Freundschaftsspiel austragen. Allerdings müssen die Hanauer ihre zum Gauspiel nach Kassel abgestellten Spieler ersetzen.
Adolf Schön, der deutsche Radrennfahrer, hat jetzt zusammen mit weiteren europäischen Fahrern erneut die Fahrt nach USA. angetreten. Der Wiesbadener nimmt am Neuyorker Sechstagerennen teil
und wird u. U., wieder mit Pellenaars, seinem Kampf- und Siegesgenossen von Paris, fahren.
Internationales Rollhockey gibt es am 5. und 6. Dezember in Stuttgart. Neben guter deutscher Klasse wird man Mannschaften aus Belgien und der Schweiz zu sehen bekommen.
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Streifzug durch Alt-Gießen.
Aus den Erinnerungen eines „hochgeborenen" 80jährigen.
Zur Z^it meiner allerersten Schuljahre 1862/66 war Gieß'eff etw Stadt von 9000 Einwohnern — so stand in unserem Geographiebuch „Schacht" zu lesen — und hatte schlechtes holpriges Pflaster, viele enge Gassen, schmutzige Winkel sowie dergleichen Schönheiten mehr. Ein Gang um die „Schoor" war als Erholung beliebt und viel gepflegt. Vom Eintritt der Dunkelheit ab mußte dieser Erholungsgang allerdings mit Vorsicht genossen werden, sonst wären Zusammenstöße unausbleiblich gewesen. Außer den brennenden Zigarren, von den Spaziergängern als Leuchtsignal benutzt, war keine Beleuchtung auf der Schoor zu finden. Ich erinnere mich, daß diese Beleuchtungsmethode bzw. dieses Warnungssingnal von mir, als junger Mann von 18 bis 20 Jahren, um nicht als Verkehrshindernis 3u erscheinen, noch angewandt werden mußte. Nur die Uebergangsstellen an den Hauptstraßen Selters- weg und Neuenweg waren mit trübe brennenden Gaslaternen versehen. Ob die Uebergänge am Walltor und an Oswaldsgarten beleuchtet waren, weiß ich nicht mehr genau, ich glaube aber, daß die Beleuchtung dort auch sehr spärlich war. Eine große Veränderung in dem beliebten Spaziergang um die Schoor brachte die etwa im Jahre 1865 geschaffene Neue Anlage, dann Südanlage, jetzt Hindenburg- wall genannt, hervor. Insbesondere gab es jetzt nach Süden zu Neubauten und Neuanlagen von Straßen. Und so wie außerhalb der Stadt, gab es auch innerhalb der Stadt viele Veränderungen.
Ich wende mich nun dem Teile, der dem „Schloß meiner Ahnen", 6em Stadtturm (auf dem ich geboren wurde), am nächsten liegt, zu. Damit taucht ein Stück „Alt-Gießen" in meiner Erinnerung auf, das für uns „hochgeborene" Jungen von ganz besonderer Wichtigkeit war, weil sich dort unsere Kindheit abspielte. Der Platz hinter der Kirche war unser unumstrittener Spielplatz. Zwischen Turm und Kirche befand sich ein Hof, der als Ablegestelle für allen möglichen Unrat benutzt wurde. Später wurde dort ein Spritzenhaus für die städtische Feuerwehr gebaut, heute befinden sich die Anlagen des elektrischen Läutewerks dort. Die früher allein stehende Kirche hat jetzt einen Turm. Ein weiteres Spritzenhaus befand sich auf dem Platz hinter der Kirche, das sich an das Färber-Wallenfelssche Besitztum anlehnte. Hier waren die Landspritzen, unter anderem die größte, der sogenannte „Land- g r a f", untergebracht. Bei auswärtigen Bränden traten sie in Tätigkeit.
Das Eckhaus der heutigen Kirchstraße gehörte einem Schreiner M a r g u t h, der die Ehre hatte, unser Drachenleisten-Fabrikant sein zu dürfen. Eine Ehre, die er schätzte, denn die Drachenleisten dursten nichts kosten. Spätere Besitzer waren Kirchendiener Knoll und Buchbindermeister Bourgeois. Von diesem übernahm es dann die Stadt, die einen Teil zur Verbreiterung der Kirchstraße niederlegte. Vollständig niedergelegt wurde das Haus erst in diesem Jahre. Dem alten Burgmannenhaus (im Besitz der
Familie Leib) gegenüber stand das alte Pfarrhaus, in dem der hochverehrte Pfarrer Landmann seine Wohnung hatte, daran schloß sich in westlicher Richtung der große Garten des Direktors der Realschule, Dr. Stein. Dieser Garten, mit seinem herrlichen Obst aller Sorten wurde von uns sehr geschätzt. Mit größtem Geschick wurde versucht, Proben zu erlangen. Der Eigentümer aber kannte die Beliebtheit seines Obstes und handelte darnach. Das Wohnhaus steht noch. Ein Durchgang nach dem Oswaldsgarten bestand von hier aus noch nicht, erst mit dem Neubau des Pfarrhauses entstand die Kirchstraße.
