Ur. 20 Erster Blatt
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Eichener Anzeiger
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24. Januar lyZb
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Mengenabschlüsse Staffel B
Sarrauts Versuch einer Kabinettsbildung.
Paris, 24. Ian. (DNB. Funkspr.) Die Regierungskrise scheint sehr viel schneller als erwartet beendet zu werden. Der mit der Kabinettsbildung beauftragte radikalsozialistische Senator S a r r a u t hat innerhalb oon 12 Stunden nicht nur in weit ?espannten Besprechungen die genaue Stel- ungnahme fast aller politischen
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Paul-Boncour, bedeutender Rechtsanwalt, langjähriger Delegierter Frankreichs im Völkerbund und oft Minister, ist für den Posten des Kriegsmini st ers an Stelle des Obersten Fabry ausersehen. — (Archiv).
Gruppen in Erfahrung gebracht, sondern um 2 Uhr nachts schon eine vorläufige Minister l i st e ausgestellt. Er wird seine Beratungen am Freitag 9 Uhr fortsetzen und voraussichtlich gegen Mittag dem Präsidenten der Republik seine Vorschläge über die Zusammensetzung seines Kabinetts unterbreiten.
<9ie vorläufige MMerMe, die natürlich im Laufe" des Freitagvormittag noch Aenderungen erfahren kann, weist folgende Namen auf-
Ministerpräsident und Innenminister: Albert Sattaui (Radikatsozialist)
Justiz: Pernot (Republikanische Mitte) Außenministerium: Flandin (Demokratische
Vereinigung)
Finanzministerium: Regnier (Radikalsozialist) Kriegsministerium: Paul-Voncour (Sozialistische Vereinigung)
Kriegsmarineministerium: Pietri (Radikale Linke)
Handelsministerium: Georges Bonnet (Radikalsozialist)
Postministerium: Mandel (Unabhängig, rechtsstehend)
Oeffenkliche Arbeiten: Ivan Delbos (Radikalsozialist)
Luftfahrt: Laurent-Cynac (Radikale Linke) Unterricht: Mario-Roustan oder Guernut
(beide Radikalsozialisten)
Landwirtschaft: Lathata (Radikale Linke) Kolonialministerium: Stern (parteilos) Arbeitsministerium: Ramadier (Sozialistische
Vereinigung)
Pensionsministerium: Lhampetier de Rill es (Volksdemokrat)
handelsmarineministerium: William B e r t r a n d (Radikalsozialist)
Gesundheitsministerium: Moncelle (Republikanische Mitte)
Unterstaatssekretär im Miniskerpräsidium: Jean Z a y (Radikalsozialist)
Unlerskaatssekretär im Innenministerium: Iac-
queinot (Republikanische Milte).
Pierre Flandin, von Hause aus Rechtsanwalt war in verschiedenen Kabinetten Handels- und Finanzrninifter, bis er im November 1934 zum erstenmal selber ein Kabinett bildete, das aber bald unter dramatischen Umstanden gestürzt wurde. — (Archiv.)
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Auf Grund dieser Zusammenstellung konnte man von einer Regierung der rep u b l tränt- schen Konzentration sprechen. Ebenso rote das Kabinett Laval würde das Kabinett Sarraut sechs radikalsozialistische Minister aufweisen, einschließlich des Ministerpräsidenten,
der das Innenministerium übernehmen will. Als neue radikalsozialistische Männer enthält die Vorschlagsliste den Fraktionsführer Poon Delbos, Guernut (ober Mario-Roustan) und Jean Zay, die sämtlich dem linken Flügel der Partei zuzurechnen sind. Auf der Linken würde die Regierung bis zur soualistischen Union reichen. Der wichtige Rosten des A u ß e n m i n i st e r i u m s soll dem früheren Ministerpräsidenten Flandin anoertraut roerbcn. Die republikanische Mitte würde durch Pernot und Jaca"">no^ vertreten fein.
Sollte Sarraut scheitern, wird der Präsident sich entweder an den Radikalsozialisten Georges B o n - n e t ober an ein Mitglieb ber republikanischen Mitte wie Pietri ober an Manbel roenben. Bei einer Verlängerung ber Krise rechnet man als lekt- fDlöaüchMt mit einer Betrauung bes Kammer- präfibenten Bouifson.
