Verständnis für die deutschen Gicherheitsforderungen
Gerechte Urteile eines Engländers über Deutschlands Stellung in Europa.
London, 22. April. (DNB.) In einer in der Zeitung „News Chronicle" erscheinenden Artikelserie befaßt sich der bekannte englische Publizist Prof. Conwell Evans mit verschiedenen Fragen, die die Stellung Deutschlands in Euro- p a betreffen. Er weist zunächst darauf hin, daß Deutschland infolge seiner geographischen Lage sowohl im Osten, als auch im Westen eine leichte Angriffsfläche für einen Einmarsch biete.
Conwell Evans kommt dann auf den französischen Ruhreinmarsch von 1923 zu sprechen, der Deutschland eine fast schlimmere Niederlage als Versailles bereitet habe; denn die darauf folgende Inflation habe den deutschen Mittelstand zugrundegerichtet und aus Deutschland eine Nation von Proletariern gemacht. Er erinnert hierauf an die Besetzung Memels durch die Litauer und an die Versuche der Franzosen, im Westen eine Abtrennung des Rheinlandes herbeizuführen. Dies seien nur einige der schweren Prüfungen, die Deutschland seit dem Waffenstillstand durchgemacht habe.
Deutschlands Geschichte bestehe aus durchgeführten Einmärschen oder angedrohten Einmärschen von Osten oder Westen her und manchmal auch von Norden.
Das hauplelement der seelischen Einstellung Deutschlands fei die INöglichkeit eines Krieges auf zwei Zeiten, die durch die Entwicklung der Ereignisse bis zum heutigen Tage genährt war- den sei. Rach deutscher Ansicht gebe der fran- zösisch-sowjetrussische Pakt dieser Entwicklung
läge, so führte der Minister aus, ist erfolgreich geschaffen worden. „Wir haben in einer schwierigen Ernährungslage neuartige Maßnahmen mit einer nahezu verzweifelten Landwirtschaft nach der Machtübernahme ergriffen, die die NSDAP, einmal vor dem Urteil der Geschichte wird bestehen lassen.
Ernährungskatastrophen werden wir in Deutschland unter dem Rationalsozialismus nicht wieder erleben. Deutschland wird durch hunger nicht mehr in die Knie zu zwingen sein.
Wenn wieder, wie im letzten Herbst, bei der Butter vorübergehend Schwieriokeiten auftauchen sollten, bleibt immer festzustellen: es i st besser, Deutschland wird stark, als daß es fett wird. Die wiedergeschaffene Wehrhoheit wäre ohne die durch den Nationalsozialismus durchgeführte Ernährungssicherheit in ihrem Wert sehr beschränkt worden. Darum galt die ganze Aufgabe dem Ziel, der politischen Führung den Brotkorb der Nation für alle Zukunft fest tn die Hand zu geben."
Oiplomaten-Empfänge bei Flandin.
Paris, 22. April. (DNB.) Der französische Botschafter in Berlin, Francois Poncet, der am Mittwoch auf Urlaub in Paris eintraf, wurde am Vormittag von Außenminister F l a n d i n empfangen. Außerdem hatte der Außenminister eine Besprechung mit Kriegsminister Maurin.
F l a n d i n hatte am Mittwochnachmittag eine Besprechung mit dem apostolischen Nuntius Kardinal Maglione und dem amerikanischen Botschafter in Paris. Anschließend hatte er eine Unterredung mit dem Vorsitzenden des auswärtigen Ausschusses des Senats, Henri Verenger.
„Egoistisches Ränkespiel."
Amerikanische Wahrheiten für Frankreich.