Ein interessantes Haus für uns Jungen war auch das Eckhaus am Eingang nach der Bach vom hinteren Kirchenplatz aus und nördlich vom Turm. Es wurde damals von einer Witwe H a n i t s ch bewohnt, die ihre Zimmer in der Hauptsache an Studenten vermietete, die uns gar oft mit ihrem heiteren ausgelassenen Treiben, das in der Regel nach munterem Frühschoppen einsetzte, ganz besondere Hochachtung abnötigten. In den Jahren 1870/71 wohnten gefangene französische Offiziere, die damals frei herumgehen durften, in dem Hause. Später erwarb dieses Haus der Trödeljude B e i - f u ß, den man in Beziehung zum Sommersanfang brachte: „Der Sommer fängt erst an, wenn der „Abbele" — so wurde er nach seinem Vornamen genannt — den Havelock ablegt." Er trug dieses Kleidungsstück bis in die Hundstage hinein. Das Bei- fußsche Haus rechts lassend, kam man an Schreiner und Schlosser Kreiling vorbei an den Stadtbach zur Brauerei Kauf (späterer Bauunternehmer), deren Inhaber uns besonders an schönen Sommerabenden mit seinem Trompetenspiel Freude bereitete.
Die damals offene, heute gedeckte Stadtbach, zwischen , dem Wallenfelsschen und dem Kausschen Besitztum, war für uns Jungen gar oft der Schauplatz besonderer Geschehnisse. Der Weg zur Rahn- schen Schule führte uns täglich drei- bis viermal an dem zum Planschen verlockenden Wasser vorbei und gar oft machten dann einige von uns ganz nahe Bekanntschaft mit dem nassen Element. Von den trocken gebliebenen Schulkameraden wurden sie mit dem Rufe: „Er ist in die Bach gefallen!" nach Hause begleitet. Der Eingang zur Rahnschen Schule war an der Stelle, wo heute das Seuling- sche Haus steht. Die Gewerbeschule nimmt heute einen Teil des Rahnschen Schulplatzes ein. In der Fortsetzung führt ein schmaler, vom Steinschen und Gailschen Garten auf der linken Seite begrenzter Weg am heute abgetragenen Schulberg vorbei, jetzt Kirchstraße genannt, nach dem Oswaldsgarten. Das Haus auf dem Schulberg enthielt die sogenannte Mittelschule für Mädchen.
Das Haus, in dem (nach Auflösung der Schule) die Aliceschule ihr Heim später aufgeschlagen hatte, steht noch. An den Schulberg sich anlehnend, lag nach dem Oswaldsgarten zu der Rest einer Schanze,
der letzte Teil einer Befestigung, die noch an Gießen als Festung erinnerte. Zu dieser Befestigung gehörte anscheinend auch der Schulberg. Für uns bot dieser Schanzenrest einen näheren Durchgang nach der Schoor (heute Wernerwall).
Mit diesem Schanzenrest sehe ich in meiner Erinnerung noch die Schanze an der Westanla^ — heute Schanzenstraße — und den sogenannten „Mordkeller" mit Stallmeisterwohnung am Brand. Der Mordkeller, eine alte Kasematte, hat seinen erregenden Namen, soviel ich weiß, von uns Jungen. Der Oswaldsgarten war zeitweise der Haupttummelplatz der Gießener Jugend. Hier fanden — wie heute noch — die sogenannten Frühjahrs- und Herbstmessen, die Jahrmärkte in vier- bis sechswöchentlichen Abständen statt, die viele auswärtige Besucher, namentlich vom Lande, nach Gießen brachten. Die Hauptanziehungspunkte für uns waren die Karusselle (Krämer von Biedenkopf) und der „Borzenellekasten". Ja, der Borzenellekaste! Heute Puppentheater genannt, das war unsere Sehnsucht.
