Ausgabe 
23.4.1936
 
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Verständnis für die deutschen Gicherheitsforderungen

Gerechte Urteile eines Engländers über Deutschlands Stellung in Europa.

London, 22. April. (DNB.) In einer in der ZeitungNews Chronicle" erscheinenden Artikel­serie befaßt sich der bekannte englische Publizist Prof. Conwell Evans mit verschiedenen Fragen, die die Stellung Deutschlands in Euro- p a betreffen. Er weist zunächst darauf hin, daß Deutschland infolge seiner geographischen Lage so­wohl im Osten, als auch im Westen eine leichte An­griffsfläche für einen Einmarsch biete.

Conwell Evans kommt dann auf den fran­zösischen Ruhreinmarsch von 1923 zu sprechen, der Deutschland eine fast schlimmere Nie­derlage als Versailles bereitet habe; denn die darauf folgende Inflation habe den deutschen Mittel­stand zugrundegerichtet und aus Deutschland eine Nation von Proletariern gemacht. Er erinnert hierauf an die Besetzung Memels durch die Litauer und an die Versuche der Franzosen, im Westen eine Abtrennung des Rheinlan­des herbeizuführen. Dies seien nur einige der schweren Prüfungen, die Deutschland seit dem Waf­fenstillstand durchgemacht habe.

Deutschlands Geschichte bestehe aus durchgeführ­ten Einmärschen oder angedrohten Einmärschen von Osten oder Westen her und manchmal auch von Norden.

Das hauplelement der seelischen Einstellung Deutschlands fei die INöglichkeit eines Krieges auf zwei Zeiten, die durch die Entwicklung der Ereignisse bis zum heutigen Tage genährt war- den sei. Rach deutscher Ansicht gebe der fran- zösisch-sowjetrussische Pakt dieser Entwicklung

läge, so führte der Minister aus, ist erfolgreich ge­schaffen worden.Wir haben in einer schwierigen Ernährungslage neuartige Maßnahmen mit einer nahezu verzweifelten Landwirtschaft nach der Machtübernahme ergriffen, die die NSDAP, ein­mal vor dem Urteil der Geschichte wird bestehen lassen.

Ernährungskatastrophen werden wir in Deutsch­land unter dem Rationalsozialismus nicht wie­der erleben. Deutschland wird durch hunger nicht mehr in die Knie zu zwingen sein.

Wenn wieder, wie im letzten Herbst, bei der Butter vorübergehend Schwieriokeiten auftauchen sollten, bleibt immer festzustellen: es i st besser, Deutschland wird stark, als daß es fett wird. Die wiedergeschaffene Wehrhoheit wäre ohne die durch den Nationalsozialismus durchge­führte Ernährungssicherheit in ihrem Wert sehr beschränkt worden. Darum galt die ganze Aufgabe dem Ziel, der politischen Führung den Brotkorb der Nation für alle Zukunft fest tn die Hand zu geben."

Oiplomaten-Empfänge bei Flandin.

Paris, 22. April. (DNB.) Der französische Bot­schafter in Berlin, Francois Poncet, der am Mittwoch auf Urlaub in Paris eintraf, wurde am Vormittag von Außenminister F l a n d i n empfangen. Außerdem hatte der Außenminister eine Besprechung mit Kriegsminister Maurin.

F l a n d i n hatte am Mittwochnachmittag eine Besprechung mit dem apostolischen Nuntius Kardi­nal Maglione und dem amerikanischen Botschafter in Paris. Anschließend hatte er eine Unterredung mit dem Vorsitzenden des aus­wärtigen Ausschusses des Senats, Henri Veren­ger.

Egoistisches Ränkespiel."

Amerikanische Wahrheiten für Frankreich.