Washington, 22. April. (DNB.) „W ashing- t o n P o st", die führende Morgenzeitung der Bundeshauptstadt, verurteilt am Mittwoch das Verhalten Frankreichs in Genf als „egoi- st i f ch e s R ä n k e s p i e l". Frankreich, so erklärt das Blatt, habe dem Völkerbund, den es selbst immer als lebenswichtig bezeichnet habe, den bisher schwersten Schlag zugefügt. In der Absicht, Italien zum Bundesgenossen gegen Deutschland zu gewinnen, untergrabe es die Autorität und den Sinn des Völkerbundes. Frankreich sei in erster Linie dafür verantwortlich, daß in der ganzen Welt allmählich jegliches Vertrauen zu der Genfer Einrichtungdahinschwinde. Nach den französischen Wahlen, so schreibt das Blatt weiter, werde es wahrscheinlich zu spät sein, Abessinien vor der völligen Unterwerfung durct; Italien zu retten. Dann werde Frankreich es sich aber selbst zuzuschreiben haben, wenn man seine seit dem Jahre 1919 ständig wiederholten Beteuerungen von der Zweckmäßigkeit einer kollektiven Sicherheit unter der Aegidie des Völkerbundes nicht mehr ernst nehme.
„Verständnis vor Verständigung."
Gin französischer Journalist spricht vor Studenten in Würzburg.
einen neuen und unwiderstehlichen Antrieb.
Das Rußland von heute sei ungeheuer viel leistungsfähiger als das zaristische. Es sei von einer explosiven Kraft getrieben und besitze machtvolle Werkzeuge in den kommuni st ischen Zentren, die in jedem Staat auf dem Festland vorhanden seien. Die Tschechen seien mit Rußland durch eine Militärkonvention verbunden. Dadurch könnten die russischen Bombenflugzeuge in eine Stellung gebracht werden, die nur eine halbe Stunde von Berlin entfernt sei. Frankreich und seine militärischen Verbündeten könnten zusammen (nach britischen Schätzungen) Frontarmeen von 1,5 Millionen Mann und 3400 Frontflugzeugen aufstellen, diese Armee werde durch Sowjetrußland um weitere 1,3 Millionen Fronttruppen und 3000 Flugzeuge verstärkt. Die Koalition könne also — ohne England — insgesamt 2,8 Millionen Fronttruppen und 6400 Flugzeuge gegenüber Deutschland 550 000 Truppen und 1500 Frontflugzeugen ins Feld führen.
Conwell Evans kommt weiter auf die Unter- drückuna der deutschen Minderheiten nach dem Kriege zu sprechen und fährt dann fort: Ein weiteres Element der deutschen Einstellung sei das starke Gefühl der Unsicherheit, das von dem Druck der Wilsonschen Friedenspunkte und dem Strafcharakter des Versailler Vertrages herrühre.
Die entmilitarisierte Rheinlandzone fei bei den Deutschen nicht nur deswegen unbeliebt gewesen, weit sie den Deutschen die volle Oberhoheit über ihr Land vorenthielt; diese Unbeliebtheit habe etwas enthalten, das viel tiefer gewesen sei. Rach deutscher Ansicht sei die Zone nämlich geschaffen worden, weil Deutschland als Angreifer im letzten Kriege betrachtet wurde und deshalb daran verhindert werden müsse, diese üble Tat zu wiederholen. Jedermann, der in Deutschland gelebt habe, wisse aber, welche katastrophalen Folgen die Kriegsschuld-
Würzburg, 23. April. (DNB.) Auf Einladung des Rektors und der Studentenschaft der Universität Würzburg sprach am Mittwochabend im großen Huttensaal in Würzburg vor ca. 4000 Menschen der französische Journalist Michel B o s - s a n, der sich gegenwärtig auf einer Studienreise durch Deutschland befindet, über das Motto: „Verständnis vor Verständigung". Der Vortrag wurde oft von minutenlangem Beifall unterbrochen.
Einleitend erklärte der Redner das deutsch- französische Problem als eine psychologische Angelegenheit. Man dürfe nie vergessen, daß die drei letzten Kriege, die Befreiungskriege, der Krieg 1870/71 und der Weltkrieg auf französischem Boden ausgetragen wurden. Hieraus allein könne die Einstellung des französischen Volkes erklärt werden.
