Ausgabe 
21.1.1936
 
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biete, daß sie aber auch bereit sei, eine Regie« runaderVolksfrontzu bilden. Der Ma- bin" hingegen ist der Ansicht, daß sich die Krisen­macher von der Unmöglichkeit überzeugt hätten, eine Regierung der Volksfront auf die Beine zu bringen.

Die Schlacht von Dolo.

ZmmernochwidersPrechendeHeeresberichte

R om, 20. Jan. (DNB.) Das neueste Telegramm des Marschalls Badoglio lautet:

Die bei Ganala Doria geschlageneArmee des Ras Desta Dampto wird von unseren Truppen unaufhaltsam verfolgt. Die von General Graziani befehligten Abteilungen sind am 18. Januar in das Gebiet des Galla Bo- rana vorgedrungen und haben F i i t u 230 Kilometer von Dolo entfernt, besetzt, wobei sie die feindlichen Truppen, die versuchten, Widerstand zu leisten, verstreuten. Unsere Truppen trafen entlang den Karawanenstraßen auf Scharen o°n Flüchtlingen in erbarmungswürdigem Zustand, die sich ergaben und Wasser und Lebens­mittel erflehten, da die Verpflegung des Gegners

m tiefer Zerrüttung befinden. Auch den Daua Parma und Webi Gestro entlang rücken unsere Truppen vor, wobei sie feindliche Truppen zerstreuen."

Nach Berichten aus Addis Abeba dauert die Schlacht bei Dolo und am Ganale Do­ria weiterhin an. Die Italiener setzen dort vor allem Somali truppen ein, mit deren Spitzen­abteilungen die Heeresgruppe Ras Desta ständig im Kampf liegt. Die abessinische Regierung erklärt, daß die italienische Presse kleine örtliche Erfolge bei Dolo in einen großen italienischen Sieg umgewertet habe, um den Kampfgeist der eigenen Truppen und des Volkes zu heben, da die bisherigen außerordentlich schweren Verluste in keinem Verhältnis zu den erzielten Erfolgen stün­den. Man versuche, durch derartige Meldungen auch die Widerstandskraft der abessinischen Truppen ünd der Bevölkerung zu schwächen. Aber selbst der Gebrauch von Gas und die Bombenabwürfe auf Städte, Lazarette und Verbandsplätze würden das abessinische Volk nicht zum Abbruch des Kampfes bringen. Selbst unter schwersten Verlusten werde das abessinische Volk bis zur Befreiung seines Landes kämpfen.

Die Ratstagung in Genf.

Keine Unterfuchungskommission nach Abessinien.Finanzhilfe abgelehnt.

Genf, 20. Jan. (DNB.) Der Völkerbundsrat hat heute um 11 Uhr seine 90. Tagung eröffnet. Der Rat beschloß die Einberufung einer internationalen Konferenz, die ein internationales Abkommen über die Verwendung d e s Rundfunks im Interesse des Friedens und zur Herstel­lung eines besseren Verständnisses unter den Völ­kern ausarbeiten soll. Auch Deutschland, die Ver­einigten Staaten, Brasilien, Costarica, Danzig, Aegypten, Island und Japan sollen eingeladen werden. Der polnische Vertreter begrüßte die Ent­schließung als einen Schritt a u f dem Wege zur geistigen Abrüstung, die Polen seit dem Scheitern der Abrüstungskonferenz durch zweiseitige Abkommen zu verwirklichen bestrebt sei. Der Völker­bundsrat nahm auch eine Entschließung über die im Schulunterricht zu verwendenden Geschichts­bücher an, die den Wunsch ausdrückt, daß im Interesse guter internationaler Beziehungen die Jugend in allen Ländern eine gründlichere und vorurteilslosere Unterrichtung über d i e Geschichte der anderen Völker er­halten solle.

Der D r e i z e h n e r a u s s ch u ß des Völkerbunds­rates hat über den italienisch-abessinischen Konflikt beraten. Das Ergebnis war die Feftellung, daß kein Anlaß zur Entsendung eines Untersuchungsausschusses nach Abes­sinien vorliege, daß im Augenblick nichts hin­sichtlich der Schlichtung geschehen könne und daß ferner der 18er-Ausschuß der Sanktivns- konferenz über den Fortgang der Sank­tionen zu beschließen habe. Der Dreizehner-Aus­

schuß hat auch das Verlangen Abessiniens nach einer Finanzhilfe abgelehnt.