Erstes Scho m der pariser vreffe
Paris, 24. Jan. (DNB. Funkspruch.) Die rabikalsozialistische ,,R e p u b l i g u e" erklärt, bas Programm Sarrauts werbe auf ber Linken keine Gegnerschaft finben, ba es bie großen Linien wiberspiegele, bie auf bem letzten rabikalsozialisti- schen Parteitag in Paris festgelegt worben sinb. Schwierigkeiten könnten sich nur aus ber Haltung ber Rechten unb ber rechten Mitte ergeben.
Bemerkenswert ist, baß ber Vorsitzenbe ber sozialistischen Partei Leon Blum, ber in ben letzten Tagen bei jeher Gelegenheit im „Populaire" Sturm lief zur Betrauung Sarrauts, heute völlig schweigt Dies bürste wohl als eine stillschweigende Duldung angesehen werden, nachdem der Eifer der Sozialisten, sich an einer Regierung kurz vor den Wahlen zu beteiligen ober sie tatkräftig zu stützen, in ben letzten Tagen wesentlich nachgelassen hat.
Das rechtsstehenbe „Drbre" glaubt, daß die Tagesordnung der Demokratischen Vereinigung eine Zusammenarbeit zwischen dieser Gruppe und den Radikalsozialisten sehr schwer machen wird Diese Tagesordnung trat bekanntlich für bie Politik Lavals ein. Sie scheiterte jedoch an dem Widerstand des Gruppenvorsitzenden F l a n d i n.
Die kommunistische „humanitö" legt das größte Gew.icht daraus, daß Laval nicht wiederkehre, da das nach Ansicht bes Blattes eine Herausforderung bebeuten würbe. Für Sarraut setzt sich bas Blatt
aber auch nicht ein, ba er gesagt hat: „d e r eigentliche Feinb ist ber Kommunis- m u s".
Wer ist Sarraut?
Der mit ber Kabinettsbilbung beauftragte rabikalsozialistische Senator Albert Sarraut würbe 1872 in Borbeaux geboren unb war ursprünglich Rechtsanwalt. Von 1911 bis 1914 war er General- gouoerneur von Jnbochina. Im Kabinett Viviani, bas Frankreich in ben Krieg führte, war er Unterrichtsminister. Später ging er an bie Front, kam aber 1916 roieber als Generalgouverneur nach Jnbochina, wo er ben Transport von 120 000 Mann anamitischer Ersatztruppen an die europäische Front organisierte. Seit 1920 war er Kolonialminister und arbeitete ein eingehendes Programm zur Entwicklung der französischen Kolonie aus. Im März 1925 ging er als Botschafter nach Angora. Später hatte er verschiedenen Kabinetten als Innenminister, Marineminister, Kriegs- unb Kolonialminister angehört. Im Oktober 1933 bilbete er selber ein Kabinett, bas jeboch schon nach wenigen Wochen über bie Beamtengehälter stolperte.
KatzenjMMrmder„BolMont"
Paris, 24. Jan. (DNB. Funkspr.) Die unverhüllten Erklärungen bes Kommunistenführers Ca- chin auf ber kommunistischen ßanbestagung, bie Kommunisten würben nicht vergessen, baß ihr Ziel bie Errichtung einer französischen Sowjetrepublik sei, baß man Bünbnisse eingehen unb an einer Volksfront teilnebmen könne, um ben Faschismus aufzuhalten, baß es aber Pflicht ber kommunistischen Partei fei, bas Proletariat zur regierenben Klasse zu machen, wirb oon ber rabikalsozialistischen „Ere Nouvelle" als sehr unbequem empfunben. In ben Augen ber kommunistischen Partei, so klagt bas Blatt, sei bie Volksfront also nur ein Mittel zur Durchführung bes kommunistischen ^Programms. Was solle bann aber aus bem rabikalsozialistischen Programm werben. Würben bie Rabikalsozialisten als Sprungbrett ober als Schutzwall bienen? Es sei bie Pflicht ber Rabikalsozialisten, für bie fommenben Wahlen sich selbst treu zu bleiben. Nach ber Erklärung von Cachin scheine ber Vorhang über bie Komöbie ber Volksfront gefallen zu fein.