Washington, 22. April. (DNB.)W ashing- t o n P o st", die führende Morgenzeitung der Bun­deshauptstadt, verurteilt am Mittwoch das Ver­halten Frankreichs in Genf alsegoi- st i f ch e s R ä n k e s p i e l". Frankreich, so erklärt das Blatt, habe dem Völkerbund, den es selbst immer als lebenswichtig bezeichnet habe, den bisher schwersten Schlag zugefügt. In der Absicht, Italien zum Bundesgenossen gegen Deutschland zu gewin­nen, untergrabe es die Autorität und den Sinn des Völkerbundes. Frankreich sei in erster Linie da­für verantwortlich, daß in der ganzen Welt all­mählich jegliches Vertrauen zu der Gen­fer Einrichtungdahinschwinde. Nach den französischen Wahlen, so schreibt das Blatt weiter, werde es wahrscheinlich zu spät sein, Abessinien vor der völligen Unterwerfung durct; Italien zu retten. Dann werde Frankreich es sich aber selbst zuzu­schreiben haben, wenn man seine seit dem Jahre 1919 ständig wiederholten Beteuerungen von der Zweckmäßigkeit einer kollektiven Sicherheit unter der Aegidie des Völkerbundes nicht mehr ernst nehme.

Verständnis vor Verständigung."

Gin französischer Journalist spricht vor Studenten in Würzburg.

einen neuen und unwiderstehlichen Antrieb.

Das Rußland von heute sei ungeheuer viel lei­stungsfähiger als das zaristische. Es sei von einer explosiven Kraft getrieben und besitze machtvolle Werkzeuge in den kommuni st ischen Zen­tren, die in jedem Staat auf dem Festland vor­handen seien. Die Tschechen seien mit Ruß­land durch eine Militärkonvention ver­bunden. Dadurch könnten die russischen Bomben­flugzeuge in eine Stellung gebracht werden, die nur eine halbe Stunde von Berlin entfernt sei. Frankreich und seine militärischen Verbündeten könnten zusammen (nach britischen Schätzungen) Frontarmeen von 1,5 Millionen Mann und 3400 Frontflugzeugen aufstellen, diese Armee werde durch Sowjetrußland um weitere 1,3 Millionen Fronttruppen und 3000 Flugzeuge verstärkt. Die Koalition könne also ohne England insge­samt 2,8 Millionen Fronttruppen und 6400 Flug­zeuge gegenüber Deutschland 550 000 Truppen und 1500 Frontflugzeugen ins Feld führen.

Conwell Evans kommt weiter auf die Unter- drückuna der deutschen Minderheiten nach dem Kriege zu sprechen und fährt dann fort: Ein weiteres Element der deutschen Einstellung sei das starke Gefühl der Unsicherheit, das von dem Druck der Wilsonschen Friedenspunkte und dem Strafcharakter des Versailler Vertrages herrühre.

Die entmilitarisierte Rheinlandzone fei bei den Deutschen nicht nur deswegen unbeliebt ge­wesen, weit sie den Deutschen die volle Ober­hoheit über ihr Land vorenthielt; diese Unbe­liebtheit habe etwas enthalten, das viel tiefer gewesen sei. Rach deutscher Ansicht sei die Zone nämlich geschaffen worden, weil Deutschland als Angreifer im letzten Kriege betrachtet wurde und deshalb daran verhindert werden müsse, diese üble Tat zu wiederholen. Jedermann, der in Deutschland gelebt habe, wisse aber, welche katastrophalen Folgen die Kriegsschuld-

Würzburg, 23. April. (DNB.) Auf Einladung des Rektors und der Studentenschaft der Univer­sität Würzburg sprach am Mittwochabend im großen Huttensaal in Würzburg vor ca. 4000 Menschen der französische Journalist Michel B o s - s a n, der sich gegenwärtig auf einer Studienreise durch Deutschland befindet, über das Motto:Ver­ständnis vor Verständigung". Der Vor­trag wurde oft von minutenlangem Beifall unter­brochen.

Einleitend erklärte der Redner das deutsch- französische Problem als eine psycho­logische Angelegenheit. Man dürfe nie vergessen, daß die drei letzten Kriege, die Befrei­ungskriege, der Krieg 1870/71 und der Weltkrieg auf französischem Boden ausgetragen wurden. Hier­aus allein könne die Einstellung des französischen Volkes erklärt werden.

