Ausgabe 
21.7.1936
 
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pfleaung anlangt, durch die große Organisation der NSA. erfaßt. Daneben bestehen 17 Lager für den BDM. und mehrere Jugenderholungsheime. Sie alle haben den Zweck, eine gesunde und starke Jugend heranzuziehen.

Wie vorbildlich dabei die Organisation und die Fürsorge für die Jugend ist, zeigte der Besuch des im tiefen Odenwald unweit Steinau gelegenen Ju- genderholungsheims mit dem seltsamen Namen R i m d i d i m. Mitten im Wald, in einer Höhe von 400 m gelegen, bietet es einen idealen Erho - l u n g s o r t. Freudig tummeln sich hier unter der Leitung von Aerzten und Sportlehrern 60 Jungen, die aus dem Kreise Darmstadt ausgesucht sind. Es handelt sich um Jungen, die besonders erholungs­bedürftig sind, in der Entwicklung etwas zurück' geblieben oder sonstwie gesundheitlichen Schaden ge­nommen haben. Durch Zweckgymnastik und unter ärztlicher Kontrolle entwickeln sie sich hier zu kräftigen, gesunden Buben, denen die Lebensfreude aus den Augen lacht. Welche Bedeutung man gerade-

diesem $eim zumißt, geht daraus hervor, daß es durchgehend im Sommer und Winter aufrechterhalten wird und vor allem auch erweitert werden soll.

Weitere Aufgaben!

Damit sind jedoch die Aufgaben der Sommerarbeit der NSD. noch nicht erschöpft. Es sind hier noch zu erwähnen die Kinderlandverschickung, die Landpflegestellen, die Verwandten­verschickung, die Hitlers reiplatzspen- d e n und zahlreiche andere Einrichtungen. Inter­essant ist vor allem auch noch die Tatsache, daß auf Einladung der NSV. zahlreiche deutfcheKinder aus dem Ausland Gelegenheit haben, einen längeren Urlaub in ihrem Vaterlande zu verbringen. So wurden im Kreise Bensheim 55 Kinder aus Italien, im Kreise Mainz 149 Kinder aus Polen und im Kreise Oppenheim 150 deutsche Kinder aus Nordschleswig untergebracht.

Aus der Provinzialhauptstadt.

Urlaub im eigenen Gau.

NSG. Acht Tage Urlaub innerhalb des eigenen Gaugebietes zu verbringen, bürgert sich immer mehr und mehr ein. So viele schöne Orte im Taunus. Westerwald, Vogelsberg, im hinter- land und im Odenwald laden unsere Volksgenossen zu einem Urlaub voller Ruhe und Erholung ein. Hier in der Umgebung von Wald, Bergen und Wasser können sie sich m den acht Tagen so recht erholen. Am vorigen Samstag fuhren von Frank­furt aus allein 228 Volksgenossen in Omnibussen nach den verschiedensten Urlaubsgebieten innerhalb unseres Gaues, um dort acht Tage Aufenthalt zu nehmen. Soden-Salmünster, Auerbach a. d. B., Schloß Gettenbach, Kreis Gelnhausen, Herborn, Biedenkopf, Büdingen, Lauterbach und Drtenberg waren Ziele dieser Omnibusse, die in eine frohe und muntere Fracht zur Erholung für acht Tage voller Sonne und Ruhe brachten.

Dornotizen.

Tageskalender für Dienstag.

Gloria-Palast, Seltersweg:Unter falschem Ver­dacht".

Zweite Llebung der Sanitätskolonne Gießen.

Am vergangenen Sonntag fand die zweite größere Uebung der Sanitätskolonne und der Samariterinnen des Alicefrauenvereins vom Roten Kreuz statt, für die folgende Lage ausgegeben war:

Eine Truppe, die zur Ausbildung auf einem Platze bei Gießen übt, wird von feindlichen Flie­gern überrascht. Die Flieger sind unbeobachtet über den Wald gekommen und werfen Bomben ab. Die Rekruten suchen Schutz gegen Sicht in dem an- grenzenden Wald. Eine Anzahl wird durch Splitter schwer verletzt und bleibt auf dem Exerzierplatz liegen. Die Kolonne Gießen wird alarmiert und setzt gleichzeitig, da es sich um eine größere Anzahl Verletzter handelt, die Abteilungen Lechgestern und Watzenborn-Steinberg mit ein. Die Samariterinnen erhalten den Auftrag, in den Waldkasernen ein Notlazarett einzurichten.