In einer neuen Erklärung der abessinischen Re­gierung heißt es: Es zeige sich jetzt, daß die kleinen Völker bei der Verteidigung ihrer Unabhängigkeit und territorialen Unversehrtheit vor­wiegend auf s i ch selbst angewiesen seien. Das abessinische Volk sei fest entschlossen, so lange zu kämpfen, bis sein Gebiet vom Feinde befreit sei und es Bürgschaften gegen einen künftigen An­griff erlangt habe. Die abessinische Regierung stelle aber die Frage, ob die Opfer und die Leiden Abes­siniens nicht abgekürzt werden könnten. Wenn nicht nachdrücklich und rasch eingegriffen werde, werde der Krieg langwierig sein.

Die Note spricht sodann von trügerischen Meldungen über sensationelle Siege am Vorabend der Ratstagung und von einem Ma­növer, das Verlangen der abessinischen Regierung nach Untersuchung der italienischen Greuel in eine politische Untersuchung zur Vorbereitung eines An­schlages auf die Unabhängigkeit und Unversehrtheit Abessiniens umzuwandeln. Die abessinische Regie­rung erkenne Italien keinerlei Expansionsrecht und keinerlei historische Mission in Afrika zu. Eine Auf­forderung an Abessinien, ein solches Recht durch die Aufgabe seiner Unabhängigkeit und Unversehrtheit anzuerkennen, verstoße gegen den Pakt. Die Grund­lage für eine Regelung des Konfliktes müßten die Schlußfolgerungen des Dreizehnerausfchufses vom 5. Oktober 1935 betreffend von Italien mit dritten Mächten über Abessinien abgeschlossene Verträge, ferner der im September 1935 vom Fünferausschuß ausgestellte Grundsatz bilden.

Das Balfour-Memorandum über die Kriegsziele der Alliierten veröffentlicht. Große Erregung in Amerika.-Oie Regierung in peinlicher Verlegenheit.

Washington, 20. Jan. (DNB.) Das bisher oirfs strengste geheim gehaltene Memorandum Balfours (des britischen Außenministers im Kriegskabinett Lloyd George) vom 18. Mai 1917 ist jetzt veröffentlicht worden. In diesem Memoran­dum berichtet Balfour über d i e Verträge, durch die die Alliierten die Kriegsbeute auf Kosten Deutschlands, Oesterreichs und der Türkei unter sich z u teilen planten.

Bekanntlich hatte Lansing, der dies Memo­randum von Balfour im Jahre 1917 erhielt, noch 1919 vor dem Senatsausschuß erklärt, er habe er st in Versailles 1918 von diesen Verträgen Kenntnis erhalten. Senator Nye hat den Zorn gewisser Kreise hervorgerufen, als er des­wegen Wilson der Unwahrheit bezichtigte. Das Me­morandum zählt die Versprechungen auf, die man Italien machte, um es aus dem Dreibund in die Entente zu locken und enthält Pläne zur Zerstückelung der Mittelmächte. Die britische Regierung hat schon, als seinerzeit der Mu­nitionsausschuß seine Tätigkeit aufnahm, die An­frage Hulls, ob dieses Dokument veröffent­licht werden dürfte, mit Nachdruck verneint; das Staatsdepartement ist jetzt sehr verlegen über diese

Veröffentlichung, die dadurch entstanden ist, daß Senator Nye von der Opposition, der sog. Alten Garde schwer bedrängt, sich rächte und den Inhalt des Memorandums an die Presse gab, ob­wohl die Regierung ihm Schweigepflicht a u f e r l e g t hatte.

Die Veröffentlichung des Dokuments hat in Amerika starke Erregung ausgelöst. Staats- sekretär Hüll hat am Montag eine scharfe Erklärung abgegeben, in er es heißt, daß die amerikanische Negierung es als ihre heiligste Pflicht betrachten müsse, das Vertrauen anderer Mächte nicht zu miß- brauchen und Dokumente nicht zu veröffentlichen, die diese im Vertrauen auf die amerika- nische Verschwiegenheit und Anstands­pflicht an die Regierung der Vereinigten Staaten mit der Bitte um Geheimhaltung sen­den. Wenn der Kongreß hierbei nicht mitarbeite, sondern die Verschwiegenheitspflicht verletzte, so sei die Regierung der Vereinigten Staaten gezwungen, den Mitgliedern des Kongresses fortan Ein- blick in diese Dokumente z u verwei­gern. Wie verlautet, hat Staatssekretär Hüll am Montag alle noch nicht veröffentlichten Geheimakten vom Senatsausschuß zurückholen lassen.

vertiefen. Führende Staatsmänner würden den tie­feren Sinn einer Völkergemeinschaft besser ver­stehen, wenn sie andere Nationen richtig erkennten und achteten.