Weder territoriale, noch wirtschaftliche Gegensätze stehen einer Verständigung der beiden
Völker entgegen.
Hieran schloß sich eine Erörterung der politischen Probleme, wie sie Frankreich schon immer sah und wie B o s s a n sie am Beispiel der französischen Kolomalpolitik erörterte, die keine organisierte Expansionspolitik der Regierung darstelle, sondern vielfach durch einzelne militärische Persönlichkeiten an Ort und Stelle, wie I o f f r e und Liauthey, veranlaßt wurde. Die Mentalität der
französischen Politik von heute sieht ihre Aufgabe in der Verwirklichung des Schlagwortes vom Frieden durch die Sicherheit. Jeder Franzose stellt nun die Frage, was man einem 65-Millionen-Volk im Verfolg dieser Richtlinien bieten müsse, damit es sich zufrieden gebe. Der Redner beantwortete diese Frage aus der Kenntnis der deutschen Psyche:
Realpolittsch ist nichts nötig, da keine realen Gegensätze vorliegen. Ulan brauche nur Verständnis beiderseits zu geben. Erreicht man das, das heißt das Verständnis, so stehe der Verständigung auch in der Kolonialfrage kein besonderes Hindernis im Wege.
Der Vortrag fand begeisterte Aufnahme. Den Gefühlen der Versammlung gab der Rektor der Universität Dr. R e i n m ö l l e r erhebenden Ausdruck, indem er unterstrich, daß dem Friedenswillen der Franzosen derjenige des deutschen Volkes tief entspreche. Die beiden Völker hätten auf den Schlachtfeldern gegeneinander genügend Ehren gesammelt, um sich endlich den großen nationalen Friedensaufgaben widmen zu können.
Der stellvertretende Führer der Studentenschaft, Hans Heinrich Rieth, bekundete die Verständigungsbereitschaft der deutschen Jugend. Der Rektor schloß darauf die Kundgebung mit einem Siegheil auf den Führer, Deutschland, sowie auf den Redner und sein Vaterland.
Fragen an Eden.
Eine interessante Aussprache im Unterhaus.
lüge für die deutsche Seele gehabt habe. Es sei die Auflehnung gegen diese unfaire Beschuldigung, die das gesamte deutsche Volk veranlasse, jeden Vefreiungsakl seines Führers mit einer Begeisterung zu begrüßen, die einen beinahe religiösen Charakter habe. Rach deutscher Auffassung habe es zwei verschiedene moralische Maßstäbe für
Deutschland und die Alliierten gegeben.
Der Ausschluß Deutschlands von lebenswichtigen Konferenzen, die seine Interessen berührten, sei lebhaft empfunden worden und werde noch lebhafter empfunden. Die neuesten Fälle seien die Zusammenkunft der Mächte auf der Abrüstungskonferenz in Paris im Juni 1933 und die Stresa-Konferenz 1935, schließlich der Ausschluß Deutschlands von den kollektiven Erwägungen der Locarno-Mächte im gegenwärtigen Augenblick, obwohl Italien, das im Gegensatz zu Deutschland die Völkerbundssatzungen und den Kellogg-Pakt verletzt habe, zu Besprechungen mit den Mächten über das Abessinienproblem eingeladen werde.
Sei es fair, wenn man Deutschland verurteile, weil es gegenseitige Veistandsverträge in Osteuropa ablehne? Solle man nicht anerkennen, daß eine Verpflichtung, keine Gewalt zur Aende- rung der Grenzen anzuwenden, das höchste ist, was man von der menschlichen Ratur verlangen kann? Richtangriffspakte?
Dann wiederum werde die deutsche Freundschaft mit England als ein Versuch ausgelegt, Frankreich zu isolieren. Er wisse, daß dieses Mißtrauen vom deutschen Kanzler tief bedauert werde. Der Kanzler habe ihm gesagt, er habe von Ribbentrop gewählt, weil es dieser sich au seiner Lebensaufgabe gemacht habe, eine Aussöhnung zwischen Deutschland und Frankreich durch die Vermittlung Englands herbeizuführen.
