiter-Opposition gegen die Regierung Baldwin wurde mit 384 gegen 170 Stimmen abgelehnt.

Die Heinrich-Feier in Quedlinburg.

Zum 1000. Todestage König Heinrichs I. Ehrung des ersten deutschen VottskönigS durch die NGOAp.

Ami du Peuple" undJour" sind in der Beur­teilung der außenpolitischen Regierungserklärung noch schärfer und meinen, wenn man eine große Rede am Dienstag in der Kammer erwartet ' ' so habe man sich sehr getäuscht.

Paris, 24. Juni. (DRB. Funkspruch.) Führer, der nunmehr durch eine ergänzende ordnung restlos verbotenen und aufge­lösten Feuerkreuz-Organisation, Oberst de la Rocque, hat in einer Erklärung vor der Presse die Gründung der französisch-sozia­len Partei angekündigt. Eine Liste der Abge­ordneten seiner Partei in der Kammer werde

Der Schöpfer des Ersten Reichs.

In wenigen Tagen wird in Quedlinburg in einer würdigen Feier des Sachsenkönigs h e i n r i ch I. gedacht werden. Das nationalsozialistische Deutsch­land trägt damit nur eine Dankesschuld gegenüber dem Manne ab, der mit Fug und Recht als der Schöpfer des Er ft en Reiches genannt wer­den muß. Fast tragisch mutet es an, daß diesem genialen Staatsmann und Feldherrn die vergan- gene Zeit nicht gerecht zu werden vermochte, weil die, die vielleicht berufen gewesen wären, diese ur- ? * VrU $ e $ ü & r e r p e r f ö n [ i d) f e i t auch dem deutschen Volke näher zu bringen, allzusehr vom Scheinglanz eines kirchlich und römisch geprägten Kaisertums benommen waren.

Um so mehr ist es zu begrüßen, daß gerade im letzigen Augenblick ein Buch erschienen ist, das das Leben und Wirken des Ersten Reiches Gründers childert und deutet. In seinemKönig Heinrich I" (Verlag von Georg Stilke-Berlin) umreißt Franz Lüdtke die Gestalt dieses gottbegnadeten Königs, Dol, ßuarJßmen 91,19 und das deutsche Si?n u U p-k ?n feme Mission einte und von ^eg führte gegen eine feindliche Umwelt neidischer fremder Völker. In 12 Kapiteln wird c\a;v.s. _ . L . r e war, das

Herzog Heinrich, der Niedersachse, übernahm als er fern königliches Amt antrat. Zerbrochen das Im- perium der Karolinger die Reste des staatlichen BSFv «ä- martnunb D»tQmEn ~ WmwTÄ jnart und Ostmark verloren das Land wehrloses $eSÄrfirgaagPPenteikr- ^aOi' 2)er Verfasser, der als Ostpolitiker längst einen ÄS bas WS bann' Lch streng an die Quellen lanb heim ?ug heraus, das. Deutsch-

aefürti * bietet. Ein starker und

bunaSsthÄ' frCl kirchlicher Bevormun- fSirf. J8eemt- d>° Grenzen gesichert, wirt- eher f3um ein Deutschland mit

ri|*e Erschütternd ist dieser histo-

^'LE .Abrch des Lebens eines Mannes, wie ihn das Schicksal dem deutschen Volk nur einmal im Jabr- nem^^b r^Eem Deutschland wiederum zu sti- He7nrick ? ^uruckgefunden hat, bedeutet uns ÄL ais e.mer in der Reihe der könig- b?ftinPpitn5nr^en Symbol dafür, wie Wehr- hastigkelt allein zu Freiheit und Aufbruch führen können. Daher gehört dieses Buch, das wegen seiner

Berlin, 23. Juni. (DRB.) Am 2. Juli sind es 1000 Jahre her, daß König Heinrich I.» der Schöpfer des ersten deutschen Volks­reiches und erster wahrhaft deutscher König seine Augen für immer schloß. Aus Anlaß dieses Ge­denktages findet am 1. und 2. Juli in Quedlinburg, der alten Pfalz Heinrichs des Voglers, eine große Gedenkfeier statt, die von den Schutzstaffeln der NSDAP. veranstaltet wird.

