Ausgabe 
21.10.1936
 
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Mittwoch, 21. Oktober 1936

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheßen)

Nr. 247 Zweiter Blatt

gruppen aufgezogen. Es liegt uns gerade in der Dolksbildungsarbeit nicht daran, immer nur von oben her Redner zu bestimmen, sondern lieber sind schon Anforderungen aus eigener In­itiative, noch besser, wenn Arbeitsgemeinschaften entstehen, die von dem Willen beseelt sind, Gegen­wart und Vergangenheit tiefer verstehen zu lernen. Letzten Endes hängt das Fortkommen der Nation sowie jedes einzelnen davon ab, ob wir nur stur und kleinlich auf unseren Alltagssorgen Herumreiten oder ob wir es fertig bringen, aus einem erweiter­ten Gesichtskreis heraus uns große Ziele für die Zukunft zu stecken.

Wir wollen dem schaffenden Menschen nicht nur Vorträge halten, sondern auch tun st hand­werkliche und technische Neigungen und Liebhabereien anregen und weiterentwickeln. Mit diesem Laienschaffen wird in unseren Volks­

seine Eier in die Fruchtknoten der Yuccapflanze ab; die sich entwickelnden Räupchen leben von den all­mählich Heranwachsenden Samen. Ist ein Weibchen der genannten Motte aus der Puppe geschlüpft, so fliegt es alsbald, nachdem es sich mit einem Männ­chen gepaart hat, zu einer Yuccablüte, entnimmt ihr etwas Blutenstaub, formt ihn zu einem kleinen Ballen und fliegt davon, um eine zweite Blüte auf­zusuchen. Hier ist aber ihre Tätigkeit eine gänzlich verschiedene: sie sticht mit ihrem Legestachel den Fruchtknoten an, legt ein Häufchen Eier hinein, klettert dann auf die Blütennarbe und hinterläßt dort den kleinen Ballen zuvor gesammelten Blüten- staubs. Danach fliegt sie davon. Durch ihre Tätig­keit hat sie in geradezu raffinierter Weise für ihre junge Brut gesorgt: der mitgebrachte Pollen be­fruchtet die Yuccablüte, so daß sich nunmehr die als Nahrung benötigten Samen zu entwickeln be­ginnen. Die Zahl der abgelegten Eier aber hat sie gerade so bemessen, daß die jungen Räupchen bis zu ihrer Verpuppung reichlich zu fressen haben und trotzdem noch eine ganze Anzahl Samen unversehrt bleiben. So hat auch die Pflanze ihren Vorteil: denn ohne das Eingreifen der Yuccamotte wäre sie wahr­scheinlich unbefruchtet geblieben.Gelernt" kann die Yuccamotte dies Verfahren niemals haben, denn ihre Eltern hat sie ja nie gekannt. Sie folgt einem angeborenen Triebe, einem dunklen Instinkt.

losen Zusammenpralls mit den Weißen abzuweh­ren, den Stamm in seiner Eigenart zu schützen und vor dem Ausgerottetwerden zu bewahren. Die bei den Worora in jahrzehntelanger Arbeit gesammel­ten Erfahrungen hat Love jetzt in einem Buche niedergelegt.

In vieler Beziehung leben die Worora heute noch im Steinzeitalter. Die Hauptsorge für die tägliche Nahrung fällt den Frauen zu. Jeden Morgen ziehen sie vom Lager aus, begleitet von den Hun­den, die darauf abgerichtet sind, kleineres Wild wie Ratten und Opossum zu jagen. Selten kehren sie vor Einbruch der Nacht zurück, wenn ihre großen Rindenkörbe gefüllt sind mit Eidechsen, Yamswur­zel, wildem Honig und allerlei anderem, was ihrem unwählerischen Geschmack als eßbar erscheint.