Lord L o t h i a n habe in einer kürzlichen Rede erklärt, wenn man nicht zu dem Eingeständnis bereit märe, daß Deutschland einen berechtigten Standpunkt vertrete, würde ein neuer Krieg unvermeidlich fein. Jedermann werde mit der abschließenden Bemerkung Lord Lothians übereinstimmen, daß aller Friede auf wirklicher Gerechtigkeit begründet fein müsse.
Der Brotkorb Deutschlands ist gesichert.
Reichsminister Darrs vor den Kreisleitern.
Berlin, 23. April. (DNB.) Auf der A r b e i t s- ta-gung der Kreisleiter in der Ordensburg Crössinsee sprach, der NSK. zufolge, am Mittwoch Reichsbauernführer Walter Darr 6. Er entwarf ein umfassendes Bild der deutschen Ernährungslage und der nationalsozialistischen Agrarpolitik. Die Ernährungsgrund-
London, 22. April. (DNB.) Im Unterhaus wurde am Mittwoch an Außenminister Eden eine Reihe von Fragen gerichtet, die sich auf die aktuellen außenpolitischen Fragen bezogen.
Zunächst wünschte der konservative Abgeordnete Divian Adams zu wissen, ob der Minister weitere Einzelheiten über den Fortschritt der General- stabsbesprechungen mitteilen könne. Eden lehnte jedoch unter Hinweis auf die Erklärung Baldwins eine Mitteilung ab. Adams verlangte darauf zu wissen, ob Eden es nicht für zweckmäßig halte, dem Völkerbund eigene englische Vorschläge zu unterbreiten, damit die ganze Welt sehe, wer die kollektive Sicherheit wirksam machen wolle, und wer durch Verzögerung dies nicht wolle. Eden gab hierauf keine Antwort.
Auf die weitere Frage Adams, was der Völkerbund im italienisch - abessinischen Streit zu tun gedenke, nachdem Italien seinen Angriff neuerlich verstärkt habe, antwortete Eden sodann in einer längeren Erklärung, in der er zunächst auf die Ergebnisse der letzten Ratstagung einging. Der Dreizehnerausschuß, so erklärte er weiter, habe festgestellt, daß der Appell zur Einstellung der Feindseligkeiten wirkungslos geblieben fei und daß der Krieg dafür unter Bedingungen fortbauere, die als im Widerspruch mit den Verpflichtungen des Völkerbundes stehend bezeichnet worden seien. Der 18er-Ausschuß sei daraufhin in Gens zusammengetreten, um den Bericht über die Wirkung der bisherigen Sühnemaßnahmen zu beraten in der Absicht, diese wirksamer zu gestalten. Die Berichte zeigten, daß die Sühnemaßnahmen immer wirksamer würden. Des weiteren sei man übereingekommen, daß der Achtzehnerausschuß ungefähr gleichzeitig mit dem Völkerbundsrat wieder zusammentreten solle. Der Vorsitzende dieses Ausschusses könne jedoch auch unter Umständen auf allgemeinen Wunsch und, falls die Umstände es erforderten, den Ausschuß wieder früher einberufen. Adams wollte darauf wissen, ob er nicht glaube, daß die gegenwärtigen Sühnemaßnahmen einen völligen militärischen Erfolg des Angreifers verhindern könnten. Eden erklärte, das fei Ansichtssache.
Wedgwood (Unabhängige Arbeiterpartei) fragte dann, warum Eden nicht auf weitere Sühnemaßnahmen gedrungen habe, und welche Mächte im Völkerbund bereit feien, weitere Sühnemaßnahmen zu ergreifen. Eden erwiderte, seine Erklärung vor dem Dölkerbundsrat gebe klar die Ansichten der britischen Regierung wieder. Er glaube, daß es zur Zeit nicht im Interesse der kollektiven Aktion oder des Völkerbundes oder im Interesse irgendeines anderen liege, wenn er über sie hinausginge.