Zu der Feier ist der Quedlinburger Dom mit der Heinrich-Krypta, in der Heinrich L mit seiner Gemahlin Mathilde bestattet wurde, würdig her­gerichtet und besonders umgestaltet worden. Ebenso wurde die zweite Gedenkstätte, die aus der Zeit Heinrich I. erhalten geblieben ist, die alte Wigbert- Kapelle, auf dem Königshof bei Quedlinburg, die z. T. schon seit langem als Scheune benutzt wurde vor dem drohenden Verfall bewahrt und neu her­gerichtet Die Feier beginnt am 1. Juli, 21.30 Uhr, mH der Stellung der Ehrenwachen an der Heinrich- Krypta des Domes und an der alten Kapelle des Königshofes. Am 2. Juli wird in Gegenwart des Reichsführers SS. und Chefs der deutschen Polizei Heinrich Himmler und zahlreicher führender Persönlichkeiten in Staat und Partei um 12 Uhr im Dom und an der Heinrich-Krypta eine feierliche Gedenkstunde stattfinden, bei der die Dessauer Staatskapelle mitwirkt. Gleichzeitig werden 5 00 jaJjnen der Hitler-Jugend geweiht. Um 15.30 Uhr naben auf dem Platz am Moorberg unter Beteili­gung von SS., SA. und Wehrmacht große Rei­te r f e st s p i e l e statt. Der Tag wird um 21.30 Uhr mit einem großen Zapfenstreich der SS.-Verfü- gungstruppe auf dem Markt in Quedlinburg L schlossen. 3 9

Die stabt Quedlinburg steh! schon seh, im Zei­chen der graften Feier. Schon seit einiger Zeit arbeitet >m Rathaus ein Qrganisationsstab, bem die gejamten Vorbereitungen für bie Feier obliegen 2n ber Sfabf ist man überall babei, Straften unb Raufer sur ben graften lag ber Stabt Heinrichs i«5 rour!"9 derzurichten. Ein Quartieramt . ,S*i en' bas alle rtebernachtungsgetegenheiten sicherzustelleu""' ®ä,kn ""'«kunf.

tnlut wesentlich für bie britische Sicherheit. Wie es im britischen Interesse gelegen habe, baß N a po­le o n S M a r s ch a u s M o S k au fehlgeschlagen sei, 0 würbe es auch im britischen Interesse stegen, baß jeber andere Marsch auf Moskau fehlschlage, Sie deutsche Aufrüstung habe eme Politik ber Sßieberaufrüftung in Englanb notwendig gemacht. __ 2)er Arbeiterabgeorbnete Dalton beschulbig.2 bie Regierung, bas britische Ansehen im Auslanbe tiefer erniedrigt zu haben, als es seit Menschenge- denken erniedrigt worben sei. Dalian bat Balbwin um eine Mitteilung, ob die Regierung sich bemühen wolle, einen etwaigen abesswischen Widerstand nut Waffen und Gasmasken zu unterstützen. Er mochte ferner wissen, welche Politik Englanb nach Aus. Hebung ber Sanktionen einschlagen werde.