Weder territoriale, noch wirtschaftliche Gegen­sätze stehen einer Verständigung der beiden

Völker entgegen.

Hieran schloß sich eine Erörterung der politischen Probleme, wie sie Frankreich schon immer sah und wie B o s s a n sie am Beispiel der französischen Kolomalpolitik erörterte, die keine organisierte Ex­pansionspolitik der Regierung darstelle, son­dern vielfach durch einzelne militärische Persönlich­keiten an Ort und Stelle, wie I o f f r e und Liauthey, veranlaßt wurde. Die Mentalität der

französischen Politik von heute sieht ihre Aufgabe in der Verwirklichung des Schlagwortes vom Frie­den durch die Sicherheit. Jeder Franzose stellt nun die Frage, was man einem 65-Millionen-Volk im Verfolg dieser Richtlinien bieten müsse, damit es sich zufrieden gebe. Der Redner beantwortete diese Frage aus der Kenntnis der deutschen Psyche:

Realpolittsch ist nichts nötig, da keine realen Gegensätze vorliegen. Ulan brauche nur Ver­ständnis beiderseits zu geben. Erreicht man das, das heißt das Verständnis, so stehe der Ver­ständigung auch in der Kolonialfrage kein be­sonderes Hindernis im Wege.

Der Vortrag fand begeisterte Aufnahme. Den Gefühlen der Versammlung gab der Rektor der Universität Dr. R e i n m ö l l e r erhebenden Aus­druck, indem er unterstrich, daß dem Friedens­willen der Franzosen derjenige des deutschen Volkes tief entspreche. Die beiden Völker hätten auf den Schlachtfeldern gegeneinander genügend Ehren gesammelt, um sich endlich den großen natio­nalen Friedensaufgaben widmen zu können.

Der stellvertretende Führer der Studentenschaft, Hans Heinrich Rieth, bekundete die Verstän­digungsbereitschaft der deutschen Ju­gend. Der Rektor schloß darauf die Kundgebung mit einem Siegheil auf den Führer, Deutschland, sowie auf den Redner und sein Vaterland.

Fragen an Eden.

Eine interessante Aussprache im Unterhaus.

lüge für die deutsche Seele gehabt habe. Es sei die Auflehnung gegen diese un­faire Beschuldigung, die das gesamte deutsche Volk veranlasse, jeden Vefreiungsakl seines Führers mit einer Begeisterung zu be­grüßen, die einen beinahe religiösen Charak­ter habe. Rach deutscher Auffassung habe es zwei verschiedene moralische Maßstäbe für

Deutschland und die Alliierten gegeben.

Der Ausschluß Deutschlands von le­benswichtigen Konferenzen, die seine Interessen berührten, sei lebhaft empfunden worden und werde noch lebhafter empfunden. Die neuesten Fälle seien die Zusammenkunft der Mächte auf der Abrüstungskonferenz in Paris im Juni 1933 und die Stresa-Konferenz 1935, schließlich der Ausschluß Deutschlands von den kollektiven Erwägungen der Locarno-Mächte im gegenwärtigen Augenblick, ob­wohl Italien, das im Gegensatz zu Deutschland die Völkerbundssatzungen und den Kellogg-Pakt verletzt habe, zu Besprechungen mit den Mächten über das Abessinienproblem eingeladen werde.

Sei es fair, wenn man Deutschland verurteile, weil es gegenseitige Veistandsverträge in Ost­europa ablehne? Solle man nicht anerkennen, daß eine Verpflichtung, keine Gewalt zur Aende- rung der Grenzen anzuwenden, das höchste ist, was man von der menschlichen Ratur verlangen kann? Richtangriffspakte?

Dann wiederum werde die deutsche Freundschaft mit England als ein Versuch ausgelegt, Frankreich zu isolieren. Er wisse, daß dieses Mißtrauen vom deut­schen Kanzler tief bedauert werde. Der Kanzler habe ihm gesagt, er habe von Ribbentrop ge­wählt, weil es dieser sich au seiner Lebensaufgabe gemacht habe, eine Aussöhnung zwischen Deutschland und Frankreich durch die Vermittlung Englands herbeizuführen.