Auflösung des japanischen Reichstags.

Tokio, 21. Jan. (DNB. Funkspr.) Der japa­nische Reichstag wurde am Dienstag aufgelöst, lieber die Gründe der Reichstags-Auflösung erfährt man aus Extrablättern der japanischen Presse, daß die Partei der Seiyukai beabsichtigt hatte, gleich bei Beginn der Reichstagssitzung einen Miß­trauensantrag gegen bi e Regierung einzubringen. Aus wahltaktischen Gründen beant­wortete die Regierung diesen Plan mit der Auf­lösung des Hauses.

Japan entsendet Beobachter zur Flottenkonferenz.

London, 20. Jan. (DNB.) Wie verlautet, hat Japan die Einladung der in London vertretenen vier Flottenmächte, Beobachter in die Flottenkon­ferenz zu entsenden, angenommen. Am Mon­tag fand eine Sitzung des technischen Unteraus­schusses der Flottenkonferenz statt, die einen befrie­digenden Verlauf nahm. Wegen des Todes des Königs Georg wird die Londoner Flottenkonferenz bis auf weiteres unterbrochen.

114 neue Torpedobomber für Amerika

ist das Saar-Industriegebiet an den Rhein und damit an das deutsche Binnenschiffahrtsnetz anzu­schließen, die ungünstige Frachtlage des Grenzlan­des auszugleichen und der Wirtschaft im Gau Saarpfalz Entwicklungsmöglichkeiten für die Zu­kunft zu schaffen. Auch für die übrigen süddeutschen Gebiete ist der Kanalplan von großer Bedeutung, zumal im Hinblick auf den weiteren Ausbau von Neckar, Main und Hochrhein, und die sich daraus ergebenden Möglichkeiten eines frachtbilligen Güter­austausches zwischen Saar und Süddeutschland auf dem Wasserwege. Zu dem Versand von Saar- k o h l gen Osten tritt zukünftig in umgekehrter Richtung als neues, wichtiges Massengut der B e - zugoon süddeutschen Eisenerzen durch die Saarhütten, wodurch die Rentabilität des Kanals sich wesentlich erhöht.

Beförderungen in der Wehrmacht.

Berlin, 20. Jan. (DNB.) Der Führer und Reichskanzler hat mit Wirkung vom 1. Januar 1936 befördert: zum General der Kavallerie Gene­ralleutnant Knochenhauer, Kommandierender General des X. Armeekorps; zu Generalleutnanten Generalmajor von (Boiler, Kommandeur der 19. Division, Generalmajor Keitel, Chef des Wehrmachtamtes.

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Japans Politik in Ostasien.

Ein Oreimächteblock mit Ehina und Mandschuko gegen den Kommunismus.

Tokio, 20. Jan. (DNB.) Der japanische Außen- Minister Hirota erklärte im Reichstag, daß Japan besondere Aufgaben wie Erhaltung und Festigung des Friedens im fernen Osten habe. Die grund­sätzlichen Voraussetzungen hierfür seien die U n - trennbarfeit Japans und Mandschu - k u o s und der Ausgleich mit China und der Sowjetunion. Hirota setzte sich bann leb­haft für die Bildung eines Dreiländerblocks Japan-China-Mandschukuo ein und stellte für die Verwirklichung dieses Zieles drei For­derungen auf: Erstens müsse China ein eindeutiges Bekenntnis zur Zusammenarbeit mit Japan ablegen, um die Einmischung dritter Länder zu verhindern. Japan werde dann bereit sein, China in jeder Beziehung zu unter­stützen. Zweitens müsse China Mandschukuo anerkennen und diese Anerkennung durch die Duldung der Selb st Verwaltung Nord­chinas vorbereiten. Drittens müssen sich die drei Länder, Japan, China und Mandschukuo, zur Be­kämpfung des Kommunismus zusammen- schließen. Dies sei die notwendige Grundlage für «WHWMI.I I MUIWIWBMMmMMramEM

'M Ausgleich mit der Sowjetunion, durch ihre gewaltigen Rüstungen an der Ost- aze die Verständigung verhindere unb Gefechten auslöse.