Ministerpräsident Baldwin erklärte, England wolle einer Waffenzufuhr an irgendeine verfassungsmäßige Behörde in Abes­sinien nicht im Wege stehen, aber es sei keine Gewähr dafür vorhanden, daß Waffen, die über die Sudangrenze nach Gore in Westabessinien gesandt würden, mit Sicherheit nach anderen Gebieten in West- und Südabessinien weiterbefördert werden könnten. Er hoffe, daß England und Frank­reich in Genf äußerst eng Zusammenarbeiten. Man dürfe niemals den Unterschied zwischen der Stellung Frankreichs und derjenigen Englands vergessen. Er habe stets größtes Mitgefühl mit Frankreich gehabt für den Fall, daß es zu einem Kriege mit Italien kommen sollte. Für alle, die den Ereignissen gefolgt seien, bedeute der französische Entschluß, die Sanktionen aufzuheben, keine Ueber- raschung. Die britische Regierung habe nicht die Absicht, auf der bevorstehenden Völkerbundstagung eine Anerkennung der italienischen Annektierung Abessiniens Voranschlägen oder ihr zuzustimmen. England habe die Sanktionspolitik ehrlich und eif­rig ausprobiert. Ihr schließlicher Fehlschlag sei auf die Ablehnung beinahe sämtlicher europäischer Na­tionen zurückzuführen, militärische Sanktionen an­zuwenden. Wenn die Sanktionsländer den An­greiferstaat nicht auf die Knie zwingen könnten, sei der Krieg unvermeidlich, und zwar voraussichtlich nicht ein lokalisierter Krieg, sondern ein Krieg ganz Europas. Man müsse nun versuchen, inwieweit die kollektive Sickierheit ver­wirklicht werden könne. England siche in einem Meinungsaustausch mit den Dominien und anderen Völkerbundsstaaten. Insbesondere mit der französi­schen Regierung.

Baldwin knüpfte sodann an eine Bemerkung Attlees über den Jahrestag der Schlacht von Waterloo an und sagte, er entnehme

der Feuerkreuzler zahlreiche Kranke und Bedürftige der notwendigen Betreu­ung beraubt worden seien.

Der Streik in Marseille.

Auch andere Mittelmeerhäfen unter der roten Fahne.

Paris, 24. Juni. (DRB. Funkspruch.) Der Matin" berichtet, daß sich die Streikbewegung im Marseiller Hafen weiter ausgedehnt habe. Ueber 68 Schiffen wehe die rote Fahne, rund 4000 Streikende hielten die Schiffe, die von ihren Kapitänen und Offizieren verlassen worden seien, besetzt. Der Hafenverkehr ruhe völlig. Ein einziges Schiff, das FeuerwehrbootAlerte , das der Handelskammer gehöre, habe nicht die rote Fahne gesetzt.

Einige wenige Schiffe, die noch ohne Schlepper­hilfe in den Hafen eingelaufen waren die meisten ausländischen Schiffe werden auf andere Häfen um­geleitet konnten ihre Poftladung, leicht verderb­liche Lebensmittel und Passagiere noch abladen, woran sich aber sofort die Niederlegung der Arbeit und Besetzung der Schiffe anschloß. Die Verpflegung der Streikenden wird, soweit möglich, aus Schiffsoorräten beschafft, wobei es sogar zu gewaltsamem Aufbrechen der Türen 3u ben Vorratskammern gekommen sein soll. Dem Streik haben sich auch Schiffsreparatur­arbeiter, Schiffsanftreicher und Dockarbeiter ange­schlossen.

DerAmi du Peuple" berichtet, daß sich die Streik­bewegung auch auf die anderen französi­schen Mittelmeerhäfen auszudehnen be­ginne. So fei der Verkehr des Hafens Port V e n- dres völlig stillgelegt. Auch hier wehe die rote Fahne an den Masten der Schiffe. Das Blatt erklärt diese Vorfälle ließen darauf schließen, daß der Bolschewismus im Anmarsch sei.

Der Gittlichkeitspro^ß gegen die Franziskanerbrüder.