Währenddessen ist die Hauptbeschäftigung der Männer, Steinspeerspitzen herzustellen, die das kunstvollste Erzeugnis des Stammes sind. Sie ha­ben ungefähr die 'Größe und Gestalt eines Rosen­blattes mit scharf ausgesägten Ecken und werden mit Stein-, Holz- und Knochenwerkzeugen herge­stellt. Manche der verwendeten Steine sind Halb­edelsteine wie Achat oder Quarz, und die fertigen Speerspitzen sind tatsächlich wahre Kunstwerke, nadelscharf und von vollkommener Regelmäßigkeit. Dennoch wird all diese hochentwickelte Kunst nur für einen einzigen Speerwurf verwendet, denn fast immer brechen die Spitzen ab, wenn sie ihr Ziel erreichen.

Mit ihren Speeren jagen die Männer hauptsäch­lich Känguruhs, die als Wild sehr begehrt sind. Kein Knabe, der noch nicht unter die Männer aus­genommen ist, darf auch nur den Versuch machen, eine Speerspitze herzustellen, obwohl er schon da­mit jagen darf. Es kann sogar kein Knabe ausge­nommen werden, bevor er nicht ein Känguruh er­legt hat und bevor nicht sein Körper mit den Narben des Stammes bedeckt ist. Wenn er diese Bedingungen erfüllt hat, wird er zu dem heiligen Männerplatz geführt, den er bisher noch nie betre­ten hat, und dort unter bestimmten, uralten Zere­monien feierlich zum Manne geweiht.

Die Worora leben in Horden zusammen, die ent­weder aus einem Mann, seinen Frauen und Kin­dern oder aus einer Gruppe von Männern be - stehen. Ein Mädchen wird bei ihrer Geburt schon einem Freund ihres Vaters versprochen, der aber im richtigen Verwandtschaftsverhältnis für eine Heirat stehen muß. Den angesehensten Mannern werden die meisten Mädchen versprochen, so daß sie immer die jüngsten Frauen haben. Das ist hart für die jungen Männer, da es nicht genug Frauen für alle gibt. Wenn ein Mann älter wird, kann

unseren heimischen Teichen und Bächen sehr häufig anzutreffenden Tierchens. Es baut sich normaler­weise aus Steinchen eine schützende Hülle, vermag aber im Experiment auch ungewohnte Baustoffe, die man ihm anbietet, in völlig zweckentsprechender Weise zu verwerten. Setzt man ihm beispielsweise nur wenig Baumaterial vor, so verwendet es die­sen in sparsamer Verteilung usw. Der Instinkt ist also hier nicht völligblind", die Erfahrung kann ihn korrigieren. Vielfach ist ein solches Miteinander von Instinkt und Erfahrung geradezu eine ße * bensnotwendigkeit für das Tier. Das eben geschlüpfte Kücken besitzt den Instinkt, nach kleinen Körner zu picken. Aber es trifft zuerst sehr oft daneben, und erst nach drei Wochen ist es so weit, daß etwa 80Trefferprozente" erzielt werden. Es ist also durchaus nicht so, daß Instinkt und Erfah­rung sich gegenseitig ausschließen.

Auch die von uns mitgeteilten Fälle tierischer Dummheiten" können nicht als. Gegenbeweis gelten. Erfahrungen find eben nur möglich in einem Umkreis, der durch die natürliche Lebensweise des Tieres umschrieben wird. Sicher wird ein Zug von Prozessionsspinner-Raupen in freier Natur niemals in die Lage kommen, daß das voranmarschierende Tier plötzlich auf nächste Entfernung das letzte Tier des Zuges vor sich sieht. Man darf also den Tieren nicht allzu vielzumuten". Der Mensch, der sich plötzlich aus etwa den Mars versetzt sähe, würde sich wahrscheinlich nicht minder hilflos benehmen. Außerdem ist zu bedenken, daß viele niedere Tiere bei ihrem kurzen Leben gar nicht in die Lage kom­men, überhaupt viele Erfahrungen zu machen. Die Natur hat also, wie gerade die neuesten Forschungs­ergebnisse wieder zeigen, den meisten Tieren eine für ihr Leben völlig ausreichendeIntelligenz" mit­gegeben. Nur dürfen wir nicht, wie das fo oft ge­schieht, das Tier vermenschlichen und falsche Maßstäbe an seine Handlungen anlegen. Tiere könnendenken" aber nicht im menschlichen Sinne, sondern aus ihren ganz anders gearteten Lebensbedingungen heraus. Instinkt und Erfahrung: das find die beiden Grundlagen, auf denen sich die Handlungsweise des Tieres aufbaut.