Hirota kam dann auf die Beziehungen Japans zu den Vereinigten Staaten. Zwischen bei­den Ländern werde es zu keinen Konflikten kom­men, wenn man auf beiden Seiten die geographi­schen Gegebenheiten achte. Auch mit England könne ein Ausgleich auf breiter politischer und wirtschaftlicher Grundlage gefunden werden, wenn England einer vernünftigen Regelung im (Seifte alter Freundschaft zustimme.

Japan fordere die Befreiung des Außen­handels vonungerechten und unsinnigen Schranken". Ferner die Sicherstellung der Rohstoffe als Grundlage des nationalen Lebens und des internationalen Ausgleichs, insbesondere für übervölkerte Länder. Japan hat bisher fremde Kulturen ausgenommen und verarbeitet und so Verständnis für andere Völker gefunden. Jetzt muß ein Austausch der Kulturen erfolgen, um die geistige Verbindung von West und Ost zu

Washington, 20. Jan. (DNB.) Wie das Ma­rineamt bekanntgibt, sind bei den Flugzeugwerken Douglas Aircraft Co. in Santa Monica 114 neue Torpedobomber in Auftrag gegeben worden. Die Kosten betragen 3 636 000 Dollar. In der Erklärung des Marineamtes wird mitgeteilt, daß es sich bei diesen neuen Flugzeugen um Eindecker des sog. Typs TBD handelt, die gegenüber anderen Typen eine erheblich größere Geschwindigkeit und viel größeren Aktionsradius be­sitzen. Die neuen Flugzeuge sollen den Flug­zeugträgern zugeteilt werden.

Gründung eines Saarpfalz-Rhein- Kanalvereins.

LPD. Mannheim, 20. Jan. Der mit der Rückgliederung des Saarlandes in den Vorder­grund gerückte Plan einer Kanalverbindung von der Saar durch die Pfalz an den Rhein bei Mannheim-Ludwigshafen ist durch die soeben in Saarbrücken erfolgte Gründung eines Saarpfalz-Rhein-Kanalvereins" in ein neues Stadium getreten. Die Städte Saar­brücken und Mannheim haben die Führung ergriffen, um alle am Kanalbau interessierten Kreise des Saarlandes, der Pfalz und der angren­zenden Gebiete zu gemeinsamer Arbeit zusammen- zuschließen. Das mit dem Kanalbau verfolgte Ziel

Ehrung des Abtes Schachleiter.

Die Philosophische Faktultät der Universität München verlieh auf Grund einmütigen Be­schlusses dem Abt Alban S ch a ch l e i t e r anläßlich seines 75. Geburtstages den Titel D r. p h i 1. h. c. Diese Ehrung Schachleiters erfolgte wegen feiner großen Verdienste um die Musikwissenschaft. Ihm ist es zu verdanken, daß die antike Schönheit der gregorianischen Choralmelodie neu erstand.

Kasseler hikler-Iugendführer tödlich verunglückt.

Der Standortführer Kassel der Hitler-Jugend, Unterbannführer Hans Humbert, verun­glückte bei einer Dienstfahrt mit dem Motorrad so schwer, daß er nach feiner Einlieferung in das Landeskrankenhaus an dem erlittenen schweren Schädelbruch ft a r b. Unterbannführer Hans Hum­bert war als alter Hitlerjunge aus der Kasseler HI. hervorgegangen. Sein jäher Tod überschattete die große Führertagung der kurhessischen HI. am Sonntag, mit deren Vorbereitungsarbeiten der Ver­unglückte zu einem großen Teil beauftragt war.

Große Kälte verursacht Eisenbahnunglück in Mandschukuo.

Auf dem östlichen Abschnitt der Ostbahn ist in der Nähe der Grenzstation Suifenho in der Pro­vinz Kirin ein Personenzug entgleist. Das Unglück forderte einen Toten und 24 23 er« letzte. Die Lokomotive und sechs Wagen wurden

Wie die Blume eines guten Weines, so entwickelt sich auch das Aroma edlen Tabaks erst nach mehrjährigem Lagern. Deshalb verarbeiten wir jetzt die hervor­ragenden 33er Macedonen in der ALVA-Mischung.