Die Kolonnen versuchen in Deckung den Wald zu erreichen und gehen in verschiedenen Schneisen zur Unfallstelle vor. Die Flieger sind nach der Stadt abgeflogen und die Züge werden schnell eingesetzt. Die Kolonne Gießen übernimmt das Absuchen des Geländes von Norden und Westen her, während Watzenborn-Steinberg von der östlichen, und Leih­gestern von der südlichen Seite aus eingesetzt wer­den Wegen des teilweise sehr hohen Grases wer- den zwei Sanitätshunde zum Suchen mit ein­gesetzt. Beim Anlegen der ersten Notverbände und Schienen erscheinen die Flieger erneut und der sofort gegebene Fliegeralarm läßt die Sanitäter in nächster Nähe der Tragen nach Möglichkeit getarnt in Deckung gehen. Nachdem auch diese Gefahr vor­über ist, kann mit dem Abtransport der Verwunde­ten nach der Straße GießenSteinbach, wo zwei Sanitätswagen für den Weitertransport nach der Waldkaserne sorgen, begonnen werden. Die Leicht­verletzten werden in Personenkraftwagen zum Notlazarett" weiterbefördert.

Dort sind inzwischen die Vorbereitungen so weit gediehen, daß die ersten Schwerverletzten aus­genommen und ärztlich betreut werden können. Die

beiden anwesenden Aerzte Dr. Fabel (Watzen­born) und Med.-Rat Dr. Trautmann (Gießen) hatten sich vorher schon an der Unfallstelle von der Zweckmäßigkeit der angelegten Notverbände und Schienen überzeugt und überwachten dann die weitere Versorgung der Verletzten im Lazarett.

In der anschließenden Kritik sprachen sich beide Aerzte anerkennend über die geleistete Arbeit aus und Provinzialkolonnenführer Prof. Dr. Eger, der der Uebung von Anfang an beigewohnt hatte, dankte den Mitgliedern der Kolonne und den Samariterinnen für das bewiesene Interesse und die Einsatzbereitschaft.

Er schloß seine Ausführungen mit der Aufforde­rung, weiterzuarbeiten im Sinne des Roten Kreu­zes zum Dohle für Volk und Vaterland.

Deutsches Frauenwerk.

Abt. Volkswirtschaft Hauswlrtfchaft.

Unsere nächste Zusammenkunft findet der Ferien wegen erst nach dem 15. August wieder statt.

Die öcutfdie Rrbcitdfront ft} '

<7 ? n.5.=6cmeinfchaftKraft öurdi freute

Dann fahren die nächstenkdF."-Urlaubszüge in Frankfurt a. 21L ab?

NSG. Don Frankfurt a. M. aus nehmen die Ur­laubsreifen der NS.-GemeinfchaftKraft durch Freude", Gau Hefsen-Naffau, ihren Anfang. Die nächsten Tage fahren nach folgendem Fahrplan in Frankfurt a. M. ab:

U. F.70/36. Weltkongreß H amb urg Mitt­woch, 22. Juli, Frankfurt a. M. ab 18.25 Uhr.

U. F. 41/36 Allgäu-Pfronten Mittwoch, den 22. Juli, Frankfurt ab 23.55 Uhr.

S. F. 206/36 Norwegenfahrt mit Dampfer Monte Sarmiento'7 Donnerstag, 22. Juli, Frankfurt ab: 21.20 Uhr.

U. F. 42/36 Sächsische Schweiz Donnerstag, 22. Juli, Frankfurt ab: 21.46 Uhr.

U. F. 43/36 Schwarzwald-Todtnau Frei­tag, 24. Juli, Frankfurt ab: 10.35 Uhr.

Beitragsordnung für die Äiehwirtfchastsverbände.