Deutscher Volksgenosse! Unterstütze die Pimpfe bei ihrer Vrotsammtung des deutschen Volkes am 24. Oktober.

gemacht. Da wurde im Grunde dieselbe Schulweis­heit verzapft wie in allen höheren Schulen, nur mit dem Unterschied, daß sie mit dem Gift liberal- marxistischen Ideen behaftet war. Mit größter Ent­täuschung wandte sich der bildungshungrige Teil der Arbeiterschaft von dem blassen Gerede ab. So konnte denn die Meinung entstehen, daß die Bildung eine vollkommen zwecklose Angelegenheit sei, die den Kopf belastet und den gesunden Menschenverstand verbiegt. Aber warum sollen wir denn dieses wun­dervolle Instrument der menschlichen Seele, u n - sere geistigen Fähigkeiten verkümmern lassen? Ist es nicht etwas Großes, daß wir das allmächtige Geschehen auf dieser Erde als einzige Lebewesen bewußt erleben und erforschen dürfen? Es wäre ein Verbrechen, wenn wir unseren Kör­per verkommen lassen würden mit dem Hinweis, daß man doch nie Olympiasieger werde. Genau so wahnsinnig wäre es, seine Begabungen einrosten zu lassen mit der Begründung, man wolle ja nicht Professor werden. Die Entwicklung der letzten drei Jahre ist ein Beweis dafür, wieviel schöner das Leben ist, wenn alle Talente zur Entfaltung kom­men können.

Arbeitskameraden! Ihr seid jetzt schon auf eue­ren Reisen durch viele Gaue unsres Vaterlandes gekommen. Staunend habt ihr die Denkmäler und Zeugnisse unserer großen Vergangenhit gesehen. Er­griffen habt ihr an der West- oder Ostgrenze von dem opferbereiten Einsatz deutscher Volksgenossen, im Norden vom jahrtausendalten Kampf gegen das Meer gehört. Mit unbekümmerter Freude habt ihr im Süden das Singen, Tanzen und Jodeln erlebt. Aber wenn ihr das deutsche Volk'ganz begreifen wollt, dann müßt ihr seine wechselvolle G e - schichte und seine gewaltigen kulturellen und wirtschaftlichen Leistungen kennenlernen. Wer weiß, wie dieses Volk gewachsen ist, und wie es gekämpft hat, der kann den Glauben nie verlieren. Daneben werden wir uns natürlich genau so mit der Gegenwart zu beschäftigen haben. Aus allen Lebensgebieten wollen wir das Wissens­werte und Wesentliche vermitteln. Alle schöpferischen Kräfte sollen mobil gemacht werden für das schönere Deutschland. Höchstleistungen sind nur möglich bei Weitsicht und innerer Harmonie. Dafür ist das Dolk^bildungswerk geschaffen worden. Die Schule der Vergangenheit hat viel versäumt. Aus eigener Initiative kann heute jeder sein Blickfeld erweitern.

Nun noch etwas vom Aufbau des Deut­schen Dolksbildungswerkes. In allen größeren Städten unseres Gaues bestehen Volks­bildungsstätten. So z. B. auch in Friedberg, Gießen und Wetzlar. Neben allgemein inter­essierenden Vorträgen werden dort auch Vor­tragsreihen und A r b e i t s g e m e i n s ch a f - t e n durchgeführt, die den Hörern eine wirklich gründliche "Bildung über ein bestimmtes Gebiet, eine Epoche oder Persönlichkeit geben. Der gesunde Menschenverstand und Wille zur Mitarbeit genügen bei uns vollkommen. Universitätsvorlesungen wer­den keine gehalten. Weiterhin werden natürlich auf Anforderung in Städten, Orten und Betrieben Vor­träge aller Art mit Hilfe unseres Gauvortrags­dienstes veranstaltet. In kleineren Städten und größeren Betrieben werden Volksb'ildungs-