Mander (liberal) fragte hierauf, ob Eden der Ansicht sei, daß Frankreich die gegenwärtigen Sühnemaßnahmen loyal durchführe. Eden erwi- derte, daß Fragen, die andere Regierungen angingen, doch nicht im Hause gestellt werden sollten. Mander wollte darauf wissen, ob denn die
Regierung tatsächlich nicht daran interessiert fei, in welcher Weise andere Völkerbundsmitglieder ihre Sühnemaßnahmen durchführten, worauf Eden erwiderte, daß das keinesfalls der Fall sei. Er könne aber nicht für fremde Regierungen antworten.
Eine weitere Reihe von Fragen bezog sich auf die italienischen oder angeblich italienischen Angriffe auf am Kriege nicht beteiligte Personen und Organisationen, wie z. B. das Rote Kreuz. Der Abgeordnete Cocks fragte, ob die britische R e - g i e r u n g nicht die Absicht habe, ihren Botschafter aus Rom ab 3 über ufen. Eden erklärte, daß eine derartige Absicht v*i ch t bestehe. Eine derartige Maßnahme würde nicht mit der Politik der britischen Regierung im italienisch- abessinischen Streit übereinstimmen, die auf dem Grundsatz der kollektiven Handlung durch den Völ- terbuno beruhe. Boothby (konservativ) verlangte hieraus eine Zusicherung, daß die Gerüchte über eine Entfremdung zwischen Frankreich und England wegen der abessinischen Frage unzutreffend seien — eine Aufforderung, auf die Eden jedoch nicht antwortete.
Als Cocks sodann weiter fragte, ob die britische Regierung nicht den Ausschluß Italiens aus dem Völkerbund beantragen wolle, erklärte Eden, das sei nicht der Fall. Er sei der Ansicht, daß unter den gegenroärtigen Umständen mit einer derartigen Maßnahme nichts Zweckmäßiges erreicht werde.
Auf eine Reihe von Fragen wegen der Verwendung von Giftgas durch die Italiener schilderte Eden die vom Völkerbund dieser Tage getroffenen Maßnahmen. Der italienischen Regierung sei mitgeteilt worden, daß die Anwendung von Giftgasen als Strafe für Ausschreitungen nicht gestattet sei.
Eden unterrichtet das Kabinett über Genf.
London, 22. April. (DNB.) Das englische Kabinett trat am Mittwochfrüh zu feiner üblichen Wochensitzung zusammen, in deren Verlau Außenminister Eden über die letzten Ereignisse in Genf berichtete.
Die italienische Südoffensive.
Rom, 22. April. (DNB.) Der Heeresbericht Marschall Badoglios besagt: An der Somalifront setzten unsere Truppen den Vormarsch auf der ganzen Linie fort und haben Ortschaften erreicht, die etwa 15 0 Kilometer v 0 n den Ausgangsstellungen entfernt fmb. Unsere Abteilungen besetzten gestern Ducun im Tal von Nacata, nachdem sie die feindlichen Nachhuten zerstreut hatten. Wir hatten einen verwundeten Offizier und etwa 50 tote und verwundete Soldaten.
An der Nordfront bietet die Bevölkerung immer weiterer Gebiete ihre Unterwerfung an.
Das neueste deutsche Flakgeschütz.
Nach der Uebergabe der neuen Truppenfahnen an die Luftwaffe besichtigte Generaloberst Göring auch dieses neue Flugzeugabwehrgeschütz.
(Presse-Jllustration-Hoffmann-M.)
ParlümenfsauÜöfung in Belgien.
Neuwahlen am 24. Mai.
Trüffel, 23. April. (DNB. Funkspruch.) Durch eine am Donnerstag im „Staatsanzeiger" erschienene Verordnung des Königs sind Kammer und Senat aufgelöst worden. Die Neuwahlen wurden endgültig auf den 24. Mai festgesetzt. Das neue Parlament tritt am 23. Juni in Brüssel zusammen.