Lpd. Der Reichsnährstand hat durch die Hauptvereiyigungder deutschen Vieh­wirtschaft eine Beitragsordnung für die Mit­glieder der Diehwirtschaftsverbände erlassen. Bei dieser Beitragsordnung ist man bestrebt gewesen, das Verfahren zur Veranlagung, Erhebung und Ab­führung der Beiträge möglich st einfach und billig zu gestalten. Die gesamte Beitrags- Ordnung ist eng an die für die Erhebung der Schlachtsteuer geltenden Bestimmungen angelehnt. Der Beitrag selbst wird bei der Schlachtung von Rindern einschließlich Kälbern und von Schweinen erhoben. Die praktische Durchführung obliegt den Hauptzollämtern und Landesfinanzämtern, roobet die Gesamtleitung wiederum dem Reichsminister der Finanzen zusteht. Die Beitragshöhe ist auf 0,30 RM. je Stück festgesetzt. Der Betrag ist von dem zu zahlen, der das Tier für eigene Rechnung schlachtet oder schlachten läßt. Er ist jedoch berech­tigt, die Hälfte des von ihm zu zahlenden Betrages dem Verkäufer des Schlachttteres in Rechnung zu

stellen ober vom Kaufpreis abzuziehen. Es erfolgt somit eine gleichmäßige Umlegung der Beiträge. Zur Angleichung an die Schlacht­steuer wird ein Betrag nicht erhoben, wenn Be­freiung von der Schlachtsteuer eintritt. Ein Beitrag wird auch in denjenigen Fällen nicht erhoben, in denen die Schlachtsteuer für Kälber und Schweine auf 2 RM. herabgesetzt ist, also durchweg bei den Hausschlachtungen dieser Tiere. Der Beitrag wird zurückerstattet, wenn die Schlachtsteuer wegen Unter­bleibens der Schlachtung, wegen Beanstandung des Fleisches bei der Fleischbeschau ober wegen Not- schlachtungen im landwirtschaftlichen Betriebe xurück- gegeben wird. Das Festsetzung^ und Erhebungs­verfahren im einzelnen richtet sich nach den Vor­schriften der Reichsabgabeordnung.

Gießener Dochenmarktpreife.

* G i e ß e n, 21. Juli. Auf dem heutigen Wochen- markt kosteten: Molkereibutter, V» kg 1,55 Mark, Landbutter 1,42, Markenbutter 1,55 bis 1,60 Mark, Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das Stück 4 bis 10, Wirsing, kg 8 bis 10, Weißkraut 10 bis 12, Rotkraut 12 bis 15, gelbe Rüben 10 bis 12, rote Rüben 10 bis 12, Spinat 15 bis 20, Römischkohl 8 bis 10, Bohnen (grün) 20 bis 25, (gelb) 25, Erbsen 15 bis 20, Tomaten 30 bis 40, Zwiebeln 14 bis 15, Rhabarber 8 bis 10, Pilze 20 bis 25, Kartoffeln, alte, kg 5 Pf., 5 kg 45 Pf., 50 kg 3,95 Mark,

neue, % kg 6 bis 7 Pf., 50 kg 5,50 bis 6,50 Mark, Frühäpfel, kg 25 bis 40 Pf-, Falläpfel 8, Pfir­siche 35 bis 50, Himbeeren 25 bis 30, Aepfel, aus­ländische 70, Birnen 20 bis 35, Heidelbeeren 27, Stachelbeeren 15 bis 18, Johannisbeeren 14 bis 15, Pflaumen 30 bis 35, Mirabellen 40 bis 45, Blumen­kohl, das Stück 10 bis 60, Salat 5 bis 15, Salat­gurken 10 bis 25, Einmachgurken 2 bis 5, Ober­kohlrabi 4 bis 8, Rettich 5 bis 10, Radieschen, das Bündel 10, Kirschen, kg 20 bis 35 Pf.