Lord L o t h i a n habe in einer kürzlichen Rede erklärt, wenn man nicht zu dem Eingeständnis bereit märe, daß Deutschland einen berechtigten Stand­punkt vertrete, würde ein neuer Krieg unvermeidlich fein. Jedermann werde mit der abschließenden Be­merkung Lord Lothians übereinstimmen, daß aller Friede auf wirklicher Gerechtigkeit be­gründet fein müsse.

Der Brotkorb Deutschlands ist gesichert.

Reichsminister Darrs vor den Kreisleitern.

Berlin, 23. April. (DNB.) Auf der A r b e i t s- ta-gung der Kreisleiter in der Ordensburg Crössinsee sprach, der NSK. zufolge, am Mittwoch Reichsbauernführer Walter Darr 6. Er entwarf ein umfassendes Bild der deutschen Ernäh­rungslage und der nationalsozialisti­schen Agrarpolitik. Die Ernährungsgrund-

London, 22. April. (DNB.) Im Unterhaus wurde am Mittwoch an Außenminister Eden eine Reihe von Fragen gerichtet, die sich auf die aktuel­len außenpolitischen Fragen bezogen.

Zunächst wünschte der konservative Abgeordnete Divian Adams zu wissen, ob der Minister weitere Einzelheiten über den Fortschritt der General- stabsbesprechungen mitteilen könne. Eden lehnte jedoch unter Hinweis auf die Erklärung Bald­wins eine Mitteilung ab. Adams verlangte darauf zu wissen, ob Eden es nicht für zweckmäßig halte, dem Völkerbund eigene englische Vor­schläge zu unterbreiten, damit die ganze Welt sehe, wer die kollektive Sicherheit wirksam machen wolle, und wer durch Verzögerung dies nicht wolle. Eden gab hierauf keine Antwort.

Auf die weitere Frage Adams, was der Völker­bund im italienisch - abessinischen Streit zu tun gedenke, nachdem Italien seinen Angriff neuerlich verstärkt habe, antwortete Eden sodann in einer längeren Erklärung, in der er zunächst auf die Ergebnisse der letzten Ratstagung einging. Der Dreizehnerausschuß, so er­klärte er weiter, habe festgestellt, daß der Appell zur Einstellung der Feindseligkeiten wirkungs­los geblieben fei und daß der Krieg dafür unter Bedingungen fortbauere, die als im Wider­spruch mit den Verpflichtungen des Völkerbundes stehend bezeichnet worden seien. Der 18er-Ausschuß sei daraufhin in Gens zusammengetreten, um den Bericht über die Wirkung der bisherigen Sühne­maßnahmen zu beraten in der Absicht, diese wirk­samer zu gestalten. Die Berichte zeigten, daß die Sühnemaßnahmen immer wirksamer würden. Des weiteren sei man übereingekommen, daß der Acht­zehnerausschuß ungefähr gleichzeitig mit dem Völkerbundsrat wieder zusammentreten solle. Der Vorsitzende dieses Ausschusses könne jedoch auch unter Umständen auf allgemeinen Wunsch und, falls die Umstände es erforderten, den Ausschuß wieder früher einberufen. Adams wollte darauf wissen, ob er nicht glaube, daß die gegenwärtigen Sühne­maßnahmen einen völligen militärischen Erfolg des Angreifers verhindern könnten. Eden erklärte, das fei Ansichtssache.

Wedgwood (Unabhängige Arbeiterpartei) fragte dann, warum Eden nicht auf weitere Sühnemaßnahmen gedrungen habe, und welche Mächte im Völkerbund bereit feien, weitere Sühnemaßnahmen zu ergreifen. Eden erwiderte, seine Erklärung vor dem Dölkerbundsrat gebe klar die Ansichten der britischen Regierung wieder. Er glaube, daß es zur Zeit nicht im Interesse der kol­lektiven Aktion oder des Völkerbundes oder im Interesse irgendeines anderen liege, wenn er über sie hinausginge.