Das Kasperle erschien aus der Bühne und fragte die vor dem verheißungsvollen Aufbau erschienene Kinderschar: „Seid ihr all doo?" Dann ertönte ein lautes freudiges „Ja!" Die zweite Frage: „Habt ihr auch Geld bei euch?" erhielt eine dünne Antwort, aber trotzdem rief der liebe Kasperle: „Na, dann Fanns losgehen!" Und es ging los. Wie herrlich war das alles anzusehen. Unangenehme Störung in unserer Hingabe an die sich abspielende Handlung war die Tellersammlung. Daß die Kunst nach Brot ging, war uns noch nicht im selbstverständlichen Bewußtsein. Wir empfanden diese Sammlung als eine lästige, vollständig überflüssige Störung. Eine halbe Stunde vor dem „Borzenellekaste"! — O selige Kinderzeitl Große Schau
lust erregten auch die „Moritaten". JrgendM grauenhafter Mord in noch grauenhafteren Bilden auf großen Tafeln vorgezeigt, mit Gesang ufo Orgel. Grauenhafter Text erregte viel Aufsehen, md der Moritatenfänger war stets umlagert.
Drei Märkte im Jahre waren von besonderer Bedeutung. Es waren dies der „Himmelfahns, markt", der „Kirschenmarkt" und der „Zwiwlorl. markt". Der erstere, der am Tage vor Himmrl» fahrt stattfand, brachte, bei gutem Wetter, eint große Anzahl Besucher aus dem Hinterland in ihren schönen Trachten. Von Gladenbach, Bieden, köpf, Wallau usw. kamen die Besucher. Große Mit» tagstaseln für die wohlhabenden Bauern fanden dann stets im Gasthaus „Zum Einhorn", (Eie Lindenplatz statt. Das glänzende Gesicht des „(Ein. Hörners", der sich oft im Torbogen des Hotrls zeigte, ließ einen sehr starken Besuch erraten. 3ei den anderen beiden Märkten spielten Kirschen unb Zwiebeln die Hauptrolle. Kirschen, na, das mjr noch etwas für uns, aber „Zwiwwele"? In der Regel schlossen diese Märkte für die Besucher nil einem Tanzvergnügen in der Gastwirtschaft „Zur Promenade", am rechten Neustädter Torhäuschn gelegen, ab. „Bärenhetze" wurde diese VeransT tung bezeichnenderweise genannt.
Einer schön gelegenen, gut geführten, jetzt per» fchwundenen Restauration am Oswaldsgarten möchte ich hier noch gedenken. An der Nordanlage, heute Wernerwall, wo die Häuser 5 und 7 stehen, erhob sich ein terrassenartiger Bau, die „Rechsche ten rass'", später „Lahnstein" genannt. An schönrn Sommerabenden bot sie einen reizenden Aufenthalt, und es war fast immer großer Betrieb. Reste dieser Gaststätte „Lahnstein" sind noch hinter den Häusern 5 und 7 zu erkennen.
Schluß folgt.
Kunst und Wissenschaft. /
Abschluß der Oeutschlandreise der Londoner Philharmoniker.
Mit dem letzten der zehn Konzerte fand die D e u t s chl a n d r e i s e des Londoner Philharmonischen Orchesters unter Leitung feines Dirigenten, Sir Thomas B e e ch a m, in Köln ihren glanzvollen Abschluß. Die große Messehalle war bis auf den letzten Platz besetzt. Den größten Erfolg des Abends hatten die Gäste bei der Ls-äur-Symphonie von Mozart. Im Anschluß an das Konzert gab die Stadt Köln zu Ehren des Orchesters im Rathaus einen Empfang. Bürgermeister Schalter hieß die Gäste willkommen. Er würdigte insbesondere die Verdienste Sir Thomas Beechams um die Förderung und Vertiefung deutscher Musik in England und hob mit besonderem Nachdruck hervor, daß er während des Krieges immer wieder deutsche Musik zum Vortrag gebracht und einen vollständigen Wagner-Zyklus dirigiert habe. Sir Thomas B e e ch a m dankte für den überaus herzlichen Empfang und betonte, daß die deutsche Musik vom englischen Volk sehr geliebt werde und aus dem englischen Konzertleben nicht fortzudenken sei. — Am Sonntagmorgen kehrte das Orchester wieder nach London zurück.
Filmball in Frankfurt.