Die Feier des 30. Januar.
Appell und Fackelzua der ältesten SA -Männer Deutschlands vor dem Führer. Erste Darbringung des »SA -Hufs".
Berlin, 24. Jan. (DNB ) Am 30. Januar 1936 finbet im Lustgarten zu Berlin em Appell ber ältesten S A - Männer Deutschlanbs vor bem Führer statt. An diesenz,Appell nehmen 25000 SA. - Männer teil. Am Abend desselben Tages erfolgt eine Wiederholung des historischen Fackelzuges der SA. vom 30 Januar 1933 vor dem Führer an der Reichskanzlei.
Dieser Tag wird nicht nur eine Auszeichnung fein für die alten politischen Soldaten des Führers, sondern für die gesamte deutsche SA Zum dritten Male jährt sich am 30. Januar der Tag, an dem in Deutschland vom Fels zum Meer, in Oft und West, jubelnd die Hakenkreuzbanner aufgezogen wurden. Nach 14 Jahren Kampf war der Führer der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei, war der Oberste SA.-Führer, Kanzler bes Deutschen Reiches geworben Ein Jubel ohnegleichen ging burch Deutschlanbs Gaue Die Opser berer, bereu Namen von ben Felbzeichen unb Sturmfahnen leuchten, waren nicht umsonst gewesen. Spontan sammelten sich in allen Stäbten unb Dörfern bie Männer ber Bewegung SA.- unb SS.-Einheiten veranstalteten Fackelzüge unb himmelan leuchteten bie Freubenfeuer ber zusammengeworfenen Fackeln. Durch bas Branbenburger Tor unb bie Wilhelm- straße marschierten zum ersten Male bie SA., bie aktivsten politischen Solbaten bes Führers, bie in unzähligen schweren Saal- und Straßenschlachten an erster Stelle diesen Sieg erringen halfen und damit den Weg zur Uebernahme der politischen Macht freimachten
Rach drei Jahren wirb nun wieder zu Ehren ihres Obersten SA.-Führers die SA. marschieren. Aus ganz Deutschland werden die beiden dien st ätte st en S A.- Männer jedes Sturmes nach Berlin kommen. Zu derselben Stunde, zu der der Führer am 30. Januar Kanzler wurde, werden auf dem Berliner Lustgarten 25 000 Männer der Allen Garde der SA. zum Appell vor ihrem Obersten SA.-Fuhrer angetreten stehen und ihr Führer wird zu ihnen sprechen. Gleichzeitig werden sprechen der Stabschef und Reichsminister Dr. Goebbels.
Am Abend werden dann die 25 000 Mann auf der Charlottenburger Chaussee in Zwölferreihen anlreten, mit ihnen werden antreten je ein Marschblock der Berliner Standarten, Ehrenabordnungen der SS., der Hitler-Jugend und des NSKK., jo daß im ganzen 35000 Mann zum Fackelzug angetreten fein werden. Um 20 Uhr wird sich der F a ck e l z u g in Marsch sehen und durch das Branden
burger Tor, über die Linden und durch die Wilhelmslraße marschieren. An der Reichskanzlei wird der Führer den Vorbeimarsch dieser 35 000 Männer abnehmen.
Nach Beendigung bes Vorbeimarsches, ber ungefähr eineinhalb Stunben bauern wirb, wird vom „Kaiserhof" her der sich aus drei Musikzügen zusammensetzende „S A. - R u f" anrücken. Und dem Führer wird zum erstenmal der „SA.-Ruf" gebracht werden. Der „SA.-Ruf" wird in Zukunft der Zapfen st reich der SA. sein. Der Fackelzug und der „SA.-Ruf" werden durch Rundfunk übertragen werden. Desgleichen die mittags beim Appell gehaltenen Reden Für die gesamte deutsche SA. ist für diese Sendung G e - meinschaftsempfang angeordnet. Alle SA.- Männer Deutschlands werden in ihren Sturm- lokalen und Unterkünften teilnehmen an diesem Ehrentag der SA., einem Tag, der allen, die ihn miterlebten, Gelöbnis und Verpflichtung sein wird.
Die Zehnjahresfeier 0es NSDStB.