Koblenz, 23. Juni. (DNB.) Am Dienstag wurde in dem großen Sittlichkeitsprozeß der 276 Brüöer der Franziskanerbrüderschaft gegen den Hauptangeklagten, den 23 Jahre alten Wilhelm Altegoer alias Bruder Hermann-Jofef, und als Mitangeklagte gegen die Brüder Irenäus (An- ton Spengler) und Basilius (Richard Korczi- kowski) verhandelt. Die Vernehmung des Haupt- angeklagten ergibt, daß die in Frage kommenden z5ruöer mit dem Angeklagten in nicht wiederzu­gebender Weise verkehrt haben. Bruder Wener der dem Angeklagten Altegoer diese Perversitäten bei- gebracht hat, befindet sich zur Zeit im Ausland. xJm großen und ganzen ist der Hauptanqeklaate geständig. Der Angeklagte Bruder Basilius will die unzüchtige Handlung halb im Schlaf ausgeführt haben. Auch der Angeklagte Bruder Irenäus ro.l£ von der Absicht einer unzüchtigen Handlung nichts wissen und lediglich eine medizinische Un­tersuchung vorgenommen haben.

Der Staatsanwalt führte in seinem Plädoyer u. a. aus, daß man in diesem Prozeß wieder ein­mal Gelegenheit habe, daß Netz derQuerver- bindungen innerhalb des Franziskaner-Bruder- ordens festzustellen. Bei der Beurteilung müsse vor allem der Gesamtkomplex berücksichtigt werden ! Leute, die tn der Öffentlichkeit als halbe Heilige

London, 23. Ium. (DNB.) Im Unterhaus brachte der Führer der Opposition, Attlee, den Antrag ein, der Regierung das Mißtrauen auszu- fprechen, die ihr Mangel an Entschlossen­heit in der Außenpolitik das Ansehen des Landes gemindert, den Völkerbund geschwächt und den Frieden gefährdet habe. Der Angriff der Arbeiter­partei richte sich gegen die ganze Regie­rung. Er halte es nicht für fair, daß der Außen­minister allein angegriffen werde. Er habe feine Pflicht getan, und niemand könne annehmen, daß er dabei sehr glücklich sei. Eden habe großes An­sehen genossen. Das habe er nun verspielt. Die Re­gierungspolitik laufe auf Bündnisse solcher Art hinaus, wie sie 1914 ben Krieg herbeige­führt hptten. Die Regierung habe sich geweigert, ein Risiko für Öen Frieden einzugehen und habe damit das Land in eine gefährliche Lage ge­bracht. Die strategische Lage des Landes sei nicht die von 1914. Sein eigentliches Herz sei heute auf dem Luftwege vom Kontinent her zu erreichen. Die Besitzungen des Britischen Reiches im Fernen Osten hingen vom guten Willen Japans ab, der Weg nach Indien vom guten Willen Italiens. Wolle man die Rüstungen solange vermehren, bis man stark genug sei, um diesen möglichen Gegnern gewachsen zu sein. Auf diesem Wege werde es nur Ruin und Krieg geben. Paldwin sei nicht der Mann, dem man vertrauen könne.

Innenminister Sir John Simon antwortete, daß der Völkerbund einen schweren Rückschlag erlitten habe, sei bedauerlicherweise rich­tig. Es sei nicht gelungen, die territoriale Unver­sehrtheit und politische Unabhängigkeit eines Völ­kerbundsmitgliedes aufrecht zu erhalten. Die Frage fei aber, ob dieser Fehlschlag die Schuld der briti­schen Regierung sei. Eden habe eine Oelsperre be­antragt. Es sei daher unfair, die Nichtanwendung der Oelsperre der britischen Regierung als ein Ver­brechen anzurechnen. Tatsache sei, daß kein einziges Mitglied des Völkerbundes bereit sei, Gewalt an- zuwenden. Er zweifle nicht daran, daß die britische Flotte zeigen würde, was sie könne. Aber angesichts ber schweren Gefahren, von denen England näher der Heimat umgeben sei, jei er nicht bereit, auch nur ein einziges Schiff zu opfern, selbst wenn cs sich um eine erfolgreiche Seeschlacht für die Sache Abessiniens handele. Aus den Sanktionen seien dem Handel Englands sieben Millionen Pfund Sterling Verluste entstanden. Solange triftiger Grund be­standen habe, die Sanktionen fortzusetzen, habe man diese Verluste tragen müssen. Er fei aber nicht der Ansicht, daß man die Sanktionen fortsetzen dürfe, weil die Verlustenur" sieben Millionen be­tragen hätten. Die Arbeiteropposition habe kürzlich gegen den Ergänzungshaushalt für die Streitkräfte im Mittelmeer gestimmt. (Minutenlanger und stür­mischer Beifall ber Regierungsmehrheit.) Er ver­lange daher, daß der Mißtrauensantrag abgelehnt werde.