** Dienstjubiläum bei der Reichs­bahn. Auf eine 25jährige Dienstzeit bei der Reichs­bahn konnte gestern der Reichsbahn-Betriebsassistent Ludwig Launspach beim Bahnhof Gießen, wohn­haft in Großen-Linden, Falltorstraße 17, zurück- blicken. Der Betriebsführer, Reichsbahn-Amtmann Wahl, sprach dem Jubilar vor einem Teil der ver­sammelten Belegschaft Anerkennung und Dank für feine treuen Dienste aus. In seiner Ansprache hob der Betriebsführer besonders das Pflichtgefühl des Jubilars hervor. Unter Überreichung des Buches Mein Kampf" mit Widmung des Präsidenten der Reichsbahndirektion Frankfurt a. M. und mit herz­lichen Wünschen für sein ferneres Wirken wurde der Jubilar für diesen Tag in den Kreis feiner Familie entlassen.

** Straßensperrung. Wegen Vornahme von Kanalbauarbeiten wird die südöstliche Fahrbahn­hälfte der Marburger Straße von dem Feld­weg Fl. XXI, Nr. 180, auf eine Länge von 65 m nach der Karlsruhe zu für die Zeit von Mittwoch, 22. Juli, bis Samstag, 25. Juli, für jeglichen Fahr­zeugverkehr gesperrt.

Schwerer Unfall auf der Aelchs- auwbahn Darmstadt-Frankfurt

Zwei Todesopfer.

LPD. Darmstadt, 21. 3ulL In der Nacht zum Dienstag ereignete sich auf der Reichsautobahn DarmstadtFrankfurt bei Kilometerstein 27,6 in der Nähe von Pfungstadt ein schwerer Verkehrs­unfall. Ein in Richtung Frankfurt a. 2H. fahrender Personenkraftwagen fuhr dort auf einen stehenden Lastkraftzug auf. Der Personenwagen wurde bei dem Zusammenstoß völlig eingekeilt und zerstört, wobei der Fahrer, ein 23jähriger Dann aus Gie­ßen, und feine Begleiterin, deren Personalien noch nicht festgestellt werden konnten, auf der Stelle getötet wurden. Die beiden Verunglückten muhten erst aus dem Trümmergewlrr herausgesägt wer­den. Die Hilfe des Arztes kam jedoch zu spät. Die Polizei ist noch mit der Klärung der Schuld­frage beschäftigt.

(Anmerkung der Schristleitung: Trotz vielfacher fernmündlicher Bemühungen war es uns bis Re- daktionsfchluß nicht möglich, die Personalien der Verunglückten zu erfahren.)

** Rotlaufseuche erloschen. Die Polizei­direktion Gießen teilt uns mit: Die vor einiger Zeit im Schweinebestand des Heinrich Emmerich in Gießen, Asterweg 65, und des Wilhelm Repp in Gießen, (Bleiberger Weg 42, ausgebrochene Rot- lauffeuche ist erloschen. Die Gehöftsperre ist auf­gehoben.

NSG. Jetzt tüchtig Obst essen. In allen Läden und auf allen Straßen sieht man jetzt die gefüllten Körbe mit frischem Obst stehen. Stachel­beeren und Kirschen, Blaubeeren und Johannis­beeren liegen bereit und locken mit ihrer Farben­pracht. Fleißige Hände arbeiten Tag für Tag daran, die sich auf wenige Wochen zusammendrän- gende Ernte zu bergen und die Ware für den Ver­braucher auf den Markt zu bringen. Der Verbrau­cher sollte die verhältnismäßig kurze Erntezeit aus­nutzen und in diese Zeit das frische Obst besonders bevorzugen. Am besten verzehrt man es noch am Tage des Einkaufs, weil empfindliche Früchte schlecht bis zum nächsten Tage halten. Hat man die Früchte schon am frühen Morgen eingekauft und will man sie erst einige Stunden später verzehren, so breite man sie solange aus und halte sie recht kühl, damit sie nicht ihre leuchtende Farbe und ihr Ansehen verlieren. Besonders vorsorgliche Haus­frauen nützen die jetzige Erntezeit aus, um Frisch- obst einzumachen oder um Gelee und Marmelade daraus zu kochen, um sich dadurch die sommerlichen Früchte auch für die Wintermonate aufzubewahren, in denen kein frisches Beerenobst zu haben ist.

Oberheffen.

Weihe des Gemeindesaales Watzenborn-Steinberg.