Am 5. Dezember findet in Frankfurt ein offizieller Filmball der Reichsfilmkammer
statt. An diesem Filmball werden unter der Füh, rung des Präsidenten der Reichssilmkammer, Staatsminister a. D. Prof. Dr. L e h n i ch , nam- hafte Persönlichkeiten der Filmwirtschaft und deg Filmschaffens, von Partei und Staat, Wirtschaft, Kunst usw. teilnehmen. Gleichzeitig mit dem Filin> ball sind noch weitere Veranstaltungen der Reichs« filmkammer in Frankfurt geplant, so u. a. Der« schiedene Filmveranstaltungen für die vom Winter« Hilfswerk betreuten Volksgenossen. Der Reinertrag des Festes wird dem Wohlfahrtsfonds der Fach, schäft Film der Reichsfilmkammer zugeführt. 53»n bekannten Filmdarstellern werden u. a. am Frankfurter Filmball Carola Höhn, Magda Schnei« der Maria von Tasnady, Gustav Diehl, Theo Lingen, Wolf Albach-Retty teilnch- men, des weiteren haben ihre Teilnahme zugejogt Reichskulturwalter Hans Hinkel und der Vize« Präsident der Reichssilmkammer Hans Weide« mann, auch Max S ch m e l i n g wird erwarte!.
Katalog über hafsiaca.
In der N. G. Elwertschen Universitätsbuchhand- lung (G. Braun) in Marburg erschien ein Katalog über Hassiaca: mit 4600 Nummern ein willkommenes Nachschlagebuch für Heimatforscher.
Sprechstunden der Redaktion.
11.30 bis 12.30 Uhr, 16 bis 17 Uhr. Samskagnach- mittag geschloffen.
Lichtspielhaus Gießen
Ab heute Montag bis Samstag, 28. X ov. elnschl.
„Lacht euch gesund"
ist das Motto dieses Filmes
Donner, Blitz und Sonnenschein
n. d. Schwank „Der Hunderter in der Westentasche“ mit Karl Valentin • Liesl Karlstadt Ilse Petri, Käthe Haack, Käthe Merk, Reinhold Bernt, Volker von Collande, Albert Florath, Aribert Wäscher
Derber, volkstümlicher Humor sorgt für zwei Stunden ausgelassene Heiterkeit!
Beiprogramm und Fox-Ton-Woche — Täglich 4, 6, 8.30 Uhr
dlnVia-Doil Nur noch heute Montag
VdlVl CUCiai und morgen Dienstag:
■ Benjamino Gigll
74isA in „Du bist mein Glück“
Auf den
Konkurs-Ausverkauf in Glas, Porzellan und Keramik zu bedeutend herabgesetzten Preisen der Firma Lang & Wiederstein wird nochmals hingewiesen.
L. Althoff, Konkursverwalter.
7423D
Iwanssvevfieisevurrs Dienstag, den 24.Nov., vormitt. lOUhr, sollen imBersteigerungs- lokal Neuenweg 28, an Ort nnd Stelle (Bekanntgabe ob. Lokal) zwangsweise geg. sofortige Barzahlung versteigert werden: Haus-, Laden- und Büromöbel aller Art, 4 Oefen, 4 Herde, einen Vervielfältig.-Apparat, 1 Schreibmaschine, ISchneidernähmaschine, Anzug-, Kleider- u. Mantelstoffe. Bestimmt werden versteigert: 1 komvl. Schlafzimmer, 2 Betten mit Matratzen, Decken und Kissen, 1 3tür. Klerderschrank mit ovalem Spiegel, 1 Waschtisch m. Marmor und Zubehör, 2 Nachtschränkchen, 2 Vorhangständer, 1 altes Büfett (nuhbaum), 1 alteTruhe,lKredenz, 1 Ausziehtisch für 12 Personen, 8 Lederstühle, 1 kompl. Bett mit Kastenmatratzen und Federzeug, 1 Nachtschränkchen, 1 Waschtisch mit Marmor und Zubehör, 12tür. Kleiderschrank, mehrere Herrenanzüge u. Damenkleider,Porzellan und Glaswaren, 1 weißer Gasherd, 1 Teppich, 1 Sofa m. Ueber- zug, 1 Waschtruhe, 1 klein. Posten Leib- und Bettwäsche, 1 Ladeneinrichtung besteh, aus ZSchrünken und 1 Ladentheke, 1 Motorrad und anderes mehr. 7421D
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