Sir Archibald S i n c I a i r (Dppofitionsliberarer) SSS& " & s Mfs'W&KÄÄSää

Nerven Der Konservative Emrys Evans Härte, bas Sanb habe ein Recht ju :»iffen,. °b bie Arbeiterpartei bereit sei, b 1 s zum Krieg zu gehen, um die Unabhängigkeit Ab H , wieder herzustellen. Die unmittelbaren I n ter | sen Englands lägen längs der Grenzen Belgiens, Hollands u n b 5 r <1 n Er e 1 d) . Die französische Armee sei der Schutz- s ch i 1 b j hinter bem Englan b w 1 e b e r a 1 f rüsten könne. Die Stabsbesprechungen seien ab­

behauptet, es sei nur eine beschrankte Abwehrstreit- fraft. Also bliebe nur noch bas tschechoslowakische Heer unb bie russische Luftwaffe. Könnte bas fran­zösische Heer, falls es zwischen Deutschlanb unb Ita­lien zu einem Abkommen käme, nach zwei Fronten hin Widerstand leisten? Wenn ein beutsch-italienisches Abkommen geschlossen wäre, müßte man z u einer Verstänbigung mit Deutschlanb unb mit Italien kommen. Man dürfe nicht die Politik des Blocks ber Demokratien gegen ben Block ber Diktaturen betreiben.

Als von ber Rechten bes Hauses ber Ruf ertönt: Nach Moskau!" unb Abgeordneter Montigny fein Bedauern ausspricht, daß fremdländische Ein­flüsse auf der französischen Außenpolitik lasten, er­klärt Außenminister Delbos: Er müsse auf diese Unterstellungen antworten, weil sie die Gefahr mit sich brächten, im Auslande als Beweisgründe ge­gen Frankreich zu dienen. Die politische Leidenschaft dürfe nicht dazu führen, solche Anschuldigungen aus­zusprechen, sie könnten bem Lanbe Schaden zufügen. Abgeordneter Montigny ruft den Radikalsozialisten zu:Ihr sprecht ja im Namen eines breiheiligen Gebildes: ich begreife eure Einsprüche im Namen der Radikalsozialistischen Partei, aber hinter euch stehen die Zweite und die Dritte Internationale."

Abgeordneter Her aut betonte, daß man nicht etwa zwischen den Arten von Politik ber verschie­denen ßänber seine Wahl treffen, sondern franzö­sische Politik machen müsse.Sprecht un­mittelbar mit Deutschland, sprecht unmit­telbar mit Italien", rief der Abgeordnete aus.

Der Abgeordnete d e S e r i l l i s, der sich selbst als Nationalist bezeichnete, versuchte der Kammer wiederum dasGespenst der deutschen Gefahr" an die Wand zu malen unb war bestrebt, krampfhaft bie Furcht vor einem nach seiner Behauptung dro- henben deutschen Angriff anzufachen. Um das dü­stere Bild, das er entwarf, wirkungsvoller zu ge­stalten unb bie ben Franzosen angeblich drohenden Gefahren zu vergrößern, ließ er sich sogar herbei, dievollkommene Ordnung", die im Reiche herrsche, anzuerkennen unb ihr bie llnorbnung in Frankreich aegenüberzustellen. Schließlich griff er erbittert ben französischen Kriegsminister an, ben er nicht nur alsMann des Schwundgeldes", sondern auch des Schwundheeres" bezeichnete. Der Kommunist Peri schlug in dieselbe Kerbe. Als er aber er­klärte, aus Serillis Rede eine Rechtfertigung des franzöfifch-sowjetruffifchen Paktes herausgehört zu Haden, rief Serillis dazwischen:Ja, das darf aber nicht so weit gehen, daß in ber Französischen Kam­mer 72 russische Abgeorbnete sitzen!"