Unter dem Eindruck solcher und ähnlicher Ent­deckungen hat die Wissenschaft lange Zeit geglaubt, die niederen Tiere seien in allen ihren Handlungen an ganz starre, unabänderliche, aus Urzeiten er­erbte Regeln gebunden. Bestimmte Geschehnisse in der Außenwelt^- so meinte man solltenauto­matisch" bestimmte Handlungen des Tieres aus­lösen, ähnlich wie etwa ein bestimmter Handgriff am Hebel einer Maschine eine genau vorauszu­sagende Wirkung auslöst. Diese Theorie hat unter anderen der bekannte deutsche Naturforscher Dof- l e i n für den Ameisenlöwen zu beweisen ver­sucht. Auf bestimmteReize", etwa herunterrollende Sandkörnchen, die ihm in freier Natur die Nähe seiner Beutetiere, der Ameisen, anzeigen, antwor­tete er stets mit genau den gleichen Bewegungen.

In der Tat kennt man auch sonst zahllose Fälle, in denen keine Erfahrung die Tiere veranlassen kann, anders als nach dem durch den Instinkt fest­gelegten Schema zu verfahren, auch wenn dies für denNormalfall" durchaus zweckdienliche Schema in einer gegebenen Sonderlage zur Sinnlosigkeit, ja zum Verderben führt. So hat man eine körner­sammelnde Ameisenart beobachtet, die in bestimm­ter Entfernung vom Nest auf besonderenKehricht­haufen" die Abfälle zusammenzutragen pflegt. Aus; nahmsweise siedelten sich Ameisen dieser Art einmal in den Ritzen einer Mauer an. Sie kamen aber niemals darauf, daß sie sich hier die Arbeit außer­ordentlich erleichtern konnten, indem sie die Absall-

stosfe einfach vom Nesteingang aus yerunterfallen ließen. Mit rührendem Fleiß schleppten sie ihre Last immer wieder um ein Stück von gewohnter Länge vom Nest fort undlegten" sie dort nieder wo­bei sie natürlich zu Boden fiel.

Ein anderes Beispiel, das für die Unfähigkeit von Tieren zeugt, Erfahrungen zu machen, erzählt Fabre, der berühmte Altmeister der Insekten­forschung. Die Raupen des Prozessionsspin­ners haben die Gewohnheit, am Abend ihren Ruheplatz zu verlassen und auf Nahrungssuche zu gehen. In großen Heerscharen schließen sie sich zu­sammen, jedes Tier hatTuchfühlung" mit dem Vordermann. Fabre lenkte nun das vorderste Tier einer Kolonne jo, daß es mit dem letzten Tier des Zuges in Berührung kam. Es folgte jetzt diesem, und die Raupen liefen infolgedessen sieben Tage lang ununterbrochen in geschlossenem Kreise herum, ohne zu merken, daß hier etwas nichtstimmte". Sie gehorchten einfach einem blin­den Instinkt. Das ist wirklich ein erstaunlicher Gegensatz: Infusorien, die aus Erfahrung lernen, und hochentwickelte Tiere, wie Ameisen, diever­sagen"! Wie ist es zu erklären?

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Die neueste Forschung zeigt uns nun mehr und mehr, wo die Lösung dieses Rätsels zu suchen ist. Die frühere Annahme der Wissenschaft, der Instinkt sei völlig starr und gehe unabänderliche Wege, hat sich bei genauem Zusehen doch nicht als zutreffend erwiesen. Ein gut analysiertes Beispiel ist der Ge­häusebau der Köcherfliegenlarve, eines in

Daß Raubtiere, Pferde, Vögel und andere höhere Tiere imstande find, aus Erfahrungen zu lernen, erscheint uns fast selbstverständlich. Schon die Mög­lichkeit, solche Tiere etwa an bestimmte Futterplätze zu gewöhnen und sie zu mannigfachen Kunststücken abzurichten, ist ja ein hinreichender Beweis dafür. Dagegen galt es bis in die neueste Zeit hinein als fraglich, ob auch niedere Tiere, etwa Krebse oder Würmer, einLernvermögen" besitzen. Kürz­lich sind aber von verschiedenen Forschern ganz überraschende Versuche auf diesem Gebiet angestellt worden, bei denen sich unter anderem herausstellte, daß man sogar Infusorien, also einzellige Lebewesendressieren" kann.