N S G. Aus dem Gaugebiet Hessen- Nassau werden an der Zebnjahresfeier des NS D.- Studentenbundes in München über 150 Studenten teilnehmen. Neben der gesamten Gauftudentenbunbssührung und den Führer st üben der hochschulgruppen werden sämtliche Fachschulgruppenführer des Gaues Hessen-Nassau nach München fahren. Auch eine größere Mannschaft, die sich aus den Belegschaften der Kameradschaftshäuser des NSD StB. in Frankfurt a. M. und Darmstadt zusammensetzt, wird Zeuge der Münchener Weihestunden sein, in denen dem Studentenbund die vom Führer verliehene Fahne feierlich übergeben wird. Eine größere Anzahl alter Studentenbundskameraden und famerabinnen, bie zum Teil schon im Berufsleben stehen, werben mit ben an- beren alten bewährten Kämpfern für ben Nationalsozialismus auf Deutschlanbs hoch- unb Fachschulen bie Feierlichkeiten in München erleben. Außer ber Zehnjahresfeier finben noch eine Gau - ftubentenbunbsführertagung, sowie mehrere Sonbertagungen ber Referenten in ben Stäben ber Gaustubentenbunbsführungen statt.
Morgenfeier ber <^A.
Berlin, 23. Jan. (DNB.) Der Deutschlanb- fenber überträgt am Sonntag, 26. Januar, 10 Uhr, aus Stuttgart eine Morgenfeier ber SA.-Gruppe Sübwest. Im Mittelpunkt ber Senbung steht ein Werk bes schwäbischen Dichterpreisträgers unb SA.- Führers Gerhart Schumann „Aus unferm Opfer leuchtet bie Unsterblichkeit", bas in ber Sprache ber SA. für einen neuen, harten unb heroischen Stil in der deutschen Dichtung eintritt.
Japans große Stunde.
23on Konteradmiral a D (No-ow
Unter ben großen weltpolitischen Aufbauwerken ber neueren Geschichte, wie bem bes britischen Weltreiches, bes norbamerikanischen ©taatenbunbes, bes neu-französischen Kolonialreiches, nimmt bie Leistung Japans enbgültig ihren gleichberechtigten Rang ein. Sie ist um so impomerenber, als jene anberen Konstruktionen weniger einer folgerichtigen Zielsetzung entsprangen, als ben Gegegebenheiten ber Stunbe, bem Zugreifen im rechten Moment, vielleicht einem" gleichbleibenben Instinkt ber betreffenden Nationen Aber Japans Weg erscheint wie mit hartem Griffel von einer ha n b gezeichnet, unb man weiß, von wessen hanb: von ber bes großen Meiji-Kaisers, zu Lebzeiten Mut- s u h i t o genannt, ber im Jahre 1912 starb unb jenes Testament hinterließ, bas Ministerpräfibent Tanaka 1927 zusammen^aßte unb bas noch auf lange hinaus Japans Schicksal zu bestimmen scheint. In seine Zeit fiel ber schwinbelnbe Aufstieg vom mittelalterlichen Feubalwesen, bas noch in bert 70er Jahren bem Fremben in Schuppenpanzer, mit Schwert unb Lanze begegnete, zur ersten Wehrmacht bes Ostens.
Es war bie Zeit ber ersten Kraftprobe gegen China im Seekrieg 1895, bie Japan bereits bie erste Erweiterung feines Reiches eintrug: Die Insel Formosa mit ben Pescabores-Jnseln, bie Liu-Kiu- unb Kurilenketten, heute eine ausgebehnte Wehr oon Stützpunkten im westlichen Pacific. Es folgte ber blutige Waffengang gegen Rußland 1904/05, ber ben riesigen Nachbarn aus Korea, ber süblichen Manbschurei unb halb Sachalin hinauswarf, ber erste entscheibenbe Sieg von Gelb gegen Weiß. Die neue Großmacht war fertig. Im Weltkrieg 1914 vertrieb sie uns aus Schantung, ber Musterprovinz, von ber so unberechenbar starke beutsche Einflüsse auf ganz China auszustrahlen begannen. Dann kamen 1915 bie berüchtigten 21 Forderungen an China, bie besten Souveränität beenbigen sollten. Um 1919 stauben japanische Truppen in Rußlanb bis zum Baikalsee hin.