Außenminister Delbos erklärte, hinsichtlich der nationalen Verteidigung werde nichts vernachlässigt werden, was notwendig sei, um die Sicherheit Frankreichs zu gewährleisten und um Frankreich zu erlauben, seinen Verpflich­tungen nachzukommen. Die Regierung werde be­strebt fein, den Frieden zu stärken auf dem Wege der kollektiven Sicherheit. Der Gedanke von der Unteilbarkeit des Friedens fei nicht von allen an­deren anerkannt worden. Dieser Tatsache müsse Rechnung getragen werden, wenn sie auch zu keiner besonderen Beunruhigung Anlaß geben dürfe. Weit davon entfernt, auf die kollektive Sicherheit zu ver­zichten, müsse man sie organisieren, indem man ber Tatsache Rechnung trage, daß verschiedene Nationen kein Risiko übernehmen wollten. Delbos glaubte bann auf bie angeblichen Gefahren infolge desDynamismus Deutschlands" Hinwei­sen zu sollen, betonte aber, baß Frankreich ruhig bleibe. Es werde nichts vernachlässigen, was zu sei­ner Sicherheit beitragen könne. Frankreich wünsche eine Verständigung mit Deutschland gemäß dem Recht und der Gerechtigkeit für alle. Frankreich be­reite keine Hegemonie vor und werde auch keine Hegemonie dulden. Treu feinen Verpflichtungen und treu feinen Freundschaften werde es für Frieden und Gerechtigkeit arbeiten und seine Aufgaben er­füllen.

Von radikalsozialistischer Seite wurde alsdann ein Antrag eingebracht, in dem die Kammer d?r Regierung das Vertrauen dahin ausspricht, daß diese den Frieden verteidigen und bie kollek­tive Sicherheit durchführen werde. Der Antrag wurde mit 382 gegen 198 Stimmen angenom­men.

Kritik der Rechtspresse.

Paris, 24. Juni. (DNB. Funkspruch.)Popu- laire" schreibt, die Erklärung der Regierung bedeute, daß Frankreich von nun ab mit allen seinen Mit­teln das Werk der Abrüstung weiter ent­wickeln wolle, womit auch die Ankündigung einer bevorstehenden Nationalisierung der Rü­st ungsindu st rie in Frankreich Zusammenhänge. Der Friede könne nicht darin bestehen, daß man ben Willen eines Despoten annehme unb daß man seinen Gegnern an den Landesgrenzen Halt biete".Mit allen für alle" müsse die Parole der­jenigen lauten, die den totalen Frieden wünschten.

In ben Blättern ber Rechten tritt bereits heftige Kritik zu Tage. So meint Pertinax imEcho de Paris", Delbos habe sich f a ft wörtlich w i e Darthou ausgebrückt. Leiber hätten sich die Dinge jedoch seit dem Jahre 1934 weiter entwickelt. Die deutschen Rüstungen seien fortgeschritten. Die Autorität Frankreichs nehme von Tag zu Tag ab. Lm Jahre 1934 seien abstrakte Ausführungen noch Zulässig gewesen, heute jedoch sei für derartige Ausführungen nicht mehr viel Zeit. Der Außen­minister habe von einem Donaupakt gesprochen, ber allen Staaten Mitteleuropas offen stehen solle. Er müsse jeboch wissen, daß roeberiUngarn noch Polen in einen berahmen Pakt eintreten unb daß bie alte Rechnung zwischen ber Kleinen Entente unb Italien noch nicht ausgetragen sei. Man dürfe keine Zeit verlieren. Die Reform des Artikels 11 der Dölkerbundsfatzung und bie Ein­berufung der europäischen Studienkommission seien schon fünf Jahre lang immer wieder fallen gelassen worden.