'Y' Watzenborn-Steinberg, 20. Juli. Gestern fand unter den alten Linden bet unserem Kirchlein die Einweihungsfeier für den n eu­er b a u f e n Gemeindesaal statt. Noch vor einem Jahr ahnte die Gemeinde kaum, daß aus ihrer alten Pfarrscheune dieser schöne Saal werden konnte, der jetzt blank und neu, wie ein Schmuck­kästchen dasteht. In einer Hellen Begeisterung wurde er unter Leitung des jungen Ortspfarrers Gon- trum und der regen Beteiligung der Kirchenge­meinde, vornehmlich der Frauenhilfe, im letzten Spätherbst erbaut und dann ausgestattet, nach den Angaben des Pfarrers ©ontrum, der selbst zwei große Bilder für den Saal malte und stiftete. Bei der Feier zur Einweihung sprach als Vertreter der Kirchenbehörde Dekan Sattler (Wieseck). Er überbrachte die Grüße der Landeskirche Nassau- Hessen. Der Ortsgeistliche wandte dann das Wort des Apostels Paulus:So bestehet nun in der Freiheit" (Gal. 5, 1) auf feine Gemeinde an, die nun nicht mehr in beschränkten Räumen zusammen­zukommen braucht. Dazwischen spielten und fangen Posaunenchor, Kirchenchor und Gemeinde. Dekan

Sattler öffnete bann unter Segensworten die Türen des Saales.

Diele auswärtige Besucher waren erschienen und besichtigten den neuerstandenen Saal. Nach der Kaffeepause fand eine Nachfeier im Zeichen des Evangelischen Bundes statt, zu der Pfarrer G o n t r u m einen Vortrag hielt. Pfarrer Heinemann sprach ein aufrüttelndes, frisches Schlußwort.

Oie Rosenausstellung in Steinfurth.

200 Rosensorten wurden gezeigt.

Bad-Nauheim, 20.Juli. (LPD.) Im be­nachbarten Steinfurth veranstaltete die NS.-Ge- meinschaftKraft durch Freude" am Samstag und Sonntag eine sehr gut besuchte Rosenausstel­lung, die am Samstagnachmittag von Landes­obmann Seipel in Anwesenheit zahlreicher Ver­treter von Partei und Staat feierlich eröffnet wurde. In feiner Ansprache hob Landesobmann Seipel hervor, daß man durch diese Schau dem Volke die Schönheit der Rose und ihren ideellen Wert habe nahebringen wollen. Die mit rund 1 0 0 0 0 0 Rosen beschickte Ausstellung im Saalbau, auf der 200 Rosensorten ver­treten waren, fand lebhaften Zuspruch.

Verfluchtes Gold!

Roman von 3. Schneider-Ioerstl.

Urheberrecht: Verlag Oskar Meister, Werdau i. Sa.

30 Fortsetzung.

Nachdruck verboten!

Vielleicht", meinte der Lois stockend, ,chat's Un­glück ghabt?"

Das allerdings. Ihr Vater hat Bankerott ge­macht. Nebenher läuft noch mancherlei anderes. Aber dafür kann sie doch nichts und ich noch weni­ger. Um so mehr hätte sie sich an mich klammern und bei mir Zuflucht suchen müssen. Aber sie hat wahrscheinlich einem anderen den Vorzug gegeben. Ich bin Ja ein armer Teufel gewesen. Sie weiß nicht, daß sich meine Verhältnisse von Grund auf geändert haben. Schluß! Du spielst Zither, Lois?"

A bifferl, ja."

Also, gibt ihr die Medizin und hab gut acht auf sie. Morgen will ich nach dem Eibsee. Dann läut ich im Dorüberfahren und frag an, wie es geht. Und schönen Dank für die Bewirtung. Auf Wiedersehen, Lois!"

Auf Wiederschauen, Steffen!" Die Haustür quietschte. Ehe Rolf den Fuß über die Schwelle setzte, legte ihm der Lois die Hand auf den Arm. 3 kann dich so net gehen lassen! I weiß, wo sie ist."

Maria Terry?--"

Ja!"

Steffens Augen wurden unheimlich groß und dun­kel. Er umspannte das Handgelenk des ehemaligen Kameraden und preßte es, daß dem Hornester fast die Finger erstarrten.Wo? Sag, Lois, wo?"