Kommnnisten-Organisaiionen ansgehoben.
K a t t 0 w i tz , 22. April. (DNB.) Wie erst jetzt bekannt wird, konnte die polnische Polizei am Dienstag eine weitverzweigte kommunistische Geheimorganisation aufdecken, deren Mitglieder als „Bezirksgruppe der kommunistischen Partei Polens" geführt wurden. Bei zahlreichen Haussuchungen in Lipine wurde die leitende Stelle der Geheimorganisation, die sich „Reichskomitee der Kommunistischen Partei Polens" nannte, ausgehoben. Dieses Komitee entwickelte in ganz Ostoberschlesien lebhafte Tätigkeit. Der Polizei fielen mehrere tausend Flugblätter und Flugschriften in die Hände. Außerdem wurde eine betriebsfertige Druckerei beschlagnahmt. Bisher wurden 24 Personen verhaftet. Die Untersuchungen sind noch nicht abgeschlossen.
Wien, 22. April. (DNB.) Im oberöster- reichischen Salzkammergut wurde eine große Kommuni st enorganisation aus- gehoben. Zentralsitz dieser Organisation war die Ortschaft Heisenrat bei Ischl. Zweigstellen bestanden in den Salzkammergutorten Ebensee, Ischl, Rettenbach, Golfern, Laakirchen und Gmunden. In allen diesen Ortschaften wurden Verhaftungen vorgenommen und zahlreiches Material beschlagnahmt. In Heisenrat war auch ein Schulungskursus der kommunistischen Partei eingerichtet, den ein Wiener Kommunist leitete.
Juden in Palästina unerwünscht.
Araber-Unruhen in Palästina in den letzten Tagen haben bisher 19 Tote und, 130 Schwerverletzte zur Folge gehabt. Trotz englischer Truppenkonzentrationen ist nicht ein Abflauen der Protestbewegung gegen d i e jüdische Einwanderung und ihre Auswüchse, sondern eine Verschärfung zu verzeichnen. Die arabische Bewegung, die nur scheinbar in diesem Falle keine direkte Beziehung zur panislamitischen Bewegung hat, hat den ©eneralftrei! beschlossen, um ihre Forderungen des Verbotes der Landerwerbung der Juden ferner die Einstellung der jüdischen Einwanderung durchzusetzen.
In führenden arabischen Kreisen betont man, daß die massenhafte jüdische Einwanderung noch in diesem Jahr das Land in eine Wirtschaftskrise hineintreiben und außerdem die immer engere Verbindung des Arabertums mit der islamitischen Einheitsfront nur noch stärker beschleunigen werde. Vor dem Krieg roaren bei 800 000 arabischen Einwohnern nur 40 000 Juden vorhanden, die sich dem Charakter der arabischen Bevölkerung und des Landes völlig angepaßt hatten. Die alljährliche Einwanderung von 60 000 Juden hat das Verhältnis zwischen den beiden Bevölkerungsteilen bereits auf 2:1 verschlechtert. Die arabische Führung unterstreicht besonders, daß der Jude im allgemeinen von der Landbebauung nichts wissen will; von 4 0 0 0 0 0 Juden sitzen nur 25000 auf dem Lande! Und das, obwohl den jüdischen Organisationen nicht weniger als 5 0 0 0 0 Morgen beackerbares Land völlig ungenutzt zur Verfügung stehen!
Auch von dem erwarteten wirtschaftlichen Aufschwung des Landes ist nichts zu merken, da beispielsweise in kurzer Zeit fast 20 erst in diesem Jahren gegründete Fabriken wegen Mangel an Absatz wieder stillgelegt werden mußten. Nicht zuletzt verweist die arabische Führung auf die drohende Gefahr der B 0 l s ch e w i s i e r u n g durch das Judentum. Während es früher in Palästina keine kommunistische Frage gegeben hat, werden jetzt infolge der jährlichen Masseneinwande, rung von Juden bereits über 10 0 0 0 Kommunisten als bekannt verzeichnet.