Mander (liberal) fragte hierauf, ob Eden der Ansicht sei, daß Frankreich die gegenwärtigen Sühnemaßnahmen loyal durchführe. Eden erwi- derte, daß Fragen, die andere Regierungen angingen, doch nicht im Hause gestellt werden soll­ten. Mander wollte darauf wissen, ob denn die

Regierung tatsächlich nicht daran interessiert fei, in welcher Weise andere Völkerbundsmitglieder ihre Sühnemaßnahmen durchführten, worauf Eden er­widerte, daß das keinesfalls der Fall sei. Er könne aber nicht für fremde Regierungen antworten.

Eine weitere Reihe von Fragen bezog sich auf die italienischen oder angeblich italienischen Angriffe auf am Kriege nicht beteiligte Personen und Organisationen, wie z. B. das Rote Kreuz. Der Abgeordnete Cocks fragte, ob die britische R e - g i e r u n g nicht die Absicht habe, ihren Bot­schafter aus Rom ab 3 über ufen. Eden erklärte, daß eine derartige Absicht v*i ch t bestehe. Eine derartige Maßnahme würde nicht mit der Politik der britischen Regierung im italienisch- abessinischen Streit übereinstimmen, die auf dem Grundsatz der kollektiven Handlung durch den Völ- terbuno beruhe. Boothby (konservativ) verlangte hieraus eine Zusicherung, daß die Gerüchte über eine Entfremdung zwischen Frankreich und England wegen der abessinischen Frage unzutreffend seien eine Aufforderung, auf die Eden jedoch nicht antwortete.

Als Cocks sodann weiter fragte, ob die britische Regierung nicht den Ausschluß Italiens aus dem Völkerbund beantragen wolle, er­klärte Eden, das sei nicht der Fall. Er sei der Ansicht, daß unter den gegenroärtigen Umständen mit einer derartigen Maßnahme nichts Zweck­mäßiges erreicht werde.

Auf eine Reihe von Fragen wegen der Ver­wendung von Giftgas durch die Italiener schil­derte Eden die vom Völkerbund dieser Tage ge­troffenen Maßnahmen. Der italienischen Regierung sei mitgeteilt worden, daß die Anwendung von Giftgasen als Strafe für Ausschreitungen nicht ge­stattet sei.

Eden unterrichtet das Kabinett über Genf.

London, 22. April. (DNB.) Das englische Kabinett trat am Mittwochfrüh zu feiner üb­lichen Wochensitzung zusammen, in deren Verlau Außenminister Eden über die letzten Ereignisse in Genf berichtete.

Die italienische Südoffensive.

Rom, 22. April. (DNB.) Der Heeresbericht Marschall Badoglios besagt: An der Somali­front setzten unsere Truppen den Vormarsch auf der ganzen Linie fort und haben Ort­schaften erreicht, die etwa 15 0 Kilometer v 0 n den Ausgangsstellungen entfernt fmb. Unsere Abteilungen besetzten gestern Ducun im Tal von Nacata, nachdem sie die feindlichen Nachhuten zerstreut hatten. Wir hatten einen verwundeten Offizier und etwa 50 tote und verwundete Soldaten.

An der Nordfront bietet die Bevölkerung immer weiterer Gebiete ihre Unterwerfung an.

Das neueste deutsche Flakgeschütz.

Nach der Uebergabe der neuen Truppenfahnen an die Luftwaffe besichtigte Generaloberst Göring auch dieses neue Flugzeugabwehrgeschütz.

(Presse-Jllustration-Hoffmann-M.)

ParlümenfsauÜöfung in Belgien.

Neuwahlen am 24. Mai.

Trüffel, 23. April. (DNB. Funkspruch.) Durch eine am Donnerstag imStaatsanzeiger" erschie­nene Verordnung des Königs sind Kammer und Senat aufgelöst worden. Die Neuwahlen wurden endgültig auf den 24. Mai festgesetzt. Das neue Parlament tritt am 23. Juni in Brüssel zu­sammen.