Der zeigte stumm nach der Treppe hinauf.

Nein!" schrie Steffen.Du lügst! Sag, daß du lügst!"

,J lüg net!"

Rolf stemmte die Hand gegen die Wand, sah mit verstörten Augen in das Dämmer des Flurs und schüttelte den Kopf.

Er suchte nach der Türklinke, fand sie nicht gleich, und als er sie endlich zwischen den Fingern fühlte, drückte er sie hart herab und trat ins Freie.

Lois wich nicht von seiner Seite.Willst ihr net a guts Wort sagen?"

Der Freundin des Herrn Amselmann?" Deswegn muß s' noch net schlecht {ein!" Steffens Lachen klang unheimlich durch die Win­terstille.Natürlich nicht! Man darf nur die Hoff­nung auf Besserung niemals aufgeben. Vielleicht entrichtest du ihr meine ergebensten Grüße. Die Nachfrage morgen kann ich mir ja ersparen. Möglicherweise sehen wir uns wieder einmal." Damit eilte er dem Gartentor zu.

Der Kutscher des Schlittens kam herbeigelaufen und nahm den Pferden die Decken ab. Ein stäh­lernes Klirren und Klingen ging durch die Luft, und das Massiv der Zugspitze stand drohend nahe- gerückt.

Steffen warf einen flüchtigen Blick nach der Höhe und sah dann noch einmal ernst und durchdringend in Hornesters Augen.Ich wollte ich wüßte es nicht!"

Steffen!"--

Da zogen die Pferde an.

Das helle Klingeln des Schlittens war noch lange die vereiste Straße hinunter zu hören.

*

Als hinge ihm ein Felsblock an den Sohlen, so langsam und schwerfällig stieg der Lois nad) dem Oberstock hinauf. 28 Jahre mar er alt. Ao er so von Herzen Reue und Trauer hatte er noch nie über etwas empfunden, als über das, was er da mit feiner Zunge angerichtet hatte.Ich wollte ich wüßte nichts", hatte Steffen gesagt. Und was würde erst sie sagen, wenn sie davon erfuhr?

Wie geht's denn jetzt?" fragte er kleinlaut an Marias Zimmertür, nachdem auf fein behutsames Klopfen feinHerein" ertönte. Der eine der bei­den Dackel, der sich mit heraufgeschlichen hatte, kratzte an der Türfüllung und winselte leise.Bist net still!" flüsterte der Lois. Wenn sie so gut schlief, war es besser, sie nicht zu wecken.

Vorsichtig, daß keines der Bretter knarrte, schlich er sich wieder hinunter.

*

Der große Wagen Wolfgang Amselmanns flitzte die Straße nach Garmisch hinauf. In zwanzig Mi­nuten konnte er in Grainau sein. Dort war Wärme, war Maria, war das luftige unbeschwerte Lachen des Lois. Die Hände waren ihm steif, feine Augen

suchten durch die Dunkelheit draußen, in die die Scheinwerfer grelle Kegel stießen.

Plötzlich entfuhr ihm ein Schrei. Kaum einen Diertelmeter vom Straßenrand riß er den Wagen zurück. Die Bremsen knirschten. Mit einem Sprung stand er im Schnee, sah den Stein, auf dem Ma­ria Terry soeben noefj gesessen hatte, leer und griff sich an Die Stirn. Was war denn das gewesen?

Mit tauben Füßen kletterte er wieder in Den Wa­gen. Er hatte, weiß Gott, mit wachen Augen ge­träumt. Es mußte so sein, sonst hätte er doch nicht etwas sehen können, was gar nicht da war.

Plötzlich brach ihn kalter Schweiß aus allen Po­ren. Hatte nicht der Vater damals auch auf einen solchen Kilometerstein gesessen? Damals als sie ihn, heimgekommen, tot angetroffen hatten?

Die Maschine stürmte die Steigung hinauf. Die Schneeketten krallten sich in die vereiste Erde. Schon sah Wolfgang die Lichter feines Wochenendhauses. Ebenerdig waren zwei Fenster erleuchtet. Die Fen­ster von Hornesters Stube.