Aber mit Beendigung bes Krieges kehrten die Weltmächte zurück unb zwangen Japan 1922 zum Verzicht unb zur Flottenabrüstung. Ein großer Auiwanb schien vertan, auch aus Sibirien unb Wlabiwostok mußte Japan weichen, schnirsch"nd mußte es bie „Offene T ü r" in China hinnehmen. Das schwere Erbbeben von 1923, bas Laub, Finanzen unb Wehrkraft weit zurückwarf, schien mit ben Großmächten im Bunbe. Aber roieber erhebt sich bie stählerne Sprungkraft ber rätselhaften Nation. Schon 1928 ist bas Schlimmste überrounben, 1931 wagt man ben Zugriff auf bie ganze Manbschurei, bie man sich als „selbft- ftänbiges Kaiserreich" angliedert, wagt 1932 auch den Sturm auf Schanghai, der freilich mißlingt, kehrt dem Völkerbund den Rücken, als die Lytton- Kommission die mandschurische Aktion verurteilt, erläßt im Sommer 1934 eine Note an die Mächte, die einer Monroedoktrin für China gleichkommt, unb kündigt am 29. Dezember 1934 die Flottenverträge und damit den Rest des Rückschlages von 1922.
heute scheint die vierte Etappe des großen Weges erreicht, den der Meiji-Kaiser einst vorzeichnete: Nach den Jnselstellungen Korea, nach Korea die Mandschurei, auf die Manschurei folgend ganz Nordchina, von Jehol über Tschachar nach ho- pei und Schantung, mit Schansi und Suiynen als Nebenfrüchten. Man nehme nur einmal die Karte zur Hand und betrachte das riesige Gebiet mit seinen 100 Millionen Menschen, vom Vorgebirge Schantung bis zur Mongolei, von hoang-ho bis zum Amur und an die russische Seeprovinz, fast zweimal so groß wie Deutschland, in dem die noch junge rote Flagge Chinas mit der goldenen Sonne im Obereck nun sinken soll, nach japanischem Willen für immer.
Wenn wir dies die „Stunde Japans" nennen, so drängt sich die Parallelität zur gleichen günstigen Lage von 1915 eindrucksvoll auf. Damals bie Westmächte und Rußland im Kampf auf Leben unb Tob untereinanber, ber Ferne Osten von Streitkräften entblößt, sinnfälliges Machtschwinben ber Eroberer, bie in vier Jahrhunberten von Süben unb Norben brängenb ben Erbteil in bie Zange nahmen, bie Japan im Namen bes Ostens und seiner eigenen Mission nun immer weiter aufbrach, heute scheinen diese Zangenarme schon zurückgedrängt bis Wladiwostok und Hongkong. Eine klaffende Lücke von über 20 Breitengraden tut sich auf, zwischen denen fast ganz Europa Platz hätte, von Gibraltar bis Kopenhagen.
Diese Lücke wurde bisher noch südlich flankiert durch die amerikanischen Philippinen. Aber die Proklamation Roosevelts vom 15. November gab diesen die Freiheit wieder. Amerika zieht sich von dem unsicheren Außenposten zurück. Die Zucker-, Baumwoll-, Erdnußerzeugung der USA. sind den „Mühlstein um den hals", die philippinische Konkurrenz los. Die Wehrmacht mußte schweigen und wird eines Tages vielleicht erst wieder blutig umkämpfen müssen, was der jetzige Verzicht preisgab. Für Japans Ausbreitung tun sich neue Tore auf. Auf den Philippinen wohnen 120 Einwohner auf der Quadratmeile, in Japan 450. Die Inseln sind reich und können aus sich allein nicht bestehen. So fehlt nur noch der Schlußstein in einer glückhaften Konjunktur: neuer Krieg in Europa, auf den die Spannung um Abessinien unb Mittelmeerherrschaft bereits brohenb hinweist.
Solch strahlenbes Gebilbe kann nicht ohne tiefe Schatten sein. Wir rechnen bazu bie nach- lassenbe innere Kraft bes kaiserlichen Regimes in Japan, besten 124. Träger trotz aller erneuten Betonung seines göttlichen Manbats unb feiner unbeschränkten Befehlgewalt im Banne der milt*