*

Als Versuchsobjekt diente hierbei das bekannte Pantoffeltierchen, das sich in Heuaufgüssen in großer Menge einzustellen pflegt. Die Forscher machten sich die Tatsache zunutze, daß diese kleinen Wesen warmes Wasser nicht lieben. Sie setzten eine größere Anzahl von Pantoffeltierchen in einen Wassertropfen, dessen eine Seite belichtet, die andere Hälfte beschattet wurde. Den Infusorien war es zunächst gleichgültig, ob sie sich im Hellen ober Dunkeln befanden; sie verteilten sich gleichmäßig im ganzen Tropfen. Nun wurde der erhellte Teil des Tropfens erwärmt: er leerte sich rasch, alle Tierchen flüchteten sich ins Dunkle. Nach zwei Stunden wurden zwei Seiten wieder auf gleiche Temperatur gebracht, und man hätte erwarten können, daß sich die Infusorien nunmehr, wie am Beginn des Versuchs, wieder gleichmäßig über den ganzen Tropfen verteilten. Ueberraschenderweise war dies aber nicht der Fall. Die gesamten In­fusorien hielten sich vielmehr nach wie vor ängst­lich im dunklen Teil des Wassertropfens. Geriet doch einmal ein Tier zufällig ins Helle, so fuhr es sogleich mit deutlicher Schreckbewegung zurück und schwamm in den schützenden Schatten zurück. Die Tiere hatten gelernt, daß Helligkeit mit der schädlichen Wärme verbunden war.

Somit scheint der Beweis erbracht, daß alle Lebe­wesen, von den höchsten bis zu den niedersten, im­stande sind zulernen". Die Erfahrung, so sollte man also meinen, ist die große Lehrmeisterin, die den Tieren hilft, sich in den mannigfaltigen Fährnissen ihres Lebens zurechtzufinden und vor Gefahr zu schützen.

Dies ist aber merkwürdigerweise nicht der Fall. Im Gegenteil: gerade die kompliziertesten und sinn­reichsten Handlungen, die zuweilen den Anschein erwecken, als seien sie das Resultat klügster Ueber- legung, werden oft genug in der vollendetsten Weise ausgeführt, ohne daß das betreffende Tier die Mög­lichkeit gehabt hätte, die Verrichtungen zulernen". Als besonders erstaunliches Beispiel unter vielen anderen sei hier der Fall der sogenannten Yucca- motte angeführt. Dieser Kleinschmetterling legt

Wie in der Steinzeit...

Vom (Stamme der Worora.

Immer seltener werden in den tropischen Län­dern die eingeborenen Stämme, die sich unberührt von weißer Kultur ihre alten Sitten und Lebens- gewohnheiten in voller Ursprünglichkeit bewahrt haben. Einer der letzten dieser Stämme sind die Worora an der Nordwestküste von Australien, die es bis zum Anfang unseres Jahrhunderts ver­standen haben, sich von den Weißen vollkommen fern zu halten. Die wenigen weißen Forscher, denen es gelang, den unzugänglichen Busch zu durchdringen, wurden von den Worora entweder so feindlich empfangen, daß sie sich schleunigst und unter Lebensgefahr zurückziehen mußten, ober sie bekamen von den Eingeborenen überhaupt nichts zu sehen, die zwar den Weißen auf unsichtbaren Schleichwegen folgten, sich jedoch ihrerseits nicht blicken ließen.

Auch die ersten Missionsversuche scheiterten. Erst der englische Missionar I. R. B. Love brachte es fertig, das Vertrauen des Stammes zu gewinnen und unter ihnen festen Fuß zu fassen. Freilich faßte er seine Ausgabe so auf, den Eingeborenen in der auf die Dauer unvermeidlichen Auseinandersetzung mit der europäischen Zivilisation beizustehen, die meistens verheerenden Wirkungen des Übergangs-

Können Tiere denken?

Nene Forschungsergebnisse zu einer alten Frage.

Von Dr. p. Förster.

ich Ihnen nachher auf demselben Weg hinüber. Sie nickt, ist rot bis in die Schläfen und entwischt in ihr Zimmer, es ist die Minute, wo vorn die Tür geht und die Eltern die Wohnung betreten."