Gott sei Dank! Als liege eine schwere Gefahr hin­ter ihm, drückte er auf die Hupe, dann noch ein­mal und wieder. Ein Bellen verscheuchte die Stille des Hauses, und die beiden Dackel, die unter dem Ofen geschlafen hatten, wurden lebendig. Sie kamen mit einem Kläffen herbeigeschossen und schlüpften zwischen Hornesters Füßen durch, der eben die Haustür -aufriß.

Gott fei Dank! dachte auch der Lois.

Heute mit feinen Gewissensbissen allein, das wäre ein unerträglicher Abend geworden. Wolfgang Am­selmann hatte noch nie so fest die Hand gedrückt bekommen.

Wie geht's Maria?" fragte Wolfgang, der mit raschen Schritten ins Haus trat.

Schlafn tuts grab!" gab er Bescheid, und erst nach einer Weile sagte er:A bifferl krank is gwesn. Verkühlt t)at sie sich. Aber i hab' fchon an Medixin gholt und üoerhaupt geht's schon wieder besser. Jetzt trinfn S' zuerst was Warmes und dann gehn S' 'nauf zu ihr. Da wirb f aber a Freub habn! Hat so schon gfragt, ob S' net kommen sind."

Wolfgang lächelte vor sich hin. Was der ßots sich wohl da alles zusammenreimen mochte und was er etwa sagen würde, wenn er ihn aufklärte. Aber wozu? Wenn Maria es wünschte, konnte sie es ja selbst tun, und solange sie es nicht tat, war es ein Beweis, daß sie den Lois nicht emweihen wollte.

Tee und Kaffee verschmähte Amselmann. Aber die Flasche Bier, die ihm der Lois aus dem Keller holte, und das Stück Schwarzgeräucherte er mit einem Appetit, als sitze er bei einem ganz ausge­wählten Abendbrot. Dazu eine Roggensemmel und zum Abschluß eine Zigarette, von denen der Lois auch eine angeboten bekam. Gemeinsam stiegen sie etwas später die Treppe hinauf.

An Marias Tür blieben sie stehen. Wolfgang legte den Mund gegen den Spalt.Ich bin's, Maria!"

Als keine Antwort kam, und der Lois flüsterte, daß ihm jetzt beinahe angst und bang werde, drückte er die Klinke herab, ging leise nach dem weißen Fleck, der das Bett vermuten ließ und neigte sich darüber. Im nächsten Augenblick fuhr er hoch und tastete nach dem Lichtschalter, schloß für eine Se­kunde geblendet die Augen und sah dann den Lois mit kalkweißem Gesicht' gegen den Schrank lehnen.

Das Bett war leer...

*

Kommerzienrat Terrn fand die Wohnung bei Frau Schröder nach jeoer Richtung hin zufneden- stellend. Von feinem Zimmer aus übersah er einen Teil der Stadt und eine große Strecke des Rheines. Und was die Hauptsache war: hier, in der Man­sarde dieses großen Miethauses, begegnete er feinem Menschen, der ihn kannte.

Frau Schröder war außerdem ungemein sym­pathisch, von ruhiger, vornehmer Art, ohne jede Neugier und das Muster einer Hausfrau, immer nett gekleidet, immer liebenswürdig, immer darauf bedacht, daß ihr Gast ja nichts entbehre. Es war auch sehr wohltuend, daß sie nichts fragte, nicht nach dem Woher oder sonst etwas. Sie sorgte ledig­lich für seine Bequemlichkeit.

Das einzige Mißliche für Terry war, wie er die Zeit totschlagen sollte. Es war schrecklich, so etwas wie ein halber Gefangener zu fein, mit den spär­lichen Nachrichten, die Wolfgang Amselmann an Juwelier Mangold schickte und dem, was die Tages­blätter xu berichten wußten. Und das war in letzter Zeit sehr wenig gewesen. Es schien, als sei das Interesse des Staatsanwaltes eingeschlafen. Aber das war wohl nur Trug.

Eden meldete Frau Schröder Besuch. Besuch war gefährlich. Und Frau Schröder hatte feinen Na­men genannt. Terry horchte dem Klang der weib­lichen Stimme nach, die ebenDanfe sehr!" sagte.

(Fortsetzung folgt!)