Kommnnisten-Organisaiionen ansgehoben.

K a t t 0 w i tz , 22. April. (DNB.) Wie erst jetzt bekannt wird, konnte die polnische Polizei am Dienstag eine weitverzweigte kommu­nistische Geheimorganisation aufdecken, deren Mitglieder alsBezirksgruppe der kom­munistischen Partei Polens" geführt wurden. Bei zahlreichen Haussuchungen in Lipine wurde die leitende Stelle der Geheimorganisation, die sich Reichskomitee der Kommunistischen Partei Polens" nannte, ausgehoben. Dieses Komitee entwickelte in ganz Ostoberschlesien lebhafte Tätigkeit. Der Po­lizei fielen mehrere tausend Flugblätter und Flug­schriften in die Hände. Außerdem wurde eine be­triebsfertige Druckerei beschlagnahmt. Bisher wurden 24 Personen verhaftet. Die Untersuchun­gen sind noch nicht abgeschlossen.

Wien, 22. April. (DNB.) Im oberöster- reichischen Salzkammergut wurde eine große Kommuni st enorganisation aus- gehoben. Zentralsitz dieser Organisation war die Ortschaft Heisenrat bei Ischl. Zweigstellen bestan­den in den Salzkammergutorten Ebensee, Ischl, Rettenbach, Golfern, Laakirchen und Gmunden. In allen diesen Ortschaften wurden Verhaftungen vorgenommen und zahlreiches Material beschlag­nahmt. In Heisenrat war auch ein Schulungskur­sus der kommunistischen Partei eingerichtet, den ein Wiener Kommunist leitete.

Juden in Palästina unerwünscht.

Araber-Unruhen in Palästina in den letzten Tagen haben bisher 19 Tote und, 130 Schwerverletzte zur Folge gehabt. Trotz englischer Truppenkonzentrationen ist nicht ein Abflauen der Protestbewegung gegen d i e jüdische Einwanderung und ihre Auswüchse, sondern eine Verschärfung zu verzeichnen. Die arabische Bewegung, die nur scheinbar in diesem Falle keine direkte Beziehung zur panislamitischen Bewegung hat, hat den ©eneralftrei! be­schlossen, um ihre Forderungen des Verbotes der Landerwerbung der Juden ferner die Einstellung der jüdischen Einwanderung durchzu­setzen.

In führenden arabischen Kreisen betont man, daß die massenhafte jüdische Einwan­derung noch in diesem Jahr das Land in eine Wirtschaftskrise hineintreiben und außerdem die immer engere Verbindung des Arabertums mit der islamitischen Einheitsfront nur noch stärker be­schleunigen werde. Vor dem Krieg roaren bei 800 000 arabischen Einwohnern nur 40 000 Juden vorhan­den, die sich dem Charakter der arabischen Bevöl­kerung und des Landes völlig angepaßt hatten. Die alljährliche Einwanderung von 60 000 Juden hat das Verhältnis zwischen den beiden Bevölkerungs­teilen bereits auf 2:1 verschlechtert. Die arabische Führung unterstreicht besonders, daß der Jude im allgemeinen von der Landbebauung nichts wissen will; von 4 0 0 0 0 0 Juden sitzen nur 25000 auf dem Lande! Und das, obwohl den jüdischen Organisationen nicht weniger als 5 0 0 0 0 Morgen beackerbares Land völ­lig ungenutzt zur Verfügung stehen!

Auch von dem erwarteten wirtschaftlichen Auf­schwung des Landes ist nichts zu merken, da bei­spielsweise in kurzer Zeit fast 20 erst in diesem Jahren gegründete Fabriken wegen Mangel an Ab­satz wieder stillgelegt werden mußten. Nicht zuletzt verweist die arabische Führung auf die drohende Gefahr der B 0 l s ch e w i s i e r u n g durch das Judentum. Während es früher in Palä­stina keine kommunistische Frage gegeben hat, wer­den jetzt infolge der jährlichen Masseneinwande, rung von Juden bereits über 10 0 0 0 Kommu­nisten als bekannt verzeichnet.