Adalbert Steyer nagte an der Unterlippe. Hm..." meinte er nachdenklich,das ist ganz nett, aber es fehlt sozusagen doch die Pointe."

Aber Du kannst ja sagen, es sei eine wahre Geschichte. Die wahren Geschichten haben nie Poin­ten." Stilch brach ab. Es sprang ein Geräusch in den Raum, als habe jemand einen kleinen Stein oder Sand gegen die Scheiben geworfen. Adalbert erblaßte.Es ist jemand auf dem Balkon", flüsterte er erschauernd, daß ihm endlich auch im Leben ein Kriminalfall begegne. .

Unfug", sagte Stilch. Er erhob sich, schloß sei­nen Kleiderschrank auf und nahm einen grau­grünen Seidenmantel vom Haken und den im Ton dazu passenden Hut. Mit diesen beiden Dingen trat er furchtlos auf den Balkon.

Adalbert Steyer saß vorgebeugt. Er lauschte. Und er vernahm die beiden leisen, fast zärtlichen Worte, die eine Mädchenstimme sagte: Vielen Dank...

er daraus rechnen, die Witwen eines Stammes­bruders zu erben.

Ein merkwürdiger Brauch der Worora heißt rambadba", und verbietet jedem Manne aufs Strengste, seine Schwiegermutter, ihre Schwestern und Brüder anzusehen, mit ihnen zu sprechen oder nur ihren Namen zu nennen. Sie müssen sich ge­genseitig meiden. Wenn zwei Menschen, die in dem erwähnten Verhältnis zueinanderstehen, sich be­gegnen, bedecken sie beide ihre Gesichter, bis die Gefahr vorüber ist. Der Ursprung der Sitte ist dunkel, mag aber auf noch strengere Gesetze zu- rückgehen, die einst zur Erhaltung des Stammes notwendig waren. Aus diesem Grunde wirdram­badba" auch von den Missionaren geachtet, und die dort jetzt errichtete Kirche ist so durchgeteilt, daß die Gläubigen den Priester, aber kein verbotenes Gesicht sehen können.

Wenn ein Mann stirbt, wird sein Leichnam auf eine einfache Bahre gelegt und mit Blättern und Zweigen bedeckt. Sobald nichts anderes als die Knochen mehr übrig sind, werden sie von seinen Stammesbrüdern einaefammelt. Einige davon wer­den manchmal der Mutter des Mannes gebracht, die meisten aber werden in eine Totem-Höhle in dem Landgebiete des Bruders feiner Mutter ge­bracht. Der Leichnam einer Frau dagegen wird ohne jede Zeremonie eingegraben. Die Totem-Höh­len werden eifersüchtig bewacht und selten darf ein Fremder sie betreten. Der Missionar schildert eine davon in seinem Buch folgendermaßen: in der Mitte war ein großer Haufen menschlicher Gebeine jeden Alters, alle mit rotem Ocker bemalt, an den Wänden Zeichnungen von Känguruhs, Fischen, menschlichen Händen, Füßen und Gesichtern, und die ganze Decke nahm die Zeichnung eines Kroko­dils ein, alle Zeichnungen mit Holzkohle, rotem und gelbem Ocker und weißem Ton bemalt. Die menschlichen Darstellungen gelten alswondjuna", das sind die ersten Menschen, und jede Horde hat ihren besonderen Wondjuna. Die anderen Bilder bedeuten die Totem-Tiere der Horde, von denen eins das mächtigste ist in diesem Fall das Krokodil. Alle diese Bilder werden von Zett zu Zeit srisch gemalt, denn so lange ein Tier oder eine Pflanze ihr Bild in der Höhle haben, fo lange soll die Art in der Gegend gedeihen. C. K.

Hochscburnactznchten

Der außerordentliche Professor an der Universi­tät Marburg, Dr. Egmont Z e ch l i n, ist mit der Vertretung der Professur für neuere Geschichte der Hansischen Universität Hamburg für das Win­tersemester 1936/37 beauftragt worden.

bilbungsftätten ein frohes Werken am Feierabend einziehen. Geschmack soll nicht eine Angelegenheit der oberen Zehntausend bleiben, sondern gerade in unseren Alltag und in die Gebrauchsgegenstände hineingebracht werden. Photo- und Schach­kurse werden auch abgehalten. Durch Führun­gen, Besichtigungen und Lehrwanderungen wird eine anschauliche Bildungsarbeit geleistet. Besonde­ren Wert legen wir auf die Besichtigung von Kunststätten, Baudenkmälern und Museen. Die Büchereien in den Betrieben und Feierabend­heimen sollen von uns betreut und später ausge- bcrut werden. Wenn der Reichsleiter der DAF. Parteigenosse Dr. Ley einmal sagte:Wir wollen Herrenmenschen züchten", dann wird neben der Erziehung zum Charakter die Bildung von großer Bedeutung sein.

Oie Pointe.

Von Frank F. Braun.

Es ging schon auf Mitternacht. Der Schriftsteller Adalbert "Steyer saß bei seinem Freund Stilch.

Ich habe eine wunderbare Geschichte für Dich , sagte der,es ist gut, daß Du noch kamst".

Steyer hob den Kopf. Er war immer um Motive verlegenNa ...", meinte er ermunternd. Und Stilch lehnte sich zurück in das grüne Ripssofa feines möbliert gemieteten Zimmers und jagte:

Stelle Dir vor, es kommt em junger Mann 'abends nach Hause, er merkt unten im Hausflur, daß der Fahrstuhl nicht geht und steigt ärgerlich die Treppen in den zweiten Stock, da erreicht ihn xmilchen dem ersten und zweiten Stockwerk em S« und er sieht, der F-chKuhl ist teckenqeblieben, ein reizende- junges Mädchen, eine Wohnungsnachbarin, sitzt dann fest Er be­reit sie, Du weißt, in Geschichten gelingt das im­mer Sie stehen auf dem Flur und wissen Nicht nchi, was sie sagen' sollen. Das Mädchen bedankt sich errötend und wendet sich Zur Tur, da stellt es entsetzt fest, daß es seine Schlussel drinnen m der Wohnung vergessen hat." tw

Aber, Stilch, das ist doch kerne Geschichte. Das reizende Mädchen klingelt, und ihm wird auf-

Adalbert. Das Mädchen ist heimlich, während die Eltern ein Konzert b^suchen, tns Klno entwischt. Es kann nicht klmgeUl,denn^nienianb ift in der Wohnung. Und die Ges^chte erfahrt m die fern Augenblick eine dramatische Steig^ung es werden nämlich unten tm Hausflur Schritte und Stimmen laut; das Mädchen beugt sich über das Geländer und flüstert bebend: Die El ern

Das ist gut. Wenn Du jetzt eine Pointe hast... rk -TW iltnae Mann erkennt die Lage. & Baukin Trude, Sie müssen Mut ^aben^und mir^vertrauew Unsere Ballone stoßen an der "rückwärtigen tzaussront gegeneinander: nur eine stolzwand kennt fie. Ich weiß, daß die Ba - kontür in Ihr Zimmer °b°nd- 'mrn-r «-öffnet .st, entschuldigen Sie, ich weiß das zufällig . Und «eesabe® Ün/zstht es die Wohnung

machen? .. "

."Weiter? Nun, er sagt: Aut und Mantel reiche

Volksbildung.

Von Fritz Handwerk, Gameferenten für das Deutsche Voiksbildungswerk.

N S G. Das Wort Bildung hat einen schlechten Klang bekommen. Unter ihm wurde die Hohlheit und Kraftlosigkeit von Generationen verdeckt, unter ihm behauptete das Bürgertum, zur Führung be­rufen zu sein. Der Anspruch wurde nicht herge- leitet aus der Leidenschaft eines geistigen Ringens, noch weniger aus der Kraft einer neuen, frischen Idee, sondern aus einer schülerhaften Gewohnheit, durch eifriges Lernen, gutes Abgucken und Auf­passen ein Wissen anzueignen, mit dem man sich bei der Pöstchenoerteilung immer gut nach vorne schlän­geln kann.

Wenn wir heute die Volksbildung neu a u f b a u e n wollen, dann lächeln so manche und bilden sich ein, sie hätten es früher viel besser